FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: ESG, Klimawandel, SDGs – CAT Bonds, Ratings & Vulkane (Interview – Roland Kölsch, Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen)

Nachhaltige Geldanlagen, ESG-Kriterien, Klimawandel und Ratings – bei vielen privaten und institutionellen Investoren stehen diese Themen im Fokus. Markus Hill sprach mit Roland Kölsch, Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG), über diesen Themenkreis und über die speziellen Besonderheiten und Herausforderungen beim Ratingprozess von CAT Bonds (Insurance-Linked Securities). In dem Gespräch werden die Besonderheiten der Asset-Klasse Katastrophenanleihen, der Zusammenhang zu Themen wie Nachhaltigkeitskriterien (SDGs), „Impact Investing“ und auch die Vorteile und Nachteile dieses speziellen Marktsegments thematisiert. Die vor kurzem stattgefundene Emission von CAT Bonds („Rotes Kreuz & Vulkane“) und die aktuelle Suche von Investoren nach alternativen Anlagemöglichkeiten in der Niedrigzinsphase unterstreicht die Aktualität des Themas.

Hill: Herr Kölsch, Sie verantworten nun schon bereits im fünften Jahr den Qualitätsstandard Nachhaltiger Geldanlagen, das FNG-Siegel. Erläutern Sie doch mal, was es damit auf sich hat?

Kölsch: Aus der Motivation heraus, den wachsenden Wildwuchs an Nachhaltigen Geldanlagen in gewisse Bahnen zu lenken, haben sich 2012 verschiedene Stakeholder zusammengefunden, um in einer dreijährigen Entwicklungsarbeit Kriterien zur Einordnung der Qualität Nachhaltiger Finanzprodukte zu erarbeiten. Unter Mitwirkung von Finanzberatern, Asset Ownern, Ratingagenturen, Wissenschaft, Kirche, Asset Managern und NGOs wurde das Gütezeichen 2015 auf den Markt gebracht.
Herausgekommen ist eine vielschichtige Methodik, die versucht, die unterschiedlichen Bausteine, die bei den verschiedenen Anlage-Wegen zu (mehr) Nachhaltigkeit zur Anwendung kommen, zu bewerten und in einem mehrstufigen Label auszudrücken. Die ganzheitliche Methodik basiert auf einem Mindeststandard. Dazu zählen Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- & Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung wie sie im weltweit anerkannten UN Global Compact zusammengefasst sind. Auch müssen alle Unternehmen des jeweiligen Fonds komplett auf Nachhaltigkeits-Kriterien hin analysiert werden. Tabu sind Investitionen in Atomkraft, Kohlebergbau, bedeutsame Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung. Hochwertige Nachhaltigkeits-Fonds, die sich in den Bereichen „institutionelle Glaubwürdigkeit“, „Produktstandards“ und „Portfolio-Fokus“ (Titelauswahl, Engagement und KPIs) besonders hervorheben, erhalten bis zu drei Sterne.

Roland Kölsch, Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen
(QNG)
Roland Kölsch, Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen
(QNG)

Dabei geht das FNG-Siegel weit über die reine Portfoliobetrachtung hinaus und beinhaltet quantitative und qualitative Elemente. Mit über 80 Fragen wird z.B. der Nachhaltigkeits-Anlagestil, der damit einhergehende Investmentprozess, die dazugehörigen ESG-Research-Kapazitäten und ein evtl. begleitender Engagement-Prozess analysiert und bewertet. Darüber hinaus spielen Elemente wie Reporting, Kontroversenmonitoring, ein externer Nachhaltigkeitsbeirat und die Fondsgesellschaft als solche eine wichtige Rolle.
Je vielschichtiger und intensiver ein Fonds auf den verschiedenen Ebenen aktiv, umso höher ist seine Nachhaltigkeits-Qualität und das Potential, letztendlich indirekten und direkten Impact zu erzielen.

Hill: Nun klingt das so, als ob hierbei nur die üblichen Aktien-, Renten- oder Mischfonds bewertet werden.

Kölsch: Da die Mehrheit des Produktangebots auf dem Markt aus diesen Assetklassen stammt, bewerben sich auch überwiegend Finanzprodukte, die aus diesen klassischen Anlageformen kommen. Allerdings findet man unter den von uns ausgezeichneten Investmentfonds immer mehr nicht ganz so gewöhnliche Anlagekonzepte wie z.B. Wandelanleihen, High Yield, Emerging Markets, Wertsicherungs- und Nachrangkonzepte. Mikrofinanz steht aktuell vor der Tür und bei Immobilien wird gerade die Transparenz-Grundlage geschaffen. Exotisch wurde es 2018 als wir nach über einem Jahr Vorarbeit den ersten Cat Bonds Fonds auf seine Nachhaltigkeits-Qualität prüften.

Hill: Wieso exotisch?

Kölsch: Was sich sehr einfach anhört ist alles andere als trivial. Denn bei einem Cat Bond geht es zwar letztlich um eine Anleihe, diese ist aber wiederum in eine mehrgliedrige Struktur unterteilt. Ein Cat Bond ist ein Konstrukt mit verschiedenen Komponenten und Akteuren.
Nicht die Versicherungsgesellschaft emittiert die Cat Bonds, sondern eine eigens dafür gegründete Zweckgesellschaft, die zwischen dem Investor und der Versicherung steht. Anders als bei ABS hat diese den Zweck, mit der Versicherung als sog. Sponsor/Zedenten einen Rückversicherungsvertrag abzuschließen. Die potenziellen Verpflichtungen, die aus diesem Vertrag entstehen, werden durch die Emission einer Anleihe finanziert, in die die Anleger:in dann investiert.
Eine weitere Komponente ist die Versicherungsprämie. Sie wird bei der Emission fest ausgehandelt und muss die über den Rückversicherungsvertrag eingegangenen Risiken adäquat entschädigen. Die Prämie wird vom Sponsor, also vom Versicherer, bezahlt und dann zusammen mit der Geldmarktkomponente in Form eines Coupons der Anleger:in ausgezahlt. Zusammenfassend erhält die Anleger:in einen variablen Teil aus der Geldmarktkomponente und eine fixe Entschädigung für das Versicherungsrisiko.

Hill: Was macht denn solch eine exotische Assetklasse wie Cat Bonds grundsätzlich so attraktiv?

Kölsch: Cat-Bonds sind Anleihen, über die Versicherungsschäden aus seltenen Naturkatastrophen gedeckt werden. Katastrophenanleihen beziehen sich in der Regel auf Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdbeben und Pandemien und eignen sich deshalb gut zur Diversifikation größerer Portfolios, da Naturkatastrophen nichts mit der Börse zu tun haben und verschiedene Katastrophen untereinander wiederum kaum miteinander korreliert sind. Der Wert eines Cat Bonds schwankt kaum, solange das definierte Schadenereignis nicht eintritt, denn das Geld wird in sicheren, kurz laufenden Anleihen geparkt. Gegenpartei- und Zinsrisiko sind gering, es wird ein fixer Zins über Geldmarktniveau gezahlt. Die Anleihen werden zum Nominalwert emittiert und am Ende der Laufzeit zu 100% zurückbezahlt. In einem vorab zu definierenden Fall des Eintritts einer „Katastrophe“, sog. Trigger-Events (meist während eines festgelegten Zeitraums von drei bis fünf Jahren) wird die gesamte Höhe bzw. zumindest ein Teil des eingezahlten Kapitals an den Emittenten der Anleihe transferiert. Das Risiko besteht also darin, dass Anleger:innen, wenn es zu solchen Katastrophen kommt, Geld verlieren. Die Verlust-Wahrscheinlichkeit wird mit höheren Zinsen kompensiert. Gerade in Zeiten von Null- und sogar Minuszinsen bieten Cat Bonds also einen nicht uninteressanten Yield-Pickup und ermöglichen (qualifizierten) Investoren eine Verbesserung ihres Rendite-Risiko-Profils.
Mit der Verbriefung von Katastrophenrisiken auf dem Finanzmarkt wird eine zusätzliche Versicherungsmöglichkeit geschaffen, die es oft überhaupt erst ermöglicht, dass (Spitzen)Risiken versichert werden können, die ansonsten kein einzelner Versicherer aufs Buch nehmen würde.
So hat kürzlich das dänische Rote Kreuz einen Cat Bond platziert, der Vulkanismusrisiken in Entwicklungsländern deckt und zur Finanzierung von Hilfsmaßnahmen gedacht ist.
Es geht also bei Eintritt einer (Natur)Katastrophe immer um konkrete Mittelverwendung, sog. „use of proceeds“.

Hill: Das wäre doch völlig im Sinne der SDGs der Weltgemeinschaft.

Kölsch: Die 17 Nachhaltigkeitsziele mit ihren 169 Unterzielen stellen ein gut verständliches Rahmenwerk zusammengefasster Herausforderungen der Weltgemeinschaft dar, für die es bis 2030 Lösungen erfordert. Auch vom Kapitalmarkt. In der EU wird hochaktuell der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums umgesetzt, die sog. Sustainable Finance Regulatorik.
Nun haben die Macher der Gesetze in Brüssel allerdings den ILS-Markt in ihren Überlegungen nicht berücksichtigt, sprich Cat Bonds sind „out of scope“ der Regulatorik. Hier besteht also die Gefahr, dass diese, nachweislich direkten Impact erzielende Assetklasse in einem in Zukunft regulierten Markt Nachhaltiger Geldanlagen gar keine Berücksichtigung findet.  Damit würde eine an sich auch aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten je nach Ausgestaltung sehr attraktive Assetklasse bei abzusehendem hohen Interesse der Anleger:innen an Nachhaltigen Geldanlagen im Keim erstickt werden. Dabei erfüllt diese Investitionsmöglichkeit prinzipiell sogar die strengen Anforderungen des Artikels 9 der Offenlegungsverordnung und kann auch leicht an die noch zu komplettierenden, als nachhaltig definierten Wirtschaftsaktivitäten der Taxonomie andocken.

Hill: Wo liegen denn die Herausforderungen dieser vom Namen nach erstmal verwirrend klingenden Assetklasse, die nicht selten in dem Sinne völlig gegensätzlich missverstanden wird, dass Anleger:innen von Katastrophen auch noch profitieren?

Kölsch: Hier sprechen Sie ein wichtiges Wahrnehmungsproblem von Katastrophenanleihen an. Die Anleger:in profitiert ja gerade nicht von einer Katastrophe. Im Gegenteil. Das im Cat Bond geparkte Geld kommt zur (Teil)Auszahlung und stellt Kapital für diejenigen bereit, die von Naturkatastrophen oder Pandemien betroffen sind.
Wenn es nun um die Beurteilung der Nachhaltigkeit dieser nicht ganz so trivialen Form der Geldanlage geht, ist Transparenz erstmal der Beginn jeglicher Bemühungen. Eingangs muss man sich die verschiedenen Bausteine eines jeden Finanzprodukts ansehen und letzten Endes versuchen, den Weg des Geldflusses nachzuvollziehen. Letztendlich möchte eine Anleger:in mit Ihrer Investition in eine Nachhaltige Geldanlage eine Wirkung erzielen. Diese kann direkter oder indirekter Natur sein. Wirkungskanäle sind meist mittelbar und auch nicht immer kausal darstellbar

Hill: Und wie gehen Sie bei Cat Bonds im konkreten Fall vor?

Kölsch: Kern von Nachhaltigkeitsüberlegungen bei Geldanlagen ist zu ermitteln, was ein Investment letztlich unterstützt oder eben nicht. Im Idealfall mit konkret nachweisbaren Wirkungen, Impact auf neudeutsch. Wirkungs-Werkzeuge Nachhaltiger Anleger:innen sind „Fördern“, „Fordern“ und „Verhindern“.
Da das zentrale Element bei Cat Bonds die Mittelverwendung bei eintretendem Schadensfall ist, haben wir uns in einem ersten Schritt hauptsächlich darauf konzentriert. Das ist also ein anderes Vorgehen im Vergleich zu einem konventionellen Nachhaltigkeitsfonds, bei dem es in der Regel um die ESG-Analyse der jeweiligen Unternehmen geht, in die der Fonds investiert. Hier würde man sich also eine Münchener Rück oder Swiss Re als Ganzes aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit anschauen. Bei Cat Bonds macht es keinen großen Sinn, sich die Zedenten wie Versicherer oder Rückversicherer im Detail anzusehen. Das wäre unzureichend, da Versicherer vielfältige Bilanzpositionen mit großen Mengen an Vermögenswerten und Verbindlichkeiten haben. Auch das zwischengeschaltete Vehikel steht nicht im Zentrum der Analyse. Es sind eindeutig die Aktivitäten, die finanziert werden, sollte im Fall einer Katastrophe z.B. Geld für einen Wiederaufbau fließen. Cat Bonds bzw. Cat Bonds-Fonds haben einen spezifischeren Fokus. Sie bedürfen daher einer detaillierteren Analyse, genauso wie das bei Green Bonds auch der Fall ist.
Deshalb entwickelten wir in unserem SRI-Qualitätsstandard einen eigenen detaillierteren Ansatz, der überhaupt erstmal für Transparenz sorgen sollte. Anhand eines ersten Cat Bonds-Fonds musste dieser nachweisen, dass Geldflüsse seiner investierten Anleihen im Falle von sog. Trigger-Events zumindest nicht in die Mindestausschlusskriterien des FNG-Siegels münden. Es durften also z.B. keine Zahlungen an Firmen geleistet werden, die an Aktivitäten wie Waffenherstellung, Fracking und Kohleabbau beteiligt sind.
Die Ermittlung der Zahlungsströme ist also essentiell. Dies alleine war schon eine große Herausforderung, denn auch der Fondsmanager wusste nicht genau, wohin das Geld im Falle eines Trigger-Ereignisses fließt.

Leider stellte sich dabei ein blinder Fleck einer an sich allgemein transparenten Datenlage bei Cat Bonds heraus, da viele Zweckgesellschaften keine Auskunft bzgl. des Nachhaltigkeits-Charakters Ihrer versicherten Kunden liefern wollten bzw. konnten. Hier setzte übrigens parallel ein Engagementansatz des Fondsanbieters ein, der mittlerweile auch mit anderen Prouduktanbietern auf die Notwendigkeit einer systematischen Erfassung von Nachhaltigkeitsmerkmalen pocht, um den ESG-Anforderungen der Endinvestoren und auch der Regulatorik gerecht zu werden.
Da unser Audit-Team und eine unterstützende ESG-Agentur kaum Rückmeldungen von den Cat Bonds-Zweckgesellschaften selbst bekam und auch die Bereitschaft mittels Verpflichtungserklärungen sich zu den Ausschlusskriterien des FNG-Siegels zu bekennen nicht gegeben war, gingen wir induktiv vor; zäumten das Pferd quasi von hinten auf.

Es wurden alternative Annäherungskriterien als Proxies ausfindig gemacht, die an den verschiedenen Kontrakttypen der jeweiligen Cat Bonds ansetzen. So kann aufgrund von Cluster wie z.B. „Residential“, „Commercial“, „Industrial“ und „Pandemic“ das dann weiter zu analysierende Universum verbleibender Cat Bonds eingeschränkt werden. Losgrößen einzelner Versicherungssummen geben Hinweise auf in Frage kommende Großprojekte, Einzelobjekte wie AKWs oder Geschäftspartner privater, gewerblicher oder industrieller Natur. Weitere Daten ließen sich aus dem Volumen der Zahlungen ableiten. So bestätigten Sachverständige beispielsweise, dass kleine Aufträge mit ziemlicher Sicherheit nicht die ausgeschlossenen Aktivitäten betreffen würden. Pandemie- oder Sterblichkeitsanleihen, die aufgrund von Todesfällen und Krankheiten auszahlen, stehen per Definition nicht in Verbindung mit den geforderten Ausschlusskritieren. Ebenso wenig würden Zahlungen zur Deckung von Wohn- oder Gewerbeverlusten damit in Verbindung gebracht. Je nach Zusammensetzung des BIP und der geographischen Aufteilung der Versicherungen können weitere Schlussfolgerungen gezogen werden. Es liegt per Definition auf der Hand, dass der erste und dritte Sektor einer Volkswirtschaft nichts mit Industrie zu tun hat. Gutachterliche Arbeit eines Versicherungs- und Risikomanagement Lehrstuhls einer Hochschule sorgte für weitere Aufklärung. Schlussendlich konnte mit solchen Methoden nachgewiesen werden, dass nahezu 100% des Portfolios nicht den ausgeschlossenen Aktivitäten zuzuordnen waren.
Übergeordnet wurden Basis-Checks auf Ebene des Sponsors bzgl. verbindlicher Nachhaltigkeits-Leitlinien wie z.B. die Unterzeichnung der Principles for Sustainable Insurance oder die Compliance zu den zehn Prinzipien des UN Global Compacts vorgenommen. Vernachlässigt wurde in diesem ersten Schritt die genaue Durchsicht des geparkten Sicherungsvermögens.

Hill: Dann ist aber noch viel zu tun, bevor man von einem wirklichen Standard sprechen kann.

Kölsch: Mit der erstmaligen Vergabe des FNG-Siegels an einen Cat Bonds-Fonds wurde bestätigt, dass es in besagtem Produkt um mehr geht als die reine Übernahme von (zusätzlichen) Versicherungsrisiken durch den Kapitalmarkt. Schwerwiegende Schäden, die durch Naturkatastrophen entstehen, werden so behoben und mit dem Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur werden die Lebensumstände der Betroffenen systematisch verbessert, was u.a. die Stabilität der Gesellschaft bewahrt. Diese Form der Zukunftssicherung wird heute vorwiegend für hochentwickelte Regionen genutzt. Die gezielte Absicherung von Naturkatastrophenschäden in weniger entwickelten Regionen beginnt jedoch ein wesentlicher Baustein supranationalen Engagements zu werden. CAT Bonds entwickeln sich im Kreise von Weltbank, WHO und Regierungen zur einem guten Werkzeug gegen die Folgen von Pandemien, Erdbeben und großen Stürmen.
Es ist an der Zeit, die Nachhaltigkeitsbemühungen dieser attraktiven Assetklasse auf die Stufe 2.0. zu heben. So trat durch unsere Arbeit zu Tage, dass selbst die großen Rückversicherer nicht wissen, was im Einzelnen genau über deren Bücher läuft, wenn z.B. ein Trigger-Event entsprechende Zahlungsausflüsse auslöst. Das ist ein potentielles Reputationsrisiko für jedes Top-Management, das gerade generelle konzernweite Ausschlüsse auch medienwirksam kundtut. Wenn man so will, haben wir mit dem FNG-Siegel erstmal einiges an Pionierarbeit geleistet um Transparenz-Grundsteine zu setzen und quasi ein Rahmenwerk geschaffen, das es überhaupt erstmals ermöglicht, „DNSH“ (die im EU-Kontext für Sustainable Finance so wichtige „do not significant harm“ Regel) ausfindig zu machen.
Dies kann aber nur ein erster Schritt sein, dem weitere folgen müssen. Es ist zwar beruhigend zu wissen, dass gewisse Geschäftsaktivitäten verhindert werden. Zukunftsträchtiger und im Sinne der ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen viel wichtiger sind aber bewusste Förderungen gewünschter nachhaltiger Entwicklungen. Hier kommen Positivkriterien und gezielte Themen als attraktive Investitionsmöglichkeiten ins Spiel. Auch muss das jeweilige Sicherungsvermögen zum Parken der ESG-Mindestanforderungen genügen, da dies genauso wie ein Portfolio eines Nachhaltigkeits-Fonds angesehen werden muss.
Die gesamte SRI-Branche muss sich dafür einsetzen, dass die ILS-Branche und die dahinter stehenden Erst- und Rückversicherer in Sachen Transparenz voranschreiteten. Auch vor dem Hintergrund, dass man bislang eigentlich nur das Versicherungsvermögen nach ESG-Kriterien analysieren kann, nicht aber das sog. „underwriting”. Es geht also um die Aktiv- UND Passivseite.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.


Roland Kölsch ist Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG), die u.a. das FNG-Siegel, den deutschsprachigen SRI-Qualitätsstandard verantwortet. Er ist seit 2005 im Bereich Nachhaltige Geldanlagen aktiv: als Fondsmanager bei einem der großen SRI-Pioniere in Brüssel, Produktspezialist für Nachhaltige Geldanlagen einer Privatbank in der Schweiz und Leiter Asset Management der Alternative Bank Schweiz.

Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG): https://qng-online.de

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