FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: Auslaufmodelle oder Champions League & Salz in der Suppe? (Holger Leppin, Plenum Investments AG)

Der Begriff Boutique wird laut Duden als “kleiner Laden” übersetzt – einige Asset Manager, welche in die Kategorie Fondsboutiquen eingeordnet werden, hätten mit dieser Titulierung in der Regel keine Freude, andere würden sie mit Begeisterung begrüßen und wertschätzen. Im Asset Management-Bereich stellen diese agilen Häuser in einer immer mehr regulierten und auf Gleichklang ausgerichteten Anlagewelt vielleicht sogar das “Salz in der Suppe“ dar.

Seit über 20 Jahren bewege ich mich in der Landschaft von sogenannten Spezial-Anbietern im Asset Management, wie man Fondsboutiquen (Boutiquen) auch bezeichnen könnte. Sie zeichnet in der Regel folgendes aus:

  1. Fokussierung auf eine oder wenige, meist besondere Asset Klassen wie zum Beispiel Private Equity, Hedgefonds, „Geschlossene Fonds“ / AIF, Micro-Finance, Insurance-Linked Securities (ILS) oder auch ganz neue Entwicklungen wie zum Beispiel Krypto-Assets.
  2. Hochspezialisierte Portfoliomanager und Analysten für die jeweiligen Segmente mit entsprechenden Marktzugängen und Knowhow.
  3. In der Regel erhöhte Wissens-Anforderungen an Mitarbeiter im Produktmanagement, Sales, Marketing und IT.
  4. Besonders in den Anfangsjahren hohe Selbstmotivation, ein besonderer “Team-Spirit“ – kombiniert mit dem Wissen, seinen Investoren einen Mehrwert bieten zu können und sehr eng mit ihnen zusammenarbeiten zu können.
  5. Sehr hohe Kontinuität im Management und bei Mitarbeiter*innen.
Holger Leppin, Senior Relationship Manager bei Plenum Investments AG
Holger Leppin, Senior Relationship Manager bei Plenum Investments AG

Aus meiner Sicht suchen und schätzen Investoren gerade diese Besonderheiten – bis heute, trotz deutlich höherer Anforderungen als vor 20 Jahren. Fondsboutiquen liefern mehr als Plain Vanilla und sollten keine Closet Indexer sein: Spezialisierung und aktives (!) Fondsmanagement sind gefragt. Nur wer über viele Jahre seinen Track Record, Service und Innovationskraft aufbaut und erhält, erobert sich eine entsprechende Reputation im Markt.

Herausforderungen – Größe, Kosten und Regulatorik

An welchen Zahlen ist der Begriff Fondsboutique gebunden? Hier scheint es keine fixe Grenze zu geben – als Messlatte im Bereich der AuM sind bis ca. EUR 10 Mrd. als Boutique-Bereich zu hören. Jedoch: Ist man über diese Marke keine Boutique mehr, obwohl sich von der obigen Aufstellung und Anspruch nicht viel geändert hat? Ich meine nein.

Es gibt Beispiele im Markt, die sehr große Volumina (grösser EUR 20 Mrd.) verwalten und im Markt immer noch als “familiär”, “ansprechbar” und “hochkompetent” beschrieben werden. Ein praktisches Beispiel: Ich kenne Chefvolkswirte von mittlerweile sehr großen Asset Managern, die immer noch jedes Jahr am Stand beim Fondskongress in Mannheim den ganzen Tag verbringen und jedem auch noch so scheinbar kleinem Finanzberater geduldig Rede und Antwort stehen. Mit dieser Einstellung erklärt sich auch der Unterschied, warum es andere Häuser nie geschafft haben, die nächste Stufe, manche sprechen auch gern von “Champions League”, zu erklimmen. Und damit sind wir auch schon bei den Gefahren oder Herausforderungen, vor denen Boutiquen stehen. In einem immer anspruchsvoller werdenden Markt, wo man sich nicht nur gegen “günstigere” passive Fonds-Vehikel durchsetzen muss, Kosten allgemein, insbesondere durch die Regulatorik, ein immer entscheidender Faktor werden, oder man einfach durch mangelnde Größe gewisse Skalierungen gegenüber den “großen” Adressen nicht abbilden kann – da wird die Luft dann dünn.

Visibilität, Digitalisierung, ESG und der persönliche Dialog

Und wie können Fondsboutiquen im Markt visibler werden, wenn die Pimcos und BlackRocks dieser Welt über millionenschwere Marketing Budgets mit eigenen Social-Media Abteilungen verfügen, von denen kleine Anbieter nur träumen können?

Im Zuge der Corona Pandemie werden sich viele Asset Manager neu aufstellen müssen. Alte Strukturen aus traditionellen Fachmessen, Kongressen, Roadshows oder persönlichen Treffen mit Portfoliomanagern, Relationship Managern und Investoren sind und werden zunehmend „digitaler“. Wie viel von der “alten” Zeit nach der Pandemie zurückkehren wird, ist schwer abzuschätzen. Komplett zurückkehren wird sie nicht. Denn wenn aktuell nahezu alle Asset Manager ESG-Kriterien in ihre Strategien und Geschäftsmodelle integrieren und “grünes” Investieren “state of the art” ist, wie ist es dann zu vertreten, dass mit tausenden von Dienstwagen-Touren oder Kurzstrecken-Flügen Besuchstermine vereinbart werden? Manchmal kann hier der Eindruck entstehen, dass diese Form der Reiseaktivitäten eher von Gedanken an Status oder Sorge um das Senator-Meilenkonto motiviert sein könnten.

An dieser Stelle soll die Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit von persönlichen Treffen zwischen Asset Managern und Investoren nicht komplett verneint werden, jedoch können und werden sie sich wahrscheinlich auf wenige und effizientere Formen begrenzen. Dies reduziert nicht nur den CO2-Abdruck, sondern ist auch kosteneffizient. Fondsboutiquen haben hier oft sogar den Vorteil, dass sie über langjährig gewachsene Strukturen verfügen und ein gutes Netzwerk etabliert haben, welches sich auch gut “digital” bewirtschaften lässt. Die in Zukunft wieder möglichen, jedoch reduzierten Besuche, werden dann sicher auch wieder geschätzt.

Ausblick

Trotz der angesprochenen Punkte und Herausforderungen vor der kleinere Asset Manager stehen, bin ich davon überzeugt, dass diese mit dem richtigen Geschäftsmodell eine Zukunft haben werden. Und es bleibt zu hoffen, dass es auch weiterhin Investoren/Produkt-Selektoren gibt, die offen sind für genau diese Häuser mit ihren eigenen Ansätzen. Ihnen sollte weiterhin die Möglichkeiten gegeben werden abseits des Mainstreams Entscheidungen zu treffen – nur in diesem Wechselspiel verhindern wir eine Art von Monokultur in der Fonds-Landschaft. Was ist einer der Gründe, warum man mit Freude bei einer Fondsboutique arbeitet? Es ist der lebendige Austausch mit Menschen – der persönliche Kontakt, die persönlichen Entscheidungen die „face to face“ stattfinden – glücklicherweise noch nicht durch Algorithmen ersetzt!


Holger Leppin ist seit 1994 Im Finanz-Sektor mit Fokus «Asset Manager mit Spezialthemen» vertrieblich tätig. So hat er ab 2000 den Weg der MPC Capital AG zum Marktführer bei Geschlossenen Fonds von der Schweiz aus mit begleitet, war ab 2012 für die auf Wandel- und Unternehmensanleihen spezialisierte Fisch Asset Management AG in Zürich tätig und wechselte ab 2020 zur Plenum Investments AG (Insurance-Linked Securities).

LINK zu Plenum Investments AG: https://www.plenum.ch/

Artikel teilen