FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: CAT Bonds, Klimawandel, Risikomanagement & „Palmen aus Stahl“ (Interview – Daniel Grieger, Plenum Investments AG)

Themen wie ESG, Klimawandel und die aktuellen Anlagebedürfnisse von institutionellen Investoren werden intensiv diskutiert. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Daniel Grieger, Plenum Investments AG, über die Herausforderungen für das Portfolio Management im Fixed Income-Segment, den Themenbereich CAT Bonds (Insurance-Linked Securities) und über die persönliche Begeisterung für dieses spezielle Segment. Zusätzlich diskutiert wurde die Bedeutung von Nachranganleihen bei Banken und Versicherungen sowie über die Bedeutung von Empathie (Stichwort: Vielfalt der Interessen & Perspektiven – „Palmen aus Stahl“).

Hill: Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema Insurance-Linked Securities (CAT Bonds)?

Grieger: Ich komme ursprünglich aus Mannheim, mein Studium in St. Gallen war der Grund für meine Emigration. Auf dem St. Gallen Symposium hörte ich den damaligen CEO der Swiss Re, Walter Kielholz, über den Klimawandel referieren. Ich war begeistert davon, dass ein profitorientiertes Unternehmen sich dem Thema annahm. Ich begann für das Institut für Versicherungswirtschaft zu arbeiten, schrieb meine Diplomarbeit im Jahr 1999 über CAT Bonds und – das ist ja wohl klar – hatte meinen ersten Job bei der Swiss Re. Nun war aber damals mit CAT Bonds kein Geld zu verdienen und die regulatorische Arbitrage zwischen der Bankenregulierung und der damals fast nicht existenten Regulierung der Rückversicherer brachte ganz andere Möglichkeiten. Ich wurde zum Underwriter und machte vor allem strukturiertes Kreditgeschäft und Kreditderivate. Eine spannende Zeit. Erst mit meinem Wechsel zu Horizon21 und den Nachwehen von Wirbelsturm Katrina im Jahr 2007 begann ich mich wieder mit CAT Bonds zu befassen und dann auch gleich als Investor. Die Schnittstelle zwischen der Versicherungsindustrie und dem Asset Management hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Beide Welten haben ihre Eigenheiten und diese zu überbrücken empfinde ich als sehr spannend. Zudem geht es in meinem Job darum, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass Versicherungsprämien in bestimmten Geografien erschwinglich bleiben und dadurch die Folgen des Klimawandels für Privathaushalte abzumildern. Mein Arbeitsergebnis wird aber auch hoffentlich in letzter Konsequenz dafür sorgen, dass die Investoren eine höhere und stabilere Rendite erzielen als mit üblichen Anlageinstrumenten.

Daniel Grieger, Partner und Fondsmanager, Plenum Investments AG

Hill: Vor welchen Herausforderungen stehen Investoren im Fixed Income-Bereich aktuell?

Grieger: Investoren mit dem klassischen 60/40-Ansatz stehen vor der Herausforderung, dass ein Großteil ihrer Allokation zu ertragslosen Risikopapieren mutiert sind. Viele Emittenten von Unternehmensanleihen haben die vergangenen Jahre genutzt, sich die für sie attraktiven Konditionen über möglichst langlaufende Platzierungen zu sichern. Also sind die Durationen der Unternehmensanleihen eher gestiegen – bei gleichzeitig rekordtiefen Zinsen. Wer jetzt also weiterhin in Unternehmensanleihen investieren möchte müsste eigentlich mehr Kreditrisiko nehmen. Oder er greift zu Spezialthemen wie beispielsweise Versicherungsnachränge. Hier ist über die starke Regulierung der Versicherer sichergestellt, dass die Emittenten hohe Solvenzanforderungen erfüllen. Das Anlageuniversum ist sozusagen durch die lokalen Regulatoren in den einzelnen europäischen Ländern vorgefiltert. Dennoch zahlen diese Anleihen immer noch attraktive Renditen.

Hill: Wie können hier Insurance-Linked Securities Lösungen bieten?

Grieger: Den Begriff Insurance Linked Securities möchte ich hier breiter fassen und auch das Fremdkapital, das Versicherer emittieren, dazuzählen. Meiner Meinung spielt es ja keine so große Rolle, in welchem Format ich einem Versicherer Kapital zuführe. Ob CAT Bond oder Nachranganleihe – in letzter Konsequenz wird der Versicherer mehr Geschäft schreiben können. CAT Bonds zeichnen sich dadurch aus, dass sie das reine Naturgefahrenrisiko decken und eine marktunabhängige Rendite erzielen, sofern die Erde nicht bebt oder der Wind nicht bläst. Hier gibt es kein Kredit- oder Durationsrisiko. Die Nachranganleihen verkörpern beides, Zins- und Emittentenausfallrisiko. Beide Instrumente eignen sich für den Investor im Jahr 2021. Die Zinsen werden wohl aufgrund der weltweit synchronisierten Konjunkturporgramme mittelfristig steigen. Staatsanleihen sind dann nicht mehr attraktiv. Wenn man jetzt als Investor einen Ersatz im Fixed Income-Bereich sucht, dann bieten sich die CAT Bonds und die Versicherungsnachränge in beiden Fällen an. Die CAT Bonds sind Floater. Die Spreads sind aufgrund des gesunden Marktumfeldes für Rückversicherer relativ attraktiv. Die Versicherungsnachränge bezahlen ebenfalls überraschend hohe Renditen, bringen aber auch ein Zinsrisiko mit sich.

Hill: Womit beschäftigen Sie sich derzeit fachlich intensiver?

Grieger: Wir haben gerade die Vorbereitungen für die Lancierung eines reinen Fonds für Versicherungsnachränge abgeschlossen. Wie bereits oben angesprochen, suchen Investoren ja auf der Fixed Income-Seite nach Alternativen. Häufig werden Bankennachränge bereits eingesetzt, aber für die Versicherungsnachränge fehlt die Expertise. Diese kann man über unseren Fonds einkaufen – bei täglicher Liquidität. Zudem beschäftige ich mich mit dem Thema Sekundärrisiken – damit sind Waldbrände und Überschwemmungen gemeint. Beide Risiken nehmen aufgrund des Klimawandels zu und die Frage stellt sich, inwieweit man hier sein Portfolio exponieren möchte. Ich bin, was diese Risiken betrifft, eher vorsichtig. Da bin ich aber nicht der einzige und es sind schon recht hohe Renditen, die hier locken. Beispielsweise hat gerade das National Flood Insurance Program in den USA einen CAT Bond platziert, der Überschwemmungen aufgrund von Wirbelstürmen in den USA deckt – die weniger riskante Tranche bezahlt hier zum Bespiel bereits 13 %.

Hill: Die Welt besteht nicht nur aus Finanzen. Was lesen Sie aktuell?

Grieger: Derzeit lese ich das Buch von Dominik Bloh (Unter Palmen aus Stahl – Geschichte eines Straßenjungen), das seine Zeit als Obdachloser in Hamburg beschreibt. Es ist eine Biographie, die aufzeigt, unter welchen Umständen ein Mensch in Deutschland in der Obdachlosigkeit landen kann und wie schwer es ist, dieser Situation wieder zu entkommen. Zum kurzen Verständnis dieses Teufelskreises, es kann hier zu der Kette „kein fester Wohnsitz, kein Job“, „kein Job, kein Bankkonto“, „kein Bankkonto, kein Telefon“ und so wiederum zum Status „kein Telefon, kein Job“ kommen. Gleichzeitig verschlägt es einem die Sprache, wenn man liest, dass jemand ohne irgendwelchen materiellen Besitz enthusiastisch syrischen Flüchtlingen hilft. Die Gleichgültigkeit staatlicher Stellen schockiert und räumt mit dem Vorurteil auf, dass Obdachlosen in einem reichen Land wie Deutschland ohne weiteres geholfen wird.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.


Daniel Grieger ist Partner und Fondsmanager der Plenum Investments AG.

PLENUM INVESTMENTS AG: www.plenum.ch

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