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  • „Fähigkeit ruhiger Erwägung — Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte!“ (Marie von Ebner-Eschenbach). Aufgrund der Niedrigzinsphase werden von vielen Investoren Anlagealternativen gesucht, in den verschiedensten «Nischen», Stichworte: Insurance-Linked Securities, CAT Bonds, Nachranganleihen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Rötger Franz, Plenum Investments AG, über die besonderen Herausforderungen und Chancen, die sich für Portfoliomanager aktuell im Segment der Nachranganleihen von Versicherungsunternehmen ergeben. Themen wie die Größe des Marktes, Diversifizierung und die Tiefe der Expertise in der Analyse von Einzelwerten werden ebenso angesprochen wie Regulierung, Timing und der Faktor Langeweile. Hill: Warum sollten sich Investoren für Nachranganleihen von Versicherern interessieren? Was macht den Sektor so attraktiv? Franz: Wir leben in Zeiten von dauerhaft niedrigen Zinsen. Selbst optimistische Schätzungen erwarten nur moderate Zinserhöhungen. Nachranganleihen von Versicherern bieten in diesem Umfeld immer noch dauerhaft höhere Renditen als andere Sektoren. BBB-geratete Anleihen von Versicherungen bieten eine bis zu 100bp höhere Rendite. Dazu wies der Versicherungssektor in den letzten 40 Jahren die niedrigsten Ausfallraten aller Sektoren auf. In Zukunft dürfte sich diese sogar noch weiter verringern, da nach der Einführung des Solvency II Aufsichtsregimes in 2016 die Regulierung noch einmal deutlich verbessert wurde und weitere Länder dem gefolgt sind oder noch folgen werden.Des Weiteren erwarten wir stetiges Wachstum des restricted Tier 1 (rT1) Segments. Obwohl rT1 Emissionsvolumina bei weitem nicht an T2 heranreichen werden, so hat doch die Neuemission der Allianz gezeigt, dass es auch bei den bestens kapitalisierten Marktführern Interesse an dieser neuen Bondklasse gibt. Rötger Franz, Plenum Investments AG Hill: Was denken Sie, warum, handeln Nachranganleihen von Versicherungen zu einem Discount relativ zu anderen Sektoren? Franz: Es gibt eine Reihe von Gründen. Zum einen ist der Sektor relativ komplex und klassische Analysemethoden lassen sich nicht ohne weiteres auf Versicherer übertragen. Das bedeutet, dass Investoren Spezialwissen aufbauen und vorhalten müssen. Allerdings sind Nachranganleihen nur eine verhältnismäßig kleine Nische des Gesamtmarkts, sodass in der Vergangenheit nur sehr große Asset Manager oder Nischenplayer hier Spezialwissen hatten. Zum anderen hat der Kostendruck der letzten Jahre dazu geführt, dass gerade die großen und mittelgroßen Asset Manager und auch Investmentbanken sich aus solchen Nischen zurückgezogen haben. Auch verlassen sich die meisten Investoren zu sehr auf Ratings, obwohl diese in den allermeisten Fällen deutlich schlechter geratet sind als es die Solvenzquoten vermuten lassen. Dieser Wissensverlust fördert risikoaverses Verhalten der Investoren und damit zu weiteren Spreads. Hill: Werden Investments in Nachranganleihen von Versicherern nicht auch von anderen, breiter gestreuten Fonds abgedeckt? Franz: Sicherlich gibt es viele breit gestreute Fonds, die auch in Nachranganleihen von Versicherern investieren. Diese können zwar einen generellen «Sector Discount» realisieren, aber nicht Fehlbewertungen erkennen und das erhebliche Alphapotenzial auf Single Name Basis realisieren. Entweder bilden diese den Index nach oder untergewichten komplexere Sektoren wie den Versicherungssektor. Hill: Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Nachranganleihen von Versicherern zu kaufen? Franz: Wir denken schon. Zwar sind die Spreads derzeit sehr eng, aber wir sehen noch deutliches Potenzial für weitere Kompression. Dazu haben sich in den letzten Wochen erneut einige Fehlbewertungen herausgebildet. Nicht zu vergessen ist auch, dass Versicherer – im Gegensatz zu anderen Sektoren – fundamental tendenziell von steigenden Zinsen profitieren werden. Hill: Es wird zurzeit viel über «grandfathered Perpetuals» gesprochen und das geplante Ende des «grandfathering» in 2026. Gibt es hier wirklich noch viele gute Investment Opportunities? Franz: «Grandfathering» und sein Ende in 2026 ist ein altes Thema, das weitestgehend eingepreist ist. Dazu kommt die äußerst hohe Call-Disziplin für institutionelle Anleihen von Versicherern. Ein blindes Kaufen von vor 2015 emittierten Bonds macht daher aus unserer Sicht keinen Sinn. Allerdings gibt es noch einige Opportunitäten im Bereich der Retailanleihen. Hier ist aber nicht die Frage, ob diese in 2026 gekündigt werden, sondern vorher. Eine solche Einschätzung erfordert aber eine tiefgehende Analyse der Kapitalisierung und der Capital Management Strategie des Emittenten. Hill: Bedeutet eine Allokation in rT1 nicht zu viel Risiko? Franz: Ein erhöhtes Risiko, das sich aus möglichen Couponausfällen und Umwandlung in Aktien bzw. Abschreibung ergibt, ist unstrittig. Aber es ist bei weitem nicht so hoch, wie es die Spreads vermuten lassen. Man muss dazu wissen, dass Versicherer im Durchschnitt fast das doppelte an Solvenzkapital halten wie vorgeschrieben. Dazu haben viele Versicherer klare Trigger definiert wie sie mit welchen Gegenmaßnahmen auf fallende Solvenzquoten reagieren. Diese Trigger sind in der Regel weit entfernt von einer regulatorischen Kapitalunterdeckung. Es ist auch zu beachten, dass in vielen Sparten wie zum Beispiel Rück- oder Industrieversicherung ein Financial Strength Rating von mindestens A- vorausgesetzt wird. Dadurch besteht ein zusätzliches Incentive für Versicherer eine gute Kapitalisierung zu bewahren. Wenn man dies in Relation zum zusätzlichen Spread für einen rT1 Bond setzt, kommt man zu dem eindeutigen Schluss, dass das zusätzliche Risiko eines rT1 Bonds nicht nur gut beherrschbar ist, sondern auch gut entlohnt wird. Hill: Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Versicherungssektor. Wird Ihnen das nicht irgendwann einmal langweilig? Franz: Absolut nicht, wir hatten in dieser Zeit die Deregulierung in Europa, US Workers Comp Krise, Dotcom Bubble, 9/11, KRW, Great Financial Crisis, Nat Cat 2011, Sovereign Risk Crisis, stetig fallende Zinsen, 20 Jahre Solvency II Entwicklung und Einführung, 25 Jahre IFRS 17 Entwicklung und jetzt auch noch Covid-19. Es war immer viel los und das wird auch in Zukunft so sein. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Rötger Franz (Portfoliomanager / Senior Insurance Analyst) verfügt über mehr als 20 Jahre internationale Erfahrung in der Coverage von Versicherungen. Herr Franz wurde als Sell Side Credit Analyst bei Societe Generale 10 Mal in Folge im Euromoney Fixed Income Research Survey als bester Versicherungsanalyst in Europa ausgezeichnet. Zuvor war er u.a. als Lead Analyst für die führenden Erst- und Rückversicherer bei der Ratingagentur A.M. Best tätig. Er verfügt über einen Abschluss der Universität zu Köln (Dipl.-Kfm.) mit Schwerpunkt Versicherungswissenschaft. Er stiess im April 2020 zur Plenum Investments AG und ist verantwortlich für Insurance Bonds. PLENUM INVESTMENTS AG: www.plenum.ch Verwandte Beiträge: Family Offices, Hedgefonds, CAT Bonds & Nachranganleihen & Portfolio Manager-Due Diligence – VERANSTALTUNGSHINWEIS (Interview – Daniel Grieger, Plenum Investments AG)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation, „Tail-Risks“ und Asset Management (Interview – Nico Rischmann, Plenum Investments AG)CAT

  • „Sei höflich zu allen, aber freundschaftlich mit wenigen; und diese wenigen sollen sich bewähren, ehe du ihnen Vertrauen schenkst“ (George Washington). Family Offices, Kunstinvestments, Asset Management, Trusted Advisor, Studiengänge und mehr – Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Dr. Maximilian A. Werkmüller, LL.M., Professor für Finance und Family Office Management, Allensbach Hochschule, über das Berufsbild des Family Officers und die besonderen Herausforderungen und Trends in diesem Segment. Neben der Abgrenzung des speziellen Bereiches Family Office zum klassischen Private Wealthmanagement werden auch Themen wie „Single Family Office versus Multi Family Office“, Digitalisierung, Asset Allocation, Rechtsberatung sowie die Bedeutung familiengeführter Unternehmen angesprochen. Hill: Wie ist es zu der Idee für den Family Office Management-Studiengang gekommen?Werkmüller: Ich war ja seit dem Jahr 2000 an der EBS Finanzakademie als Dozent für die Fächer Stiftungs- und Steuerrecht sowie steueroptimierte Vermögensnachfolge tätig. Man konnte schon früh erkennen, dass die Themen der ganzheitlichen Vermögensplanung jedenfalls zum damaligen Zeitpunkt bei den Postgraduierten, d.h. bei den sich berufsbegleitend Fortbildenden, hoch im Kurs stand. Spätestens seit der Subprime-Krise im Jahr 2008 und den daran sich anschließenden Jahren war deutlich erkennbar, dass das Interesse von Studierenden am klassischen Banking nachgelassen hatte und insbesondere das Thema Family Office zunehmend in den Fokus des Interesses rückte. Die Idee, daraus ein Lehrfach zu machen und es im Rahmen eines Masterstudienganges anzubieten, ist allerdings erst gemeinsam mit der Allensbach Hochschule entstanden. Insoweit nehmen wir schon für uns in Anspruch, als Pionier auf einem Feld tätig zu sein, welches sich erst nach und nach für Studentinnen und Studenten in der akademischen Erstausbildung erschließt. Es ist unbestritten, dass sich inzwischen der Family Officer im Rahmen der anerkannten beratenden Berufsbilder etabliert hat. Auch die Zahl der Multi und Single Family Offices steigt seit Jahren kontinuierlich an. Daraus ergeben sich auch für Berufseinsteiger interessante Jobperspektiven. Wir sind ein wenig stolz darauf, dass wir als Allensbach Hochschule einen wertvollen Beitrag dafür leisten können, junge Menschen für dieses Berufsbild zu interessieren und mit Blick auf den Berufseinstieg zu motivieren. Dr. Maximilian A. Werkmüller, LL.M., Professor für Finance und Family Office Management, Allensbach Hochschule Hill: Welcher Bereich in dem Studiengang stößt derzeit auf verstärktes Interesse?Werkmüller: Das Thema Familie Office Management ist sehr facettenreich und bietet daher gute Möglichkeiten, eigene Schwerpunkte zu setzen. Da die meisten meiner Studentinnen und Studenten aus der klassischen betriebswirtschaftlichen Lehre kommen, stehen immer noch die kapitalmarktorientierten Themen im Vordergrund. Zahlreiche Bachelor-und Masterarbeiten widmen sich diesem Themenbereich. Ich betrachte es aber als meine Aufgabe als zuständiger Lehrkörper, dafür zu sorgen, dass dieser Scope erweitert wird und sich auf diejenigen Bereiche erstreckt, die nicht so stark im Fokus der wissenschaftlichen Forschung stehen. Hierzu gehören insbesondere die illiquiden Vermögensklassen, wie zum Beispiel Immobilien, Private Equity oder aber auch Investitionen in Kunstgegenstände oder in den Kunstmarkt. Insbesondere unsere letzte Veröffentlichung zum Thema Kunst und Kunstinvestments im Rahmen der Gesamtvermögensallokation hat großes Interesse in den sozialen Netzwerken hervorgerufen. Wir konnten hierzu auch eine hervorragende Masterarbeit beisteuern, in welcher sich einer unserer Studenten mit der Frage befasst hatte, ob und in welchem Umfang die Grundsätze der Portfoliotheorie auf Investments in Kunstwerke anwendbar sind. Gerade für Family Offices sind solche Fragestellungen und insbesondere die Antworten darauf von hohem Wert. Zahlreiche vermögende Familien haben seit Generationen zumindest einen Teil ihres Vermögens in Kunstwerke investiert. Die Performancemessung solcher Sammlungen ist ein bislang wissenschaftlich noch nicht abschließend diskutiertes Thema. Hill: Wie grenzen Sie das Segment Family Offices zum Segment Private Wealth Management ab? Werkmüller: Auch zu dieser Frage hatten wir unlängst einen Blogbeitrag veröffentlicht. Die Abgrenzung liegt insbesondere in der unterschiedlichen Perspektive, die ein Familie Officer und ein Private Wealth Manager einnehmen. Während ein Family Office als vertrauensvoller Ratgeber („trusted advisor“) ausschließlich die Interessen seiner Prinzipale vertritt und über seine eigene Vergütung hinaus keine eigenen Vermögensinteressen verfolgt, darf ein Wealth Manager, der beispielsweise bei einer Bank angestellt ist, ohne weitere Probleme dem Kunden auch eigene Hausprodukte verkaufen. Er muss in dieser Eigenschaft nicht zwingend als „trusted advisor“ auftreten, sondern darf und muss auch völlig legitim die profitorientierten Interessen seines Arbeitgebers verfolgen. Dies meine ich an dieser Stelle bewusst nicht abwertend. Es ist eben nur ein vollkommen anderer Ansatzpunkt. Die Kunden, die sich dem Private Wealth Management einer Bank anvertrauen, suchen kein Family Office und umgekehrt. Hill: Gibt es aktuell Trends im Family Office-Bereich, die sie wahrnehmen? Werkmüller: Um diese Frage zu beantworten, muss man zwischen den Single und den Multi Family Offices unterscheiden. Das Thema Impact Investing ist bei den Single Family Offices erkennbar auf dem Vormarsch. Ein weiterer Trend, der maßgeblich durch die Covid-19-Pandemie hervorgerufen beziehungsweise verstärkt wurde, ist die Digitalisierung der Dienstleistungen. Während Multi Family Offices hier aufgrund des bestehenden Wettbewerbs traditionell besser aufgestellt waren und teilweise noch immer sind, haben die Single Family Offices hier teilweise akuten Nachholbedarf, je nachdem in welchem Entwicklungsstadium sich das Office befindet. Mit Blick auf Investitionsstandorte kann man feststellen, dass inzwischen auch der Kontinent Afrika in den Fokus der Familie Offices getreten ist. Immer öfter investieren Familien einen Teil ihres Vermögens in den ostafrikanischen Staaten. Dies tun sie nicht nur, um eine angemessene Rendite zu erwirtschaften, sondern auch, um eben ein wirkungsvolles Investment zur Verbesserung der Infrastruktur vor Ort zu leisten. Ansonsten stehen Private Equity Investments immer noch im Fokus der Offices, unabhängig davon, ob es sich um Single- oder Multi Family Offices handelt. Das Thema „NextGen“ beschäftigt derzeit zahlreiche Familien, die ein eigenes Office errichtet haben. Die Ursache hierfür liegt in dem Umstand, dass bei vielen Unternehmerfamilien der Generationswechsel vollzogen wurde und die jüngere Generation natürlich andere Ansprüche an die Leistungen des Office stellt als die Generation der Übergeber und /oder Firmengründer. Zahlreiche Dienstleister haben sich auf diese veränderte Nachfrage bereits eingestellt und bieten teilweise speziell auf diesen Nachfragebedarf abgestellte Auskopplungen ihrer Leistungen an. Hill: Welche Themen beschäftigten Sie aktuell neben Ihrer Tätigkeit in der Hochschule? Werkmüller: Im Hauptberuf bin ich immer Rechtsanwalt gewesen. Und dort komme ich aus der „erbrechtlichen Ecke“, d.h., die Themen Erben, Schenken und Stiften und dies möglichst in steueroptimierter Form, war und ist bis heute mein eigentliches Betätigungsfeld. In dieser Spezialistenfunktion war ich

  • Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Bank für Kirche und Caritas eG (BKC), über seine persönliche Motivation für die Beschäftigung mit den Themen Nachhaltigkeit, Ratings, CAT Bonds und über die Aktivitäten der Bank im Rahmen der europäischen Investoren-Initiative „Shareholders for Change“ (SfC). Ein besonderes Engagement stellen in diesem Zusammenhang auch die aktuellen, gemeinsamen Aktivitäten des Instituts mit der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) und dem katholischen Klimaschutznetzwerk Global Catholic Climate Movement (GCCM) zum Schutz des Amazonas-Regenwalds dar. Hill: Seit wann und warum begeistern Sie sich für Nachhaltige Geldanlagen? Piemonte: Um das zu erklären, muss ich ganz an den Anfang zurückgehen, als ich zum ersten Mal von nachhaltigen Geldanlagen erfuhr. Nach meiner Ausbildung bei einer Sparkasse kam ich zur Deutschen Bank, wo ich unter anderem im Private Banking tätig war. Das ist jetzt über 20 Jahre her. Wenn ich auf mein damaliges Ich zurückblicke, würde ich sagen, dass ich der typische Banker der 90er Jahre war – im Vordergrund stand die Gewinnmaximierung für meine Kunden, die Erhöhung meines persönlichen Bonus und die Entwicklung meiner Karriere. Über positive und negative Nachhaltigkeitswirkungen der von mir vertriebenen Wertpapiere und Investmentprodukte habe ich mir keinerlei Gedanken gemacht. Schlimmer noch – ich hatte einen kompletten blinden Fleck was Externalitäten von Geldanlagen anging. Gleichzeitig hatte ich aber regelmäßig Zweifel an der tieferen Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeit und war seit jeher an Umweltschutz und sozialen Fragestellungen interessiert. In dieser Gemengelage stieß ich vielleicht durch Zufall oder instinktiv auf einen der wenigen Nachhaltigkeitsfonds zu dieser Zeit, von denen es vielleicht eine Handvoll in Deutschland gab. Ich begann mich über das Konzept und die Hintergründe der Anwendung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Fonds zu informieren. Und so kam es, dass auf einmal folgendes Zitat auf mich zutraf „Schon ein kleiner Blitz einer Erleuchtung bringt Klarheit in die Dunkelheit“. Von nun an war ich absolut davon überzeugt, dass die vollständige Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Finanzindustrie und den Finanzmarkt notwendig ist, damit sie zukünftig Teil der Lösung unserer globalen Herausforderungen und nicht länger Teil des Problems sind. Das war der Punkt, an dem mein Socially responsible investing (SRI)-Berufsweg begann. Ich kündigte meinen Job bei der Bank und begann ein Volkswirtschaftsstudium an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Nach dem Abschluss begann ich als Junior-Analyst bei der Nachhaltigkeits-Ratingagentur imug Rating, die noch heute Research- und Vertriebspartner der internationalen Nachhaltigkeits-Ratingagentur Vigeo Eiris ist. Ich blieb mehrere Jahre bei imug Rating und durchlief alle Karrierestufen, bis zum Leiter des imug Rating. Und seit nunmehr fünf Jahren bin ich bei der katholischen Kirchenbank Bank für Kirche und Caritas (BKC) in Paderborn als Leiter Nachhaltigkeitsresearch tätig. Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Bank für Kirche und Caritas eG (KBC) Hill: Was sind Ihre Tätigkeiten bei der Bank für Kirche und Caritas (BKC) und warum sind sie dorthin gewechselt? Piemonte: Die Arbeit bei einer Nachhaltigkeits-Ratingagentur ist spannend und abwechslungsreich und durch das gezielte Stellen von Fragen und bewerten der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen wurden sehr häufig Nachhaltigkeitsverbesserungen bei den Unternehmen angestoßen. Dieser letztgenannte Aspekt reizte mich besonders und ich war deshalb erst recht von der Wirkungskraft des sogenannten „Engagement“ überzeugt, das von Investoren und Asset Ownern betrieben wird. Unter Engagement versteht man gemeinhin die aktive Einflussnahme auf Investitionsobjekte. Ziel ist es dabei, beispielsweise Unternehmen zu motivieren, Verbesserungen in ihrem jeweiligen Nachhaltigkeitsmanagement zu realisieren oder bestehende kontroverse Vorfälle zum Anlass zu nehmen, entsprechende Konsequenzen und konkrete Präventionsmaßnahmen für die Zukunft abzuleiten. So kam es, dass ich das Angebot der BKC annahm, um dort zum einen die Weiterentwicklung und Überwachung der ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie der Bank und ihrer Kunden zu verantworten, sowie den ethisch-nachhaltigen Anlageprozess zu professionalisieren und die Koordination des Research-Prozesses zu begleiten. Und zum anderen war es mein Wunsch das Thema Engagement ganzheitlich für die Bank aufzustellen. Hill: Wie sieht der Engagementannsatz der BKC aus und was ist das Besondere daran? Piemonte: Das so genannte „Engagement“ wird auf Deutsch oft als aktives Aktionärstum bezeichnet. Wir führen unsere Engagement-Aktivitäten jedoch nicht nur bei Aktienunternehmen durch, wie die Bezeichnung „aktives Aktionärstum“ vermuten lassen könnte, sondern auch bei Anleihen ausgebenden Unternehmen oder anderen Investitionsobjekten. Darüber hinaus betreiben wir auf einer übergeordneten Ebene bei Branchenverbänden, der Politik oder Finanzmarktakteuren eine aktive Einflussnahme für eine bessere Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in ihren Tätigkeitsfeldern. Unseren Einfluss als Investor machen wir über Stimmrechtsausübung bei Aktien („Vote“) und konstruktive Dialoge („Voice“) mit den Investitionsobjekten geltend. Vor allem der Dialog, der über eine schriftliche oder persönliche Kommunikation mit Unternehmensvertretern, über Redebeiträge auf Hauptversammlungen oder über die Teilnahme an öffentlichen Investorenkampagnen stattfindet, ist in unserer Engagementstrategie von besonderer Bedeutung, da wir ihm eine hohe Einflussnahme zurechnen. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch ein zielgerichtetes Engagement sowohl negative Nachhaltigkeitswirkungen von Investitionsobjekten verringern oder sogar verhindern können, als auch positive Nachhaltigkeitswirkungen fördern. Zudem kann unserer Meinung nach das Rendite-Risiko-Profil eines Investments durch Engagement positiv beeinflusst werden. Eine Besonderheit unserer Engagement-Aktivitäten ist, dass wir diese nicht nur auf unser ethisch-nachhaltiges Anlageportfolio beschränken, wie es bei dem am Finanzmarkt häufig anzutreffende Engagement-Konzept mit dem Namen „shareholder activism“ üblich ist. Das heißt, wir treten auch mit Unternehmen in einen aktiven Dialog, um sie zu einer Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren, wenn sie gegen unsere Ausschlusskriterien verstoßen oder nicht zu unserer Zufriedenheit bei den von uns aufgestellten Positiv- und Negativkriterien abschneiden. Einziger Beweggrund dabei ist, dass wir aktiv eine Nachhaltigkeitsverbesserung sehen möchten. Dieses Engagement-Konzept bezeichnen wir als „shareholder criticism“. Der Unterschied in den Konzepten liegt darin, dass beim shareholder activism bei den Unternehmen Engagement-Aktivitäten durchgeführt werden, bei denen entweder bereits eine Investition erfolgt oder eine Investitionsabsicht vorhanden ist. Die Forderungen an das Unternehmen können in dem Fall auch die Motivation haben, durch die Verbesserung der Nachhaltigkeitswirkung beim Unternehmen ein verbessertes Rendite-Risiko-Profil des Investments z. B. durch die Senkung von Klage- oder Reputationsrisiken zu erreichen. Wohingegen beim shareholder criticism keine Rendite-Risiko-Überlegungen beim Investor mitschwingen. Um unserer aktiven Einflussnahme die größtmögliche und flächendeckende Schlagkraft und Effizienz zu verleihen, betreiben wir Engagement über insgesamt drei Kanäle. Zum einen haben wir für einen Teil unserer Eigenanlagen die Engagement-Aktivitäten an einen externen Dienstleister ausgelagert, der eine weitreichende Expertise

  • Stiftungen, Asset Management, Fondsfibel & ESG, vom Portfoliomanager zum passiven „Portfoliokontrolleur“ – Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU, über die aktuellen Herausforderungen für Stiftungsverantwortliche bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens. Über die Bedeutung von Stifterwillen, Stiftungszweck und Anlagerichtlinie wurde ebenso gesprochen wie über Publikumsfonds, Krimi, Rollski und Gin (VERANSTALTUNGSHINWEIS: VIRTUELLER TAG FÜR DAS STIFTUNGSVERMÖGEN – 12.5.2021). Hill: Warum ist das Stiftungsvermögen eine Baustelle? Karow: Da kommen viele Dinge zusammen. Ich sage immer: „Das haben wir immer so gemacht meets Niedrigzins“, das erklärt dann eigentlich schon alles. Wir haben in Deutschland einfach eine lange Tradition, Stiftungsvermögen rein in Anleihen anzulegen, dank dieser Liebe zur Anleihe sind ja auch von den etwa 100.000 Stiftungen, die es anno 1914 hierzulande gab, etwa 90 % verschwunden bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Das wird gerne vergessen, und in praktisch allen Ländern, in denen es Stiftungen gibt, wird anders angelegt, nämlich breit und global gestreut, mit dem Fokus auf den ordentlichen Ertrag und nicht nur auf den Kapitalerhalt. Die Angst vor dem Verlust eint viele Stiftungsverantwortliche, aber das ist keine Angst, die zielführend ist. Ich habe meine erste Aktie mit 13 Jahren gekauft, und bis heute gab es einige Crashs und Korrekturen, aber jeder dieser Rücksetzer war vorübergehend, man musste nur am Portfolio immer wieder mal arbeiten. Der ordentliche Ertrag ist das wichtigste Ziel der Verwaltung von Stiftungsvermögen, und wenn er das ist, dann muss die Anlagepolitik einer Stiftung bei 0,0% Zinsen in der nächsten Dekade anders ausschauen als noch vor 10 oder 15 Jahren. Aber es ändert sich etwas, das ist schon abzusehen. Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU Hill: Welche Möglichkeiten haben Stiftungen in Ihren Augen? Karow: Naja, Stiftungen können es weiter selber machen, dafür müssen sie selbst, also ihre Verantwortlichen, ausreichende fachliche und zeitliche Ressourcen aufwenden, um eine sachgerechte Entscheidung zur Veranlagung des Stiftungsvermögens zu treffen. Dazu gehört auch, wie ein ordentlicher Kaufmann alle möglichen Informationen eingeholt zu haben, die diese Entscheidung unterfüttert. Schaffe ich das nicht, und bei der Kapitalanlage ist dies sehr wahrscheinlich, ist das Selbermachen nicht die erste Option, in meinen Augen jedenfalls. Stiftungen sollten daher den Weg der Delegation gehen, also die Aufgabe der Verwaltung des Stiftungsvermögens an Profis delegieren. Dadurch verändert sich die Rolle der Stiftungsverantwortlichen weg vom aktiven Portfoliomanager hin zum passiven Portfoliokontrolleur, und das passt für mich viel besser in die Zeit als das Herumdoktern mit ein paar Aktien hier und ein paar Anleihen dort. Bevor Stiftungsvorstände das machen, sollten sie lieber eine richtige und zeitgemäße Anlagerichtlinie schreiben, denn passt der Rahmen, ist der Handlungsspielraum dann maximal. Hill: Sie sind ein Freund der Fondsanlage für Stiftungen, betreiben hier die Plattform www.fondsfibel.de. Warum das? Karow: Wenn ich die Verwaltung des Stiftungsvermögen delegiere, dann ist die Fondsanlage bzw. das Zusammenstellen eines Fondsportfolios in meinen Augen aus vielen Punkten heraus vorteilhaft. Stiftungen müssen dem Diversifikationsgebot folgen, das können sie über Fonds wunderbar machen, indem sie in verschiedene Konzepte, Stile und Assetklassen investieren. Stiftungen müssen aber auch dem Stifterwillen folgen, das bedeutet, dass vor allem der Zweck verwirklicht werden muss. Entsprechend suche ich mir Fonds, die eine längere Ausschüttungshistorie haben bzw. bei denen Income im Fokus steht. Da zu Fonds zudem viele Informationen transparent vorhanden sind, ist eine sachgerechte Entscheidung auch gut zu treffen, und das Controlling auf Basis dieser Informationen lässt sich institutionalisieren. Außerdem sind fünf Fondsanteile und fünf Ausschüttungen buchhalterisch einfacher zu fassen als unzählige einzelne Aktien- und Anleihepositionen. Für mich ist die Fondsanlage aus diesen Gründen der für Stiftungen geeignetste Weg, vor allem aber lassen sich die individuellen Ziele der Stiftung mit Fonds für mich viel granularer abbilden. Hier gehört auch Nachhaltigkeit dazu, zu der jede Stiftung eine eigene Meinung hat, das muss ja dann auch im Portfolio abgebildet werden, was mit Fonds gut machbar ist. In der Anlagerichtlinie kann ja stehen, dass die Stiftung nur Artikel-9-Fonds kauft, das wird das Stiftungsportfolio anders aussehen lassen, definitiv. ESG selber zu machen, das halte ich für die allermeisten Stiftungen für nicht machbar. Hill: Wenn Sie nicht gerade virtuelle Tage für Stiftungen organisieren, was treibt Sie dann um? Karow: Als junger Vater ist mir Sport ziemlich wichtig, einfach als Ausgleich, ich fahre sehr gerne Rollski, ist eine schöne Alternative zum Laufen, wenn es schon mit dem richtigen Skilaufen derzeit nicht klappt. Und es wäre wieder mal Zeit für einen Krimi, das Schreiben fehlt, aber andererseits ist Unternehmer sein auch eine schöne Sache, wir bloggen jetzt halt. Und wir basteln gerade an einem stiftungsmarktplatz-Gin, den Namen haben wir schon.Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Quelle: www.finanzplatz-frankfurt-main.de 1. FRANKFURT & STIFTUNGEN (VERANSTALTUNGSHINWEIS – 12.5.2021 – PANEL / INFORMATION – AUSWAHL): Stiftungsvermögen 2030: Eine Diskussion mit Hans-Dieter Meisberger (DZ Privatbank), Thomas Meissner (Stiftung Polytechnische Gesellschaft), Arndt Funken (Aquila Capital) Öko und Grün ist nicht alles… Abschlussimpulse auf der Couch zur zeitgemäßen Verwaltung des Stiftungsvermögens von Harald Brockmann (Missionszentrale der Franziskaner), Immo Gatzweiler (AXA Investment Managers), Markus Hill (fondsboutiquen.de) ZUSATZINFORMATION / ANMELDUNG – VIRTUELLER TAG FÜR DAS STIFTUNGSVERMÖGEN: www.vtfds2021.de 2. FRANKFURT & STIFTUNGEN (INFORMATION – AUSWAHL): a) Frankfurter Stiftungsdatenbank (Zitat): „In Frankfurt am Main sind über 600 Stiftungen mit ihrem Sitz registriert. Stiftungen engagieren sich in unserer Stadt in vielen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen: in Bildung und Ausbildung, in Wissenschaft und Technik, in Kunst und Kultur, in sozialen Fragen bis hin zur Altenhilfe sowie im Natur- und Umweltschutz.“ – ZUSATZINFORMATION: Stiftungsdatenbank | Stadt Frankfurt am Main b) Initiative Frankfurter Stiftungen (Zitat): Die Initiative Frankfurter Stiftung versteht sich als Netzwerk von Menschen, die Verantwortung für die Gestaltung des Stiftungswesens in und um Frankfurt tragen. Sie besteht seit 1993, seit 1997 schließlich als eingetragener Verein. Ihre Mitglieder stehen für die gesamte Bandbreite des Stiftungswesens und repräsentieren junge und alte, große und kleine, gemeinnützige Stiftungen bürgerlichen Rechts sowie Anstaltsträgerstiftungen. Die Mitglieder werden kooptiert. Die Mitgliedschaft ist namentlich.“ – ZUSATZINFORMATION: www.frankfurter-stiftungen.de VIRTUELLER TAG FÜR DAS STIFTUNGSVERMÖGEN (12.05.2021 – www.vtfds2021.de) Ideelle Unterstützer: Mediapartner: Partner: Verwandte Artikel: Family Offices, Fonds­boutiquen und die Schweizer Expertise (Interview – Markus Hill, Thomas Caduff)ESG, Family Offices, Immobilien, Blockchain, AIFM – Liechtenstein, Schweiz & «Win-win-Faktor» (Interview – David Gamper, LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation,

  • Die Themen Family Offices, Hedgefonds (Archegos) und Regulierung werden in Fachkreisen und Medien derzeit intensiv diskutiert. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Daniel Grieger, Plenum Investments AG, über die Bedeutung von Risikomanagement und über die Stärken von Versicherungen gegenüber klassischen Hedgefonds in diesem Zusammenhang. Der Schwerpunkt des Gespräches stellten Themen wie Nachranganleihen im Versicherungsbereich und der spezielle Faktor Knowhow, Investmentprozess und CAT Bonds dar. Punkte wie Portfolio Management-Due Diligence und eine aktuelle Veranstaltung (21. & 22.4.2021) waren ebenso Inhalt dieses Austausches. Hill: Sie beschäftigen sich schon seit Jahren intensiv mit den Themenkreisen CAT Bonds (Insurance-Linked Securities) und Risikomanagement. Aktuell findet in den Medien der Skandal um den US-Hedgefonds Archegos große Aufmerksamkeit. Credit Suisse, Family Offices, Regulierung – die Ursachenforschung läuft. Was können Versicherer eigentlich besser als Hedgefonds? Grieger: Seit zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Schnittmenge zwischen der Welt der Versicherungen und der Welt des Asset Managements. Mein Plenum Insurance Capital Fund, der bald ein Jahr Track Record haben wird, verkörpert in idealerweise was möglich ist, wenn man offen ist für Ideen, Versicherungen Kapital zur Verfügung zu stellen. Versicherungen werden in meinen Augen völlig unterschätzt was ihre Fähigkeit betrifft, Risiken zu analysieren. Dabei sind viele Methoden, Risiken zu analysieren in Versicherungen entstanden und wurden erst später von anderen Branchen, wie beispielsweise von Banken, übernommen. Hier gibt es sogar das Berufsbild des Aktuars (=Versicherungsmathematiker), was zeigt, dass man sich seit sehr langer Zeit mit Risiken beschäftigt.  Der aktuelle Fall des Untergangs eines „Family Offices“ (Archegos), das eher als Hedge Fund operierte, zeigt eindrücklich, was passieren kann, wenn man Risiken nicht im Griff hat. Und wenn ich Banken mit Versicherungen vergleiche gibt es einige Unterschiede, die offensichtlich sind. Versicherungen können häufig auf einen gewaltigen historischen Datenkatalog zurückgreifen. Für Erdbebenmodelle geht man beispielsweise mehrere Hundert Jahre zurück, um die Schadensintensität eines möglichen Erdbebens abzuschätzen. Zudem kommen Versicherungsschäden nicht unmittelbar zur Auszahlung. Anders als beim Untergang eines Hedge Funds sind die Gelder nicht unmittelbar weg. Versicherte Schäden kommen über längere Zeiträume zur Auszahlung. Die Liquidität für einen Schadensfall muss also nicht permanent vorgehalten werden. Bei größeren Schäden hat man auch die Zeit, sich am Kapitalmarkt weitere Mittel zu beschaffen. Dies bedeutet auch, dass ein Bank-Run wie 2007 bei Northern Rock bei Versicherern nicht möglich ist. Daniel Grieger, Partner und Fondsmanager, Plenum Investments AG Hill: Ihre spezielle Expertise stößt aufgrund der Niedrigzinsphase auf verstärktes Interesse, Anlagealternativen werden gesucht. Was ist das Besondere beim Investieren im Bereich CAT Bonds (Insurance-Linked Securities)? Grieger: Bei CAT Bonds nehmen wir die Position eines Rückversicherers ein. Wir decken Katastrophenrisiken – meist Stürme oder Erdbeben in Nordamerika oder Japan. Dies sind geographisch lokale Ereignisse, die in Portfolien diversifiziert werden können. Die Fonds, die wir verwalten, übernehmen diese Risiken und erhalten im Gegenzug die Couponzahlungen der CAT Bonds. Im Ereignisfall kann es einen Teilausfall bis hin zu einem Totalausfall alles geben. In den vergangenen Jahrzehnten haben CAT Bonds bewiesen, dass sie kaum auf Finanzmarktereignisse reagieren. CAT Bonds stellen damit eine wichtige Quelle für alternative Fixed-Income-Renditen. An dieser Stelle ist es mir übrigens wichtig zu betonen, dass ich auch den Bereich der Versicherungsnachränge zu diesem Anlagesegment zähle. Ob CAT Bond oder Nachranganleihe – die Art der Kapitalzuführung erscheint mir weniger relevant, am Schluss kann der Versicherer mehr Geschäft schreiben. Hill: Danke für das Stichwort. Sie haben gerade einen Fonds im Bereich Versicherungsnachränge aufgelegt. Viele Anleger kennen dieses Segment bei Banken. Wie kam es zu der Idee? Wo gibt es Unterschiede in der Betrachtung von Nachrängen bei Banken und Versicherungen?  Grieger: Versicherungsnachränge sind eine höchst attraktive Nische – die anscheinend kaum jemand versteht. Immer mehr Banken trennen sich von ihren Analysten. Ich habe gerade heute gehört, dass bei einer großen Londoner Investmentbank die Analyse der Versicherungen der Bankenanalyst macht. Da darf man von diesem Analysten aber nicht mehr viel Qualität erwarten. Wir können zeigen, dass mit dem MIFID-induzierten Abbau der Analysten – denn niemand zahlt mehr für Research – die Fehlbewertungen am Markt zunehmen. Und diese möchten wir mit dem neuen Plenum European Insurance Bond Fund ebenfalls ausnutzen. Zudem bezahlen Versicherungsnachränge seit Jahren eine Zusatzprämie gegenüber traditionellen Corporate Bonds. Hill: Wie sieht der Investmentprozess bei dem Fonds aus?  Grieger: Wir haben einmal den Schritt der Fundamentalanalyse auf dem Emittenten selbst. Unser Coverage Universe deckt ca. 60 Emittenten ab. Im ersten Schritt wird definiert, welche Emittenten in unserem Portfolio einen Platz finden. Im zweiten Schritt kommt die Prospektanalyse, wo wir die Attraktivität der einzelnen Anleihen und Kapitaltypen miteinander vergleichen. Ein wichtiger Faktor ist hier das Abschätzen des erwarteten Kündigungsdatums der Anleihe. Dies muss individuell erfolgen, da die Anleihen sehr unterschiedlich ausgestaltet sind. Erst ab Basis des erwarteten Kündigungsdatums können wir die erwartete Rendite einer Anleihe definieren und die Attraktivität der einzelnen Anleihen eines Emittenten miteinander vergleichen. Hill: Diese strukturierte Vorgehensweise erscheint sehr arbeitsintensiv. Wer deckt welche Bereiche bei Analyse und Portfoliomanagement in Ihrem Team ab, mit welcher Expertise? Grieger: Das Portfoliomanagement-Team besteht aus drei Mitarbeitern. Jeder hat seinen eigenen Fokus – aber die Koordination untereinander ist extrem eng. Rotger Franz betreibt seit 20 Jahren Kreditanalyse von Versicherungen in Europa, er war zehn Mal in Folge als bester Versicherungsanalyst von Euromoney ausgezeichnet worden. Beim Plenum European Insurance Bond Fund ist er der Lead PM. Ich selbst verwalte seit acht Jahren Portfolien mit Versicherungsnachrängen und fungiere als sein Deputy. Dirk Schmelzer ist der erfahrenste CAT Bond- Portfolio Manager im gesamten Markt – für ihn sind die Versicherungsnachränge noch relativ neu aber er wächst in die Aufgabe hinein.  Hill: Sie sagten oben, dass der Markt für Versicherungsnachränge sehr speziell ist, sehr knowhow-intensiv. Gibt es genügend Anleihen in dem Segment? Grieger: Wenn man das Segment der Nachränge von Financials anschaut, sind natürlich 90 % Anleihen von Banken. Dennoch sind die übrigen 10 % Versicherungsnachränge ein Markt von knapp unter 200 Mrd. Euro. Genügend Auswahl gibt es natürlich und das Segment ist dank der Modernisierung des Solvenzregimes in Europa (Stichwort Solvency II) stark gewachsen.  Hill: Womit beschäftigen Sie sich aktuell?  Grieger: Wir bereiten gerade das Webinar in der kommenden Woche vor. Das Thema sind natürlich Nachranganleihen von Versicherungen. Das Interesse

  • Neben ESG und Niedrigzinsphase stoßen auch Themen wie Value Investing und Rohstoffe wieder auf verstärktes Interesse bei privaten und institutionellen Investoren. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Urs Marti, SIA Funds AG, über die Zusammenhänge von Nachhaltigkeit, Öl, Geopolitik und über die Bedeutung von Kernenergie im Zusammenhang mit der Thematik Klimawandel. Abgerundet werden die Betrachtungen durch einen interessanten Literaturhinweis zum Thema Rohstoffe – Stichworte: „Bibel“, General Patton, Jackpot & Dividenden. Hill: Value Investing und Rohstoffe scheinen ein gewisses Revival zu erleben. Wie sehen Sie das? Marti: Tatsächlich deutet vieles auf eine Trendwende hin. Wenn man die Grafik betrachtet ist der Weg noch weit. Bei SIA haben wir seit geraumer Zeit auf die kommenden Knappheiten aufgrund der riesigen Fehlallokationen von Kapital und der sich daraus ergebenden Unterinvestitionen hingewiesen. Robert Friedland hat die begonnene Dekade treffend als “The decade of the revenge of the miners” beschrieben (siehe Grafik: „Ratio Growth / Value“ Quelle: SIA Funds AG). Hill: Die Themen Rohstoffe und Versorgungssicherheit werden in der Presse interessiert verfolgt. Hatte der kürzlich stattgefundene Vorfall im Suezkanal zusätzliche Auswirkungen auf die schon bereits vorher angespannten Lieferketten? Marti: Es mag etwas paradox klingen, aber Covid hat wohl Parallelen zur Besetzung des Rheinlandes 1919. Als Vergeltung blieben die Arbeiter zu Hause. Dies führte zu tieferer Produktion, Knappheiten, steigenden Preisen und die Inflationsspirale kam in Gang. Im Rohstoffbereich gibt es immer Produktionsausfälle, aus verschiedensten Gründen. Im Schnitt fallen ca. 5 % der Produktionskapazitäten aus. Wenn der Markt genügend versorgt ist, die Lager gefüllt sind, hat dies kaum nachhaltige Auswirkungen. Bei tiefen Lagern und angespannter Versorgung führt es jedoch zu deutlicher Preisvolatilität. Beunruhigend an der aktuellen Situation ist, dass es praktisch alle Teile der Wertschöpfungskette betrifft: Rohstoffe, Elektrizität, Transport, Container, Equipment etc. Man hat, die ganze Wertschöpfungskette betrachtet, einfach nicht mehr genügend investiert (Beispiele: Minen, Ölfelder, Stromversorgung, Werften etc.). Auch Chips benötigt man nicht nur in iPhones sondern auch in Schiffen, Mähdreschern usw. Schauen Sie sich mal die Studienrichtungen an, welche angeboten werden: Wer lässt sich zum Geologen, Bergbau- /Petroleumingenieur ausbilden? Dazu kommt die Politik. Man stimuliert die Nachfrage durch Gelddrucken, verteuert jedoch die Angebotsseite durch unzählige Maßnahmen, Steuern, Beschränkungen, Regulationen oder Abgaben. Urs Marti, SIA Funds AG Hill: Wie sehen Sie den Zusammenhang der Themen Rohstoffe, China, Indien und den Bereich Konsum? Marti: Die Politik von China vollzieht ein Paradigmenwechsel. Man will tiefere Handelsbilanzüberschüsse, mehr Binnenkonsum und einen höheren Lebensstandard für die Bevölkerung. Das Outsourcing rächt sich. Es wird viele Veränderungen geben, auch bezüglich Währungen. Salopp gesagt hat der sogenannte Westen weniger an Rohstoffen zur Verfügung, wenn China selbst mehr konsumieren will. Der Pro Kopf-Konsum von China beträgt derzeit ein Drittel im Vergleich zu jenem im Westens. Die Küste in China ist weit entwickelt, der Rest des Landes jedoch noch nicht. Das Vorantreiben dieser Entwicklung ist ja auch eine der Hauptprioritäten von Peking. Aber es geht nicht nur um China. Indien hat bald mehr Einwohner als China. Der Lebensstandard und der Pro Kopf-Konsum dieser Länder – Rohstoffe und Güter – beträgt nur ein Bruchteil des Konsums im Westen. Unter den zehn größten Ländern ist der einzige Vertreter des sogenannten Westens die USA. Danach kommen Indonesien, Pakistan, Brasilien, Nigeria, Bangladesch, Russland und Mexiko. Hill: ESG, Klimawandel und Rohstoffe werden oft in einem Atemzug diskutiert. Welchen Zusammenhang sehen Sie in diesem Bereich, was fällt Ihnen besonders auf? Welche Rolle spielt Öl in diesem Zusammenhang? Marti: Das menschliche Leben beruht auf der Nutzung der Ressourcen welche auf dem Planeten existieren. Die Basis von allem kommt aus dem Bergbau, der Landwirtschaft, der Jagd, der Fischerei etc. Man kann auch die Produktion von Agrargütern stoppen, dann „sinkt“ brutal ausgedrückt auch die Bevölkerung (Anzahl), ohne Unterstützung reduziert sich dann im Verhältnis von 1:1 auch der CO2-Ausstoß. Die heutige Arbeitsteilung und Produktivität sind nur dank der Industrialisierung möglich. Ohne Karbon wären wir wohl auf dem Niveau von 1860. Die Produktivität der Landwirtschaft wäre wohl ein Zehntel. 80 % der Elektrizität weltweit wird durch Dampferzeugung generiert (90 % fossil, 10 % Kernspaltung, der Rest faktisch durch Wasserkraft). Preiswerter Transport in großen Kapazitäten ermöglicht nur Erdöl. Ebenso bestehen alle Produkte, welche nicht natürlich gewachsen oder aus Metall sind, aus Karbon. Wie man nun produziert ist eine andere Frage, genauso wie in jeder anderen Industrie auch. In meiner Kindheit konnte man Fotos in Basel mit Rheinwasser entwickeln (zumindest hat man dies erzählt). Genauso wie ein VW nicht mehr gleich aussieht wie in den Siebzigern, so verhält es sich auch im Bergbau. Es ist wohl die am stärksten regulierte Industrie der Welt. Es ist ja nicht so, dass man einfach mal in Fort McMurray beginnen kann Ölsand abzubauen. Es gibt die strengsten Umweltauflagen der Welt, man gibt Milliarden aus, es wird renaturiert etc. Viele der Firmen haben übrigens auch sehr gute ESG-Ratings. Zum Beispiel sind die größten Ölproduzenten der Welt ebenso die größten Firmen im CO2 Capturing/Storage. Und nur weil sich viele Länder der Welt nicht mehr vom Westen bevormunden lassen, heißt dies nicht, dass es dort schlechter sein muss. Weshalb sollte eine westliche NGO, eine Investmentbank oder Consultant etwas im Hoheitsgebiet von China, Brasilien oder Russland zu bestimmen haben? Natürlich ist es so, dass es immer Unfälle, schwarze Schafe gibt. In der Schweiz wurde ein Strafverfahren gegen eine Transportfirma eröffnet, welche hunderte Tonnen belastendes Material illegal entsorgt haben soll. Dies soll zum Fischsterben im Blausee geführt haben. Es ist halt einfacher mit dem Finger auf andere Länder und andere Kontinente zu zeigen. Hill: Bei den Themen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz hat man den Eindruck, dass der ursprünglich „verfemte“ Bereich Kernernergie wieder in die Diskussion eingeführt wird, man kann fast von einer Enttabuisierung sprechen. Wie beurteilen Sie den Bereich der Nuklearenergie und deren Rolle bei der Energieversorgung? Marti: Jeder, der sich nur fünf Minuten mit dem Thema beschäftigt weiß, dass man auf verlässliche, stabile Grundlast angewiesen ist. Die einzige Form Strom zu speichern (im großen Stil) sind Pumpspeicherwerke, für welche es Berge und Talsperren braucht. Oder ein Lager an Kohle oder ein Gaskraftwerk, welches schnell hochgefahren werden kann falls es nicht „windet“ (hier braucht ja Deutschland Pipelines zum

  • „Wissen spricht, aber Weisheit hört zu.“ (Jimi Hendrix) Vor einigen Jahren durfte ich die Wälder Norwegens mit Kollegen in einer Art “Survival”-Modus erleben – inkl. Lagerfeuer Romantik, dem gemeinsamen Bauen von Fluss-Brücken, dem Aufschlagen eines Nachtlagers ohne Zelt, sowie unbegleiteten Märschen in einsamer Wildnis. So konnte ich als ehemaliger Zivildienstleistender mit Anfang 30 doch noch einmal lernen, wie ein Kompass zu lesen ist. Spannend waren auch Seminare von überforderten Trainern, welche die Psychodynamik ihrer Gruppe unterschätzt haben und nicht verhindern konnten, dass Teilnehmer weinend das Seminar verließen, da sogenannte “Kollegen” weiter ungeniert ihre Mobbing-Pfeile abgeschossen haben. Viele von Ihnen haben sicher im Laufe ihrer Laufbahn ähnlich, sogenannte “Team-Building” Seminare erlebt. Oft ist es das Ziel, das “Wir”-Gefühl zu stärken und für mehr Vertrauen untereinander zu sorgen. Hier sind die unterschiedlichsten Ansätze von “hart” bis “herzlich” wiederzufinden. All die Wünsche und Absichten seitens der Führungskräfte haben ihre Berechtigung. Wie viel davon tatsächlich in den beruflichen Alltag transportiert wird, muss jeder für sich selber beurteilen. Ist ein “Team” innerhalb einer Firma oder Abteilung gut aufgestellt, zeigt sich dies in entsprechenden Resultaten und geringer Fluktuation. Holger Leppin, Senior Relationship Manager bei Plenum Investments AG Team, Jazz und die Kunst des Zuhörens Meine persönlich stärkste Prägung im “Team-Playing” habe ich jedoch in einem ganz anderen Kontext erlebt. Und zwar in meiner Zeit als Jazz-Musiker, speziell während meiner Jahre als Student. Viele Eigenschaften von Jazz-Musikern sind aus meiner Sicht sehr gut in den “normalen” Berufsalltag zu übertragen. Was ist damit gemeint und was ist dafür erforderlich? Jazz-Musiker zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie innerhalb kürzester Zeit “Teams” bilden können. Ein Beispiel dafür sind sog. Jam-Sessions, also ein spontanes Zusammentreffen von Musikern, die sich vorher nicht kennen – fast so eine Art “Blinde Date”.   Was muss ein Musiker dazu mitbringen? Zunächst eine recht gute Kenntnis des eigenen Instrumentes und der jeweiligen Form. Ein bekanntes Beispiel ist die Form des Blues. Das Team-Building beginnt in einer Jam-Session meistens mit der Phase einer sehr kurzen “Vorbesprechung”, also der kurzen Abstimmung welche Form die vielleicht 3-4 MusikerInnen (z.B. Drums, Klavier, Bass, Saxophon) spielen wollen. Einigt man sich z.B. auf einen Blues, wird kurz die Tonart bestimmt, also einen Blues in F oder C zu spielen. In dieser Formation kann das Saxophon eine bekannte Blues-Melodie spielen. Die Kommunikation von 4 Musikern, die sich das erste Mal spontan auf einer Session treffen, könnte ungefähr so ablaufen: Saxophon: “Okay, spielen wir einen Blues? Tonart in Bb? Bass: “Passt für mich. Soll ich einen Durchlauf mit Drums in Mid-Tempo spielen und Du steigst dann mit dem Piano ein? Saxophon: “Alles klar” Piano: Streckt den Daumen hoch Hier ist schon einmal offene Kommunikation erforderlich. Man geht in dieser Phase gemeinsam an den Start und fängt an zu spielen. Und in diesen ersten “Runden” (12 Takt Blues-Schema) hört man aufeinander, merkt, was die “Kollegen” können, welche Fähigkeiten oder auch Limiten sie haben etc. Sie ahnen es wahrscheinlich schon: Das Zuhören ist dabei einer der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Jazz-Musiker besitzen sollte. Nur damit kann er sich auf die Situation adäquat einstellen, sich inspirieren lassen oder durch Blicke den anderen spontanes Feedback geben und sie anspornen um zum Beispiel noch ein weiteres Solo zu spielen. Kurzum: Sehr oft geht man von vornherein sehr wohlwollend miteinander um. Es kommt in der Regel auch jeder einmal zum Zug, kann und soll auch mal ein Solo spielen dürfen. Man nimmt sich gegenseitig mit. Keiner bleibt außen vor. Asset Management – Toleranz, Team & „Leadership“ In einer festen Formation, was dem Team innerhalb einer Firma näherkommt, ist dieses “Wir”-Gefühl natürlich noch viel ausgeprägter als bei einer spontanen Jam-Session. Regelmäßige Proben und Auftritte stärken die Bande untereinander, man kann Arrangements detaillierter besprechen und im Prozess des Probens Feedback aller Mitmusiker aufnehmen und neue Ideen einfließen lassen. Auch Jazz-Formationen haben oft einen “Leader”, allerdings ist er kein “Chef” im klassischen Sinn, sondern eher ein “primus inter pares”. Dieser Mindset von Jazz-Musikern führt eben auch dazu, dass sie in der Lage sind, sich kurzfristig auf neue Situationen und Mitmusiker, also “Teams”, einzustellen. Dieses hohe Toleranz-Level führt auch dazu, dass es für Jazz-Musiker selbstverständlich ist, seine Ideen ohne Zurückhaltung einzubringen, da der “Mindset” von Jazzmusiker von sich aus offen ist. Eine Tugend, die auch für den normalen Berufsalltag sehr viele Vorteile mit sich bringt. Für sich selbst, seine Kolleginnen und Kollegen und sein allgemeines Wohlbefinden. Beispiele – „Einstimmung & Flow“ Zum Schluss dazu eine Video-Empfehlung einer Jazz-Formation, in welcher der “Jazz Code” gut wiedergegeben wird: www.youtube.com: „The JazzCode documentary — how jazz musicians work“(HINWEIS: „Titel kopieren, bei YouTube einsetzen“). Interessant ist in diesem Zusammenhang ergänzend ein Live-Beispiel einer Jam-Session mit Wynton Marsalis, einem der größten Jazz-Trompeter und Jazz-Botschafter (Jazz at Lincoln Center). Achten Sie auf die Formation und unterschiedlichen Jahrgänge angefangen vom Bassisten über den Gitarristen: www.youtube.com: „Cherokee… Jam session at BOZAR Victor Cafe in Brussels, Belgium“(HINWEIS: „Titel kopieren, bei YouTube einsetzen“). Holger Leppin (Plenum Investments AG) hat Musikwissenschaft und Psychologie an der Universität Hamburg studiert. Er war in dieser Zeit u.a. Mitglied im Landesjugendjazz Orchesters Hamburg und der Universität Bigband Hamburg sowie viele Jahre in festen Jazz-Formationen aktiv. PLENUM INVESTMENTS AG: https://www.plenum.ch/ Verwandte Beiträge: Auslaufmodelle oder Champions League & Salz in der Suppe? (Holger Leppin, Plenum Investments AG)ESG, Klimawandel, SDGs – CAT Bonds, Ratings & Vulkane (Interview – Roland Kölsch, Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation, „Tail-Risks“ und Asset Management (Interview – Nico Rischmann, Plenum Investments AG)CAT Bonds, Klimawandel, Risikomanagement & „Palmen aus Stahl“ (Interview – Daniel Grieger, Plenum Investments AG)

  • Nachhaltige Geldanlagen, ESG-Kriterien, Klimawandel und Ratings – bei vielen privaten und institutionellen Investoren stehen diese Themen im Fokus. Markus Hill sprach mit Roland Kölsch, Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG), über diesen Themenkreis und über die speziellen Besonderheiten und Herausforderungen beim Ratingprozess von CAT Bonds (Insurance-Linked Securities). In dem Gespräch werden die Besonderheiten der Asset-Klasse Katastrophenanleihen, der Zusammenhang zu Themen wie Nachhaltigkeitskriterien (SDGs), „Impact Investing“ und auch die Vorteile und Nachteile dieses speziellen Marktsegments thematisiert. Die vor kurzem stattgefundene Emission von CAT Bonds („Rotes Kreuz & Vulkane“) und die aktuelle Suche von Investoren nach alternativen Anlagemöglichkeiten in der Niedrigzinsphase unterstreicht die Aktualität des Themas. Hill: Herr Kölsch, Sie verantworten nun schon bereits im fünften Jahr den Qualitätsstandard Nachhaltiger Geldanlagen, das FNG-Siegel. Erläutern Sie doch mal, was es damit auf sich hat? Kölsch: Aus der Motivation heraus, den wachsenden Wildwuchs an Nachhaltigen Geldanlagen in gewisse Bahnen zu lenken, haben sich 2012 verschiedene Stakeholder zusammengefunden, um in einer dreijährigen Entwicklungsarbeit Kriterien zur Einordnung der Qualität Nachhaltiger Finanzprodukte zu erarbeiten. Unter Mitwirkung von Finanzberatern, Asset Ownern, Ratingagenturen, Wissenschaft, Kirche, Asset Managern und NGOs wurde das Gütezeichen 2015 auf den Markt gebracht.Herausgekommen ist eine vielschichtige Methodik, die versucht, die unterschiedlichen Bausteine, die bei den verschiedenen Anlage-Wegen zu (mehr) Nachhaltigkeit zur Anwendung kommen, zu bewerten und in einem mehrstufigen Label auszudrücken. Die ganzheitliche Methodik basiert auf einem Mindeststandard. Dazu zählen Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- & Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung wie sie im weltweit anerkannten UN Global Compact zusammengefasst sind. Auch müssen alle Unternehmen des jeweiligen Fonds komplett auf Nachhaltigkeits-Kriterien hin analysiert werden. Tabu sind Investitionen in Atomkraft, Kohlebergbau, bedeutsame Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung. Hochwertige Nachhaltigkeits-Fonds, die sich in den Bereichen „institutionelle Glaubwürdigkeit“, „Produktstandards“ und „Portfolio-Fokus“ (Titelauswahl, Engagement und KPIs) besonders hervorheben, erhalten bis zu drei Sterne. Roland Kölsch, Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen(QNG) Dabei geht das FNG-Siegel weit über die reine Portfoliobetrachtung hinaus und beinhaltet quantitative und qualitative Elemente. Mit über 80 Fragen wird z.B. der Nachhaltigkeits-Anlagestil, der damit einhergehende Investmentprozess, die dazugehörigen ESG-Research-Kapazitäten und ein evtl. begleitender Engagement-Prozess analysiert und bewertet. Darüber hinaus spielen Elemente wie Reporting, Kontroversenmonitoring, ein externer Nachhaltigkeitsbeirat und die Fondsgesellschaft als solche eine wichtige Rolle.Je vielschichtiger und intensiver ein Fonds auf den verschiedenen Ebenen aktiv, umso höher ist seine Nachhaltigkeits-Qualität und das Potential, letztendlich indirekten und direkten Impact zu erzielen. Hill: Nun klingt das so, als ob hierbei nur die üblichen Aktien-, Renten- oder Mischfonds bewertet werden. Kölsch: Da die Mehrheit des Produktangebots auf dem Markt aus diesen Assetklassen stammt, bewerben sich auch überwiegend Finanzprodukte, die aus diesen klassischen Anlageformen kommen. Allerdings findet man unter den von uns ausgezeichneten Investmentfonds immer mehr nicht ganz so gewöhnliche Anlagekonzepte wie z.B. Wandelanleihen, High Yield, Emerging Markets, Wertsicherungs- und Nachrangkonzepte. Mikrofinanz steht aktuell vor der Tür und bei Immobilien wird gerade die Transparenz-Grundlage geschaffen. Exotisch wurde es 2018 als wir nach über einem Jahr Vorarbeit den ersten Cat Bonds Fonds auf seine Nachhaltigkeits-Qualität prüften. Hill: Wieso exotisch? Kölsch: Was sich sehr einfach anhört ist alles andere als trivial. Denn bei einem Cat Bond geht es zwar letztlich um eine Anleihe, diese ist aber wiederum in eine mehrgliedrige Struktur unterteilt. Ein Cat Bond ist ein Konstrukt mit verschiedenen Komponenten und Akteuren.Nicht die Versicherungsgesellschaft emittiert die Cat Bonds, sondern eine eigens dafür gegründete Zweckgesellschaft, die zwischen dem Investor und der Versicherung steht. Anders als bei ABS hat diese den Zweck, mit der Versicherung als sog. Sponsor/Zedenten einen Rückversicherungsvertrag abzuschließen. Die potenziellen Verpflichtungen, die aus diesem Vertrag entstehen, werden durch die Emission einer Anleihe finanziert, in die die Anleger:in dann investiert.Eine weitere Komponente ist die Versicherungsprämie. Sie wird bei der Emission fest ausgehandelt und muss die über den Rückversicherungsvertrag eingegangenen Risiken adäquat entschädigen. Die Prämie wird vom Sponsor, also vom Versicherer, bezahlt und dann zusammen mit der Geldmarktkomponente in Form eines Coupons der Anleger:in ausgezahlt. Zusammenfassend erhält die Anleger:in einen variablen Teil aus der Geldmarktkomponente und eine fixe Entschädigung für das Versicherungsrisiko. Hill: Was macht denn solch eine exotische Assetklasse wie Cat Bonds grundsätzlich so attraktiv? Kölsch: Cat-Bonds sind Anleihen, über die Versicherungsschäden aus seltenen Naturkatastrophen gedeckt werden. Katastrophenanleihen beziehen sich in der Regel auf Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdbeben und Pandemien und eignen sich deshalb gut zur Diversifikation größerer Portfolios, da Naturkatastrophen nichts mit der Börse zu tun haben und verschiedene Katastrophen untereinander wiederum kaum miteinander korreliert sind. Der Wert eines Cat Bonds schwankt kaum, solange das definierte Schadenereignis nicht eintritt, denn das Geld wird in sicheren, kurz laufenden Anleihen geparkt. Gegenpartei- und Zinsrisiko sind gering, es wird ein fixer Zins über Geldmarktniveau gezahlt. Die Anleihen werden zum Nominalwert emittiert und am Ende der Laufzeit zu 100% zurückbezahlt. In einem vorab zu definierenden Fall des Eintritts einer „Katastrophe“, sog. Trigger-Events (meist während eines festgelegten Zeitraums von drei bis fünf Jahren) wird die gesamte Höhe bzw. zumindest ein Teil des eingezahlten Kapitals an den Emittenten der Anleihe transferiert. Das Risiko besteht also darin, dass Anleger:innen, wenn es zu solchen Katastrophen kommt, Geld verlieren. Die Verlust-Wahrscheinlichkeit wird mit höheren Zinsen kompensiert. Gerade in Zeiten von Null- und sogar Minuszinsen bieten Cat Bonds also einen nicht uninteressanten Yield-Pickup und ermöglichen (qualifizierten) Investoren eine Verbesserung ihres Rendite-Risiko-Profils.Mit der Verbriefung von Katastrophenrisiken auf dem Finanzmarkt wird eine zusätzliche Versicherungsmöglichkeit geschaffen, die es oft überhaupt erst ermöglicht, dass (Spitzen)Risiken versichert werden können, die ansonsten kein einzelner Versicherer aufs Buch nehmen würde.So hat kürzlich das dänische Rote Kreuz einen Cat Bond platziert, der Vulkanismusrisiken in Entwicklungsländern deckt und zur Finanzierung von Hilfsmaßnahmen gedacht ist.Es geht also bei Eintritt einer (Natur)Katastrophe immer um konkrete Mittelverwendung, sog. „use of proceeds“. Hill: Das wäre doch völlig im Sinne der SDGs der Weltgemeinschaft. Kölsch: Die 17 Nachhaltigkeitsziele mit ihren 169 Unterzielen stellen ein gut verständliches Rahmenwerk zusammengefasster Herausforderungen der Weltgemeinschaft dar, für die es bis 2030 Lösungen erfordert. Auch vom Kapitalmarkt. In der EU wird hochaktuell der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums umgesetzt, die sog. Sustainable Finance Regulatorik.Nun haben die Macher der Gesetze in Brüssel allerdings den ILS-Markt in ihren Überlegungen nicht berücksichtigt, sprich Cat Bonds sind „out of scope“ der Regulatorik. Hier besteht

  • Caduff: Herr Hill, Sie sind ein erstklassiger Kenner der Family-Office-Land­schaft in Deutsch­land. Nicht umsonst nennt man Sie auch «Mr. Family Office». Kommen Sie geschäft­lich gut durch die Krise? Hill: Family Offices, ähnlich wie der klassische Mittel­stand und Fonds­boutiquen, sind bekanntlich «Lang­frist­denker». Viele der Dienst­leister in diesem Segment sind mir ja bekannt. Feed­back bei mir und auch von diversen anderen Dienst­leistern: Die Dinge laufen weiter, manch­mal mit etwas weniger Tempo. Inte­ressant ist jedoch, dass es auch wieder neue Anbieter mit inte­ressanten Services gibt, zum Beispiel Peter Brock und Christian Stadermann (BEEWYZER) – ich bin aufgrund von gemein­samen Panel­diskus­sionen hier vielleicht etwas selektiv und befangen, das gebe ich zu. Kurzum, im Gegen­teil: Die Dinge haben sich trotz «Krise» viel besser ent­wic­kelt, als ich es erwartet hätte. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass man schon lange Zeit vorher digital gesehen sehr gut aufge­stellt war. Caduff: Sie sind ja überaus aktiv auf LinkedIn mit immer viel Resonanz. Warum interessiert das Thema «Family Office» so viele Leute? Hill: Man sollte LinkedIn nicht über­schätzen, aber auch nicht unter­schätzen – XING scheint hier etwas in die Defen­sive geraten zu sein. Ich betrachte Social Media primär als Kanal, um mit einer grossen Anzahl von Markt­teil­nehmern über lange Zeit im lockeren Kontakt zu bleiben oder nutze es aktiver (MH-Trans­parenz), wenn ich sozu­sagen bestimmte Themen einmal visibler machen möchte. Ich selber freue mich, wenn Leute mich auf Dinge aufmerksam machen. Der Reiz besteht für mich im Austausch der Gedanken, in inte­res­santen Einla­dungen oder auch einfach im Input zu Themen wie Finanzen und auch Kultur. Family Offices und Inte­resse – man kann da vielleicht verschie­dene Gruppen im Markt unter­scheiden. Presse, Inves­to­ren, Anbieter, Unter­nehmer etc. Ich selber arbeite seit 2005 auf eigene Rech­nung, kenne aber auch das Anstellungs­ver­hältnis aus Bank- und Asset- Manager-Zeit. Ich bewun­dere Hidden Champions, Leute die Dinge tun, die sie lieben und in denen sie im Laufe der Zeit immer besser werden. Man findet diese Persön­lich­keiten im Unter­nehmer­bereich, viele dieser Unter­nehmer findet man auch wieder in der Rolle des Principals bei bestimmten Single Family Offices. Der Austausch auf der Produkt­ebene mit diesen Adressen macht Spass, ab und an ergeben sich auch inte­res­sante Vernet­zungen mit Anbietern, die man gerne weiter­empfiehlt oder weiter­empfohlen bekommt. Und da ist dann halt die andere Gruppe im Markt, die vielleicht hier weniger inhalt­lich moti­viert ist, um in Kontakt mit dem jewei­ligen Family Office zu treten. Primar wird hier das Family Office als «Beute» gesehen, die es zu erlegen gilt. Bitte entschul­digen Sie meine bild­hafte Sprache, präziser ausge­drückt: Das Gegen­über wird hier vom Produkt­anbieter einfach nur in seiner Funktion als Einkäufer betrachtet. Das ist nichts Verwerf­liches, nur wird es halt zum Problem, wenn dem Family Office eines von den vorwiegend austausch­baren Produkten (Beispiel: Fonds) «aufge­drängt» werden soll. Dieses rein funktio­nale Inte­resse ist wahr­scheinlich ein sehr, sehr starker Treiber in diesem Markt. Man nennt es aber wohl auch nur einfach das legitime Verfolgen von Geschäfts­inte­ressen. Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant Caduff: Wenn man die Fach­presse liest, bekommt man den Eindruck, es würden solche Offices wie Pilze aus dem Boden schiessen und beste­hende immer grösser werden. Teilen Sie diesen Eindruck? Hill: Ich gebe zu, dass der Begriff nach wie vor unscharf ist. Natürlich wird er aus Ver­triebs­inte­resse oft von Banken oder Vermö­gens­ver­waltern als Marketing-Label genutzt, diese Entwick­lung ist sozu­sagen im System «Freie Markt­wirt­schaft & Wett­bewerb» schon vorge­zeichnet. Namen sind nach bestimmter Zeit Schall und Rauch, die Leistung zählt dann, empfinde ich das nicht als zu bekla­gens­wert. Mein Gefühl ist sogar, dass das vielen «richtigen» Family Offices relativ egal ist, da diese sich in der Regel mit viel wesent­licheren Dingen beschäf­tigen als mit Themen wie Branding und Positio­nierung – gerade im Single-Family-Office-Segment. Um ein praktisches Beispiel zu nennen: Ich hatte einmal die Gele­genheit, mich fachlich kurz mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und mit dessen Sohn Till Grönemeyer (Grönemeyer Health GmbH) auszu­tauschen. Beide besitzen eine tiefe Exper­tise in Sachen Health­care. Im letzten Jahr wurde von der Familie, in Kombi­nation mit externen Dienst­leistern (Christian Exner & Team), auch ein liquider Publi­kums­fonds zu diesem Thema aufge­legt. Bei dem Gedan­ken­austausch ging mir spontan durch den Kopf, dass diese fami­liäre Konstel­lation mit dieser starken fach­lichen Ausrich­tung in Kombi­nation mit der Inves­toren­eigen­schaft meiner Ansicht nach eher einer Single-Family-Office-Struktur nahe­kommt, im Vergleich zur Struktur von diversen anderen Single Family Offices. Konkretes Gegen­beispiel in einem anderen Markt­segment, Thema Immo­bilien­ent­wickler: Im Extrem­fall hat man hier das Gefühl, dass sich einige dieser Adressen noch gerne die Bezeichnung Single Family Office zulegen oder gerne zulegen würde – fairer­weise ist dies nur auf die Adressen zutreffend, die sich vielleicht eher in der Rolle des «Vermarkters» sehen. Manch­mal sind nach aussen diese Strukturen nicht auf den ersten Blick erkennbar für Dritte: Spreche ich mit einem Family Office oder mit dem Immo­bilien­ent­wickler, der sich mit der Repu­tation seines «Kern-Seeders» schmückt. Auch das ist nichts Besorg­niser­regendes, fördert aber nicht unbedingt die Transparenz im Markt. Caduff: Das können Sie uns sicher sagen: in welcher deutschen Stadt gibt es die meisten und grössten Family Offices? Hill: Ich weiss, dass ich (fast) nichts weiss. Ernsthaft gesprochen: Natürlich weiss ich das nicht, dazu sind die Grenzen entweder oft zu ver­schwommen zwischen Single Family Office, Multi Family Office und reinen Vermö­gens­ver­waltern. Und ich wäre vorsichtig, wenn jemand behaupten würde, dass er hier transparent über alles – Adressen, Investments, Invest­menthöhe und AuM (Assets under Mana­gement) als Infor­mation verfügen würde. Ich lasse mich aber gerne von sach­kundigen Dritten des Gegen­teils über­zeugen. Caduff: Ist die Feststellung richtig, dass dieses Geschäft doch sehr stark örtlich verwurzelt ist? Hill: Grundsätzlich, vom lokalen Mittel­stand aus­gehend, würde ich der Aussage zustimmen. Ander­seits ist es aber so, dass auch viele dieser Adressen wiederum geschäft­lich auch ausser­halb Deutsch­lands erfolg­reich agieren oder zum Beispiel in Sachen Asset Protection einen Anreiz haben, die Fühler stärker inter­national auszu­strecken. Corona, Immo­bilien­markt, Inflation, EZB-Politik – alles Gründe, die Leute in kreativer Bewegung halten, nicht nur im Family-Office-Bereich. Man muss halt Kern­geschäft und den Bereich Asset Mana­gement gesondert betrachten, kenn es deshalb weniger eindeutig beant­worten. Caduff: Sie publizieren auch häufig über Themen wie Family Offices, Fonds­boutiquen und Fonds­selektion. Auch in

  • Jeder Fondsstandort hat seine speziellen Stärken, Vielfalt belebt das Geschäft. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit David Gamper, Geschäftsführer des LAFV Liechtensteiner Anlagefondsverband, über Themen wie Fondsauflage, Immobilien, Blockchain, AIFM, Family Offices und Innovations-Clubs. Zusätzlich wurden die spezielle, kooperationsorientierte Konstellation der Finanzplätze Schweiz und Liechtenstein diskutiert sowie die Bedeutung der Themen ESG und Nachhaltigkeit für das Fondsdomizil (Link / Aufzeichnung – 25.3.2021: «ESG Webinar – Fondsplatz Liechtenstein und Nachhaltigkeit – Was Fondspromotoren und Vermögensverwalter wissen müssen»   – LAFV & PwC Liechtenstein / Schweiz). Hill: Welche Rolle spielt für den Fondsstandort Liechtenstein der Bereich Immobilien? Gamper: Immobilien waren bis vor ein einigen Jahren noch unterrepräsentiert, holen aber sukzessive auf. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass früher die Fondsinitiatoren hauptsächlich aus der Schweiz kamen und diese kaum Immobilienfonds im Ausland aufgelegt haben. Mit der Internationalisierung der Fondsinitiatoren ging auch die Zunahme der Immobilienfonds einher, denn Liechtenstein kann sehr vorteilhafte regulatorische Rahmenbedingungen vorweisen. Liechtenstein ist Mitglied des EWR und übernimmt die AIFM Richtlinie der EU. Dadurch bietet der Fondsplatz die nahezu identischen Möglichkeiten wie andere Fondsdomizile in Europa, z.B. die SICAV oder das Sondervermögen. Wer diesbezüglich interessiert ist, der findet auf der Webseite des LAFV eine Fondsbroschüre inklusive Übersicht über die Rechtsformen und Strukturierungsmöglichkeiten in Liechtenstein. Eines der wichtigsten Merkmale des Fondsplatzes Liechtenstein ist die Finanzmarktausicht (FMA). Nicht nur die sehr kurze Zulassungszeit von drei bis vier Tagen für neue Produkte hebt Liechtenstein deutlich von anderen Fondsdomizilen ab, sondern insbesondere die kooperative und lösungsorientierte Arbeitsweise der FMA. Dies wirkt sich für alle Beteiligten in Bezug auf Planbarkeit und Zeitaufwand sehr positiv aus. Die gute Zusammenarbeit zeigt sich auch daran, dass es zwischen FMA und LAFV abgestimmte Musterdokumente für die Neuauflage von Fonds gibt. Der Qualitätsanspruch auf die regulatorisch notwendigen konstituierenden Dokumente wurde bewusst standardisiert, um somit den Fokus auf die reale Umsetzung der Prozesse zu legen, die die Grundlage der Vermögensmehrung und damit Grundlage eines qualitativen Anlegerschutzes sind. Als Beispiel sei die neue Regelung zur Bewertung von Vermögensgegenständen genannt. Nicht zuletzt deshalb ist kürzlich ein deutscher AIFM, der einen Schwerpunkt auf Immobilien legt, mit einem eigenen AIFM nach Liechtenstein expandiert. David Gamper, Geschäftsführer des LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband Hill: Würden Sie den Finanz- und Fondsplatz Liechtenstein als innovativ bezeichnen? Gamper: Liechtenstein ist einerseits sehr traditionell und denkt in Generationen. Das äussert sich auch in seiner politischen und wirtschaftlichen Stabilität. Andererseits ist es aus meiner Sicht auch sehr innovativ. Denken wir nur einmal an das europa- oder vielleicht sogar weltweit erste umfassende «Blockchain-Gesetz». Auch der erste Kryptoasset Fonds nach europäischem Recht, der nun mit enormen Renditen von sich reden macht, wurde in Liechtenstein zugelassen, ebenso wie der erste Fonds, der auf Token-Basis gehandelt werden kann. In Liechtenstein gibt es eine Reihe von Institutionen, die Innovationen im Finanzbereich fördern. Von Regierungsseite gibt es die Stabstelle für Finanzplatzinnovation, die die Innovationsprozesse von Finanzdienstleistern und finanzmarktnahen Unternehmen unterstützt. Zur Verbesserung der staatlichen Rahmenbedingungen gibt es auch die sogenannten Innovations-Clubs. Jeder kann seine Bedürfnisse der Regierung auf einfachem Weg mitteilen. Auch ist es möglich sich mit Gleichgesinnten in einem Innovations-Club auszutauschen. Dadurch wird ein effizienter Prozess zur Verbesserung der Rahmenbedingungen oder weiterer staatlicher Tätigkeitsfelder ermöglicht. Auch die Fondsbranche hat hier schon Ideen eingebracht und es wird sehr schnell reagiert, um Lösungen zu finden. Interessant ist auch die Einrichtung des Regulierungslabors bei der Finanzmarktaufsicht (FMA). Innovative Geschäftsmodelle wie Fintechs passen oft nicht in die klassischen Regulierungskategorien. Bei der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein wurde deshalb ein Kompetenzteam für eben diese innovativen Geschäftsmodelle eingerichtet. Dadurch erhalten interessierte Unternehmen einen direkten Zugang zu speziell qualifizierten Ansprechpartnern für einen möglichst hindernisfreien und zügigen Bewilligungsprozess. Hill: Wie ist das Verhältnis zwischen Liechtenstein und der Schweiz, ist das in der Fondsbranche eher ein Konkurrenzverhältnis oder eine Zusammenarbeit? Gamper: Ich denke zwischen allen Fondsdomizilen in Europa gibt es einen gesunden Wettbewerb. Von einem besonderen Konkurrenzverhältnis zwischen der Schweiz und Liechtenstein kann ich nicht sprechen, dafür ist die Ausgangsbasis zu verschieden. Schweizer Fonds können nicht vom EU-Pass profitieren, da die Schweiz nicht Mitglied des EWR ist. Somit ist ein Vertrieb in Europa nur sehr eingeschränkt möglich. Auf der anderen Seite haben Anleger aus der Schweiz den Vorteil, dass sie bei heimischen Fonds bei der Ausgabe keine Stempelsteuer bezahlen müssen. Somit würde ich sagen, dass tendenziell die Herkunft der Anleger die Wahl zwischen den zwei Fondsdomizilen bestimmt. Sind diese nur in der Schweiz, dann setzt man einen Fonds nach Schweizer Recht auf. Sind diese in Europa, dann nimmt man ein Fondsdomizil in einem EWR-Staat. Ganz besonders vorteilhaft ist Liechtenstein, wenn die Anleger sowohl aus der Schweiz als auch aus dem EWR Raum kommen. Es ist nämlich das einzige Fondsdomizil mit EU-Pass und Stempelsteuerprivileg für Anleger in der Schweiz. Somit gibt es nicht wirklich eine Konkurrenz, ich sehe hier eher die Vorteile der Kooperation. Sehr viele Dienstleistungen der liechtensteinischen Fondsanbieter werden in die Schweiz delegiert und somit dort erbracht. Teilweise kommen auch die Eigentümer der liechtensteinischen Fondsgesellschaften aus der Schweiz oder es gibt dort Mutter-, Schwester- oder Tochtergesellschaften. Nicht zuletzt kommt ein sehr grosser Teil der Fondsinitiatoren aus der Schweiz. Es ist also eine Zusammenarbeit mit der Schweiz, eine sehr gute sogar. Hill: Family Offices hatten in 2020 Liechtenstein als Standort für die Fondsauflage im Blick. Nehmen Sie auch in 2021 hier weiterhin ein starkes Interesse wahr? Gamper: Wir haben ja schon darüber gesprochen. Family Offices zeigen nicht unerhebliches Interesse an liechtensteinischen Fonds als Instrument für die Vermögensstrukturierung. Seit unserem letzten Gespräch haben die Anfragen beziehungsweise Aktivitäten diesbezüglich sogar zugenommen. Ebenso stellen wir fest, dass Liechtenstein vermehrt auch als Standort für Family Offices selbst in Frage kommt und Sitzverlegungen in Betracht gezogen werden. Es gibt für beide erwähnten Varianten einige sehr konkrete Projekte, die in absehbarer Zeit realisiert werden. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage weiter zunehmen wird. Liechtenstein ist sowohl für Family Offices als auch für Fonds steuerlich attraktiv und bietet rechtlich, politisch und wirtschaftlich ein stabiles Umfeld. Das sind ideale Voraussetzungen für eine generationenübergreifende Vermögensplanung und -verwaltung. Auch das Know-how ist in Liechtenstein ein grosser Vorteil. Immerhin hat die langfristige Vermögensverwaltung hierzulande grosse Tradition. Entsprechend ist auch sehr

  • Im Dezember letzten Jahres fand auf der Branchen-Plattform ARTEMIS eine Paneldiskussion zum Thema ESG und Insurance-Linked Securities (CAT Bonds) statt. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Nico Rischmann, Plenum Investments AG, über die Herausforderungen in diesem Marktsegment, Investor Education und über die Notwendigkeit der Kooperation in der Branche (Sponsoren & Asset Management). Inhaltlich angesprochen wurden Themen wie Regulierung, Unternehmertum, die Bedeutung von «Tail-Risiken» und Produktmanagement. Zusätzlich wurden Themen wie Ratings, Risikomanagement, Naturkatastrophen und über optimale Einstiegszeitpunkte im CAT Bonds-Segment für Investoren in 2021 diskutiert. Hill: ESG stösst als Thema derzeit auf ein starkes Interesse. Sie und Ihr Kollege Dirk Schmelzer hatten im Dezember noch eine Paneldiskussion zum Thema Nachhaltigkeit und Insurance-Linked Securities (ILS) auf der Branchen-Plattform ARTEMIS initiiert. Die Großen der Branche waren auch mit von der Partie. Wie kam es zu dieser Idee? Rischmann: Wir hatten zur Diskussion eingeladen, weil wir den Eindruck gewonnen hatten, dass die ILS-Branche in den letzten drei Jahren beim Thema «Transparenz der Versicherungsbücher» keine Fortschritte gemacht hat. Im ersten Schritt versuchen wir den Zedenten und Versicherungsbrokern gegenüber aufzuzeigen, dass nicht ESG-konformes Verhalten zu einem erheblichen Rückgang der CAT Bond-Nachfrage führen wird, denn ca. 45 % der ILS-/CAT Bond-Nachfrage stammt aus Europa. Wir möchten unsere Branche ausdrücklich auf die Gefahr aufmerksam machen, dass man in Zukunft möglicherweise Investoren verlieren kann. Unser Roundtable war der Beginn einer Reihe von Themen, die wir noch abarbeiten müssen, um einen allgemein anerkannten Best Practice-Standard in einer Anlageklasse zu etablieren, die nicht der herkömmlichen Analysemethodik von ESG entspricht. An dieser Stelle möchte ich sowohl an die Mitglieder der Wertschöpfungskette des CAT Bond-Geschäfts als auch an unsere Mitbewerber appellieren, gemeinsam diesen Standard zu setzen. Nico Rischmann, Plenum Investments AG Hill: Was waren für Sie die wesentlichen Erkenntnisse der damaligen Diskussion? Rischmann: Erfreulich war, dass unsere Branche das Thema ernst nimmt. Das ist nicht so einfach, da wir mehrheitlich US-Risiken versichern beziehungsweise amerikanische Zedenten absichern, die nicht börsengelistet sind. Auch hat uns sehr positiv gestimmt, dass die Swiss Re aktiv darum bemüht ist, Nachhaltigkeit im Risikotransfermarkt zu implementieren. Auch die Versicherungsbroker scheinen sich zu bewegen. Wir sind in der Phase «Butter bei die Fische». Hill: Inwiefern besteht konkreter Handlungsbedarf für die verschiedenen Anbieter von ILS (CAT Bonds etc.) und bei Fondsmanagern, die diese Produkte einsetzen? Rischmann: Der konkrete Handlungsbedarf ist groß. Nicht nur, weil die entsprechenden Gesetzte nun umgesetzt werden, sondern viel mehr geht es um die Deutungshoheit beziehungsweise um die Frage, wie man den Anforderungen des Gesetzgebers entsprechen kann. Auch sehen wir im Markt die Möglichkeit eines Aufeinanderprallens von «Forms over Substance» und «Explain or Comply». Was will ich damit sagen? Wir sehen Investoren, die CAT Bonds analysieren indem sie den Emittenten beziehungsweise den Sponsor in das Zentrum der ESG-Analyse rücken – so als ob man hier in eine Aktie oder Anleihe des Versicherers investiert wäre. Da die ESG-Analyseagenturen kaum Informationen über das Versicherungsbuch verfügen, wird schwerpunktmäßig die Aktivseite der Versicherungsbilanz analysiert. Formal betrachtet entspricht diese Vorgehensweise der herkömmlichen ESG-Sichtweise. Auf das Halten reiner Rückversicherungsverträge übertragen, erscheint uns die Anwendung dieser Methode nicht zielführend. Man bräuchte dringend einen allgemein anerkannten Best Practice-Standard für CAT Bonds. Das ist derzeit die große Baustelle, denn die Offenlegungsverordnung mit ihrer Kategorisierung in Artikel 8 oder 9 wird diese Diskussion befeuern. Entweder kommt die sogenannte «Generalamnestie» für CAT Bonds oder es muss die Anwendung der RTS im übertragenen Sinne akzeptiert werden, um der speziellen Ausprägung von CAT Bonds gerecht zu werden. Denn keiner spricht dieser Anlageklasse den hohen gesellschaftlichen Beitrag ab, den man mit einem Investment zur Absicherung von Naturkatastrophenereignissen erreicht. Ich gehe nicht davon aus, dass der Gesetzgeber eigene RTS speziell für die ILS-Industrie entwickeln wird. Wie Sie wissen, haben wir vor drei Jahren begonnen, das Thema Nachhaltigkeit und CAT Bonds mit der notwendigen Ernsthaftigkeit in eine Form zu gießen. Wir haben uns damals entschieden, den Weg mit dem FNG-Siegel zu gehen. Es war ein sehr wichtiger Prozess für uns, um zu lernen, welche Sprache die Nachhaltigkeitsbranche spricht. Wir hörten immer wieder die Argumente aus unserer Branche, dass CAT Bonds per se nachhaltig sind. Grundsätzlich ist diese Aussage richtig. Aber man hilft unserer Branche damit nicht, da Investoren im Rahmen ihrer «Check-the-Box»-Due Diligence Antworten auf ihre Fragen benötigen. CAT Bonds sind immer noch kein Mainstream. Um in diese Richtung zu kommen, muss mehr Aufklärung stattfinden. Dies, weil wir davon überzeugt sind, dass eine genaue Kenntnis über den kapitalmarktbasierten Transfer von Versicherungsrisiken das notwendige Verständnis erzeugt, um zu erkennen, dass CAT Bonds nachhaltige Anlagen darstellen. Dazu gehört auch die Diskussion um den Impact von CAT Bonds. Die Swiss Re hat mit ihrer Diskussion um die iSDG (Integrated Sustainable Development Goals) einen ersten und wichtigen Schritt getan. Ferner sind wir überzeugt, dass es nun an der Zeit ist, dass sich die ILS-/CAT Bond-Branche weltweit im Sinne eines Verbandes organisiert. Denn der ILS-/CAT Bond- Markt hat sich zwischenzeitlich zu einer wesentlichen Säule der Rückversicherungswirtschaft im Bereich Naturkatastrophenrisiken entwickelt. Hill: Wann und wie sind Sie eigentlich persönlich auf das Thema CAT Bonds gestoßen?  Rischmann: Die Plenum Investments AG war Anfang 2000 der auf alternative Investments ausgelagerte Fondsmanagementarm der damaligen Plenum Gruppe. Unser Kerngeschäft war damals das Fund of Hedge Fund-Geschäft und wir waren auch in sogenannte »event-linked» Strategien investiert. Während der Finanzkrise waren wir überrascht, dass diese Anlageklasse kaum beeinträchtigt wurde. Für mich war danach klar, dass Vermögensverwaltung mehr sein muss als nur mit Volatilitäten umzugehen. Uns wurde vor Augen geführt, dass die Systemrisiken enorm waren. Apropos Systemrisiken, diese sind heute nicht weniger geworden. Beim Thema Verschuldung wurde inzwischen nochmals «’ne Schippe» draufgelegt. Lange Rede kurzer Sinn: Wer in der Vermögensverwaltungsindustrie die Tail-Risiken nicht oder nur unzureichend erfasst, wird es schwer haben, seine Glaubwürdigkeit gegenüber seinen Kunden aufrechtzuerhalten. Nach der Krise ist vor der Krise. Und ob der Vermögensverwaltungskunde die letzte Finanzkrise schon vergessen hat, darf bezweifelt werden. Also stand ich vor der Frage, wer kompetent mit Tail-Risiken umgehen kann: Die Rückversicherungsindustrie. Mir war schnell klar, dass die Versicherer etwas haben, wovon der Kapitalmarkt nur träumen kann. Stabil tiefe Korrelationen der im Portfolio befindlichen Positionen erlauben es, das

  • „Eins, zwei, drei, im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit.“ (Wilhelm Busch). Frankfurt, Innovation, Resilienz und Unternehmertum – Markus Hill sprach für FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE mit der Autorin Ortrud Toker über Unternehmerpersönlichkeiten, Erfinderfreude und über die geschichtliche Bedeutung von Langsamkeit, Geschwindigkeit und Kommunikation. Themen wie Technologie, Erfindergeist und Preußen werden ebenso angesprochen wie Datenübermittlung, Banking und die Frankfurter Paulskirche. Hill: Die Frankfurter Rundschau nannte Ihr Buch „Vom Ende der Langsamkeit“ einen Publikumsliebling, HR2 Kultur und Thalia empfehlen Ihr Buch als „Buchtipp“. Vor dem Lockdown hatten Sie viele Lesungen, u.a. in der DenkBar, der Buchhandlung Weltenleser und in der Kulturfabrik in Sachsenhausen.  Wovon handelt Ihr Buch? Toker: Es geht in „Vom Ende der Langsamkeit“ um drei außergewöhnliche Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Werner von Siemens, Philipp Reis und um das Ehepaar Bertha und Carl Benz. Sie alle waren bei bahnbrechenden Erfindungen maßgeblich beteiligt, nämlich der Telegraphie, dem Telefon und dem Automobil. Diese Erfindungen veränderten die Welt und prägen sie bis heute. Hill: Aha, es geht um Unternehmerpersönlichkeiten. Was haben sie gemeinsam und worin unterscheiden sie sich? Denn zwei Namen kenne ich, aber Philipp Reis ist mir nicht geläufig. Toker: Wir haben es mit drei völlig verschiedenen Unternehmercharakteren zu tun. Werner von Siemens ist vermutlich der populärste und wirkungsmächtigste. Ihn zeichnet aus, dass er sein Ziel nie aus den Augen verlor, stets neugierig, offen und vor allem flexibel blieb. Er ließ sich von Rückschlägen und Niederlagen nie dauerhaft entmutigen, sondern sie spornten ihn viel eher zu Hochleistungen an. 1842, schon als junger Artillerieoffizier nutzte er z. B. seine Inhaftierung im Magdeburger Gefängnis zu Experimenten, die zu einer bedeutsamen Entdeckung und seinem ersten Patent führten. Der Beginn einer lebenslang andauernden Karriere, voller Höhen und Tiefen. Der Friedrichsdorfer Lehrer Philipp Reis hingegen war glücklos und fand zeitlebens keine Investoren. Er starb, bevor die Weiterentwicklung seines Telefons einen weltweiten Siegeszug antrat. Und was aus der „Kutsch‘ ohne Gäul‘“ von Carl Benz geworden wären, wenn ihn seine Frau Bertha nicht unermüdlich über Jahrzehnte immer wieder ermutigt und unterstützt hätte, steht in den Sternen. Ortrud Toker, AutorinFoto: Hartmuth Schröder Hill: Es geht in Ihrem Buch also auch darum, dass Erfindungsgeist allein noch nicht reicht, um auf Dauer erfolgreich zu sein. Toker: Unbedingt. Dass die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt haben, ist ein Allgemeinplatz. Aber wie genau das aussieht und was das im Einzelnen bedeutet, kann man an diesen drei Lebensläufen sehr schön nachvollziehen. Nicht nur Fleiß und Ausdauer sind von Vorteil, sondern dazu kommen Beharrlichkeit in der Zielerreichung, sowie eine besondere Widerstandskraft. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, nach Rückschlägen weiterzumachen, wie ein Stehaufmännchen nach vorne zu schauen und aus Fehlern produktiv zu lernen. Wie das gehen kann, zeigen die Beispiele aus meinem Buch. Jede Zeit braucht kluge, unkonventionelle Lösungen, Erneuerer und Visionäre. Unternehmer, die für ihre Ziele brennen, kalkulierte Risiken eingehen und Verantwortung übernehmen. Erst wenn sich zu innovativen Ideen der Mut zur Umsetzung, Offenheit, Augenmaß und ein langer Atem gesellen, kann dies langfristig zum Erfolg führen. Beispiele, wo sich das Durchhalten gelohnt hat, gibt es genug. Die heutigen Superstars heißen Steve Jobs, Elon Musk und Jeff Bezos. Aber natürlich kennen das auch Menschen, die einen kleineren Wirkungskreis haben. Hill: Alle reden von Geschwindigkeit, warum sprechen Sie in ihrem Buch aber vom Ende der Langsamkeit? Toker: Bei den Erfindungen der Hauptpersonen in meinem Buch, Siemens, Reis und dem Ehepaar Benz, spielt die Beschleunigung des Transports von Menschen und Nachrichten eine zentrale Rolle. Was Geschwindigkeit jedoch genau ist und welche Bedeutung sie in unserer Gesellschaft hat, wird immer wieder neu definiert. Bertha Benz benötigte 1888 mit dem ersten Automobil einen ganzen Tag für die rund 100 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim. Ihr Mann Carl Benz wollte bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h aufhören, Autos zu produzieren. Heute geht es bei dem neuen Mobilfunkstandard G5 um die Übermittlung von Datengeschwindigkeiten bis zu 10 Gigabit pro Sekunde, das bedeutet Kommunikation in Echtzeit und ermöglicht völlig neue Anwendungen. 100 Milliarden Geräte wären gleichzeitig ansprechbar. Hill: Schnelle Datenübermittlung war ja auch politisch und militärisch relevant und ist es heute noch. Spielt deswegen auch die Frankfurter Paulskirche in ihrem Buch eine Rolle? Toker: Die kabelgebundene Telegraphie war 1848/49 während der Revolution eine brandneue Technologie. Der preußische König in Berlin wollte so schnell wie möglich darüber informiert werden, was denn da während der Nationalversammlung in Frankfurt geschieht. Werner von Siemens wurde deswegen mit dem Bau der ersten europäischen Fernleitung von Berlin bis Frankfurt beauftragt. Als am 28. März 1849 die Nationalversammlung beschloss, dem König die Kaiserwürde anzutragen, sauste diese Nachricht in der sensationellen Geschwindigkeit von nur einerStunde von Frankfurt bis Berlin. Wenn Sie bedenken, wir reden von einem einzigen Draht, einer Kabelverbindung an Masten. So ging es damals los. Heute ist Frankfurt der Standort von Europas größtem Internetknoten. Hill: Die Finanzwelt ist ebenfalls auf präzise und schnelle Datenübermittlung angewiesen – hat Frankfurt hier historisch gesehen Standortvorteile? Toker: Gewiss, darum geht es. Mein Buch handelt von den Anfängen der beschleunigten Kommunikation, vom ersten heißen Draht zwischen Berlin und Frankfurt. Vor der Telegraphie gibt es berühmte Vorläufer. Die Bankiersfamilie Rothschild unterhielt Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Dächern ihrer Bankhäuser eigene Schläge für Brieftauben und setzte diese beim Transport der Aktienkurse ein. So überflügelten sie im wahrsten Sinn des Wortes die Konkurrenz. Hill: Das klingt ganz nach dem Motto „Wissen ist Macht“. Toker: Ganz richtig. Nathan Mayer Rothschild wusste vor dem britischen Premier, dass Napoleon bei Waterloo geschlagen worden war und nutzte dieses Wissen gewinnbringend für den Aktienhandel. Brieftauben dienten auch Julius Reuter Mitte des 19. Jahrhunderts zur Überbrückung, solange das Telegraphennetz noch nicht lückenlos aufgebaut war, noch vor der Gründung seiner Nachrichtenagentur. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Ortrud Toker, geboren 1957, studierte Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Philosophie an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt. Sie arbeitete viele Jahre u. a. im Deutschen Filmmuseum und im Museum für Kommunikation in Frankfurt. Ihr Schwerpunkt liegt in der frühen Film- und Mediengeschichte. Das Buch „Vom Ende der Langsamkeit“ von Ortrud Toker ist im Frankfurter Verlag Henrich Editionen erschienen: www.henrich.de) Verwandte Artikel: Digitalisierung & „Asset-Klasse Rechenzentren“ – Immobilien, REITs und ESG (Gastbeitrag – Michael Jakobi, contagi Digital Impact Group)FINANZPLATZ FRANKFURT: Judentum, Kultur und Einstein

  • Themen wie ESG, Klimawandel und die aktuellen Anlagebedürfnisse von institutionellen Investoren werden intensiv diskutiert. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Daniel Grieger, Plenum Investments AG, über die Herausforderungen für das Portfolio Management im Fixed Income-Segment, den Themenbereich CAT Bonds (Insurance-Linked Securities) und über die persönliche Begeisterung für dieses spezielle Segment. Zusätzlich diskutiert wurde die Bedeutung von Nachranganleihen bei Banken und Versicherungen sowie über die Bedeutung von Empathie (Stichwort: Vielfalt der Interessen & Perspektiven – „Palmen aus Stahl“). Hill: Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema Insurance-Linked Securities (CAT Bonds)? Grieger: Ich komme ursprünglich aus Mannheim, mein Studium in St. Gallen war der Grund für meine Emigration. Auf dem St. Gallen Symposium hörte ich den damaligen CEO der Swiss Re, Walter Kielholz, über den Klimawandel referieren. Ich war begeistert davon, dass ein profitorientiertes Unternehmen sich dem Thema annahm. Ich begann für das Institut für Versicherungswirtschaft zu arbeiten, schrieb meine Diplomarbeit im Jahr 1999 über CAT Bonds und – das ist ja wohl klar – hatte meinen ersten Job bei der Swiss Re. Nun war aber damals mit CAT Bonds kein Geld zu verdienen und die regulatorische Arbitrage zwischen der Bankenregulierung und der damals fast nicht existenten Regulierung der Rückversicherer brachte ganz andere Möglichkeiten. Ich wurde zum Underwriter und machte vor allem strukturiertes Kreditgeschäft und Kreditderivate. Eine spannende Zeit. Erst mit meinem Wechsel zu Horizon21 und den Nachwehen von Wirbelsturm Katrina im Jahr 2007 begann ich mich wieder mit CAT Bonds zu befassen und dann auch gleich als Investor. Die Schnittstelle zwischen der Versicherungsindustrie und dem Asset Management hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Beide Welten haben ihre Eigenheiten und diese zu überbrücken empfinde ich als sehr spannend. Zudem geht es in meinem Job darum, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass Versicherungsprämien in bestimmten Geografien erschwinglich bleiben und dadurch die Folgen des Klimawandels für Privathaushalte abzumildern. Mein Arbeitsergebnis wird aber auch hoffentlich in letzter Konsequenz dafür sorgen, dass die Investoren eine höhere und stabilere Rendite erzielen als mit üblichen Anlageinstrumenten. Daniel Grieger, Partner und Fondsmanager, Plenum Investments AG Hill: Vor welchen Herausforderungen stehen Investoren im Fixed Income-Bereich aktuell? Grieger: Investoren mit dem klassischen 60/40-Ansatz stehen vor der Herausforderung, dass ein Großteil ihrer Allokation zu ertragslosen Risikopapieren mutiert sind. Viele Emittenten von Unternehmensanleihen haben die vergangenen Jahre genutzt, sich die für sie attraktiven Konditionen über möglichst langlaufende Platzierungen zu sichern. Also sind die Durationen der Unternehmensanleihen eher gestiegen – bei gleichzeitig rekordtiefen Zinsen. Wer jetzt also weiterhin in Unternehmensanleihen investieren möchte müsste eigentlich mehr Kreditrisiko nehmen. Oder er greift zu Spezialthemen wie beispielsweise Versicherungsnachränge. Hier ist über die starke Regulierung der Versicherer sichergestellt, dass die Emittenten hohe Solvenzanforderungen erfüllen. Das Anlageuniversum ist sozusagen durch die lokalen Regulatoren in den einzelnen europäischen Ländern vorgefiltert. Dennoch zahlen diese Anleihen immer noch attraktive Renditen. Hill: Wie können hier Insurance-Linked Securities Lösungen bieten? Grieger: Den Begriff Insurance Linked Securities möchte ich hier breiter fassen und auch das Fremdkapital, das Versicherer emittieren, dazuzählen. Meiner Meinung spielt es ja keine so große Rolle, in welchem Format ich einem Versicherer Kapital zuführe. Ob CAT Bond oder Nachranganleihe – in letzter Konsequenz wird der Versicherer mehr Geschäft schreiben können. CAT Bonds zeichnen sich dadurch aus, dass sie das reine Naturgefahrenrisiko decken und eine marktunabhängige Rendite erzielen, sofern die Erde nicht bebt oder der Wind nicht bläst. Hier gibt es kein Kredit- oder Durationsrisiko. Die Nachranganleihen verkörpern beides, Zins- und Emittentenausfallrisiko. Beide Instrumente eignen sich für den Investor im Jahr 2021. Die Zinsen werden wohl aufgrund der weltweit synchronisierten Konjunkturporgramme mittelfristig steigen. Staatsanleihen sind dann nicht mehr attraktiv. Wenn man jetzt als Investor einen Ersatz im Fixed Income-Bereich sucht, dann bieten sich die CAT Bonds und die Versicherungsnachränge in beiden Fällen an. Die CAT Bonds sind Floater. Die Spreads sind aufgrund des gesunden Marktumfeldes für Rückversicherer relativ attraktiv. Die Versicherungsnachränge bezahlen ebenfalls überraschend hohe Renditen, bringen aber auch ein Zinsrisiko mit sich. Hill: Womit beschäftigen Sie sich derzeit fachlich intensiver? Grieger: Wir haben gerade die Vorbereitungen für die Lancierung eines reinen Fonds für Versicherungsnachränge abgeschlossen. Wie bereits oben angesprochen, suchen Investoren ja auf der Fixed Income-Seite nach Alternativen. Häufig werden Bankennachränge bereits eingesetzt, aber für die Versicherungsnachränge fehlt die Expertise. Diese kann man über unseren Fonds einkaufen – bei täglicher Liquidität. Zudem beschäftige ich mich mit dem Thema Sekundärrisiken – damit sind Waldbrände und Überschwemmungen gemeint. Beide Risiken nehmen aufgrund des Klimawandels zu und die Frage stellt sich, inwieweit man hier sein Portfolio exponieren möchte. Ich bin, was diese Risiken betrifft, eher vorsichtig. Da bin ich aber nicht der einzige und es sind schon recht hohe Renditen, die hier locken. Beispielsweise hat gerade das National Flood Insurance Program in den USA einen CAT Bond platziert, der Überschwemmungen aufgrund von Wirbelstürmen in den USA deckt – die weniger riskante Tranche bezahlt hier zum Bespiel bereits 13 %. Hill: Die Welt besteht nicht nur aus Finanzen. Was lesen Sie aktuell? Grieger: Derzeit lese ich das Buch von Dominik Bloh (Unter Palmen aus Stahl – Geschichte eines Straßenjungen), das seine Zeit als Obdachloser in Hamburg beschreibt. Es ist eine Biographie, die aufzeigt, unter welchen Umständen ein Mensch in Deutschland in der Obdachlosigkeit landen kann und wie schwer es ist, dieser Situation wieder zu entkommen. Zum kurzen Verständnis dieses Teufelskreises, es kann hier zu der Kette „kein fester Wohnsitz, kein Job“, „kein Job, kein Bankkonto“, „kein Bankkonto, kein Telefon“ und so wiederum zum Status „kein Telefon, kein Job“ kommen. Gleichzeitig verschlägt es einem die Sprache, wenn man liest, dass jemand ohne irgendwelchen materiellen Besitz enthusiastisch syrischen Flüchtlingen hilft. Die Gleichgültigkeit staatlicher Stellen schockiert und räumt mit dem Vorurteil auf, dass Obdachlosen in einem reichen Land wie Deutschland ohne weiteres geholfen wird. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Daniel Grieger ist Partner und Fondsmanager der Plenum Investments AG. PLENUM INVESTMENTS AG: www.plenum.ch Verwandte Artikel: ESG, Cats Bonds, Branche & Kooperation, „Tail-Risks“ und Asset Management (Interview – Nico Rischmann, Plenum Investments AG)Auslaufmodelle oder Champions League & Salz in der Suppe? (Holger Leppin, Plenum Investments AG)ESG, Family Offices, Immobilien, Blockchain, AIFM – Liechtenstein, Schweiz & «Win-win-Faktor»

  • Der Begriff Boutique wird laut Duden als “kleiner Laden” übersetzt – einige Asset Manager, welche in die Kategorie Fondsboutiquen eingeordnet werden, hätten mit dieser Titulierung in der Regel keine Freude, andere würden sie mit Begeisterung begrüßen und wertschätzen. Im Asset Management-Bereich stellen diese agilen Häuser in einer immer mehr regulierten und auf Gleichklang ausgerichteten Anlagewelt vielleicht sogar das “Salz in der Suppe“ dar. Seit über 20 Jahren bewege ich mich in der Landschaft von sogenannten Spezial-Anbietern im Asset Management, wie man Fondsboutiquen (Boutiquen) auch bezeichnen könnte. Sie zeichnet in der Regel folgendes aus: Fokussierung auf eine oder wenige, meist besondere Asset Klassen wie zum Beispiel Private Equity, Hedgefonds, „Geschlossene Fonds“ / AIF, Micro-Finance, Insurance-Linked Securities (ILS) oder auch ganz neue Entwicklungen wie zum Beispiel Krypto-Assets.Hochspezialisierte Portfoliomanager und Analysten für die jeweiligen Segmente mit entsprechenden Marktzugängen und Knowhow.In der Regel erhöhte Wissens-Anforderungen an Mitarbeiter im Produktmanagement, Sales, Marketing und IT.Besonders in den Anfangsjahren hohe Selbstmotivation, ein besonderer “Team-Spirit“ – kombiniert mit dem Wissen, seinen Investoren einen Mehrwert bieten zu können und sehr eng mit ihnen zusammenarbeiten zu können.Sehr hohe Kontinuität im Management und bei Mitarbeiter*innen. Holger Leppin, Senior Relationship Manager bei Plenum Investments AG Aus meiner Sicht suchen und schätzen Investoren gerade diese Besonderheiten – bis heute, trotz deutlich höherer Anforderungen als vor 20 Jahren. Fondsboutiquen liefern mehr als Plain Vanilla und sollten keine Closet Indexer sein: Spezialisierung und aktives (!) Fondsmanagement sind gefragt. Nur wer über viele Jahre seinen Track Record, Service und Innovationskraft aufbaut und erhält, erobert sich eine entsprechende Reputation im Markt. Herausforderungen – Größe, Kosten und Regulatorik An welchen Zahlen ist der Begriff Fondsboutique gebunden? Hier scheint es keine fixe Grenze zu geben – als Messlatte im Bereich der AuM sind bis ca. EUR 10 Mrd. als Boutique-Bereich zu hören. Jedoch: Ist man über diese Marke keine Boutique mehr, obwohl sich von der obigen Aufstellung und Anspruch nicht viel geändert hat? Ich meine nein. Es gibt Beispiele im Markt, die sehr große Volumina (grösser EUR 20 Mrd.) verwalten und im Markt immer noch als “familiär”, “ansprechbar” und “hochkompetent” beschrieben werden. Ein praktisches Beispiel: Ich kenne Chefvolkswirte von mittlerweile sehr großen Asset Managern, die immer noch jedes Jahr am Stand beim Fondskongress in Mannheim den ganzen Tag verbringen und jedem auch noch so scheinbar kleinem Finanzberater geduldig Rede und Antwort stehen. Mit dieser Einstellung erklärt sich auch der Unterschied, warum es andere Häuser nie geschafft haben, die nächste Stufe, manche sprechen auch gern von “Champions League”, zu erklimmen. Und damit sind wir auch schon bei den Gefahren oder Herausforderungen, vor denen Boutiquen stehen. In einem immer anspruchsvoller werdenden Markt, wo man sich nicht nur gegen “günstigere” passive Fonds-Vehikel durchsetzen muss, Kosten allgemein, insbesondere durch die Regulatorik, ein immer entscheidender Faktor werden, oder man einfach durch mangelnde Größe gewisse Skalierungen gegenüber den “großen” Adressen nicht abbilden kann – da wird die Luft dann dünn. Visibilität, Digitalisierung, ESG und der persönliche Dialog Und wie können Fondsboutiquen im Markt visibler werden, wenn die Pimcos und BlackRocks dieser Welt über millionenschwere Marketing Budgets mit eigenen Social-Media Abteilungen verfügen, von denen kleine Anbieter nur träumen können? Im Zuge der Corona Pandemie werden sich viele Asset Manager neu aufstellen müssen. Alte Strukturen aus traditionellen Fachmessen, Kongressen, Roadshows oder persönlichen Treffen mit Portfoliomanagern, Relationship Managern und Investoren sind und werden zunehmend „digitaler“. Wie viel von der “alten” Zeit nach der Pandemie zurückkehren wird, ist schwer abzuschätzen. Komplett zurückkehren wird sie nicht. Denn wenn aktuell nahezu alle Asset Manager ESG-Kriterien in ihre Strategien und Geschäftsmodelle integrieren und “grünes” Investieren “state of the art” ist, wie ist es dann zu vertreten, dass mit tausenden von Dienstwagen-Touren oder Kurzstrecken-Flügen Besuchstermine vereinbart werden? Manchmal kann hier der Eindruck entstehen, dass diese Form der Reiseaktivitäten eher von Gedanken an Status oder Sorge um das Senator-Meilenkonto motiviert sein könnten. An dieser Stelle soll die Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit von persönlichen Treffen zwischen Asset Managern und Investoren nicht komplett verneint werden, jedoch können und werden sie sich wahrscheinlich auf wenige und effizientere Formen begrenzen. Dies reduziert nicht nur den CO2-Abdruck, sondern ist auch kosteneffizient. Fondsboutiquen haben hier oft sogar den Vorteil, dass sie über langjährig gewachsene Strukturen verfügen und ein gutes Netzwerk etabliert haben, welches sich auch gut “digital” bewirtschaften lässt. Die in Zukunft wieder möglichen, jedoch reduzierten Besuche, werden dann sicher auch wieder geschätzt. Ausblick Trotz der angesprochenen Punkte und Herausforderungen vor der kleinere Asset Manager stehen, bin ich davon überzeugt, dass diese mit dem richtigen Geschäftsmodell eine Zukunft haben werden. Und es bleibt zu hoffen, dass es auch weiterhin Investoren/Produkt-Selektoren gibt, die offen sind für genau diese Häuser mit ihren eigenen Ansätzen. Ihnen sollte weiterhin die Möglichkeiten gegeben werden abseits des Mainstreams Entscheidungen zu treffen – nur in diesem Wechselspiel verhindern wir eine Art von Monokultur in der Fonds-Landschaft. Was ist einer der Gründe, warum man mit Freude bei einer Fondsboutique arbeitet? Es ist der lebendige Austausch mit Menschen – der persönliche Kontakt, die persönlichen Entscheidungen die „face to face“ stattfinden – glücklicherweise noch nicht durch Algorithmen ersetzt! Holger Leppin ist seit 1994 Im Finanz-Sektor mit Fokus «Asset Manager mit Spezialthemen» vertrieblich tätig. So hat er ab 2000 den Weg der MPC Capital AG zum Marktführer bei Geschlossenen Fonds von der Schweiz aus mit begleitet, war ab 2012 für die auf Wandel- und Unternehmensanleihen spezialisierte Fisch Asset Management AG in Zürich tätig und wechselte ab 2020 zur Plenum Investments AG (Insurance-Linked Securities). LINK zu Plenum Investments AG: https://www.plenum.ch/

  • Frankfurt – Technologie, Toleranz & Talent. Markus Hill sprach für FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE mit Ulrich Siebert, „Frankfurt-Liebhaber“, Gründer und Berater, über Themen wie Kommunikation, die Aktualität von Blendermodellen (Wirecard & Co.) und über das mehrdimensionale Image des Finanzplatzes. Ebenso angesprochen wurden Standortqualitäten in den Bereichen Startups, Investoren, Infrastruktur und Digitalisierung. Ausführungen zur „Creativ Class-Denke“ von Richard Florida und konkrete Gedanken zum Thema Frankfurter Zeil und Freude am Gedankenaustausch erscheinen zusätzlich interessant. Hill: Herr Siebert, Sie sind Frankfurter, mit einer bunten Frankfurter Vita: Autor des FAZ-Buchs Blenderwirtschaft, Mitorganisator des in vielen Köpfen noch präsenten Musikfestivals Sound of Frankfurt, fast 20 Jahre Kommunikationsberater und seit rund zwei Jahren Betreiber der Landfest Tagesbar an der Zeil. Wie passt das alles zusammen? Siebert: Da haben Sie noch einige Aktivitäten unterschlagen. Die Vielfalt motiviert mich, letztlich dreht sich alles um die Realisierung von Ideen und unternehmerischen Projekten. Und das sind meist Kommunikationsthemen. Den Band Blenderwirtschaft hatte ich während der Turbulenzen des Neuen Marktes 2002 geschrieben. Ulrich Siebert – „Frankfurt-Liebhaber“ Hill: Da waren Sie noch Finanzjournalist für Börsen- und Fondsberichterstattung. Was ist für Sie eine Blenderwirtschaft? Siebert: Mir ging es um wiederkehrende Muster bei Unternehmensblasen. Die Bekenntnisse des berühmt-berüchtigten Frankfurter Baulöwen Jürgen Schneider hatten das eindeutig bejaht. Das war 1995. Schneider schrieb während der Haft eine Blaupause für Blendermodelle. 1999 platzte der FlowTex-Skandal, der bis dahin größte Finanzbetrug in der Bundesrepublik mit ähnlichen Mustern wie bei Schneider. Dann EM.TV, Comroad – und wie die windigen Börsendebütanten alle hießen. 2005 war der Neue Markt abgewickelt und rund 200 Mrd. Euro Kapital verloren. Auch ein jahrhundertalter Frankfurter Bankenname ist mit dem Neuen Markt verschwunden: Gontard. Als nächstes kam der an Skurrilität nicht mehr zu überbietende S&K-Anlegerskandal. Jetzt 2020/2021 haben wir die alle Regularien in Schatten stellende Wirecard-Pleite. Hill: Welches Muster konnten Sie bei den aufgeblähten Geschäftsmodellen vor 20 Jahren erkennen? Siebert: Jedes Täuschen und Getäuscht-Werden geschieht in einer Kontinuität, baut sich auf und hat viel mit anerzogener Branchenpraxis zu tun, mit Stereotypen, Insignien/Siegeln und dem Gaukeln von Authentizität. Gerade bei stabilen Rahmenbedingungen und einer Ansammlung großer Namen entstehen Gefährdungslagen. Ebenso hatte ich das Paradoxon beobachtet: Je mehr Kapital im Spiel ist, desto eher gelingen Blendwerke. Drei Indikatoren konnte ich vor allem identifizieren: 1. Personenkult, 2. überzogenes Marktversprechen, 3. Kumpanei als zu enge, direkte Kommunikation zwischen Käufer- und Verkäufer. Bedauerlich finde ich aber vor allem, wenn in Skandal-Reportagen oft die Frankfurter Skyline als Symbolbild verwendet wird. Hill: Solche Eindrücke helfen nicht unbedingt dem Image des Finanzplatzes Frankfurt. Siebert: Ganz genau. Der Finanzplatz war schon immer sehr viel mehr. Er konnte sich aus einer vielfältigen, lebendigen Bürgerstadt entwickeln. Mittlerweile ist er eine weltweit beachtete aufstrebende Start-up-Region für FinTechs in der Aktivierungsphase. Frankfurt hat einen ausgezeichneten Campus, 30 Inkubatoren, zig Co-Working-Spaces als Talent-Schmieden sowie direkte Zugänge zu Investoren, Risikokapital und Business Angels. Dieses Potenzial auszubauen ist nicht hoch genug einzuschätzen. Die Corona-Pandemie treibt auf der ganzen Welt die Digitalisierung der Offline-Ökonomie voran. Diese Chance für Frankfurt muss viel deutlicher ausgesprochen werden, darf sich nicht in umgewidmeten Bürotürmen verstecken. Übrigens ist das eine interessante Perspektive für den pandemiegeplagten Frankfurter Immobilienmarkt. Hill: Im Vergleich zum Rheinland, zu Berlin oder Hamburg wird oft bemängelt, dass Frankfurt nicht hipp ist. Muss es das sein? Siebert: Kulturelles Klima, Bildung und ein attraktives Lebensumfeld sind sicherlich wesentlich für einen prosperierende Stadtentwicklung. Die viel diskutierte Theorie von Richard Florida, dass erst durch die Ansiedelung der Creative Class Wohlstand entsteht, ist für mich nach wie vor überzeugend. Es kommt auf die drei „T“ an: Technologie, Toleranz und Talent. Mit der kulturellen Vielfalt und aktiven Subkulturen entstehen neuen Ideen zur Vernetzung, für Technologien und neue Geschäftsmodelle, die Talente anziehen und gerade den Finanzplatz als Start-up-Region weiterbringen können. Nachdem Frankfurt in der Musik-, Automobil- und Werbewirtschaft – nicht ganz unverschuldet – kaum noch Impulsgeber ist, könnte die erste Fashionweek aus Berlin in Frankfurt eine Trendwende einleiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Mischung aus Lifestyle, Business-Plattform und nachhaltigen Textiltechnologien sehr gut in Frankfurt ankommen wird. Auch als Signal des Aufbruchs für den Textilhandel in der Stadt. Hill: Die letzten zehn Jahre hatten Sie auf einem Gutshof in der Wetterau gelebt und gearbeitet. Vor kurzem sind sie wieder in die Innenstadt gezogen. Warum der Wechsel, ändert sich gerade etwas in der Stadt? Siebert: Seit Jahrhunderten versuchen Stadtbewohner in einer Pandemie aufs Land zuzuziehen. Meine Frau und ich wollten das anders machen. Nein, Spaß beiseite. Der Grund ist einfach: Ich hatte die Projektentwicklung für das Geschäftshaus Zeil 111 begleitet und dort nach der Fertigstellung die Landfest Tagesbar mit meiner Frau eröffnet. Die Immobilie ist ein Mischkonzept aus Wohnen, Arztpraxen, der Hirsch-Apotheke, dem Flagship-Store von G-Star, Gastronomie, Fotostudio und Beauty. Unsere Wege sind mit dem Umzug einfach deutlich kürzer, und wir können unsere regionalen Erzeugerkontakte oder unsere Kooperation mit dem Weingut Prinz von Hessen direkt in die Stadt bringen. Interessant finde ich den Aspekt, dass das Stadtleben nur durch das Land funktioniert, insbesondere durch die Nahrungsmittelproduktion aber auch durch die Frischluftzufuhr und Artenvielfalt. Deshalb muss Nachhaltigkeit strenggenommen ein städtisches Thema sein. Hill: Ist die Zeil der richtige Standort, sie ist weder Finanzdistrikt noch steht sie für Nachhaltigkeit?Siebert: Das Tempo der Zeil und ihre Passantenfrequenz stehen vor allem für Wandel. Hier wird sich in den nächsten fünf Jahren einiges tun. Auch wenn Textiler und Kaufhäuser künftig nicht mehr in dem Maße prägend für die Zeil sein werden wie in den vergangenen Jahrzehnten, so ist sie zweifelsohne der Konsum- und Versorgungsmittelpunkt in Frankfurt. Viele unserer Frankfurter Gäste in der Tagesbar sagen allerdings, dass sie die Zeil eher meiden würden und dass sie überrascht sind, uns dort gefunden zu haben. Das zeigt mir den tieferliegenden Wunsch nach kleinteiligeren, gemischten Nutzungen, deren Individualität und Spirit die Online-Welt ergänzen. Das wird neue, nicht mit Amazon konkurrierende Retail-Konzepte aber auch viel bauliche Veränderung auf die Zeil mit sich bringen. So wie es das Karstadt-Areal 2025 nicht mehr geben wird. Hill: Ist die Frankfurter Innenstadt nach Corona eine andere? Siebert: Diese Frage beschäftigt mich in der Tat sehr stark, nicht nur als Gastronom. Kurzfristig kann ich mir gut vorstellen, dass es trotz einiger Leerstände auch in Toplagen erst einmal so weiter geht wie vor dem 1. Lockdown, wenn


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