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  • „In einer Stadt wie Frankfurt befindet man sich in einer wunderlichen Lage, immer sich kreuzende Fremde deuten nach allen Weltgegenden hin und erwecken Reiselust“ (Johann Wolfgang von Goethe). Wien – Frankfurt – Wien: Markus Hill sprach für FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über seine privaten und beruflichen Eindrücke aus 16 Jahren Frankfurt-Aufenthalt. Weltoffenheit, Investmentbanking, Family Office, Fondsmanagement und Schnitzel sind zur einige Stichworte des Gedankenaustausches. (Veranstaltungsmitteilung SCOPE & FUND FORUM INTERNATIONAL – 8.6. & 16.6.2021). Hill: Herr Friedrich, Sie sind Österreicher und leben in Wien, kennen aber auch Frankfurt sehr gut. Woher kommt das? Friedrich: Nun, ich habe die meiste Zeit meines Berufslebens in Frankfurt verbracht. Ich bin 2002 nach Deutschland gekommen und habe fast 16 Jahre lang am Finanzplatz Rhein/Main gearbeitet. In dieser Zeit hat sich die Stadt sehr entwickelt. Als meine Frau und ich 2002 hierherzogen, war Deutschland so stark von der internationalen Wirtschaftsflaute betroffen, dass es als der „kranke Mann Europas“ galt. Ich erinnere mich noch daran, dass es anfangs praktisch unmöglich war, am Wochenende etwas zu kaufen, da die meisten Geschäfte samstags gegen Mittag schlossen. Selbst Restaurants waren oftmals am Sonntag geschlossen. Heute ist Frankfurt eine ganz andere Stadt. Es ist wesentlich weltoffener geworden, und wir haben Freunde gefunden, die wirklich aus aller Welt kommen. Leider ist ja im Moment alles zu, aber vor dem Lock-down habe ich gerne am Leben in Frankfurt teilgenommen, und nicht nur die Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung, sondern auch das Sport- und Freizeitangebot sehr geschätzt. Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH Hill: Warum sind Sie ursprünglich nach Frankfurt gekommen? Was hat Sie später zurück in die Heimat gezogen? Friedrich: Bevor ich nach Frankfurt kam, hatte ich in London gearbeitet, für die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley. Der unmittelbare Anlass für meinen Umzug war rein beruflich bedingt: Damals wurde entschieden, dass meine Beschäftigung, die Betreuung von Fondsmanagern in Deutschland, besser von Frankfurt aus erledigt werden konnte. Ich bin also quasi meiner Arbeitsstelle gefolgt. Die Situation war dem Brexit nicht unähnlich, sie fand nur 20 Jahre früher statt. Nach meiner Tätigkeit bei Morgan Stanley habe ich bei einem Multi Family Office in Bad Homburg, HQ Trust, gearbeitet. Die angenehme Zeit dort zähle ich natürlich auch zu meinen Frankfurter Jahren, zumal sie auch professionell gesehen eine gute Vorbereitung für den Wechsel nach Wien war. Der Anlass war wieder beruflich: Lansdowne Partners Austria bot mir die Möglichkeit, meinen eigenen Fonds auf Basis der von mir entwickelten Anlagestrategie aufzulegen. Hill: Wo haben Sie sich in Frankfurt am liebsten aufgehalten? Welche sind Ihre schönsten Erinnerungen? Friedrich: Drei Orte fallen mir spontan ein: zum ersten haben wir natürlich das Angebot an guten Restaurants sehr genossen; an einem schönen Sommerabend saßen wir zum Beispiel gerne auf der Terrasse der Alten Oper. Auch im Restaurant Salzkammer in der Weißadlergasse waren wir oft – es ist nur einen Steinwurf vom Goethe-Haus entfernt und bietet ausgezeichnete österreichische Küche! Am Wochenende sind wir dann häufig auf den Feldberg gewandert; als Österreicher zieht es uns ganz automatisch in die Berge, wie es scheint. Ich erinnere mich, dass es einmal in jedem Winter ein Hundeschlittenrennen rund um den Feldberg gab. Das fand ich sehr schön. Letzlich will ich nicht verschweigen, dass ich ein leidenschaftlicher Golfspieler bin. Und der Frankfurter Golfclub – der 2013 hundert Jahre alt geworden ist – ist wirklich ein Juwel. Dort am 18. Abschlag zu stehen und den Blick auf die Skyline zu genießen, ist für mich immer etwas Besonderes gewesen.  Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Quelle: www.finanzplatz-frankfurt-main.de VERANSTALTUNGSHINWEISE (8.6. & 16.6.2021) ScopeExplorer Manager Conferences“Nach der Rallye der vergangenen 12 Monate liegt der Fokus vieler Investoren auf Aktien. Keine Zweifel: Aktien gehören in jedes Multi Asset Portfolio. Aber welche Assetklassen gehören noch hinein? Und vor allem: Wie viel davon? Multi-Asset Stratege und Portfoliomanager Martin Friedrich erklärt im Gespräch mit André Haertel, warum der Lansdowne Endowment Fund neben Aktien noch in über 15 andere Assetklassen investiert, und wie Rendite- und Risiko-Aspekte dabei bestmöglichst austariert werden.“ (ZITAT: Scope Group, Lansdowne Partners – ZUSÄTZLICHE INFORMATION: LINK)Fund Forum International VirtualAlternative markets outlook in choppy waters – Macro updates, demands and megatrends: what can we expect from global and Europe’s alternative markets ahead of 2021? Economic shifts and key trends that could impact the industry and asset allocations. Moderator: Martin Friedrich, Head of Economic and Market Research and Portfolio Manager, Lansdowne Partners, Austria  Randall Kroszner, Deputy Dean for Executive Programs and Norman R. Bobins Professor of Economics, The University of Chicago Booth School of Business LINK: Fund Forum International Virtual – 16th June, CET 14:00 – 14:30) Verwandte Beiträge: Finanzmärkte, Volatilität & Spekulation – Emerging Markets ante portas! (Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)Inflation & Fiskalpolitik – Simbabwe ante portas? (Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)Behavioural Finance & Cat Bonds (Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)Family Offices, Cat Bonds, Fondsselektion & „In Nature’s Casino“ (Interview – Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH) Inflation, Asset Allocation, „SPACs & Neuer Markt“, Simbabwe (Interview – Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)Family Offices, Think Tanks, Ökonomie & „Manias, Panics, and Crashes“ (Interview – Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)Family Offices, Managerauswahl, Inkubatoren & „Evolution statt Revolution“ (Interview – Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)

  • Die Schweiz wird oft als das Center of Competence im CAT Bond-Segment betrachtet. «Big is ugly» – Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Dirk Schmelzer, Plenum Investments AG, über strategische Erfolgsfaktoren für Asset Manager in diesem «Nischenmarkt». Der Marktanteil von Naturkatastrophenrisiken im CAT Bond-Markt beträgt ungefähr USD 33 Mrd. beziehungsweise 68% gemessen am Gesamtmarkt (USD 48 Mrd.). Der CAT Bond-Fondsmarkt (UCITS) hält CAT Bonds im Wert von USD 8 Mrd., wobei die drei grössten Fonds USD 6 Mrd. auf sich vereinen. Es stellt sich die Frage nach der optimalen beziehungsweise maximalen Fondsgrösse. Hill: Ist der CAT-Bond-Fondsmarkt Ihrer Meinung nach optimal diversifiziert? Schmelzer: Zwar weist der CAT-Bond-Markt durch die Vielzahl der verfügbaren unabhängigen Risiken einen hohen Diversifikationsgrad auf, jedoch besteht durch den starken Fokus auf US-Risiken, die wiederum durch Konzentration in wenigen Regionen geprägt sind, ein stark einseitiges Risikoprofil, welches Investoren insbesondere zu US-Hurrikanrisiken exponiert. Während eine Diversifikation weg von Hurrikanrisiken nur beschränkt umsetzbar ist, da das Angebot an diversifizierenden Risiken nicht ausreichend ist, ist eine Risikostreuung innerhalb des US-Hurrikan-Segments sehr wohl möglich und auch geboten. Hill: Inwieweit treibt die Risiko-Ertragspositionierung eines Fonds seine maximale Anlagekapazität? Schmelzer: Grundsätzlich lässt sich mit CAT-Bond-Anlagen ein sehr breites Spektrum an unterschiedlichen Risiko-/Ertragspositionierungen umsetzen. Sehr konservative, aber auch sehr dynamisch orientierte Risiko-/Renditeziele führen aber unweigerlich zu einer Einschränkung des investierbaren Universums. Liegt der Fokus darüber hinaus auf der Vermeidung von Risikokonzentrationen und der damit einhergehenden Reduktion von potentiellen Verlusten bei Extremereignissen (Tail-Risikoreduktion), so verkleinert sich das Anlageuniversum nochmals, da CAT Bonds mit einem hohen Grad an Risikoüberlappung ausgeschlossen, oder zumindest stark reduziert allokiert werden müssen. Solche selektiv investierende CAT-Bond-Strategien sind nur mit einer Limitierung des Anlagevolumens umsetzbar. Dirk Schmelzer, Plenum Investments AG Hill: Wie groß ist das Risiko von Verwässerung, wenn man die optimale Fondsgröße überschreitet? Schmelzer: Performanceseitig ist das Risiko der Verwässerung relativ klein, wir erachten die Implikationen auf das Risikomanagement als schwerwiegender. Es besteht die Gefahr, dass CAT Bonds mit hoher Korrelation zu bestehenden Positionen gekauft werden müssen, um das Anlagevolumen zu platzieren. Dies führt zu unerwünschten Risikokonzentrationen im Portfolio. Hill: Welche Anlagekapazität sehen Sie bei Anlagefonds, die den Markt replizieren? Schmelzer: Hier stellt sich die Frage vor allem in Bezug auf die Liquidität, die Investoren in solchen Vehikeln angeboten wird. Letztlich ist auch die Zusammensetzung der Fondsinvestoren ein wichtiger Faktor. Die Frage lässt sich also nicht allgemein beantworten, aber aus unserer Sicht sollten solche Fonds ein Anlagevolumen von ca. 5% des ausstehenden CAT Bond-Marktes nicht überschreiten. Mit anderen Worten liegt das derzeitige kritische Fondsvolumen bei ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Hill: Wie beeinträchtigt die Fondsgröße das Diversifikationsverhalten? Schmelzer: Je größer ein Fonds, desto größer ist der Druck in alle ausstehenden CAT Bonds investieren zu müssen, um die Kundengelder zu platzieren. Damit sind hohe Risikokorrelationen in diesem stark auf US-Risiken fokussierten Markt kaum zu vermeiden, was die Verlustrisiken bei US-Schadensereignissen ansteigen lässt. Hill: Ist der Broker nicht in einer besseren Situation, wenn er weiß, dass große Fonds innerhalb kurzer Frist nachzeichnen müssen, da sie aufgrund der wiederkehrenden Erneuerungsrunde rund ein Drittel pro Jahr nachkaufen müssen? Schmelzer: Ich denke, hier reden wir über gegenseitige Abhängigkeiten. Zwar ist der Fondsmanager darauf angewiesen, dass er entsprechende Zuteilungen erhält, um seinen Anlagebedarf zu decken. Aber auch der Broker ist darauf angewiesen, dass er seine Neuemissionen platzieren kann, dabei nehmen Großinvestoren eine wichtige Rolle ein. Der Platzierungsdruck bei großen Fonds ist daher stärker ausgeprägt als bei kleineren Fonds. Hill: Welche Optimierungen stehen im Raum, wenn man marktähnliche Renditen anpeilt? Schmelzer: Da der Naturkatastrophenmarkt an sich nicht effizient diversifiziert ist, stellt sich die Frage, wie man Effizienzgewinne realisieren kann. Diese Frage spiegelt sich in unserem „Quality-Concept“ wider. Der Effizienzgewinn basiert auf dem Fokus der Pro-Ereignis Deckungen (per occurrence), also der Vermeidung von sogenannten „All natural perils“-Deckungen auf schadensaggregierender Basis und hoher regionaler und globaler Diversifikation bei geringer Überlappung der pro Bond versicherten Risikoregionen. Wir gewichten dadurch tiefrentierliche Bonds mit geringem Diversifikationsnutzen unter, die bei großen Ereignissen ebenso ausfallen, wie höherrentierliche Anlagealternativen. Dies ermöglicht es, den durchschnittlichen Expected Loss und damit die absolute Risikoentschädigung anzuheben, ohne das Risiko großer Ausfälle (Tailrisiko) zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir auf strikte Selektion und eine Beschränkung auf wenige, jedoch untereinander schwächer korrelierte Einzelpositionen. Da diese Einzelpositionen näher am Risiko sind, steigt ihre Sensitivität gegenüber kleineren Versicherungsschäden. Dies gilt insbesondere für schadensaggregierende und zu so genannten Sekundärgefahren exponierte Transaktionen. Wir legen daher im Selektionsprozess einen starken Fokus auf Pro-Ereignis-Deckungen und reduzieren substanziell schadensaggregierenden Strukturen für meteorologische Risiken. Kurzum: Wir sollten das ähnliche Tail-Risikoverhalten erhalten wie der Index bei erhöhter Rendite. Hill: Welchen Einfluss hat das „Quality-Concept“ auf das optimale Fondsvolumen? Schmelzer: Die Aufrechterhaltung der Qualität von Fonds, welche marktähnliche Renditen anpeilen, bedingt eine wesentliche Beschränkung der Anlagekapazitäten, um das begrenzte Angebot an geeigneten Positionen im CAT-Bond-Markt nutzen zu können. Es ist somit kein Trick, sondern lediglich die logische Konsequenz. Denn wer in eine Anlagenische, zu der CAT Bonds eindeutig zuzuordnen sind, investiert, sollte sich, was das „Fassungsvermögen“ eines CAT-Bond-Fonds anbetrifft, selbstbeschränken, es sei denn, man möchte ein Marktportfolio aufbauen, welches aus unserer Sicht nicht effizient ist. Die Kapazitätsfrage verschärft sich zusätzlich, wenn einem aufgrund der gesetzten Anlageziele nicht das gesamte Anlageuniversum zur Verfügung steht. Lange Rede, kurzer Sinn: Aus heutiger Sicht sehen wir für das „Quality Concept“ eine maximale Anlagekapazität von 400 Mio. US-Dollar. Kurz und knapp ausgedrückt: Big is ugly – die Anlagekapazitäten im CAT Bond-Fondssegment stellen einen kritischen Erfolgsfaktor dar! Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Dirk Schmelzer ist seit 2010 bei Plenum Investments als Senior Portfolio Manager für Insurance-Linked Securities (ILS) angestellt. Von 2005 bis 2010 war er verantwortlicher Leiter des Bereichs ILS bei der Falcon Private Bank (ehemals AIG Private Bank), Zürich und verantwortlicher Portfoliomanager für ILS Fondsprodukte und Vermögensverwaltungsmandate. Zuvor war er stellvertretender Leiter des Fondsresearchs des VZ VermögensZentrums. Herr Schmelzer hat einen Hochschulabschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur der Technischen Universität Braunschweig und hält die Titel als Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA) und Hedgefunds-Advisor (EBS/BAI). Link zu Plenum Investments AG: www.plenum.ch Verwandte Beiträge: Insurance-Linked Securities – Versicherungsnachränge, Expertise, Chancen & «Langeweile» (Interview – Rötger Franz, Plenum Investments AG)ESG, SRI, „Blitze & Erleuchtung“ – Shareholders for Change, CAT Bonds und Amazonas (Interview – Tommy Piemonte, Bank

  • Venture Capital (VC) als Anlageklasse ist in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses verschiedenster Anleger gerückt. Im Jahr 2018 wurde alleine in der Schweiz erstmalig mehr als 1 Mrd. CHF, im Jahr 2019 sogar 2,3 Mrd. CHF in VC veranlagt. VC ist für Investoren attraktiv geworden, da mittels derartiger Anlagen Portfolios diversifiziert, das Risiko-/Ertragsprofil verbessert und direkt in Innovationen investiert werden kann. Um VC Investitionen erfolgreich umzusetzen gilt es jedoch, einige wichtige Punkte zu beachten und zu verstehen. Innovationstheorie Gemäß Schumpeters Innovationstheorie ist zwischen der Erfindung (Generierung von Ideen, Produkten oder Prozessen), der Innovation (Übersetzung dieser neuen Ideen in marktgängige Produkte oder Prozesse), der Verbreitung (weitverbreitete Annahme der Produkte und Prozesse im Markt) sowie der schöpferischen Zerstörung (Industrielle Transformation durch radikale Innovation) zu unterscheiden. Der besondere Reiz an Investitionen in VC liegt darin, dass die Einführung revolutionärer Produkte und Dienstleistungen wohl die grundlegende Antriebskraft für ein nachhaltiges und langfristiges Wirtschaftswachstum darstellt, aber gleichzeitig kurzfristig die Bedeutung und Macht fest etablierter Institutionen und Organisationen zerstören kann. Beherrschung der Innovationsdynamik Dies wurde unter anderem auch von James M. Utterback, Professor für technologische Innovation und Innovation am MIT, aufgezeigt. Er stellte fest, dass sich bestehende Organisationen konsequent von früheren Erfolgen verabschieden und der Innovation zuwenden müssen – auch wenn diese sogar ihre traditionellen Stärken untergräbt. Diesbezüglich wurden von Utterback drei Phasen von Innovation – Entstehung, Übergang und Reife – unterschieden. Der Innovationsgrad fällt in Bezug auf das Produkt über die Zeitachse kontinuierlich, während sich die Prozessinnovation dazu invers verhält. Die Schnittmenge stellt in der Regel das „Dominante Design“ dar. Hierzu wäre beispielsweise das Model T von Ford Anfang des letzten Jahrhunderts in Bezug auf die Automobile zu nennen. In der später folgenden Reifephase stellen hingegen Standardisierung, Integration und insbesondere Prozessoptimierungen die zentralen Elemente dar. Ralf Konrad, Liechtensteinischer Anlagefondsverband & VP Fund Solutions S-Kurven vs. Gauss Demzufolge denken VC Investoren auch nicht in Form der Gaussschen‘ Glockenverteilung, sondern vielmehr in S-Kurven, welche von Everett M. Rogers, dem Vater der Diffusionstheorie geprägt wurden. Mittels einer S-Kurve werden progressive Innovationen dargestellt, die erforderlich sind, um den erzielten Marktanteil angesichts des neu aufkeimenden Wettbewerbs zu halten, sobald die Glockenkurve ihren Höhepunkt erreicht und wieder zu fallen beginnt. Allgegenwärtige Disruption Viele Forscher, Autoren und Berater verwenden den Begriff Disruption, um jede Situation zu beschreiben, in der eine Branche erschüttert wird und zuvor erfolgreiche Marktteilnehmer beginnen zu straucheln. Disruption erklärt nicht Innovation oder Erfolge im Geschäftsbereich und wird dies auch niemals alleinstehend tun. Demnach müssen neue Produkte nicht zwingend disruptiv sein, um einen entsprechenden wirtschaftlichen Erfolg zu ermöglichen. Bei erfolgreichen Investitionen sind viele verschiedene Kräfte im Spiel, von denen jede einzelne massgeblich ist – oftmals auch jene, die nicht auf den ersten Blick als entscheidend erscheinen mögen. Mit Venture Investments können attraktive Renditen erzielt werden In den vergangenen 15 Jahren konnten gemessen am CA Global Venture Capital Index mit VC Investments 11,8% Rendite p.a. erzielt werden. Mit Investments in den beiden oberen Quartilen der Vergleichsgruppe konnten sogar 18% p.a. generiert werden. Im gleichen Zeitraum konnte der S&P 500 Index hingegen „nur“ 8,8% p.a. zulegen. Darüber hinaus haben sich die Investitionsmöglichkeiten im VC Segment in den letzten Jahren bedeutend verbessert. Neuen Investmentmanagern gelingt es zunehmend Top Performance mit einer bemerkenswerten Konsistenz zu erzielen. Die Performancedispersion ist zwar weiterhin relativ hoch aber insgesamt im Vergleich zu früher bedeutend gefallen. Waren Venture Investments im Zeitraum von 1991 bis 2001 während der Tech Bubble zudem von einer hohen „Loss Ratio“ von 51,5% und einem „Impairment Ratio“ von 65,6% geprägt so haben sich diese Werte in der Phase 2002-2015 auf 20% bzw. 40,9% vermindert. (Quelle: Cambridge Associates LLC) Obwohl sich, wie geschildert, wichtige Kennzahlen bedeutend verbessert haben, brauchen VC Investoren aufgrund der Illiquidität der zugrundeliegenden Investments einen langen Atem und Geduld. Obgleich eine „Loss Ratio“ von 20% gegenüber früheren Zeiten eine bedeutende Verbesserung darstellt ist dies dennoch ein relativ hoher Wert. Im Globalen Private Equity Bereich liegt die „Loss Ratio“ z.B. bei nur 8,6%. Spannende Renditen gehen somit auch in diesem Fall mit einem höheren Risiko einher.    Insgesamt hat sich somit das Chance/Risiko Verhältnis für VC Investments in den letzten Jahren erheblich verbessert. Dadurch werden solche Anlagen auch für neue Anlegerkreise interessant, die aufgrund der Risiken VC früher nicht in Betracht gezogen haben. Da die Digitalisierung in vielen Geschäftsfeldern erst begonnen hat und gleichzeitig der Venture Bereich gemessen mit ca. USD 340 Mrd. weniger als 0,5% der globalen Aktienmarktkapitalisierung ausmacht, sollte es trotz grösserer Zuflüsse in diesem Segment für talentierte Investmentmanager weiterhin reichlich interessante Anlagechancen geben. Strukturierung und Abwicklung mittels Fonds Aufgrund des verbesserten Risiko/Ertragsprofils von VC Anlagen erfreuen sich diversifizierte Produkte, die in diese Anlageklasse investieren – namentlich Private Label Funds (PLFs) – zunehmender Beliebtheit bei Investoren. Neben der Diversifikation und Streuung der Risiken auf mehrere Anlagen und Investoren haben PLFs weitere, entscheidende Vorteile für die in der Fondskonstruktion beteiligten Parteien. Hierbei ist die professionelle Erbringung von Dienstleistungen von der Beratung hinsichtlich der Strukturen bis hin zur Unterstützung im Tagesgeschäft durch den AIFM zu nennen. Diese sind nach der erfolgten Selektion von Investitionen durch den Fondsmanager elementar für den Investitionserfolg bei der Veranlagung in VC. Abgesehen davon ermöglichen PLFs in Zusammenarbeit mit einem versierten und erfahrenen AIFM eine kosteneffiziente Erfüllung von Regulierungsvorgaben, um diese Anlagen für Investoren zugänglich zu machen. Ergänzend werden mittels PLFs grundlegende Investorenbedürfnisse wie Berichterstattung, Haftungsrisiken, eine effiziente Steuerverwaltung sowie die Partizipation an vorhandenem Wissen, Prozessen und Systemen ermöglicht. Die Dienstleistungen und Expertisen, welche durch PLFs für VC Investoren zugänglich gemacht werden, können somit einen signifikanten Mehrwert darstellen. Für den Erfolg ausschlaggebend sind in der Folge jedoch die Einbeziehung und vollständige Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse dieser speziellen Anlageklasse. Unter anderem sind unabhängige Geschäftsprozesse, eine gute Governance sowie eine verlässliche, flexible und erweiterbare Infrastruktur, die den aktuellsten Entwicklungen vollumfänglich Rechnung trägt, unerlässliche Erfolgsfaktoren im Bereich von VC. Fazit Innovation sollte aufgrund spannender Ertragsmöglichkeiten und verbesserter Risikokennzahlen ein Bestandteil bei der Vermögensanlage eines diversifizierten Portfolios sein. Nichtsdestotrotz gilt es jedoch zu verstehen, was Innovation ist, wie sie funktioniert und was erforderlich ist, um mit Investitionen in Innovation

  • Schweiz, Asset Management und Rohstoffe – der Finanzplatz bietet ein vielfältiges Angebot in Sachen „Center of Competence & Networking“. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Alex Rauchenstein, SIA Funds AG, über Trends im Bereich Value Investing und Rohstoffe. Hintergrund der Ausführungen waren die eigene Eventreihe zu diesem Themenkreis im Mai diesen Jahres (Letzter Termin: 27.5.2021, 11.00 Uhr), bei denen unter anderem Punkte wie Inflation, „5-Sigma-Event“, ESG, Öl und Uran angesprochen wurden. Zusammen mit seinen Kollegen Prof. Dr. Carlos Jarillo, Urs Marti und Marcos Hernandez wird sein Team auch wieder in diesem Jahr einen Rohstofftag in der Schweiz (10.9.2021) durchführen und in Frankfurt am Main (14.9.2021) diesen Themenkreis mit institutionellen Investoren vor Ort diskutieren. (Ein aktueller Lesehinweis zu dem Themenkreis von Urs Marti: „The World for Sale“ – Autoren: Bloomberg-Journalisten, Javier Blas & Jack Farchy). Hill: Sie hatten letzte Woche mit Ihrem Kollegen ein Webinar zum Thema Value Investing & Rohstoffaktien. Was war das Feedback auf Ihre Veranstaltung, welche Themen sind auf besonderes Interesse gestoßen? Rauchenstein: Wir stellen ganz klar fest, dass die Investoren sich für das Rohstoffthema interessieren und dass sie ihre Portfolien gegen mögliche Inflationsrisiken schützen möchten. In unseren Augen gehört in ein gut diversifiziertes Portfolio auch ein Teil Rohstoffaktien, denn dies ermöglicht eine Erhaltung der Kaufkraft auch bei steigenden Preisen. Die Bewertungen vieler dieser Unternehmen sind so attraktiv, dass nicht einmal ein Rohstoffpreisanstieg nötig ist. Da wir aber aufgrund eines knapp bleibenden Angebots für viele Rohstoffe diesen Anstieg erwarten, betrachten wir Rohstoffaktien als sehr attraktiv. Anders formuliert: Mit einer Anlage in Rohstoffaktien hat man eine gute Absicherung gegen eine mögliche Inflation, diese Absicherung kann aber zudem auch sehr gewinnbringend sein. Alex Rauchenstein, SIA Funds AG Hill: Bei Ihrem Vortrag haben Sie einen interessanten Gedanken zum Thema Value Investing und „5-Sigma-Event“ dargestellt. Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Rauchenstein: Vergleicht man das Ratio Value / Growth seit Lancierung dieser Indices 1975 und wertet diese ganz einfach statistisch mit dem Mittelwert und + / – 2 STD (Standardabweichungen, oder Sigma) aus, stellt man fest, dass vor dem Platzen der TMT-Blase dieses Ratio bei + 2 STD stand bevor eine Renaissance für Value Aktien begann. Im letzten Herbst stand dieses Ratio bei + 5 STD, ein absolutes Extremevent (siehe Chart unten). In unseren Augen spricht dies für eine Renaissance der Value Aktien. Hill: Diese Woche werden Sie und Ihr Team am 27.5. nochmals ein Webinar durchführen. Wer wird dieses Mal mit dabei sein und welche Themen werden zusätzlich besprochen an diesem Termin? Rauchenstein: Ja, am Donnerstag, 27.5. findet noch unser Kunden-Webinar in Englisch statt, an dem alle unsere Partner der SIA Funds AG teilnehmen werden – das heißt Prof. J. Carlos Jarillo, CIO Marcos Hernandez, Urs Marti und ich. An diesem Anlass werden wir zusätzlich im Detail auf die Entwicklung unserer Fonds, den Long Term Investment Funds Classic (Global Value) und den Long Term Investment Fund Natural Ressource eingehen. Hill: Jenseits der Webinar-Termine betrachtet – planen Sie derzeit bereits auch wieder „Live-Anlässe“ mit Ihren Investoren? Rauchenstein: Ja, wie im letzten Jahr gehen wir davon aus, dass im Herbst grundsätzlich wieder „Live-Anlässe“ möglich sein sollten. Entsprechend haben wir am Freitag, den 10. September, in Zürich unseren diesjährigen Rohstofftag geplant. Diesen führen wir bereits zum vierten Mal, auch mit externen Fachspezialisten von Einzelunternehmen in diesem Bereich, durch.Ebenso wird am Dienstag, den 14. September, unsere diesjährige Lunchpräsentation im MainNizza in Frankfurt bereits zum neunten Mal stattfinden. Unser ganzes Team freut sich bereits wieder sehr darauf auch Präsenzveranstaltungen durchzuführen. Es würde uns freuen, Sie wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Hill: Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Einladung. Auch im September wird sich bestimmt wieder eine Gelegenheit zu interessanten Gesprächen in Frankfurt ergeben. Zusatzinformation „Veranstaltungsreihe Rohstoffe 2021“: redaktion@fondsboutiquen.de Value Investing & Rohstoffaktien (Videoaufzeichnung) https://youtu.be/_gNvFM4KLp8 Value Investing & Rohstoffe (Abbildung: Frankfurt-Event 2020 – Team, SIA Funds AG, SAVE THE DATE: 14.9.2021 – ZUSATZINFORMATION FOLGT): SIA Funds AG: www.s-i-a.ch Verwandte Beiträge: Value Investing und Rohstoffaktien, Schweiz & Asset Management – „It’s the energy, stupid!“, Öl, Metalle & G. E. Lessing (Webinar, 27.5.2021, 19.05. & 20.5.2021 – Alex Rauchenstein, Urs Marti, SIA Funds AG)Value Investing, Rohstoffe, ESG – China, Öl, Kernenergie & General Patton (Interview – Urs Marti, SIA Funds AG)China, Geopolitik, Rohstoffe, Value Investing und Südtirol (Interview – Urs Marti, SIA Funds AG)Rohstoffe, Value Investing, Family Offices und Hugo Stinnes (Interview – Urs Marti, SIA Funds)Value versus Growth, Rohstoffe, Indien, Jugend und die innere Ruhe (Interview – Alex Rauchenstein, SIA Funds AG)„Zu unseren treuesten Kunden zählen häufig Family Offices, dies ist uns über die Jahre immer stärker aufgefallen“ (Interview – Prof. Dr. J. Carlos Jarillo)„Die langfristige Unternehmensrentabilität steht im Vordergrund für die Investmententscheidung, nicht der täglich veröffentlichte Aktienkurs“ (Interview – Prof. Dr. J. Carlos Jarillo) Foto: www.iStock.com/bluejayphoto

  • »Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch schneller als der, der ohne Ziel herumirrt« (Gotthold Ephraim Lessing). Viele konzernunabhängigen Fondsmanager (Fondsboutiquen) in den Bereichen Value Investing und Rohstoffe mussten in den letzten Jahren Geduld beweisen. Gerade diese unabhängigen Häuser haben bewiesen, dass man dem eigenen Stil treu bleiben kann und nicht nur aus Prinzip prozyklisch agiert. Natürlich, gegenwärtig gibt es „Rückenwind“ bei den institutionellen Investoren, diese Chance wird genutzt –  Stichworte: Niedriegzins-Szenario, „Anlagenotstand“, Inflation, Konjunktur und Diversifikation im Portfolio. In der Schweiz gibt es viele interessante unabhängige Asset Manager in diesen Segmenten. Die SIA Funds AG, Alex Rauchenstein und Urs Marti, laden zu einem Webinar am 27.5.2021 ein (INVITATION ONLY, INSTITUTIONELLE INVESTOREN) – Themen: Ausgangspunkte für Value- und RohstoffaktienDenken & Handeln wie ein EigentümerWas ist ein gutes UnternehmenPortfoliokonstruktion, erwartete Renditen und Eigentümer-ReportingMakroökonomische BetrachtungenAusgangslage für ÖlSIA Fonds AG & „Rohstoffaktien-Philosophie“ (Ansatz) Interviews: Value Investing, Rohstoffe, ESG – China, Öl, Kernenergie & General Patton (Interview – Urs Marti, SIA Funds AG)Value versus Growth, Rohstoffe, Indien, Jugend und die innere Ruhe (Interview – Alex Rauchenstein, SIA Funds AG) Datum: 19.5. & 20.5.2021Uhrzeit: 11.00 Uhr Datum: 27.5.2021Uhrzeit: 11.00 Uhr The purpose of this call is to inform you on the development of our funds since the beginning of the year.The following people will present: •             Prof. J. Carlos Jarillo, Founding Partner•             Marcos Hernandez, CIO/Partner•             Urs Marti, Partner•             Alex Rauchenstein, CEO/Partner Rückfragen zu der deutschsprachigen Veranstaltung (19.5. & 20.5., Einladung, Link zum Webinar – Zugangscode / Einwahldaten, Zusatzinformationen zu Folgeveranstaltungen – 27.5.2021: Einladung, Link zum Webinar, Zugangscode / Einwahldaten / SAVE THE DATE – Frankfurt am Main: 27.9.2021 etc.):  redaktion@fondsboutiquen.de Zusatzinformationen zur Folgeveranstaltung vom 27.5.2021 PS: Input, Ideen und Informationen zum Thema „Schweiz, Asset Management & Fondsboutiquen“ sind immer willkommen.  Urs Marti, SIA Funds AG Alex Rauchenstein, SIA Funds AG Information zu SIA Funds AG: www.s-i-a.ch FINANZPLATZ SCHWEIZ & ASSET MANAGEMENT: „Um der steigenden Bedeutung des Asset Managements Rechnung zu tragen, werden die Asset Management Plattform Schweiz und die Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA im Herbst 2020 zusammengeführt. Mit diesem Schritt wird die konsequente Ausrichtung auf das Asset Management noch stärker zum Tragen kommen und die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Disziplin unterstrichen. Weiteres Ziel bleibt unverändert die Schaffung und Erhaltung eines günstigen politischen und regulatorischen Umfelds für die Branche in der Schweiz.“: www.am-switzerland.ch Verwandte Artikel: Stiftungen, Volkswirtschaft, Digitalisierung & ESG – Frankfurt als Center of Competence (Interview – Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU)„Family Office Management vs. Private Wealth Management“, Asset Management, Trusted Advisor, Kunst, Mittelstand & Digitalisierung (Interview – Dr. Maximilian A. Werkmüller, LL.M., Professor für Finance und Family Office Management – Allensbach Hochschule)Family Offices, Fonds­boutiquen und die Schweizer Expertise (Interview – Markus Hill, Thomas Caduff)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation, „Tail-Risks“ und Asset Management (Interview – Nico Rischmann, Plenum Investments AG) Foto: www.iStock.com/AleksandarGeorgiev

  • Deutscher Stiftungstag, MünchnerStiftungsTag, Virtueller Tag für das Stiftungsvermögen: Drei Veranstaltungen, bei denen auch der Finanzplatz Frankfurt wieder mit fachlicher Expertise vertreten ist (Beispiele: DEKA, HELABA, KfW, Stiftung Polytechnische Gesellschaft, DIE STIFTUNG etc.). Markus Hill sprach für FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE mit Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU, über Themen wie Diversifikation, Family Office, ESG, Digitalisierung und Reputationsmanagement. Auch das Thema Wissensmanagement, die Ausrichtung von Veranstaltungsformaten und die besondere Bedeutung des Bundesverband Deutscher Stiftungen als Center of Knowhow waren Thema des Gespräches. (Zusatzinfo / Veranstaltungshinweise: MünchnerStiftungsTag & Digitales – 1.7., 7.6. – 11.6. & 12.5.2021) Hill: Welche Themen werden bei Ihrer Veranstaltung behandelt? Karow: Wir kümmern uns um das Thema Stiftungsvermögen 2030, wie Stiftungen ihr Vermögen also heute für morgen anlegen. Das klingt auf den ersten Blick banal, aber viele Stiftungen müssen heute einfach die Weichen stellen, damit sie morgen nicht ohne ordentliche Erträge dastehen. Hier geben wir Anregungen, was in die Anlagerichtlinie hineingehört, was es mit dem Diversifikationsgebot auf sich hat und welche Rolle die Business Judgement Rule dabei spielen könnte. Hill: Was gehört Ihrer Meinung nach unbedingt ins Stiftungsvermögen, und was nicht? Karow: Lässt sich so pauschal nicht sagen, aber Eines zahlt aus Stiftungssicht besonders. Anlagen, die keinen ordentlichen Ertrag liefern, müssen bei Stiftungen einen schweren Stand haben. Denn es sind die ordentlichen Erträge, die Stiftungen ihre Zwecke verwirklichen lassen, der Kapitalerhalt ist dem schlichtweg nachgeordnet. Viele Stiftungen schauen aber zuerst auf genau diesen, weshalb viele Stiftungsvermögen schief allokiert sind, mit zu viel niedrig verzinslichen Anleihen, zu wenig Aktien und zu wenig Alternatives. Was Stiftungen zudem für sich sortieren müssen, ist das Thema Nachhaltigkeit bzw. der Themenkreis ESG. ESG ist aus Stiftungssicht Risikomanagement, und es ist Reputationsmanagement. Oder würden Sie künftig einer Stiftung noch Geld spenden die Ihnen nicht sagen kann, dass sie professionell mit ihrem Vermögen umgeht? Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU Hill: Gibt es auch einen Bezug zum Thema Family Offices bei Ihren Aktivitäten im Stiftungssegment? Karow: Die Brücke zu Family Offices sehe ich bei der Rolle, die Family Offices einnehmen, die auch eine passende für Stiftungen und deren Verantwortliche wäre: die des Portfoliokontrolleurs. Selber aktiv Geld zu managen, das werden viele Stiftungen mangels zeitlicher und fachlicher Ressourcen kaum schaffen, aber Asset Managern auf die Finger zu schauen, und dann gegebenenfalls den Manager zu wechseln, das lässt sich sauber aufsetzen. Hill: Der Deutsche Stiftungstag findet vom 7.6. – 11.6.2021 statt. Auch in diesem Jahr bietet er wieder ein sehr interessantes Programm, auch der Finanzplatz Frankfurt ist ja mit Ökonomie-Expertise vertreten (DEKA, HELABA, KfW etc.). Wo gibt es Überschneidungen bei Ihren Themenfeldern, wo ergänzt man sich in der Expertise? Karow: In der Tat, der Deutsche Stiftungstag (Bundesverband Deutscher Stiftungen) ist der größte Branchentreff in Europa, und es ist zurecht so, dass Stiftungen und Stiftungsexperten diesen als erstes ansteuern. Überschneidungen mit unserem Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen gibt es sicherlich, weil der Stiftungstag das Thema Stiftungsvermögen natürlich auch aufgreift, mit prominenten Köpfen. Unser #vtfds2021 ist sicherlich das weniger renommierte Format, wir setzen die Akzente beim Thema Stiftungsvermögen vielleicht etwas mehr auf der Mikroebene. Und natürlich ist unser Format ein kostenfreier Livestream. Hill: Welche anderen interessanten Formate in Sachen Wissensmanagement gibt es noch im Stiftungsbereich? Karow: An reinen Stiftungsveranstaltung ist es sicherlich der MünchnerStiftungsTag, der am 1. Juli stattfindet und der diesmal als digitale Veranstaltung stattfindet. Das Thema hier ist die Digitalisierung und wo Stiftungen hier aktuell Post-Corona stehen. Im März fand zudem der Digital Social Summit statt, auch ein tolles Event mit starkem Programm, das rund 1.000 Zuseher anlockte. Auch die Webinare unseres Veranstaltungspartners beim #vtfds2021, RenditeWerk, sind nach wie vor gut besucht, das mag hier damit zusammenhängen, dass das Format bereits existierte bevor die Pandemie kam und dies jetzt eben eine hohe Akzeptanz genießt. Hill: Danke für das Gespräch. MünchnerStiftungsTag (1.7.2021): www.muenchnerstiftungstag.de TOBIAS KAROW: „Schön, dass es ihn wieder gibt, den MünchnerStiftungsTag, er war die letzte Stiftungsveranstaltung, auf der wir 2020 zu Gast sein durften. Jetzt, am 1. Juli 2021, wird der MünchnerStiftungsTag digital stattfinden, und die Agenda hat auch die digitale Welt zum Thema. Es soll diskutiert werden, wie digitale die tägliche Stiftungspraxis tatsächlich schon ist und was bleiben wir. Wir haben vorab schon drei Digissentials gefunden.“https://stiftungsmarktplatz.eu/blog/wie-digital-ist-die-stiftungspraxis/embed/#?secret=byrNXVldgs Deutscher Stiftungstag (7.6. – 11.6.2021): www.programm.stiftungstag.org Virtueller Tag für das Stiftungsvermögen (12.5.2021): www.vtfds.de Quelle: www.finanzplatz-frankfurt-main.de Verwandte Beiträge: Stiftungen, Asset Management, ESG – „Krimi, Rollski & Gin“ – Virtueller Tag für das Stiftungsvermögen – 12.5.2021 (Interview – Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU)Family Offices, Fonds­boutiquen und die Schweizer Expertise (Interview – Markus Hill, Thomas Caduff)ESG, Family Offices, Immobilien, Blockchain, AIFM – Liechtenstein, Schweiz & «Win-win-Faktor» (Interview – David Gamper, LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation, „Tail-Risks“ und Asset Management (Interview – Nico Rischmann, Plenum Investments AG) Foto: www.iStock.com/trabantos

  • „Fähigkeit ruhiger Erwägung — Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte!“ (Marie von Ebner-Eschenbach). Aufgrund der Niedrigzinsphase werden von vielen Investoren Anlagealternativen gesucht, in den verschiedensten «Nischen», Stichworte: Insurance-Linked Securities, CAT Bonds, Nachranganleihen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Rötger Franz, Plenum Investments AG, über die besonderen Herausforderungen und Chancen, die sich für Portfoliomanager aktuell im Segment der Nachranganleihen von Versicherungsunternehmen ergeben. Themen wie die Größe des Marktes, Diversifizierung und die Tiefe der Expertise in der Analyse von Einzelwerten werden ebenso angesprochen wie Regulierung, Timing und der Faktor Langeweile. Hill: Warum sollten sich Investoren für Nachranganleihen von Versicherern interessieren? Was macht den Sektor so attraktiv? Franz: Wir leben in Zeiten von dauerhaft niedrigen Zinsen. Selbst optimistische Schätzungen erwarten nur moderate Zinserhöhungen. Nachranganleihen von Versicherern bieten in diesem Umfeld immer noch dauerhaft höhere Renditen als andere Sektoren. BBB-geratete Anleihen von Versicherungen bieten eine bis zu 100bp höhere Rendite. Dazu wies der Versicherungssektor in den letzten 40 Jahren die niedrigsten Ausfallraten aller Sektoren auf. In Zukunft dürfte sich diese sogar noch weiter verringern, da nach der Einführung des Solvency II Aufsichtsregimes in 2016 die Regulierung noch einmal deutlich verbessert wurde und weitere Länder dem gefolgt sind oder noch folgen werden.Des Weiteren erwarten wir stetiges Wachstum des restricted Tier 1 (rT1) Segments. Obwohl rT1 Emissionsvolumina bei weitem nicht an T2 heranreichen werden, so hat doch die Neuemission der Allianz gezeigt, dass es auch bei den bestens kapitalisierten Marktführern Interesse an dieser neuen Bondklasse gibt. Rötger Franz, Plenum Investments AG Hill: Was denken Sie, warum, handeln Nachranganleihen von Versicherungen zu einem Discount relativ zu anderen Sektoren? Franz: Es gibt eine Reihe von Gründen. Zum einen ist der Sektor relativ komplex und klassische Analysemethoden lassen sich nicht ohne weiteres auf Versicherer übertragen. Das bedeutet, dass Investoren Spezialwissen aufbauen und vorhalten müssen. Allerdings sind Nachranganleihen nur eine verhältnismäßig kleine Nische des Gesamtmarkts, sodass in der Vergangenheit nur sehr große Asset Manager oder Nischenplayer hier Spezialwissen hatten. Zum anderen hat der Kostendruck der letzten Jahre dazu geführt, dass gerade die großen und mittelgroßen Asset Manager und auch Investmentbanken sich aus solchen Nischen zurückgezogen haben. Auch verlassen sich die meisten Investoren zu sehr auf Ratings, obwohl diese in den allermeisten Fällen deutlich schlechter geratet sind als es die Solvenzquoten vermuten lassen. Dieser Wissensverlust fördert risikoaverses Verhalten der Investoren und damit zu weiteren Spreads. Hill: Werden Investments in Nachranganleihen von Versicherern nicht auch von anderen, breiter gestreuten Fonds abgedeckt? Franz: Sicherlich gibt es viele breit gestreute Fonds, die auch in Nachranganleihen von Versicherern investieren. Diese können zwar einen generellen «Sector Discount» realisieren, aber nicht Fehlbewertungen erkennen und das erhebliche Alphapotenzial auf Single Name Basis realisieren. Entweder bilden diese den Index nach oder untergewichten komplexere Sektoren wie den Versicherungssektor. Hill: Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Nachranganleihen von Versicherern zu kaufen? Franz: Wir denken schon. Zwar sind die Spreads derzeit sehr eng, aber wir sehen noch deutliches Potenzial für weitere Kompression. Dazu haben sich in den letzten Wochen erneut einige Fehlbewertungen herausgebildet. Nicht zu vergessen ist auch, dass Versicherer – im Gegensatz zu anderen Sektoren – fundamental tendenziell von steigenden Zinsen profitieren werden. Hill: Es wird zurzeit viel über «grandfathered Perpetuals» gesprochen und das geplante Ende des «grandfathering» in 2026. Gibt es hier wirklich noch viele gute Investment Opportunities? Franz: «Grandfathering» und sein Ende in 2026 ist ein altes Thema, das weitestgehend eingepreist ist. Dazu kommt die äußerst hohe Call-Disziplin für institutionelle Anleihen von Versicherern. Ein blindes Kaufen von vor 2015 emittierten Bonds macht daher aus unserer Sicht keinen Sinn. Allerdings gibt es noch einige Opportunitäten im Bereich der Retailanleihen. Hier ist aber nicht die Frage, ob diese in 2026 gekündigt werden, sondern vorher. Eine solche Einschätzung erfordert aber eine tiefgehende Analyse der Kapitalisierung und der Capital Management Strategie des Emittenten. Hill: Bedeutet eine Allokation in rT1 nicht zu viel Risiko? Franz: Ein erhöhtes Risiko, das sich aus möglichen Couponausfällen und Umwandlung in Aktien bzw. Abschreibung ergibt, ist unstrittig. Aber es ist bei weitem nicht so hoch, wie es die Spreads vermuten lassen. Man muss dazu wissen, dass Versicherer im Durchschnitt fast das doppelte an Solvenzkapital halten wie vorgeschrieben. Dazu haben viele Versicherer klare Trigger definiert wie sie mit welchen Gegenmaßnahmen auf fallende Solvenzquoten reagieren. Diese Trigger sind in der Regel weit entfernt von einer regulatorischen Kapitalunterdeckung. Es ist auch zu beachten, dass in vielen Sparten wie zum Beispiel Rück- oder Industrieversicherung ein Financial Strength Rating von mindestens A- vorausgesetzt wird. Dadurch besteht ein zusätzliches Incentive für Versicherer eine gute Kapitalisierung zu bewahren. Wenn man dies in Relation zum zusätzlichen Spread für einen rT1 Bond setzt, kommt man zu dem eindeutigen Schluss, dass das zusätzliche Risiko eines rT1 Bonds nicht nur gut beherrschbar ist, sondern auch gut entlohnt wird. Hill: Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Versicherungssektor. Wird Ihnen das nicht irgendwann einmal langweilig? Franz: Absolut nicht, wir hatten in dieser Zeit die Deregulierung in Europa, US Workers Comp Krise, Dotcom Bubble, 9/11, KRW, Great Financial Crisis, Nat Cat 2011, Sovereign Risk Crisis, stetig fallende Zinsen, 20 Jahre Solvency II Entwicklung und Einführung, 25 Jahre IFRS 17 Entwicklung und jetzt auch noch Covid-19. Es war immer viel los und das wird auch in Zukunft so sein. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Rötger Franz (Portfoliomanager / Senior Insurance Analyst) verfügt über mehr als 20 Jahre internationale Erfahrung in der Coverage von Versicherungen. Herr Franz wurde als Sell Side Credit Analyst bei Societe Generale 10 Mal in Folge im Euromoney Fixed Income Research Survey als bester Versicherungsanalyst in Europa ausgezeichnet. Zuvor war er u.a. als Lead Analyst für die führenden Erst- und Rückversicherer bei der Ratingagentur A.M. Best tätig. Er verfügt über einen Abschluss der Universität zu Köln (Dipl.-Kfm.) mit Schwerpunkt Versicherungswissenschaft. Er stiess im April 2020 zur Plenum Investments AG und ist verantwortlich für Insurance Bonds. PLENUM INVESTMENTS AG: www.plenum.ch Verwandte Beiträge: Family Offices, Hedgefonds, CAT Bonds & Nachranganleihen & Portfolio Manager-Due Diligence – VERANSTALTUNGSHINWEIS (Interview – Daniel Grieger, Plenum Investments AG)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation, „Tail-Risks“ und Asset Management (Interview – Nico Rischmann, Plenum Investments AG)CAT

  • „Sei höflich zu allen, aber freundschaftlich mit wenigen; und diese wenigen sollen sich bewähren, ehe du ihnen Vertrauen schenkst“ (George Washington). Family Offices, Kunstinvestments, Asset Management, Trusted Advisor, Studiengänge und mehr – Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Dr. Maximilian A. Werkmüller, LL.M., Professor für Finance und Family Office Management, Allensbach Hochschule, über das Berufsbild des Family Officers und die besonderen Herausforderungen und Trends in diesem Segment. Neben der Abgrenzung des speziellen Bereiches Family Office zum klassischen Private Wealthmanagement werden auch Themen wie „Single Family Office versus Multi Family Office“, Digitalisierung, Asset Allocation, Rechtsberatung sowie die Bedeutung familiengeführter Unternehmen angesprochen. Hill: Wie ist es zu der Idee für den Family Office Management-Studiengang gekommen?Werkmüller: Ich war ja seit dem Jahr 2000 an der EBS Finanzakademie als Dozent für die Fächer Stiftungs- und Steuerrecht sowie steueroptimierte Vermögensnachfolge tätig. Man konnte schon früh erkennen, dass die Themen der ganzheitlichen Vermögensplanung jedenfalls zum damaligen Zeitpunkt bei den Postgraduierten, d.h. bei den sich berufsbegleitend Fortbildenden, hoch im Kurs stand. Spätestens seit der Subprime-Krise im Jahr 2008 und den daran sich anschließenden Jahren war deutlich erkennbar, dass das Interesse von Studierenden am klassischen Banking nachgelassen hatte und insbesondere das Thema Family Office zunehmend in den Fokus des Interesses rückte. Die Idee, daraus ein Lehrfach zu machen und es im Rahmen eines Masterstudienganges anzubieten, ist allerdings erst gemeinsam mit der Allensbach Hochschule entstanden. Insoweit nehmen wir schon für uns in Anspruch, als Pionier auf einem Feld tätig zu sein, welches sich erst nach und nach für Studentinnen und Studenten in der akademischen Erstausbildung erschließt. Es ist unbestritten, dass sich inzwischen der Family Officer im Rahmen der anerkannten beratenden Berufsbilder etabliert hat. Auch die Zahl der Multi und Single Family Offices steigt seit Jahren kontinuierlich an. Daraus ergeben sich auch für Berufseinsteiger interessante Jobperspektiven. Wir sind ein wenig stolz darauf, dass wir als Allensbach Hochschule einen wertvollen Beitrag dafür leisten können, junge Menschen für dieses Berufsbild zu interessieren und mit Blick auf den Berufseinstieg zu motivieren. Dr. Maximilian A. Werkmüller, LL.M., Professor für Finance und Family Office Management, Allensbach Hochschule Hill: Welcher Bereich in dem Studiengang stößt derzeit auf verstärktes Interesse?Werkmüller: Das Thema Familie Office Management ist sehr facettenreich und bietet daher gute Möglichkeiten, eigene Schwerpunkte zu setzen. Da die meisten meiner Studentinnen und Studenten aus der klassischen betriebswirtschaftlichen Lehre kommen, stehen immer noch die kapitalmarktorientierten Themen im Vordergrund. Zahlreiche Bachelor-und Masterarbeiten widmen sich diesem Themenbereich. Ich betrachte es aber als meine Aufgabe als zuständiger Lehrkörper, dafür zu sorgen, dass dieser Scope erweitert wird und sich auf diejenigen Bereiche erstreckt, die nicht so stark im Fokus der wissenschaftlichen Forschung stehen. Hierzu gehören insbesondere die illiquiden Vermögensklassen, wie zum Beispiel Immobilien, Private Equity oder aber auch Investitionen in Kunstgegenstände oder in den Kunstmarkt. Insbesondere unsere letzte Veröffentlichung zum Thema Kunst und Kunstinvestments im Rahmen der Gesamtvermögensallokation hat großes Interesse in den sozialen Netzwerken hervorgerufen. Wir konnten hierzu auch eine hervorragende Masterarbeit beisteuern, in welcher sich einer unserer Studenten mit der Frage befasst hatte, ob und in welchem Umfang die Grundsätze der Portfoliotheorie auf Investments in Kunstwerke anwendbar sind. Gerade für Family Offices sind solche Fragestellungen und insbesondere die Antworten darauf von hohem Wert. Zahlreiche vermögende Familien haben seit Generationen zumindest einen Teil ihres Vermögens in Kunstwerke investiert. Die Performancemessung solcher Sammlungen ist ein bislang wissenschaftlich noch nicht abschließend diskutiertes Thema. Hill: Wie grenzen Sie das Segment Family Offices zum Segment Private Wealth Management ab? Werkmüller: Auch zu dieser Frage hatten wir unlängst einen Blogbeitrag veröffentlicht. Die Abgrenzung liegt insbesondere in der unterschiedlichen Perspektive, die ein Familie Officer und ein Private Wealth Manager einnehmen. Während ein Family Office als vertrauensvoller Ratgeber („trusted advisor“) ausschließlich die Interessen seiner Prinzipale vertritt und über seine eigene Vergütung hinaus keine eigenen Vermögensinteressen verfolgt, darf ein Wealth Manager, der beispielsweise bei einer Bank angestellt ist, ohne weitere Probleme dem Kunden auch eigene Hausprodukte verkaufen. Er muss in dieser Eigenschaft nicht zwingend als „trusted advisor“ auftreten, sondern darf und muss auch völlig legitim die profitorientierten Interessen seines Arbeitgebers verfolgen. Dies meine ich an dieser Stelle bewusst nicht abwertend. Es ist eben nur ein vollkommen anderer Ansatzpunkt. Die Kunden, die sich dem Private Wealth Management einer Bank anvertrauen, suchen kein Family Office und umgekehrt. Hill: Gibt es aktuell Trends im Family Office-Bereich, die sie wahrnehmen? Werkmüller: Um diese Frage zu beantworten, muss man zwischen den Single und den Multi Family Offices unterscheiden. Das Thema Impact Investing ist bei den Single Family Offices erkennbar auf dem Vormarsch. Ein weiterer Trend, der maßgeblich durch die Covid-19-Pandemie hervorgerufen beziehungsweise verstärkt wurde, ist die Digitalisierung der Dienstleistungen. Während Multi Family Offices hier aufgrund des bestehenden Wettbewerbs traditionell besser aufgestellt waren und teilweise noch immer sind, haben die Single Family Offices hier teilweise akuten Nachholbedarf, je nachdem in welchem Entwicklungsstadium sich das Office befindet. Mit Blick auf Investitionsstandorte kann man feststellen, dass inzwischen auch der Kontinent Afrika in den Fokus der Familie Offices getreten ist. Immer öfter investieren Familien einen Teil ihres Vermögens in den ostafrikanischen Staaten. Dies tun sie nicht nur, um eine angemessene Rendite zu erwirtschaften, sondern auch, um eben ein wirkungsvolles Investment zur Verbesserung der Infrastruktur vor Ort zu leisten. Ansonsten stehen Private Equity Investments immer noch im Fokus der Offices, unabhängig davon, ob es sich um Single- oder Multi Family Offices handelt. Das Thema „NextGen“ beschäftigt derzeit zahlreiche Familien, die ein eigenes Office errichtet haben. Die Ursache hierfür liegt in dem Umstand, dass bei vielen Unternehmerfamilien der Generationswechsel vollzogen wurde und die jüngere Generation natürlich andere Ansprüche an die Leistungen des Office stellt als die Generation der Übergeber und /oder Firmengründer. Zahlreiche Dienstleister haben sich auf diese veränderte Nachfrage bereits eingestellt und bieten teilweise speziell auf diesen Nachfragebedarf abgestellte Auskopplungen ihrer Leistungen an. Hill: Welche Themen beschäftigten Sie aktuell neben Ihrer Tätigkeit in der Hochschule? Werkmüller: Im Hauptberuf bin ich immer Rechtsanwalt gewesen. Und dort komme ich aus der „erbrechtlichen Ecke“, d.h., die Themen Erben, Schenken und Stiften und dies möglichst in steueroptimierter Form, war und ist bis heute mein eigentliches Betätigungsfeld. In dieser Spezialistenfunktion war ich

  • Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Bank für Kirche und Caritas eG (BKC), über seine persönliche Motivation für die Beschäftigung mit den Themen Nachhaltigkeit, Ratings, CAT Bonds und über die Aktivitäten der Bank im Rahmen der europäischen Investoren-Initiative „Shareholders for Change“ (SfC). Ein besonderes Engagement stellen in diesem Zusammenhang auch die aktuellen, gemeinsamen Aktivitäten des Instituts mit der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) und dem katholischen Klimaschutznetzwerk Global Catholic Climate Movement (GCCM) zum Schutz des Amazonas-Regenwalds dar. Hill: Seit wann und warum begeistern Sie sich für Nachhaltige Geldanlagen? Piemonte: Um das zu erklären, muss ich ganz an den Anfang zurückgehen, als ich zum ersten Mal von nachhaltigen Geldanlagen erfuhr. Nach meiner Ausbildung bei einer Sparkasse kam ich zur Deutschen Bank, wo ich unter anderem im Private Banking tätig war. Das ist jetzt über 20 Jahre her. Wenn ich auf mein damaliges Ich zurückblicke, würde ich sagen, dass ich der typische Banker der 90er Jahre war – im Vordergrund stand die Gewinnmaximierung für meine Kunden, die Erhöhung meines persönlichen Bonus und die Entwicklung meiner Karriere. Über positive und negative Nachhaltigkeitswirkungen der von mir vertriebenen Wertpapiere und Investmentprodukte habe ich mir keinerlei Gedanken gemacht. Schlimmer noch – ich hatte einen kompletten blinden Fleck was Externalitäten von Geldanlagen anging. Gleichzeitig hatte ich aber regelmäßig Zweifel an der tieferen Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeit und war seit jeher an Umweltschutz und sozialen Fragestellungen interessiert. In dieser Gemengelage stieß ich vielleicht durch Zufall oder instinktiv auf einen der wenigen Nachhaltigkeitsfonds zu dieser Zeit, von denen es vielleicht eine Handvoll in Deutschland gab. Ich begann mich über das Konzept und die Hintergründe der Anwendung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Fonds zu informieren. Und so kam es, dass auf einmal folgendes Zitat auf mich zutraf „Schon ein kleiner Blitz einer Erleuchtung bringt Klarheit in die Dunkelheit“. Von nun an war ich absolut davon überzeugt, dass die vollständige Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Finanzindustrie und den Finanzmarkt notwendig ist, damit sie zukünftig Teil der Lösung unserer globalen Herausforderungen und nicht länger Teil des Problems sind. Das war der Punkt, an dem mein Socially responsible investing (SRI)-Berufsweg begann. Ich kündigte meinen Job bei der Bank und begann ein Volkswirtschaftsstudium an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Nach dem Abschluss begann ich als Junior-Analyst bei der Nachhaltigkeits-Ratingagentur imug Rating, die noch heute Research- und Vertriebspartner der internationalen Nachhaltigkeits-Ratingagentur Vigeo Eiris ist. Ich blieb mehrere Jahre bei imug Rating und durchlief alle Karrierestufen, bis zum Leiter des imug Rating. Und seit nunmehr fünf Jahren bin ich bei der katholischen Kirchenbank Bank für Kirche und Caritas (BKC) in Paderborn als Leiter Nachhaltigkeitsresearch tätig. Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Bank für Kirche und Caritas eG (KBC) Hill: Was sind Ihre Tätigkeiten bei der Bank für Kirche und Caritas (BKC) und warum sind sie dorthin gewechselt? Piemonte: Die Arbeit bei einer Nachhaltigkeits-Ratingagentur ist spannend und abwechslungsreich und durch das gezielte Stellen von Fragen und bewerten der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen wurden sehr häufig Nachhaltigkeitsverbesserungen bei den Unternehmen angestoßen. Dieser letztgenannte Aspekt reizte mich besonders und ich war deshalb erst recht von der Wirkungskraft des sogenannten „Engagement“ überzeugt, das von Investoren und Asset Ownern betrieben wird. Unter Engagement versteht man gemeinhin die aktive Einflussnahme auf Investitionsobjekte. Ziel ist es dabei, beispielsweise Unternehmen zu motivieren, Verbesserungen in ihrem jeweiligen Nachhaltigkeitsmanagement zu realisieren oder bestehende kontroverse Vorfälle zum Anlass zu nehmen, entsprechende Konsequenzen und konkrete Präventionsmaßnahmen für die Zukunft abzuleiten. So kam es, dass ich das Angebot der BKC annahm, um dort zum einen die Weiterentwicklung und Überwachung der ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie der Bank und ihrer Kunden zu verantworten, sowie den ethisch-nachhaltigen Anlageprozess zu professionalisieren und die Koordination des Research-Prozesses zu begleiten. Und zum anderen war es mein Wunsch das Thema Engagement ganzheitlich für die Bank aufzustellen. Hill: Wie sieht der Engagementannsatz der BKC aus und was ist das Besondere daran? Piemonte: Das so genannte „Engagement“ wird auf Deutsch oft als aktives Aktionärstum bezeichnet. Wir führen unsere Engagement-Aktivitäten jedoch nicht nur bei Aktienunternehmen durch, wie die Bezeichnung „aktives Aktionärstum“ vermuten lassen könnte, sondern auch bei Anleihen ausgebenden Unternehmen oder anderen Investitionsobjekten. Darüber hinaus betreiben wir auf einer übergeordneten Ebene bei Branchenverbänden, der Politik oder Finanzmarktakteuren eine aktive Einflussnahme für eine bessere Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in ihren Tätigkeitsfeldern. Unseren Einfluss als Investor machen wir über Stimmrechtsausübung bei Aktien („Vote“) und konstruktive Dialoge („Voice“) mit den Investitionsobjekten geltend. Vor allem der Dialog, der über eine schriftliche oder persönliche Kommunikation mit Unternehmensvertretern, über Redebeiträge auf Hauptversammlungen oder über die Teilnahme an öffentlichen Investorenkampagnen stattfindet, ist in unserer Engagementstrategie von besonderer Bedeutung, da wir ihm eine hohe Einflussnahme zurechnen. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch ein zielgerichtetes Engagement sowohl negative Nachhaltigkeitswirkungen von Investitionsobjekten verringern oder sogar verhindern können, als auch positive Nachhaltigkeitswirkungen fördern. Zudem kann unserer Meinung nach das Rendite-Risiko-Profil eines Investments durch Engagement positiv beeinflusst werden. Eine Besonderheit unserer Engagement-Aktivitäten ist, dass wir diese nicht nur auf unser ethisch-nachhaltiges Anlageportfolio beschränken, wie es bei dem am Finanzmarkt häufig anzutreffende Engagement-Konzept mit dem Namen „shareholder activism“ üblich ist. Das heißt, wir treten auch mit Unternehmen in einen aktiven Dialog, um sie zu einer Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren, wenn sie gegen unsere Ausschlusskriterien verstoßen oder nicht zu unserer Zufriedenheit bei den von uns aufgestellten Positiv- und Negativkriterien abschneiden. Einziger Beweggrund dabei ist, dass wir aktiv eine Nachhaltigkeitsverbesserung sehen möchten. Dieses Engagement-Konzept bezeichnen wir als „shareholder criticism“. Der Unterschied in den Konzepten liegt darin, dass beim shareholder activism bei den Unternehmen Engagement-Aktivitäten durchgeführt werden, bei denen entweder bereits eine Investition erfolgt oder eine Investitionsabsicht vorhanden ist. Die Forderungen an das Unternehmen können in dem Fall auch die Motivation haben, durch die Verbesserung der Nachhaltigkeitswirkung beim Unternehmen ein verbessertes Rendite-Risiko-Profil des Investments z. B. durch die Senkung von Klage- oder Reputationsrisiken zu erreichen. Wohingegen beim shareholder criticism keine Rendite-Risiko-Überlegungen beim Investor mitschwingen. Um unserer aktiven Einflussnahme die größtmögliche und flächendeckende Schlagkraft und Effizienz zu verleihen, betreiben wir Engagement über insgesamt drei Kanäle. Zum einen haben wir für einen Teil unserer Eigenanlagen die Engagement-Aktivitäten an einen externen Dienstleister ausgelagert, der eine weitreichende Expertise

  • Stiftungen, Asset Management, Fondsfibel & ESG, vom Portfoliomanager zum passiven „Portfoliokontrolleur“ – Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU, über die aktuellen Herausforderungen für Stiftungsverantwortliche bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens. Über die Bedeutung von Stifterwillen, Stiftungszweck und Anlagerichtlinie wurde ebenso gesprochen wie über Publikumsfonds, Krimi, Rollski und Gin (VERANSTALTUNGSHINWEIS: VIRTUELLER TAG FÜR DAS STIFTUNGSVERMÖGEN – 12.5.2021). Hill: Warum ist das Stiftungsvermögen eine Baustelle? Karow: Da kommen viele Dinge zusammen. Ich sage immer: „Das haben wir immer so gemacht meets Niedrigzins“, das erklärt dann eigentlich schon alles. Wir haben in Deutschland einfach eine lange Tradition, Stiftungsvermögen rein in Anleihen anzulegen, dank dieser Liebe zur Anleihe sind ja auch von den etwa 100.000 Stiftungen, die es anno 1914 hierzulande gab, etwa 90 % verschwunden bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Das wird gerne vergessen, und in praktisch allen Ländern, in denen es Stiftungen gibt, wird anders angelegt, nämlich breit und global gestreut, mit dem Fokus auf den ordentlichen Ertrag und nicht nur auf den Kapitalerhalt. Die Angst vor dem Verlust eint viele Stiftungsverantwortliche, aber das ist keine Angst, die zielführend ist. Ich habe meine erste Aktie mit 13 Jahren gekauft, und bis heute gab es einige Crashs und Korrekturen, aber jeder dieser Rücksetzer war vorübergehend, man musste nur am Portfolio immer wieder mal arbeiten. Der ordentliche Ertrag ist das wichtigste Ziel der Verwaltung von Stiftungsvermögen, und wenn er das ist, dann muss die Anlagepolitik einer Stiftung bei 0,0% Zinsen in der nächsten Dekade anders ausschauen als noch vor 10 oder 15 Jahren. Aber es ändert sich etwas, das ist schon abzusehen. Tobias Karow, STIFTUNGSMARKTPLATZ.EU Hill: Welche Möglichkeiten haben Stiftungen in Ihren Augen? Karow: Naja, Stiftungen können es weiter selber machen, dafür müssen sie selbst, also ihre Verantwortlichen, ausreichende fachliche und zeitliche Ressourcen aufwenden, um eine sachgerechte Entscheidung zur Veranlagung des Stiftungsvermögens zu treffen. Dazu gehört auch, wie ein ordentlicher Kaufmann alle möglichen Informationen eingeholt zu haben, die diese Entscheidung unterfüttert. Schaffe ich das nicht, und bei der Kapitalanlage ist dies sehr wahrscheinlich, ist das Selbermachen nicht die erste Option, in meinen Augen jedenfalls. Stiftungen sollten daher den Weg der Delegation gehen, also die Aufgabe der Verwaltung des Stiftungsvermögens an Profis delegieren. Dadurch verändert sich die Rolle der Stiftungsverantwortlichen weg vom aktiven Portfoliomanager hin zum passiven Portfoliokontrolleur, und das passt für mich viel besser in die Zeit als das Herumdoktern mit ein paar Aktien hier und ein paar Anleihen dort. Bevor Stiftungsvorstände das machen, sollten sie lieber eine richtige und zeitgemäße Anlagerichtlinie schreiben, denn passt der Rahmen, ist der Handlungsspielraum dann maximal. Hill: Sie sind ein Freund der Fondsanlage für Stiftungen, betreiben hier die Plattform www.fondsfibel.de. Warum das? Karow: Wenn ich die Verwaltung des Stiftungsvermögen delegiere, dann ist die Fondsanlage bzw. das Zusammenstellen eines Fondsportfolios in meinen Augen aus vielen Punkten heraus vorteilhaft. Stiftungen müssen dem Diversifikationsgebot folgen, das können sie über Fonds wunderbar machen, indem sie in verschiedene Konzepte, Stile und Assetklassen investieren. Stiftungen müssen aber auch dem Stifterwillen folgen, das bedeutet, dass vor allem der Zweck verwirklicht werden muss. Entsprechend suche ich mir Fonds, die eine längere Ausschüttungshistorie haben bzw. bei denen Income im Fokus steht. Da zu Fonds zudem viele Informationen transparent vorhanden sind, ist eine sachgerechte Entscheidung auch gut zu treffen, und das Controlling auf Basis dieser Informationen lässt sich institutionalisieren. Außerdem sind fünf Fondsanteile und fünf Ausschüttungen buchhalterisch einfacher zu fassen als unzählige einzelne Aktien- und Anleihepositionen. Für mich ist die Fondsanlage aus diesen Gründen der für Stiftungen geeignetste Weg, vor allem aber lassen sich die individuellen Ziele der Stiftung mit Fonds für mich viel granularer abbilden. Hier gehört auch Nachhaltigkeit dazu, zu der jede Stiftung eine eigene Meinung hat, das muss ja dann auch im Portfolio abgebildet werden, was mit Fonds gut machbar ist. In der Anlagerichtlinie kann ja stehen, dass die Stiftung nur Artikel-9-Fonds kauft, das wird das Stiftungsportfolio anders aussehen lassen, definitiv. ESG selber zu machen, das halte ich für die allermeisten Stiftungen für nicht machbar. Hill: Wenn Sie nicht gerade virtuelle Tage für Stiftungen organisieren, was treibt Sie dann um? Karow: Als junger Vater ist mir Sport ziemlich wichtig, einfach als Ausgleich, ich fahre sehr gerne Rollski, ist eine schöne Alternative zum Laufen, wenn es schon mit dem richtigen Skilaufen derzeit nicht klappt. Und es wäre wieder mal Zeit für einen Krimi, das Schreiben fehlt, aber andererseits ist Unternehmer sein auch eine schöne Sache, wir bloggen jetzt halt. Und wir basteln gerade an einem stiftungsmarktplatz-Gin, den Namen haben wir schon.Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Quelle: www.finanzplatz-frankfurt-main.de 1. FRANKFURT & STIFTUNGEN (VERANSTALTUNGSHINWEIS – 12.5.2021 – PANEL / INFORMATION – AUSWAHL): Stiftungsvermögen 2030: Eine Diskussion mit Hans-Dieter Meisberger (DZ Privatbank), Thomas Meissner (Stiftung Polytechnische Gesellschaft), Arndt Funken (Aquila Capital) Öko und Grün ist nicht alles… Abschlussimpulse auf der Couch zur zeitgemäßen Verwaltung des Stiftungsvermögens von Harald Brockmann (Missionszentrale der Franziskaner), Immo Gatzweiler (AXA Investment Managers), Markus Hill (fondsboutiquen.de) ZUSATZINFORMATION / ANMELDUNG – VIRTUELLER TAG FÜR DAS STIFTUNGSVERMÖGEN: www.vtfds2021.de 2. FRANKFURT & STIFTUNGEN (INFORMATION – AUSWAHL): a) Frankfurter Stiftungsdatenbank (Zitat): „In Frankfurt am Main sind über 600 Stiftungen mit ihrem Sitz registriert. Stiftungen engagieren sich in unserer Stadt in vielen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen: in Bildung und Ausbildung, in Wissenschaft und Technik, in Kunst und Kultur, in sozialen Fragen bis hin zur Altenhilfe sowie im Natur- und Umweltschutz.“ – ZUSATZINFORMATION: Stiftungsdatenbank | Stadt Frankfurt am Main b) Initiative Frankfurter Stiftungen (Zitat): Die Initiative Frankfurter Stiftung versteht sich als Netzwerk von Menschen, die Verantwortung für die Gestaltung des Stiftungswesens in und um Frankfurt tragen. Sie besteht seit 1993, seit 1997 schließlich als eingetragener Verein. Ihre Mitglieder stehen für die gesamte Bandbreite des Stiftungswesens und repräsentieren junge und alte, große und kleine, gemeinnützige Stiftungen bürgerlichen Rechts sowie Anstaltsträgerstiftungen. Die Mitglieder werden kooptiert. Die Mitgliedschaft ist namentlich.“ – ZUSATZINFORMATION: www.frankfurter-stiftungen.de VIRTUELLER TAG FÜR DAS STIFTUNGSVERMÖGEN (12.05.2021 – www.vtfds2021.de) Ideelle Unterstützer: Mediapartner: Partner: Verwandte Artikel: Family Offices, Fonds­boutiquen und die Schweizer Expertise (Interview – Markus Hill, Thomas Caduff)ESG, Family Offices, Immobilien, Blockchain, AIFM – Liechtenstein, Schweiz & «Win-win-Faktor» (Interview – David Gamper, LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation,

  • Die Themen Family Offices, Hedgefonds (Archegos) und Regulierung werden in Fachkreisen und Medien derzeit intensiv diskutiert. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Daniel Grieger, Plenum Investments AG, über die Bedeutung von Risikomanagement und über die Stärken von Versicherungen gegenüber klassischen Hedgefonds in diesem Zusammenhang. Der Schwerpunkt des Gespräches stellten Themen wie Nachranganleihen im Versicherungsbereich und der spezielle Faktor Knowhow, Investmentprozess und CAT Bonds dar. Punkte wie Portfolio Management-Due Diligence und eine aktuelle Veranstaltung (21. & 22.4.2021) waren ebenso Inhalt dieses Austausches. Hill: Sie beschäftigen sich schon seit Jahren intensiv mit den Themenkreisen CAT Bonds (Insurance-Linked Securities) und Risikomanagement. Aktuell findet in den Medien der Skandal um den US-Hedgefonds Archegos große Aufmerksamkeit. Credit Suisse, Family Offices, Regulierung – die Ursachenforschung läuft. Was können Versicherer eigentlich besser als Hedgefonds? Grieger: Seit zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Schnittmenge zwischen der Welt der Versicherungen und der Welt des Asset Managements. Mein Plenum Insurance Capital Fund, der bald ein Jahr Track Record haben wird, verkörpert in idealerweise was möglich ist, wenn man offen ist für Ideen, Versicherungen Kapital zur Verfügung zu stellen. Versicherungen werden in meinen Augen völlig unterschätzt was ihre Fähigkeit betrifft, Risiken zu analysieren. Dabei sind viele Methoden, Risiken zu analysieren in Versicherungen entstanden und wurden erst später von anderen Branchen, wie beispielsweise von Banken, übernommen. Hier gibt es sogar das Berufsbild des Aktuars (=Versicherungsmathematiker), was zeigt, dass man sich seit sehr langer Zeit mit Risiken beschäftigt.  Der aktuelle Fall des Untergangs eines „Family Offices“ (Archegos), das eher als Hedge Fund operierte, zeigt eindrücklich, was passieren kann, wenn man Risiken nicht im Griff hat. Und wenn ich Banken mit Versicherungen vergleiche gibt es einige Unterschiede, die offensichtlich sind. Versicherungen können häufig auf einen gewaltigen historischen Datenkatalog zurückgreifen. Für Erdbebenmodelle geht man beispielsweise mehrere Hundert Jahre zurück, um die Schadensintensität eines möglichen Erdbebens abzuschätzen. Zudem kommen Versicherungsschäden nicht unmittelbar zur Auszahlung. Anders als beim Untergang eines Hedge Funds sind die Gelder nicht unmittelbar weg. Versicherte Schäden kommen über längere Zeiträume zur Auszahlung. Die Liquidität für einen Schadensfall muss also nicht permanent vorgehalten werden. Bei größeren Schäden hat man auch die Zeit, sich am Kapitalmarkt weitere Mittel zu beschaffen. Dies bedeutet auch, dass ein Bank-Run wie 2007 bei Northern Rock bei Versicherern nicht möglich ist. Daniel Grieger, Partner und Fondsmanager, Plenum Investments AG Hill: Ihre spezielle Expertise stößt aufgrund der Niedrigzinsphase auf verstärktes Interesse, Anlagealternativen werden gesucht. Was ist das Besondere beim Investieren im Bereich CAT Bonds (Insurance-Linked Securities)? Grieger: Bei CAT Bonds nehmen wir die Position eines Rückversicherers ein. Wir decken Katastrophenrisiken – meist Stürme oder Erdbeben in Nordamerika oder Japan. Dies sind geographisch lokale Ereignisse, die in Portfolien diversifiziert werden können. Die Fonds, die wir verwalten, übernehmen diese Risiken und erhalten im Gegenzug die Couponzahlungen der CAT Bonds. Im Ereignisfall kann es einen Teilausfall bis hin zu einem Totalausfall alles geben. In den vergangenen Jahrzehnten haben CAT Bonds bewiesen, dass sie kaum auf Finanzmarktereignisse reagieren. CAT Bonds stellen damit eine wichtige Quelle für alternative Fixed-Income-Renditen. An dieser Stelle ist es mir übrigens wichtig zu betonen, dass ich auch den Bereich der Versicherungsnachränge zu diesem Anlagesegment zähle. Ob CAT Bond oder Nachranganleihe – die Art der Kapitalzuführung erscheint mir weniger relevant, am Schluss kann der Versicherer mehr Geschäft schreiben. Hill: Danke für das Stichwort. Sie haben gerade einen Fonds im Bereich Versicherungsnachränge aufgelegt. Viele Anleger kennen dieses Segment bei Banken. Wie kam es zu der Idee? Wo gibt es Unterschiede in der Betrachtung von Nachrängen bei Banken und Versicherungen?  Grieger: Versicherungsnachränge sind eine höchst attraktive Nische – die anscheinend kaum jemand versteht. Immer mehr Banken trennen sich von ihren Analysten. Ich habe gerade heute gehört, dass bei einer großen Londoner Investmentbank die Analyse der Versicherungen der Bankenanalyst macht. Da darf man von diesem Analysten aber nicht mehr viel Qualität erwarten. Wir können zeigen, dass mit dem MIFID-induzierten Abbau der Analysten – denn niemand zahlt mehr für Research – die Fehlbewertungen am Markt zunehmen. Und diese möchten wir mit dem neuen Plenum European Insurance Bond Fund ebenfalls ausnutzen. Zudem bezahlen Versicherungsnachränge seit Jahren eine Zusatzprämie gegenüber traditionellen Corporate Bonds. Hill: Wie sieht der Investmentprozess bei dem Fonds aus?  Grieger: Wir haben einmal den Schritt der Fundamentalanalyse auf dem Emittenten selbst. Unser Coverage Universe deckt ca. 60 Emittenten ab. Im ersten Schritt wird definiert, welche Emittenten in unserem Portfolio einen Platz finden. Im zweiten Schritt kommt die Prospektanalyse, wo wir die Attraktivität der einzelnen Anleihen und Kapitaltypen miteinander vergleichen. Ein wichtiger Faktor ist hier das Abschätzen des erwarteten Kündigungsdatums der Anleihe. Dies muss individuell erfolgen, da die Anleihen sehr unterschiedlich ausgestaltet sind. Erst ab Basis des erwarteten Kündigungsdatums können wir die erwartete Rendite einer Anleihe definieren und die Attraktivität der einzelnen Anleihen eines Emittenten miteinander vergleichen. Hill: Diese strukturierte Vorgehensweise erscheint sehr arbeitsintensiv. Wer deckt welche Bereiche bei Analyse und Portfoliomanagement in Ihrem Team ab, mit welcher Expertise? Grieger: Das Portfoliomanagement-Team besteht aus drei Mitarbeitern. Jeder hat seinen eigenen Fokus – aber die Koordination untereinander ist extrem eng. Rotger Franz betreibt seit 20 Jahren Kreditanalyse von Versicherungen in Europa, er war zehn Mal in Folge als bester Versicherungsanalyst von Euromoney ausgezeichnet worden. Beim Plenum European Insurance Bond Fund ist er der Lead PM. Ich selbst verwalte seit acht Jahren Portfolien mit Versicherungsnachrängen und fungiere als sein Deputy. Dirk Schmelzer ist der erfahrenste CAT Bond- Portfolio Manager im gesamten Markt – für ihn sind die Versicherungsnachränge noch relativ neu aber er wächst in die Aufgabe hinein.  Hill: Sie sagten oben, dass der Markt für Versicherungsnachränge sehr speziell ist, sehr knowhow-intensiv. Gibt es genügend Anleihen in dem Segment? Grieger: Wenn man das Segment der Nachränge von Financials anschaut, sind natürlich 90 % Anleihen von Banken. Dennoch sind die übrigen 10 % Versicherungsnachränge ein Markt von knapp unter 200 Mrd. Euro. Genügend Auswahl gibt es natürlich und das Segment ist dank der Modernisierung des Solvenzregimes in Europa (Stichwort Solvency II) stark gewachsen.  Hill: Womit beschäftigen Sie sich aktuell?  Grieger: Wir bereiten gerade das Webinar in der kommenden Woche vor. Das Thema sind natürlich Nachranganleihen von Versicherungen. Das Interesse

  • Neben ESG und Niedrigzinsphase stoßen auch Themen wie Value Investing und Rohstoffe wieder auf verstärktes Interesse bei privaten und institutionellen Investoren. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Urs Marti, SIA Funds AG, über die Zusammenhänge von Nachhaltigkeit, Öl, Geopolitik und über die Bedeutung von Kernenergie im Zusammenhang mit der Thematik Klimawandel. Abgerundet werden die Betrachtungen durch einen interessanten Literaturhinweis zum Thema Rohstoffe – Stichworte: „Bibel“, General Patton, Jackpot & Dividenden. Hill: Value Investing und Rohstoffe scheinen ein gewisses Revival zu erleben. Wie sehen Sie das? Marti: Tatsächlich deutet vieles auf eine Trendwende hin. Wenn man die Grafik betrachtet ist der Weg noch weit. Bei SIA haben wir seit geraumer Zeit auf die kommenden Knappheiten aufgrund der riesigen Fehlallokationen von Kapital und der sich daraus ergebenden Unterinvestitionen hingewiesen. Robert Friedland hat die begonnene Dekade treffend als “The decade of the revenge of the miners” beschrieben (siehe Grafik: „Ratio Growth / Value“ Quelle: SIA Funds AG). Hill: Die Themen Rohstoffe und Versorgungssicherheit werden in der Presse interessiert verfolgt. Hatte der kürzlich stattgefundene Vorfall im Suezkanal zusätzliche Auswirkungen auf die schon bereits vorher angespannten Lieferketten? Marti: Es mag etwas paradox klingen, aber Covid hat wohl Parallelen zur Besetzung des Rheinlandes 1919. Als Vergeltung blieben die Arbeiter zu Hause. Dies führte zu tieferer Produktion, Knappheiten, steigenden Preisen und die Inflationsspirale kam in Gang. Im Rohstoffbereich gibt es immer Produktionsausfälle, aus verschiedensten Gründen. Im Schnitt fallen ca. 5 % der Produktionskapazitäten aus. Wenn der Markt genügend versorgt ist, die Lager gefüllt sind, hat dies kaum nachhaltige Auswirkungen. Bei tiefen Lagern und angespannter Versorgung führt es jedoch zu deutlicher Preisvolatilität. Beunruhigend an der aktuellen Situation ist, dass es praktisch alle Teile der Wertschöpfungskette betrifft: Rohstoffe, Elektrizität, Transport, Container, Equipment etc. Man hat, die ganze Wertschöpfungskette betrachtet, einfach nicht mehr genügend investiert (Beispiele: Minen, Ölfelder, Stromversorgung, Werften etc.). Auch Chips benötigt man nicht nur in iPhones sondern auch in Schiffen, Mähdreschern usw. Schauen Sie sich mal die Studienrichtungen an, welche angeboten werden: Wer lässt sich zum Geologen, Bergbau- /Petroleumingenieur ausbilden? Dazu kommt die Politik. Man stimuliert die Nachfrage durch Gelddrucken, verteuert jedoch die Angebotsseite durch unzählige Maßnahmen, Steuern, Beschränkungen, Regulationen oder Abgaben. Urs Marti, SIA Funds AG Hill: Wie sehen Sie den Zusammenhang der Themen Rohstoffe, China, Indien und den Bereich Konsum? Marti: Die Politik von China vollzieht ein Paradigmenwechsel. Man will tiefere Handelsbilanzüberschüsse, mehr Binnenkonsum und einen höheren Lebensstandard für die Bevölkerung. Das Outsourcing rächt sich. Es wird viele Veränderungen geben, auch bezüglich Währungen. Salopp gesagt hat der sogenannte Westen weniger an Rohstoffen zur Verfügung, wenn China selbst mehr konsumieren will. Der Pro Kopf-Konsum von China beträgt derzeit ein Drittel im Vergleich zu jenem im Westens. Die Küste in China ist weit entwickelt, der Rest des Landes jedoch noch nicht. Das Vorantreiben dieser Entwicklung ist ja auch eine der Hauptprioritäten von Peking. Aber es geht nicht nur um China. Indien hat bald mehr Einwohner als China. Der Lebensstandard und der Pro Kopf-Konsum dieser Länder – Rohstoffe und Güter – beträgt nur ein Bruchteil des Konsums im Westen. Unter den zehn größten Ländern ist der einzige Vertreter des sogenannten Westens die USA. Danach kommen Indonesien, Pakistan, Brasilien, Nigeria, Bangladesch, Russland und Mexiko. Hill: ESG, Klimawandel und Rohstoffe werden oft in einem Atemzug diskutiert. Welchen Zusammenhang sehen Sie in diesem Bereich, was fällt Ihnen besonders auf? Welche Rolle spielt Öl in diesem Zusammenhang? Marti: Das menschliche Leben beruht auf der Nutzung der Ressourcen welche auf dem Planeten existieren. Die Basis von allem kommt aus dem Bergbau, der Landwirtschaft, der Jagd, der Fischerei etc. Man kann auch die Produktion von Agrargütern stoppen, dann „sinkt“ brutal ausgedrückt auch die Bevölkerung (Anzahl), ohne Unterstützung reduziert sich dann im Verhältnis von 1:1 auch der CO2-Ausstoß. Die heutige Arbeitsteilung und Produktivität sind nur dank der Industrialisierung möglich. Ohne Karbon wären wir wohl auf dem Niveau von 1860. Die Produktivität der Landwirtschaft wäre wohl ein Zehntel. 80 % der Elektrizität weltweit wird durch Dampferzeugung generiert (90 % fossil, 10 % Kernspaltung, der Rest faktisch durch Wasserkraft). Preiswerter Transport in großen Kapazitäten ermöglicht nur Erdöl. Ebenso bestehen alle Produkte, welche nicht natürlich gewachsen oder aus Metall sind, aus Karbon. Wie man nun produziert ist eine andere Frage, genauso wie in jeder anderen Industrie auch. In meiner Kindheit konnte man Fotos in Basel mit Rheinwasser entwickeln (zumindest hat man dies erzählt). Genauso wie ein VW nicht mehr gleich aussieht wie in den Siebzigern, so verhält es sich auch im Bergbau. Es ist wohl die am stärksten regulierte Industrie der Welt. Es ist ja nicht so, dass man einfach mal in Fort McMurray beginnen kann Ölsand abzubauen. Es gibt die strengsten Umweltauflagen der Welt, man gibt Milliarden aus, es wird renaturiert etc. Viele der Firmen haben übrigens auch sehr gute ESG-Ratings. Zum Beispiel sind die größten Ölproduzenten der Welt ebenso die größten Firmen im CO2 Capturing/Storage. Und nur weil sich viele Länder der Welt nicht mehr vom Westen bevormunden lassen, heißt dies nicht, dass es dort schlechter sein muss. Weshalb sollte eine westliche NGO, eine Investmentbank oder Consultant etwas im Hoheitsgebiet von China, Brasilien oder Russland zu bestimmen haben? Natürlich ist es so, dass es immer Unfälle, schwarze Schafe gibt. In der Schweiz wurde ein Strafverfahren gegen eine Transportfirma eröffnet, welche hunderte Tonnen belastendes Material illegal entsorgt haben soll. Dies soll zum Fischsterben im Blausee geführt haben. Es ist halt einfacher mit dem Finger auf andere Länder und andere Kontinente zu zeigen. Hill: Bei den Themen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz hat man den Eindruck, dass der ursprünglich „verfemte“ Bereich Kernernergie wieder in die Diskussion eingeführt wird, man kann fast von einer Enttabuisierung sprechen. Wie beurteilen Sie den Bereich der Nuklearenergie und deren Rolle bei der Energieversorgung? Marti: Jeder, der sich nur fünf Minuten mit dem Thema beschäftigt weiß, dass man auf verlässliche, stabile Grundlast angewiesen ist. Die einzige Form Strom zu speichern (im großen Stil) sind Pumpspeicherwerke, für welche es Berge und Talsperren braucht. Oder ein Lager an Kohle oder ein Gaskraftwerk, welches schnell hochgefahren werden kann falls es nicht „windet“ (hier braucht ja Deutschland Pipelines zum

  • „Wissen spricht, aber Weisheit hört zu.“ (Jimi Hendrix) Vor einigen Jahren durfte ich die Wälder Norwegens mit Kollegen in einer Art “Survival”-Modus erleben – inkl. Lagerfeuer Romantik, dem gemeinsamen Bauen von Fluss-Brücken, dem Aufschlagen eines Nachtlagers ohne Zelt, sowie unbegleiteten Märschen in einsamer Wildnis. So konnte ich als ehemaliger Zivildienstleistender mit Anfang 30 doch noch einmal lernen, wie ein Kompass zu lesen ist. Spannend waren auch Seminare von überforderten Trainern, welche die Psychodynamik ihrer Gruppe unterschätzt haben und nicht verhindern konnten, dass Teilnehmer weinend das Seminar verließen, da sogenannte “Kollegen” weiter ungeniert ihre Mobbing-Pfeile abgeschossen haben. Viele von Ihnen haben sicher im Laufe ihrer Laufbahn ähnlich, sogenannte “Team-Building” Seminare erlebt. Oft ist es das Ziel, das “Wir”-Gefühl zu stärken und für mehr Vertrauen untereinander zu sorgen. Hier sind die unterschiedlichsten Ansätze von “hart” bis “herzlich” wiederzufinden. All die Wünsche und Absichten seitens der Führungskräfte haben ihre Berechtigung. Wie viel davon tatsächlich in den beruflichen Alltag transportiert wird, muss jeder für sich selber beurteilen. Ist ein “Team” innerhalb einer Firma oder Abteilung gut aufgestellt, zeigt sich dies in entsprechenden Resultaten und geringer Fluktuation. Holger Leppin, Senior Relationship Manager bei Plenum Investments AG Team, Jazz und die Kunst des Zuhörens Meine persönlich stärkste Prägung im “Team-Playing” habe ich jedoch in einem ganz anderen Kontext erlebt. Und zwar in meiner Zeit als Jazz-Musiker, speziell während meiner Jahre als Student. Viele Eigenschaften von Jazz-Musikern sind aus meiner Sicht sehr gut in den “normalen” Berufsalltag zu übertragen. Was ist damit gemeint und was ist dafür erforderlich? Jazz-Musiker zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie innerhalb kürzester Zeit “Teams” bilden können. Ein Beispiel dafür sind sog. Jam-Sessions, also ein spontanes Zusammentreffen von Musikern, die sich vorher nicht kennen – fast so eine Art “Blinde Date”.   Was muss ein Musiker dazu mitbringen? Zunächst eine recht gute Kenntnis des eigenen Instrumentes und der jeweiligen Form. Ein bekanntes Beispiel ist die Form des Blues. Das Team-Building beginnt in einer Jam-Session meistens mit der Phase einer sehr kurzen “Vorbesprechung”, also der kurzen Abstimmung welche Form die vielleicht 3-4 MusikerInnen (z.B. Drums, Klavier, Bass, Saxophon) spielen wollen. Einigt man sich z.B. auf einen Blues, wird kurz die Tonart bestimmt, also einen Blues in F oder C zu spielen. In dieser Formation kann das Saxophon eine bekannte Blues-Melodie spielen. Die Kommunikation von 4 Musikern, die sich das erste Mal spontan auf einer Session treffen, könnte ungefähr so ablaufen: Saxophon: “Okay, spielen wir einen Blues? Tonart in Bb? Bass: “Passt für mich. Soll ich einen Durchlauf mit Drums in Mid-Tempo spielen und Du steigst dann mit dem Piano ein? Saxophon: “Alles klar” Piano: Streckt den Daumen hoch Hier ist schon einmal offene Kommunikation erforderlich. Man geht in dieser Phase gemeinsam an den Start und fängt an zu spielen. Und in diesen ersten “Runden” (12 Takt Blues-Schema) hört man aufeinander, merkt, was die “Kollegen” können, welche Fähigkeiten oder auch Limiten sie haben etc. Sie ahnen es wahrscheinlich schon: Das Zuhören ist dabei einer der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Jazz-Musiker besitzen sollte. Nur damit kann er sich auf die Situation adäquat einstellen, sich inspirieren lassen oder durch Blicke den anderen spontanes Feedback geben und sie anspornen um zum Beispiel noch ein weiteres Solo zu spielen. Kurzum: Sehr oft geht man von vornherein sehr wohlwollend miteinander um. Es kommt in der Regel auch jeder einmal zum Zug, kann und soll auch mal ein Solo spielen dürfen. Man nimmt sich gegenseitig mit. Keiner bleibt außen vor. Asset Management – Toleranz, Team & „Leadership“ In einer festen Formation, was dem Team innerhalb einer Firma näherkommt, ist dieses “Wir”-Gefühl natürlich noch viel ausgeprägter als bei einer spontanen Jam-Session. Regelmäßige Proben und Auftritte stärken die Bande untereinander, man kann Arrangements detaillierter besprechen und im Prozess des Probens Feedback aller Mitmusiker aufnehmen und neue Ideen einfließen lassen. Auch Jazz-Formationen haben oft einen “Leader”, allerdings ist er kein “Chef” im klassischen Sinn, sondern eher ein “primus inter pares”. Dieser Mindset von Jazz-Musikern führt eben auch dazu, dass sie in der Lage sind, sich kurzfristig auf neue Situationen und Mitmusiker, also “Teams”, einzustellen. Dieses hohe Toleranz-Level führt auch dazu, dass es für Jazz-Musiker selbstverständlich ist, seine Ideen ohne Zurückhaltung einzubringen, da der “Mindset” von Jazzmusiker von sich aus offen ist. Eine Tugend, die auch für den normalen Berufsalltag sehr viele Vorteile mit sich bringt. Für sich selbst, seine Kolleginnen und Kollegen und sein allgemeines Wohlbefinden. Beispiele – „Einstimmung & Flow“ Zum Schluss dazu eine Video-Empfehlung einer Jazz-Formation, in welcher der “Jazz Code” gut wiedergegeben wird: www.youtube.com: „The JazzCode documentary — how jazz musicians work“(HINWEIS: „Titel kopieren, bei YouTube einsetzen“). Interessant ist in diesem Zusammenhang ergänzend ein Live-Beispiel einer Jam-Session mit Wynton Marsalis, einem der größten Jazz-Trompeter und Jazz-Botschafter (Jazz at Lincoln Center). Achten Sie auf die Formation und unterschiedlichen Jahrgänge angefangen vom Bassisten über den Gitarristen: www.youtube.com: „Cherokee… Jam session at BOZAR Victor Cafe in Brussels, Belgium“(HINWEIS: „Titel kopieren, bei YouTube einsetzen“). Holger Leppin (Plenum Investments AG) hat Musikwissenschaft und Psychologie an der Universität Hamburg studiert. Er war in dieser Zeit u.a. Mitglied im Landesjugendjazz Orchesters Hamburg und der Universität Bigband Hamburg sowie viele Jahre in festen Jazz-Formationen aktiv. PLENUM INVESTMENTS AG: https://www.plenum.ch/ Verwandte Beiträge: Auslaufmodelle oder Champions League & Salz in der Suppe? (Holger Leppin, Plenum Investments AG)ESG, Klimawandel, SDGs – CAT Bonds, Ratings & Vulkane (Interview – Roland Kölsch, Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen)ESG, Cat Bonds, Branche & Kooperation, „Tail-Risks“ und Asset Management (Interview – Nico Rischmann, Plenum Investments AG)CAT Bonds, Klimawandel, Risikomanagement & „Palmen aus Stahl“ (Interview – Daniel Grieger, Plenum Investments AG)

  • Nachhaltige Geldanlagen, ESG-Kriterien, Klimawandel und Ratings – bei vielen privaten und institutionellen Investoren stehen diese Themen im Fokus. Markus Hill sprach mit Roland Kölsch, Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG), über diesen Themenkreis und über die speziellen Besonderheiten und Herausforderungen beim Ratingprozess von CAT Bonds (Insurance-Linked Securities). In dem Gespräch werden die Besonderheiten der Asset-Klasse Katastrophenanleihen, der Zusammenhang zu Themen wie Nachhaltigkeitskriterien (SDGs), „Impact Investing“ und auch die Vorteile und Nachteile dieses speziellen Marktsegments thematisiert. Die vor kurzem stattgefundene Emission von CAT Bonds („Rotes Kreuz & Vulkane“) und die aktuelle Suche von Investoren nach alternativen Anlagemöglichkeiten in der Niedrigzinsphase unterstreicht die Aktualität des Themas. Hill: Herr Kölsch, Sie verantworten nun schon bereits im fünften Jahr den Qualitätsstandard Nachhaltiger Geldanlagen, das FNG-Siegel. Erläutern Sie doch mal, was es damit auf sich hat? Kölsch: Aus der Motivation heraus, den wachsenden Wildwuchs an Nachhaltigen Geldanlagen in gewisse Bahnen zu lenken, haben sich 2012 verschiedene Stakeholder zusammengefunden, um in einer dreijährigen Entwicklungsarbeit Kriterien zur Einordnung der Qualität Nachhaltiger Finanzprodukte zu erarbeiten. Unter Mitwirkung von Finanzberatern, Asset Ownern, Ratingagenturen, Wissenschaft, Kirche, Asset Managern und NGOs wurde das Gütezeichen 2015 auf den Markt gebracht.Herausgekommen ist eine vielschichtige Methodik, die versucht, die unterschiedlichen Bausteine, die bei den verschiedenen Anlage-Wegen zu (mehr) Nachhaltigkeit zur Anwendung kommen, zu bewerten und in einem mehrstufigen Label auszudrücken. Die ganzheitliche Methodik basiert auf einem Mindeststandard. Dazu zählen Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- & Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung wie sie im weltweit anerkannten UN Global Compact zusammengefasst sind. Auch müssen alle Unternehmen des jeweiligen Fonds komplett auf Nachhaltigkeits-Kriterien hin analysiert werden. Tabu sind Investitionen in Atomkraft, Kohlebergbau, bedeutsame Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung. Hochwertige Nachhaltigkeits-Fonds, die sich in den Bereichen „institutionelle Glaubwürdigkeit“, „Produktstandards“ und „Portfolio-Fokus“ (Titelauswahl, Engagement und KPIs) besonders hervorheben, erhalten bis zu drei Sterne. Roland Kölsch, Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen(QNG) Dabei geht das FNG-Siegel weit über die reine Portfoliobetrachtung hinaus und beinhaltet quantitative und qualitative Elemente. Mit über 80 Fragen wird z.B. der Nachhaltigkeits-Anlagestil, der damit einhergehende Investmentprozess, die dazugehörigen ESG-Research-Kapazitäten und ein evtl. begleitender Engagement-Prozess analysiert und bewertet. Darüber hinaus spielen Elemente wie Reporting, Kontroversenmonitoring, ein externer Nachhaltigkeitsbeirat und die Fondsgesellschaft als solche eine wichtige Rolle.Je vielschichtiger und intensiver ein Fonds auf den verschiedenen Ebenen aktiv, umso höher ist seine Nachhaltigkeits-Qualität und das Potential, letztendlich indirekten und direkten Impact zu erzielen. Hill: Nun klingt das so, als ob hierbei nur die üblichen Aktien-, Renten- oder Mischfonds bewertet werden. Kölsch: Da die Mehrheit des Produktangebots auf dem Markt aus diesen Assetklassen stammt, bewerben sich auch überwiegend Finanzprodukte, die aus diesen klassischen Anlageformen kommen. Allerdings findet man unter den von uns ausgezeichneten Investmentfonds immer mehr nicht ganz so gewöhnliche Anlagekonzepte wie z.B. Wandelanleihen, High Yield, Emerging Markets, Wertsicherungs- und Nachrangkonzepte. Mikrofinanz steht aktuell vor der Tür und bei Immobilien wird gerade die Transparenz-Grundlage geschaffen. Exotisch wurde es 2018 als wir nach über einem Jahr Vorarbeit den ersten Cat Bonds Fonds auf seine Nachhaltigkeits-Qualität prüften. Hill: Wieso exotisch? Kölsch: Was sich sehr einfach anhört ist alles andere als trivial. Denn bei einem Cat Bond geht es zwar letztlich um eine Anleihe, diese ist aber wiederum in eine mehrgliedrige Struktur unterteilt. Ein Cat Bond ist ein Konstrukt mit verschiedenen Komponenten und Akteuren.Nicht die Versicherungsgesellschaft emittiert die Cat Bonds, sondern eine eigens dafür gegründete Zweckgesellschaft, die zwischen dem Investor und der Versicherung steht. Anders als bei ABS hat diese den Zweck, mit der Versicherung als sog. Sponsor/Zedenten einen Rückversicherungsvertrag abzuschließen. Die potenziellen Verpflichtungen, die aus diesem Vertrag entstehen, werden durch die Emission einer Anleihe finanziert, in die die Anleger:in dann investiert.Eine weitere Komponente ist die Versicherungsprämie. Sie wird bei der Emission fest ausgehandelt und muss die über den Rückversicherungsvertrag eingegangenen Risiken adäquat entschädigen. Die Prämie wird vom Sponsor, also vom Versicherer, bezahlt und dann zusammen mit der Geldmarktkomponente in Form eines Coupons der Anleger:in ausgezahlt. Zusammenfassend erhält die Anleger:in einen variablen Teil aus der Geldmarktkomponente und eine fixe Entschädigung für das Versicherungsrisiko. Hill: Was macht denn solch eine exotische Assetklasse wie Cat Bonds grundsätzlich so attraktiv? Kölsch: Cat-Bonds sind Anleihen, über die Versicherungsschäden aus seltenen Naturkatastrophen gedeckt werden. Katastrophenanleihen beziehen sich in der Regel auf Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdbeben und Pandemien und eignen sich deshalb gut zur Diversifikation größerer Portfolios, da Naturkatastrophen nichts mit der Börse zu tun haben und verschiedene Katastrophen untereinander wiederum kaum miteinander korreliert sind. Der Wert eines Cat Bonds schwankt kaum, solange das definierte Schadenereignis nicht eintritt, denn das Geld wird in sicheren, kurz laufenden Anleihen geparkt. Gegenpartei- und Zinsrisiko sind gering, es wird ein fixer Zins über Geldmarktniveau gezahlt. Die Anleihen werden zum Nominalwert emittiert und am Ende der Laufzeit zu 100% zurückbezahlt. In einem vorab zu definierenden Fall des Eintritts einer „Katastrophe“, sog. Trigger-Events (meist während eines festgelegten Zeitraums von drei bis fünf Jahren) wird die gesamte Höhe bzw. zumindest ein Teil des eingezahlten Kapitals an den Emittenten der Anleihe transferiert. Das Risiko besteht also darin, dass Anleger:innen, wenn es zu solchen Katastrophen kommt, Geld verlieren. Die Verlust-Wahrscheinlichkeit wird mit höheren Zinsen kompensiert. Gerade in Zeiten von Null- und sogar Minuszinsen bieten Cat Bonds also einen nicht uninteressanten Yield-Pickup und ermöglichen (qualifizierten) Investoren eine Verbesserung ihres Rendite-Risiko-Profils.Mit der Verbriefung von Katastrophenrisiken auf dem Finanzmarkt wird eine zusätzliche Versicherungsmöglichkeit geschaffen, die es oft überhaupt erst ermöglicht, dass (Spitzen)Risiken versichert werden können, die ansonsten kein einzelner Versicherer aufs Buch nehmen würde.So hat kürzlich das dänische Rote Kreuz einen Cat Bond platziert, der Vulkanismusrisiken in Entwicklungsländern deckt und zur Finanzierung von Hilfsmaßnahmen gedacht ist.Es geht also bei Eintritt einer (Natur)Katastrophe immer um konkrete Mittelverwendung, sog. „use of proceeds“. Hill: Das wäre doch völlig im Sinne der SDGs der Weltgemeinschaft. Kölsch: Die 17 Nachhaltigkeitsziele mit ihren 169 Unterzielen stellen ein gut verständliches Rahmenwerk zusammengefasster Herausforderungen der Weltgemeinschaft dar, für die es bis 2030 Lösungen erfordert. Auch vom Kapitalmarkt. In der EU wird hochaktuell der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums umgesetzt, die sog. Sustainable Finance Regulatorik.Nun haben die Macher der Gesetze in Brüssel allerdings den ILS-Markt in ihren Überlegungen nicht berücksichtigt, sprich Cat Bonds sind „out of scope“ der Regulatorik. Hier besteht

  • Caduff: Herr Hill, Sie sind ein erstklassiger Kenner der Family-Office-Land­schaft in Deutsch­land. Nicht umsonst nennt man Sie auch «Mr. Family Office». Kommen Sie geschäft­lich gut durch die Krise? Hill: Family Offices, ähnlich wie der klassische Mittel­stand und Fonds­boutiquen, sind bekanntlich «Lang­frist­denker». Viele der Dienst­leister in diesem Segment sind mir ja bekannt. Feed­back bei mir und auch von diversen anderen Dienst­leistern: Die Dinge laufen weiter, manch­mal mit etwas weniger Tempo. Inte­ressant ist jedoch, dass es auch wieder neue Anbieter mit inte­ressanten Services gibt, zum Beispiel Peter Brock und Christian Stadermann (BEEWYZER) – ich bin aufgrund von gemein­samen Panel­diskus­sionen hier vielleicht etwas selektiv und befangen, das gebe ich zu. Kurzum, im Gegen­teil: Die Dinge haben sich trotz «Krise» viel besser ent­wic­kelt, als ich es erwartet hätte. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass man schon lange Zeit vorher digital gesehen sehr gut aufge­stellt war. Caduff: Sie sind ja überaus aktiv auf LinkedIn mit immer viel Resonanz. Warum interessiert das Thema «Family Office» so viele Leute? Hill: Man sollte LinkedIn nicht über­schätzen, aber auch nicht unter­schätzen – XING scheint hier etwas in die Defen­sive geraten zu sein. Ich betrachte Social Media primär als Kanal, um mit einer grossen Anzahl von Markt­teil­nehmern über lange Zeit im lockeren Kontakt zu bleiben oder nutze es aktiver (MH-Trans­parenz), wenn ich sozu­sagen bestimmte Themen einmal visibler machen möchte. Ich selber freue mich, wenn Leute mich auf Dinge aufmerksam machen. Der Reiz besteht für mich im Austausch der Gedanken, in inte­res­santen Einla­dungen oder auch einfach im Input zu Themen wie Finanzen und auch Kultur. Family Offices und Inte­resse – man kann da vielleicht verschie­dene Gruppen im Markt unter­scheiden. Presse, Inves­to­ren, Anbieter, Unter­nehmer etc. Ich selber arbeite seit 2005 auf eigene Rech­nung, kenne aber auch das Anstellungs­ver­hältnis aus Bank- und Asset- Manager-Zeit. Ich bewun­dere Hidden Champions, Leute die Dinge tun, die sie lieben und in denen sie im Laufe der Zeit immer besser werden. Man findet diese Persön­lich­keiten im Unter­nehmer­bereich, viele dieser Unter­nehmer findet man auch wieder in der Rolle des Principals bei bestimmten Single Family Offices. Der Austausch auf der Produkt­ebene mit diesen Adressen macht Spass, ab und an ergeben sich auch inte­res­sante Vernet­zungen mit Anbietern, die man gerne weiter­empfiehlt oder weiter­empfohlen bekommt. Und da ist dann halt die andere Gruppe im Markt, die vielleicht hier weniger inhalt­lich moti­viert ist, um in Kontakt mit dem jewei­ligen Family Office zu treten. Primar wird hier das Family Office als «Beute» gesehen, die es zu erlegen gilt. Bitte entschul­digen Sie meine bild­hafte Sprache, präziser ausge­drückt: Das Gegen­über wird hier vom Produkt­anbieter einfach nur in seiner Funktion als Einkäufer betrachtet. Das ist nichts Verwerf­liches, nur wird es halt zum Problem, wenn dem Family Office eines von den vorwiegend austausch­baren Produkten (Beispiel: Fonds) «aufge­drängt» werden soll. Dieses rein funktio­nale Inte­resse ist wahr­scheinlich ein sehr, sehr starker Treiber in diesem Markt. Man nennt es aber wohl auch nur einfach das legitime Verfolgen von Geschäfts­inte­ressen. Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant Caduff: Wenn man die Fach­presse liest, bekommt man den Eindruck, es würden solche Offices wie Pilze aus dem Boden schiessen und beste­hende immer grösser werden. Teilen Sie diesen Eindruck? Hill: Ich gebe zu, dass der Begriff nach wie vor unscharf ist. Natürlich wird er aus Ver­triebs­inte­resse oft von Banken oder Vermö­gens­ver­waltern als Marketing-Label genutzt, diese Entwick­lung ist sozu­sagen im System «Freie Markt­wirt­schaft & Wett­bewerb» schon vorge­zeichnet. Namen sind nach bestimmter Zeit Schall und Rauch, die Leistung zählt dann, empfinde ich das nicht als zu bekla­gens­wert. Mein Gefühl ist sogar, dass das vielen «richtigen» Family Offices relativ egal ist, da diese sich in der Regel mit viel wesent­licheren Dingen beschäf­tigen als mit Themen wie Branding und Positio­nierung – gerade im Single-Family-Office-Segment. Um ein praktisches Beispiel zu nennen: Ich hatte einmal die Gele­genheit, mich fachlich kurz mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und mit dessen Sohn Till Grönemeyer (Grönemeyer Health GmbH) auszu­tauschen. Beide besitzen eine tiefe Exper­tise in Sachen Health­care. Im letzten Jahr wurde von der Familie, in Kombi­nation mit externen Dienst­leistern (Christian Exner & Team), auch ein liquider Publi­kums­fonds zu diesem Thema aufge­legt. Bei dem Gedan­ken­austausch ging mir spontan durch den Kopf, dass diese fami­liäre Konstel­lation mit dieser starken fach­lichen Ausrich­tung in Kombi­nation mit der Inves­toren­eigen­schaft meiner Ansicht nach eher einer Single-Family-Office-Struktur nahe­kommt, im Vergleich zur Struktur von diversen anderen Single Family Offices. Konkretes Gegen­beispiel in einem anderen Markt­segment, Thema Immo­bilien­ent­wickler: Im Extrem­fall hat man hier das Gefühl, dass sich einige dieser Adressen noch gerne die Bezeichnung Single Family Office zulegen oder gerne zulegen würde – fairer­weise ist dies nur auf die Adressen zutreffend, die sich vielleicht eher in der Rolle des «Vermarkters» sehen. Manch­mal sind nach aussen diese Strukturen nicht auf den ersten Blick erkennbar für Dritte: Spreche ich mit einem Family Office oder mit dem Immo­bilien­ent­wickler, der sich mit der Repu­tation seines «Kern-Seeders» schmückt. Auch das ist nichts Besorg­niser­regendes, fördert aber nicht unbedingt die Transparenz im Markt. Caduff: Das können Sie uns sicher sagen: in welcher deutschen Stadt gibt es die meisten und grössten Family Offices? Hill: Ich weiss, dass ich (fast) nichts weiss. Ernsthaft gesprochen: Natürlich weiss ich das nicht, dazu sind die Grenzen entweder oft zu ver­schwommen zwischen Single Family Office, Multi Family Office und reinen Vermö­gens­ver­waltern. Und ich wäre vorsichtig, wenn jemand behaupten würde, dass er hier transparent über alles – Adressen, Investments, Invest­menthöhe und AuM (Assets under Mana­gement) als Infor­mation verfügen würde. Ich lasse mich aber gerne von sach­kundigen Dritten des Gegen­teils über­zeugen. Caduff: Ist die Feststellung richtig, dass dieses Geschäft doch sehr stark örtlich verwurzelt ist? Hill: Grundsätzlich, vom lokalen Mittel­stand aus­gehend, würde ich der Aussage zustimmen. Ander­seits ist es aber so, dass auch viele dieser Adressen wiederum geschäft­lich auch ausser­halb Deutsch­lands erfolg­reich agieren oder zum Beispiel in Sachen Asset Protection einen Anreiz haben, die Fühler stärker inter­national auszu­strecken. Corona, Immo­bilien­markt, Inflation, EZB-Politik – alles Gründe, die Leute in kreativer Bewegung halten, nicht nur im Family-Office-Bereich. Man muss halt Kern­geschäft und den Bereich Asset Mana­gement gesondert betrachten, kenn es deshalb weniger eindeutig beant­worten. Caduff: Sie publizieren auch häufig über Themen wie Family Offices, Fonds­boutiquen und Fonds­selektion. Auch in


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