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ndien, Deutschland und Europa rücken wirtschaftlich, technologisch und kulturell zunehmend näher zusammen. Frankfurt am Main spielt dabei als internationaler Finanzplatz, Verkehrsdrehscheibe und Standort einer großen indischen Community eine besondere Rolle. Auch in diesem Jahr findet der India-Europe Business Day wieder statt. Am 13.6.2026 ergibt sich die Gelegenheit zum Gedankenaustausch in der Mainmetropole. Im Gespräch mit Markus Hill erläutert Ajit Ranade, INDIA EUROPE BUSINESS DESK, warum er sich seit Jahren für die Verbindung zwischen Indien und Deutschland engagiert, welche Branchen in Zukunft besonders interessant werden und weshalb Frankfurt für viele indische Unternehmer, Fachkräfte und Studierende ein natürliches Sprungbrett nach Deutschland ist. Hill: Warum engagieren Sie sich sehr intensiv für die Kooperation von Indien und Deutschland? Ranade: Persönlich bin ich davon überzeugt, dass Indien und Deutschland natürliche Partner und Freunde sind. Beide Länder teilen viele Werte, ergänzen sich in ihren Stärken und haben über viele Jahre hinweg voneinander gelernt. Ich lebe seit mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland und Europa und war in dieser Zeit in verschiedenen sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Initiativen aktiv. Zudem habe ich zahlreiche Veranstaltungen organisiert und mich in der Vergangenheit auch in der Frankfurter Stadtpolitik engagiert. Durch all diese sämtlichen Erfahrungen habe ich immer wieder wahrgenommen, dass Indien und Deutschland eine starke, positive Beziehung verbindet – geprägt von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Interesse aneinander. Auch aus wirtschaftlicher Sicht sind die Chancen enorm. Die Zahl indischer Fachkräfte und Studierender in Deutschland wächst kontinuierlich. Gleichzeitig haben beide Länder einander viel zu bieten – bei Handel, Investitionen, Innovation und beim Austausch zwischen Menschen, Unternehmen und Institutionen. Genau aus dieser Überzeugung heraus unterstütze ich Plattformen wie den India-Europe Business Day. Ziel ist es, Unternehmen, Fachleute, politische Entscheider und Vertreter der Community zusammenzubringen und Verbindungen zu schaffen, aus denen langfristige Kooperationen entstehen können. Auch persönlich gibt es für mich eine besondere Verbindung: Ich komme aus Pune, einer Stadt, die oft als „deutsche Hauptstadt Indiens“ bezeichnet wird. Pune pflegt seit langer Zeit enge Beziehungen zu Deutschland. Der Deutschunterricht begann dort bereits vor mehr als hundert Jahren, und heute sind in der Region zahlreiche deutsche und europäische Unternehmen vertreten. Während meiner beruflichen Laufbahn in Pune, insbesondere zwischen 2005 und 2012, konnte ich aus nächster Nähe beobachten, wie deutsche Global Capability Centers und deutsche Investitionen in Indien gewachsen sind. Diese Erfahrungen haben meine Wertschätzung für die indisch-deutsche Partnerschaft stark geprägt. Sie motivieren mich bis heute, meinen kleinen Beitrag dazu zu leisten, diese Beziehung durch wirtschaftliches, kulturelles und gesellschaftliches Engagement weiter zu stärken. Ajit Ranade, India Europe Business Desk, Frankfurt & Markus Hill, Finanzplatz Frankfurt am Main Hill: Auf welchen Feldern sehen Sie in den nächsten Jahren das größte Potenzial für die Zusammenarbeit von Indien und Deutschland? Ranade: Die klassischen Sektoren wie Automobilindustrie, Automobilzulieferer, Pharma, Life Sciences, Maschinenbau, Engineering und industrielle Ausrüstung bilden seit vielen Jahren das Rückgrat der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland. In diesen Bereichen gibt es bereits ein starkes Fundament, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Gleichzeitig sehe ich auch dort weiterhin erhebliches Potenzial für Wachstum, Vertiefung und neue Formen der Zusammenarbeit. Ein besonders interessantes Feld ist aus meiner Sicht der Verteidigungssektor. Indien und Deutschland haben in den vergangenen Jahren begonnen, in diesem Bereich enger zusammenzuarbeiten. Wir sehen bereits wichtige Vereinbarungen und strategische Partnerschaften zwischen Unternehmen und Institutionen beider Länder. Dieser Bereich kann in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen. Ein weiteres Feld mit großem Potenzial sind Textilien und Leder. Indien ist weltweit für Qualität, Skalierung und Leistungsfähigkeit seiner Textilindustrie bekannt. Länder wie Deutschland und Italien verfügen wiederum über hochentwickelte Fertigungstechnologien. Gerade technische Textilien bieten daher große Chancen: Hier können indische Produktionskompetenz und europäische Technologie- und Innovationsstärke sehr sinnvoll zusammenkommen. Auch die Lederindustrie bietet Möglichkeiten für Wissenstransfer, technologische Modernisierung und verbesserten Marktzugang auf beiden Seiten. Darüber hinaus sehe ich sehr große Chancen bei Start-ups und innovationsgetriebenen Unternehmen. Deutsche und indische Start-ups können viel voneinander lernen. Deutschland steht für Ingenieurskunst, Forschung, Präzision und industrielle Qualität. Indien bringt enorme Stärken bei Skalierung, digitaler Innovation und Unternehmertum mit. Wenn diese Fähigkeiten zusammengeführt werden, können Lösungen entstehen, die international wettbewerbsfähig sind und für beide Seiten Nutzen stiften. Weitere wichtige Zukunftsfelder sind Halbleiter, Energie, Nachhaltigkeit, Advanced Manufacturing und technologische Innovation. Insgesamt liegt die Zukunft der indisch-deutschen Zusammenarbeit nicht nur darin, traditionelle Industrien weiter zu stärken, sondern auch, neue Sektoren wie Verteidigung, technische Textilien, nachhaltige Technologien, Start-ups und innovationsorientierte Geschäftsmodelle systematisch auszubauen. Hill: Welche Bedeutung hat Frankfurt als Brücke zwischen Indien und Deutschland? Ranade: Frankfurt ist eine sehr interessante Stadt. Obwohl Frankfurt nur die fünftgrößte Stadt Deutschlands ist, spielt sie eine außerordentlich wichtige Rolle – als Sitz der Europäischen Zentralbank, als Standort vieler internationaler Banken und als einer der bedeutendsten Finanzplätze Europas. Die Stadt ist seit Jahrzehnten Heimat einer großen indischen Community. Frankfurt gilt zudem als sehr offen und einladend, gerade für Expats. Viele Menschen fühlen sich hier sicher, willkommen und gut eingebunden. Im Unterschied zu manchen traditionelleren deutschen Städten ist Frankfurt sehr international geprägt. Menschen aus vielen Nationen leben und arbeiten hier, es werden zahlreiche Sprachen gesprochen, und diese kulturelle Vielfalt macht die Stadt lebendig, dynamisch und global. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Konnektivität. Der Frankfurter Flughafen gehört zu den wichtigsten Passagier- und Frachtflughäfen Europas. Für viele Inder ist Frankfurt der erste Ankunftsort in Deutschland. Ein erheblicher Teil der Reisenden aus Indien kommt über Frankfurt nach Deutschland. Durch die guten Flugverbindungen sind wichtige indische Metropolen wie Mumbai oder Delhi in etwa acht bis neun Stunden erreichbar. Das schafft eine besondere Nähe zu Indien, die viele Menschen sehr schätzen. Hinzu kommt die zentrale Lage innerhalb Deutschlands und Europas. Ob man nach Norden, Süden, Osten oder Westen reist – viele Ziele sind von Frankfurt aus gut und schnell erreichbar. Diese Kombination aus Internationalität, wirtschaftlicher Bedeutung, starker Infrastruktur, guter Erreichbarkeit und einer offenen Atmosphäre macht Frankfurt zu einem besonderen Ort, um zu leben, zu arbeiten und Verbindungen zwischen Indien und Deutschland aufzubauen. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Gerne unterstützen wir vom FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN und auch INVESTING IN INDIA Ihr interessantes Format. Einen Extra-Dank noch an Andreas Heuberger an dieser Stelle, er hatte uns auf Ihr Format aufmerksam gemacht. …
Private Debt ist in der institutionellen Kapitalanlage längst kein Randthema mehr. Gerade im aktuellen Marktumfeld wird jedoch genauer hingeschaut: Welche Segmente bieten noch attraktive risikoadjustierte Renditen? Wo entstehen Spätzyklus-Signale? Und wie unterscheiden sich US Direct Lending und europäische Corporate-Credit-Strategien in Struktur, Wettbewerb, Covenants und Nähe zum Kreditnehmer? Markus Hill sprach für FINANZPLATZ FRANKFURT mit Mario Almer und Florian Wegmann, DANEO Partners AG, über die zunehmende Differenzierung innerhalb der Anlageklasse, über Chancen im europäischen und DACH-fokussierten Mittelstand sowie über die Fragen, die institutionelle Investoren in Deutschland und der Schweiz derzeit besonders beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Marketing-Schlagworte, sondern Kreditqualität, Selektion, Besicherung, Monitoring und die Frage, wo Private Debt im Portfolio langfristig sinnvoll eingesetzt werden kann. Hill: Gegenwärtig wird in der Fachpresse häufig das Thema „US Direct Lending versus Private Debt in Europa“ kritisch diskutiert. Was gibt es hier zu beachten, was sind die wesentlichen Unterschiede bei dieser Betrachtung aus Ihrer Perspektive?Wegmann: US Direct Lending und europäisches Private Debt laufen zwar unter dem gleichen Begriff – sind aber strukturell zwei verschiedene Märkte. Das wird von vielen Investoren aktuell erst richtig wahrgenommen. Der US-Markt ist tiefer, reifer und standardisierter. Genau das ist heute aber auch sein Problem: Der Wettbewerb ist massiv gestiegen, Spreads haben sich komprimiert, Covenants wurden aufgeweicht und Leverage-Niveaus sind gestiegen. Ein Großteil des Kapitals fließt in große, sponsor-getriebene Transaktionen (also von Private-Equity-Fonds gehaltene Firmen) mit aggressiven EBITDA-Adjustments und zunehmenden Payment-in-Kind-Strukturen – Mechanismen, die wirtschaftliche Schwäche beim Kreditnehmer verschleiern können. Bereinigt man die Ausfallraten um diese Instrumente, liegt die sogenannte ‘Shadow Default Rate’ im US-Markt mittlerweile bei rund 5–6% – deutlich höher als die offiziell kommunizierten Zahlen und ein klassisches Zeichen später Kreditzyklen.Europa ist fragmentierter, weniger effizient – und genau deshalb aus unserer Sicht heute attraktiver. Banken dominieren noch immer einen Großteil der Unternehmensfinanzierung, ziehen sich aber regulierungsbedingt zunehmend zurück – Basel IV beschleunigt diesen Trend. In der Schweiz kommt ein weiterer struktureller Faktor hinzu: Mit dem Wegfall der Credit Suisse ist ein bedeutender Kreditgeber im mittleren Marktsegment verschwunden. Das spüren Unternehmen und Intermediäre im Markt direkt und schafft Raum für spezialisierte Private-Credit-Anbieter, insbesondere im Lower Mid Market Bereich. Europäische Transaktionen weisen typischerweise konservativere Leverage-Niveaus, stärkere Covenants und attraktivere risikoadjustierte Spreads auf – und für Euro-Investoren entfällt das Währungsabsicherungsproblem, das einen vermeintlichen US-Renditevorteil häufig neutralisiert. Genau hier finden wir Situationen, die wir direkt mit den Eigentümern und Unternehmern aushandeln und maßgeschneidert strukturieren können – meist erstrangig besichert, mit starken Covenants und attraktivem Pricing, abseits des Gedränges im US-dominierten Direct-Lending-Markt.Almer: Was ich in Gesprächen mit institutionellen Investoren ergänzen würde: Auch in Europa muss man differenzieren. Große (Private-Equity-)Sponsor-getriebene Deals im Upper Mid Market zeigen nach unserer Einschätzung zunehmend dieselben Tendenzen wie in den USA. Entscheidend sind Selektion und der Fokus auf das richtige Segment. Wir bei Daneo Partners sind seit 2018 ausschließlich im europäischen, DACH-fokussierten Mittelstand aktiv – im Finanzierungssegment zwischen 10-75 Mio. Euro, wo große angelsächsische Plattformen nicht effizient skalieren können und lokale Banken zu klein oder zu reguliert sind. Florian Wegmann, DANEO Partners AG Hill: Welche Rolle sollte Private Debt bei der Allokation generell bei institutionellen Investoren einnehmen?Almer: Private Debt hat sich auch in Europa von einer Nischenstrategie zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt. Insbesondere in Deutschland wird Private Debt mittlerweile bei vielen institutionellen Investoren als Kernbaustein in einem gut diversifizierten Portfolio betrachtet. Senior besicherte Direktkredite kombinieren dabei geringe Volatilität mit Renditen, die mit eigenkapitalähnlichen Erträgen konkurrieren können. Für Pensionskassen und Vorsorgewerke ist zudem entscheidend, was Public Credit strukturell nicht leisten kann: direkte Vertragsbeziehung zum Kreditnehmer, aktives Monitoring und die Möglichkeit, frühzeitig zu intervenieren und Einfluss zu nehmen, wenn sich eine Situation verändert. Dies bietet eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Public-Credit-Allokationen. Die Allokation sollte strategisch erfolgen – mit klarem Fokus auf Qualität des Managers und der Strukturen. Wir beobachten zudem ein steigendes Interesse europäischer institutioneller Investoren an europäischen Managern, mit dem Ziel, Exposure aus dem US-Markt in die hiesigen Märkte umzuschichten. Das bestätigt uns in der Überzeugung, dass wir mit unserer Strategie richtig aufgestellt sind. Hill: Als Schweizer Fondsboutique stehen Sie im Dialog mit institutionellen Investoren in der gesamten DACH-Region. Welche Themen stehen hier im Vordergrund?Almer: Die Gespräche mit institutionellen Investoren drehen sich momentan stark um Risiken und weniger um Rendite. Drei Themen dominieren klar. Dominant ist aktuell die kritische Berichterstattung rund um Private Debt in den USA: Investoren haben selber substantiellen USA-Exposure oder lesen die Presse, nehmen die Warnsignale wahr und fragen gezielt nach, wie wir uns von diesen Entwicklungen abgrenzen – Stichworte Covenant-lite, hohe Leverage, Payment-in-Kind.Zweitens das makroökonomische und geopolitische Umfeld: Wie resilient ist das Portfolio bei einer weiteren konjunkturellen Eintrübung? Was passiert bei einem Workout? Wie schnell kann man reagieren, und welchen Schutz bieten die Strukturen?Drittens das Thema Bewertung und Leverage: Viele Investoren machen sich Sorgen um Exposure in stark überbezahlten, hochverschuldeten Unternehmen – oft in großen Sponsor-Deals (Thema US Sponsored SaaS Firmen). Die Frage, ob und wie man dort investiert ist, und wie man das Thema sieht, wird zunehmend kritisch beurteilt. Mario Almer, DANEO Partners AG Wegmann: Speziell bei deutschen Investoren kommt ein weiteres Thema hinzu: Viele haben in den vergangenen Jahren unter dem Label „Private Credit“ insbesondere in immobilienbesicherte Finanzierungen – Mezzanine, Whole Loans – in Deutschland investiert und dabei schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Das hat das Vertrauen in die Anlageklasse teilweise belastet und führt zu berechtigten Fragen rund um Abgrenzung und Strukturqualität. Wir erklären dann gerne unsere Corporate Credit Strategie: mittelständische Unternehmen in der DACH-Region, erstrangig besichert, ohne exzessiven Leverage und mit direktem Zugang zum Management. Hill: Sie vertiefen aktuell den Dialog mit Investoren in Deutschland. Gibt es hier Unterschiede bei der Betrachtung von Private Debt, Finanzplatz Deutschland versus Finanzplatz Schweiz?Almer: Ja, durchaus. In Deutschland ist die strategische Allokation institutioneller Investoren in Private Credit bereits deutlich weiter fortgeschritten, als in der Schweiz. Deutsche Pensionskassen und Versorgungswerke haben die Anlageklasse früher und breiter in ihre Portfolios integriert. Laut dem aktuellen Investor Survey des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) liegt die durchschnittliche strategische Allokation in Private Debt bereits bei 3,3%. In der Schweiz ist die Durchdringung noch geringer – das Thema gewann aber die letzten Jahre klar an Dynamik. Inhaltlich unterscheiden sich die Fragen kaum: Beide Märkte interessieren …
„Unser Ziel ist es, ein dauerhaftes Netzwerk im Bereich Digitale Assets aufzubauen, das auf Vertrauen, Expertise und Zusammenarbeit über Länder- und Fachgrenzen hinweg basiert“ Die Schnittstellen zwischen klassischem Wealth Management, Digitale Assets und internationaler Vermögensstrukturierung gewinnen weiter an Bedeutung. Gerade Unternehmer, Family Offices und Vermögensinhaber, deren Vermögen ganz oder teilweise aus dem Bereich digitaler Assets stammt, stehen vor Fragen, die weit über reine Portfolioallokation hinausgehen: Regulierung, Verwahrung, Asset Protection, Liquidität, Nachfolge und die Wahl eines verlässlichen Finanzplatzes rücken stärker in den Vordergrund. Im Gespräch für FINANZPLATZ FRANKFURT mit Markus Hill erläutert Markus Schwingshackl, Rechtsanwalt und Gründer von Centro LAW in Zürich, weshalb der Finanzplatz Schweiz in diesem Umfeld eine besondere Rolle einnimmt. Es geht um die Verbindung von Innovationskraft und Rechtssicherheit, um die Anforderungen neuer Vermögensgenerationen sowie um das Private Key Network (PKN), das Experten aus Private Wealth, Digitalen Assets und künstlicher Intelligenz international zusammenbringen möchte. Ein Dialog über Finanzplätze, Vertrauen, Spezialwissen und neue Formen der Zusammenarbeit im Wealth Management. Markus Hill & Markus Schwingshackl, Centro LAW Hill: Wofür steht der Schweizer Finanzplatz im Bereich digitaler Assets?Schwingshackl: Der Finanzplatz Schweiz steht im Bereich Digitaler Assets für spezialisiertes Wealth Management in einem institutionell verlässlichen Rahmen. Über die Jahre hat sich ein umfassendes Serviceangebot entwickelt, da man frühzeitig erkannt hat, dass Digitale Assets für eine wachsende Zahl von Unternehmern und Investoren nicht nur eine Portfolioallokation sind, sondern häufig den Ursprung ihres Vermögens bilden.Trading, Custody, Lending und Staking werden weltweit in unterschiedlichsten Ausprägungen angeboten – die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen variiert jedoch ebenso. Genau hier setzt die Schweiz an, indem sie Innovation mit Rechtssicherheit verbindet.Neben der Sicherheit spielen auch die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Infrastruktur, die Transaktionsabwicklung sowie die Generierung von Liquidität und Erträgen eine Rolle bei der Frage, wo Wealth Management Strategien umgesetzt werden. Die Schweiz kann dabei auf ihr führendes Know-how in der internationalen Vermögensverwaltung zurückgreifen. Ergänzt wird dies durch eine langfristige Perspektive, insbesondere durch die Einbeziehung der Vermögensübertragung an die nächste Generation, die mit Digitalen Assets als dauerhafter Bestandteil des Vermögens zunehmend an Bedeutung gewinnt.So entsteht eine Verbindung aus klassischem und modernem Wealth Management, die den besonderen Volatilitäts- und Liquiditätsaspekten Rechnung trägt. Zusätzlich zeichnet sich der Finanzplatz Schweiz durch die enge und nahtlose Zusammenarbeit der verschiedenen Dienstleister aus – ein entscheidender Faktor, um auch in Nischenbereichen komplexe, kundenspezifische Probleme zu lösen.Hill: Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Vermögensinhaber bei Digitalen Vermögenswerten?Schwingshackl: Das zentrale Thema bleibt die Regulierung. Trotz der Fortschritte der letzten Jahre sind Unternehmer in diesem Bereich weiterhin erheblichen Risiken ausgesetzt. Für Vermögensinhaber sind der Ort der Verwahrung und die eingesetzte Eigentümerstruktur wesentliche Elemente, die auch aus regulatorischer Sicht zu berücksichtigen sind, um die Sicherheit digitaler Vermögenswerte zu gewährleisten. Entsprechend steht Asset Protection für beide Gruppen regelmäßig weit oben auf der Agenda der Vermögensplanung.Darüber hinaus ähneln einige der Herausforderungen denen traditioneller Vermögensinhaber. Die aktuelle makroökonomische Lage scheint eine Suche nach Stabilität auszulösen, um Risiken zu steuern. Auch die internationale Mobilität hat an Bedeutung gewonnen und man bereitet sich bewusst auf mögliche Entwicklungen wie Handelskonflikte, geopolitische Spannungen, steigende Inflation oder eine Rezession vor. Im derzeitigen Umfeld werden zudem die Korrelationen zwischen Assetklassen neu bewertet und die strategische Ausrichtung überprüft.Letztlich lässt es sich so zusammenfassen: Ob traditionell oder digital – Unternehmer und Vermögensinhaber wollen ihr Vermögen erhalten und schützen. Die Geschwindigkeit des Wandels erfordert von allen Beteiligten Agilität und neue Herangehensweisen im Wealth Management.Hill: Apropos neue Herangehensweisen im Wealth Management. Sie haben ein Netzwerk im Bereich Digitaler Assets gegründet. Was hat es damit auf sich?Schwingshackl: Das Private Key Network ist ein Zusammenschluss von Experten im Bereich Private Wealth mit Fokus auf Digitale Assets und Künstliche Intelligenz. Über die Jahre haben sich die Wege internationaler Spezialisten in dieser Nische immer wieder gekreuzt. Gemeinsam mit meinen Mitgründern fördern wir gezielt den Austausch und die Zusammenarbeit, um neue Ansätze im Wealth Management zu entwickeln.Weltweit besitzen bereits mehrere hundert Millionen Menschen direkt oder indirekt Digitale Assets. Ein wachsender Teil dieser Menschen gilt als vermögend. Genau diese Gruppe benötigt verlässliche, grenzüberschreitende Wealth Management Lösungen, wie sie unsere Mitglieder erarbeiten.Unser Ziel ist es, ein dauerhaftes Netzwerk im Bereich Digitale Assets aufzubauen, das auf Vertrauen, Expertise und Zusammenarbeit über Länder- und Fachgrenzen hinweg basiert. Wir hatten kürzlich unser erstes Treffen in London und planen die nächste Veranstaltung im Juni in Zürich. Den Teilnehmerkreis halten wir bewusst klein, denn nicht die Grösse, sondern die Relevanz steht im Vordergrund. Auf diese Weise treffen Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um konkrete Fragestellungen zu beantworten.Nach dem erfolgreichen Start in Europa wollen wir mittelfristig auch weitere Regionen, insbesondere die USA, einbeziehen. Wer fundiertes Fachwissen, eine kollaborative Haltung und Innovationsfreude mitbringt, kann sich gerne bei uns melden.Hill: Ich freue mich auf unser Wiedersehen bei Ihrer zweiten PKN-Veranstaltung am 1. Juni in Zürich und auf den Vortrag von Adam Hayes von der HSLU Hochschule Luzern. Vielen Dank für das Gespräch. Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“) 25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“ (Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital) 26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“ Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“ (Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com) 17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026” (Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH) Interview mit Christian Hommens – SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS Frühjahr 2026: Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“ (Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025) 16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog (Medienpartnerschaft) 12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“ (Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ) 17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT (Vortrag – Markus Hill) 10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz …
Die Asset-Management-Branche betrachtet sich als kreativ. Neue Strategien, Spezialisierungen, Datenquellen, regulatorische Anforderungen und technologische Möglichkeiten haben das Angebot so breit und differenziert gemacht wie selten zuvor. Nach vielen Gesprächen mit Investoren bleibt oft ein Eindruck bestehen: Der Markt wird für diese nicht automatisch besser, nur weil er immer neue Produkte hervorbringt. Das Leben für Fondsboutiquen wird nicht leichter beim Ringen um Aufmerksamkeit. Markus Hil, Finanzplatz Frankfurt am Main Vielleicht verwechselt die Branche Innovation aber zu oft mit Verpackung. Neue Begriffe, neue Etiketten, neue Präsentationen, neue Buzzwords – doch nicht immer entsteht daraus ein echter Fortschritt für den Investor.Asset Management, Künstliche Intelligenz & Information OverflowInvestoren leiden heute nicht unter einem Mangel an Auswahl, sondern eher unter einem Übermaß an Information. Die Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz wirkt zusätzlich als „Brandbeschleuniger“. Wie unterscheidet man Relevantes von Irrelevantem?Asset Management ist eben nicht nur Produktgeschäft. Es ist immer auch Vertrauensgeschäft und zunehmend Übersetzungsarbeit. Denn was nützt die beste Strategie, wenn sie vom Gegenüber nicht in dessen Entscheidungsrahmen eingeordnet werden kann? Was nützt eine hoch spezialisierte Investmentlösung, wenn sie nicht anschlussfähig ist an die reale Denk- und Arbeitswelt derjenigen, die Kapital allokieren?Authentisches Interesse an Langfristbeziehung versus „Schnelles Ticket“Gute Allokationsentscheidungen entstehen nur selten durch Produktpräsentationen allein. Sie entstehen im Dialog. Nicht als Small Talk, sondern als ernsthafter Austausch über Ziele, Restriktionen, Governance, Risikoverständnis, Liquiditätsanforderungen, Zeithorizonte und die Rolle einer Strategie im Gesamtportfolio. Investoren suchen keine Folienkaskaden.Der Markt ist komplexer geworden. Viele Anbieter reagieren darauf mit noch stärkerer Spezialisierung. Das ist nachvollziehbar und oft sinnvoll. Aber Spezialisierung allein reicht nicht. Wer heute überzeugen will, muss komplexe Sachverhalte nicht nur beherrschen, sondern auch verständlich machen. Die Fähigkeit zur Einordnung wird damit fast so wichtig wie die Fähigkeit des Produktmanagements.Das gilt besonders bei erklärungsbedürftigen Themen wie zum Beispiel Private Markets – Stichworte: Infrastruktur, Private Debt, ESG, Impact Investing, Real Assets oder Digital Assets. In all diesen Bereichen entscheidet nicht allein die Qualität des Konzepts über den Markterfolg, sondern auch die Qualität des Dialogs. Wer lediglich sendet, wird leicht überhört.„Trusted Advisor“, Partnerschaft & MarathonAus vielen Gesprächen, nicht nur am Finanzplatz Frankfurt, nehme ich genau diese Entwicklung wahr. Investoren reagieren sensibel auf standardisierte Vertriebsroutinen und austauschbare Produktbotschaften. Sichtbarkeit allein reicht nicht. Wiedererkennbarkeit entsteht erst dann, wenn Kompetenz, „Haltung“ und Kommunikationsstil zusammenpassen. Vertrauen entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Konsistenz. Gerade dann zeigt sich, wer Produkte anbietet – und wer mit Orientierung, Einordnung und Haltung Mehrwert schafft. Thema hier ist Vertrieb, nicht PR.Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Welches Produkt ist neu? Sondern: Wer hilft Investoren wirklich, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden? Wer kann Komplexität reduzieren, ohne Inhalte zu vereinfachen? Eine Kernfrage für Sales: Nimmt man sich Zeit für Vertrauensaufbau mit dem Investor („Trusted Advisor“) oder möchte ich bei der Ansprache nur eruieren, ob kurzfristig die Wahrscheinlichkeit für ein Ticket besteht?Asset Management braucht diesen Dialog – nicht als weiche Ergänzung, sondern als harten Erfolgsfaktor. Am Ende wird nicht der lauteste Anbieter gewinnen, sondern derjenige, dem es gelingt, Kompetenz, Verständlichkeit und Vertrauen glaubwürdig miteinander zu verbinden: Marathon versus Sprint! Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“) 25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“ (Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital) 26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“ Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“ (Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com) 17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026” (Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH) Interview mit Christian Hommens – SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS Frühjahr 2026: Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“ (Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025) 16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog (Medienpartnerschaft) 12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“ (Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ) 17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT (Vortrag – Markus Hill) 10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz Liechtenstein“ (Markus Hill – Moderation – LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband: Panel & Vorträge) Input, Ideen & Anregungen zu den oben genannten Themen sind willkommen: info@markus-hill.com / +49 (0) 163 4616 179 Foto: Finanzplatz Frankfurt am Main QUELLE: IPE D.A.CH
„Es ist das Wesentliche eines gut ausbalancierten Portfolios, dass eigentlich keine einzelne Assetklasse den Charakter des Vehikels prägt“ „Die Tugend ist die Mitte zwischen zwei Extremen (Aristoteles)“. Stiftungen, Family Offices und andere langfristig orientierte Investoren stehen vor einer anspruchsvollen Gemengelage: höhere Ausschüttungserwartungen, veränderte Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen, Konzentrationsrisiken in den globalen Aktienmärkten und die Frage, wie echte Diversifikation heute noch hergestellt werden kann. Der sogenannte Endowment-Ansatz, bekannt aus dem Umfeld großer US-Universitätsstiftungen, liefert hierfür seit Jahren wichtige Denkanstöße – nicht als modisches Produktetikett, sondern als disziplinierte Kombination aus strategischer Asset Allocation, Risikobudgetierung, Rebalancing und Managerselektion. Markus Hill sprach für FINANZPLATZ FRANKFURT mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über die jüngsten Ergebnisse der NACUBO Commonfund Study of Endowments, über Stärken und Grenzen des Endowment-Ansatzes, über Katastrophenanleihen, Schwellen- und Frontiermärkte, Private Equity, künstliche Intelligenz und die Herausforderungen, vor denen Stiftungen und Family Offices im Jahr 2026 stehen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die kurzfristige Marktmeinung als vielmehr die Frage, wie institutionelle Anleger langfristige Robustheit, ausreichende Ertragskraft und echte Diversifikation miteinander verbinden können. Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria Hill: Wie beurteilen Sie die Ergebnisse der 2025 NACUBO Commonfund Study of Endowments?Friedrich: Die NACUBO ist die Dachorganisation und Interessensvertretung der US-amerikanischen Universitäten. Deren Stiftungen – besser als Endowments bekannt – sind strategisch wichtige Kapitalreserven, welche zugleich Wertsicherung für künftige Generationen und Ausschüttungen für den laufenden Hochschulbetrieb bereitstellen. Die jährliche Umfrage hinsichtlich der Investmenterträge und -strategien dieser Bildungseinrichtungen ist vor allem im eigenen Interesse der über 650 Mitglieder dieser Vereinigung. Sie ermöglicht ein unabhängiges Benchmarking der Investmentresultate und zeigt Trends in der Industrie auf. Dies ist auch für uns wichtig, denn wir versuchen, die Alleinstellungsmerkmale dieses in Europa sonst nicht zugänglichen Anlagestils mit liquiden Instrumenten nachzubilden.Die jüngste, im Februar veröffentlichte Studie zeigt drei interessante Entwicklungen auf. Zum einen haben die großen und größten Endowments wieder den Spitzenplatz in der Hackordnung der Erträge zurückgewonnen, nachdem die extreme Aktienrallye in den beiden Vorjahren kleineren Endowments, welche höhere Anteile am S&P 500 halten, einen vorübergehenden Vorteil verschafft hatte.Zweitens zeigt sich, dass Private-Equity-Allokationen bei den größten Institutionen auf hohem Niveau stagnieren, bei mittleren und kleinen Endowments jedoch wieder abnehmen. Drittens finden wir es bemerkenswert, dass Zuwendungen um rund 9% zurückgegangen sind, was jedoch ausschließlich auf die großen Endowments zurückzuführen ist. Einrichtungen mit einem Vermögen unter 1 Mrd. US-Dollar verzeichneten nämlich eine weitere Zunahme der Spendentätigkeit. Über die Gründe für diese Entwicklung können wir nur spekulieren; es könnte aber zum Beispiel sein, dass die politischen Attacken der aktuellen Regierung auf einige Universitäten manche Spender scheu gemacht haben.Im Ergebnis können wir zusammenfassen, dass in einer Zeit, wo die Kosten der Universitäten rascher steigen als die Einnahmen, die Abhängigkeit von den eigenen Kapitalreserven noch weiter zunimmt. Deshalb überrascht es nicht, dass die durchschnittlichen Ausschüttungen weiter erhöht wurden und mittlerweile einen Wert von jährlich fast 5,0% erreicht haben. Dies bedeutet wiederum, dass die Leistungsfähigkeit der Investmentstrategien in den kommenden Jahren auf eine harte Probe gestellt wird.Hill: Welche Rolle spielt bei Ihrem Ansatz die strategische Asset Allocation im Vergleich zu taktischen Entscheidungen? Wo entsteht der eigentliche Mehrwert?Friedrich: Es mag sie überraschen, aber beim Anlagestil von Großinvestoren wie Stiftungen stehen taktische Wetten nicht im Fokus. Es geht vielmehr darum, erstens ausreichend Risiko zu nehmen, um langfristig die angestrebten Erträge darstellen zu können – und zweitens, durch Diversifikation ein Maximum an Portfolioeffizienz darzustellen. Das schaffen Sie vor allem durch strategische Asset Allokation in Kombination mit rigorosem Risikomanagement.Auch in unserer Strategie entsteht der hauptsächliche Mehrwert in der langfristigen Asset Allokation, welche im zeitlichen Verlauf monatlich rebalanciert und dadurch stabil gehalten wird. Dabei stellen wir zusätzlich taktische Neigungen in das Portfolio, welche zwar ebenfalls Zusatzerträge liefern, aber im Gesamtkontext eine untergeordnete Rolle spielen. Wichtiger als die Taktik ist hingegen die Umsetzung im Portfolio: Denn die strategische Allokation wird mit Hilfe von Assetklassen-Indizes errechnet, welche direkt nicht investierbar sind. Zudem sind nicht in allen Anlageklassen passive Strategien verfügbar. Wir verbringen deshalb sehr viel Zeit mit der richtigen Auswahl und Kombination von aktiven Fondsprodukten, mit dem Ergebnis, dass wir auch durch die Managerselektion einen zusätzlichen Mehrwert für unsere Investoren schaffen.Hill: Auf der anderen Seite, worin bestehen die Nachteile des Endowment Ansatzes?Friedrich: Ein wesentlicher Eckpfeiler der von Endowments verfolgten Strategie besteht darin, Kapitalmarktrisiken bewusst zu akzeptieren, um dadurch langfristig ausreichend hohe Erträge zu erwirtschaften. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch in unvorteilhaftem Umfeld – also in Verlustphasen – investiert zu bleiben. Unsere Investmentphilosophie verwendet aus diesem Grund keine Stop-Loss-Limits und investiert in keinerlei kapitalgarantierte Produkte. Auch bei der Berechnung von Risikoparametern fokussieren wir bewusst auf längerfristige Kennzahlen. Obwohl die starke Diversifikation von Endowment-Portfolios die Verlustneigung mittel- und langfristig reduziert, können bei plötzlichen Einbrüchen dadurch auch die Benchmark überschießende Verluste entstehen. Dies ist zum Beispiel im März 2020 geschehen. Um es klar zu nennen: Es handelte sich um vorübergehende Verluste. Aber kurzfristig sind natürlich auch solche Episoden stets schmerzhaft. Markus Hill, Finanzplatz Frankfurt am Main Hill: Welche Assetklassen stehen für Sie aktuell im Vordergrund des Interesses?Friedrich: Es ist das Wesentliche eines gut ausbalancierten Portfolios, dass eigentlich keine einzelne Assetklasse den Charakter des Vehikels prägt. Wir verfolgen ein mittleres Risikoprofil, welches durch einen hälftig aus Aktien und Anleihen entwickelter Märkte zusammengesetzten Index approximiert werden kann.Aufgrund der von uns ermittelten Ertrags- und Risikoeigenschaften der 17 im Einsatz stehenden Assetklassen ergibt sich ein Ergebnisportfolio, welches sehr international geprägt ist. Aktien der Eurozone finden sich zum Beispiel nur mit einer niedrigen einstelligen Allokation wieder. Dafür finden sich durchgerechnet rund 150 Länder im Portfolio repräsentiert. Rund 30% des Portfolios sind auf diese Art in Schwellen- und Frontiermärkten angesiedelt, wobei sich in diesem Teil unseres Fonds doppelt so viele Anleihen- wie Aktienfonds befinden.Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sind Katastrophenanleihen, welche mit einer Allokation von 10-15% einen nicht unwesentlichen Portfoliobestandteil darstellen. Es handelt sich um eine ertragsstarke und dekorrelierte Anlageform, welche allerdings von vielen Anlegern gemieden wird. Der Grund dafür sind unregelmäßig auftretende, aber sehr plötzliche Verluste, welche heftig sein können und deshalb Unbehagen bereiten. Für uns ergibt sich daraus eine Chance.Hill: Vor welchen Herausforderungen stehen Stiftungen und Family Offices in diesem Jahr?Friedrich: Für 2026 sehen wir sowohl Chancen als auch Risiken. In Summe überwiegen wahrscheinlich letztere, weshalb …
„Gemeinsam werden wir aktuelle Entwicklungen an den Kapitalmärkten und die Perspektiven des Value Investing beleuchten“ Value Investing galt lange Zeit als anstrengende Disziplin in einem Marktumfeld, das stark von Wachstumstiteln, Liquidität und kurzfristigen Modethemen geprägt war. Inzwischen rücken Substanz, Bewertungsdisziplin und reale Vermögenswerte wieder stärker in den Fokus vieler Investoren. Beim Fondskongress in Mannheim zeigte sich nach Einschätzung von Alex Rauchenstein (SIA Asset Management) erneut ein wachsendes Interesse an Value-Strategien und Rohstoffaktien – insbesondere bei Family Offices, unabhängigen Vermögensverwaltern und Investoren, die frei von strukturellen Zwängen entscheiden können. Im Gespräch mit Markus Hill erläutert Rauchenstein für FINANZPLATZ FRANKFURT, warum der direkte Dialog mit Investoren für SIA zentral bleibt, welche Rolle Energie- und Rohstoffaktien im aktuellen geopolitischen Umfeld spielen und welche Themen beim Swiss Value Day am 11. Juni in Zürich sowie bei weiteren Veranstaltungen im Jahr 2026 im Mittelpunkt stehen. Alex Rauchenstein, SIA Asset Management Hill: Beim Fondskongress in Mannheim ergaben sich zahlreiche spannende Diskussionen rund um Value Investing und Rohstoffe. Welche Themen standen aus Ihrer Sicht im besonderen Fokus der Fondsselektoren vor Ort?Rauchenstein: Der Fondskongress in Mannheim war erneut ein voller Erfolg. Seit vielen Jahren veranstalten wir gemeinsam mit der Frankfurt Asset Management (FAM) am ersten Kongresstag eine Mittagspräsentation. Dabei konnten wir feststellen, dass beide unsere Anlagethemen Value- und Rohstoffaktien wieder auf deutlich gestiegenes Interesse stoßen – insbesondere bei Investoren, die unabhängig und ohne strukturelle Einschränkungen Anlageentscheidungen für ihre Kunden treffen können. Ein wesentlicher Grund dafür ist die überzeugende Entwicklung unserer Strategien: Seit nunmehr fast sechs Jahren erzielen unsere beiden Fonds der SIA LTIF Classic und der SIA LTIF Natural Resources eine signifikante Outperformance gegenüber dem globalen Aktienmarkt und bieten dadurch eine attraktive Diversifikationsmöglichkeit. Auch im aktuellen geopolitischen Umfeld hat sich daran nichts geändert. Unsere konsequente Positionierung im Energiesektor, insbesondere in Ölunternehmen, hat sich weiterhin bewährt und konnte die jüngsten Korrekturen an den Aktienmärkten spürbar abfedern. Darüber hinaus profitiert unser Fonds SIA LTIF Natural Resources davon, dass Investoren verstärkt nach einer soliden Basisanlage im Rohstoffsektor suchen, die zugleich aktiv und konsequent nach Value-Kriterien gemanagt wird. Markus Hill, FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN Hill: Ein kurzes Stimmungsbild von Ihrer Seite: Sind Family Offices nach wie vor die idealen Investoren für Value Investing?Rauchenstein: Ja, diese Einschätzung gilt weiterhin. Wie bereits erwähnt, stoßen unsere Ansätze insbesondere bei Investoren auf Interesse, die frei von strukturellen Zwängen eigenständig Anlageentscheidungen für ihre Kunden treffen können. Dies trifft in besonderem Maße auf Family Offices sowie unabhängige Vermögensverwalter zu. Anders formuliert: Je näher wir am tatsächlichen Investor sind, desto besser wird unser unternehmerisch geprägter Investmentansatz verstanden und konsequent mitgetragen.Hill: Welche Themen stehen in diesem Jahr beim Swiss Value Day im Vordergrund?Rauchenstein: Am 11. Juni findet in Zürich die fünfte Ausgabe des Swiss Value Day statt. Vor rund sechs Jahren entstand die Idee zu dieser Veranstaltung vor dem Hintergrund, dass Value Investing vielerorts bereits als überholt galt. Gemeinsam mit einem Mitbewerber haben wir uns damals bewusst dafür entschieden, diesem Trend entgegenzuwirken und eine Plattform zu schaffen, die die Relevanz von Value-Strategien wieder stärker in den Fokus rückt. Inzwischen konnten wir aufzeigen, dass es sich weiterhin – oder aus unserer Sicht heute mehr denn je – lohnt, konsequent an Value-Strategien festzuhalten. Auch in diesem Jahr setzen wir auf hochkarätige externe Referenten: Neben Mark Dittli von „The Market“ begrüßen wir Kim Shannon, Gründerin von Sionna Capital in Toronto, sowie den renommierten Wirtschaftshistoriker Edward Chancellor, der Anfang dieses Jahres sein neuestes Buch veröffentlicht hat. Gemeinsam werden wir aktuelle Entwicklungen an den Kapitalmärkten und die Perspektiven des Value Investing beleuchten.Hill: Welche Themen stehen zusätzlich im Jahr 2026 bei Ihnen auf der Agenda?Rauchenstein: Neben unseren inhaltlichen Schwerpunkten stehen auch in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen im Mittelpunkt, bei denen wir den direkten Austausch mit Investoren pflegen. Am 12. Mai steht unsere Veranstaltung im MainNizza in Frankfurt an. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Ihnen vor Ort, vorab vielen Dank für die Moderation. Wie vorher erwähnt, der Swiss Value Day steht dann im Juni vor der Tür, wir freuen uns auf den Gedankenaustausch in Zürich. Ein weiteres Highlight wird auch im Herbst wieder der Natural Resources Day sein, dieser findet ebenfalls in Zürich am 10. September statt. Zusätzlich finden noch verschiedene Veranstaltungen mit Stockwaves und der FFB in Deutschland statt. Wir sind übrigens am 12. November nochmals in Frankfurt (FFB), vielleicht sehen wir uns ja auch dort wieder. Diese Termine unterstreichen unseren Anspruch, im engen Dialog mit unseren Investoren zu bleiben und unsere Anlagestrategien kontinuierlich zu erläutern und weiterzuentwickeln.Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“) 25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“ (Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital) 26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“ Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“ (Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com) 17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026” (Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH) Interview mit Christian Hommens – SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS Frühjahr 2026: Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“ (Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025) 16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog (Medienpartnerschaft) 12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“ (Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ) 17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT (Vortrag – Markus Hill) 10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz Liechtenstein“ (Markus Hill – Moderation – LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband: Panel & Vorträge) Input, Ideen & Anregungen zu den oben genannten Themen sind willkommen: info@markus-hill.com / +49 (0) 163 4616 179 Foto: Finanzplatz Frankfurt am Main
LinkedIn hat sich auch im institutionellen Fondsvertrieb vom reinen Karrierenetzwerk zu einem sichtbaren Resonanzraum der Branche entwickelt. Asset Manager, Fondsselektoren, Vermögensverwalter, Family Offices und Berater beobachten dort Themen, Personen und Positionierungen – mal aktiv, oft aber eher leise, aufmerksam und mit professioneller Distanz. Gleichzeitig wächst der Markt für LinkedIn-Dienstleistungen rund um den Fondsvertrieb deutlich. Versprochen werden Sichtbarkeit, Reichweite, digitale Leads und neue Investorenkontakte. Doch nicht alles, was modern klingt, überzeugt auch inhaltlich. Gerade Investoren und Fondsselektoren berichten immer wieder von unpassenden Kontaktanfragen, standardisierten Botschaften und Beiträgen, die eher nach Vertriebsaktionismus als nach fachlicher Substanz wirken. Damit stellt sich eine naheliegende Frage: Ist LinkedIn im institutionellen Umfeld tatsächlich ein seriöses Instrument für Sichtbarkeit, Positionierung und Vertriebsanbahnung – oder wird der Kanal in Teilen überschätzt? Markus Hill spricht mit Susanne Schönefuß, die mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Fondsbranche mit digitaler LinkedIn- und KI-Expertise verbindet, über Chancen, Grenzen und typische Fehlannahmen. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht nicht die Frage, wie man möglichst laut wird, sondern wie digitale Kommunikation im Fondsvertrieb sinnvoll, glaubwürdig und investorenorientiert eingesetzt werden kann. LinkedIn im institutionellen Kontext Hill: Viele Fondsanbieter fragen sich, ob LinkedIn im institutionellen Umfeld überhaupt eine Rolle spielt. Wie ordnen Sie das ein? Schönefuß: LinkedIn ersetzt keine persönlichen Kontakte. Aber es ist inzwischen ein sichtbarer digitaler Treffpunkt der Branche. Vermögensverwalter, Fondsselektoren, Family Offices – sie alle sind dort präsent. Nicht zwingend mit eigenen Beiträgen, aber sehr häufig als aufmerksame Beobachter. Man sieht, wer sich mit welchen Themen beschäftigt, welche Diskussionen geführt werden und wer sich in welchem Netzwerk bewegt. Wer Kapital einwerben möchte, muss diesen Raum nicht permanent bespielen – er sollte ihn aber verstehen. Frankfurt & Zagreb: „Digitaler Gedankenaustausch“ – Markus Hill & Susanne Schönefuß LinkedIn – Marketing oder Vertrieb? Hill: Viele Fondsanbieter sehen LinkedIn vor allem als Marketing-Kanal. Performanceberichte werden gepostet, Pressemitteilungen geteilt oder Inhalte vom Unternehmensprofil repostet. Warum sollte sich ein Portfoliomanager oder Vertriebsverantwortlicher damit überhaupt beschäftigen? Schönefuß: Weil LinkedIn eben mehr sein kann als Marketing oder PR. Richtig eingesetzt, ist es ein strategisches Vertriebsinstrument. Man kann relevante Zielinvestoren identifizieren, Kontakte systematisch aufbauen und Schritt für Schritt einen belastbaren digitalen Erstkontakt herstellen – lange bevor es zu einem persönlichen Gespräch kommt. Genau darin liegt der Unterschied. Wer LinkedIn nur als Content-Bühne versteht, nutzt das Potenzial des Kanals nur sehr begrenzt. Wer es dagegen als Teil eines strukturierten Vertriebsprozesses begreift, kann deutlich gezielter arbeiten. Warum viele Initiativen scheitern Hill: Gleichzeitig hört man von Investoren, dass sie von LinkedIn-Anfragen eher genervt sind. Schönefuß: Das liegt meist nicht am Kanal selbst, sondern an der Art der Ansprache. Viele Nachrichten wirken wie Massenmails. Andere landen bei Personen, die für den betreffenden Fonds gar nicht als Investor infrage kommen. Im Fondsvertrieb geht es aber nicht um schnelle Reichweite, sondern um Vertrauen. Und Vertrauen entsteht nicht durch Standardansprache, sondern durch Relevanz, Timing und mehrere glaubwürdige Anknüpfungspunkte vor dem ersten Gespräch. Bevor man jemanden kontaktiert, sollte man sich eine einfache, aber entscheidende Frage stellen: Warum sollte sich genau dieser Investor mit unserem Fonds beschäftigen? Wer darauf keine gute Antwort hat und einfach drauflos postet oder anschreibt, produziert eher Ablehnung als Gesprächsbereitschaft. Hill: Trotzdem hört man oft den Einwand, LinkedIn bestehe vor allem aus Selbstdarstellung und oberflächlichen Kommentaren. Ist das nicht ein berechtigter Vorbehalt? Schönefuß: Teilweise schon – aber man darf den eigenen Feed nicht mit einem objektiven Gesamtbild der Branche verwechseln. LinkedIn zeigt verstärkt Inhalte, mit denen man interagiert. Wer vor allem Gratulationen, Selbstdarstellung oder oberflächliche Beiträge anklickt, bekommt davon mehr. Wer sich dagegen bewusst mit fachlich hochwertigen Inhalten beschäftigt, trainiert den Algorithmus in eine andere Richtung. Mit der Zeit entsteht so ein individuell kuratierter Fachfeed. Das heißt: Die Qualität dessen, was man auf LinkedIn wahrnimmt, hängt auch stark vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Was LinkedIn realistisch leisten kann Hill: Wenn man es nüchtern betrachtet – welchen Beitrag kann LinkedIn dann tatsächlich leisten? Schönefuß: LinkedIn kann helfen, ein erstes Bild vom Portfoliomanager zu vermitteln und einen Vertrauensraum zu öffnen. Ein Investor schaut nicht nur auf Zahlen, sondern auch darauf, wie die Person denkt, die seine Investition verantwortet. Welche Marktmeinung vertritt sie? Wie argumentiert sie? Welche Themen setzt sie? Welche Haltung zeigt sie in schwierigen Marktphasen? Natürlich ersetzt das keine Due Diligence. Aber es schafft Orientierung. Und genau das kann gerade in frühen Phasen eines Kennenlernprozesses sehr wertvoll sein. Zudem kann LinkedIn den Vertrieb dabei unterstützen, systematisch neue Kontakte im relevanten Zielinvestorenkreis aufzubauen – nicht als einmalige Aktion, sondern als fortlaufenden Vertriebsprozess. Ein Praxisbeispiel Hill: Können Sie das bitte konkretisieren? Schönefuß: Gern. Eine Privatbank wollte ihre Investorenbasis gezielt verbreitern. Statt wahllos Kontakte aufzubauen, haben wir zunächst gemeinsam definiert, welche Investorengruppe überhaupt realistisch infrage kommt. In diesem Fall lag der Fokus auf Family Offices mit klarer Anlagestruktur und professionellem Due-Diligence-Prozess. Entscheidend war nicht die Zahl der Kontakte, sondern die Passung zwischen Fondsprofil und Investmentlogik der Zielinvestoren. Auf dieser Grundlage wurde das Netzwerk systematisch erweitert. Parallel dazu wurde das persönliche LinkedIn-Profil des Portfoliomanagers geschärft – nicht werblich, sondern fachlich. Zusätzlich haben wir die inhaltliche Ausrichtung seiner Beiträge begleitet. Ziel war keine Verkaufsrhetorik, sondern eine sachliche, fundierte Einordnung der eigenen Investmentüberzeugungen. Das Ergebnis waren mehrere hundert relevante Family-Office-Kontakte und eine deutlich höhere Sichtbarkeit im passenden Investorenkreis. Daraus entstanden qualifizierte Gespräche, die ohne diese gezielte Vorarbeit wahrscheinlich nicht zustande gekommen wären. Woran seriöse Ansätze erkennbar sind Hill: Wie erkennen Fondsboutiquen, ob ein digitaler Ansatz seriös ist? Schönefuß: Ein seriöser Ansatz beginnt nicht mit Content-Planung oder Posting-Frequenz, sondern mit der Frage: Wen wollen wir eigentlich erreichen? Im Fondsvertrieb stehen nicht Reichweite oder Interaktionszahlen im Mittelpunkt, sondern Investorenselektion und Produktpassung. Genau dort muss die Arbeit beginnen. Wenn im ersten Gespräch über Impressionen, Likes oder Posting-Rhythmen gesprochen wird, aber nicht über Zielinvestoren, Investmentlogik, Vertriebsprozess oder regulatorische Rahmenbedingungen, sollte man genau hinschauen. LinkedIn ist kein Selbstzweck. Es ist ein Instrument im Vertrieb. Technologie – auch KI – kann Prozesse strukturieren und effizienter machen. Sie ersetzt jedoch kein Marktverständnis, keine Erfahrung und kein Gespür für die richtige Ansprache. Hill: Hat sich Ihr Blick auf den Fondsvertrieb durch Ihre internationale Arbeit bzw. Ihren Standortwechsel verändert? Schönefüß: Ja, definitiv. Gerade …
Input, Ideen & Anregungen: Welche Themen könnten auf den beiden Panel-Diskussionen zusätzlich angesprochen werden? Frankfurt stellt ein interessantes Ökosystem für Family Offices, Vermögensverwaltungen, Startups und Fondsboutiquen im liquiden und nicht-liquiden Bereich da (Alternative Investments). FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN unterstützt auch in diesem Jahr wieder das „Forum für digitale Vermögenswerte“ (FDV – Manuel Müller & Samir Zakaria) im Bereich Kommunikation und in der fachlichen Begleitung von zwei Panel-Formaten. „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealth Management“ (25.2.2026) Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein Event am Vorabend des „Forum für digitale Vermögenswerte“. Im letzten Jahr hatten wir uns mit dem Thema „Family Offices, Asset Allocation & Financial Education“ beschäftigt. Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bei den damaligen Panelisten für den interessanten Gedankenaustausch in Frankfurt: Dr. Henning Schöer (FIDUBONUM), Peter Preller (HQ Trust) und Reiner Konrad (Focam AG). Am 25.Februar wollen wir diesmal etwas stärker mit dem Themenbereich „Family Offices, Vermögensverwaltung, Next Gen sowie Startups & Venture Capital – Ökosystem Hessen & Europa“ beschäftigen. Warum ist dieses Thema so interessant und schlägt auch in andere Gebiete interessante Brücken? Viele Family Offices und Vermögensverwalter (konzerngebunden / unabhängig – „Boutiquen“) beschäftigen sich bei der Betreuung vermögender Kunden intensiv mit dem Thema NexGen (Next Generation, Nachfolge, Digital Affluents & MORE). Diese junge Generation spricht in der Regel eine völlig andere Sprache als die traditionelle Klientel im Wealth Management: „Gesetzt, senior, gealtert und nicht unbedingt digital-affin“ (Zitat eines Family Officers aus Frankfurt, der an dieser Stelle nicht namentlich genannt werden wollte). In den Fokus bei der Betreuung größerer Vermögen geraten hier zunehmend auch Kunden im Bereich Nachfolge „TRADITIONELL“ oder auch aus dem Segment „SELFMADE“. Welche Themen könnten angesprochen werden an diesem Abend? Einige Dinge wurden oben schon eingangs erwähnt. Natürlich werden Christian Neuhaus (Finvia) und Sven Karkossa (Capitell AG) aus der Sicht des Wealth Management berichten. Interessant ist, dass natürlich auch im Bereich der Family Offices (SFO & MFO) mittlerweile ein Generationswechsel eintritt. Auch diese Häuser stellen sich neu auf, ebenso wie es mittlerweile viele unabhängige Vermögensverwalter gibt, die um den jungen Nachwuchs werben. Next Gen, Startups, Venture Capital & Ökosysteme – hier wird Noel Zeh (Wunderland Capital) als VC-Dachfondsmanager mit „Startup-Seeding“ einer hessischen Volksbank zusätzliche Impulse im Gespräch geben: Wie verkauft man ein Startup? Welche Erwartungen haben junge Unternehmer mit Technologie-Affinität an die Finanzindustrie? Was ist bei der Due Diligence von Venture Capital Fonds zu beachten? Warum sollte Deutschland sich der eigenen Stärken im Bereich Technologie & Investments bewusst werden? Wer sollte mit wem in welchem Ökosystem sprechen? Was verbindet Deutschland im Zusammenhang mit Seeding von Technologie mit Europa, im Gegensatz zu den USA? etc. Die Diskussion möchte zum Nachdenken anregen, im Vorfeld entstehen oft die interessantesten Gedanken: Wo steht die Vermögensverwaltung? Welche Investments sind interessant in den nächsten Jahren? Was bringt die Nex Gen ein für den Standort Frankfurt, Hessen und Europa? Wer müsste eigentlich mit wem sprechen, nicht nur am Finanzplatz Frankfurt? Input, Ideen & Anregungen sind immer willkommen: info@markus-hill.com / +49 (0) 1634616 179 Manuel Müller (FDV) & Markus Hill (Finanzplatz Frankfurt) Information zur Veranstaltung „Forum für digitale Vermögenswerte“ (FDV) PS: Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit einem Schweizer Asset Manager im Bereich „Value Investing & Rohstoffe“ wissen wir, dass das Thema PROZYLKLISCHES & ANTIZYLKLISCHES INVESTIEREN immer zu spannenden Gesprächen führt – wir freuen uns auf hier auf ein spannendes Panel am 26.2.2026. Auch dieses Thema wird nochmals vertieft erörtert. Vielleicht in dem Themen-Special „FINANZPLATZ FRANKFURT meets WEALTH MANAGEMENT & DIGITAL ASSETS“. Natürlich sind auch hier Input, Ideen & Anregungen immer willkommen.Es könnte ja sein, dass sich auch zwischen beiden Panel-Themen fachlich durchaus Bezüge herstellen lassen. PPS: Das Thema Family Offices schlägt oft auch Brücken in andere Bereiche. Wir freuen uns auch auf den Fireside Chat am 17. März zum Thema „Private Markets, Family Offices, Stiftungen – Due Diligence & Herausforderungen für 2026“ bei der Veranstaltung von Christian Hommens (Smart Bridges GmbH). In dem Gespräch mit J. Paulo M.dos Santos (VIRATIO) wird es auch um den Einsatz von Alternative Investments bei Stiftungen gehen, ebenso wie um die Bedeutung von Asset Manager-Selection und Anlagerichtlinien (Case Study). Auf der Veranstaltung PRIVATEMARKETS_ONE war Lukas Bennmann, ein Kollege von Noel Zeh (Wunderland Capital), am 2.2.2026 Moderator bei einem Panel, bei dem FERI, KfW, Joachim Hert Stiftung und eine Sparkasse jeweils Panelisten waren. Auch hier entstand der Eindruck, das der Bereich Venture Capital sehr viel mit Knowhow, Geduld & auch Moderation von Erwartungen gegenüber der Investorenseite erfordert. Information zur Veranstaltung „PRIVATE MARKETS EXCELLENCE FORUM“ Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“) 25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“ (Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital) 26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“ Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“ (Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com) 17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026” (Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH) Interview mit Christian Hommens – SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS Frühjahr 2026: Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“ (Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025) 16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog (Medienpartnerschaft) 12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“ (Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ) 17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT (Vortrag – Markus Hill) 10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz Liechtenstein“ (Markus Hill – Moderation – LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband: Panel & Vorträge) Input, Ideen & Anregungen zu den oben genannten Themen sind willkommen: info@markus-hill.com / +49 (0) 163 4616 179 FOTO: Marcus Kieser
In Deutschland herrscht oft die Angst vor dem Ende vor. In anderen Kulturen eher der Zauber, der in jedem Anfang liegt. Bei dem Thema KI ist das ein entscheidender Unterschied. Markus Hill im Gespräch für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Jürgen Büschges, einem seit Jahrzehnten an den internationalen Kapitalmärkten aktiven Asset-Management-Experten, geht es um mehr als nur neue Tools und Buzzwords. Wie verändern KI, Cloud-Plattformen und Agentensysteme die tägliche Praxis im Asset Management – von der Analyse über die Regulatorik bis hin zu Vertrieb, Kundenbetreuung, Telefonagenten und Investmentkonzepten? Und wie sieht eine Welt aus, in der eine Asset-Management-Gesellschaft weitgehend KI-basiert arbeitet, während der Mensch strategisch, kommunikativ und ethisch das Steuer behält? HILL: Welche Erfahrung bringst du für das Thema mit? BÜSCHGES: Ich blicke auf über 30 Jahre Erfahrung im Asset Management zurück – seit den 1990er-Jahren aktiv an internationalen Kapitalmärkten, von klassischen Fundamentalanalysen über Multi-Asset-Strategien bis hin zu alternativen Investments. Schon früh hat mich das Potenzial von KI und quantitativen Modellen fasziniert: erste Anwendungen etwa mit BARRA-Systemen, später verstärkt datengetriebene Strategien. Heute verbinde ich diese Welten – menschliche Intuition, Erfahrung und die Arbeit mit modernsten KI-Systemen – zu einem zeitgemäßen, zukunftsorientierten Investmentansatz. Jürgen Büschges, JB Convest HILL: Was hat sich durch KI im Asset Management grundsätzlich verändert? BÜSCHGES: Das Asset Management ist heute schneller, datenbasierter und transparenter als je zuvor. Entscheidungen entstehen nicht mehr aus „Bauchgefühl und Excel“, sondern aus KI-gestützten Analysen, die in der Cloud laufen, nachvollziehbar und skalierbar sind. Während Routineprozesse automatisiert werden, bleibt mehr Raum für Kundenarbeit, strategische Fragen und kreative Marktinterpretation – KI ist damit nicht der Autopilot, sondern der verlässliche Copilot. HILL: Wo liegt der wichtigste praktische Nutzen von KI – für Asset Manager und Kunden? BÜSCHGES: Der größte Mehrwert liegt in der Informationsqualität. KI wertet riesige Datenmengen aus – Finanzkennzahlen, Nachrichten, ESG-Berichte, Risikoprofile oder Marktstimmungen – und verdichtet sie in Echtzeit zu klaren Entscheidungsgrundlagen. Das führt zu schnelleren, individuelleren Empfehlungen und einer präziseren Beratung. Kunden erleben mehr Transparenz und Verlässlichkeit, während Asset Manager Effizienz und Risikokontrolle gewinnen – und zugleich mehr Zeit für den persönlichen Austausch haben. HILL: Womit arbeiten Asset Manager konkret – von Cloud-Modellen bis Agentensystemen? BÜSCHGES: Die meisten führenden Häuser nutzen heute Cloud-Infrastrukturen wie Google Cloud mit Vertex AI oder AWS mit Services wie SageMaker und Bedrock. Dort stehen spezialisierte Modelle für Zeitreihenprognosen, Textanalyse und generative KI bereit, die sich direkt mit eigenen Daten trainieren und in standardisierte Pipelines einbinden lassen – von der Datenaufbereitung bis zum produktiven Einsatz. Besonders spannend sind Multi-Agenten-Systeme: spezialisierte KI-Instanzen, die Analyse, Beratung, Vertrieb oder Compliance verzahnt steuern, voneinander lernen und Prozesse kontinuierlich optimieren – wie ein digitales Team aus Kollegen, das rund um die Uhr arbeitet.HILL: Wie verändert KI die Arbeit und die Rolle des Menschen im Asset Management? BÜSCHGES: Standardaufgaben verschwinden, dafür entstehen neue Schlüsselrollen: Data Scientists, KI-Spezialisten, Strategen mit technologischem Wissen und Verantwortliche für KI-Governance. Menschen interpretieren, kontrollieren und geben Kontext zu dem, was KI liefert. Im Kundenkontakt wird es sogar noch wichtiger, komplexe Ergebnisse verständlich zu vermitteln und Vertrauen zu schaffen – KI nimmt Arbeit ab, erhöht aber gleichzeitig den Anspruch an Kommunikation und Verantwortung.HILL: Welche Rolle spielt KI bei Regulatorik und Governance? BÜSCHGES: Regulatorik wird zunehmend selbst zum Einsatzfeld von KI. Systeme prüfen automatisch regulatorische Vorgaben, dokumentieren Audit-Trails, erkennen Compliance-Risiken und erzeugen Berichte für Aufsicht und interne Revision. Mit dem EU AI Act kommt hinzu, dass viele Asset-Management-Anwendungen als Hochrisiko-Systeme gelten dürften und damit strenge Anforderungen an Dokumentation, Monitoring und Governance erfüllen müssen – inklusive eines klaren Blicks auf die eingesetzten allgemeinen KI-Modelle und deren Anbieter. KI wirkt damit nicht nur als Werkzeug zur Regulierungsein-haltung, sondern gestaltet Governance-Prozesse und Transparenzstrukturen aktiv mit – ein fundamentaler Wandel für die Branche und die Aufsichtsbehörden. HILL: Wie stark werden Agentensysteme künftig Kapitalmarkt und Asset Management prägen?BÜSCHGES: Sehr stark. Agentensysteme übernehmen zunehmend Aufgaben in Beratung, Marketing, Vertrieb oder Reporting – und das weitgehend autonom. Im Kundenkontakt werden sie Anfragen kanalübergreifend bearbeiten, Leads qualifizieren, Angebote vorbereiten und Standardfälle direkt lösen; nur komplexe Themen gehen noch an menschliche Experten. Im Investmentprozess überwachen Agenten kontinuierlich Research, News, ESG-Informationen und Portfoliodaten, erkennen Anomalien und Regelverstöße und spielen dem Portfoliomanagement konkrete Handlungsvorschläge zu. In wenigen Jahren werden sie zentrale Teile des Asset Managements eigenständig steuern und Marktmechanismen über effizientere Informationsverarbeitung spürbar beeinflussen. HILL: Wo liegen die Grenzen – bleibt Asset Management trotz KI unsicher? BÜSCHGES: Absolut. KI erkennt Muster und Risiken früher, aber sie ersetzt weder Urteilskraft, Erfahrung noch ethische Reflexion. Märkte bleiben komplexe soziale Systeme – sie reagieren auf Daten, aber genauso auf Emotionen, Narrative und politische Entscheidungen. KI reduziert Unsicherheit, sie eliminiert sie nicht. HILL: Wie sieht der Jobmarkt der Branche in den nächsten zehn Jahren aus? BÜSCHGES: Der Wandel wird tiefgreifend. Klassische Analystenrollen, die hauptsächlich Daten zusammentragen und auswerten, werden seltener, dafür entstehen interdisziplinäre Profile, die KI-Modelle verstehen, Ergebnisse einordnen und Kunden begleiten können. Neue Rollen wie AI Product Owner, KI-Compliance-Experten oder Responsible-AI-Verantwortliche werden zur Schnittstelle zwischen Fachbereich, IT und Regulatorik. Teams werden flacher, agiler und stärker vernetzt – Asset Management wird zur Kooperation von Mensch, Maschine und Kunde auf Augenhöhe. HILL: Und wie arbeitet man 2035 idealtypisch mit KI? BÜSCHGES: 2035 orchestrieren wir Netzwerke spezialisierter KI-Agenten. Einige simulieren Märkte, andere analysieren Portfolios, weitere überwachen regulatorische Vorgaben, entwickeln neue Investmentkonzepte oder steuern vollautomatisiert den Vertrieb – inklusive direkter Kundenbetreuung per Chat und Telefon. Vertrieb, Reporting und Beratung laufen weitgehend datengetrieben, personalisiert und in Echtzeit. Die KI-basierte Asset-Management-Gesellschaft kann damit fast alle Kernprozesse aus Investment, Kundenbetreuung und Governance autark abbilden – während menschliche Entscheider Strategie, Werte und die letztendliche Verantwortung tragen. Um es zusammenzufassen: KI verändert das Asset Management grundlegend – von der Analyse über Regulierung und Vertrieb bis zur Kundenkommunikation. Die Branche bewegt sich in Richtung weitgehend KI-basierter Organisationen, in denen Automatisierung und Personalisierung Hand in Hand gehen. Der Mensch bleibt jedoch der entscheidende Faktor: als Stratege, Kommunikator und Träger von Verantwortung. HILL: Vielen dank für das Gespräch. Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“) 25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“ (Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven …
Impact Investing ist mehr als ein Etikett. Gerade in den Private Markets wird Wirkung zunehmend zur strategischen Kategorie – für Family Offices ebenso wie für institutionelle Investoren. Markus Hill spricht für FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE mit Christians Hommens über die kritischen Erfolgsfaktoren in diesem Investmentsegment und über die Bedeutung des fachlichen Dialogs zwischen Experten. Impact Messung, Impact Infrastructure, Private Equity, Sustainibility & Investing, Private Debt – diese und andere Themen bilden die Grundlage für den Gedankenaustausch im März im Rahmen einer Fachkonferenz (SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS). Unterstrichen wird die Bedeutung des Ökosystems Frankfurt für Themen wie Investment, Entscheidung und Regulierung in diesen Bereichen. Hill: Impact Investing gilt oft als „nice to have“. Wo sehen Sie heute einen echten strukturellen Wandel – gerade in den Private Markets? Christian Hommens, Smart Bridges GmbH & Markus Hill Finanzplatz Frankfurt Hommens: Impact Investing entwickelt sich klar vom Zusatzthema zur strategischen Kernfrage. In den Private Markets erkennen Family Offices und institutionelle Investoren zunehmend, dass langfristige Rendite, Resilienz und Wirkung zusammengehören. Infrastruktur, Private Equity oder Private Credit ermöglichen es, Kapital gezielt einzusetzen – mit messbarem Impact und gleichzeitigem Wertschöpfungspotenzial. Wirkung wird damit zum Qualitätsmerkmal, nicht zum Kompromiss. Hill: Wo scheitern Investoren in der Praxis – und warum lohnt sich der Austausch bei Smart Bridges? Hommens: Schwer zu sagen, aber drei Punkte sehen wir immer wieder: fehlende Impact-Messbarkeit, unklare Governance-Strukturen und begrenzter Zugang zu überzeugendem Dealflow. Genau hier setzt unser Forum an. Wir bringen Investoren, Praktiker und Lösungsanbieter zusammen – nicht theoretisch, sondern praxisnah, interaktiv und auf Augenhöhe. Hill: Welche Themen stehen konkret im Fokus der beiden Tage? Hommens: Von Impact-Messung über soziale Wirkung bis hin zu Impact Infrastructure. Und natürlich werden Private Equity und Sustainable Portfolio Design genauer betrachtet – ergänzt durch Themen wie Private Credit, Infrastruktur, regulatorische Anforderungen und neue Strukturierungsmodelle. Immer mit Blick auf die Frage: Wie lässt sich Wirkung sinnvoll in Portfolios integrieren, ohne die Performance aus dem Blick zu verlieren? Hill: Warum ist Frankfurt/Hessen der richtige Ort – und warum gerade jetzt? Hommens: Frankfurt und Hessen vereinen Kapital, Entscheidungskompetenz und regulatorische Nähe. In einem Umfeld zunehmender Unsicherheit suchen Investoren nach Orientierung und langfristigen Lösungen. Die Verbindung von Impact Investing und Private Markets ist dafür hochrelevant – und unsere Region der ideale Ort für diesen Dialog. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich auf den Fireside Chat am 17.2.2026 („Family Offices & Stiftungen“, Impact Investing) und auf die Gespräche vor Ort. Information zur Veranstaltung: SMART IMPACT INVESTING EXCELLENCE FORUM Information zur Veranstaltung: „PRIVATE MARKETS EXCELLENCE FORUM“ Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ-FRANKFURT-MAIN.DE, DACHLI-Region & FONDSBOUTIQUEN.DE (2026) – Themen, Interessen, Dialog (Auswahl & „Snapshots“) 25.2.2026, Frankfurt – „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement“ (Markus Hill – Moderation: Christian Neuhaus – FINVIA, Sven Karkossa – Capitell Vermögens-Management AG, Noel Zeh – Wunderland Capital) 26.2.2026, Frankfurt – „Forum für Digitale Vermögenswerte (FDV)“ Redaktion – Themenspecial „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Wealthmanagement & Digital Assets“ (Interviews / Gastbeiträge, “Support” & MORE: info: markus-hill.com) 17.3.2026, Frankfurt – Private Markets Excellence Forum – „Private Markets, Family Offices & Stiftungen – Due Diligence & Ausblick 2026” (Markus Hill – Fireside Chat: J. Paulo Dos Santos – Geschäftsführer, VIRATIO GmbH) Interview mit Christian Hommens – SMART IMPACT INVESTING & PRIVATE MARKETS Frühjahr 2026: Investorenstudie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien & Alternative Investments“ (Markus Hill – Moderation, Podcast: Sebastian Thürmer, “artis & x” – Beispiel 2025) 16.4.2026 – „köln let’s talk“ – Bettina Timmler – Immobilien & Dialog (Medienpartnerschaft) 12.5.2026, Frankfurt: „Value Investing & Rohstoffe & MORE“ (Markus Hill – Moderation & Kurzintro „Fondsboutiquen & USA-Formel“ – Alex J. Rauschenstein & Urs Marti, SIA FUNDS AG – FINANZPLATZ SCHWEIZ) 17.6.2026, Zürich: Insights – “Family Offices & Fondsboutiquen” – The Mountain Talks Summit – FUNDPLAT (Vortrag – Markus Hill) 10.11.2026, Frankfurt: „Finanzplatz Frankfurt am Main meets Finanzplatz Liechtenstein“ (Markus Hill – Moderation – LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband: Panel & Vorträge) Input, Ideen & Anregungen zu den oben genannten Themen sind willkommen: info@markus-hill.com / +49 (0) 163 4616 179 Foto: Pixabay
Private Debt, Real Assets, Asset Allocation, Regulierung – im Gespräch mit Markus Hill, FINANZPLATZ FRANKFURT, geht Sebastian Thürmer, geschäftsführender Gesellschafter der artis Institutional Capital Management GmbH, auf die Marktverschiebungen, Wachstumssegmente und die Frage, wie sich institutionelle Anleger strategisch zwischen Private Debt, Infrastruktur und klassischen Anleiheinvestments positionieren sollten, ein. Hill: Private Debt steht in der Wahrnehmung vieler Marktteilnehmer eher im Schatten der boomenden Assetklasse Infrastruktur Equity. Sehen Sie Chancen für eine Trendumkehr?Thürmer: Beide Assetklassen erfreuen sich großer Beliebtheit, sind jedoch grundsätzlich nicht miteinander vergleichbar. Bei Infrastruktur Equity investieren institutionelle Anleger Eigenkapital mit langfristigem strategischem Fokus. Themen wie Nachhaltigkeit, Energiewende, öffentlicher Verkehr oder bezahlbarer Wohnraum stehen im Vordergrund. Private Debt hingegen umfasst kurz- bis langfristige Fremdkapitalfinanzierungen mit der Möglichkeit, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Ein wesentlicher Treiber sind regulatorische Veränderungen wie Basel III und Basel IV. Diese erhöhen den Druck auf Banken, höhere Eigenkapitalquoten vorzuhalten, was Margen reduziert und die klassische Kreditvergabe erschwert. Die Folge ist eine sinkende Kreditverfügbarkeit durch Banken und Sparkassen – und genau hier eröffnen sich Chancen für alternative Kreditgeber, wettbewerbsfähige Konditionen anzubieten. Für institutionelle Investoren entstehen dadurch attraktive Anlagemöglichkeiten in der Fremdfinanzierung von Immobilien, Unternehmen und Infrastrukturprojekten. Sebastian Thürmer, Artis Institutional Capital & Markus Hill Finanzplatz Frankfurt Hill: Inwieweit sehen Sie die Gefahr, dass Banken sich aus dem Finanzierungsbereich teilweise oder sogar vollständig zurückziehen?Thürmer: Banken und Sparkassen werden insbesondere in Deutschland auch künftig zentrale Ansprechpartner für Kreditfinanzierungen bleiben. Allerdings ist zu erwarten, dass sich Kreditinstitute stärker auf die Bindung von Bestandskunden konzentrieren – häufig zulasten des Neukundengeschäfts. Daraus ergibt sich eine klare Chance für Private-Debt-Fonds. Der Hausbankgedanke ist in Deutschland traditionell stärker ausgeprägt als etwa in den USA, Großbritannien oder den Benelux-Ländern. Dort finanzieren sich Unternehmen bereits heute zu einem deutlich höheren Anteil über Private-Debt-Strukturen.Hill: Gehen Sie daher in den kommenden Jahren weiterhin von einem starken Marktwachstum aus?Thürmer: Ja, eindeutig. Der Vermögensverwalter BlackRock kam in einer Studie aus dem Jahr 2025 zu dem Ergebnis, dass das weltweite Volumen von Private-Debt-Investments von aktuell rund 1,4 Billionen US-Dollar auf bis zu 3,5 Billionen US-Dollar anwachsen könnte. Dieses Wachstum wird auch Deutschland und Europa erfassen, wenngleich die Märkte hier traditionell bodenständiger strukturiert sind als in den USA. Bereits heute investieren insbesondere Versicherungsunternehmen in Deutschland stark in Private Debt und planen weitere Aufstockungen. Ein wesentlicher Faktor ist die regulatorische Behandlung: Unter Solvency II ist die Eigenkapitalunterlegung bei Fremdkapital deutlich niedriger als bei Eigenkapitalinvestments. Zusätzlich eröffnet die neu geschaffene Infrastrukturquote nun auch Altersvorsorgeeinrichtungen und weitere VAG-regulierten Investoren zusätzliche Spielräume für Fremdkapitalengagements.Hill: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass institutionelle Investoren Mittel aus dem klassischen Anleihebereich in Private Debt umschichten, um Renditen zu optimieren?Thürmer: Renditeoptimierung allein darf kein Maßstab sein – entscheidend ist immer das Verhältnis von Risiko und Ertrag. In den vergangenen Jahren haben sich einige Investoren, insbesondere in bestimmten Teilsegmenten, durch steigende Zinsen und rückläufige Immobilienbewertungen in schwierige Situationen manövriert. Vorstellbar sind jedoch Umschichtungen von liquiden Hochzinsanleihen mit schwacher Bonität in Private-Debt-Investments. Dadurch lässt sich die Kreditqualität verbessern, da vergleichbare Renditen im Private-Debt-Bereich häufig auch mit Investment-Grade-Strukturen erzielt werden können – nicht zuletzt aufgrund der Illiquiditätsprämie. Hill: Wie positionieren sich aus Ihrer Sicht die Segmente Corporate Debt, Infrastructure Debt und Real Estate Debt in den kommenden Jahren?Thürmer: Im Bereich Real-Estate-Debt sind Abschreibungen und Wertberichtigungen weitgehend verarbeitet. Die Immobilienmärkte haben sich stabilisiert und dürften perspektivisch wieder zulegen. Bei Neuinvestitionen sollte der Fokus stärker auf Wohnimmobilienfinanzierungen liegen und weniger auf gewerblichen Objekten. Corporate Debt gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere im Bereich der Mittelstandsfinanzierung. Großbanken ziehen sich hier teilweise selektiv zurück, was alternative Kreditgeber stärkt. Infrastructure Debt bleibt geprägt von der Finanzierung von Wind- und Solarparks. Gleichzeitig wird das Anlageuniversum durch neue Infrastrukturthemen weiter wachsen. Die Mehrheit der Investoren bevorzugt Senior Loans als etabliertes Finanzierungsinstrument, ergänzt durch Junior Loans zur gezielten Renditeoptimierung.Hill: Ihre jährlich durchgeführte Studie „Präferenzen institutioneller Investoren bei Immobilien und alternativen Investments“ zeigte Anfang 2025, dass 36% der Befragten ihre Private-Debt-Allokation ausbauen wollen. Welche Tendenz erwarten Sie in der 2026er-Studie?Thürmer: Die Studie werden wir im Februar/März 2026 zum sechsten Mal durchführen. Prognosen möchten wir bewusst vermeiden, doch das Marktumfeld erscheint weiterhin stabil. Die strukturellen Treiber – Regulierung, Finanzierungsbedarf und Nachfrage nach planbaren Erträgen – sind unverändert intakt.Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL Foto: PIXABAY Quelle: www.institutional-investment.de
Finanzplatz Liechtenstein & Frankfurt, Fondsboutiquen, Family Offices, Fondsdomizil und Dialog in Deutschland – Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit David Gamper, Geschäftsführer LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband, über Themen wie Positionierung und Kooperation von Liechtenstein im europäischen Wettbewerb, Trends bei Alternative Investments und Regulierung. Zusätzlich gibt er aufgrund der aktuellen Bedeutung von Fondsauflagen bei Family Offices und Vermögensverwaltern noch einen kurzen Überblick über die weiteren Dialogangebote des Verbands am Finanzplatz Deutschland im Frühjahr 2026 und in London. Hill: Welche Rolle spielt der Fondsstandort Liechtenstein im europäischen Markt aktuell – eher Nische oder aufstrebender Fondszentrum?Gamper: Ich würde Liechtenstein als eine aufstrebende Nische bezeichnen. In Europa gibt es mit Luxemburg und Irland zwei große Fondszentren, die sich vor allem auf große, meist global tätige Asset Manager konzentrieren. White-Label-Fonds spielen dort, zumindest regulatorisch und auf Ebene der Aufsicht, eine untergeordnete Rolle. Genau hier setzt Liechtenstein an. Der Standort fokussiert sich auf optimale Rahmenbedingungen für Vermögensverwalter und Fondsboutiquen, die White-Label-Fonds auflegen möchten, sowie auf die Vermögensstrukturierung für wohlhabende Familien, häufig auch mit eigenen Family Offices. Das zeigt sich auch in der Statistik: Über 85% der in Liechtenstein domizilierten Fonds sind White-Label-Fonds – mit steigender Tendenz. David Gamper, LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband Hill: Legen Sie derzeit in Liechtenstein viele Fonds für Family Offices auf?Gamper: Ja, die Entwicklung in diesem Bereich war in der jüngsten Vergangenheit sehr positiv. Wir beobachten eine zunehmende Verunsicherung vermögender Personen, ausgelöst durch geopolitische Spannungen, hohe Staatsverschuldung in Europa und die Diskussionen um mögliche Steuererhöhungen. Liechtenstein hingegen weist keine Staatsschulden auf, hat die niedrigste Staatsquote Europas – also das Verhältnis von Staatsausgaben zum Bruttoinlandsprodukt – und entsprechend keine Notwendigkeit, Steuern zu erhöhen. Zudem sind Investmentfonds vollständig steuerbefreit. Politische Kontinuität und das AAA-Rating stärken das Vertrauen zusätzlich und machen den Standort insbesondere für langfristige Vermögensstrukturen attraktiv. Hill: Wie entwickelt sich der Fondsstandort im Bereich alternativer Anlagen?Gamper: Der Bereich der alternativen Anlagen wächst sehr stark. Sieben von zehn neu gegründeten Fonds sind derzeit Alternative Investment Funds (AIF). Das liegt einerseits daran, dass Fonds zur Vermögensstrukturierung nahezu ausschließlich in dieser Form aufgelegt werden. Andererseits profitieren AIF in Liechtenstein von einer besonders flexiblen Regulierung. Liechtenstein hat die von der EU bewusst vorgesehenen Spielräume genutzt und auf sogenanntes „Goldplating“ verzichtet, das man in anderen Fondsdomizilen häufig sieht. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein. Gerade bei komplexen AIF-Strukturen ist es für Fondsinitiatoren sehr wertvoll, frühzeitig in den Dialog mit der Aufsicht treten zu können. Diese kooperative Praxis wird sehr geschätzt und hat bereits zu mehreren Fondsgründungen geführt. Markus Hill, FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN Hill: Welche Risiken könnten den Fondsstandort Liechtenstein mittelfristig bremsen?Gamper: Wie alle Fondsplätze sind auch wir von geopolitischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte abhängig. Darauf haben wir nur begrenzten Einfluss, müssen aber entsprechend vorbereitet sein. Ein weiteres Risiko liegt in der zunehmenden Regulierung auf europäischer Ebene. Umfangreiche Reportingpflichten und ständige Neuerungen in der Regulierung belasten kleinere Fondsgesellschaften, wie sie in Liechtenstein typisch sind, deutlich stärker als große internationale Anbieter. Wir stehen klar hinter sinnvoller Regulierung, die Anlegerschutz und Transparenz stärkt. In den vergangenen Jahren wurde hier jedoch teilweise über das Ziel hinausgeschossen. Wir hoffen daher, dass das angekündigte „Simplification Package“ wieder spürbare Entlastung bringt. Besonders wachsam müssen wir zudem in den Bereichen Geldwäscheprävention und Sanktionsumsetzung bleiben. Trotz sehr guter Ergebnisse bei den letzten Prüfungen arbeiten wir kontinuierlich an weiteren Verbesserungen, denn eine starke Reputation ist für einen kleinen Finanzplatz essenziell. Hill: Sehen Sie Fachkräftemangel als limitierenden Faktor?Gamper: Auch wir sind vom allgemeinen Arbeits- und Fachkräftemangel betroffen, von einem limitierenden Faktor kann jedoch nicht gesprochen werden. In anderen Finanzbranchen des Landes gibt es qualifiziertes Personal, das zunehmend auf die Fondsbranche aufmerksam wird, nicht zuletzt aufgrund ihres starken Wachstums. Zudem steigt das Interesse hochqualifizierter Fachkräfte aus dem nahegelegenen Finanzplatz Zürich sowie aus Deutschland. Insgesamt sehen wir derzeit eine ausgewogene Mischung aus Bedarf und verfügbaren Talenten. Hill: Wo steht der Fondsstandort Liechtenstein in fünf bis zehn Jahren?Gamper: Die Spezialisierung auf White-Label-Fonds war aus meiner Sicht der richtige strategische Schritt. Für diese Zielgruppe wurden optimale, teilweise sogar einzigartige Rahmenbedingungen geschaffen. Dass wir damit richtig liegen, zeigt auch das wachsende Interesse ausländischer Fondsgesellschaften. Nach der luxemburgischen Axxion hat auch Dirk Grosshans von Universal Investment an der Veranstaltung „Finanzplatz Frankfurt trifft Finanzplatz Liechtenstein“ am 18. November 2025 in Frankfurt angekündigt, ab dem ersten Quartal 2026 Fonds in Liechtenstein aufzulegen. Weitere Anbieter werden folgen. Ich bin daher überzeugt, dass Liechtenstein seinen Wachstumskurs in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht nur fortsetzen, sondern in den kommenden Jahren sogar beschleunigen wird. Es wird noch viel Positives zu berichten geben. Hill: Welche Veranstaltungen stehen demnächst an?Gamper: In Deutschland sind wir auf verschiedenen Veranstaltungen. Am 28. und 29. Januar 2026 laden wir wieder zum Dialog beim FONDS professionell KONGRESS in Mannheim ein. Interessierte können sich am Stand über den Fondsstandort informieren und mit Strukturierungsexperten über konkrete Fondsprojekte sprechen. Im Vortrag berichtet ein Fondsgründer über sein sehr erfolgreiches Fondsprojekt und seine positiven Erfahrungen in Liechtenstein. Am 21. und 28. April 2026 präsentieren wir uns wieder bei den Veranstaltungen des LAFV in München und Hamburg. Fondsgründer berichten über die einzigartigen Standortvorteile Liechtensteins und die steuerliche Komponente von liechtensteinischen Fonds wird beleuchtet. Verena Schlömer von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein wird Einblicke in den Zulassungs- und Aufsichtspraxis bei Fonds gewähren. In London findet die nächste Veranstaltung am 25. Juni 2026 statt. Das detaillierte Programm wird noch bekannt gegeben, im Fokus stehen jedoch die Standortvorteile und aktuellen Entwicklungen des Fondsplatzes Liechtenstein. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL Foto: PIXABAY Quelle: www.institutional-investment.de
Wenn du mir nichts Relevantes zu verkaufen hast, musst du es auch gar nicht erst versuchen Auch im Investmentbereich ist der Vertrieb der Klebstoff aller beteiligten Akteure und auch die Litfaßsäule teils überbordender aktueller Themen. Von Dieter Lange stammt der Satz (Buchtitel) „Gewinner erkennt man am Start, Verlierer auch“. Er selbst bezeichnet sich als Geschichtenerzähler. Mit seiner Art füllt er die großen Hallen und hat Zugang zu Spitzensportlern und Unternehmenslenker, die seinen Rat suchen. Wenn er vor Menschen spricht, braucht er sich nicht vorzubereiten. Wenn er kurz vor dem Auftritt sein Thema kennt, reicht das völlig aus. Jürgen Büschges, JB Convest Seine Lebenserfahrung und seine Grundhaltung zum Leben zeichnen Ihn aus. Man hört ihm gerne zu, weil er substanzielles, relevantes und unkonventionelles Wissen selbst erfahren hat und dieses auch so weitergibt. Der Satz „Alle Menschen werden als Unikat geboren, leider sterben viele als Kopie“ sagt viel über den scheinbar beruflich erfolgreichen Weg. Er hat halt „etwas zu verkaufen“. Dafür nimmt sich jeder interessierte Zuhörer gerne Zeit und ist bereit, wertvollen Gedanken zu folgen. Ich glaub, jeder kann das nachvollziehen. Der Mensch entscheidet emotional und begründet die Entscheidung nachträglich rational. Man darf im Vertrieb die Gremien nicht unterschätzen, die nur das Ergebnis der Entscheidung des Investors bewerten. Die künstliche Intelligenz hat keine eigenen Bedürfnisse, keine Kreativität für Wünsche. Laut Dr. Gerald Hüther fehlt ihr die Intentionalität. Ich finde diesen Hinweis wesentlich, weil aktuell viel darüber diskutiert wird, ob und gegebenfalls wie der Mensch im Wirtschaftsprozess oder generell als Mitglied einer Gesellschaft noch angebracht ist. Im Vertrieb von Investmentprodukten scheinbar nicht mehr als sogenannter “Prospekt Schubser“. Die Menge an quantitativen Informationen kann jeder an dem Prozess Beteiligten, perfekt individualisiert, von den persönlichen KI-Assistenten aufbereiten lassen. In nicht allzu ferner Zukunft wird dieser persönliche (Ro-)Bot die Aufgabe übernehmen, die Selektion der passenden Produkte mit dem Bot des Anbieters abzugleichen, bevor ein Gespräch stattfindet. Also scheint die absolute Transparenz des Angebots und der Nachfrage zukünftig zum Hygienestandart zu werden. Damit verändern sich die sogenannten Pull-Faktoren der Kaufentscheidung, da die Transparenz für Kontrollgremien jeder Art dazu führt, Gründe zu identifizieren, die zu der Entscheidung geführt haben. Das klingt nach Veränderung des Umfeldes. Vieles, was bisher gut funktioniert hat, wird zukünftig nicht mehr funktionieren. Wenn also das Vertriebsbudget transparent wird, Performance und Prozess ebenso, dann sind wir wieder bei der Emotion. Man muss als Mensch ein interessanter Gesprächspartner sein, weil man, nachdem die Bots auf beiden Seiten ihren Job erfolgreich erledigt haben, eine Gesprächsbasis hat, die für die Teilnehmer relevant sind. Das erreicht man nicht durch „Trainings und Coachings“. Um noch einmal mit Dieter Lange zu argumentieren: Jeder Mensch hat bestimmte Fähigkeiten, die ihn besonders machen. Vertriebler kann man nicht werden, Vertriebler muss man sein. Da bleibt nur noch die Aufforderung an alle Produzenten von Investmentvehikel: Es reicht nicht aus, wenn Dir Dein Produkt gefällt. Schon bei der Konzeption sollte man sich sehr darüber im Klaren sein, wofür es relevant ist, wer es brauchen soll und wie oft man es schon in dieser oder ähnlicher Form erwerben kann. Dann kann man versuchen dieses Produkt erfolgreich im Mark anzubieten. Durch Menschen, die auch persönlich „etwas zu verkaufen haben“. Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL Foto: Jürgen Büschges
„Die größten Anlagerisiken liegen nicht in der Wirtschaft, sondern im menschlichen Verhalten“ (Howard Marks). Stiftungen stehen heute vor einer doppelten Herausforderung: steigende operative Kosten auf der einen Seite und volatile Kapitalmärkte auf der anderen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, gesellschaftliche Wirkung zu entfalten und langfristig handlungsfähig zu bleiben. Wie gelingt dieser Balanceakt zwischen Zweckorientierung, Risikomanagement und nachhaltiger Ertragskraft? Im Gespräch mit Stefan Sillmann, der seit Kurzem das Team des VIRIATO Family Office für Stiftungen im Bereich Investor Education & Relationship-Management (Executive Consultant) unterstützt, werfen wir einen differenzierten Blick auf die aktuellen Entwicklungen. Es geht um die Lehren aus der Zinswende, um Behavioral Finance als Entscheidungshelfer, um typische psychologische Muster in der Kapitalanlage – und um die Frage, wie Stiftungen auch in einem anspruchsvollen Umfeld ihre Rolle als „ruhige Hand“ behalten können, ohne in Untätigkeit zu verfallen. Ein Gespräch über Verantwortung, Struktur und die Kunst, emotionale Entscheidungen durch klare Prozesse zu ersetzen. Stefan Sillmann & John O’Donnell, VIRIATO FAMILY OFFICE für Stiftungen Hill: Herr Sillmann, viele Stiftungen blicken laut dem 15. Deutschen Stiftungsbarometer eher skeptisch in die Zukunft. Machen Ihnen diese Ergebnisse Sorgen? Sillmann: Sorgen vielleicht nicht, aber sie machen nachdenklich. Laut Umfrage konnten im vergangenen Jahr nur 18 Prozent der Stiftungen ihre geplanten Projekte nicht wie vorgesehen umsetzen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Das ist keine positive Entwicklung für die Stiftungslandschaft. Hill: Worin sehen Sie die Hauptursachen für diese Entwicklung? Sillmann: Wir erleben Inflation, steigende Kosten bei Personal und Projekten. Gleichzeitig sind jedoch auch die Renditen in vielen Portfolios gestiegen – sowohl an den Aktienmärkten als auch im Rentenbereich. Das wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt. Hill: Das heißt, die Erträge hätten eigentlich für viele Projekte reichen müssen? Sillmann: Das war zumindest unsere Erfahrung bei den Stiftungen, mit denen wir arbeiten. Voraussetzung war allerdings ein aktives Handeln. Als die Zinsen 2022 stark stiegen, waren viele Stiftungen noch im alten Anleihenmarkt investiert und scheuten Abschreibungen. Wir haben hier bewusst Umschichtungen vorgenommen – auch in Kauf von kurzfristigen Verlusten, um die Portfolios langfristig solide aufzustellen. Heute stehen viele Haushaltspläne wieder auf stabilen Beinen. Hill: Viele sprechen bei Stiftungen von der „ruhigen Hand“ in der Kapitalanlage. Gehen Umstrukturierungen trotzdem schnell genug? Sillmann: In besonderen Marktphasen ja. Die Zinswende 2022 war ein historisches Ereignis. In solchen Situationen muss man aktiv werden. Die „ruhige Hand“ ist wichtig, aber sie darf nicht zu Untätigkeit bei fundamentalen Veränderungen führen. Hill: Welche weiteren Erkenntnisse aus der Umfrage haben Sie besonders beschäftigt? Sillmann: Auffällig sind typische finanzpsychologische Muster. Viele Stiftungen planen, ihre Aktien- und ETF-Quoten nach starken Kursanstiegen zu erhöhen, während das Interesse an Anleihen sinkt – obwohl sich deren Rahmenbedingungen verbessert haben. Das ist klassisches „Chasing the Market“. Gleichzeitig wollen rund 30 Prozent ihre Diversifikation nicht verändern, obwohl sie höhere Erträge anstreben. Diese Widersprüche deuten auf Unsicherheit und Entscheidungshemmnisse hin. Hill: Sie sprechen Behavioral Finance an. Wo sehen Sie hier die größten Herausforderungen? Sillmann: Stiftungen tragen große Verantwortung, aber Kapitalanlage ist nicht ihr Kerngeschäft. Entscheidungen werden daher oft reaktiv getroffen – beeinflusst von Medien, Politik oder kurzfristigen Marktereignissen. Behavioral Finance hilft uns, diese Mechanismen sichtbar zu machen und Entscheidungsstrukturen zu schaffen, die emotionale Reflexe reduzieren. Das ist entscheidend für nachhaltige Stiftungsarbeit. Hill: Sie kennen John O’Donnell seit vielen Jahren. Welche Rolle spielt diese Verbindung für Ihre neue Aufgabe bei VIRIATO? Sillmann: Wir kennen uns aus früheren Stationen im Devisenhandel und aus unserer gemeinsamen Arbeit im Bereich Behavioral Finance. Als es darum ging, die Stiftungsaktivitäten von VIRIATO weiter auszubauen, haben wir wieder intensiv zusammengearbeitet. Mein Hintergrund in Business Development und Finanzpsychologie ergänzt die bestehende Expertise sehr gut. Hill: Wie verbinden Sie die Werteorientierung von Stiftungen mit den Anforderungen der Kapitalmärkte? Sillmann: Werte und Marktrealität schließen sich nicht aus. Wir entwickeln Strategien, die die individuellen Leitbilder der Stiftungen berücksichtigen und gleichzeitig Stabilität, Ausschüttungsfähigkeit und Risikomanagement sicherstellen. Das ist anspruchsvoll, aber unverzichtbar. Hill: Was motiviert Sie persönlich in diesem Arbeitsfeld besonders? Sillmann: Mich beeindruckt die Vielfalt und gesellschaftliche Relevanz der Stiftungsarbeit. Wenn wir dazu beitragen können, Stiftungen stabiler, handlungsfähiger und zukunftsfester zu machen, entsteht echter Mehrwert. Für mich ist das eine konsequente Weiterentwicklung meiner beruflichen Laufbahn. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. www.viriato-family-office.de Dialog & Information: FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – KANAL FINANZPLATZ FRANKFURT AM MAIN auf LINKEDIN – GRUPPE FONDSBOUTIQUEN auf LINKEDIN – KANAL Foto: Unsplash
„Reflexion“ Intellektuelle Neugier als Schlüssel „Das Wichtigste ist, nicht aufzuhören zu fragen.“ „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Albert Einsteins intellektuelle Neugier war eine treibende Kraft hinter seinen Leistungen. Sie förderte seine Vorstellungskraft, Kreativität und die Fähigkeit, auch unkonventionell zu denken. Die Freude am Schauen und Suchen war ihm wichtig. Hat intellektuelle Neugier auch am Finanzplatz Deutschland eine Bedeutung? (Finanzplatz-Akteure, Ökosysteme, Netzwerke und Initiativen = Banken, Versicherungen, Börse, Fonds, Fintechs, weitere Finanzdienstleister, Begleitung durch Wissenschaft, Ministerien, Bundesbank, Förderinstitute, Verbände, Kammern, Berater und Aufsichtsbehörden sowie branchenübergreifende Unternehmen.) Dieser Frage ist FINANZPLATZ DEUTSCHLAND in drei Beiträgen nachgegangen, die im Folgenden zusammen wiedergegeben werden. Der erste Teil befasst sich hier mit der ökonomischen Relevanz intellektueller Neugier. Weiter vertieft wird die intellektuelle Neugier als ökonomischer Schlüsselfaktor für Innovation, Transformation und Wettbewerbsfähigkeit. Anschließend folgt ein Beispiel: Warum die Grundsatzabteilung des Wirtschaftsministeriums für einen Ökonomen mit intellektueller Neigung ein „Place to be“ ist. Die ökonomische Relevanz intellektueller Neugier am Finanzplatz In einer Zeit tiefgreifender Transformationen gewinnen Fähigkeiten an Bedeutung, die über Fachwissen hinausgehen. Eine Schlüsselkompetenz ist die intellektuelle Neugier: die intrinsische Motivation, neue Informationen zu suchen, Wissen zu hinterfragen, Reflexion und Perspektiven zu erweitern. Doch trotz ihrer zentralen Rolle für Innovation, Anpassungsfähigkeit und lebenslanges Lernen ist sie unterbewertet. Intellektuelle Neugier beschreibt den Wunsch, Ungewissheiten zu beseitigen und kognitiv herausgefordert zu werden. Sie korreliert mit Offenheit für Erfahrungen – einem der „Big Five“ Persönlichkeitsmerkmale – und mit Lernfähigkeit, kreativem Denken und Problemlösungskompetenz. Diese Eigenschaften sind nicht nur individuell vorteilhaft, sondern besitzen hohe ökonomische Relevanz: Unternehmen, die auf Innovationsprozesse setzen, sind resilienter und anpassungsfähiger. Neugier fungiert als Motor für die Investition in Humankapital. Lebenslanges Lernen wird zur strategischen Notwendigkeit – sowohl für Individuen als auch für Organisationen. Neugier motiviert Menschen, sich weiterzubilden, selbstgesteuert Wissen aufzubauen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Sie ist damit der Antrieb zur Entwicklung von Kompetenzen, die in modernen Arbeitswelten gefragt sind: digitale Souveränität, interdisziplinäres Denken und kulturelle Anpassungsfähigkeit. Unternehmen erkennen zunehmend den Wert von Lernkulturen, in denen Exploration und Wissensaustausch gefördert werden. Hier geht es nicht nur um das Vermitteln von Fähigkeiten, sondern um die Etablierung einer Kultur, in der Fragen ebenso zählen wie Antworten. Besonders in Ökosystemen, in denen Innovationsprozesse kollaborativ verlaufen, ist die Fähigkeit, neue Informationen zu erschließen und Wissen zu teilen, ein Wettbewerbsvorteil. Auch individuell zeigt sich der ökonomische Nutzen. Menschen mit vielfältigen Bildungs- und Berufserfahrungen sind anpassungsfähiger, resilienter und erfolgreicher. Sie erschließen sich Chancen, weil sie bereit sind, Unbekanntes zu erkunden – durch Weiterbildung, Neuorientierung und Mobilität. Schließlich gewinnt Neugier gesellschaftspolitisch an Bedeutung: In Fragen der Digitalisierung und Gestaltung moderner Arbeitswelten ist sie eine unterschätzte Ressource. Wer neugierig bleibt, bleibt lernfähig – und trägt damit zur eigenen Entwicklung und zur Innovationskraft der Gesamtgesellschaft bei. Für die Finanzplatzstrategie sind die Stärkung der finanziellen Bildung und der Ausbau der intellektuellen Infrastruktur „ein Schlüssel, um Talente zu fördern und Innovationen voranzutreiben. Als Akteure am Finanzplatz können wir darauf einzahlen.“ Fazit Teil 1: Intellektuelle Neugier ist mehr als eine persönliche Eigenschaft – sie ist ein ökonomischer Erfolgsfaktor. Sie fördert individuelle Entwicklung, organisationales Lernen und gesellschaftlichen Fortschritt. Sie ist kein „weicher“ Wert, sondern als strategisches Potenzial zu begreifen und nachhaltig zu fördern. Intellektuelle Neugier als ökonomischer Schlüsselfaktor für Innovation, Transformation und Wettbewerbsfähigkeit In Anbetracht des technologischen Wandels, globaler Unsicherheiten und ökologischer Herausforderungen nehmen individuelle und organisationale Flexibilität zunehmend an Relevanz zu. Neben klassischen Produktionsfaktoren rückt ein oft unterschätzter Treiber ökonomischer Dynamik in den Fokus: die intellektuelle Neugier. Als Bereitschaft, sich mit Neuem, Komplexem oder Unbekanntem auseinanderzusetzen, fördert sie nicht nur individuelles Lernen und Wachsen, sondern entfaltet auch systemische Wirkung in Innovationsprozessen, Transformationsdynamiken und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften. Intellektuelle Neugier und Innovation Innovation entsteht aus kognitiven Prozessen wie Problemerkennung, Lösungsorientierung, Hypothesenbildung und kreativem Denken. Studien zeigen, dass intellektuelle Neugier mit innovativem Verhalten korreliert. Neugierige Individuen sind eher bereit, bestehende Annahmen zu hinterfragen, interdisziplinäre Verbindungen herzustellen und unter Ungewissheit zu handeln – zentrale Voraussetzungen für Innovationen. Unternehmen mit einer ausgeprägter Lernkultur berichten über schnellere Weiterentwicklung, höhere F&E-Leistung und mehr Innovationen. Transformation und organisationale Resilienz In Transformationsprozessen – etwa im Zuge der Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder geopolitischer Verschiebungen – sind Offenheit für Neues und kognitive Flexibilität von entscheidender Bedeutung. Intellektuelle Neugier fungiert hier als psychologischer Hebel für Lernbereitschaft, Veränderungswillen und Selbstwirksamkeit. Organisationen, die diese Kompetenz fördern, zeigen sich resilienter und können Entwicklungen aktiver gestalten. Empirisch lässt sich ein Zusammenhang zwischen Organisationskultur, Mitarbeiterengagement und Innovationszyklen nachweisen. Ökonomische & politische Implikationen Ökonomisch betrachtet wirkt intellektuelle Neugier als immaterieller Produktionsfaktor mit hohem Multiplikatoreffekt. Auf Mikroebene stärkt sie die Innovationsfähigkeit von Unternehmen; auf Makroebene beeinflusst sie die Anpassungsgeschwindigkeit von Volkswirtschaften an technologische und gesellschaftliche Veränderungen. In einer wissensbasierten und vernetzten Wirtschaft ist sie somit nicht bloß eine „soft skill“, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor. Die gezielte Förderung von Lernkultur, interdisziplinärem Denken und exploratives Arbeiten sollte Bestandteil zukunftsorientierter Politik sein. Fazit Teil 2 Intellektuelle Neugier ist mehr als eine persönliche Eigenschaft – sie ist eine ökonomisch relevante Ressource mit systemischer Wirkung. Ihre gezielte Förderung ist kein „nice to have“, sondern eine Voraussetzung für Wachstum, nachhaltige Innovationskraft, erfolgreiche Transformationen und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Gerade auch am Finanzplatz, z. B. bei der Begleitung technologieorientierter Startups und Fintechs. Warum die Grundsatzabteilung des Wirtschaftsministeriums für einen Ökonomen mit intellektueller Neugier ein „Place to be“ ist Für einen Ökonomen, der intellektuelle Neugier, vernetztes Denken und konzeptionelle Aufgaben schätzt, ist die Grundsatzabteilung „Wirtschaftspolitik“ des Wirtschaftsministeriums (GA) mehr als nur ein Arbeitsplatz – sie ist ein Ort, an dem Purpose, Analyse und zukunftsorientierte Gestaltung zusammenkommen. Der Autor hat viele Jahre hier gearbeitet, als Diplom-Betriebswirt mit Bankhintergrund und breitem wirtschaftlichem Erfahrungshorizont. Rückblickend kann er sagen: Ein guter Resonanzraum für differenziertes Denken und nachhaltige Wirkung. Austausch und Reflexion In der GA treffen wirtschaftspolitische, wissenschaftliche und praxisnahe Perspektiven aufeinander. Es geht nicht nur um das Tagesgeschäft, sondern um die Beratung zu langfristigen, evidenzbasierten und strategischen Weichenstellungen des Strukturwandels. Dafür sind ein offenes Mindset, Lösungsorientierung und Innovation gefragt. Interdisziplinäre Zusammenarbeit wird im Team gelebt. Hier finden Ökonomen ein Umfeld, in dem das Denken zählt – mehr als Hierarchie. Exzellenz durch Vielfalt und Vernetzung Die volkswirtschaftliche Perspektive und betriebswirtschaftliche …