FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: Von Jazzern lernen – Asset Management, Team-Building, „Blind Date“ und die Kunst des Zuhörens (Holger Leppin, Plenum Investments AG)

„Wissen spricht, aber Weisheit hört zu.“ (Jimi Hendrix)

Vor einigen Jahren durfte ich die Wälder Norwegens mit Kollegen in einer Art “Survival”-Modus erleben – inkl. Lagerfeuer Romantik, dem gemeinsamen Bauen von Fluss-Brücken, dem Aufschlagen eines Nachtlagers ohne Zelt, sowie unbegleiteten Märschen in einsamer Wildnis. So konnte ich als ehemaliger Zivildienstleistender mit Anfang 30 doch noch einmal lernen, wie ein Kompass zu lesen ist. Spannend waren auch Seminare von überforderten Trainern, welche die Psychodynamik ihrer Gruppe unterschätzt haben und nicht verhindern konnten, dass Teilnehmer weinend das Seminar verließen, da sogenannte “Kollegen” weiter ungeniert ihre Mobbing-Pfeile abgeschossen haben.

Viele von Ihnen haben sicher im Laufe ihrer Laufbahn ähnlich, sogenannte “Team-Building” Seminare erlebt. Oft ist es das Ziel, das “Wir”-Gefühl zu stärken und für mehr Vertrauen untereinander zu sorgen. Hier sind die unterschiedlichsten Ansätze von “hart” bis “herzlich” wiederzufinden. All die Wünsche und Absichten seitens der Führungskräfte haben ihre Berechtigung. Wie viel davon tatsächlich in den beruflichen Alltag transportiert wird, muss jeder für sich selber beurteilen. Ist ein “Team” innerhalb einer Firma oder Abteilung gut aufgestellt, zeigt sich dies in entsprechenden Resultaten und geringer Fluktuation.

Holger Leppin, Senior Relationship Manager bei Plenum Investments AG
Holger Leppin, Senior Relationship Manager bei Plenum Investments AG

Team, Jazz und die Kunst des Zuhörens

Meine persönlich stärkste Prägung im “Team-Playing” habe ich jedoch in einem ganz anderen Kontext erlebt. Und zwar in meiner Zeit als Jazz-Musiker, speziell während meiner Jahre als Student. Viele Eigenschaften von Jazz-Musikern sind aus meiner Sicht sehr gut in den “normalen” Berufsalltag zu übertragen. Was ist damit gemeint und was ist dafür erforderlich?

Jazz-Musiker zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie innerhalb kürzester Zeit “Teams” bilden können. Ein Beispiel dafür sind sog. Jam-Sessions, also ein spontanes Zusammentreffen von Musikern, die sich vorher nicht kennen – fast so eine Art “Blinde Date”.   Was muss ein Musiker dazu mitbringen? Zunächst eine recht gute Kenntnis des eigenen Instrumentes und der jeweiligen Form. Ein bekanntes Beispiel ist die Form des Blues.

Das Team-Building beginnt in einer Jam-Session meistens mit der Phase einer sehr kurzen “Vorbesprechung”, also der kurzen Abstimmung welche Form die vielleicht 3-4 MusikerInnen (z.B. Drums, Klavier, Bass, Saxophon) spielen wollen. Einigt man sich z.B. auf einen Blues, wird kurz die Tonart bestimmt, also einen Blues in F oder C zu spielen. In dieser Formation kann das Saxophon eine bekannte Blues-Melodie spielen. Die Kommunikation von 4 Musikern, die sich das erste Mal spontan auf einer Session treffen, könnte ungefähr so ablaufen:

Saxophon: “Okay, spielen wir einen Blues? Tonart in Bb?

Bass: “Passt für mich. Soll ich einen Durchlauf mit Drums in Mid-Tempo spielen und Du steigst dann mit dem Piano ein?

Saxophon: “Alles klar”

Piano: Streckt den Daumen hoch

Hier ist schon einmal offene Kommunikation erforderlich. Man geht in dieser Phase gemeinsam an den Start und fängt an zu spielen. Und in diesen ersten “Runden” (12 Takt Blues-Schema) hört man aufeinander, merkt, was die “Kollegen” können, welche Fähigkeiten oder auch Limiten sie haben etc. Sie ahnen es wahrscheinlich schon:

Das Zuhören ist dabei einer der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Jazz-Musiker besitzen sollte. Nur damit kann er sich auf die Situation adäquat einstellen, sich inspirieren lassen oder durch Blicke den anderen spontanes Feedback geben und sie anspornen um zum Beispiel noch ein weiteres Solo zu spielen. Kurzum: Sehr oft geht man von vornherein sehr wohlwollend miteinander um. Es kommt in der Regel auch jeder einmal zum Zug, kann und soll auch mal ein Solo spielen dürfen. Man nimmt sich gegenseitig mit. Keiner bleibt außen vor.

Asset Management – Toleranz, Team & „Leadership“

In einer festen Formation, was dem Team innerhalb einer Firma näherkommt, ist dieses “Wir”-Gefühl natürlich noch viel ausgeprägter als bei einer spontanen Jam-Session. Regelmäßige Proben und Auftritte stärken die Bande untereinander, man kann Arrangements detaillierter besprechen und im Prozess des Probens Feedback aller Mitmusiker aufnehmen und neue Ideen einfließen lassen.

Auch Jazz-Formationen haben oft einen “Leader”, allerdings ist er kein “Chef” im klassischen Sinn, sondern eher ein “primus inter pares”. Dieser Mindset von Jazz-Musikern führt eben auch dazu, dass sie in der Lage sind, sich kurzfristig auf neue Situationen und Mitmusiker, also “Teams”, einzustellen. Dieses hohe Toleranz-Level führt auch dazu, dass es für Jazz-Musiker selbstverständlich ist, seine Ideen ohne Zurückhaltung einzubringen, da der “Mindset” von Jazzmusiker von sich aus offen ist. Eine Tugend, die auch für den normalen Berufsalltag sehr viele Vorteile mit sich bringt. Für sich selbst, seine Kolleginnen und Kollegen und sein allgemeines Wohlbefinden.

Beispiele – „Einstimmung & Flow“

Zum Schluss dazu eine Video-Empfehlung einer Jazz-Formation, in welcher der “Jazz Code” gut wiedergegeben wird:

www.youtube.com: „The JazzCode documentary — how jazz musicians work“
(HINWEIS: „Titel kopieren, bei YouTube einsetzen“).

Interessant ist in diesem Zusammenhang ergänzend ein Live-Beispiel einer Jam-Session mit Wynton Marsalis, einem der größten Jazz-Trompeter und Jazz-Botschafter (Jazz at Lincoln Center). Achten Sie auf die Formation und unterschiedlichen Jahrgänge angefangen vom Bassisten über den Gitarristen:

www.youtube.com: „Cherokee… Jam session at BOZAR Victor Cafe in Brussels, Belgium“
(HINWEIS: „Titel kopieren, bei YouTube einsetzen“).


Holger Leppin (Plenum Investments AG) hat Musikwissenschaft und Psychologie an der Universität Hamburg studiert. Er war in dieser Zeit u.a. Mitglied im Landesjugendjazz Orchesters Hamburg und der Universität Bigband Hamburg sowie viele Jahre in festen Jazz-Formationen aktiv.

PLENUM INVESTMENTS AG: https://www.plenum.ch/

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