FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: Liechtenstein & Venture Capital Fonds – Direkte Investition in Innovation (Gastbeitrag – Ralf Konrad, LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband & VP Fund Solutions)

Venture Capital (VC) als Anlageklasse ist in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses verschiedenster Anleger gerückt. Im Jahr 2018 wurde alleine in der Schweiz erstmalig mehr als 1 Mrd. CHF, im Jahr 2019 sogar 2,3 Mrd. CHF in VC veranlagt. VC ist für Investoren attraktiv geworden, da mittels derartiger Anlagen Portfolios diversifiziert, das Risiko-/Ertragsprofil verbessert und direkt in Innovationen investiert werden kann. Um VC Investitionen erfolgreich umzusetzen gilt es jedoch, einige wichtige Punkte zu beachten und zu verstehen.

Innovationstheorie

Gemäß Schumpeters Innovationstheorie ist zwischen der Erfindung (Generierung von Ideen, Produkten oder Prozessen), der Innovation (Übersetzung dieser neuen Ideen in marktgängige Produkte oder Prozesse), der Verbreitung (weitverbreitete Annahme der Produkte und Prozesse im Markt) sowie der schöpferischen Zerstörung (Industrielle Transformation durch radikale Innovation) zu unterscheiden. Der besondere Reiz an Investitionen in VC liegt darin, dass die Einführung revolutionärer Produkte und Dienstleistungen wohl die grundlegende Antriebskraft für ein nachhaltiges und langfristiges Wirtschaftswachstum darstellt, aber gleichzeitig kurzfristig die Bedeutung und Macht fest etablierter Institutionen und Organisationen zerstören kann.

Beherrschung der Innovationsdynamik

Dies wurde unter anderem auch von James M. Utterback, Professor für technologische Innovation und Innovation am MIT, aufgezeigt. Er stellte fest, dass sich bestehende Organisationen konsequent von früheren Erfolgen verabschieden und der Innovation zuwenden müssen – auch wenn diese sogar ihre traditionellen Stärken untergräbt. Diesbezüglich wurden von Utterback drei Phasen von Innovation – Entstehung, Übergang und Reife – unterschieden. Der Innovationsgrad fällt in Bezug auf das Produkt über die Zeitachse kontinuierlich, während sich die Prozessinnovation dazu invers verhält. Die Schnittmenge stellt in der Regel das „Dominante Design“ dar. Hierzu wäre beispielsweise das Model T von Ford Anfang des letzten Jahrhunderts in Bezug auf die Automobile zu nennen. In der später folgenden Reifephase stellen hingegen Standardisierung, Integration und insbesondere Prozessoptimierungen die zentralen Elemente dar.

Ralf Konrad, Liechtensteinischer Anlagefondsverband
Ralf Konrad, Liechtensteinischer Anlagefondsverband & VP Fund Solutions

S-Kurven vs. Gauss

Demzufolge denken VC Investoren auch nicht in Form der Gaussschen‘ Glockenverteilung, sondern vielmehr in S-Kurven, welche von Everett M. Rogers, dem Vater der Diffusionstheorie geprägt wurden. Mittels einer S-Kurve werden progressive Innovationen dargestellt, die erforderlich sind, um den erzielten Marktanteil angesichts des neu aufkeimenden Wettbewerbs zu halten, sobald die Glockenkurve ihren Höhepunkt erreicht und wieder zu fallen beginnt.

Allgegenwärtige Disruption

Viele Forscher, Autoren und Berater verwenden den Begriff Disruption, um jede Situation zu beschreiben, in der eine Branche erschüttert wird und zuvor erfolgreiche Marktteilnehmer beginnen zu straucheln. Disruption erklärt nicht Innovation oder Erfolge im Geschäftsbereich und wird dies auch niemals alleinstehend tun. Demnach müssen neue Produkte nicht zwingend disruptiv sein, um einen entsprechenden wirtschaftlichen Erfolg zu ermöglichen. Bei erfolgreichen Investitionen sind viele verschiedene Kräfte im Spiel, von denen jede einzelne massgeblich ist – oftmals auch jene, die nicht auf den ersten Blick als entscheidend erscheinen mögen.

Mit Venture Investments können attraktive Renditen erzielt werden

In den vergangenen 15 Jahren konnten gemessen am CA Global Venture Capital Index mit VC Investments 11,8% Rendite p.a. erzielt werden. Mit Investments in den beiden oberen Quartilen der Vergleichsgruppe konnten sogar 18% p.a. generiert werden. Im gleichen Zeitraum konnte der S&P 500 Index hingegen „nur“ 8,8% p.a. zulegen. Darüber hinaus haben sich die Investitionsmöglichkeiten im VC Segment in den letzten Jahren bedeutend verbessert. Neuen Investmentmanagern gelingt es zunehmend Top Performance mit einer bemerkenswerten Konsistenz zu erzielen. Die Performancedispersion ist zwar weiterhin relativ hoch aber insgesamt im Vergleich zu früher bedeutend gefallen. Waren Venture Investments im Zeitraum von 1991 bis 2001 während der Tech Bubble zudem von einer hohen „Loss Ratio“ von 51,5% und einem „Impairment Ratio“ von 65,6% geprägt so haben sich diese Werte in der Phase 2002-2015 auf 20% bzw. 40,9% vermindert. (Quelle: Cambridge Associates LLC)

Obwohl sich, wie geschildert, wichtige Kennzahlen bedeutend verbessert haben, brauchen VC Investoren aufgrund der Illiquidität der zugrundeliegenden Investments einen langen Atem und Geduld. Obgleich eine „Loss Ratio“ von 20% gegenüber früheren Zeiten eine bedeutende Verbesserung darstellt ist dies dennoch ein relativ hoher Wert. Im Globalen Private Equity Bereich liegt die „Loss Ratio“ z.B. bei nur 8,6%. Spannende Renditen gehen somit auch in diesem Fall mit einem höheren Risiko einher.   

Insgesamt hat sich somit das Chance/Risiko Verhältnis für VC Investments in den letzten Jahren erheblich verbessert. Dadurch werden solche Anlagen auch für neue Anlegerkreise interessant, die aufgrund der Risiken VC früher nicht in Betracht gezogen haben. Da die Digitalisierung in vielen Geschäftsfeldern erst begonnen hat und gleichzeitig der Venture Bereich gemessen mit ca. USD 340 Mrd. weniger als 0,5% der globalen Aktienmarktkapitalisierung ausmacht, sollte es trotz grösserer Zuflüsse in diesem Segment für talentierte Investmentmanager weiterhin reichlich interessante Anlagechancen geben.

Strukturierung und Abwicklung mittels Fonds

Aufgrund des verbesserten Risiko/Ertragsprofils von VC Anlagen erfreuen sich diversifizierte Produkte, die in diese Anlageklasse investieren – namentlich Private Label Funds (PLFs) – zunehmender Beliebtheit bei Investoren. Neben der Diversifikation und Streuung der Risiken auf mehrere Anlagen und Investoren haben PLFs weitere, entscheidende Vorteile für die in der Fondskonstruktion beteiligten Parteien. Hierbei ist die professionelle Erbringung von Dienstleistungen von der Beratung hinsichtlich der Strukturen bis hin zur Unterstützung im Tagesgeschäft durch den AIFM zu nennen. Diese sind nach der erfolgten Selektion von Investitionen durch den Fondsmanager elementar für den Investitionserfolg bei der Veranlagung in VC.

Abgesehen davon ermöglichen PLFs in Zusammenarbeit mit einem versierten und erfahrenen AIFM eine kosteneffiziente Erfüllung von Regulierungsvorgaben, um diese Anlagen für Investoren zugänglich zu machen. Ergänzend werden mittels PLFs grundlegende Investorenbedürfnisse wie Berichterstattung, Haftungsrisiken, eine effiziente Steuerverwaltung sowie die Partizipation an vorhandenem Wissen, Prozessen und Systemen ermöglicht.

Die Dienstleistungen und Expertisen, welche durch PLFs für VC Investoren zugänglich gemacht werden, können somit einen signifikanten Mehrwert darstellen. Für den Erfolg ausschlaggebend sind in der Folge jedoch die Einbeziehung und vollständige Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse dieser speziellen Anlageklasse. Unter anderem sind unabhängige Geschäftsprozesse, eine gute Governance sowie eine verlässliche, flexible und erweiterbare Infrastruktur, die den aktuellsten Entwicklungen vollumfänglich Rechnung trägt, unerlässliche Erfolgsfaktoren im Bereich von VC.

Fazit

Innovation sollte aufgrund spannender Ertragsmöglichkeiten und verbesserter Risikokennzahlen ein Bestandteil bei der Vermögensanlage eines diversifizierten Portfolios sein. Nichtsdestotrotz gilt es jedoch zu verstehen, was Innovation ist, wie sie funktioniert und was erforderlich ist, um mit Investitionen in Innovation erfolgreich zu sein. Ergänzend ist es unerlässlich, dass bei derartigen Anlagen maßgeschneiderte Strukturen unter Einbezug von schlanken Konfigurationen sowie der Adressierung von individuellen und für derartige Anlagen spezifischen Bedürfnissen gewährleistet werden können. Für den Erfolg eines VC Produktes ist es daher von grossem Vorteil mit einem starken Partner zusammenzuarbeiten, der über das notwendige Wissen und entsprechende Erfahrung in diesem Segment verfügt.


Ralf Konrad ist Vorsitzender der Geschäftsleitung, VP Fund Solutions (Liechtenstein) und Mitglied im Vorstand des LAFV.

Der Liechtensteinische Anlagefondsverband (LAFV) wurde im September 2000 gegründet und ist die offizielle Interessenvertretung der liechtensteinischen Fondsbranche. Seine Mitglieder sind alle UCITS-Verwaltungsgesellschaften, die meisten Manager von alternativen Investmentfonds (AIFM) und weitere Dienstleister der Fondsbranche wie zum Beispiel Depotbanken, Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer, spezialisierte IT-Dienstleister oder Aus- und Weiterbildungseinrichtungen. Der LAFV wird von einem Vorstand vertreten, der sich aus folgenden Personen zusammensetzt: Alexander Boss (Präsident), Bruno Schranz (Vizepräsident), Ralf Konrad, Raimond Schuster und Alois Wille. Der LAFV macht es sich zur Aufgabe, die Entwicklung des Fondsplatzes Liechtenstein zu fördern und dadurch dessen Attraktivität für Fondsanbieter und Anleger weiter zu verbessern. Dies soll insbesondere durch die aktive Weiterentwicklung und den bedürfnisorientierten Ausbau in der Fondsgesetzgebung erreicht werden. Weiter gehört die Unterstützung der Mitglieder wie auch die Vertretung der Interessen der Fondsbranche und des Standortes im In- und Ausland zu den Aufgaben des Verbandes.“

Liechtensteinischer Anlagefondsverband (LAFV): www.lafv.li

VP Fund Solutions: www.vpfundsolutions.vpbank.com

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