FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: Dachfonds, Fondsselektion, Leichtathletik und Arnold Schwarzenegger (Interview – Lars Kolbe)

Viele Dachfonds setzen Fondsboutiquen bei der Allokation ein. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Lars Kolbe, Geschäftsführer der Aqualutum GmbH, über die Vor- und Nachteile des Einsatzes von unabhängigen Asset Managern im Portfoliomanagement. Über die Stabilität von Ansätzen bei Boutiquen, Due Diligence und Seed Money wird ebenso diskutiert wie über Crashpropheten, Leichtathletik und Arnold Schwarzenegger.

Hill: Wie lange begleitet Sie schon das Thema Fondsboutiquen?

Kolbe: Ich habe als Werkstudent 1991 bei einem Family Office angefangen eine Fondsdatenbank aufzubauen. Zur damaligen Zeit gab es ungefähr 800 Fonds in Deutschland, vor allem von den Asset Managern der Großbanken. An ausländischen Fonds waren damals nur Templeton und Pioneer am Start. Boutiquenfonds waren de facto nicht vorhanden. Erst in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre änderte sich dies mit der Gründung von Ennismore (Ex-Barings Manager) und Thames River, die diesen Fondsmanagern eine unabhängige Plattform anboten. Die Zeit der deutschen Boutiquen begann erst Ende der 90er Jahre. Eine Vorreiter-Rolle nahm Dr. Jens Ehrhardt ein, der seinen FMM Fonds bereits 1987 über die damalige BHF Bank auflegte.

Hill: Wie setzen Sie Fondsboutiquen ein bei der Allokation im Dachfonds?

Kolbe: Fondsboutiquen spielen in unserem m4-masters select eine zentrale Rolle. Die Tatsache, dass die Manager meist auch die Firmengründer sind, sorgt für eine Stabilität, die bei den Fonds der großen Häuser nur selten zu finden ist. Dort dominieren Manager- oder Teamwechsel fast wie in der Bundesliga. Auch häufige „Strategiewechsel“ – wie jüngst bei einem deutschen Marktführer – zeigen, womit sich diese Gesellschaften am liebsten beschäftigen, nämlich mit sich selbst. Wir schätzen es dagegen, wenn wir für unterschiedliche Märkte oder Segmente Spezialisten engagieren können, die sich von morgens bis abends nur mit ihrem jeweiligen Thema beschäftigen. Legt hingegen ein für Value Investing in etablierten Märkten bekanntes Haus auf einmal Indien- oder Biotechfonds auf, dann verkaufen wir sofort. Diese Firmen sind durch diesen ungewöhnlichen „Shift“ in die Monetarisierungsphase übergegangen. Das ist legitim, aber ohne uns. Auch gilt es zu beachten, dass Anlagestrategie und Fondsvolumen bei Fondsboutiquen zusammenpassen sollten. Gerade hier konnte man zuletzt einige krasse Fälle beobachten, in denen ein Missverhältnis aufgetreten ist. Die Leistungen der Fonds sind seit längerem dementsprechend schwach.

Lars Kolbe, Geschäftsführer der Aqualutum GmbH & Markus Hill (Frankfurter FondsmanagerRunde 2019)
Lars Kolbe, Geschäftsführer der Aqualutum GmbH & Markus Hill (Frankfurter FondsmanagerRunde 2019)

Hill: Welche Lehren haben Sie für Due Diligence von Boutiquen-Strategien vor dem Hintergrund der Corona-Krise gezogen? Was war diesmal anders, bemerkenswert, möglicherweise „schräg“?

Kolbe: Eigentlich gab es nicht viel Neues. Interessant war erneut zu beobachten, wie vereinzelte Crashpropheten eine unwiderstehliche Anziehungskraft in der Krise ausüben. Leider immer ex-post. Und leider können sie dann nie an ihre „Out-Performance“ anknüpfen. Ansonsten ist zu bemerken, dass es deutlich schwerer geworden ist, als Neu-Starter Seed Money einzusammeln. Das war allerdings vor Corona auch schon so. Jetzt ist es allerdings nicht leichter geworden.

Hill: Was beschäftigt Sie derzeit intensiver, wenn Sie sich nicht mit unabhängigen Asset Managern beschäftigen? 

Kolbe: Am liebsten lese ich Biographien erfolgreicher Persönlichkeiten. Das geht von Arnold Schwarzenegger, den ich sehr schätze (der häufig von vielen unterschätzt wurde) bis hin zum NIKE-Gründer Phil Knight. Er musste sich anderthalb Jahrzehnte gegen große Widerstände durchsetzen. Heute ist die Firma Weltmarktführer bei Sportschuhen und Sportkleidung. Hier kann ich auch gleich den Bezug zu meiner großen Leidenschaft herstellen, dem Sport. Nach eigener Leistungssportkarriere in der Leichtathletik, bin ich der Sportart treu geblieben. Heute trainiere ich eine Gruppe talentierte Nachwuchssprinter in meinem Heimatverein. Und hier schließt sich der Kreis: Klein gegen Groß! Boutiquen gegen Konzerne. Diesen Kampf habe ich immer gern ausgefochten. Nicht ohne Erfolg.

Hill: Vielen Dank für das Gespräch.



*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main.

Kontakt: info@markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com

LINK: FONDSBOUTIQUEN & FRANKFURT (AQUALUTUM)

Foto: www.pixabay.com

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