„Investoren und Fondsindustrie diskutieren gerne in Frankfurt über Themengebiete wie Family Offices, Fondsboutiquen und Real Assets“ (Interview – Markus Hill)

Frankfurt ist der zentrale Standort für den Gedankenaustausch im Bereich Asset Management in Deutschland und bietet eine Vielzahl von Veranstaltungsformaten. IPE D.A.CH-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit dem unabhängigen Asset Management Consultant Markus Hill über das LRI Investment Summit am 5. Juni in Frankfurt und Asset Management-Veranstaltungen in der Mainmetropole. In diesem Zusammenhang werden ebenso Themen wie Value- und Impact Investing, ESG und SRI angesprochen. Investmentbereiche, die zunehmend auch bei Family Offices und auf Fondsboutiquen-Seite in den Fokus geraten.

IPE D.A.CH: Welche Themenfelder werden beim LRI Investment Summit angesprochen?
Hill: Prof. Dr. Martin Hellmich (Deloitte) wird über die aktuelle Studie des Hauses zum Thema Künstliche Intelligenz und Asset Management berichten. Zudem wird er hier die Verbindung zu Themen wie ESG und der Messung von Carbon-Risiken im Portfolio Management sprechen. Anton Bonnländer (Bank für Sozialwirtschaft) wird ebenso Themen wie Social Entrepreneurship, ESG, SRI und Impact Investing kritisch diskutieren. Ich selber begleite die Veranstaltung als Moderator und diskutiere zusätzlich bei einem Family Office-Panel zum einen auch die oben genannten Themenbereiche unter dem Stichwort Nachhaltiges Investieren und „Langfristdenke“. In diesem Bereich und im klassischen Investmentbereich können hier Punkte zur Sprache kommen wie Due Diligence von Produkten und Investmentansätzen, die Einschätzung von Anbietern im Fondsbereich mit „Ownership-Approach“ (Fondsboutiquen), Vermarktung von Private Label Fonds, Seeding und natürlich vorrangig Themenpunkte, die auch gerne von den Panelisten diskutiert werden. Welches Thema steht beim Family Office aktuell auf der Agenda? Ich freue mich hier auf die Diskussion mit Dr. Thomas Rüschen (Deutsche Family Office AG), Ralf von Ziegesar (FOCAM AG) und Jochen Stadermann (LOGOS PATRIMON). Danach wird Konstanze Ziegler (KPMG Luxembourg) ein Panel zum Thema Real Assets moderieren. Hier werden das Potenzial der Assetklasse für 2019 und Folgejahre mit Dr. Alexandra von Bernstorff (Luxcara), Tobias Giesser (Partners Group) und Dr. Ralf. D. Schnell (Siemens AG) diskutiert werden. Welche Herausforderungen auf Investoren- und Produktanbieterseite stehen aktuell im Vordergrund? Welche Märkte sind interessant? Welche Rolle spielen Technologien? Wie ist das Thema ESG zu sehen? Solche Themen könnten beispielsweise dort vertiefter diskutiert werden. Vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase hat Frau Ziegler ein Investmentfeld auf der Agenda, das aktuell viele institutionelle Investoren intensiv beschäftigt. Allein schon die Diskussion darüber, wie hier einzelne Anbieter einen wirklichen Mehrwert für Investoren schaffen könnten, würde den Zeitrahmen des Panels „sprengen“. Auch ich bin sehr gespannt auf ihre Diskussionsrunde. Wie auch in den Vorjahren – auf die Diskussion mit Fondsindustrie, Dienstleistern und Investoren freut sich die LRI Group ausdrücklich, weil sie hier oft wertvollen Input der eigenen Kundschaft und von externen Fachleuten erhalten kann.

IPE D.A.CH: Warum wurde Frankfurt als Veranstaltungsort gewählt?
Hill: Investoren und Fondsindustrie diskutieren gerne in Frankfurt über Themen wie Family Offices, Fondsboutiquen und Real Assets. Natürlich auch gerne über andere Themengebiete, natürlich tun sie dies auch in anderen Städten. Ich bin befangen, komme ursprünglich aus Köln und lebe schon Jahrzehnte in dieser Stadt. Trotzdem glaube nicht nur ich, dass aufgrund von Bankenplatzstatus, EZB-Sitz und auch aufgrund anderer attraktiver Standortmerkmale – Kunst, Kultur, Kommunikation und mehr – Frankfurt nach wie vor als zentraler Hub in Sachen Finanzthemen gesehen wird. Zentrale Konferenzen in diesem Bereich finden hier sehr häufig statt. BVI Asset Management Konferenz, BAI Alternative Investment Conference, Institutional Money Congress, ACATIS-Value Konferenz, Eigenkapitalforum – man könnte diese Liste lange fortführen. Ganz zu schweigen von der großen Vielzahl von kleinen, auch reinen Investorenveranstaltungen. Viele Fondsgesellschaften aus den Bereichen Liquid und Real Assets laden hier häufig zu Events ein, ähnlich wie auch IPE-D.A.CH. Ich selbst begleite zum Beispiel seit vielen Jahren bei Einladung und Moderation Prof. Dr. Carlos Jarillo und sein Team von SIA Funds aus der Schweiz. Man kann diese Formate bei vielen großen und kleinen Asset Managern finden. Ähnliche Veranstaltungen vor Ort werden oft von ACATIS, Shareholder Value, Loys, DJE und FPM durchgeführt. Auch Kapitalverwaltungsgesellschaften wie Universal-Investment, BNY Mellon, Hansainvest, Axxion und Ampega spielen hier als Multiplikatoren mit Events eine entscheidende Rolle für die Promotion von eigentümergeführten Asset Managern (Fondsboutiquen). Die Bereiche ergänzen sich – Face-to-Face im Dialog mit dem Investor oder oft auf großen Veranstaltungen die Diskussion von Fondsindustrie, Dienstleistern, Verbänden und Regulatoren – es geht hier nichts über einen interessanten Gedankenaustausch!

IPE D.A.CH: Mit welchen Themen beschäftigen sich aktuell?
Hill: Gegenwärtig schaue ich mir viele Asset Manager im Bereich Value Investing und im Bereich „Nachhaltigkeit“ genauer an, mit dem besonderen Fokus auf Boutiquen. Auch auf der SIA-Veranstaltung im Mai wurde dieses Schnittstellen-Thema diskutiert. Unabhängig davon gesehen, ist die Verpackung hier nicht so entscheidend. ESG, SRI, Impact Investing scheinen noch Gebiete in der Findungsphase zu sein, seit übrigens sehr vielen Jahren. Vielleicht findet das Thema jetzt langsam soliden Boden, dem Regulator oder auch einer neuen Anlegergeneration („Millenials“) sei Dank. Im Sinne von „Wer versteht eigentlich was unter dem Begriff?“. Dies ist übrigens auch ein Phänomen, dass man auf das Label Family Office oder Fondsboutique übertragen kann. Bindeglied scheint mir zumindest in diesem Bereich der Begriff „Langfristdenke“ zu sein. Auch ohne Zertifizierung wird diese Denke ja eigentlich im Bereich der eigentümergeführten Unternehmen im Mittelstand praktisch gelebt. Wie gesagt, viele Akteure kämpfen hier auch aus Marketinggründen noch um die Deutungshoheit bei den Begrifflichkeiten. Am 25. Juni werde ich auch in diesem Jahr in Kopenhagen beim FundForum International, neben anderen Themen, diese Themen mit Family Offices diskutieren. Einzelne Aspekte des Themas (Assetklassen, Due Diligence) können auch bei einem Panel beim Private Wealth Forum am 16. Oktober in München Thema sein, unter Berücksichtigung verschiedenster Assetklassen. Um übrigens an dieser Stelle nicht zu befangen zu erscheinen ist anzumerken, dass in dort ebenso am 20. Juni auch wieder eine der bekannten Branchen-Spezialevents stattfindet, neben der oben genannten Veranstaltung von ACATIS und Dr. Hendrik Leber, nämlich die von Stefan Rehder konzipierte Value Intelligence Konferenz. Ein anderes Thema, vielleicht etwas exotischer anmutend, dass ich derzeit intensiver bearbeite ist der Themenbereich Beauty Contest (Asset Manager) bei Family Offices – Stichwort: „Alibi-Contest versus Praxis-Monitoring?“. Hier bin ich auch immer für Input und Ideen dankbar, unabhängig von der Assetklasse betrachtet.

IPE D.A.CH: Ich danke Ihnen für das Gespräch.


Quelle: www.institutional-investment.de
Foto: www.pixabay.de


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