„Family Offices denken unabhängig und schätzen die Expertise von Multiplikatoren und Fondsboutiquen“ (Interview – Markus Hill)

Investments in Immobilien stoßen bei institutionellen Investoren nach wie vor auf großes Interesse. Gerade im Bereich der Auslandsimmobilien ist Überblick über spezielles Know-how gefragt. Family Offices und Kanzleien positionieren sich schon seit längerer Zeit als Impulsgeber für den fachlichen Dialog auf hohem Niveau. IPE-D.A.CH-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit dem unabhängigen Asset Management-Consultant Markus Hill über das „10th Annual US Real Estate Forum 2019“ der Kanzlei Mayer Brown LLP und Urban Land Institute (ULI Germany) in Frankfurt am Main und über die Veranstaltung „Zweites deutsches Immobilienforum“ der Deutsche Oppenheim Family Office in Köln.

IPE-D.A.CH: Welche Themenfelder wurden in Frankfurt auf dem „10th Annual US Real Estate Forum 2019“ angesprochen?
Hill: Die Veranstaltung fand Ende Januar statt und hat eine lange Tradition. Die Kanzlei Mayer Brown und das Urban Land Institute (ULI Germany) hatten organisiert und eingeladen. Kennengelernt habe ich sie im letzten durch Charles Kingston von REFIRE, der dieses Mal erneut die Moderation übernahm. Der Name ist Programm, der Fokus lag auf Investments im Bereich US-Immobilien. Dr. Joerg M. Lang von Mayer Brown LLP und Stefanie Baden von ULI Germany führten kurz ins Thema ein. Paul E. Meyer von Mayer Brown LLP gab bei einem Vortrag und bei dem folgenden Panel einen sehr marktnahen Einblick in die Struktur und über aktuellen Entwicklungen des US-Marktes. In Begleitung dazu ergänzte Ulrich Steinmetz von DWS Grundbesitz aus der Sicht eines „Großen“ der Branche viele der Ausführungen von Herrn Meyer. Abgerundet wurden diese Ausführungen durch die Sicht einer „kleinen“ Investmentboutique von Thomas Gütle von US Treuhand.

IPE-D.A.CH: Was ist Ihnen bei der Veranstaltung besonders aufgefallen?
Hill: Die Ausführungen von Fachthemen in den Vorträgen bei solchen Veranstaltungen können in der Regel eine gute Landkarte über das Gebiet geben. An der Veranstaltungsreihe in Frankfurt habe ich das zweite Mal teilgenommen. Der interessante Teil für mich ist häufig eher der Fragenteil nach dem Vortrag oder im Anschluss zum Panel. Interessant war die Sicht der Multiplikatoren Mayer Brown und von ULI, allein schon aufgrund der Eigenschaft als Unabhängige. Damit ich hier nicht falsch verstanden werde – unabhängig im Sinne von „Adlerblick auf die Branche“, nicht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen. Solange dies alles transparent ist, wird ein Informations-Mehrwert für den Teilnehmer solcher Formate geschaffen. Eine Kanzlei lebt von zufriedenen Mandanten, ein Verband lebt von zufriedenen Mitgliedern. Die Sicht von „Helikoptern“, die sozusagen über der Branche schweben, ist oft bereichernd. Ein Plus solcher Formate besteht auch darin, dass die Zusammensetzung des Publikums, dass sehr kompetente Fachleute dort Fachfragen stellen. Darüberhinausgehend bilden sich manchmal auch interessante Schwerpunkte in der Diskussion. Allgemeine Marktinformationen, Impressionen, Trends etc. sind ein Feld, das Aufklärung bietet, der erste Teil der Veranstaltung hat hier gute Vorarbeit geleistet. Nach dem Panel gab es aufgrund einer Frage aus dem Publikum noch einen kleinen intensiven Gedankenaustausch zum Thema US-Immobilien, Family Offices-Denke und die Bedeutung beziehungsweise die nur relative Gewichtung der Entscheidungsrelevanz von Themen wie Währungsrisiko und Währungsabsicherung. Hier sprach sozusagen ein „Produktvertreter“ aus dem Verbund eines bekannten Family Offices aus direkter Erfahrung aus der Schnittschnelle Mandantenbetreuung und „Skin in the Game“-Position über Aspekte Produktentwicklung, Risikobereitschaft und Unternehmertum. Wie so häufig konnte man diese interessanten Themen nach der Veranstaltung in angenehmer Atmosphäre vertiefen.

IPE-D.A.CH: Wie waren Ihre Eindrücke auf der Family Office-Veranstaltung in Köln?
Hill: Das Immobilienforum der Deutsche Oppenheim Family Offices fand im November vergangenen Jahres zum zweiten Mal statt. Die Einleitung erfolgte durch Dr. Thomas Rüschen von Deutsche Oppenheim Family Office und durch dessen Beirat, Jürgen Fitchen. In der ersten Veranstaltung in Vorjahr wurde das Thema US-Immobilien durch die Investmentboutique German American Realty (GAR), vertreten durch Dr. Patrick Adenauer, thematisiert. Auch in diesem Jahr wurde das Thema vom Berater Brad Olsen von Atlantic Partners Ltd. aufgegriffen, er erläuterte seine Sichtweise als Unabhängiger auf die Strukturen und Besonderheiten des US-Marktes im Bereich Wohnimmobilien und Vermietung. Die Deutsche Oppenheim Family Office kombinierte diese Sichtweise auf den Bereich US-Immobilien mit einem Marktüberblick für deutsche Immobilien-Investoren unter dem Motto: „Boom ohne Ende oder Ende des Booms?“. Jochen Möbert von Deutsche Bank Research sprach über das makroökonomische Marktumfeld in Deutschland und zu einer aktuellen hauseigenen Studie zum Thema Wohnimmobilien. Eine besondere zusätzliche Facette in Richtung Immobilien, Family Offices und US-Immobilien bekam die Veranstaltung dadurch, dass der Wechsel von Dr. Christoph Pitschke von Deutsche Oppenheim Family Office AG zu der Investmentboutique GAR von Dr. Patrick Adenauer zum Jahreswechsel 2019 mit Bedauern, aber auch mit herzlichen Glückwünschen, bekannt gegeben wurde. Abgerundet wurde der Themenköcher aus Köln mit Vorträgen zum deutschen Immobilienmarkt durch Dr. Christoph Pitschke, Thomas Krahl (Deutsche Oppenheim Family Office AG) und durch Thomas Meyer von der Investmentboutique Wertgrund Immobilien AG. Ein Eindruck denn ich im Anschluss zu den Veranstaltungen in Köln und auch in Frankfurt mitgenommen habe wahr: Family Offices denken unabhängig und schätzen die Expertise von Multiplikatoren und Fondsboutiquen!

IPE-D.A.CH: Gibt es ein gemeinsames Merkmal bei diesen Veranstaltungsformaten?
Hill: Die beiden Veranstaltungen stehen ja stellvertretend dar für eine bestimmte Kategorien von Formaten oder auch Produktofferten. Fairerweise muss man sagen, dass natürlich auch andere Institutionen in Sachen „Adlerblick“ und „Mehrwert-Information“ unterwegs sind. DVFA, BVI, BAI, Frankfurt School, IMC – Vereine, Verbände, Universitäten, Think Thanks, Event-Veranstalter etc. Sie alle haben eine eigene Note hinsichtlich Themen, Netzwerken, Formaten. Auch im Family Office-Bereich sind viele Gesellschaften im Bereich von In- und Auslandsimmobilien aktiv – HQ Trust, Feri, Tresono FO, Kontora FO und viele andere mehr. ULI Germany ist vielleicht ein besonderer Fall, weil es eine sehr interessante Verbindung zu Immobilienthemen gibt, die nicht rein kommerziell zu sehen sind und hier zusätzlich eine sehr interessant internationale Komponente hinzukommt. Wenn ich befangener Weise die oben zwei angesprochenen Formate auf ein, zwei Punkte herunterbrechen sollte, würde ich sagen: Auswahl der Teilnehmer und Größe der Veranstaltung. Da beide Organisationen keine klassischen Event-Veranstalter sind, besteht einerseits ein echtes Interesse an der inhaltlichen Diskussion der Themen, das Einwerben von Sponsorengeldern steht nicht im Zentrum des Interesses. Andererseits findet man bei diesen Formaten so gut wie kaum Vertreter aus dem Sales-Bereich. Man kommt gerne auf solche Veranstaltungen, da es keine „Produktschauen“ sind. Beide Veranstalter müssen intensiv Reputationsmanagement betreiben. Zum Vorteil der geladenen Gäste!

IPE-D.A.CH: Gibt es bei Ihnen eine inhaltliche Brücke zu dem Thema Immobilien im In- und Ausland? Warum verfolgen Sie solche Themen mit Interesse?
Hill: Zum einen stehen die angesprochenen Themen eng im Zusammenhang mit den Bereichen Investment und Due Diligence, Vertrauen, Netzwerke. Zum anderen hatte ich in den Jahren 2015 und 2016 aufgrund zweier Projekte einige Berührungspunkte mit dem Thema „Akzeptanz von US-Real Estate-Investments bei institutionellen Investoren in D.A.CH-Region“ (MH-Survey). Im Rahmen dieser Projekte hatte ich Kontakt mit 140 Investoren aufgenommen, um zu erfahren, ob zu dieser Zeit Interesse an dem Angebot von US-Investmentboutiquen besteht. Bei vielen Telefonaten mit Entscheidern aus dem Investmentbereich, die für die Due Diligence bei solchen Produkten und Dienstleistungen verantwortlich waren, hatte ich einen Eindruck erneut bestätigt bekommen: Die Suche nach exzellenten Objekten und Managern vor Ort war oft vorhanden. Kernpunkt war häufig, dass vorgefertigte Lösungen nicht unbedingt auf Interesse stoßen. Auf Interesse stieß man durchgängig, wenn es um spezielle Off-Market-Lösungen ging oder wenn man auf Personen mit speziellem Know-how hinweisen konnte. Ein Markt, der oft am Markt der „Großen“ vorbeigeht. Wenn man anstatt das Family Office oder der Stiftung den Bank-Verantwortlichen „Treasury“ oder den Leiter Kapitalanlagen bei Versicherungen ansprach, stieß man immer auf Interesse und auf Zeit für den fachlichen Gedankenaustausch, wenn es rein um die Anlagekategorie „Auslandsinvestments“ ging. Ich betone dies, da es hier nicht nur um den Bereich US-Immobilien geht, sondern um das Thema Know-how-Netzwerke und den persönlichen Kontakt zum Advisor im Ausland. Im Jahre 2014 hatte ich einmal die Gelegenheit, die Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek bei der Konzeption, Einladung und Moderation der Veranstaltung „Frankfurter Dialog für Family Offices und Vermögensverwalter“ zu begleiten. Auch hier wurden Themenfelder wie Immobilieninvestments, Club Deals und KAGB behandelt. Als Panelist auf einer Veranstaltung zu RAIF-Strukturen vom BAI und Irish Fund Association musste ich mich ebenfalls mit ähnlichen Themen befassen. Mitgenommen aus den oben angesprochenen Themenfeldern habe ich folgende Erkenntnis – findet man Themen, die auf Interesse stoßen und fällt die Leute nicht frontal mit irgendwelchen Produktofferten an, so sind viele Fachverantwortliche dankbar für die Kontaktaufnahme bzw. auch für die Einladung zu interessanten Fachveranstaltungen.

IPE-D.A.CH: Mit welchen Themen befassen Sie sich aktuell?
Hill: Im aktuellen IPE D.A.CH Asset Management Guide habe ich das Thema Off-Market-Offerten im Family Office-Bereich versus Digitalisierung thematisiert, warum sozusagen immer noch viele interessante Dinge auf irgendwelchen Plattformen „verschimmeln“. Im Bereich Seed Money-Suche findet man oft starke Berührungspunkte zu der Thematik Club Deal, Vertrauen und Netzwerke. Aktuell finde ich zum Beispiel auch den Bereich Private Debt sehr interessant. Das Thema ESG und Impact Investing verfolge ich auch stärker, es positioniert sich da aktuell vieles neu. Im März und Mai werde ich auch wieder zwei Veranstaltungen zum Thema Fondsboutiquen und Managerauswahl im Bereich Liquider Investments begleiten. Ich freue mich bereits darauf, auch wieder Prof. Dr. Carlos Jarillo in Frankfurt begrüßen zu dürfen. Mit Spannung verfolge ich auch die Themenauswahl beim kommenden FundForum International in Kopenhagen.

IPE-D.A.CH: Vielen Dank für das Gespräch.


*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info(at)markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com

Quelle: www.institutional-investment.de
Foto: www.pixabay.de

Artikel teilen