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  • „Ein klar formuliertes Problem ist schon halb gelöst“ (Charles Kettering). Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.de mit Harald Schnorrenberg, GET Capital, über die Zusammenhänge von Asset Management, Künstliche Intelligenz sowie über die Bedeutung von Risiko- und Returnschätzern beim Investmentprozess. Zusätzliche Themen des Gesprächs waren der Einsatz von Publikumsfonds bei institutionellen Investoren sowie Robo-Advisory und Hockey. Hill: Seit wann beschäftigen Sie sich intensiver mit dem Themenkreis Künstliche Intelligenz und Asset Management? Schnorrenberg: Seit 2009/10 beschäftigen wir uns mit KI. Viele Anleger mussten damals feststellen, dass klassische Portfoliomanagement- und Risikoansätze in Extremsituationen und den dann folgenden Erholungsphasen nicht immer gut funktionieren. Wir haben nach besseren Lösungen gesucht. In der Zusammenarbeit mit Universitäten wurden wir auf das Thema Mustererkennung als Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz aufmerksam. Es war ein längerer Prozess. Den Investmentprozess haben wir seit 2012 vollständig auf KI umgestellt und automatisiert. Hill: Haben Sie den Eindruck, dass die Investoren ein starkes Interesse für diesen Bereich entwickelt haben und hier ausreichend Knowhow besitzen? Schnorrenberg: Wir sehen wachsendes Interesse da das Thema Mainstream wird und diverse Anwendungen im realen Leben angekommen sind. Interesse sieht man besonders bei der Generation, die noch nicht in den Entscheiderrollen sitzen. KI ist zwar wirkungsvoll, aber dennoch sehr komplex. Wenn man jedoch die Prinzipien verstanden hat, ist man als Anleger schon weiter als die Meisten. Harald Schnorrenberg, GET Capital Hill: Sie selbst haben eine besondere Expertise in der Betreuung klassischer institutioneller Investoren. Sie haben vor Jahren einen eigenen Publikumsfonds aufgelegt. Wie kam es zu dieser Idee? Schnorrenberg: Wie bei den meisten Quant-Ansätzen ist KI komplex im Verständnis und Anleger tun sich einfacher, wenn sie ein Investment mit kleinen Beträgen live testen können. Publikumsfonds sind ein gutes Format das zu tun. Sie bieten mehr Vertrauen als beispielsweise Modellrechnungen. Hill: Wie sieht der Investmentansatz Ihres Fonds aus? Schnorrenberg: Unser Investmentprozess unterscheidet sich im Grunde kaum von den üblichen Ansätzen. Der wesentliche Unterschied ist die Art der Umsetzung. Nicht Portfoliomanager, sondern intelligente Algorithmen liefern die Handelssignale, und das durchgehend. Dieser Prozess ist dabei vollständig automatisiert. Dies bedeutet, es gibt keine händischen Eingriffe, lediglich Checks an erfolgskritischen Punkten. Im Grunde ist das Industrie 4.0 im Asset Management. Gerade das Asset Management ist für KI prädestiniert, denn es sind große Datenmengen zu analysieren, Prognosen zu treffen und Optimierungen durchzuführen. Das kann Technologie heute in vielen Bereichen deutlich besser als der Mensch. Es ist ohnehin sehr schwer in effizienten Märkten besser zu sein als die Benchmark, insbesondere nach Kosten. Wie sich in der Praxis zeigt, gelingt dies nur wenigen Managern konsistent über mehrere Jahre. Wir verlassen uns nicht auf klassische Analysen, sondern nutzen daher Synergien aus Big Data, Internet und Algorithmen der Künstlichen Intelligenz, um aus der täglichen Datenflut Mehrwert zu generieren. Die Anlagestrategie wird von drei wesentlichen Input-Faktoren bestimmt: 1.         Risikoschätzer der relevanten Märkte 2.         Returnschätzer der relevanten Märkte sowie 3.         Optimierungsnebenbedingungen (wie z.B. ein Risikobudget von x %). Die Risiko-und Returnschätzer werden durch Marktveränderungen beeinflusst und passen sich an. Mit dieser Anpassung kann je nach Marktveränderung auch die Allokation des Portfolios verändert werden. Ebenfalls kann die Risikonebenbedingung eine Veränderung der Allokation auslösen, in Abhängigkeit der Auslastung. Die Anlageentscheidung wird in drei Schritten hergeleitet: 1. Marktanalyse: Über Regressoren und Klassifikatoren (KI-Methoden des Machine Learning) werden ca. 8.000 Wertpapiere der relevanten Märkte täglich daraufhin überprüft, ob sie grundsätzlich zur Investition freigeschaltet sind und wenn ja, welche die interessantesten Märkte im Sinne eines absoluten Returnschätzers sind. 2. Portfolio-Konstruktion: In diesem Prozess-Schritt werden individuelle Restriktionen (zum Beispiel das Risikobudget) und das definierte Gesamtuniversum in den Prozess eingeführt. 3. Portfolio-Optimierung: Hier fließen die relevanten Märkte aus dem definierten Gesamtuniversum mit den Return- / Risikoschätzern und den Portfoliorestriktionen zusammen. Es wird eine optimale Portfolio-Allokation mit allen Nebenbedingungen und Transaktionskosten festgelegt. Unsere Returnschätzer-Logik bildet die Basis für Markteinschätzungen. Die regimeorientierten Returnschätzer werden durch ein Verfahren der Mustererkennung und deren intelligente Auswertung auf Basis von historischen Daten berechnet. Hill: Wie schätzen Sie die Bedeutung von Publikumsfonds für institutionelle Investoren, die von Fondsboutiquen aufgelegt werden? Schnorrenberg: Das müssen Sie eigentlich die Investoren fragen. Wie beschrieben, bieten diese eine gute Möglichkeit einer „Testfahrt“, also Strategien unter realen Bedingungen zu testen. Investoren spiegeln uns, dass die Möglichkeit schnell, transparent und kostengünstig in Publikumsfonds investieren zu können hilfreich ist. Hill: Wo findet man Ihren Ansatz neben dem klassischen institutionellen Geschäft wieder? Schnorrenberg: Institutionelle Investoren sind unsere Kernkundschaft. Durch die Flexibilität und Skalierbarkeit der Plattform fungiert diese jedoch auch als Engine für den Robo-Advisor der Sparkasse Bremen: Smavesto. Übrigens hat Smavesto im November 2020 den Handelsblatt-Vergleich von 25 Robo-Advisern mit 10,2 % Rendite über 1 Jahr mit deutlichem Abstand gewonnen. Hill: Welche Trends beobachten Sie gegenwärtig in Ihrem Kundensegment? Schnorrenberg: Die Nullzinsen sind ein großes Problem. Hier wird händeringend nach Alternativen in allen erdenklichen Formaten und Formen gesucht. Dies erfordert einen erheblichen Knowhow-Aufbau, denn einfache Lösungen gibt es nicht mehr. So wird Kapitalanalage anstrengender. Wir erkennen eine starke Nachfrage nach Long/Short Produkten unterfüttert mit unserer Technologie. Hill: Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich, wenn Sie einmal einen „frischen Kopf“ bekommen wollen? Schnorrenberg: Die Welt besteht ja bekanntlich nicht nur aus Asset Management. Sport ist ein guter Ausgleich für mich. Ich spiele gerne Feld-Hockey und Tennis. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. GET Capital AG: www.get-capital.de *) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info@markus-hill.de; Website: www.markus-hill.de Verwandte Nachrichten: Real Assets, Asset Management Consultants, Publikumsfonds, Borussia Dortmund & „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ (Interview – Martin Dürr, FAROS Fiduciary Management AG)Quant & ESG – Singularitätentheorie, Fondsselektion, Seed Money & „Spiegel des Licht“ (Dr. Oliver Klehn, Interview & Literaturhinweis)Value Investing, Aristoteles, Fondsselektion & Ownership Approach (Interview & Webinar, 23.4.2020 – Dominikus Wagner)Value Investing, „Wert versus Preis“ und die Bedeutung von Family Offices als Investoren (Interview & Webinar, 7.5.2020 – Stefan Rehder)

  • „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig“ (Albert Einstein). Spricht man mit semi-institutionellen und institutionellen Investoren, stößt man oft beim Thema Dachfonds nur auf verhaltenes Interesse. Häufig werden hierfür Gründe wie zum Beispiel Kosten und die ursprüngliche Positionierung dieser Produktkategorie im Retail-Segment angeführt. Unterstellt man bei verschiedenen Produkten und Ansätzen im Vergleich zu den im Markt üblicherweise gemanagten „Asset-Allocation-Ansätzen“ (Managed Accounts, Segmentfonds, Spezialfonds, Fondsvermögensverwaltung), dass es in dieser Kategorie interessante Fondsmanager geben kann – welche Argumente gäbe es für eine intensivere Beschäftigung mit dieser Produktkategorie? Einsatz bei Family Offices und unabhängigen Vermögensverwaltern Multi Family Offices und Vermögensverwalter nutzen Dachfonds als Instrument, um auf effiziente Weise Kundengelder zu allokieren. Wo bestehen bei diesem Prozess Vorteile? Orders können standardisiert erfolgen, es bedarf bei vielen Kundendepots keiner aufwändigen Einzelorders, es gibt Zugang zu bestimmten institutionellen Tranchen bei Publikumsfonds, der Diskussionsaufwand für alle Beteiligten bei Order ist stark reduziert, „Peitsche der Transparenz“: Der Kunde kann den Kostenblock „Dachfonds“ mit einer Vermögensverwaltung oder mit Mischfondskonzepten beziehungsweise mit konventionellen vermögensverwaltenden Ansätzen auf Einzeltitelbasis vergleichen. Auch ETFs können bei diesen Ansätzen jederzeit genutzt werden und die Absicherung wird durch den Produktmantel vereinfacht, wobei es auch hier verschiedenen Risikomanagementansätze gibt. Der Autor: Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant Nische, Fondsvolumen und „Ventil“ Natürlich unterscheiden sich klassische institutionelle Investoren in ihren Möglichkeiten naturgemäß in ihren Anforderungen im Vergleich zu semi-institutionellen Anlegern, die zumeist als Intermediär dienen für den Zugang zum Privatenkundenbereich (HNWIs etc.). Natürlich gibt es auch hier eine Grauzone, die man in bestimmten Teilen dem Bereich Stiftungen, Versorgungswerke und „kleineren“ Asset Management-Consultants zuordnen kann. Auch hier stellen Dachfonds gerade bei kleinen Volumen im Boutiquensegment zumindest zu Beginn der Fondshistorie eine ideale Problemlösung dar. Im Vergleich zum klassischen „Segmentfonds“ und Spezialfonds besitzt der Dachfondsmanager bei kleinem Fondsvolumen die Möglichkeit, im Fonds eine Vielzahl von Asset Managern via Publikumsfonds in seinem Konzept zu nutzen. Ab einer bestimmten Investitionsgröße ist es meist effizienter, in einem Spezialfonds die eigene Strategie bei klassischen Institutionellen zu verfolgen. Hierbei  können aber Dachfonds häufig als „Accelerator“ für Boutiquenmanager dienen. Im Bereich der oben angeführten Vermögensverwaltung bei wohlhabenden Privatkunden können ebenfalls Boutiquenmanager im Dachfondsbereich eine Ergänzung zur Produktpalette von Family Offices, Privatbanken und Vermögensverwaltern dienen. Warum ergibt sich diese „Ventillösung“ im Bereich Vermögensverwaltung? Ein Grund hierfür kann sein, dass man allein aus Diversifikations- und Reputationsgründen die Allokation nicht nur mit Dachfonds des eigenen Hauses abdecken kann (Expertise, Knowhow, spezielle Fondsansätze etc.) oder möchte. Spezialisierung, Expertise, Netzwerk und Knowhow Viele der interessanten Dachfondsansätze finden sich bei spezialisierten Kapitalverwaltungsgesellschaften, aber auch bei spezialisierten Adressen in diesem Segment, einige Adressen dienen auch als Inkubatoren im Boutiquenbereich (Ampega, Universal Investment, Sauren, Greiff capital management, Lansdowne Partners Austria, FERI etc.). Ohne eine Aussage über Vorteilhaftigkeit im Bereich Kosten oder Performance zu sprechen: Allein einmal die Skills im Segment Asset Allocation zu prüfen, kann lohnenswert sein – immerhin eine der anspruchsvollsten Bereiche im Asset Management! Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info@markus-hill.de; Website: www.markus-hill.de Foto: www.pixabay.com

  • Die abgebildete Banknote mit dem Nominale von 100 Trillionen stammt von einer Reise nach Afrika. Sie wurde Ende 2008 gedruckt und hatte zu diesem Zeitpunkt einen Wert von nur 30 US-Dollar. Sie erinnert anschaulich, wie Hyperinflation eine Wirtschaft vollständig zerstören kann. Heute machen sich Investoren ebenso wie viele andere Menschen gleichermaßen Sorgen über eine Rückkehr der Inflation in entwickelten Ländern. Sie sind verunsichert durch das rasante Tempo des Gelddruckens durch die Zentralbanken. Die wissenschaftliche Basis solcher Inflations-Befürchtungen ist bekannt als „Quantitätstheorie des Geldes“. Es ist ein recht altes Paradigma, das allerdings davon ausgeht, dass weder das allgemeine Produktionsniveau in einer Volkswirtschaft noch die Geschwindigkeit des Geldes sich stark verändern1. In der heutigen Realität ist diese Annahme jedoch dadurch entkräftet, dass sich die Geschwindigkeit des Geldes sehr wohl verändert, und zwar deutlich. Seit ihrem Höchststand im Jahr 2007 ist zum Beispiel die Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge M1 um mehr als 60% zurückgegangen, während die Umlaufgeschwindigkeit von MZM sich halbiert und so dafür gesorgt hat, dass die Preise weniger gestiegen sind, als es die Federal Reserve Bank eigentlich erreichen wollte. Martin Friedrich ist Portfoliomanager des Lansdowne Endowment Fonds und Head of Research. Die starke Zunahme der Geldmenge hat mit den quantitativen Lockerungsprogrammen zu tun: Wenn eine Zentralbank Anleihen kauft, erhalten die Verkäufer Bargeld. Dieses Bargeld wird, im Gegensatz zu Anleihen, in die Geldmengenberechnung einbezogen, der Anstieg der Geldmenge ist somit eine logische Folge. Allerdings: Die Geldumlaufgeschwindigkeit wird um den gleichen Betrag abnehmen, solange dieses Geld auf Bankkonten begraben bleibt. Um Inflation zu erzeugen, muss es seinen Weg in tatsächliche Kaufentscheidungen finden. Und genau hierin liegt der Bruch zwischen Quantitätstheorie und Praxis: Wie Zentralbanken schon in den Jahren nach der großen Finanzkrise 2008-2009 herausgefunden haben, sind Programme zur quantitativen Lockerung zwar wirksam, um die Kapitalmärkte mit Liquidität zu versorgen, aber sie können die Nachfrage in der Realwirtschaft nicht stimulieren. Die Zentralbanken fühlten sich daher rasch hilflos bei ihrem Versuch, Inflation zu erzeugen2, da die Geschwindigkeit des Geldes als Reaktion auf die erhöhte Geldmenge einfach schrumpfte und damit den größten Teil des gewünschten Effekts neutralisierte. Was verursacht Inflation? Es gibt mehrere konkurrierende und natürlich untereinander vernetzte Theorien, die Inflation zu erklären und möglicherweise vorherzusagen. Diese Erklärungen fallen im Großen und Ganzen in drei Lager: 1) Monetarismus – Inflation wird durch ein zu hohes Wachstum der Geldmenge verursacht 2) Angebotsseitiger Zugang – sie wird verursacht durch steigende Preise für Eingangsgrößen im Wirtschaftskreislauf, wie Rohstoffe oder Löhne 3) Nachfrageseiter Zugang – hohes Wachstum führt zu Kapazitätsengpässen und Ressourcenknappheit, was dann in der Folge steigende Preise verursacht Über die Untersuchung dieser Mechanismen hinaus beobachten Zentralbanken auch die Inflationserwartungen sehr genau. Denn wenn die Erwartung steigender Preise erst einmal im Denken und Verhalten der Wirtschaftssubjekte verankert ist, wird sie leicht zur sprichwörtlichen sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Kein nachhaltiger Anstieg in unmittelbarer Zukunft Wenn die Welt 2021 in eine weitgehend synchronisierte Erholung von der diesjährigen tiefen Rezession eintritt, werden wir sehr wahrscheinlich einen vorübergehenden Anstieg der Inflationskennzahlen erleben. Darüber hinaus jedoch ermöglicht uns keiner der beschriebenen Wege, einen nachhaltigen Anstieg der Inflation in den nächsten 2-3 Jahren zu prognostizieren. Betrachten wir die drei Theorien der Reihe nach. Ansatz 1, der Monetarismus: Wir haben bereits gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation durch den Bankensektor effektiv kurzgeschlossen wurde. Abbildung 1: Keine Lohn-Preis Spirale!Quellen: Bloomberg, OECD, Lansdowne Partners Austria Ansatz 2, das angebotsseitige Argument, wird oft als die treibende Kraft hinter der Inflation der 1970er Jahre angeführt. Damals verfügten Gewerkschaften über eine beträchtliche Verhandlungsmacht und setzten hohe jährliche Lohnerhöhungen durch, was die Menschen vielleicht dazu veranlasste, Inflation zu antizipieren. Volkswirte orteten eine „Lohn-Preis-Spirale“. Im Gegensatz dazu werden im heutigen Umfeld Löhne wahrscheinlich erst dann deutlich steigen können, wenn die Arbeitslosigkeit wieder das Niveau von vor der Rezession erreicht hat. Abbildung 1 zeigt, dass die Stundenlöhne jedenfalls bisher keinen Inflationsdruck signalisieren. Es ist schwierig, dem dritten Ansatz folgend, inflationsrelevante Kapazitätsengpässe zu diagnostizieren, solange das Wirtschaftswachstum sehr weit unter seinem längerfristigen Trend liegt. Schaubild 2 und 3 zeigen, dass in der Vergangenheit, wann immer die Produktionslücke4 negativ war, die Inflation im Allgemeinen eher nach unten als nach oben tendierte: Abbildung 2: USA – Schätzung der Produktionslücke versus 12-Monats-Änderung der Inflation5Quellen: Bloomberg, OECD, Lansdowne Partners Austria Abbildung 3: Europa – Schätzung der Produktionslücke versus 12-Monats-Änderung der Inflation5Quellen: Bloomberg, OECD, Lansdowne Partners Austria Schließlich verharren aktuell sowohl die markt- als auch die umfragebasierten Inflationserwartungen auf einem stabil niedrigen Niveau. Ungeachtet dieses an sich unbedenklichen Ausblicks gibt es einen erwähnenswerten kurzfristigen Effekt: Ab Frühjahr 2021 erwarten wir Basiseffekte durch volatile Energiepreise. Der durchschnittliche Rohölpreis (WTI) lag im April 2020 bei rund 17 Dollar, heute liegen wir ca 170% höher. Das bedeutet, dass bei einem weiteren Anstieg, und auch wenn solche Preisanstiege nur geringfügig an Konsumenten durchgereicht werden, im April 2021 in den USA ein Preissteierungsniveau von 3% oder darüber die Schlagzeilen erreicht werden kann. Sie können sicher sein, dass einige Journalisten dies aufgreifen werden, und es wird interessant sein zu sehen, wie dann der Anleihenmarkt reagiert. Nichtsdestotrotz erwarten wir, dass dieser Inflations-Anstieg nur vorübergehender Natur sein wird. Die Rolle der Finanzpolitik Leider gibt es noch längerfristige Treiber der Inflation, welche die bisherige Dynamik verändern könnten. Tatsächlich sehen wir am Horizont einen Inflationssturm aufziehen. Zur Erläuterung sollten wir kurz die Rolle der Finanzpolitik in der aktuellen Wirtschaftssituation diskutieren. Die Wirtschaftskrise des Jahres 2020 unterscheidet sich in einem Aspekt grundlegend von allen früheren Krisen: Diesmal ist die Rezession das Ergebnis einer bewussten Entscheidung der Regierungen. Es wurde beschlossen, dass es für die Gesellschaft als Ganzes besser ist, jetzt eine Rezession in Kauf zu nehmen, als sich später mit den Konsequenzen des Massensterbens infolge eines exponentiellen Anstiegs der Infektionen auseinanderzusetzen. In dieser Situation sind nun viele Menschen auf „Hubschraubergeld“ angewiesen, um ihre Rechnungen weiterhin bezahlen zu können. Ohne die vielen Fiskalprogramme sähe die Welt heute wahrscheinlich anders aus. Erinnern Sie sich daran, wie wir bereits gesagt haben, dass Zentralbanken keine Nachfrage schaffen können. Sie können nur Liquiditätsengpässe verhindern und die Kosten der Kreditaufnahme senken. Echte Nachfrage entsteht dagegen, wenn eine Regierung Geld ausgibt oder es den Bürgern schickt –

  • Für den Begriff „Fondsboutique“ gibt es bis heute keine einheitliche Definition, doch haben aus unserer Sicht alle Fondsboutiquen eines gemeinsam, also eine Art Markenzeichen: Sie sind inhabergeführt und ihre Strategien sind einzigartig im Gegensatz zu den „Großen“ der Fondsindustrie. Meist ist der Wechsel eines (bekannten) Fondsmanagers in die Selbstständigkeit die Geburtsstunde einer solchen Fondsboutique. In Deutschland gibt es sehr erfolgreiche Häuser und diese unabhängigen Asset-Manager rücken auch medial immer stärker in den Fokus. Namen, die sich hierzulande sowohl im Privatkundengeschäft als auch bei institutionellen und semi-institutionellen Anlegern seit Jahren stark präsentieren und weiter wachsen, sind beispielsweise Acatis, DJE, Flossbach von Storch oder auch Lupus alpha, um nur wenige zu nennen.  Was macht eine Fondsboutique aus und wie unterscheidet sie sich von den großen Fondshäusern? Zunächst einmal ist es Fakt, dass die großen Anbieter oftmals nach dem Gießkannenprinzip Fonds auflegen, um so viele Themen wie möglich zu bespielen und die größtmögliche Zahl an Anlegern zu erreichen. Fondsboutiquen dagegen gehen hierbei einen völlig anderen Weg, denn hier gibt es „aktiv gemanagte Strategien abseits des Mainstreams“ und nicht selten werden gewisse Nischen besetzt. Während die Fondsmanager in großen Häusern gewisse Leitlinien innerhalb ihrer Strategie einhalten müssen, haben Fondsboutiquen und deren Manager einen großen Spielraum und können letztendlich ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die eine oder andere Strategie einer Fondsboutique gäbe es sogar ohne die Kunden erst gar nicht, denn darüber hinaus spielt auch die Erfüllung individueller Investorenwünsche eine gewisse Rolle. Dies wiederum hat zur Folge, dass erfolgreiche beziehungsweise spezielle Investmentlösungen oftmals nicht mit Geldern zugeschüttet werden, was sich bei der einen oder anderen Strategie durchaus als Vorteil herausstellt. Michael Bohn ist Geschäftsführer der Greiff Research Institut GmbH und leitet zudem das Redaktionsteam der Publikation „Der Fonds Analyst“. Der „High-Conviction-Ansatz“ (konzentrierte Portfolios) ist bei Fondsboutiquen weit verbreitet: Die Manager orientieren sich an keinem Index, strukturieren entsprechend konzentrierte Portfolios mit vergleichsweise wenig Titeln und infolgedessen weisen die Fonds sehr oft nur eine geringe Korrelation zu Mainstream-Fonds auf, was dem Anlegerportfolio zugutekommt. Nicht weniger wichtig für den Erfolg einer Fondsboutique und daher nicht zu unterschätzen sind aus unserer Sicht neben dieser beschriebenen Flexibilität und vorhandenen Nischen-Besetzung die folgenden Argumente: Die persönliche Verbundenheit und die Nähe zu den Investoren sind jeweils ein wertvolles Gut, das die großen Marktteilnehmer kaum oder gar nicht bieten können. Dies in Verbindung mit einer gewissen personellen Kontinuität baut gegenüber den Investoren ein Vertrauen auf, das den Ausschlag pro einem Boutiquen-Ansatz geben kann. Wir wissen alle, dass am Ende zumeist die Performance zählt, aber auch hier können Boutiquen punkten: Wie eine Studie der Londoner Cass Business School in Zusammenarbeit mit der Group of Boutique Asset Managers zeigte, schafften es Fondsboutiquen gegenüber großen Asset-Managern, eine Outperformance zu erzielen (verschiedene Aktienfonds, Zeitraum Januar 2000 bis Juli 2019). In einigen Bereichen war die Outperformance besonders auffällig (zum Beispiel Large Caps, Mid und Small Caps Europa). Aber natürlich gibt es auch Stolpersteine, denen die kleinen Boutiquen häufig begegnen. Der Weg zu den ersten zehn Millionen Euro kann teilweise sehr lang sein, was natürlich am Können des Managers liegen kann oder auch daran, dass die Kontakte zu den Investoren fehlen, die Fondsboutiquen aufgeschlossen gegenüberstehen. Auch Argumente wie „Fondsvolumen zu klein“ oder „keine ausreichende Historie“ machen das Leben aufstrebender Fondsboutiquen nicht gerade leichter. Längere Phasen des Stillstands können die Folge sein, bevor dann eventuell der Durchbruch gelingt. Doch auch in Zukunft wird es immer wieder Boutiquen geben, die den Markt auch wieder verlassen. Fazit: Aus unserer Sicht können Fondsboutiquen eindeutig mit ihrer Unabhängigkeit, ihrem Maximum an Engagement, der persönlichen Verbundenheit und der Spezialisierung bei Investoren punkten. Und dass dies mit einer Outperformance gegenüber den großen Managern einhergehen kann, haben Studien bereits bewiesen. Michael Bohn ist Geschäftsführer der Greiff Research Institut GmbH, leitet den Bereich „Fondsanalyseresearch“ und verfügt über 20 Jahre Investmenterfahrung u. a. in der Bewertung von Investmentfonds. Er leitet zudem das Redaktionsteamder Publikation „Der Fonds Analyst“. Website: https://derfondsanalyst.de/ Verwandte Beiträge: Family Offices, Fonds­initia­toren und der Faktor „Brennende Leiden­schaft“ (Interview – Markus Hill, Thomas Caduff)Family Offices und Fondsboutiquen – Seed Money, Inkubatoren und Goethe (Kommentar – Markus Hill)Family Offices und Fonds­boutiquen besitzen viele Gemeinsamkeiten (Interview – Thomas Caduff, Markus Hill) Quelle: HANSAWELT 3/2020 by HANSAINVEST

  • Angewandte Psychologie im Portfolio Management Einer der faszinierendsten und zugleich vielversprechendsten Teilbereiche der Finanzforschung ist die Verhaltens­orientierte Finanzmarkttheorie („Behavioural Finance“). Durch sie verstehen wir heute besser, wie Kapitalmärkte funktionieren, wie Risiken bepreist werden und warum bestimmte Ineffizienzen fortbestehen (und es damit disziplinierten Investoren ermöglichen, Überrenditen zu erzielen). Die Forschung in diesem Gebiet zeigt etwa, dass Menschen dazu neigen, große Wahrscheinlichkeiten zu unter- und kleine Wahrs­cheinlichkeiten zu überschätzen (vgl. Abb. 1). Diese Neigung ist fest in unserem Kleinhirn eingebettet und durch zahlreiche Studien belegt. Die Zuverlässigkeit, mit der die meisten von uns auf Anreize dieser Art reagieren, führte zur Entstehung von zwei großen Industriezweigen: Sowohl die Glückspielbranche als auch die Versicherungswirtschaft leben davon, dass ihre Kunden die Wahrscheinlichkeit, mit der bestimmte Ereignisse eintreffen, mathematisch ge­sprochen „inkorrekt“ wahrnehmen. Im Fall des Glücksspiels sind die Fakten klarer: Der Preis eines Lottoscheins ist etwa doppelt so hoch wie der Gewinn, den Sie im Durchschnitt erhalten würden, wenn Sie unendlich oft spielen könnten. Auch auf dem Aktienmarkt sind Glücksspieler unterwegs: Es gilt als erwiesen, dass Aktien, die mit einer geringen Wahrscheinlichkeit sehr hohe Renditen versprechen (so genannte „Lotterieaktien“), im Verhältnis zu ihrem fairen Wert systematisch überbewertet sind1. (Dazu ein anderes Mal mehr…) Der Autor: Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH Abbildung 1: Entscheidungsgewicht ≠ Wahrscheinlichkeit Versicherungsgebundene Wertpapiere (Katastrophen-Anleihen, Cat Bonds) Wenn Sie Versicherungen abschließen, liegen die Prämien viel näher an ihrem zugehörigen wahrscheinlichkeits-gewichteten Verlust als bei Lotterien; eine Folge des Wettbewerbs in dieser Branche und auch, weil die Käufer finanziell anspruchsvoller sind als jene, die Lotterielose kaufen. Die Versicherungsindustrie erfüllt eine nützliche Funktion in der Gesellschaft, indem sie Wirtschaftssubjekte – Unternehmen wie Privatpersonen – in die Lage versetzt, sich von Risiken zu befreien, die zu groß sind, um sie zu tragen. Allerdings hat die Versicherungswirtschaft in manchen Regionen ein Problem mit Naturkatastrophen: Wenn eine große Zahl von Versicherungsnehmern an einem Ort plötzlich Ansprüche aufgrund desselben Ereignisses hat, können Versicherer schnell überfordert sein. Das erste Beispiel hierfür geht zurück auf das Jahr 1842, als die Stadt Hamburg bis auf die Grundmauern niederbrannte. Durch diesen einen Brand ging die gesamte deutsche Versicherungswirtschaft in Konkurs, was in der Folge zur Gründung der Kölnischen Rück führte. In Konsequenz dieser Episode entstand eine ganz neue Branche, die Rückversicherung, deren Aufgabe es ist, Erstversicherungsunternehmen vor dem existenziellen Risiko zu schützen, von sehr großen Naturkatastrophen ausgelöscht zu werden. Ein Rückversicherungsvertrag legt im Wesentlichen fest, dass der Käufer (Zedent) der Polizze, gegen Vorauszahlung einer Prämie, Verluste infolge eines vordefinierten Ereignisses (z.B. Erdbeben) ab einer bestimmten Schwelle an den Rückversicherer überträgt. Rückversicherer verfolgen dann in der Regel mehrere Strategien, um zu vermeiden, durch solche Ereignisse selbst in Schwierigkeiten zu geraten 1) Erstens müssen sie tiefe Taschen haben. Marktführende Rückversicherungsunternehmen wie Münchner Rück, Schweizer Rück, Berkshire Hathaway oder Lloyds sind als einige der am besten kapitalisierten Akteure der Welt anerkannt. 2) Zweitens müssen sie diversifizieren. Indem sie verschiedene Arten von Katastrophen in verschiedenen Teilen der Welt versichern, stellen Rückversicherer sicher, dass kein einzelnes Ereignis (wie ein Großbrand in Hamburg) sie auslöschen kann. 3) Drittens operieren sie auf globaler Ebene. Das ist reine Notwendigkeit, denn es ermöglicht Punkt zwei, die Diversifizierung. 4) Viertens und letztens: Weil der Wert der Versicherungssummen im Lauf der Zeit stark gestiegen ist, kam in den vergangenen 15 Jahren der Kapitalmarkt ins Spiel. Wie Michael Lewis in seinem Artikel „In Nature’s Casino“2 aus dem Jahr 2007 gut beschrieben hat, führt die hohe Nachfrage nach Versicherungen im Falle eines einzigen Hurrikans oder Erdbebens zu immer höheren versicherten Schäden. Ab einem bestimmten Punkt ist nur noch der Kapitalmarkt in der Lage, diese Risiken zu tragen, wie folgender Vergleich belegt: Der größte jemals durch ein Naturereignis (Hurrikan Katrina, 2005) verursachte wirtschaftliche Schaden betrug geschätzte 125 Milliarden US-Dollar, von denen ca. 80 Milliarden versichert waren. Selbst diese Summe entspricht aber nur rund 0,10%3 der weltweiten Börsenkapitalisierung. Und das ist der Grund, warum die Teilnahme an Rückversicherungsmärkten zu einer Quelle von Kapitalerträgen geworden ist. Die entsprechende Anlageklasse kennt man als versicherungsgebundene Wertpapiere, oder einfacher: „Katastrophenanleihen“. Laut Branchenquellen beläuft sich das ausstehende Gesamtvolumen im September 2020 auf 42 Milliarden US-Dollar. Erträge An diesem Punkt fragen Sie sich vielleicht noch, „was für mich dabei herausspringt“. Lassen Sie uns also zunächst überprüfen, ob genügend Geld verdient werden kann, und dann gehen wir zurück, um die Art des Risikos im Detail zu untersuchen. Hinsichtlich der Renditen gibt es zuallererst die gute Nachricht, dass Cat Bonds seit Beginn ihrer Investierbarkeit Renditen erzielt haben, die über denen von globalen Aktien UND Investmentgrade-Anleihen liegen. Abbildung 2 vergleicht das Ergebnis einer hypothetischen Anlage im de-facto Benchmark der Anlageklasse, dem Swiss Re Global Cat Bond Index4, mit globalen Aktien (gemessen am MSCI World) sowie globalen Anleihen (dargestellt durch den Barclays Global Aggregate Index). Wie Sie sehen können, waren die Ergebnisse höchst erfreulich: Cat Bonds haben überlegene Renditen erzielt, die am ehesten mit jenen von Hochzinsanleihen vergleichbar sind. Abbildung 2: Historie der Anlageklassen-ErträgeQuellen: Bloomberg, Lansdowne Partners Austria Allerdings gelten drei Vorbehalte: Erstens können Sie keinen Index kaufen. Es gibt auch keinen Indexfonds, und ähnlich wie bei Hochzinsanleihen verfehlt der durchschnittliche Manager die genannte Benchmark, noch bevor Kosten und Gebühren berücksichtigt werden. Zweitens standen Cat-Bond-Investitionen in den frühen Tagen nur wenigen spezialisierten Hedgefonds zur Verfügung, so dass wir uns vernünftig fragen müssen, ob für die Zukunft die gleichen Renditen zu erwarten sind, die diese Pioniere erzielen konnten. Drittens hat der Index zwischen 2017 und 2020 ein Plateau erreicht und konnte erst vor kurzem neue Höchststände markieren. Wir müssen also verstehen, warum dies passiert ist und was in den nächsten Jahren auf uns zukommen könnte. Im Kontext unserer europäischen Regularien ist nur das liquideste Teilsegement des Marktes durch UCITS-Fonds investierbar. Die in Frage kommenden Wertpapiere sind rechtlich als Anleihen strukturiert. Sie zahlen einen Kupon, der zum Zeitpunkt der Emission festgelegt wird und der je nach Art der Transaktion schwankt. Historisch gesehen haben wir Prämien von 5% bis 10% über LIBOR beobachtet, wobei Cat Bonds generell als variabel verzinsliche Wertpapiere strukturiert werden. Am Ende der Laufzeit der Anleihen – etwa 3 Jahre – erhält der Anleger sein Geld zurück,

  • Nicht erst die Corona Krise hat gezeigt, dass die weltweite Wirtschaft – wie die Gesellschaft als Ganzes, eine leistungsfähige digitale Infrastruktur benötigt, wenn sie ihren Wachstums- und Entwicklungskurs nachhaltig fortsetzen will. Die Krise hat sich jedoch als ein Katalysator herausgestellt, der die Geschwindigkeit des Wandels erhöht und, gerade in Deutschland, das Thema digitale Infrastruktur im Allgemeinen und der Rechenzentren im Besonderen in eine breitere Öffentlichkeit getragen hat. Dabei wird die Ambivalenz des Themas deutlich – während viele deutsche Unternehmen mit der Digitalisierung kämpfen und unsere Glasfaserabdeckung zu den Haushalten (FTTH) nur 12% beträgt, verfügt Deutschland über ein national wie international hervorragendes Glasfasernetz, modernste Rechenzentrumsflächen und mit dem De-Cix Frankfurt, über den nach Datendurchsatz größten Internetknoten der Welt. Hier erreichte der Peak-Traffic im März 2020 9,1 und im November über 10 Tbit/s – jeweils Weltrekord. AUTOR: Michael Jakobi, LL.M. ist Berater und Projektmanager im Bereich digitale Innovation & Infrastruktur bei der contagi Digital Impact Group – www.contagi.ch Die Entwicklung Frankfurts und damit Deutschlands zu einem internationalen Hub für digitale Infrastruktur hat historische, vor allem aber geografische / geopolitische Gründe. Die Lage ist, ganz immobilientypisch, auch für Rechenzentren ein entscheidendes Kriterium. Knotenpunkte, an denen Seekabel anlanden, oder sich, wie in Frankfurt, die Glasfaser-Backbones der Welt kreuzen, sind als Austauschplattform prädestiniert, wenn sie auch das wirtschaftliche Ökosystem besitzen. Dazu gehören internationale Unternehmen ebenso wie KMU und eine zahlungskräftige Endkundenbasis, sowie nicht zu vergessen qualifizierte Arbeitnehmer und spezialisierte Dienstleister.  In der Metropolregion Rhein-Main finden sich hier beste Voraussetzungen, als internationaler Bankenstandort mit fast 6 Millionen Einwohnern, von denen 3 Millionen als Arbeitnehmer in einer weit diversifizierten Wirtschaftslandschaft tätig sind. Geografisch entscheidend ist zudem die Lage inmitten Europas, durch die sich die Datenströme über den Atlantik (über England/ London und Niederlande/ Amsterdam) ebenso bündeln lassen wie von Skandinavien bis Südeuropa und zu den Seekabel-Häfen am Mittelmeer, die uns wiederum mit Asien und Afrika verbinden. So wird erst nachvollziehbar, dass internationale Akteure der Rechenzentrumswelt bereit sind, mit 2000€/m² das zehnfache des Bodenrichtwerts für ein Gewerbegrundstück am Frankfurter Stadtrand zu bezahlen. In Verbindung mit den horrenden Investitionskosten eines Rechenzentrums selbst, die (ohne Kosten des Grundstücks) schnell im dreistelligen Millionenbereich liegen, und den hohen Anforderungen im Be- und Vertrieb, wird hier deutlich, warum die Assetklasse Rechenzentrum, trotz eines massiven, nachhaltigen Wachstums und geradezu fantastischen Renditen, bisher vor allem in den Händen spezialisierter REITS wie Digital Realty und KeppelDC REIT sowie Telekommunikationskonzernen, z.B. NTT und 1&1, liegt. Diese wiederum besitzen oder vermieten an Colocation Provider wie Interxion, Equinix oder auch Maincubes, die ihrerseits Server-Space für Unternehmen, aber auch für Hyperscaler, also Cloud-Provider wie Amazon AWS bereitstellen. Vor dem Hintergrund einer derartigen Konstellation aus Spezialisten und Global Playern stellt sich die Frage, ob die Eintrittsbarrieren in Sachen Kapital, Marktdurchdringung und Know-How für KMU, Projektentwickler und nicht-institutionelle Investoren nicht bereits jetzt zu hoch sind, um auf den Zug aufzuspringen. Die großen Cloudanbieter, Microsoft (Azure), Google und Amazon AWS, sichern sich ihre Oligopolstellung in den Ballungsgebieten mit dem Aufbau von Availability Zones und treiben so das Wachstum der Colocation Anbieter in Frankfurt, aber auch im Rhein-Ruhr-Gebiet und den Großräumen Berlin, Hamburg und München. Zusätzlich verstärkt wird der Trend zur Cloud durch die Bemühungen der EU im Rahmen des Gaia-X Programms. Viele Technologien jedoch, die derzeit in den Startlöchern stehen – 5G, autonomes Fahren und IoT seien hier beispielhaft genannt – benötigen ein deutlich dichteres Netz von verschiedenen Datenverarbeitungs- und Speicherungseben oder Layern, kleinen Rechenzentren im Abstand von teils <1km (Edge), regionalen Sub-Hubs (Fog) und internationalen (Cloud) Hubs, ähnlich einem Verteilungsnetzwerk in der Logistik. Abgesehen von wenigen Metropolregionen ist dieser Bereich aktuell alles andere als flächendeckend aufgestellt und bietet somit ein erhebliches Potential für regionale Akteure – hier sind insbesondere Energieversorger, Projektentwickler und Grundstücks-/ Immobilieneigner sowie KMU allgemein zu nennen. Auch wenn die Investitionskosten selbst in kleineren Rechenzentren beträchtlich sind, ist es möglich, diese mit Blick auf geringere Grundstücksinvestitionen und durch modulare Bauverfahren im Rahmen zu halten – ohne auf neuste, umweltschonende Technik und weitere Skalierungsoptionen verzichten zu müssen. Nachhaltigkeit bzw. ESG ist ohnehin ein Thema, das bei Rechenzentren in Deutschland eine zentrale Rolle einnimmt, sei es aus dem Aspekt der Verantwortung, gesetzlichen Vorgaben oder schlicht aus wirtschaftlichen Gründen. Deutschland hat einen der höchsten Energiepreise der Welt und Rechenzentren sind, anders als andere energieintensive Unternehmen, nicht von der EEG-Umlage befreit. Zudem kommt der Netzausbau in manchem Ballungsgebiet der Nachfrage nicht hinterher, was insbesondere in Frankfurt eine signifikante Herausforderung darstellt. Gerade dadurch ergeben sich jedoch Chancen in anderen Regionen, in denen die Versorgungslage besser oder wo, wie in Teilen Norddeutschlands, sogar ein Überschuss alternativer Energie vorhanden ist. Nur durch die Einbindung von Rechenzenten in lokale Strukturen – Abwärmenutzung, smarte Energiespeicherung, Ladeinfrastrukturen usw. – können diese einen Beitrag in ESG Sicht liefern, anstatt Teil des Problems zu sein. Diese Verknüpfung jedoch erfordert die Einbindung lokaler und regionaler Akteure – und bietet diesen somit die Chance, an der Wertschöpfungskette Rechenzentrum zu partizipieren. Somit lässt sich konstatieren, dass Rechenzentren nicht nur als Grundlage der Digitalisierung für die Gesellschaft, sondern auch als Assetklasse hochinteressant für progressiv eingestellte Unternehmen und Investoren sein können, auch in kleinerem Maßstab – die richtige Herangehensweise auf Markt- und Technikebene vorausgesetzt. Mehr noch, etliche Regionen in Deutschland, die für internationale Anbieter noch weiße Flecken sind, besitzen die Grundlage aus innovativen Unternehmen und qualifizierten Mitarbeitern, die einen zeitgemäßen Anschluss an die Welt ebenso nötig wie möglich macht und regionalen Akteuren aufgrund ihrer Netzwerke und Erfahrung vor Ort die Chance bietet, digitale Infrastrukturen auf Augenhöhe mit internationalen Playern zu gestalten. AUTOR: Michael Jakobi, LL.M. ist Berater und Projektmanager im Bereich digitale Innovation & Infrastruktur bei der contagi Digital Impact Group – www.contagi.ch Quelle: www.finanzplatz-frankfurt-main.de

  • „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu Leben“ (Albert Einstein). Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über die Themenbereiche Inflation, Fiskalpolitik, Asset Allocation sowie über „SPACs & Neuer Markt“, REITs und Infrastrukturinvestments. Die Fragestellung „Sind wir auf dem Weg nach Simbabwe?“ aus seiner aktuellen Research-Publikation vertieft diese Betrachtungsweise zusätzlich. Hill: In Ihrem letztem Kapitalmarktkommentar haben Sie sich stärker mit dem Thema Inflation beschäftigt. Wie schätzen Sie die derzeitige Gefahr in diesem Feld ein? Friedrich: Inflation ist nicht nur für Verbraucher wichtig, sie ist auch ein ganz wesentlicher Einflussfaktor für alle Volkswirtschaften, und wird damit automatisch zur Triebfeder für Kapitalmärkte. Deshalb verfolgen wir die Entwicklung der Preise ganz genau. Allerdings kann ich in Bezug auf Ihre Frage nach einer „Gefahr“ beruhigen, zumindest in der Kurzfrist. Wir sehen aufgrund der Rezession starke deflationäre Kräfte am Werk, und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis diese an Wirksamkeit verlieren. Die oft verteufelten quantitativen Maßnahmen der Zentralbank sollten in diesem Zusammenhang vor allem als Bollwerk im Kampf gegen einen deflationären Kollaps gesehen werden. Das soll natürlich nicht heißen, dass die – teils neuen – makro-ökonomischen Steuerungsmechanismen des Jahres 2020 nicht mittelfristige Risiken bergen. Genau darüber haben wir auch geschrieben. Hill: Wo sehen Sie – in der näheren oder fernen Zukunft – Treiber für steigende Inflation? Friedrich: Bevor ich das beantworte, lassen Sie mich definieren, von welcher Inflation wir sprechen. Ich beziehe mich auf den von offizieller Seite – also Eurostat oder Bureau of Labor Statistics etc. – berechneten Verbraucherpreis-Index. Daneben gibt es natürlich viele andere Methoden, die Preissteigerungsrate zu messen, zum Beispiel die Inflation der Vermögenswerte oder die subjektive Wahrnehmung von Konsumenten, welche überproportional von Waren des täglichen Lebens geprägt ist, in welchen häufig Transaktionen getätigt werden. Forbes berechnet sogar einen „Cost-of-Living-Extremely-Well“-Luxusgüter-Index. Dieser Warenkorb-der-Hochvermögenden hat seit 1982 eine besonders inflationäre Entwicklung genommen. Das ist alles interessant, und manchmal gut für eine Schlagzeile, aber meist von untergeordneter volkswirtschaftlicher Relevanz. Traditionelle Inflationskennzahlen werden nach unserer Erwartung im kommenden Jahr spürbar anziehen, sofern unsere Erwartung einer fortschreitenden Konjunkturerholung eintritt. Das ist nur recht und billig, denn aktuell schreiben wir im Euroraum Werte unter Null. Ab dem 2. Quartal 2021 macht sich dann bemerkbar, dass viele Rohstoffpreise deutlich höher sein dürften als im 2. Quartal dieses Jahres, und diese Basiseffekte werden zu einem vorübergehenden Anstieg führen. Das ist im Grunde nur die Kehrseite von 2020. Wenn sich die Entwicklung der Jahre 2016 bis 2017 wiederholt, könnten wir schon in einem Jahr wieder im Ziel-Korridor der EZB von „nahe 2,0 %“ sein. Das ist aber für sich allein noch keine Gefahr, auch wenn es interessant sein wird zu sehen, wie sich der Anleihemarkt in diesem Kontext verhält. Interessanter wird es ab 2022 bis 2023, denn es gibt etliche langfristige Entwicklungen, welche ein Wieder-Erstarken inflationärer Tendenzen ab Mitte des Jahrzehnts nahelegen. Zu nennen wären hier die Möglichkeit einer angebotsseitigen Verknappung kritischer Rohstoffe nach einem Jahrzehnt unterdurchschnittlicher Investitionen in Förderkapazitäten, die Einschränkung des Welthandels infolge protektionistischer Strömungen, aber auch ein relativer Rückgang der Kohorte der erwerbstätigen Bevölkerung infolge einer komplett absehbaren demographischen Entwicklung. Letztlich muss man sich auch fragen, ob das relativ junge Steuerungselement der Fiskalpolitik in der Praxis ausreichend antizyklisch umgesetzt wird. Hier ist es noch zu früh, ein Urteil zu fällen. Einerseits war es richtig und wichtig, die Wirtschaft soweit möglich von der Krise der öffentlichen Gesundheit zu entkoppeln. Ohne das „Helikoptergeld“ wäre das schwer möglich gewesen. Andererseits müssten eben diese fiskalpolitischen Anreize auch rechtzeitig wieder zurückgenommen werden. Ob das in der Mitte unseres aufgeheizten politischen Diskurses möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Hill: Verhalten sich die Akteure im Bereich Fiskalpolitik „optimal“ – wo liegen hier Chancen und Risiken für Anleger? Friedrich: Wie bereits gesagt, durch die Rettungsschirme wurden zwar nicht alle, aber sicherlich viele Unternehmen vor dem sonst sicheren Konkurs bewahrt. Der Nachteil dabei ist, dass dabei so mancher „Zombie“ überleben wird. Unser Wirtschaftssystem braucht ein gesundes Maß an kreativer Zerstörung, das wird gerade verhindert. Andererseits kann durch die Überbrückungshilfen der Regierung in vielen kritischen Wirtschaftszweigen Kapazität erhalten werden. Das ist in etwa so wie bei einem verletzten Sportler, der im Zuge einer Zwangspause versucht, den Muskelschwund so gering wie möglich zu halten. Soll heißen: je geringer der strukturelle Schaden an der Wirtschaft, desto robuster wird der Aufschwung sein, wenn wir unsere Bevölkerung durchgeimpft haben werden! Und gerade dieser Aufschwung gibt uns Optimismus, dass sich 2021 Chancen an den Kapitalmärkten bieten werden. Die Risiken sind natürlich in meinem Metier auch nie weit weg. Hier möchte ich auf den spekulativen Überschwang in manchen Kapitalmarktsegmenten verweisen. Die Entwicklung der Tesla-Aktie oder die Hysterie um die Börsengänge mancher SPACs erinnert mich doch stark an die Zeit um die Jahrtausendwende. Da werden sich manche noch die Finger verbrennen. Hill: Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Feld Kapitalmarktstrategie. Als Fondsmanager und Fondsselektor haben Sie zusätzliche eine andere “Brille“ auf – mit welchen Erwartungen gehen Sie ins Jahr 2021? Friedrich: Unsere Erwartung ist, dass Aktien wiederum positive Realerträge erwirtschaften. Bei G7-Staatsanleihen denken wir hingegen, dass schon eine nominale Null ein Erfolg wäre. Entsprechend ist unser Fonds natürlich positioniert. Am spannendsten wird aber wohl die Entwicklung auf Sektor-Ebene. Wir wären nicht überrascht, wenn aus etlichen Verlierern von 2020 die Gewinner des Jahres 2021 würden. Aus diesem Grund sind wir – auch wenn es zeitweise weh tat – in der Selektion unseren wertorientierten Managern treu geblieben und haben die Engagements in diesem Bereich sogar ausgebaut. Ebenso sehen wir interessante Möglichkeiten in Schwellenländern und bei REITs sowie Infrastrukturanlagen. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Martin Friedrich ist Portfoliomanager des Lansdowne Endowment Fonds und Head of Research. Er kam im Januar 2019 zu Lansdowne Partners Austria von HQ Trust, einem der größten unabhängigen Multi-Family Offices in Deutschland. Herr Friedrich war dort seit 2009 beschäftigt, zuletzt als Leiter der Kapitalmarktanalyse und Co-Chief Investment Officer. Zusätzlich betreute er Kundenportfolios und war zuständig für den Investmentprozess von LIQID, einem Fintech Unternehmen in Berlin. Link zu Lansdowne Partners Austria GmbH: https://www.lansdownepartners.com/austria *) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt:

  • “In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.” (Egon Bahr). Geopolitik, China, Seidenstraße, Rohstoffe, Value Investing – Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Urs Marti, SIA Funds AG, über die Zusammenhänge und über die Bedeutung dieser Themenfelder für private und institutionelle Investoren in den nächsten Jahren. Abgerundet wird diese „Wirtschaftsprosa“ von ihm durch interessante Ausführungen zum Thema Geschichte, Europa, Vielfalt und Südtirol. Hill: Das Thema Geopolitik wird aktuell wieder intensiver in Fachkreisen diskutiert. Wo liegen die Chancen, Gefahren der Entwicklung? Welche Akteure, Interessen, Reaktionen und Beteiligte gibt es? Marti: Die BRICS-Staaten unter der Führung von China versuchen schon lange ihren Bedarf an Rohstoffen mit verschiedenen Mitteln zu sichern. Letztlich wird für den Westen weniger zur Verfügung stehen. So wird der Überkonsum des Westens kaum zu befriedigen sein. Die Folge wird Inflation, Abwertung der Währungen und damit der Ersparnisse sowie eine relative Angleichung der Lebensstandards sein. Ebenfalls müssen die verschiedenen Währungen zueinander richtig bewertet werden, um die drastischen Ungleichgewichte der Handelsbilanzen zu normalisieren. Für den Westen hat dies eine massive Verteuerung der Importe, des Konsums und somit des Lebensstandards zur Folge. Die Kehrseite wird eine vermehrte Rückkehr der produktiven Jobs sein. Man wird zunehmend nur das konsumieren können, was man selber produziert, sei es bei Agrar- oder Industriegütern. Ganz einfach wird diese Umstellung kaum werden. Urs Marti, SIA Funds AG Hill: China und das Projekt „Neue Seidenstraße“ – was ist das und worum geht es dabei? Marti: Der Name bezieht sich auf die alten Handelswege, welche Asien, Persien, Arabien, Ostafrika und Südeuropa auf dem Landweg verbunden haben. Ebenfalls geht der Name zurück auf den lukrativen Seidenhandel, der seinen Ursprung in der Han Dynastie 200 v. Chr. hatte. Die Seidenstraße war historisch die Basis für den größten Teil des weltweiten Handels – und dies über die längste Zeit der Geschichte. Erst vor ein paar hundert Jahren begann der Handel auf die Seewege zu migrieren. Technologische Veränderungen, vor allem das Schwarzpulver und die Nautik, führten zum Zeitalter des Kolonialismus. Verschiedene Seemächte beherrschten für jeweils ziemlich genau hundert Jahre den Welthandel und damit auch die Weltpolitik. Seit dem Fall des Kommunismus hat sich China geöffnet, industrialisiert und löst den Westen als neue aufstrebende Weltmacht ab. Begünstigt durch die Reservepolitik des Westens verschob sich in einer ersten Phase die Industrie. Die sogenannten Schwellenländer, China allen voran, haben riesige Devisenreserven aufgrund ihrer Handelsüberschüsse angehäuft, währenddessen die Notenbankbilanzen und die Verschuldungen seit der Finanzkrise ins Unermessliche steigen. Die ganzen Handelsbilanzüberschüsse wurden bisher mehrheitlich in Staatsanleihen der USA parkiert. Doch aufgrund ausufernder Entwicklungen ist man nicht mehr gewillt, dies weiterhin zu tun. Es ist für den Westen unmöglich diese Schulden mit reeller Gegenleistung zu decken. Dafür müsste man im drastischen Stil die Währungen abwerten. Der offizielle Goldbestand der USA (Zweifel über dessen Plausibilität sind vorhanden…) würde gerade einmal das Handelsdefizit eines Jahres der USA gegenüber China decken. Politisch ist es für China schwierig, dieses “Papiergeld” in reelle Werte zu konvertieren. Man müsste faktisch durch den Kauf von Technologie, Infrastruktur, Versorgung und Immobilien die USA kolonialisieren. Das ist jedoch unmöglich. Wohl auch ein Grund für die aktuelle politische Situation mit und in den USA. Entsprechend bleibt China die Möglichkeit, einen Großteil ihrer Handelsüberschüsse in die eigene Infrastruktur sowie in die Silkroad zu investieren. Hill: Welche Auswirkungen hat dieser Sachverhalt auf den Rohstoffsektor? Marti: Ein Ausbau der Transport, Verkehrs- und Kommunikationswege bringt immer einen sprunghaften Anstieg des Handels und Wohlstandes mit sich. Entlang dieser Handelswege lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung – ein Großteil auf einem Wohlstandsniveau, welches nur ein Bruchteil von dem im Westen entspricht. Wohlstand, was unter anderem Infrastruktur, Güter und Energie bedeuten kann, ist immer mit Rohstoffkonsum verbunden. Dabei fällt auf, dass China zwar mittlerweile entlang der Küste hoch entwickelt ist – doch im Landesinneren viele Menschen noch sehr bescheiden leben. Dazu kommt, dass ein großer Teil der offiziell in China konsumierten Rohstoffe faktisch als industrielle Güter im Westen konsumiert werden. Wenn man sich beispielhaft die 10 größten Nationen und deren Entwicklung anschaut – China, Indien, USA, Indonesien, Pakistan, Brasilien, Nigeria, Bangladesch, Russland und Mexiko – ist es offensichtlich, was für ein potentieller Rohstoffbedarf vorhanden ist. Leider wird dieser, schon allein aufgrund natürlicher Limits, kaum zu befriedigen sein. Aber dazu kommt, dass seit 10 Jahren kaum mehr investiert wird. Somit wird strukturell die Produktion von Erzen, Energie, Uran und vielem mehr kaum ansteigen. Die Auswirkungen kann man sich ausmalen. Hill: Welche Auswirkungen hat der nächste chinesische 5-Jahresplan? Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die sogenannte RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership)? Marti: Es hängt alles zusammen. Der neue 5-Jahresplan ist ein Paradigmenwechsel. China will weniger Handelsbilanzüberschuss, mehr Binnenkonsum, mehr Investitionen im Binnenland. Folgerichtig müssen die Währungen angeglichen werden, um eine ausgeglichene Handelsbilanz zu erreichen. Dies bedeutet Inflation für den Westen, weniger Konsum und weniger Wohlstand (materieller Wohlstand ist nicht zwingend gleichzusetzen mit Lebensqualität!). Für die Silkroad bedeutet es das Gegenteil: Als Resultat dürften sich die großen globalen Blöcke vermehrt abschotten. Europa könnte Russland mit seinem Rohstoffreichtum aktiv umgarnen, statt es in die Hände von China zu treiben. Die USA haben zwar eine überbewertete Währung, aber sind zusammen mit Kanada, im Gegensatz zu Europa, potentiell Selbstversorger. Hill: Welche interessanten Entwicklungen sieht man generell im Rohstoffsektor? Marti: Aufgrund von jahrelangen Unterinvestitionen beginnt die Produktion zu sinken. Die Corona-Krise hat dies noch beschleunigt. Die Preise beginnen zu steigen und es wird zu Knappheiten kommen. Dies, kombiniert mit den von mir beschriebenen Entwicklungen in Asien und dem unermesslichen Gelddrucken, Staatsdefiziten und kommenden Stimuli für den Corona Wiederaufbau im Westen, führt auch hier zu zusätzlichen Investitionen in Infrastruktur, was wiederum die Nachfrage nach Rohstoffen zusätzlich erhöht. Und dies in einem Moment von weltweiten Unterinvestitionen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Meiner Meinung nach werden Inflation, Rohstoffe, Emerging Markets und Value die vorherrschenden Anlagethemen für die kommende Dekade sein. Hill: Sie investieren in Rohstoffe mit einer „Value-Brille“ bei der Auswahl von Titeln. Glauben Sie, dass der Value-Ansatz im nächsten Jahr wieder attraktiv

  • Caduff: Herr Hill, Sie haben sich in Deutschland über viele Jahre den Übernamen «Mr. Family Office» erarbeitet. Dies wäre heute wahrscheinlich schwieriger, weil es so viele Institutionen, Berater und Formate in diesem Segment gibt… Hill: … und das ist sehr gut so. Völlig richtig, es gibt in diesem Feld viele inte­res­sante Persön­lich­keiten und Insti­tu­tionen, gerade auch Hoch­schulen und andere Bildungs­insti­tutionen, übrigens auch in der übrigen DACH-Region. Der Bereich Family Offices bildet sich ja in einer inte­res­santen Form von «Verästelung» ab. Bereiche wie Unter­nehmertum, Investments – direkt, indirekt, liquide und nicht liquide, Unter­nehmens­nachfolge, Gover­nance, Betei­ligungen, M&A – alle diese Facetten und mehr werden berührt in diesem Feld. Zusätzlich ergibt sich noch eine Nähe und eine Brücke zu Gebieten wie Fonds­boutiquen und Stif­tungen, Charity, Philan­tropie, Kunst und Politik. Jeder der Akteure, durch meine Brille als Volks­wirt betrachtet, fördert durch seine Akti­vitäten die Diffusion von Wissen und die Transparenz in diesem Feld. Man könnte sagen, dass diese Form von «Öko­system» wirkt sozu­sagen wohl­fahrtser­höhend für alle. Caduff: Und Sie kennen alle wichtigen Player in diesem Gebiet? Hill: Nein, natürlich nicht. Durch die vielen Panels, Inter­views, Inves­toren-Veran­stal­tungen und bei «internen Foren» und Direkt­kontakten in diesem Segment kennt man vielleicht über­durch­schnittlich viele Adressen – auf Family-Office-Seite wie auch auf der Seite der Anbieter von Dienst­leistungen in diesem Segment. Der Gedanken­austausch hier macht Freude. Die Vielfalt auch auf Anbieter­seite (Multi­pli­katoren, Forschung, Dienst­leister etc.). Allein die Vielzahl von Single Family Offices in den verschie­densten Varianten garantiert, dass man immer wieder inte­res­sante Adressen in diesem Segment kennen­lernt. Ein inte­res­santes Phänomen ist zudem, dass viele Adressen, die nach gängiger Defi­nition ein Single Family Office darstellen, dieses über­haupt nicht wahrnehmen. Ich hatte gerade diese Woche ein Telefonat mit einem Vertreter aus diesem Segment, die einen eigenen Asset-Mana­gement-Ansatz verfolgen und die eher über­legen, obwohl ausge­wiesener Investor in andere Anlage­klassen, ob man hier sozusagen auch Ross und Reiter nach aussen nennen sollte. Mit allen Vor- und Nachteilen: Entweder sich von Wissen abschneiden oder perma­nente Sales-Anrufe von Produkt­anbietern – im Extrem ausge­drückt. Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant Caduff: Sie beschäftigen sich aber auch intensiv mit kleinen und mittel­grossen Fonds­gesell­schaften. Macht Ihnen dies immer noch Freude? Die grossen Adressen decken ja alles ab. Hill: Klasse statt Masse sollte hier zählen. Natürlich decken die grossen Asset Manager ein weites Feld ab. Natürlich gibt es auch dort exzellente Fonds­manager. Natürlich macht es mir viel Freude. Ich finde die Menschen in diesem Feld inte­ressant. In der Regel besitzen diese in einem Feld eine beson­dere Begabung («Gabe») in ihrem speziellen Feld und eine tiefe Leiden­schaft für das, was sie tun. Im Ideal­fall hat man einen Manager, von dem man so über­zeugt ist – unab­hängig von der tempo­rären Perfor­mance – dass man ihn mit Freude mit anderen inte­res­santen Markteil­nehmern in Kontakt bringt. Das kann in verschie­denen Stufen erfolgen – Presse («Abstands­marketing»), dann mittel­bare und unmittel­bare Kontakte. Richtig erfreulich ist es, wenn am Schluss Leute zueinander gefunden haben, die einander schätzen. Das ist völlig unab­hängig davon, ob beim ersten Kennen­lernen die jewei­ligen Dienst­leistungen (zum Beispiel Fonds, Advisory etc.) passen. Oft ist hier eher das Denken in langen Zeit­räumen, wie im Spezial­fonds­bereich, gefragt. Ehrlicher­weise muss man sagen, dass am Schluss der Ansatz und die Perfor­mance vom Manager stimmen müssen. Caduff: Glauben Sie, dass es in naher Zukunft noch so viele ganz kleine Fonds­anbieter gibt? Hill: Grundsätzlich glaube ich weiterhin an die Kreati­vität und Anpassungs­fähigkeit im Bereich der unab­hängigen Asset Manager. Es wird immer eine Nachfrage nach nicht-konzern­gebun­denen Experten mit hohem Spezia­lisie­rungs­grad und «Skin-in-the-Game-Anmutung» geben, die mit «brennender Leiden­schaft» ihren Interessen nachgehen. Unter­nehmer­persön­lich­keiten haben einen langen Atem, sind findig und flexibel. Natürlich findet fort­während eine Markt­berei­nigung auch in diesem Segment statt. Es gibt viele kleine Häuser, die sich auch jahrelang mit kleinen Volumen (AuM) halten, gerade an der Grenze des betriebs­wirt­schaftlich vertret­baren. Manche schaffen dann noch den Durch­bruch, weil sie zum Beispiel einen langen Atem und Kapital haben. Auch in diesem Markt gibt es ein ständiges Kommen und Gehen. Mir sagte einmal ein Buch­autor zum Themen­bereich Unab­hän­gige Vermö­gens­ver­walter: «Ich habe mit 100 verschie­denen Adressen gesprochen und habe 100 verschie­dene Geschäfts­konzepte gesehen.» Nischen­anbieter sind flexibel, zumindest wenn es in einem Markt statt­findet, der nicht wie das klassische insti­tutio­nelle Asset Mana­gement abläuft: Rechen­schieber, Perfor­mance­messung, Gremien­entscheid als Haupt­faktoren bei der Manager­auswahl. Caduff: Wenn jemand einen Fonds aufsetzen will, was sind Ihre drei wichtigsten Ratschläge? Hill: Einmal ohne Anspruch auf Voll­ständigkeit, wichtige Punkte könnten zum Beispiel sein: Irgendeine Form von «USP», zum Beispiel beson­dere Perfor­mance­historie, fachliche Exper­tise, Repu­tation, Netzwerk etc.Geduld, langer Atem, Freude am Austausch mit anderen Menschen oder bei der Gewinnung anderer Menschen zur Unter­stützung des eigenen Fonds­projekts (Multi­plika­toren, Netzwerk, Externe etc.)Finanzieller «Puffer», die Phase einer Seed-Money-Suche muss man über­stehen und die Zeit danach auch. Es kann – Praxis­erfahrung – genauso schwer sein, von Null auf drei Millionen Fonds­volumen zu kommen, wie danach von drei auf zehn Millionen zu kommen. Diese Phasen werden meiner Meinung nach häufig übersehen. Man besitzt auch einen zentralen Vorteil, wenn man einen stand­festen Kern-Seeder hat. Ansonsten «zerbröseln» viele Projekte oder werden zu «Kaugummi-Projekten»: Endlos, zermürbend, am Schluss oft scheiternd. Ich rede hier bewusst von sehr kleinen Adressen. Bei Insti­tu­tionen (zum Beispiel Family Offices, Stiftungen etc.), die oft selbst zu Beginn Kern-Seeder sind, gibt es wieder ganz andere Fall­stricke in den nächsten Stufen, die man zuge­gebener­massen mit etwas strate­gischer Planung umgehen kann. Caduff: Womit beschäftigen Sie sich derzeit intensiver? Hill: Reguläre Beratungsmandate (Search, «Investoren­dialog»), wie üblich. Inte­ressan­ter­weise berühren sie hier derzeit stark die Bereiche Real Assets in liquider und nicht-liquider Form – Immo­bilien­entwickler sind inte­res­sante Unter­nehmer­persön­lichkeiten, Schnittstellen zum Single-Family-Office-Bereich sind oft gegeben. Ein weiteres Thema, was mich zudem derzeit stark inte­ressiert, ist das Thema Kapital­markt­exper­tise im Bereich Family Offices und Fonds­boutiquen. Ich schaue mir derzeit viele der Akteure und Publi­kationen in diesem Bereich an: HQ Trust, Eyb & Wallwitz, Flossbach von Storch, Lansdowne Partners Austria, DJE – um einige von vielen spannenden Adressen zu nennen. Es fällt auf, dass es hier sozusagen viele inte­ressante Experten gibt, die oft origi­nelle, unter­haltsame Publi­kationen, Kommentare mit Mehr­wert publi­zieren. Gerade bereite ich noch thema­tisch eine inte­ressante Veranstaltung im Nachgang auf, ein Interview und einigen

  • Barbarossa asset mangement Gelnhausen

    „Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.“ (Friedrich II.) Eine Fondsauflage bei einem Startup, also von meist super motivierten, mit ausreichenden Skills ausgestatteten Menschen, gestaltet sich oft leider schwieriger, als man sich das vorstellt. Entscheidend für den Erfolg ist auf jeden Fall ein langer Atem, auch wenn es oftmals Rückschläge gibt und man eine Faust in der Tasche machen muss. Aber so ist das halt: der Weg nach oben ist steinig. Stolperstein 1: Die BAFIN macht einen Strich durch die Rechnung… Der erste Stolperstein begegnet einem direkt am Anfang. Sobald die erste Außenkommunikation beginnt, steht man schon fast mit einem Bein im Knast. Warum? Thema Bafin! Darüber hat man sich schnell mal im Übermut überhaupt keine Gedanken gemacht. Sollte man aber. Man benötigt dazu, so haben wir es gemacht, ein Haftungsdach, unter das man schlüpfen kann. Das gibt einem den nötigen gesetzlichen Rückhalt und unterstützt auch bei jeglichen Fragen rund um die Fondsauflage. Stolperstein 2: Die richtige KVG – Achte auf die Gebühren! Der nächste Stolperstein ist die Auswahl der Kapitalverwaltungsgesellschaft. Auch da gibt es enorme Unterschiede, wobei man gerade am Anfang darauf achten sollte, dass die Gebühren einen nicht erdrücken und man dann die nötige Performance des Fonds nicht liefern kann. Da haben wir einschlägige Erfahrungen sammeln müssen, auch nicht immer die besten, aber das gehört nun mal dazu. Stolperstein 3: „Man sollte sich nicht gegenseitig ansehen, sondern gemeinsam in eine Richtung sehen“ Bei einem anderen, ganz wichtigen Stolperstein der Seedmoneysuche, wünsche ich Allen einen kompetenten und fairen Partner. Hilfreich ist dabei sicherlich, dem Seedmoneygeber eine Beteiligung anzubieten, da dann die Bereitschaft deutlich steigen wird. Wichtig ist dabei, darauf zu achten, dass man nicht jeden Partner aufnehmen sollte, da man mit ihm ja gemeinsam eine Firma hat. Die Nase sollte schon passen, sonst ist das ganze Projekt zum Scheitern verurteilt. Man sollte sich nicht gegenseitig ansehen, sondern gemeinsam in eine Richtung sehen. Einige Seedmoneygeber sehen das nicht so, und viele lassen auch den nötigen Ernst dabei vermissen. Schlimm ist, wenn man selber 150% gibt und der Seedmoneygeber selber nur 10%. Das kostet unterm Strich Zeit, weil man feststellen wird, dass man den falschen Partner hat. Und so schnell trennt man sich ja nicht von ihm, da das Prinzip Hoffnung immer mit dabei ist. Am besten ist, alles durchzustrukturieren, Deadlines zu setzen und dann auch entsprechend zu handeln. Heißt: sich im Notfall von ihm zu trennen. Und dann beginnt das Spiel von vorne… Fazit: Ohne den richtigen Partner, ist es verdammt schwierig. Das betrifft auf der einen Seite die Verwaltungsebene und auf der anderen Seite den zwischenmenschlichen Austausch – sei es der Kontakt zum Seedcapitalgeber als auch der Kontakt zu den eigenen Partnern innerhalb der Firma. Deshalb kann ich nur jeden klugen Kopf ermuntern, den sicherlich steinigen Weg zu beschreiten. Am Ende ist dieser Weg nicht nur lehrreich, sondern auch sehr lohnenswert. Denn „Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.“ Link zur Barbarossa asset management GmbH: www.barbarossa-am.de Verwandte Beiträge: Family Offices und Fondsboutiquen – Seed Money, Inkubatoren und Goethe (Kommentar – Markus Hill)Seed Money, Theodor Fontane und der Faktor Resilienz… (Interview)

  • Informationen zur Anmeldung (INVITATION ONLY, Uhrzeit, Inhalte, Zielgruppe, etc.): redaktion@fondsboutiquen.de 1. Value Investing, „Wert versus Preis“ und die Bedeutung von Family Offices als Investoren (Interview) „We are very patient“ (Jean Marie Eveillard) ist eine Denkhaltung, die viele Fondsboutiquen im Bereich Value Investing verfolgen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Stefan Rehder, Geschäftsführer und CIO des Vermögensverwalters Value Intelligence Advisors, über die Bedeutung von Faktoren wie Geduld, Langsamkeit, Risikomanagement, Lernfreude und die Einordnung von Investmentstilen – interessante Köpfe in diesem Bereich: Jean-Marie Eveillard, Warren Buffett, Bruce Greenwald, Benjamin Graham. Herr Rehder sprach zudem über die Bedeutung von „Antennen“ (Makroökonomie, Politik etc.) im Bereich Portfoliomanagement sowie über die Rolle von Family Offices als Value-Investoren. http://fondsboutiquen.de/fondsboutiquen-private-labels-fonds-value-investing-wert-versus-preis-und-die-bedeutung-von-family-offices-als-investoren-interview-webinar-7-5-2020-stefan-rehder-2 2. Value Inveasting, Aristoteles, Fondsselektion & Ownership Approach (Interview) Viele Fondsboutiquen besitzen eine ausgeprägte Expertise und Leidenschaft im Bereich Value Investing: „Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten“ (Aristoteles). Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Dominikus Wagner, Gründer der Bonner Vermögensverwaltung Wagner & Florack, über Ownership Approach, Skin-in-the-Game und auch über die Auswahlkriterien eines Vermögensverwalters beim Einsatz von Boutiquen in Kundenportfolien. Thematisiert wurden ebenso Themen wie Bilanzanalyse, „buffettscher Burggraben“ und die Bedeutung von Charlie Munger für Value-Investments. http://fondsboutiquen.de/fondsboutiquen-private-label-fonds-value-investing-aristoteles-fondsselektion-ownership-approach-interview-dominikus-wagner 3. Veranstaltungshinweis (Webinar): FondsmanagerRunde Nürnberg (10.12.2020, 11.30 – 14.00 Uhr) a) „Winning by not losing – Wertorientiert und nachhaltig durch die 20er Jahre!“Value Intelligence Advisors präsentiert erstklassige vermögensverwaltende Fonds für volatile Märkte mit sehr gutem Track Record in der Aktienselektion und dem Risikomanagement Stefan Rehder, Fondsmanager & Geschäftsführer. Value Intelligence Advisors GmbHb) „Unternehmerisch denken, unternehmerisch investieren – Warum „robuste Gewinnmaschinen“ die besten Investments sind!“Wagner & Florack investiert mit einer unternehmerischen Sichtweise in Aktien cash- flow starker, beständig wachsender Unternehmen. Und das mit großem Erfolg! Dominikus Wagner, Vorstand & Fondsmanager, Wagner & Florack AGc) „Chancen und Risiken bei der Abbildung der Aktienrisiko-Prämie – Erfolgreiche Aktienanlage im Kontext des Regimes moderner Geldpolitik!“Meyer & Cie. ist Experte in der Strukturierung & Bewirtschaftung zeitgemäßer Portfolios mit Fokus auf das Indikatoren-basierte proaktive Risiko- und Chancenmanagement. Daniel Haas, Chief Investment Strategist, Meyer & Cie. Allokationsberatung GmbH Moderation: David Krahnenfeld, Direktor Ampega Investment GmbHVeranstaltung – Fondsselektoren – Anmeldung – Zusatzinfo: redaktion@fondsboutiquen.de Value Investing, “Value versus Price” and the Importance of Family Offices as Investors (Interview & Webinar, 7.5.2020 – Stefan Rehder) Value Investing, Aristoteles, Fund Selection & Ownership Approach (Interview & Webinar, 23.4.2020 – Dominikus Wagner)Fund concepts, fund selection, marketing and ESG (Daniel Knoerr – Interview)

  • Liechtenstein Banner Flagge

    Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter in der DACH-Region zeigen seit Jahren ein verstärktes Interesse an der Auflage von Private Label Fonds. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit David Gamper, Geschäftsführer des LAFV (Liechtensteinischer Anlagefondsverbands), über aktuelle Entwicklungen in diesen Kundensegmenten und über aktuelle Entwicklung im Bereich Krypto-Währungen. Zusätzlich diskutiert wurden Themenfelder wie Nachhaltigkeit, ESG und Taxonomie. Regulierung, aktuelle Interessen bei der Verbandstätigkeit und „Animal Farm“ wurden ebenso angesprochen. Hill: Welche Rolle spielt für den Standort Liechtenstein der Bereich Fondsauflage bei Family Offices? Gamper: Liechtenstein ist ein Fondsdomizil, dessen Marktteilnehmer vor allem auf die Auflage und die Administration von Private-Label-Fonds spezialisiert sind. Asset Manager aus der Schweiz und Liechtenstein zählen seit jeher zu den wichtigsten Fondsinitiatoren unseres Standortes. In den letzten drei bis vier Jahren spüren wir eine vermehrte Nachfrage von zwei Segmenten, Vermögensverwalter aus Deutschland und Family Offices, die den Fondsstandort Liechtenstein für sich entdecken. Auch der LAFV hat in jüngster Vergangenheit von Family Offices interessante Anfragen bezüglich Fondsgründungen und Sitzverlegungen bestehender Fonds nach Liechtenstein bekommen. Diese positive Entwicklung für den Fondsplatz hängt zum einen mit den ausgezeichneten rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen zusammen. Es gibt zum Beispiel eigene Fondskategorien für die Vermögensstrukturierung, die keinen Zulassungsprozess bei der Finanzmarktaufsicht durchlaufen müssen, sondern nur noch angemeldet werden. Trotzdem, und darin sehen wir einen grossen Vorteil, sind diese Fonds direkt beaufsichtigt. Zum anderen hängt die zunehmende Nachfrage im Bereich der Family Offices damit zusammen, dass viele Fondsgesellschaften einen Fokus auf den Bereich der Vermögensstrukturierung legen. Um also Ihre Frage zu beantworten: Fonds von Family Offices zählen zu unseren Wachstumssegmenten und nehmen eine immer wichtigere Rolle ein. David Gamper, Geschäftsführer des LAFV (Liechtensteinischer Anlagefondsverbands) Hill: Wie sieht die aktuelle Entwicklung Ihres Standorts im Bereich Krypto-Währungen aus? Gamper: Der erste Krypto Asset Fonds nach europäischem Recht wurde im März 2018 in Liechtenstein zugelassen und es folgten gleich darauf noch einige weitere. Das war mitten in der Phase als der Kurs von Bitcoin einbrach. Diese Situation war natürlich für die Entwicklung der Fonds nicht sehr vorteilhaft, weder für die Performance noch für das Fondsvolumen. Aktuell haben sich diese Fonds jedoch sehr gut erholt und können mit einer deutlich positiveren Rendite aufwarten. Das Gesamtvolumen dieser Fonds ist gleichwohl noch auf einem überschaubaren Niveau. Es gibt darüber hinaus noch eine andere interessante Entwicklung aus dem Bereich Blockchain. Am 1. Januar 2020 ist in Liechtenstein das Token- und VT-Dienstleistergesetz (TVTG), oft auch als Blockchain Gesetz bezeichnet, in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz ist Liechtenstein der Vorreiter in Europa und bietet Rechtssicherheit für Unternehmen, die im Bereich Blockchain tätig sind. Das neue Gesetz brachte auch Neues für die Fondsbranche, denn das TVTG bildet die rechtssichere Grundlage, um Fondsanteile zu tokenisieren und diese Token dann zu handeln. Von dieser neuen Möglichkeit wurde bereits Gebrauch gemacht. Hill: Nachhaltigkeit, ESG und Taxonomie sind derzeit europaweit intensiv diskutierte Themen im Bereich Asset Management. Wie gehen Sie in Liechtenstein mit diesem Thema um? Gamper: Das Asset Management ist in Liechtenstein primär ein Thema der Banken, aber auch der Vermögensverwalter. Besonders die Banken sind im internationalen Vergleich in Bezug auf Nachhaltigkeit sehr gut aufgestellt. So schreibt das Private Banking Magazin am 16. November dieses Jahres: «Geht es um nachhaltige Geldanlage, sollten Anleger ihr Vermögen am besten nach Liechtenstein bringen. Wie der diesjährige Vermögensmanager-Test der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz zeigt, ragt der kleine Finanzplatz in Sachen Nachhaltigkeit heraus.» Gerade die beiden am besten bewerteten Banken aus Liechtenstein, welche die Plätze 1 und 4 im Ranking des gesamten deutschen Sprachraums belegen, sind auch diejenigen, die den grössten Teil der Fondsportfolios managen. Dazu kommt, dass eine Untersuchung der liechtensteinischen Aktienfonds bereits im Jahr 2016 zum Schluss gekommen ist, dass diese in Bezug auf ESG Kriterien außerordentlich gut investieren. Die Fondsbranche selbst, die die Administration der Fonds übernimmt, ist in erster Linie mit der Umsetzung der umfassenden Regulierung beschäftigt. Diese Umsetzung findet unter einem enormen Zeitdruck statt und bindet deshalb erhebliche Ressourcen. Hill: Welche aktuellen Themen beschäftigen Sie derzeit intensiver? Gamper: Mit Nachhaltigkeit haben Sie es bei der vorherigen Frage auf den Punkt gebracht, dies ist ein Thema, das uns derzeit in all seinen Facetten beschäftigt. In erster Linie nimmt aber die Regulierung sehr viel Zeit in Anspruch. Diesbezüglich haben wir beim LAFV eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet und das Interesse der Mitglieder an einer Teilnahme ist sehr groß Ein aktuelles Projekt auf nationaler Ebene, in das alle Finanzverbände des Landes involviert sind, ist die weitere Verbesserung der Terrorismusfinanzierungs- und Geldwäscheprävention. Das Global Forum on Transparency and Exchange of Information for Tax Purposes (OECD) hat Liechtenstein im Rahmen der Länderprüfungen bereits 2015 gute Noten ausgestellt und als «Largely Compliant» beurteilt. Liechtenstein verfügt seither über die gleiche Einstufung wie zum Beispiel Deutschland und Grosßritannien und diese gute Beurteilung möchte man natürlich beibehalten. Ein Dauerbrenner ist bei uns schon seit längerem die Arbeitsgruppe Steuern, die sich neben BEPS und DAC6 mit Themen beschäftigt, die dazu dienen, unnötige Besteuerung wie zum Beispiel Doppelbesteuerung durch Quellensteuern für unsere Fondsinvestoren zu verhindern. Aktuelle Themen sind auch die Digitalisierung und Datensicherheit, die weitere Optimierung der Rahmenbedingungen sowie der grenzüberschreitende Fondsvertrieb. Hill: Womit beschäftigen Sie sich neben der Verbandsarbeit, in Ihren Stunden der Muße? Gamper: Ich habe gerade zwei Bücher gelesen. Das eine war ein Klassiker, George Orwells «Animal Farm». Meine andere Lektüre ist ein Fachbuch über die Funktionsweise der Blockchain Technologie. Was ich als nächstes lesen werde, weiß ich dann nach den Feiertagen. Mal sehen, was unter dem Weihnachtsbaum liegt. Bis dahin bleibt mir – außer beruflich – wohl kaum Zeit zum Lesen. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Link zum Liechtensteinischer Anlagefondsverbands: https://www.lafv.li/DE/Home/Dash Verwandte Interviews: Liechtenstein, Asset Management, Verbände und der gepflegte Gedankenaustausch (Interview – David Gamper, LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband)„Deutschland ist nach der Schweiz, die Liechtenstein als Zugang zum Binnenmarkt nutzt, der wichtigste und attraktivste Markt für die Liechtensteinische Fondsbranche“ (Interview – David Gamper)Family Offices und Fonds­boutiquen besitzen viele Gemeinsamkeiten (Interview – Thomas Caduff, Markus Hill)

  • Auf der Suche nach alternativen Ertragsquellen beschäftigen sich Fondsselektoren bei Family Offices, unabhängigen Vermögensverwaltern und klassischen institutionellen Investoren seit Jahre verstärkt mit dem Bereich Alternative Investments. Markus Hill sprach mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über Cat Bonds als Anlageklasse, Risiko versus Ertrag, Korrelationseigenschaften sowie über die jeweiligen Vor- und Nachteile für Investoren. Zusätzlich thematisiert wurde auch die besonderen Herausforderungen und Chancen bei der Manager Selection in diesem Nischenmarkt. Ergänzend wurde Informationsquellen zu diesem Themengebiet genannt sowie über aktuelle Themen der hauseigenen Publikation (Kapitalmarktstrategie) gesprochen. Hill: Als Kapitalmarktexperte und Dachfondsmanager beobachten Sie Märkte und Produkte aufmerksam. In einer Ihrer letzten Publikationen haben Sie sich kurz mit dem Thema Behavioural Finance beschäftigt, um dann gezielt die Anlageklasse Cat Bonds angesprochen. Warum sind Cat Bonds für Sie und andere institutionelle Anleger von besonderem Interesse? Friedrich: Als Multi-Asset-Investor ist für unseren Fonds potentiell alles investierbar, was zumindest wöchentlich handelbar ist und dem UCITS-Regularium genügt. Darüber hinaus stellen wir an uns selbst den Anspruch, nur Kapitalmarkt-Segmente zu bespielen, welche wir ausreichend verstehen. Als Kriterium hierfür steht der Anspruch, eigene Ertrags- und Risikomodelle formulieren zu können. Im Cat Bond-Segment ist dies der Fall, denn ich beschäftige mich schon seit Jahren mit dieser Anlageklasse. Um Ihre Frage konkret zu beantworten, unser Interesse an einer Anlageklasse ist primär an zwei Faktoren messbar: Erstens, welche potenziellen Erträge versprechen wir uns von einem Engagement? Zweitens, wie stark ist die Korrelation dieser Erträge mit dem Rest des Portfolios? Für eine Investition genügt im Grunde, wenn eine Anlageklasse in einer der beiden Dimensionen positiv hervorsticht. Im Extremfall könnte laut Portfoliotheorie sogar ein Investment mit negativer Ertragserwartung sinnvoll sein, wenn ein Vermögenswert stabil negativ korreliert. Katastrophenanleihen, oder kurz Cat Bonds, bieten im Multi-Asset-Kontext eigentlich die beste der möglichen Welten. Sie offerieren im Kontext der heutigen Marktsituation attraktive Renditen bei gleichzeitig niedrigen Korrelationskoeffizienten. Hill: Wie bewerten Sie das Verhältnis von Risiko zu Ertrag? Friedrich: Auf Basis einer reinen Sharpe-Ratio Betrachtung – Ertragserwartung geteilt durch die Schwankungsneigung – schlagen Cat Bonds praktisch alle anderen Anlageklassen. Allerdings muss man sich Gedanken über das richtige Risikomaß machen. Denn Cat Bonds haben die unangenehme Eigenschaft, von Zeit zu Zeit richtig große Verluste zu produzieren, und diese Verluste sind leider nicht prognostizierbar, denn sie werden durch Naturkatastrophen ausgelöst. Am schlimmsten sind dabei Wirbelstürme – typischerweise jene, die sich über dem Atlantik bilden und dann auf die Küste der Vereinigten Staaten treffen. Auf diese Weise können sich praktisch über Nacht Verluste im zweistelligen Prozentbereich einstellen. Als Investor in Katastrophenanleihen müssen Sie mit diesem Risiko leben können. Rein mathematisch gesprochen bedeutet dies, dass Sie sich bei der Optimierung nicht nur auf die Volatilität als Risikomaß verlassen sollten. Hill: Welche Vorteile gibt es, welche Nachteile sind zu beachten? Friedrich: Über die Vorteile hatten schon gesprochen: es handelt sich um ein überdurchschnittlich ertragsstarkes Investment mit geringer Korrelation zu traditionellen Anlageklassen. Dabei haben viele Investoren sich nach den enttäuschenden Jahren 2017 und 2018 zurückgezogen, zur Unzeit, wie wir denken. Denn die Versicherungsbranche hat heute mehr denn je Bedarf danach, Risiken im Kapitalmarkt abzulegen. Die Pandemie trifft diese Industrie schwer und wird ein großes Loch in die Bilanzen reißen. Cat Bonds-Investoren, auf der anderen Seite, sind praktisch ohne Verluste davongekommen, profitieren jedoch indirekt von den – noch nicht einmal genau bezifferbaren – Verlusten der großen Versicherungskonzerne. Wir haben erst vor einer Woche ein Beispiel davon bekommen, wie sich dies konkret darstellt: Google begibt gerade eine $ 237 Millionen schwere Anleihe, um seine Gebäude und Serverfarmen in Kalifornien gegen Erdbebenrisiken abzusichern.  Dass die Firma hierfür den Kapitalmarkt benutzt ist für uns ein klares Indiz, dass die traditionellen Versicherer offensichtlich auf ihren Bilanzen keine ausreichende Kapazität mehr vorfinden, um diesem sicherlich attraktiven Kunden zufrieden stellende Konditionen zu bieten. Es ist ein Signal, dass der Versicherungsmarkt sich in einer „harten Phase“ befindet. Für Anleger ist dies eine gute Zeit, denn sie können die Konditionen von Katastrophenanleihen zu ihren Gunsten beeinflussen. Als Nachteil würde ich erwähnen, dass selbst die heutigen, aus historischer Sicht attraktiven Risikoaufschläge von sechs bis neun Prozent nicht vor plötzlichen, unvorhersehbaren Katastrophen schützen können. Ein Investment in Katastrophenanleihen bleibt vor diesem Hintergrund immer zum Teil ein Pokerspiel, auch wenn Sie im heutigen Marktumfeld ein relativ gutes Blatt haben. Wenn solche Verluste dann auftreten, sind natürlich die Zeitungen voll mit Berichten davon; dies erzeugt eine schwierige Situation für jeden Fondsselektor, der dann vor seinem Chef treten und die Verantwortung für ein großes Loch im Portfolio übernehmen muss. Hill: Wie identifizieren Sie geeignete Asset Manager in diesem Segment? Friedrich: Im Grunde gehen wir nicht anders vor als bei allen derartigen Entscheidungen. Wir beobachten den Markt und erstellen Listen mit allen verfügbaren Anbietern. Im Fall von Katastrophenanleihen ist das sogar relativ einfach, denn es handelt sich um einen echten Nischenmarkt mit einer überschaubaren Zahl von Anbietern. Ich denke sogar, dass wir mit allen für uns investierbaren Fonds heute in Kontakt stehen. Dann kommt es darauf an, wie sehr uns der jeweilige Ansatz überzeugt. Die Qualität des Teams steht wie immer im Mittelpunkt, und die Erfahrung in der Versicherungswirtschaft ist in diesem Fall wirklich ein zentrales Thema. Zusätzlich achten wir darauf, dass die Balance aus Risikovermeidung und Wahrung von Ertragschancen unseren Bedürfnissen als Multi-Asset Investor gerecht wird. Denn es macht schon einen großen Unterschied, ob Sie das spezifische Risiko voll trifft oder ob es Sie es wegdiversifizieren können. Hill: Falls man sich mit dem Thema intensiver beschäftigen möchte – gibt es interessante Literatur dazu? Friedrich: Es gibt einen guten Artikel der New York Times aus dem Jahr 2007, den der Bestseller-Author Michael Lewis verfasst hat, mit dem Titel „In Nature’s Casino“. Der ist zwar schon alt, aber Sie können anhand dessen die Entstehung der Assetklasse gut nachvollziehen. Für aktuelle Informationen zum Wettergeschehen bietet das „National Hurricane Center“ umfangreiche Informationen an. Im deutschsprachigen Raum gibt es auch noch die Seite www.catbond.com, die einige weiterführende Informationen enthält. Hill: Als Head of Research beschäftigen Sie sich intensiv mit volkswirtschaftlichen Themen. Welches Thema steht gerade im Brennpunkt Ihres Interesses? Friedrich: Wir müssen eigentlich immer ein breites Spektrum von Themen abdecken. Zentral

  • Family Offices und klassische institutionelle Investoren beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit dem Bereich Alternative Investments. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Martin Dürr, FAROS Fiduciary Management AG, über die Herausforderungen für Asset Management Consultants bei Auswahl von liquiden und nicht-liquiden Investments im Bereich Real Assets. Diskutiert werden Themen wie der Einsatz von Publikumsfonds in diesem Segment, Investmentprozess, Kapitalmarktanalyse und Managerauswahl. Zusätzlich werden Gebiete wie Fiduciary Management, Beratung und Fondsmanagement („Implemented Consulting“) sowie aktuelle Herausforderungen im Asset Management thematisiert. Die Bedeutung von Borussia Dortmund und „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ ergänzen die fachlichen Ausführungen. Hill: Womit beschäftigt sich FAROS? Dürr: FAROS beschäftigt sich mit dem gesamten Prozess der Kapitalanlage institutioneller Investoren. Von der strategischen Allokation unter Beachtung der Liability-Seite, über die taktische Ausrichtung bis zur konkreten Umsetzung der Investitionen – also die Auswahl von Managern und Fonds. Auch begleitende Prozesse wie zum Beispiel Risikomanagement, regulatorisches Reporting, ESG-Strategie gehören zum Prozess. Hill: Mit welchen Themenfeldern beschäftigen Sie sich persönlich im Unternehmen? Wie sind Sie in den Consulting-Bereich gekommen? Dürr: In meiner Karriere habe ich immer zwischen der Investoren- und der Beraterseite gewechselt, sodass ich beide Perspektiven gut kenne. Dadurch bin ich sehr breit aufgestellt und habe einen guten Überblick über die verschiedenen Facetten der Kapitalanlage bekommen. Durch meine Zeit bei einem der führenden deutschen Family Offices habe ich mich dann auch schon recht früh mit den Alternativen Anlagen beschäftigt. Auch heute noch ist mein Aufgabengebiet sehr breit. Vom Kapitalmarktresearch im Allgemeinen bis hin zum speziellen Fokus auf Alternatives, dort insbesondere das Thema Infrastruktur bei der Manager- und Produktauswahl. Begonnen habe ich beim dit, der Kapitalanlagegesellschaft der damaligen Dresdner Bank als Aktien-Portfoliomanager zur Jahrtausendwende. Dann bin ich zu dem Consultant FERI Institutional Management gewechselt, um nicht nur einen, sondern viele, vor allem internationale, Investment-Manager und deren Prozesse kennenzulernen. Bei FERI habe ich den Bereich Managerauswahl weiterentwickelt und verantwortet. Schließlich bin ich auf die Investorenseite gewechselt, Münchner Rück und Harald Quandt Holding – seit über 10 Jahren bin ich mit FAROS wieder auf der Beraterseite tätig. Martin Dürr, FAROS Fiduciary Management AG Hill: Sie sagten, dass Sie auch den Bereich Portfolio Management aus der Praxis kennen. Sie haben bei FAROS einen Publikumsfonds aufgelegt. Warum haben Sie sich für diese Auflage entschieden? Dürr: Der Publikumsfonds hat sich aus der Zusammenarbeit mit Kunden des Fiduciary Management entwickelt. Das liquide Portfolio dieses Fonds bestand aus gelisteten Real Assets, die wir im Rahmen eines „Best Ideas“ Portfolio erstellt haben. Bezüglich der Performance überzeugte der Fonds auf ganzer Linie – und auch der Use-Case überzeugte durch das flexible und einfache „Exposure“ zu einer attraktiven Assetklasse. Daher trafen wir die Annahme, dass viele Investoren Interesse an unserer Dienstleistung der Allokation und Selektion haben müssten, besonders da es so kostengünstig angeboten werden kann. Hill: Wie sieht der Investmentprozess bei Ihrem Fonds aus? Dürr: Zunächst ist der Investmentprozess ein Top-Down-Prozess: Auf Basis unserer Markteinschätzung, unserer Einblicke in bestehenden Investitionen in Privatmarkt-Fonds und den Gesprächen mit deren Managern entscheiden wir über die Allokation nach Regionen und Sektoren. Die Zellen der daraus entstehenden Matrix werden darauffolgend per Bottom-Up-Selektion befüllt. Das bedeutet, dass zunächst das ganze Universum potentieller Investments qualitativ geprüft wird, inwieweit es unseren ESG und Wirtschaftlichkeitskriterien entspricht. Die Wirtschaftlichkeitskriterien legen einen Fokus auf das tatsächliche Eigentum an Assets. Zudem sollten die Unternehmen einen moderaten Leverage und nicht zu aggressives Kapitalwachstum aufweisen. Bezüglich unserer ESG-Kriterien schließen wir generell Unternehmen aus, die zum Beispiel durch Kinderarbeit, Produktion geächteter Waffen oder Korruption auffallen. Die verbleibenden Unternehmen werden mit einem MSCI ESG-Score bewertet und müssen dabei einen Mindestscore erreichen, damit in diese investiert werden kann. Weiterhin wird dann quantitativ nach den Kriterien der höchsten Stabilität in Bezug auf Ausschüttungen und Generierung von Free-Cash-Flows selektiert. Hill: Worin bestehen die Herausforderungen im Bereich Liquide versus Nicht-Liquide Investments? Welche Bedeutung haben hier die Bereiche Risikomanagement und Volatilität? Dürr: Bei den Nicht-Liquiden, als zum Beispiel Direktinvestments oder Privatmarkt-Fonds, besteht die Herausforderung in der enormen Unflexibilität. Es dauert lange – nämlich mehrere Jahre – bis ein gewünschtes Exposure aufgebaut werden kann. Genauso lange dauert es, ein bestehendes Exposure in der Ausrichtung zu ändern. Wegen des Blind-Pool-Risikos ist eine solche Steuerung zudem oft ungenau. Nicht zuletzt stellen auch die verlangten Minimuminvestments von fünf Millionen Euro oder mehr ein erhebliches Hindernis dar. Es ist sehr herausfordernd, bei dieser Grenze ein nach Sektoren und Regionen gut diversifiziertes Portfolio konstruieren zu können. Diese Probleme können mit liquiden Investments sehr gut adressiert und gelöst werden. Dort wiederum liegt die Herausforderung in der höheren Volatilität. Da ich die Freiheit habe, das Investment jederzeit zu kaufen oder zu verkaufen, habe ich auch jederzeit einen Preis. Beim Privatmarkt-Fonds bekomme ich den nur einmal im Quartal – erstens zumeist mit erheblicher Verspätung von sechs Wochen oder mehr und zweitens handelt es sich dabei nur um eine Schätzung. Ob ich zu diesem Preis mein Investment tatsächlich verkaufen könnte steht in den Sternen. Langfristig liegen liquide und illiquide Investments in der Performance zwar gleichauf, aber die kurzfristige Volatilität der Liquiden ist natürlich für manche Investoren eine Herausforderung. Dem begegnen wir mit einem sogenannten Equity-Tail-Risk-Hedge. Das bedeutet, dass wir für einen Teil unseres Ertrags Put-Optionen auf Aktienindizes erwerben. Diese Optionen liegen relativ weit aus dem Geld, so ungefähr 10 bis 15 Prozent. Das bedeutet im Normalfall verfallen diese Puts wertlos. Kommt es aber zu starken Marktrückgängen von eben 10 Prozent und mehr, dann laufen die Optionen ins Geld und das Portfolio ist teilweise abgesichert. Wir investieren immer einen konstanten Betrag, nämlich 10 Basispunkte im Monat. Je nach Marktumfeld können wir dafür mehr oder weniger Absicherungen kaufen. Bei hoher Volatilität, also typischerweise nach Stressphasen, eher weniger. Bei niedriger Volatilität, also in ruhigen Märkten, eher mehr. Das bringt dann auch noch eine anti-zyklische Komponente in den Hedge. Zusätzlich sichern wir das Portfolio auch gegen Währungsschwankungen ab – übrigens auch etwas, das nur mit einem liquiden Portfolio vernünftig zu bewerkstelligen ist. Hill: Asset Management Consultant und Fondsmanager zugleich, passt das zusammen? Dürr: Das passt durchaus. Das Fiduciary Management, also im Prinzip eine umfassende Vermögensverwaltung für institutionelle Investoren, die von vielen Consultants weltweit angeboten wird, firmiert

  • „Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen“ (Goethe). Innovation, Mittelstand und Nachhaltigkeit stellen für Investoren bei der üblichen Value-versus-Growth-Diskussion interessante Themenfelder dar. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Marc Siebel, Geschäftsführer der Peacock Capital GmbH, über „triezende“ Professoren, DCF-Modelle und die Begeisterung für Value Investing. In Verbindung mit diesem Investmentstil wurden zusätzlich Themen wie ESG & Taxonomie bei Nebenwerten, Investments in Technologie und die Kunst des Bogenschießens angesprochen. Hill: Woher kommen Ihre Begeisterung für den Mittelstand und Value Investing? Siebel: Mein BWL-Studium verbrachte ich in Teilen in den USA. Ich hatte das Glück, mit Prof. Dr. Bey an einen renommierten Finance-Professor zu geraten, der mich in einem Student Investment Fund-Kurs „triezte“, eigene DCF-Modelle aufzustellen, SWOT-Analysten der Geschäftsmodelle durchzuführen und dies dann vor versammelter Mannschaft zu präsentieren. Die Standardwerke von Benjamin Graham und Aswath Damodaran lagen da als Grundlage auf meinem Tisch. Damals wurde ich „ins kalte Wasser geworfen“, das hat mich bis heute geprägt und zu einem Jünger des „Value Investing“ gemacht. Das Schöne an der damaligen Übung ist, dass ich DCF-Modelle seitdem verstehen und vor allen Dingen auch selbst rechnen kann. Nicht ganz unwichtig, wenn man von einem „Fair Value“ einer Aktie spricht und manchmal fragwürdige DCF-Modelle präsentiert bekommt. Zur Jahrtausendwende begann ich meine Karriere bei der Fondsgesellschaft der damaligen WestLB. Da habe ich direkt die Erfahrung mit platzenden Blasen an den Aktienmärkten gemacht und auch privat Geld verloren. Durchaus lehrreich. Ich laufe seitdem nicht mehr jedem „Hype“ hinter. Meine Zeit in London im Bereich Asset Management und die Zusammenarbeit mit Aktienanalysten auf der „Sell Side“ haben meinen Horizont erweitert, ist doch die Sichtweise auf Unternehmen hier ganz unterschiedlich. Ich konzentrierte mich dann auf Mittelstandsaktien, neudeutsch „Small & Mid Caps“. Dies bedeutete ausgiebige Bilanzanalysen, das Studium von umfangreichen Sektor- und Aktienpublikationen der Banken und das Reisen zu Investmentkonferenzen in den verschiedenen Ländern und zu den Unternehmen selbst („Site Visits“). Nach einer Zwischenstation beim Bankhaus Lampe, bei der ich wie auch bei der WestLB einen Nebenwerte-Publikumsfonds auflegte und eigenverantwortlich managte, gründete ich 2013 die Peacock Capital GmbH. Es war gut, dann bereits einen langfristigen und belastbaren Track Record für Nebenwerte vorweisen zu können. Dies ist Investoren wichtig. Bis heute hat mich die Leidenschaft für Nebenwerte nicht losgelassen. Unser Fonds, der Peacock European Best Value Fonds ist ein europäischer Nebenwerte-Fonds. In ihm pocht das Herz eines echten „Value Investing“-Anhängers. Marc Siebel, Geschäftsführer der Peacock Capital GmbH Hill: Langfristdenke und Nachhaltigkeit bestimmen auch die Denke im Mittelstand. Welche Bedeutung hat bei Ihrem Investmentansatz die aktuelle Diskussion zum Thema ESG und Taxonomie? Siebel: Ab 2022 sieht die sogenannte Taxonomie-Verordnung der EU vor, dass Unternehmen und auch Anbieter von Finanzprodukten bzgl. ihrer ökologisch nachhaltigen Tätigkeiten und Investments in verschiedene Kategorien eingruppiert werden. Damit entsteht endlich hinreichender Druck auf die Branche, ökologische Kriterien bei ihrem Wirtschaften ernst zu nehmen. Angesichts dramatischer Bilder aus der Antarktis und Dürreperioden auch in Europa ist es Zeit, endlich Gas zu geben. Wir haben bereits Anfang des Jahres darauf reagiert und im Sinne einer Entsprechenserklärung hinsichtlich diverser ESG-Kriterien unsere Firmen im Portfolio zu screenen. Wir verwenden seit jeher bei unseren Treffen mit den Vorständen analytische Fragebögen zum Geschäftsmodell und den Bilanzen. Diese haben wir mit ESG-Kriterien ergänzt. Zudem nutzen wir auch unser Analystennetzwerk. So bieten diverse Partner in Europa mittlerweile ESG-Konferenzen an, auf denen die börsennotierten Firmen ESG-Rechenschaftsberichte präsentieren. Als kritische Investoren darf der Fokus auf das „S“ – Social und „G“ – Governance allerdings nicht fehlen. Als kritischer „Value“-Investor ist nicht nur die Akkuratheit der Bilanz wichtig, sondern auch die Qualität des Managements und des Aufsichtsrates. Wie der Fall Wirecard zeigt, führt ein Darüberhinwegsehen schnell zu schlimmen Vermögensverlusten. Für uns war die Firma stets ein rotes Tuch. Zu verbandelt war der Vorstand mit dem Aufsichtsrat, der kritische Hinweise renommierter Journalisten stets als Unfug abtat. Noch in 2018 wies eine Investmentbank nach, dass ein Großteil der E-Commerce-Umsätze von Wirecard nicht existieren können. Zwei Gründe, die alle Alarmlampen aufleuchten ließen. Dass Wirecard dann noch dubiose Praktiken nutzt, um Wirecard Kritiker einzuschüchtern beziehungsweise zu überwachen, wie die Financial Times Ende 2019 berichtete, macht ein Investment nur noch unseriöser. Es ist überraschend, wie viele Unternehmen beispielsweise dem deutschen Corporate Governance Kodex nicht vollumfänglich entsprechen. Nebenwerte sind besonders attraktiv für ESG-Investoren. Ich konzentriere mich seit knapp 20 Jahren auf europäische Nebenwerte. Der Trend hin zu Nachhaltigkeit ist hier besonders eindrucksvoll. Man erinnere sich an die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahre 2000. Als Vorreiter hat Deutschland hier den Weg für die erneuerbaren Energie-Branche geebnet, „Pure Plays“ entstanden zuhauf. Nordex und Vestas sind bekannte Namen, spannender wird es jedoch in der zweiten und dritten Reihe, wenn es um die Themen Wasserstoff, Solar, Wind, Rohstoffe und Elektromobilität geht. Das fängt an bei italienischen IT-Software-Firmen, geht über unser langjähriges Investment in Corticeira Amorim, dem Marktführer für Kork und endet zum Beispiel bei dem Elektro-Ladestation- Hersteller Compleo, der kürzlich in Deutschland sein Börsendebut feierte. Viele Unternehmen bieten hier Alleinstellungsmerkmale und einen starken „wirtschaftlichen Burggraben“, die man sonst nur Unternehmen wie Google oder Apple zurechnet. Gemeinsam mit unseren Partnern und Analysten in Europa haben wir bereits eine „Green Deal“-Liste erstellt, die diese „Pure Plays“ beinhalten. Im Best Value Fonds orientieren wir uns an diesen Leitlinien. Angesichts der Vielzahl von innovativen „pure ESG-Plays“ bei Nebenwerten denken wir auch über einen „PURE ESG“-Fonds nach, der sich wohl nur mit innovativen Nebenwerten zu einem wachstumsstarken Produkt formen lässt. Der Fokus auf Nebenwerte mit engem Kontakt zum Management stellt sicher, dass der Fondsmanager fokussiert agiert und stets gut informiert ist. Hill: Wie sehen Sie die Diskussion um „Value vs. Growth“? Ist es mehr oder weniger ein „ausgelutschtes“ Thema oder besitzt es nach wie vor eine Bedeutung bei der Kategorisierung von Investments? Siebel: Tja, die Themen „Growth“- Aktien und „Value“-Aktien sind ja seitens diverser Anbieter – zumeist von denjenigen, die dauerhaft und größtenteils in Technologiefirmen investieren – effektiv ausgeschlachtet worden. Kein Wunder, denn in den letzten Jahren haben „Growth“-Titel „Value“- Titel geschlagen. Durch Corona haben dann wachstumsorientierte Digitalisierungsgewinner noch einmal deutlich zugelegt. Einige Firmen werden durch diesen Paradigmenwechsel auch dauerhaft


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