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  • Frankfurt-Theater

    «Wir sollten alles gleichermaßen vorsichtig wie auch zuversichtlich angehen» (Epiket). Gerade Value-Investoren durchleben aktuell herausfordernde Zeiten. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Alex Rauchenstein, CEO von SIA Funds AG, über Themen wie «Value versus Growth», Erwartungsmanagement, den Dialog mit Family Offices und über Investments in Rohstoffe. Themen in diesem Zusammenhang waren auch zwei «LIVE-Veranstaltungen» dieser Fondsboutique («Natural Resources Day», Zürich, 17.9.2020 und «Strategic Investing – Denken und investieren wie ein Unternehmer», Frankfurt, 24.9.2020). Abgerundet wurde das Gespräch durch ein Anti-Stress-Geheimnis, das für bestimmte Menschen auch den Griff zum Handy oder Buch ersetzen kann. Hill: Wie in den Vorjahren findet immer wieder eine lebhafte Value versus Growth-Diskussion in Fachkreisen statt. Value Investing ist Investieren mit langem Atem – was spricht dafür im aktuellen Marktumfeld? Rauchenstein: Ja, Sie sagen es richtig. Value Investing ist kein 100 Meter Sprint, sondern ein Marathon.  In der aktuellen Situation fühlt es sich an wie ein Ultra-Marathon. Denn die Underperformance einer werthaltigen globalen Strategie dauert schon einige Jahre an, fast ein Jahrzehnt. Interessant ist jedoch zu sehen, dass wir mit dem Europa-Anteil unseres Portfolios seit 2011 in der Lage waren, den Euro Stoxx 600 um 100% zu übertreffen. Mit anderen Worten, es war für einen werteorientierten, global anlegenden Investor fast unmöglich, den globalen Index zu schlagen. Auf Europa bezogen sah die Situation anders aus. Anders ausgedrückt – die Bewertungsübertreibung findet schon eine längere Zeit primär in den USA statt. Da in unseren Augen nun die Zinsen kaum mehr weiter nachgeben werden und die Fremdkapital-Finanzierung vieler Wachstumsfirmen ins Stocken geraten ist, wird es spannend. Jetzt aber zu prognostizieren, dass es genau drehen wird, ist für mich und unser Haus nicht möglich. So eine Prognose würde mir als unseriös erscheinen. Hingegen investiere ich das Geld meiner Kinder weiterhin in unseren Value Fonds und nicht in den NASDAQ. Hill: Viele Ihrer Investoren sind Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter. Wie sehen diese Anleger Value Investing, was fällt Ihnen bei den Gesprächen auf? Rauchenstein: Ja, viele unserer Investoren stammen aus dem Segment der Family Offices und der unabhängigen Vermögenverwalter. Unsere Ansprechpartner sind oft sehr professionelle Investoren mit 20 bis 30-jähriger Anlageerfahrung. Alle mit einer klaren langfristigen, unternehmerischen Denkweise. Diese passt sehr gut zu unserem Investment-Ansatz und der Sicht eines Unternehmers. Wir bieten unseren Kunden eine interessante Möglichkeit, in börsennotierte Aktien mit der Denkweise eines Private Equity Investors langfristig zu investieren, bei täglicher Liquidität. Hill: Eine Besonderheit in Ihrem Hause ist die Verbindung von Value Investing und Investment in Rohstoffe. Wie ist diese Verknüpfung entstanden? Welche Argumente sprechen für diese Kombination? Rauchenstein: Im Grundsatz interessieren wir uns für alle Investment-Möglichkeiten, die sich bieten. Denn desto größer die Auswahl, desto höher die Chance etwas Unterbewertetes oder «Missverstandenes» zu finden. Nun sind Rohstoffunternehmen wohl das Zyklischste, das man sich vorstellen kann – andererseits dauert der Zyklus bei den meisten Rohstoffunternehmen 7 bis 10 Jahre an. Ist man nun in der Lage, mittel- bis langfristig den Zyklus richtig einzuschätzen, ergeben sich hervorragende Anlagechancen. Denn vielen Anlegern fällt es extrem schwer, diese Unternehmen richtig zu bewerten. Hier schließt sich für uns die Klammer zu Themen wie Langfristdenke, Zyklen und Unternehmensbewertung. Hill: Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation ein? Rauchenstein: Die aktuelle Marktsituation erinnert mich und meine Kollegen sehr stark an das Jahr 2000. Ähnlich wie damals fällt uns auf, dass sich kaum jemand für fundamentale Bewertungen zu interessieren scheint. Ungefähr nach dem Motto «solange der Umsatz eines Unternehmens steigt, ist alles in Ordnung». Dass aber Umsatz nicht gleich Gewinn ist, kümmert aktuell kaum jemanden. Mal sehen wie lange dies noch so anhält. Wir beobachten diese Situation intensiv. Hill: Womit beschäftigen Sie sich derzeit intensiver? Wie bleiben Sie im Austausch mit Ihren Investoren? Rauchenstein: Covid19 hat auch bei uns die Reisetätigkeit etwas eingeschränkt. Direkte Besuche haben wir, wie viele Adressen im Markt, auf ein Minimum reduziert. Telefon, Zoom, Skype – derzeit gibt es ja viele Wege, um im Dialog zu bleiben. Vor zwei Wochen hatten wir noch am Wiesbadener Investorentag teilgenommen. Uns ist aufgefallen, dass nach dieser langen kommunikativen «Ansage zur Distanz» viele Investoren wieder Freude am direkten Gedankenaustausch haben, von Angesicht zu Angesicht. Dies geschieht natürlich unter den üblichen Auflagen, wie dem Halten von Abstand und dem Tragen von Mundschutzmaske. Auch wir werden wieder in diesem Jahr unsere Veranstaltung «Denken und investieren wie ein Unternehmer» (Strategic Investing) am 24. September in Frankfurt durchführen. Vorab an dieser Stelle noch ein Dankeschön für Ihre Moderation und Ihr Kurzintro («Fondsboutiquen») bei der Veranstaltung. Eine Woche davor am 17. September findet unser diesjähriger Natural Resources Day in Zürich statt. Beide Veranstaltungen dienen auch einem vertieften Dialog mit Investoren und Fachpublikum über Themen wie Investmentstile, Asset Allocation und Portfolio Management im aktuellen Marktumfeld. Besonders freuen wir uns in Zürich auf ein ungewöhnliches Thema, da in Corona-Zeiten auch intensiv das Thema Emerging Markets diskutiert wird: «Commodities and the development of India» von Chrys Kamber (Picard Angst), Head of Indian Investments. Hill: Falls nicht die Börse im Vordergrund steht – wie bekommen Sie den Kopf frei? Rauchenstein: Investieren ist meine Passion und ich würde dasselbe tun, wäre es nur mein eigenes Geld. Covid19 hat uns allen sicherlich wieder einmal aufgezeigt, was die wichtigen Dinge im Leben sind. Für mich ist der schnellste Weg, meinen Kopf in Kürze freizubekommen, die Aktivitäten mit meine drei Jungs – eine Herausforderung und Freude für jeden Vater! Diese sind übrigens, ohne es zu wissen, zu 100 % in unseren Fonds investiert. Ihr Anlagehorizont sollte lang genug sein, um davon zu profitieren. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Veranstaltungen: ‚Denken und investieren wie ein Unternehmer – Value Investing, Fondsboutiquen & Family Offices‘ (Prof. Dr. J. Carlos Jarillo, Alex Rauchenstein, Marcon Hernandez, Urs Marti & Markus Hill, 24.9.2020, Frankfurt)Natural Resources Day (SIA Funds AG, 17.9.2020, Zürich) SAVE THE DATE – Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria Gmbh (15.10.2020, Wien) Zusätzliche Veranstaltungsinformationen: Frankfurt, Zürich, Wien Verwandte Interviews: Family Offices und Fonds­boutiquen besitzen viele Gemeinsamkeiten (Interview – Thomas Caduff, Markus Hill)Family Offices, Strategische Asset Allocation & Asset Manager Auswahl (Interview – Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH)Rohstoffe, Value Investing, Family Offices und Hugo

  • Frankfurt-Skyline

    „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig“ (Albert Einstein). Diese Freude an Erkenntnis findet man bei vielen Persönlichkeiten im Segment der Fondsboutiquen. Dort finden sich viele unabhängige Köpfe mit umfangreichem Knowhow und (Widerspruch!) außerordentlichem Talent. Viele der Fondsmanager hören es vielleicht nicht so gerne – die Nähe zum „Künstlertum“ ist ersichtlich. Unterstellt man großzügig, dass Felder wie zum Beispiel Ökonomie und Asset Management keine „Reissbrett-Wissensfelder“ sind, sondern immer noch viele unentdeckte Wirkungsmechanismen aufweisen, dann nähert man sich dieser gewagten Charakterisierung. Solange noch nicht alle Gesetzmäßigkeiten hier entdeckt sind, bieten sich Chancen für unabhängige Talente, die neben Performance auch einen Mehrwert im Bereich Investor Education bieten. Wo liegt hier die Schnittstelle zum Bereich Investor Relations? Welche Formate werden oft genutzt? Think Tanks und „Citizen Education“ Viele der sogenannten Think Tanks werden oft in erster Linie nicht mit dem Bereich Investment in Verbindung gebracht, sie werden häufig im allgemeinen Bereich von Ökonomie und Politik verortet. Beispiele: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW), Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW), Friedrich Naumann Stiftung etc. Viele dieser Institute erfüllen eine wertvolle Funktion, sie wirken als Katalysator im Bereich „Diffusion von Wissen“, zum Beispiel in den benannten Themenfeldern – natürlich ist der Rahmen auf alle Think Tanks bezogen viel weiter zu spannen. Die interessierte Aufnahme dieses Wissens setzt mündige Bürger voraus. Warum? Bei jeder dieser Institutionen empfiehlt es sich, die jeweilige „Agenda“ der Institutionen zu betrachten. Wer publiziert was, mit welchem Interesse? Dieser Sachverhalt erscheint natürlich und stellt auch kein Problem dar. Man muss halt seine Hausaufgaben machen. Positiv gesehen: Diese Information ist transparent dargestellt, es wird auch kritisch in den Medien erörtert. Die Gesellschaft profitiert von der konstruktiven Diskussion, die durch diese Institute der interessierten Öffentlichkeit ermöglicht wird. Als eine von vielen Informationsquellen wird ein Mehrwert geschaffen. Fondsboutiquen und Investor Education Losgelöst von den oben erwähnten Strukturen haben sich viele andere Ausprägungen von Think Tanks gebildet. Ähnlich wie die Schlagworte Family Offices, Fondsboutiquen oder Impact Investing erscheint es positiv, kreativitätsfördernd, dass sich alle diese Begriffe noch im Stadium der Diskussion um Deutungshoheit in der Debatte befinden, siehe auch den engagierten Diskurs bei „Nachhaltigkeit“. Gerade im Bereich von eher kommerziell geprägten Adressen im Segment Asset Management gibt es interessante Adressen, die sich transparent um Investor Education bemühen. Adressen wie FERI Cognitive Finance Institute und Flossbach von Storch RESEARCH INSTITUTE, auch „Hybrid-Think Tanks“ wie Kiel Economics, wären an dieser Stelle zu nennen. Im Schatten dieser sozusagen institutionalisierten Häuser könnte man noch einige andere Adressen betrachten, die Investor Education betreiben, ohne dass man direkt mit einem Instituts-Label werben kann. Adressen wie ACATIS, DJE, Lansdowne Partners Austria, Eyb & Wallwitz und sentix bemühen sich, neben vielen anderen Adressen, um zusätzlichen Input für Investoren bei Anlageentscheidungen – bei denen im Vordergrund nicht die reine Produktwerbung stehen. Die einen Häuser agieren hier selbst als Portfolio Manager (Fondsadvisor), manche haben sozusagen mehrere Hüte auf (Investor, Portfolio Manager, „Inkubator“ etc.). Jede Adresse findet sozusagen die eigenen Fans, jeder Topf also auch seinen Deckel. Die Schatzinsel – Newsletter, White Papers und Webinare Viele Fondsboutiquen verfolgen natürlich das Interesse, die eigenen Produkte (Fonds) verkaufen zu wollen. Vielen dieser Adressen ist aber bewusst, dass das ständige Publizieren, Posten und Versenden von reiner Produktinformation (Wer liest eigentlich die ganzen Mails mit angehängten Factsheets auf Investorenseite?) auf ein zunehmend sparsameres Interesse stößt: Information Overflow, zudem soll es noch Datenbanken und andere Infoquellen geben, die diese scheinbaren „harten“ Informationen über Fonds verständlich, unabhängig aufbereiten und in einen Zusammenhang stellen. Nur ein bestimmter Teil der Asset Manager schafft es, hier Mehrwert zu schaffen. Viele Feedbacks auf Investorenseite ergeben ein interessantes Bild, Beispiel Webinare: Oft von Fondsselektoren genutzt, Info häufig unter vorgehaltener Hand: „Produktinfos organisiere ich mir ohnehin selbst, interessant ist der Makro-Ausblick des Managers, danach klinke ich mich aus“. Diese Art von Feedback korrespondiert mit dem großen Interesse an Mehrwert-Informationen auf Investorenseite: Asset Allocation – Begründung, alternative Einschätzung von Marktszenarien, interessante Fachkonferenzen beziehungsweise Webinare mit „Informationen-über-den-Tellerrand“, Sichtweisen von Fondsmanagern, die außer aktueller Portfolio Manager-Sicht noch interessante zusätzliche Aspekte zu diesen Themenfeldern diskutieren können, da man vor der Portfolio Manager-Karriere vielleicht noch viele andere, interessante „Hüte“ aufhatte (Analyst, Bänker, Publizist, Family Officer etc.). Eine Schatzinsel, die bei den unabhängigen Häusern von vielen Investoren vielleicht noch nicht entdeckt wurde, ist bestimmt einen tieferen Blick wert: Newsletter, Webinare und White Papers zu ausgewählten Themengebieten! Persönlichkeit, Knowhow und Skin in the Game Unabhängige Asset Manager leben in einer anderen Welt, im Vergleich zu konzerngebundenen Experten. Schon Nassim Nicholas Taleb hat diesen Sachverhalt indirekt in dem Buch „Das Risiko und sein Preis – Skin in the Game“ angesprochen. Entscheidungen werden optimalerweise von Leuten getroffen, welche die Auswirkungen der Entscheidungen auch über eine direkte Feedbackschleife erfahren können: Es ist ein Unterschied, ob ich Dinge analysiere, beschreibe und in die Öffentlichkeit trage, ohne dass praktische Aktionen mit den Ergebnissen meiner Analyse verknüpft sind. Unabhängige Asset Manager treten in der Regel unter eigenem Namen auf, bauen einen persönlichen Track Record beim eigenen Fonds auf. Durch die fortlaufende Kommunikation der eigenen Weltsicht zu Märkten, Asset-Klassen, Timing-Entscheidungen oder über regelbasierte Systeme im Fondsmanagement (Hat nicht jeder Fondsmanager ein eigenes, regelbasiertes System – implizit oder explizit beschrieben?) macht er sich „verwundbar“, ist transparent und messbar. Er hat Skin in the Game! Kein seriöser Fan von Fondsboutiquen behauptet, dass jeder der unabhängigen Manager jederzeit den Markt und die „Großen“ schlägt. Bekannterweise ist der perfekte Manager, der alle anderen mit seinen „objektiven“ Portfolio Management-Ergebnissen glücklicherweise noch nicht Wirklichkeit geworden. So lange dies noch so ist (Lösung: KI-Ansätze in 2050?), gibt es im Segment der Boutiquen eine Vielzahl von interessanten Köpfen zu entdecken, mit interessantem Knowhow und interessanter Persönlichkeit. Vorausgesetzt der eigene Ansatz weist langfristig positive Erfolge für die Investoren auf, schließt sich hier der Kreis: „Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst“ (Marie von Eber-Eschenbach). *) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info@markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com Verwandte Nachrichten: 20.07.2020 „Als Profis im Anlagebereich sind zum Beispiel hier viele Pensionsfonds oder Family Offices klar im Vorteil“06.07.2020 „Einmalig

  • Dicke Bretter bohren, einen langen Atem und viel Ahnung haben, das alles in Kombination mit tiefen Taschen – so, oder so ähnlich könnte man die Erfolgsfaktoren für einen Inkubator im Bereich Investmentfonds bezeichnen.Ähnlich wie die Begriffe Family Office und Fondsboutique findet man im Bereich der langsamen, besonnenen „Brütern“ im Investmentbereich die unterschiedlichsten Ausprägungen. Warum sind Inkubatoren interessant und warum findet man so wenige im Markt? Talent und Innovation Lupus alpha ist als Fondsboutique bekannt. Zum einen aufgrund überzeugender Performance, zum anderen aufgrund mit der damaligen Einrichtung und später erfolgenden Schließung ihres Talenthotels für „Emerging Managers“. Die Besonderheit dieses Modells war, dass man sich hier bewusst auf weniger bekannte Manager (Track Record etc.) konzentriert hatte und hier Graswurzelarbeit im Segment Hedgefonds-Strategien für die Branche geleistet hatte. Unabhängig vom Ausgang des Experiments hat das Unternehmen hierdurch zusätzlich exzellentes Knowhow in der Bewertung komplexer, innovativer Strategien gewonnen. Talent und Tradition Im Gegensatz zum oben angesprochenen „Greenfield-Ansatz“ bei Lupus alpha gibt es seit Jahren durchaus eine kleine Industrie von Inkubatoren im Asset Management-Bereich. Diese werden kaum wahrgenommen. Alter Wein in neuen Schläuchen, es sind die typischen Adressen für Seed Money-Anfragen bei „klassischen“ Fondskonzepten im liquiden und nicht-liquidem Fondsbereich. Ähnlich wie im Bereich Family Offices und Club Deals läuft hier ein Großteil der Kommunikation innerhalb einer fast geschlossenen Community. Natürlich gibt es auch hier „Emerging Managers“, interessanterweise finden aber häufig eher traditionelle Konzepte mit oft geringerem Innovationsgrad Seed Money. Manager mit solidem Background, Asset Management-Vorgeschichte, eine besondere Ausprägung im Family Office-Bereich sind Manager, die man sich häufig selber entwickelt: Erst ein Fachmandat im Asset Management, später den eigenen Fonds unter Nutzung von Knowhow, Netzwerk und Infrastruktur des Family Offices. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel der Bereich Asset Management und KI (Künstliche Intelligenz) – viele Manager ohne klassischen Finanzhintergrund, aber genauso dem Druck unterliegend, neben zunächst überzeugenden Backtesting-Ergebnissen überzeugende reale Ergebnisse liefern zu müssen. „Ambiguitätstoleranz“ und Sozialarbeit – Eigen- und Fremddefinition bei Inkubatoren Klassische Seeder für Fondsprojekte findet man im Family Office-Bereich. Unternehmer reden gerne mit Unternehmern, verstehen Unternehmer und unterstützen gerne unternehmerisches Handeln. Man liebt Beständigkeit, ist Langfristdenker. Namen sind oft Schall und Rauch – Family Office, Investment Office, Private Office, Vermögensverwalter, klassische unabhängige Asset Manager, AIFM-Strukturen etc. werden oft und gerne in Bezug auf das Marketing verwendet: Interessant ist, dass viele dieser Organisationen sich nach außen hin nicht als Inkubatoren bezeichnen würden. In der klassischen Supervision (Sozialarbeit) gibt es den schönen Satz „Wer sich nicht selbst definiert, der wird definiert!“. Wenn man mit verschiedenen Häusern im Markt wie Paladin, Greiff capital management oder Lansdowne Partners Austria über diese Themen diskutieren würde, ergäbe sich ein interessanter Dialog. Wie im klassischen Family Office-Bereich werden Vor- und Nachteile von Visibilität im Markt unterschiedlich bewertet. Rolle von Netzwerken für Inkubatoren und Fondsinitiatoren Multiplikatoren, Kapitalverwaltungsgesellschaften wie Ampega, Hansainvest, Hauck & Aufhäuser sowie andere Dienstleister können in diesem Segment eine stärkere Rolle spielen. Die Häuser, die es neben reiner Administrationsleistung schaffen, langfristig überzeugende Antworten auf die Seed Money-Frage zu bieten, werden Wettbewerbsvorteile haben: Für Talente, die Inkubatoren auf Ihrer Seite haben, aber auch für Talente, die sozusagen als „Einzellösung“ ohne klassische Organisation operieren. Teile der Industrie entwickeln sich in kleinen Schritten in diese Richtung. Consultants, Multiplikatoren und Anbieter mit Mehrwert in Sachen Knowhow, Netzwerk und Services werden vom langfristigen Kapital geschätzt und auch langfristiges Kapital benötigt Branchen-Knowhow und Austausch von Wissen. Fonds sind Langfristprojekte, schon Goethe sagte: „Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld will bei dem Werke sein.“ Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Kurhaus-Wiesbaden

    Asset Management Consultants bewerten, selektieren, beobachten und „raten“ oft konzerngebundene Asset Manager und Fondsboutiquen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Alexander Scholz, Geschäftsführer der TELOS GmbH, über die Breite des Aufgabengebietes im eigenen Unternehmen sowie über die Themen beim anstehenden „Wiesbadener Investorentag“ (20.8.2020) und die „Alternative Konferenz“ (5.11.2020). Zusätzliche Themen wie Spezialstudien und Kapitalverwaltungsgesellschaften, ESG, Investor Education sowie persönliche Publikationsinteressen mit „Fragezeichen“ werden ebenso diskutiert. Hill: Was macht TELOS? Mit welchen Themenfeldern beschäftigt sich Ihre Firma in Wiesbaden? Scholz: Die Tätigkeitsfelder von TELOS sind vielfältig, wobei sich letztendlich fast alles um Analysen dreht. Im Rahmen der TELOS Ratings analysieren und bewerten wir Asset Management-Gesellschaften, Master-KVGen (Kapitalverwaltungsgesellschaften), Verwahrstellen, Investmentprozesse sowie Fonds. Dabei stehen immer qualitative Kriterien im Vordergrund, wenngleich wir gerade bei den TELOS Fonds Ratings auch immer quantitative Faktoren berücksichtigen. In unserer Funktion als Consultant unterstützen wir institutionelle Investoren aller Art bei der Auswahl geeigneter Partner im Bereich Asset Management und Administration (Master-KVGen und Verwahrstellen). Hier profitieren unsere Kunden von unserer gut 20-jährigen Erfahrung aus den oben skizzierten Ratings. Im Gegensatz zu Ratingprozessen, die eher standardisiert ablaufen, gehen wir bei den Analysen im Rahmen unserer Consultant-Tätigkeit individuell nach den Anforderungen und Bedürfnissen des jeweiligen Investors vor. Unser drittes „Standbein“ sind verschiedene Studien und Publikationen. Exemplarisch seien die TELOS Spezialfondsmarktstudie oder die TELOS Master-KVG Studie erwähnt. Zudem führen wir seit fast zwei Dekaden eine jährliche Analyse hinsichtlich der Zufriedenheit der institutionellen Investoren mit ihren Asset Managern durch. Aktuelle Themen greifen wir im Rahmen unserer Reihe „TELOS Kompendium“ und verschiedenen Kurzbefragungen und Analysen auf. Ganz aktuell erstellen wir ein Kompendium zum Thema Nachhaltigkeit / ESG, in dem verschiedene Aspekte und Lösungsansätze behandelt und vorgestellt werden. Das einzige, das sich nicht um Analysen dreht, sind unsere Veranstaltungen. In diesem Jahr richten wir am 20. August bereits zum 11ten mal den TELOS Wiesbadener Investorentag aus. Dem gestiegenen Interesse der institutionellen Investoren an alternativen Anlagen wie Immobilien, Infrastruktur, Private Debt oder Private Equity tragen wir mit unserer TELOS „Alternative Konferenz“ Rechnung. Diese findet am 5. November 2020 statt. Letztendlich möchten wir mit allen unseren Services die (Informations-) Brücke zwischen den Investoren und den Anbietern bilden. Alexander Scholz, Geschäftsführer der TELOS GmbH Hill: Welche fachlichen Gebiete betreuen Sie persönlich? Scholz: Im Prinzip decke ich das ganze Spektrum unserer Services ab. Außerdem kümmere ich mich um unseren Webauftritt sowie unser Informationsportal für Investoren „IMI“. Als Gesellschafter und Geschäftsführer ist natürlich auch die Weiterentwicklung des Unternehmens und die Entwicklung neuer Services ein wichtiges Element der Arbeit. Gerade bei den Services im Bereich Nachhaltigkeit / ESG haben wir bei TELOS in den letzten Jahren einiges auf die Beine gestellt, zum Beispiel das TELOS Nachhaltigkeits-Rating oder den TELOS ESG-Check. Ganz aktuell arbeiten wir an einem an den Bedürfnissen institutioneller Investoren ausgerichteten quantitativen Rating, welches in Q4 2020 live gehen soll. Insgesamt habe ich hier bei TELOS also ein sehr abwechslungsreiches und mehrdimensionales Aufgabenfeld, bei dem ich meine Erfahrung aus all meinen bisherigen Tätigkeiten einbringen kann. Langweilig wird es mir auf jeden Fall nicht. Hill: Was ist der Hintergrund der Veranstaltung „Wiesbadener Investorentag“? Scholz: Unsere Veranstaltungen sind ein wesentliches Element unserer Brückenfunktion. Sowohl der Wiesbadener Investorentag als auch die „Alternative Konferenz“ bieten institutionellen Investoren eine Plattform, sich in einer familiären Atmosphäre über aktuelle Kapitalmarktthemen zu informieren und mit anderen Marktteilnehmern auszutauschen. In jeweils rund halbstündigen Vorträgen gehen Asset Manager und Administrationsanbieter auf verschiedene Themen rund um die Kapitalanlage ein. Abgerundet wird die Veranstaltung durch einen Investorenvortrag, oder, wie in diesem Jahr, ein Fachpanel. Sowohl bei den Themen als auch bei den vortragenden Gesellschaften achten wir immer auf eine gute Mischung. So soll jedes Thema möglichst nicht mehrfach behandelt werden. Dabei kommen inländische und ausländische Anbieter, Vollsortimenter und spezialisierte Boutiquen, langjährig bekannte und neu auf dem deutschen Markt agierende Häuser zu Wort. Insgesamt entsteht somit ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm. Hill: Was ist das Besondere dieses Mal, welche Themen werden dort diskutiert? Scholz: Neben den Fachvorträgen der Anbieter steht in diesem Jahr ein hochkarätig besetztes Panel zum Thema Nachhaltigkeit / ESG auf dem Programm des Wiesbadener Investorentags. Teilnehmer des Panels sind Frau Dr. Kuper vom BVI, die aus Sicht des Verbandes die aktuellen Entwicklungen darlegt, Herr Helfberend von der ERK Darmstadt, der seine praktischen Erfahrungen als Investor einbringt sowie Herr Professor Dr. Schäfer, der sowohl die wissenschaftliche als auch die beratende Seite abdeckt. Insofern wird das Thema Nachhaltigkeit aus allen Blickwinkeln beleuchtet. Zudem haben wir verschiedene Fondsboutiquen mit Fachvorträgen vor Ort, wie zum Bespiel Carmignac, Fisch Asset Management, MAINFIRST, Rothschild Asset Management und SIA Strategic Investment Advisors Group. Erwähnenswert ist in diesem Jahr die spezielle Situation wegen COVID-19. Der Wiesbadener Investorentag ist eine der ersten Präsenzveranstaltungen nach dem Shutdown. Aus Gesprächen mit Anbietern und Investoren haben wir mitgenommen, dass trotz reger Nutzung von Webinaren und anderen Onlineformaten weiterhin ein großes Interesse an „echten“ Meetings und dem persönlichen Austausch besteht. In enger Abstimmung mit dem Nassauer Hof haben wir alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, die eine gelungene und sichere Veranstaltung ermöglichen sollen. Hill: Wenn es nicht um Asset Management geht – welche Themen bewegen Sie sonst noch? Scholz: Ich gebe zu, dass ich nicht gerade eine Leseratte bin. Jetzt könnte ich anbringen, dass ich schon während der Arbeit Unmengen an Fachliteratur und Unterlagen lesen muss, aber das wäre nur eine faule Ausrede. Wenn ich mal ein Buch lese, dann ist zumeist leichte Kost wie regionale oder Wirtschafts-Krimis. Aber, ich will noch nicht zu viel verraten – es wird in Kürze noch einen kleinen Kommentar zu einem Themengebiet geben, über dass ich an dieser Stelle noch nicht sprechen möchte. Es könnte Asset Management sein, aber auch etwas, was in eine andere Richtung gehen könnte. Meine Freizeitaktivitäten erstrecken sich hauptsächlich aufs Rennradfahren und Kochen. Beides hilft mir dabei, den Kopf frei zu bekommen und zu entspannen. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Alexander Scholz ist seit Juni 2016 Gesellschafter und Geschäftsführer der TELOS GmbH. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Finanzmarkt- und Kapitalanlageerfahrung.Vor seinem Eintritt bei TELOS war er u.a. in leitender Funktion bei verschiedenen Banken und Asset Management Gesellschaften mit Aufgaben aus den Bereichen

  • Caduff: Herr Hill, Sie haben in Deutschland auch den Über­namen «Mr. Family Office». Wie haben Sie sich diese Auszeichnung erar­beitet und was steckt dahinter? Hill: Fremd- und Eigen­wahr­nehmung können bekannter­weise oft diver­gieren. Zunächst ist zu sagen, dass ich eigentlich aus dem Bereich Produkt-Mana­gement «Capital Markets & Asset Mana­gement» komme und später auch im Bereich Fonds­vertrieb und PR tätig war. Ich lebe seit fast 25 Jahren in Frankfurt und bin in der Finanz­industrie tätig. Seit den letzten 16 Jahren beschäf­tige ich mich intensiv mit dem Thema Fonds­selektion und Fonds­bou­tiquen, davon 15 Jahre als unab­hän­giger Consultant. Fonds­bou­tiquen sind banken­unab­hängige Asset Manager, eigen­tümer­geführt, spezia­lisiert und lieben das, was sie tun: Fonds nach den eigenen Vor­stellungen managen ohne Konzern­vor­gaben. Wie bei «normalen» Unter­nehmern findet man hier viele Spitzen­talente, oft mit einer Nähe zu Künstler­naturen. Hier findet man sozu­sagen den Mittel­stand, die Hidden Champions der Finanz­industrie. Viele Family Offices mögen diese Kategorie von Fonds­managern, oft werden auch inte­res­sante Köpfe in Family Offices – sozu­sagen als «Boutique im Family Office» – entwickelt. Diese Adressen, die auch gerne den fachlichen Dialog mit anderen Family Offices führen, schätzen es, wenn man sich intensiv mit den Köpfen aus diesem Segment beschäftigt, man aufgrund von Fonds­search-Projekten auch viele inte­res­sante Manager sieht und diese Infor­ma­tionen gerne teilt, was in der Regel auch keine Einbahn­strasse ist. Wenn man fachlich tief in einem Thema ist, viel auf dem Markt sieht und zuge­spielt bekommt, wird auch erkannt, dass hier ein echtes Inte­resse am Thema vorliegt und nicht eine kommer­zielle Agenda im Vorder­grund steht. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn beide Seiten ein fach­liches Thema haben, über das man sich gerne vertieft austauscht, dann findet man über kurz oder lang mehr zusammen. Meine Verbindung zum Thema Family Offices und Fonds­bou­tiquen ist demzu­folge orga­nisch ent­standen, hat sich entwickelt. Meine Diplom­arbeit habe ich über den «Wett­bewerb als Entdeckungs­ver­fahren» geschrieben. Ich habe einfach viele Jahre das getan, was auch viele Fonds­bou­tiquen und klassische Mittel­ständler machen: Mich mit den Themen beschäftigt, die mich persön­lich inte­res­sieren, über die ich gerne publi­ziere und über die ich mich gerne als Mode­rator oder Panelist mit Fach­leuten austausche. Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant Caduff: Der Begriff «Family Office» ist bekanntlich nicht geschützt. Sind wirklich alle für Familien tätig oder ist es – wie man oft hört – gut fürs Marketing und man betreibt normales Vermö­gens­ver­waltungs­geschäft? Hill: Über die Standard­ausprä­gungen und die Vielfalt der Aufgaben von Single Family Offices und Multi Family Offices werden Sie Berge von Literatur finden, da möchte ich hier nicht anmassend dozieren. Um Ihren Sprach­gebrauch zu benutzen, es gibt in Deutsch­land eine wirkliche «Mrs. Family Office», Prof. Dr. Nadine Kammer­lander von der WHU Otto Beisheim School of Mana­gement. Bei ihr findet man sehr viele inte­res­sante Infor­ma­tionen zu dem Themen­gebiet, natürlich gibt es auch andere gute, inte­res­sante Köpfe in dem Segment mit fach­lichem Tief­gang. Um auf Ihre Frage zurück­zu­kommen: Sie haben Recht, natürlich wird der Begriff oft «miss­braucht», wobei man hier sozu­sagen nicht päpst­licher als der Papst sein sollte. Natürlich gibt es klassische Single Family Offices (SFO), die von aussen gesehen nie als SFOs wahr­ge­nommen werden, dies oft auch mit einer guten Begründung. Diskretion, Vertrauen, Under­sta­tement sind bestimmt ein Teil der Treiber für diese bewusst gewählte «Unsicht­barkeit». Meine persön­liche Erklä­rung für dieses Phänomen umfasst da noch einen anderen Aspekt: Visi­bi­lität kann für die fach­liche Arbeit von grossem Nutzen sein. Gerade wenn man inte­res­sante Fonds­manager entdecken oder auf inte­res­sante Invest­ment­pro­jekte aufmerksam gemacht werden möchte. Das Kommu­nika­tions­konzept «Aggres­sive Nicht-Visi­bi­lität» (ANV-Approach) schützt zum einen den Arbeits­prozess im SFO, natürlich auch bei Produkt­ent­scheidern bei Multi Family Offices. Warum ist das so? Kein Produkt­ent­scheider kann es sich leisten, dass er permanent im Dialog mit Sales-Leuten von Produkt­anbietern steht oder Gespräche mit Inves­toren-Suchenden führt. Unter vorge­hal­tener Hand gibt es oft die Ansicht (O-Ton eines SFO-Vertreters), dass ein Gespräch mit Sales oft mit dem Begriff «Ganz­körper­herpes» in Verbindung gebracht wird. Vielen Sales-Leuten, mit denen ich gesprochen habe, ist dieser Sach­verhalt bewusst. Ihre Aufgabe ist es nun einmal im Vertrieb sozu­sagen Vierec­kiges für den poten­ziellen Käufer zu Dreieckigem zu machen. Die radi­kalste Strategie ist hier natürlich Abschottung. Dieser Sach­verhalt – «Wett­bewerb als Entdec­kungs­ver­fahren» – führt oft dazu, dass man nur einen kleinen Markt­aus­schnitt von Invest­ment­oppor­tuni­täten wahrnimmt, man sich von Know-how abschneidet. Ich bekomme häufig Einla­dungen aus dem Bereich Family Offices, wo man sich in geschütztem Bereich über fach­liche Themen unterhält. Schein­bar besteht doch das Bedürfnis nach Austausch, nach einem «Über-den-eigenen-Teller­rand-schauen». Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Dieses Bedürfnis hat im Laufe der Jahre zum verstärkten Auftreten von Anbietern im Bereich Family Office-Events geführt. Diese Events müssen sich in der Regel durch Sponso­ring finan­zieren, ein völlig normaler Sach­verhalt, öko­nomisch nach­voll­zieh­bar. Manchmal besteht natürlich die Gefahr, dass man in Formate geraten kann, wo ein Frisör einem anderen Frisör einen Haar­schnitt verkaufen möchte. Wenn das den Teil­nehmern zu Beginn bekannt ist, stellt dies für mich kein Problem dar, mancher Sponsor mag da vielleicht anders denken. Gerade hier findet man dann oft die von Ihnen beschrie­benen «Pseudo-Family-Offices». Man tut hier aber den Veran­staltern Unrecht. Diese stellen eine Platt­form zum Gedan­ken­austausch zur Verfügung. Die zuneh­mende Anzahl von Produkt­anbietern bei bestimmten Formaten kann dazu führen, dass sich auf der «richtigen» Family-Office-Seite Entscheider zurück­ziehen und wieder verstärkt auf kleine Netz­werk­treffen zurück­greifen Ich selber habe öfter einmal Leute aus diesen Segmenten mitein­ander vernetzt, wenn ich das Gefühl hatte, dass sich die eine Seite mit der anderen Seite sozu­sagen fachlich angeregt unter­halten kann, ohne eine kommer­zielle Agenda – weil ich mir selbst Produkte ansehe, werden mir auch oft inte­res­sante Fach­leute vorge­stellt, denen ich beileibe nicht «das Wasser reichen kann». Ich selbst habe kein Problem damit, wenn Family Offices in transpa­renter Weise eigene Produkte offe­rieren, wie diese Adressen sich dann titu­lieren, erscheint mir zweitrangig. Und was Konfe­renzen und Fach­veranstal­tungen betrifft: Egal ob kommer­ziell oder nicht-kommer­ziell ausge­legt, zumindest sollte man jedes Format einmal selber getestet haben. Caduff: Viele kleinere und kleine Fonds­boutiquen hoffen, bei Family Offices vorsprechen zu dürfen. Bei Banken sind ihnen wegen der Grösse in den meisten Fällen ja die Türen zu. Macht es denn wirklich für kleinere Adressen Sinn, bei einem Family Office vorzu­sprechen? Hill: Auf jeden Fall

  • „Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will“ (Leonardo da Vinci). Markus Hill spricht für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über die Bewertung von Aktieninvestments in der gegenwärtigen Konjunkturlage, Risikomanagement, Börsenpsychologie und über vermeintliche Ungeheuer am Kapitalmarkt in Corona-Zeiten. Hill: Was ist eigentlich mit der Börse los? Die Kurse schießen in den Himmel, der DAX steht schon wieder bei 13.000, stehen wir nicht vor dem schlimmsten Wirtschaftseinbruch seit dem Weltkrieg?   Friedrich: Ja das Thema beschäftigt uns auch schon seit einer Weile. Es gibt prinzipiell zwei Wege, die Kursentwicklung zu plausibilisieren. Lassen sie mich vorab darauf hinweisen, dass Rezessionen an sich schon immer der beste Zeitpunkt gewesen sind, um Aktien zu kaufen. Das ist so, weil Aktien antizipative Instrumente sind. Deshalb ist es für die Kursentwicklung entscheidend, ob die Konjunktur in der Zukunft besser oder schlechter wird. Mit dem Status Quo hat sich der Aktienmarkt eigentlich immer schon abgefunden.Wir haben zum Beispiel alle US-Rezessionen seit 1970 untersucht und analysiert, wieviele Monate vor Ende der BIP-Kontraktion Aktien einen Boden ausgebildet haben. Dabei wurde klar, dass es schon zwei bis fünf Monate vor dem Ende einer Rezession wieder bergauf geht, sofern die Entwicklung nur irgendwie absehbar ist. Anders ausgedrückt: wer wartet, bis in der Zeitung wieder gute Nachrichten stehen, hat in der Regel alles schon verpasst. Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH Hill: Was wäre der zweite Weg zur Plausibilisierung? Friedrich: Bisher haben wir ja nur über die Richtung gesprochen, wir müssen uns aber auch Gedanken über das Niveau machen. Hier hilft ein kleiner Exkurs in die Unternehmensbewertung: Genauso wie bei einer einzelnen Aktie kann man auch einen ganzen Aktienindex als Nettobarwert aller künftigen Zahlungsströme verstehen. Dieser Wert wird von zwei Faktoren bestimmt: wie hoch werden die Zahlungen sein? Und mit welcher Rate zinsen wir ab? Man kann also ein Dividenden-Diskontmodell für einen ganzen Aktienmarkt bauen, und genau das genau das haben wir gemacht. Die Erkenntnis aus dieser Übung liegt darin, dass 86 – 87 % des Gesamtwerts von Aktien Cashflows zuzuordnen sind, welche mehr als fünf Jahre in der Zukunft liegen. Denn anders als bei Anleihen haben Aktien ja kein Ablaufdatum, die Annahme ist eigentlich, dass gelistete Unternehmen ewig leben. Das heißt aber im Umkehrschluss, selbst das theoretische Streichen aller (!) Unternehmensgewinne für die nächsten fünf Jahre dürfte zu einem Einbruch der Börse um gerade mal 13 – 14 % führen. Hill: Das ist überraschend wenig im Vergleich zu den 36 % die der DAX von Anfang des Jahres bis Mitte März verloren hat. Warum sind dann Ihrer Meinung nach die Aktien so stark gefallen? Friedrich: Nun, ich hatte über zwei Faktoren gesprochen. Und neben den Unternehmensgewinnen bestimmen auch die Zinsen die Aktienbewertung ganz wesentlich mit. Das Abzinsen künftiger Zahlungsströme ist eigentlich immer mehr eine Kunst als eine Wissenschaft. Es is allgemein üblich, den verwendeten Zinssatz in eine risikolose Komponente und einen Risikoaufschlag zu teilen. Und in einer Panik, wie wir sie im März erlebt haben, ist vor allem die Risikoprämie im Spiel. Sie hat eben kurzfristig sehr hohe Werte erreicht. Mit dem beherzten Eingreifen der Zentralbanken und den wirklich breit angelegten fiskalpolitischen Initiativen hat sich ab der dritten Märzwoche die Risikoprämie normalisiert: Zusätzlich macht sich die Änderung im risikolosen Zinssatz bemerkbar. In den USA zum Beispiel liegen hier 10-jährige Treasuries um volle 1.3 % niedriger als Ende Dezember, bei 30-jährigen sind es noch immer 0.8%. Noch dazu gibt es gute Gründe anzunehmen, dass der Zinsrückgang semi-permanenter Natur sein könnte. Hill: Interessant, aber wenn die Risikoprämie sich so plötzlich ändern kann, müssen wir nicht davon ausgehen, dass sie auch wieder steigt? Ist – angesichts der wiederum steigenden Fallzahlen – der nächste Börsencrash damit nicht vorprogrammiert? Friedrich: Nicht unbedingt. Natürlich wäre es irrwitzig, eine Korrektur auszuschließen. Das können Sie nie. Dennoch glaube ich, dass wir die Tiefstände vom März nicht mehr sehen werden. Wahrscheinlich würde eine Korrektur von 5  – 10 % sogar eine Gelegenheit darstellen, Aktien zuzukaufen. Warum? Das hat ein bisschen mit Psychologie zu tun und natürlich mit unserem Verständnis der Kapitalmärkte.Zunächst die Psychologie: Wir Menschen gewöhnen uns an neue Situationen, und je mehr wir über das Virus lernen, desto mehr verliert es seinen Schrecken. Bestimmt hat jeder schon einen Horrorfilm gesehen: das Monster ist immer am schrecklichsten, eine Sekunde bevor es zum ersten Mal auftaucht! Wir müssen insofern – selbst dann, wenn die Spitäler sich wieder füllen sollten – differenzieren zwischen dem wirtschaftlichen Bewertungseinfluss des Virus und der Angst vor dem Virus. Und es ist die Angst, welche den weitaus größeren Hebel hat – auf das Konsumverhalten als direkter Fundamentalfaktor, aber auch auf die Risikoprämie im Sinne der Aktienbewertung!Der zweite Grund, warum eine neuerliche Baisse wahrscheinlich weniger schlimm werden dürfte, liegt in der Positionierung der Marktteilnehmer. Anfang dieses Jahres waren fast alle Anleger überinvestiert in Risikoanlagen. Und die mussten dann alle zur selben Zeit verkaufen. Heute ist es anders, viele Investoren haben die Rallye verpasst und haben wieder Anlagedruck. Dafür gibt es sogar harte Zahlen. Die Merrill Lynch Umfrage unter Fondsmanagern zeigt zum Beispiel, dass Profis stark übergewichtet in Festgeld und stark untergewichtet in Aktien sind. Auch die Befragung der American Association of Individual Investors (AAII) zeigt nach wie vor einen starken Überhang an Bären gegenüber Bullen. Damit ist die technische Ausgangslage heute eigentlich recht aktienfreundlich. Hill: Was könnte dieses positive Bild stören? Friedrich: Nun ja, vieles. Wenn wir bei der Film-Analogie bleiben, es kann ja jederzeit ein neues Ungeheuer am Börsen-Horizont auftauchen! Immerhin haben wir genug geopolitische Spannungen: China und die USA verstehen sich immer mehr als Konkurrenten im Kampf um die wirtschaftliche und politische Hegemonie, eine kriegerische Auseinandersetzung ist vor diesem Hintergrund vielleicht nur eine Frage der Zeit. Immerhin weiß man ja nicht, wozu Trump fähig sein mag, wenn er im Wahlkampf noch stärker unter Druck kommt. Und selbst nach der US-Wahl können wir uns nicht zurücklehnen: bei einem Sieg der Demokraten steht eine deutlich erhöhte Unternehmensbesteuerung im Raum. Außerdem: Der Brexit ist weiterhin ungelöst, und Nordkorea ist auch nach wie vor ungezähmt. Wir werden also bei Aktienbewertungen auch weiterhin

  • Jede Krise der letzten Jahrzehnte hat uns neue Erkenntnisse gebracht und die Fondsbranche entsprechend durch- oder auch wachgerüttelt. Aber in der heutigen Situation, in der exogene Faktoren ohne historische Muster vorherrschen, macht es die Planbarkeit von Vertrieb und Marketing im Asset-Management schwierig. Zwar ist die Fondsbranche in der glücklichen Lage trotz Krise kontinuierliche Einnahmen zu erzielen, wenn auch möglicherweise auf reduziertem AuM-Niveau, aber die Planung über die fachliche und inhaltliche Ausrichtung von Sales, Support und Marketing ist erschwert. Thorsten Schrieber, DJE Kapital AG Dadurch dass Kundenveranstaltungen, Messen und Meetings auf ein Minimum reduziert wurden oder generell ausfallen, wurde es erforderlich Digitalisierungsstrategien zu entwickeln. Diese machen es allerdings schwieriger sich vom Markt zu differenzieren, denn die technischen Möglichkeiten und Voraussetzungen, ob kleine oder große KVG, sind im Grunde genommen überall identisch. Die Kreativität, hier seinem Publikum etwas besonderes bieten zu können, ist limitiert und baldigst wird eine Saturiertheit durch die Austauschbarkeit digitaler Formate entstehen. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, ob es gelingen wird, auf dem Digitalisierungsweg für große Tickets erfolgreich zu pitchen. Das wird dazu führen, dass Consultants noch in stärkerem Maß in die Entscheidungsprozesse auf der Kundenseite eingebunden werden. Entsprechende personelle Kapazitäten für RfPs und Questionnaires sind vorzuhalten. Um der geforderten Datenflut in den zum Teil 60-70 seitigen Fragebögen gerecht zu werden, bedarf es bei vielen Häusern eines professionellen Datenmanagements im Sinne eines Datawarehouses zur Zusammenführung unterschiedlichster Datenquellen u.a. aus Risikomanagement, DPG-Daten/GIPS® Daten, ESG-Datenlieferanten, Ratingagenturen, Benchmark-Providern etc. Inwieweit dann am Ende des Auswahlprozesses seitens der Consultants und des Kunden nicht doch ein physisches Meeting relevant ist, wird sich zeigen. Im Bereich Sales und Sales-Support muss betont werden, dass möglicherweise der personelle Ausbau reiner Sales-Kräfte für Expansions-Strategien zum Stillstand kommt und dafür Inhouse-Sales Kräfte aus dem Support heraus die zahlreichen Kontakte aus Video- und Telefonkonferenzen aktiv bearbeiten werden. Von diesen Kontakten werden dann möglicherweise 70-90% digital versorgt und nur bei 10-30% wird es einen physischen Sales-Kontakt geben. Bedeutet aber auch, dass es hierfür einen völlig neuen Typus von Mitarbeiter braucht, der a) hungrig ist; b) kontaktfreudig; c) am Telefon redegewandt und überzeugend ist; d) und eine erhöhte fachliche Grundausbildung besitzt. Dies könnten junge Sparkassen- oder Bankbetriebswirte mit ein paar Jahren praktischer Beratungserfahrung sein, die eben nicht – wie klassischer Sales – mit einem 5er-BMW quer durch die Republik fahren wollen, aber aus den institutsgebundenen Fesseln der Volksbanken und Sparkassen ausbrechen wollen. Ob diese Transmission zum Tragen kommt, hängt natürlich entscheidend vom Pandemie-Verlauf ab und ob ein „back to the normal“ möglich ist. Thorsten Schrieber verfügt über langjährige Vertriebserfahrung im Asset Management. So verantwortete er bei der Credit Suisse Asset Management (Deutschland) GmbH, Zürich Investmentgesellschaft mbH und Fidelity Brokerage Services jeweils den Vertriebsbereich. Zwischen 2001 und 2007 war er für die DJE Kapital AG sowie die DJE Investment S.A. als Vorstand für Vertrieb und Marketing tätig. Nach anderen Tätigkeiten im Bereich Immobilienentwicklung in Italien und Österreich wurde er 2017 erneut als Mitglied der Geschäftsführung und im Oktober 2018 in den Vorstand der DJE Kapital AG berufen. Thorsten Schrieber verantwortet die Bereiche Vertrieb (Institutional, Wholesale, Retail), Sales Support sowie Marketing und PR. FONDSBOUTIQUEN & MÜNCHEN (DJE KAPITAL AG): www.dje.de FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: Family Offices, Strategische Asset Allocation & Asset Manager Auswahl (Interview – Martin Friedrich, Lansdowne Austria GmbH)FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: Liechtenstein, Asset Management, Verbände und der gepflegte Gedankenaustausch (Interview – David Gamper, LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband)FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS: Dachfonds, Fondsselektion, Leichtathletik und Arnold Schwarzenegger (Interview – Lars Kolbe) Foto: www.pixabay.com

  • Family Offices und institutionelle Investoren denken im Investmentbereich in langen Zeiträumen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH, über Themen wie Strategische Asset Allocation und die Auswahl von Asset Managern. Im Gespräch wurden auch die Ähnlichkeiten und Unterschiede von Tätigkeitsfeldern bei Family Offices und Fondsboutiquen thematisiert, die bisherigen Erfahrungen als Portfolio Manager und nicht zuletzt der Hinweis auf ein interessantes Buch. Hill: Sie besitzen eine langjährige Erfahrung im Bereich Asset Allocation und haben in der Vergangenheit lange Zeit im Bereich Family Office gearbeitet. Worin besteht Ihre neue Aufgabe bei einem Asset Manager? Friedrich: Ich habe mich vor zwei Jahren entschlossen, meine in den letzten Jahrzehnten angesammelten Erfahrungen in einem sehr speziellen Fonds anzuwenden. Der Fonds kann als Synthese von allem verstanden werden, was ich in meinem – inzwischen schon über ein Vierteljahrhundert-langen – Berufsleben in der Finanzbranche lernen durfte. Hill: Ihr „Mutterhaus“ sitzt in England, sie arbeiten in Österreich. Was sind die aktuellen Aktivitäten Ihrer Firma in Deutschland? Friedrich: Lansdowne Partners ist ein 1998 gegründeter Anbieter alternativer Fondsanlagen. Es ist damit eines der am längsten etablierten Investmenthäuser im angelsächsischen Raum. Im Jahr 2009 kam dann das Wiener Büro dazu. Der logische nächste Schritt besteht in der Überlegung, dass man der geographischen Expansion des Operativen auch eine Expansion der Investorenbasis folgen lässt. Immerhin ist Lansdowne Partners Austria zu 100 % ein österreichischer Asset Manager, voll lizensiert und unter der strengen Aufsicht der FMA. Und mit dem Endowment Fund haben wir jetzt auch eine Strategie, welche im deutschsprachigen Raum, so hoffen wir, langfristig auf Resonanz stoßen müsste. Denn: Laut BVI geht seit Jahren der überwiegende Teil der Netto-Mittelzuflüsse bei Publikumsfonds an Multi-Asset Strategien, zu denen auch der Lansdowne Endowment Fund zählt.   Martin Friedrich, Lansdowne Partners Austria GmbH Hill: Was ist das Besondere an Ihrem Konzept? Friedrich: Der Fonds unterscheidet sich von dem meisten, was sonst angeboten wird, in erster Linie durch seinen Fokus auf Asset Allocation. Zweitens müssen wir über die wirklich sehr breite Diversifikation sprechen. Auch das habe ich im Fondsmantel noch selten gesehen. Die Bedeutung der Asset Allocation ist an und für sich nichts neues. Den „Urknall“ setzte Gary Brinson mit seiner Studie aus dem Jahr 1986, worin der die Behauptung aufstellt, dass 94% der Performance nicht durch Titelauswahl, sondern durch die Vermögensstruktur (Asset Allocation) generiert wird. Im Gegensatz dazu sind viele Anleger mehr auf „Tipps“ fokussiert. Sie wollen den einen Titel finden, der sie schnell reich macht, und schlittern auf diesem Weg häufig in Risiken, die ihnen über den Kopf wachsen. Hill: Für die Anlage bei privaten Vermögenden trifft dies oft zu. Wie sieht dieser Prozess bei institutionellen Investoren und bei Ihnen aus? Friedrich: Als Profis im Anlagebereich sind zum Beispiel hier viele Pensionsfonds oder Family Offices klar im Vorteil. Sie überwachen und steuern die Risiken in erster Linie auf der Ebene der von ihnen investierten Anlageklassen. Dabei wird im ersten Schritt eine langfristige, strategische Asset Allocation ermittelt, welche als zentraler Leitfaden der ganzen Vermögensverwaltung dient. Im Angelsächsischen habe ich dafür auch die Bezeichnung „central risk portfolio“ gehört. Im zweiten Schritt wird dann überlegt, inwieweit man kurzfristig von dieser langfristigen Gewichtung abweicht. Die Differenz zwischen der strategischen und tatsächlichen Gewichtung einzelner Portfolio-Segmente wird dann als „taktische Allocation“ bezeichnet.Schlussendlich muss dann jedes einzelne dieser Segmente natürlich auch investiert werden. Erst an dieser Stelle kommt die Titelauswahl ins Spiel. Großanleger wie Unversitätsstiftungen, Versicherungen oder Pensionsfonds lagern diese Entscheidung nicht selten an spezialisierte externe Asset Manager aus. Sie entscheiden, um ein Beispiel zu nennen, wieviel Prozent des Vermögens in Hochzinsanleihen platziert werden soll. Welche Hochzinsanleihen dann gekauft werden, überlassen sie aber einem Spezialisten, denn die Analyse von Kreditrisiken erfordert viel Aufwand und eine Form der Expertise, die sich von stark von jener des Asset Allocators unterscheidet.Damit habe ich auch schon skizziert, was mein Konzept ist. Wir wollen genau jene Prozesse, die sich bei solchen Profis über Jahrzehnte bewährt haben, in einem einzelnen Wertpapier zugänglich machen. Der wichtigste Unterschied dabei ist, dass institutionelle Anleger wesentliche Teile der Vermögensstruktur in illiquide Anlagen wie Immobilien, Private Equity oder Private Debt veranlagen. Der Lansdowne Endowment Fund hingegen unterliegt UCITS Regularien und beschränkt sich somit auf Investitionen, welche ebenfalls UCITS-tauglich und damit generell täglich handelbar sind. Hill: Wie sieht bei Ihnen der Prozess bei der Auswahl der einzelnen Asset Manager aus? Friedrich: Wie schon erwähnt bestimmen wir erst den Anteil, welche eine bestimmte Anlageform im Portfolio einnehmen soll und suchen dann in einer genau definierten Nische nach Managern, die das bestmöglich umsetzen können. Wir wissen also schon zu Beginn sehr genau, was wir wollen. Danach filtern wir das Universum mittels einer Datenbank, um unsere Suche zu fokussieren. Sehr wichtig dabei sind niedrige Gebühren, zweitens sollte eine Strategie schon eine gewisse Historie aufweisen, damit wir einschätzen können, wie sie sich im Portfolio verhalten wird. Erst dann suchen wir das Gespräch mit den am meisten Erfolg versprechenden Kandidaten. Jene Fonds, die in die engere Auswahl kommen, werden anschließend mit unseren eigenen Modellen auf Ihre Risiko- und Korrelationseigenschaften hin überprüft. Zusätzlich muss das Verhalten, welches unsere Zielfonds dabei auf der quantitativen Ebene offenbaren, auch qualitativ nachvollziehbar sein. Hill: Welche Bedeutung haben Fondsboutiquen bei dieser Auswahl? Friedrich: Wir haben keinen expliziten Fokus auf große oder kleine Fondshäuser. Wichtig ist allein die Expertise in der jeweiligen Assetklasse. Boutiquen haben häufig hochinteressante Strategien, und deshalb stehen wir auch mit vielen unabhängigen Verwaltern im regelmäßigen Austausch. Wichtig ist neben einem konsistenten Investmentprozess und einer nachvollziehbaren Strategie auch die Unternehmenskultur. Die kauft man immer ein Stück weit mit. Hill: Sie haben ja beruflich interessante Positionen durchlaufen. Wie eingangs erwähnt, waren Sie vor Ihrer Tätigkeit als Porfolio Manager bei einem deutschen Family Office tätig. Wenn Sie einmal beide Positionen vergleichen – was ist anders, was ähnelt sich in Ihrem Aufgabenfeld? Friedrich: Der wesentliche Unterschied ist, dass in einem Multi-Family Office ein zentraler Investmentprozess in Wechselwirkung mit kundenindividuellen Steuerungsmechanismen für eine Vielzahl von Vermögensträgern tritt. Zum Beispiel waren bei meinem früheren Arbeitgeber zwischen 20 – 30 verschiedene Depotbanken in jeder Umschichtung involviert. Auch hatten Kunden oft umsetzungsrelevante individuelle Vorgaben. Der

  • Liechtenstein ist einer von vielen attraktiven Standorten für die Fondsauflage in Europa. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit David Gamper, Geschäftsführer des LAFV (Liechtensteinischer Anlagefondsverbands), über Themengebiete wie Regulatorik, Rahmenbedingungen, spezielle Vorteile des Standortes Liechtenstein sowie über die Rolle und Bedeutung von Verbänden wie EFAMA (European Fund and Asset Management Association), IIFA (International Investment Fund Association) oder BVI (BVI Bundesverband Investment und Asset Management e. V.) für den fachlichen Gedankenaustausch. Die Verbände in Deutschland, Luxemburg, Irland und Liechtenstein vertreten viele gemeinsame Interessen und pflegen den intensiven Dialog. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang auch die lokale Zusammenarbeit des LAFV mit lokalen Organisationen wie dem Verein «Liechtenstein Finance» und mit der Agentur «Liechtenstein Marketing», zum Beispiel im Bereich von Veranstaltungsaktivitäten in Deutschland für 2020 (Events, Webinare). Hill: Mit welchen Themen beschäftigt sich Ihr Verband? Gamper: Die Gestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist ein wesentlicher Teil der Verbandsarbeit. Dies ist sehr umfangreich, denn neben der Fondsgesetzgebung haben auch viele andere Gesetze direkt und indirekt Auswirkungen auf die Fondsbranche. Der LAFV (Liechtensteinischer Anlagefondsverband) beabsichtigt einerseits, diese Gesetze aktiv weiterzuentwickeln, um die Attraktivität des Fondsstandortes kontinuierlich zu verbessern, andererseits muss er sich mit den europäischen Vorgaben auseinandersetzen. Dazu gehört das Monitoring auf europäischer Ebene bezüglich Richtlinien und Verordnungen der EU sowie der Guidelines der Europäischen Wertpapieraufsicht ESMA. So sind wir auf dem Laufenden, welche Neuerungen auf die Branche zukommen, was in absehbarer Zeit in nationales Recht umgesetzt werden muss und was direkt anzuwenden ist. Unsere Mitglieder werden über alle regulatorischen und in Bezug auf die Aufsichtspraxis relevanten Entwicklungen informiert und je nach Wunsch werden zusätzlich vom LAFV Hilfestellungen in Form von Workshops, Schulungen, Arbeitsgruppen, Musterdokumenten etc. organisiert. Sehr wesentlich ist auch der Informationsfluss zwischen der Branche und dem Gesetzgeber. Letzterer ist mit so vielen verschiedenen Themen konfrontiert und benötigt in verschiedenen Bereichen zusätzliche Fachexpertise. So konsultiert er Spezialisten der Finanzmarktaufsicht und diese wiederum beraten sich mit der Fondsbranche, die diesbezüglich vom LAFV repräsentiert wird. Darüber hinaus gibt es zwischen der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein und dem LAFV regelmässig Gespräche, um die Rahmenbedingungen des Fondsstandortes stetig zu verbessern. Neben Rechtsthemen beschäftigt sich der Verband mit Steuerthemen, zum Beispiel, wie Fonds aufgrund von Steuerabkommen oder EU-Recht Doppelbesteuerungen vermeiden können, indem sie einbehaltene Quellensteuern für die Anleger des Fonds zurückfordern. David Gamper, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Anlagefondsverband (LAFV) Hill: Gibt es eine Besonderheit bei der Positionierung des LAFV im Unterschied zu Verbänden anderer Fondsstandorte? Gamper: Einmalig in Europa ist, dass der nationale Verband das offizielle Publikationsorgan für die Fondsbranche ist. Auf der Webseite des LAFV finden Sie die notwendigen Informationen zu allen liechtensteinischen Fonds, die publikationspflichtig sind. In den letzten vier Jahren wurde zudem ein Standortmarketing aufgebaut, denn so wie Luxemburg und Irland ist Liechtenstein ein Fondsstandort von dem aus Cross-Border Geschäft in ganz Europa getätigt wird. Allerdings sind die Vorteile des Fondsdomizils potentiellen Fondsinitiatoren noch viel zu wenig bekannt. Hill: Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden aus? Gamper: Der LAFV arbeitet auf nationaler Ebene regelmässig mit anderen Finanzverbänden wie zum Beispiel dem Bankenverband, dem Verein unabhängiger Vermögensverwalter oder dem Versicherungsverband zusammen. Man stimmt sich ab und setzt sich für gemeinsame Interessen im regulatorischen Bereich oder im Bereich des Standortmarketing ein. Auf internationaler Ebene arbeitet der LAFV vor allem mit anderen Fondsverbänden zusammen. Der Verband ist Mitglied der EFAMA (European Fund and Asset Management Association), der europäischen Interessenvertretung der Fondsbranche sowie der IIFA (International Investment Fund Association). Zur EFAMA gehören fast alle Fondsverbände des EWR sowie einiger Drittstaaten. Der deutsche Fondsverband BVI, den ich ganz besonders schätze, ist ebenso Teil dieser paneuropäischen Organisation. Diese Zusammenarbeit ist aus meiner Sicht besonders wichtig, vor allem für einen kleinen Verband wie den LAFV. Hill: Ihre Kernaufgabe ist die Verbandsarbeit für die Fondsindustrie. Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen «Standort-Marketing-Agenturen» in Liechtenstein aus? Wie betreiben Sie Networking, spielen Sie sich die Bälle zu? Gamper: Richtig, wie bereits erwähnt, ist Marketing nur einer von mehreren Teilbereichen, der zudem erst in den letzten 4 Jahren an Bedeutung gewonnen hat.Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen, um den Finanzplatz zu promoten, haben die Finanzverbände sowie andere Berufsvereinigungen, die Interesse an der Finanzbranche bekunden, den gemeinsamen Verein Liechtenstein Finance gegründet. Es gab ihn zwar schon länger, aber eigene Mitarbeiter hat der Verein erst seit Beginn 2020. Natürlich stehe ich in regem Kontakt mit Liechtenstein Finance. Wir tauschen Erfahrungen aus, stimmen unsere Termine ab und liefern uns gegenseitig fachlichen Input. Wir nutzen manchmal auch die Ressourcen und das Fachwissen von Liechtenstein Marketing, das für den Bereich Tourismus und Wirtschaft zuständig ist. Hill: Auf die Fondsindustrie bezogen – warum kann der Standort Liechtenstein in Abgrenzung zu Mitbewerbern in der DACH-Region für Fondsanbieter von besonderem Interesse sein? Gamper: Der Fondsplatz bietet rechtlich, im Rahmen der europäischen Vorgaben, die Liechtenstein aufgrund seiner EWR Mitgliedschaft einhält, sehr viel Flexibilität. Dies sieht man bereits bei den vielfältigen Rechtsformen für Fonds, es äussert sich aber vor allem in vielen kleinen Punkten, die oft entscheidende Vorteile bringen. Sehr wesentlich ist die offene Gesprächshaltung der Finanzmarktaufsicht. Die wichtigsten Aufgaben der Finanzmarktaufsicht sind die Aufsichts- und Schutzfunktion, aber sie ist auch offen gegenüber den Bedürfnissen des Marktes und jederzeit für Gespräche mit Marktteilnehmern und deren Anliegen bereit. Dies wirkt sich auf die Prozesse bei Fondsgründungen, aber auch in der laufenden Fondsadministration positiv aus. So dauert die Bearbeitung einer Zulassung bzw. einer Vertriebsanzeige in der Regel weniger als fünf Arbeitstage. Attraktiv ist ebenso die Steuergesetzgebung. 12.5 % beträgt der Ertragssteuersatz für Unternehmen. Mit der Bezahlung dieser Flat-Tax ist alles abgegolten, denn Liechtenstein kennt weder Kapital- noch Couponsteuer. Auch ein Ausschüttungszuschlag oder Steuern auf Dividenden sowie Kapital- und Liquidationsgewinne auf Beteiligungen fallen nicht an. Steuerliche Auswirkungen hat ferner die Zollunion mit der Schweiz. Der gemeinsame Mehrwertsteuersatz beträgt 7,7 % und ist der mit Abstand niedrigste Wert im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Fonds wiederum sind in Liechtenstein effektiv steuerbefreit. Es gibt weder Ertragssteuern noch eine Taxe d’abonnement (subscription tax). Hill: Corona-Zeiten fördern den Digitalisierungstrend. Sind Veranstaltungen, seien es Webinare oder Präsenzveranstaltungen geplant? Welche Formate gibt es hier? Gamper: Wir haben in Deutschland drei Formate mit physischer Präsenz. Der LAFV organisiert jährlich in Düsseldorf und

  • Unabhängigkeit, Ownership Approach und ein hoher Spezialisierungsgrad sind zentrale Merkmale von Fondsboutiquen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Berndt Maisch, Partner bei Tresides Asset Management GmbH, über Dividendenfonds & Historie, Value versus Growth und Investoreninteressen. Zusätzlich wurden in dem Gespräch die persönlichen Erfahrungen beim Themenkomplex „Konzern versus Boutique“, die Rolle von Sport und die Erweiterung des persönlichen Horizonts („Asia 2030“) diskutiert. Hill: Wie lange beschäftigen Sie sich schon mit dem Themenkreis Dividendenfonds? Was sind in diesem Bereich Ihre Erfahrungen? Maisch: Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet dividendenbasierter Investmentstrategien kann ich mich sicherlich zu den Pionieren in Deutschland auf diesem ursprünglich angelsächsisch geprägten Terrain zählen. Bereits 1999 war ich in die Auflegung eines Publikumsfonds mit Dividendenfokus bei meinem ehemaligen Arbeitgeber LBBW involviert. Große Asset Manager wie DWS, AGI oder Fondsboutiquen wie DJE, die aktuell mit ihren Dividendenfonds in aller Munde sind, hatten das Thema damals noch lange nicht im Fokus und spielten zumeist eher Wachstumsstorys aus der kurzlebigen TMT-Hausse. Mit dem LBBW-Fonds, den ich 14 Jahre lang alleinverantwortlich managte, konnte ich nicht nur zahlreiche Auszeichnungen für die erzielte Performance und ein Fondsvolumen von über 2 Mrd. € erreichen, sondern vor allem wichtige Erkenntnisse zum Thema „dividend investing“ gewinnen, von denen nun unser Fonds TRESIDES Dividend & Growth profitiert. Die Jahre 1999 bis 2006 markierten eine Phase der klaren Outperformance für Dividendenfonds. Sie waren weniger stark von der platzenden Technologieblase betroffen und profitierten ab 2003 dann sogar teilweise überdurchschnittlich von der Erholung am Aktienmarkt. Dagegen hatte die folgende Finanzkrise für viele Dividendenfonds und vor allem für Dividenden-ETFs erhebliche negative Konsequenzen. Dies war insbesondere auf den viel zu hohen Anteil von Finanztiteln in den damals noch jungen Dividendenfonds und Dividendenindizes zurückzuführen. Die Jahre 2009 bis 2013 zeigten dann ein gemischtes Bild. So lieferten in dieser Phase der Konjunkturerholung klassische defensive Dividendenbranchen wie Telekommunikation und Versorger auch aufgrund eines oft hohen Verschuldungsgrades der Unternehmen keine gute Performance ab. Dividendenfondsmanager mit einer zu hohen Gewichtung in diesen Sektoren partizipierten daher nur unterdurchschnittlich an der sehr positiven Aktienmarktentwicklung. Die Erfahrungen aus dieser langjährigen Lernkurve fließen in den TRESIDES Dividend & Growth ein. Wir fokussieren ganz klar auf europäische Aktien mit zuverlässigen Dividenden, sehr solider Bilanzqualität sowie aussichtsreichen Wachstumschancen und haben ständig einen Blick auf einen ausgewogenen Branchenmix im Portfolio. Berndt Maisch, Partner bei Tresides Asset Management GmbH Hill: Dividendenfonds wurden ja pressetechnisch gesehen in den letzten Jahren sehr in den Vordergrund gestellt, es gibt eine große Anzahl von Fonds in diesem Bereich. Sie haben ja gerade die lange Historie der scheinbar etwas „langweiligen“ Dividendenfonds beschrieben. Was machen Sie anders beim Portfolio-Management? Maisch: Die Basis für unsere Aktienselektion bildet unser Research-Knowhow, was schon seit Jahren bei den renommierten Extel Awards als in Deutschland qualitativ führend ausgezeichnet wird. Die von uns ausgewählten Titel werden dann nicht etwa in Form von Über- oder Untergewichtungen in das Portfolio aufgenommen, sondern nach unserem Überzeugungsgrad und der Marktliquidität des Einzeltitels gewichtet. Dies führt zu einem im Vergleich mit unseren Wettbewerbern klar überdurchschnittlichen Active Share im Fonds. Wir suchen laufend aktiv nach neuen Investmentideen und setzen diese im Portfolio um, sodass auch der Portfolio-Turnover im Vergleich zu anderen Dividendenfonds höher ausfällt. Die häufig anzutreffende dauerhafte Fokussierung vieler Dividendenfonds auf hochkapitalisierte defensive Standardtitel wie Nestle, Novartis, Unilever & Co. entspricht dagegen nicht unserem Investmentstil. Solche Investments kann sich der Privatanleger als klassische Buy & Hold-Titel ins Depot legen, dafür braucht er kein aktives Fondsmanagement. Dagegen ermöglicht unser zusätzlicher „Growth-Aspekt“ auch die Berücksichtigung interessanter struktureller Wachstumsthemen. Als reinrassiger europäischer Aktienfonds gilt die Devise „100% Aktien ohne Hedging“, d.h. mit Marktschwankungen muss der Investor leben können. Hill: Welchen Investmentstil verfolgen Sie – Value oder Growth? Maisch: Das kommt immer auf die jeweilige „Value“-Definition an. Gemäß der Morningstar-Klassifizierung haben wir einen geringeren Value-Bias als die Wettbewerber unter den Dividendenfonds. Wenn die Definition „Value“ auf niedrige KGV- und KBW-Branchen abzielt, dann sind wir hier auch eindeutig unterrepräsentiert, da Sektoren wie Banken, Energiewerte oder Airlines eine geringere Rolle in unserem Portfolio spielen. Unser Fokus liegt dagegen stärker auf sogenannten „Quality Industrials“. Hierunter verstehen wir durchaus konjunktursensitive Sektoren, die aber über gute strukturelle Wachstumsperspektiven verfügen. Deren Repräsentanten müssen zudem bilanziell erstklassig ausgestattet sein, hohe Free Cash-Flows generieren und fundamental gut positioniert sein. Auch Titel aus defensiven Sektoren mit Wachstumscharakter innerhalb des Branchenumfelds wie beispielsweise die Deutsche Telekom mit ihrem Wachstumstreiber T-Mobile US sind unser Ding. Hill: Bei welchen Investoren stoßen Sie mit Ihrem Ansatz auf das stärkste Interesse? Maisch: Der Fokus liegt bei TRESIDES überwiegend auf institutionellen Investoren. Die hohen laufenden Erträge unserer Dividendenfonds sind vor allem für Stiftungen interessant, die diese zur Finanzierung ihrer Stiftungsprojekte nutzen können. Wir sehen aber auch starkes Interesse bei Pensionskassen und Versicherungen. Einige Adressen aus diesen Segmenten betreuen wir bereits seit Jahren als Investoren. Hill: Sie haben ursprünglich im Bereich Banken gearbeitet. Warum haben Sie sich für eine Fondsboutique als Arbeitgeber entschieden? Wie waren hier Ihre bisherigen Erfahrungen? Maisch: Zur Diskussion des Themas „Konzern versus Boutique“ fallen mir natürlich viele Punkte ein. Der Wegfall starrer Hierarchien und einer Vielzahl von internen organisatorischen Meetings erleichtert flexibles und effizientes Arbeiten im Fondsmanagement erheblich. Kurze Wege zum Informationsaustausch mit den Kollegen aus den Bereichen Fixed Income und Rohstoffe empfinde ich ebenfalls als sehr effizient. Zudem ist bei inhabergeführten Asset Managern wie TRESIDES Unternehmergeist gefragt. Die Fondsmanager können aktiv an der strategischen Positionierung der Firma mitwirken. Mit unserer finanziellen Beteiligung am Firmenkapital und dem direkten Investment in unsere eigenen Fondsprodukte unterstreichen wir unsere Überzeugung von dieser Strategie. Was Firmenkultur, Bekanntheitsgrad, Assets under Management und Performance angeht, sehen wir TRESIDES auf einem guten Weg. Hill: Welche Themen beschäftigen Sie neben dem Portfoliomanagement? Hobbies? Gibt es ein interessantes Buch, dass Sie aktuell lesen? Maisch: Ich persönlich schätze viel sportliches Engagement als Ausgleich zum zahlengetriebenen und nervenaufreibenden Kapitalmarktalltag. Radmarathons wie „Alb Extrem“ stärken die Kondition, Fußball die Teamfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit, während beim Skifahren neben dem Sport auch der Genussfaktor nicht zu kurz kommt. Derzeit lese ich „ASIA 2030“ von Karl Pilny, da dessen Einschätzung zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Kontinents, der die Welt entscheidend prägen wird,

  • Family Offices, Unternehmer und vermögende Private beschäftigen sich derzeit intensiver mit dem Thema Rohstoffe als Investment. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Urs Marti, Partner bei SIA Funds AG, über die Einschätzung des Marktzyklus in diesem Real Asset-Segment und über das Investitionsverhalten verschiedener Investorengruppen im Markt. Zusätzliche Themen in dem Gespräch waren die Zusammenhänge von Value Investing und Investment in Rohstoffen sowie die aktuelle Bedeutung von Sport und Hugo Stinnes („Industrieller & Politiker“). Hill: Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema Rohstoffe? Was fasziniert Sie an diesem Thema? Marti: Ich entstamme noch aus einer Zeit, wo der zukünftige Berufswunsch Kranführer und Ähnliches war. Wir spielten noch mit Eisenbahnen, ferngesteuerten Flugzeugen und der Dorfkönig war derjenige mit dem bestfrisierten Moped. Eine gewisse Faszination für Technik, große Schiffe, Trucks, Bauwerke war wohl schon immer bei mir vorhanden. Generell scheint man kaum mehr eine Vorstellung zu haben, was es alles braucht, bis wir ein Kilo Gold, einen gefüllten Tank oder genügend Strom „real“ haben und nutzen können. In der Finanzwelt wurde mir noch gelehrt, dass man möglichst antizyklisch agieren sollte und unterbewertete Assets kaufen muss um an der Börse etwas verdienen zu können. Während der Internetbubble war die Rohstoffindustrie die Antipode. Als Portfoliomanager begann ich dann später in Wasserkraftwerke, Minen und Ölproduzenten zu investieren.  Hill: Welche Rohstoffe verfolgen Sie intensiver? Wie bilden Sie sich eine Meinung zum Markt? Marti: Wir verfolgen die Kapitalinvestitionen der Sektoren. Rohstoffe haben in etwa 10-Jahreszyklen. Es sind Angebotszyklen, sprich lange Schweinezyklen. In den letzten zehn Jahren wurde aufgrund tiefer Preise in vielen Bereichen viel zu wenig investiert. Die Erhältlichkeit vieler Rohstoffe wird sinken. Urs Marti, Partner bei SIA Funds AG Hill: Sie sind Portfoliomanager und führen viele Gespräche mit Fondsselektoren und institutionellen Investoren. Haben Sie aus den Gesprächen den Eindruck, dass die Bedeutung von Rohstoffen bei der Asset Allocation von Ihren Gesprächspartnern richtig eingeschätzt wird? Marti: Von vielen meiner Gesprächspartner habe ich diesen Eindruck schon. Es gibt einige Spezialisten, mit denen ich mich austausche. Zusätzlich ergibt sich oft interessantes Feedback bei Investorenpräsentationen, in Einzelgesprächen oder auf Veranstaltungen. Es ist wohl der am meisten vernachlässigte Sektor. Was ja immer der Fall ist, wenn etwas auf dem Tiefpunkt ist, ähnlich wie vor zwanzig Jahren. Eine Sache ist mir in diesem Zusammenhang aufgefallen: Family Offices, Unternehmer und viele vermögende Private als Investoren erscheinen offener, interessierter am Thema Rohstoffe. Dafür kann es verschiedene Erklärungen geben. Eine Hypothese könnte sein, dass dieser Investorenkreis beim Aufbau des eigenen Vermögens ohnehin stärker im Themenkreis Real Assets („Realwirtschaft versus Finanzwirtschaft“) zu verorten ist. Zudem gibt es in diesem Segment einen ganz anderen, wichtigen Aspekt beim Investitionsverhalten. Unternehmer, private Investoren und auch Family Offices besitzen in der Regel sehr kurze Entscheidungswege. Eigenverantwortung, „Skin-in-the-Game“ und Ownership Approach sind hier die hervorstechenden Merkmale bei der Auswahl von Investments. Bei institutionellen Investoren nehmen wir immer noch eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem Thema Rohstoffe wahr. Ein Grund könnte hier einfach in den Strukturen liegen, oft wird in Gremien entschieden, die Due Diligence-Prozesse erscheinen zeitintensiver. Beide Vorgehensweisen haben ihre Berechtigung, man muss sich darauf einfach einstellen. Hill: Value Investing und die Anlage in Rohstoffen, gibt es eine Verbindung zwischen diesen Themenkreisen? Marti: Eine gute Frage. Erstaunlicherweise korrelieren die Zeitperioden, da Value mit steigenden Rohstoffpreisen outperformt . Auf den ersten Blick scheint es ja nicht wirklich eine Verbindung bei diesen Themenkreisen zu geben. In Zeiten von stark sinkenden Zinsen ist oftmals “Growth” versus „Value“ am outperformen. Dies aufgrund dessen, dass die Diskontraten für Cashflows sinken. Je weiter die Cashflows in der Zukunft liegen, desto mehr steigt ihr Netpresentvalue. (Oftmals sind die positiven Cashflows unendlich weit in der Zukunft liegend). Rohstoffe sind wohl die Antipode. Man hat Depletion, die Industrie verliert jährlich ungefähr drei Prozent der Produktion ohne Investitionen. Wenn man nichts investiert, gibt es nach 20 bis 30 Jahren kaum mehr etwas zu produzieren. Hier kann man nicht ein unendliches Wachstum extrapolieren beziehungsweise eine bestehende Plattform skalieren. Es ist “real life”. Man muss riesige Beträge investieren – es ist schwierig, die Mutter Erde ist launisch. Aber aus diesem Grund steigen dann auch die Preise und es gibt sehr gute Cashflows, Dividenden und tiefe Bewertungen. Der Rohstoffsektor war in seiner Historie noch nie so tief bewertet wie heute.   Hill: Rohstoffe und Portfoliomanagement sind Ihre Profession, Ihre Leidenschaft. Welche anderen Themen beschäftigen Sie aktuell? Welches Buch lesen Sie zurzeit? Marti: In meiner Freizeit fahre ich gerne Ski und Rad. Ziemlich erschüttert bin ich von der sonstigen Entwicklung der Gesellschaft und der Politik. Es scheint, man bringt erfolgreich Jeden gegen Jeden auf. Rechts versus Links, Alt versus Jung, Schwarz versus Weiß, Ost versus West, Arm versus Reich, Süd versus Nord, Stadt versus Land und so weiter. Das dürfte nicht besser werden, wenn sich die Verteilkämpfe intensivieren. Die Politik sieht die Bürger beziehungswiese die Wirtschaft oft nur noch als „Melkkuh“, zugegebenermaßen etwas polemisch formuliert. Das Ganze ist schon lange nicht mehr finanzierbar und funktioniert nur noch über die Notenpresse. Aktuell lese ich die Biographie des deutschen Industriellen Hugo Stinnes (1870 – 1924). Warum finde ich seine Lebensgeschichte interessant? Rückblickend ist es immer wieder interessant, wie auch in der Vergangenheit Themen wie Zentralbankpolitik, Inflation und Real Assets wirtschaftlich gesehen eine interessante Dynamik entwickelt haben. Natürlich hinkt der Vergleich mit der aktuellen Situation der Märkte in Teilaspekten, grundsätzliche Ähnlichkeiten kann man jedoch entdecken, wenn man etwas genauer hinsieht. Hill: Vielen Dank für das Gespräch FONDSBOUTIQUEN, VALUE INVESTING & ROHSTOFFE (SIA Funds AG) FONDSBOUTIQUEN, EXPERTEN & ROHSTOFFE: Öl, ETFs, Lager, negative Preise, Handel und Nassim Thaleb (Urs Marti)FONDSBOUTIQUEN & PRIVATE LABEL FONDS – Rohstoffaktien, Asset Management und Mannheim (Vortrag, 29.1.2020)„Zu unseren treuesten Kunden zählen häufig Family Offices, dies ist uns über die Jahre immer stärker aufgefallen“ (Interview – Prof. Dr. J. Carlos Jarillo) Foto: www.pixabay.com

  • Viele Dachfonds setzen Fondsboutiquen bei der Allokation ein. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Lars Kolbe, Geschäftsführer der Aqualutum GmbH, über die Vor- und Nachteile des Einsatzes von unabhängigen Asset Managern im Portfoliomanagement. Über die Stabilität von Ansätzen bei Boutiquen, Due Diligence und Seed Money wird ebenso diskutiert wie über Crashpropheten, Leichtathletik und Arnold Schwarzenegger. Hill: Wie lange begleitet Sie schon das Thema Fondsboutiquen? Kolbe: Ich habe als Werkstudent 1991 bei einem Family Office angefangen eine Fondsdatenbank aufzubauen. Zur damaligen Zeit gab es ungefähr 800 Fonds in Deutschland, vor allem von den Asset Managern der Großbanken. An ausländischen Fonds waren damals nur Templeton und Pioneer am Start. Boutiquenfonds waren de facto nicht vorhanden. Erst in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre änderte sich dies mit der Gründung von Ennismore (Ex-Barings Manager) und Thames River, die diesen Fondsmanagern eine unabhängige Plattform anboten. Die Zeit der deutschen Boutiquen begann erst Ende der 90er Jahre. Eine Vorreiter-Rolle nahm Dr. Jens Ehrhardt ein, der seinen FMM Fonds bereits 1987 über die damalige BHF Bank auflegte. Hill: Wie setzen Sie Fondsboutiquen ein bei der Allokation im Dachfonds? Kolbe: Fondsboutiquen spielen in unserem m4-masters select eine zentrale Rolle. Die Tatsache, dass die Manager meist auch die Firmengründer sind, sorgt für eine Stabilität, die bei den Fonds der großen Häuser nur selten zu finden ist. Dort dominieren Manager- oder Teamwechsel fast wie in der Bundesliga. Auch häufige „Strategiewechsel“ – wie jüngst bei einem deutschen Marktführer – zeigen, womit sich diese Gesellschaften am liebsten beschäftigen, nämlich mit sich selbst. Wir schätzen es dagegen, wenn wir für unterschiedliche Märkte oder Segmente Spezialisten engagieren können, die sich von morgens bis abends nur mit ihrem jeweiligen Thema beschäftigen. Legt hingegen ein für Value Investing in etablierten Märkten bekanntes Haus auf einmal Indien- oder Biotechfonds auf, dann verkaufen wir sofort. Diese Firmen sind durch diesen ungewöhnlichen „Shift“ in die Monetarisierungsphase übergegangen. Das ist legitim, aber ohne uns. Auch gilt es zu beachten, dass Anlagestrategie und Fondsvolumen bei Fondsboutiquen zusammenpassen sollten. Gerade hier konnte man zuletzt einige krasse Fälle beobachten, in denen ein Missverhältnis aufgetreten ist. Die Leistungen der Fonds sind seit längerem dementsprechend schwach. Lars Kolbe, Geschäftsführer der Aqualutum GmbH & Markus Hill (Frankfurter FondsmanagerRunde 2019) Hill: Welche Lehren haben Sie für Due Diligence von Boutiquen-Strategien vor dem Hintergrund der Corona-Krise gezogen? Was war diesmal anders, bemerkenswert, möglicherweise „schräg“? Kolbe: Eigentlich gab es nicht viel Neues. Interessant war erneut zu beobachten, wie vereinzelte Crashpropheten eine unwiderstehliche Anziehungskraft in der Krise ausüben. Leider immer ex-post. Und leider können sie dann nie an ihre „Out-Performance“ anknüpfen. Ansonsten ist zu bemerken, dass es deutlich schwerer geworden ist, als Neu-Starter Seed Money einzusammeln. Das war allerdings vor Corona auch schon so. Jetzt ist es allerdings nicht leichter geworden. Hill: Was beschäftigt Sie derzeit intensiver, wenn Sie sich nicht mit unabhängigen Asset Managern beschäftigen?  Kolbe: Am liebsten lese ich Biographien erfolgreicher Persönlichkeiten. Das geht von Arnold Schwarzenegger, den ich sehr schätze (der häufig von vielen unterschätzt wurde) bis hin zum NIKE-Gründer Phil Knight. Er musste sich anderthalb Jahrzehnte gegen große Widerstände durchsetzen. Heute ist die Firma Weltmarktführer bei Sportschuhen und Sportkleidung. Hier kann ich auch gleich den Bezug zu meiner großen Leidenschaft herstellen, dem Sport. Nach eigener Leistungssportkarriere in der Leichtathletik, bin ich der Sportart treu geblieben. Heute trainiere ich eine Gruppe talentierte Nachwuchssprinter in meinem Heimatverein. Und hier schließt sich der Kreis: Klein gegen Groß! Boutiquen gegen Konzerne. Diesen Kampf habe ich immer gern ausgefochten. Nicht ohne Erfolg. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. *) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main.Kontakt: info@markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com LINK: FONDSBOUTIQUEN & FRANKFURT (AQUALUTUM) 08.06.2020 „Bei der Beurteilung von Fondskonzepten bei Fondsboutiquen ist meine frühere Erfahrung als Fondsselektor sehr hilfreich“27.04.2020 „Munger hat Buffett klargemacht, dass solche Firmen langfristig bessere Investments sind als reine ‚Graham-Firmen‘ “14.04.2020 „Deutschland ist nach der Schweiz – die Liechtenstein als Zugang zum Binnenmarkt nutzt – der wichtigste und attraktivste Markt für die Liechtensteinische Fondsbranche“29.09.2019 „Auch Family Offices, Private Banker und HNWIs diskutieren gerne über Themen wie Asset Allocation, Produktauswahl, Fondsboutiquen und Nachhaltigkeit“26.05.2019 „Investoren und Fondsindustrie diskutieren gerne in Frankfurt über Themengebiete wie Family Offices, Fondsboutiquen und Real Assets“28.01.2019 „Marcel Fratzscher und Thilo Sarrazin, Friedrich Merz, Fondsboutiquen, Smart Beta, AIFs, SRI und mehr – der Fondskongress bietet eine angenehme Vielfalt von Themen“ Foto: www.pixabay.com

  • Fondsboutiquen stoßen seit Jahren auf verstärktes Interesse bei Family Offices und klassischen institutionellen Investoren. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Oliver Klehn, Geschäftsführer von Paladin Quant GmbH, über Themen wie Singularitätentheorie, quantitatives Asset Management und ESG. Neben diesen fachlichen Aspekten wurden Themen wie „Festanstellung versus Unternehmertum“, Seed Money und Erfahrungen mit Fondsselektoren diskutiert. Ergänzt werden die fachlichen Impressionen des Portfolio-Managers durch persönliche Lektüre-Gedanken zur Aktualität von Thomas Chromwell, Brexit und Corona („Spiegel und Licht“, Hillary Mantel). Hill: Sie haben einen interessanten beruflichen Weg beschritten, was genau haben Sie studiert? Klehn: Ich kann mich noch an die abendlichen Spaziergänge mit meinem Vater erinnern. Ich blickte fasziniert in den Himmel und hatte viele Fragen. Mein Vater erklärte mir die Welt, er sprach über die Endlichkeit des Universums und über Astronauten, für die die Zeit im All sehr viel langsamer vergeht, wenn sie sich im All annähernd mit Lichtgeschwindigkeit bewegen würden. Dass der Astronaut nur wenig gealtert wäre, während die Menschen auf der Erde längst alte Leute wären. Und dass das alles aus Einsteins Relativitätstheorie hervorginge. Diese Antworten weckten mein Interesse an der Naturwissenschaft, ich wollte die Dinge verstehen. Nach der Bundeswehr begann ich, Mathematik und Physik zu studieren. Da ich mich auf ein Kernfach festlegen musste, entschied ich mich für Mathematik mit dem Nebenfach Physik. An der Mathematik faszinierte mich die Klarheit der Methoden und dass alles bewiesen werden muss, dann aber auch ein für alle Male unumstößlich ist. Im Studium wählte ich als Schwerpunktthema ein Gebiet, das als eines der schwersten und abstraktesten innerhalb der Mathematik gilt, die sogenannte Singularitätentheorie. Sie ist ein Teilgebiet der Geometrie und beschäftigt sich mit Orten in geometrischen Räumen, den sogenannten Singularitäten, bei deren Untersuchung die herkömmliche Mathematik versagt. So ist zum Beispiel der Urknall unseres Universums eine Singularität in der physikalischen Raumzeitgeometrie. Die Gleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie brechen hier in sich zusammen, weil die Krümmung der Raumzeit unendlich wird. Um Singularitäten zu untersuchen, braucht man ganz neue mathematische Methoden, und in der Singularitätentheorie werden diese entwickelt. Gereizt hat mich daran vor allem das Bohren dicker Bretter und das Vorstoßen in völlig unbekanntes Terrain. Ich habe die Passion, schwere Rätsel zu lösen. Folgerichtig dachte ich mir: wenn schon Mathematik, dann richtig. Die anspruchsvollsten Themen waren für mich stets auch die interessantesten. Mit dem Finanzwesen hatte das alles noch wenig zu tun. Aber ich profitiere heute als Fondsmanager davon, dass ich in meinem Studium lernen musste, auch sehr komplizierte Fragestellungen mutig und mit Ausdauer anzugehen. Eine gewisse Affinität zu den Finanzmärkten hatte ich allerdings schon als Jugendlicher. Mich beschäftigte schon damals die Tatsache, dass die Deutschen sich wenig mit Finanzmärkten beschäftigen und die Aktienmärkte häufig sogar als Teufelszeug betrachten. Ich habe nie verstanden, warum sich die Deutschen nicht an ihrer eigenen Wirtschaft beteiligen wollen. Damals und auch in meiner Studienzeit hatte ich aber noch nicht geplant, später in die Finanzwirtschaft zu gehen. Direkt nach dem Studium erhielt ich das Angebot meines damaligen Doktorvaters, eine Promotion bei ihm am Institut durchzuführen. Mich reizte daran vor allem, dass ich völlig eigenständig drei Jahre an einem umfangreichen Thema forschen konnte. Mir war allerdings klar, dass ich nicht mein ganzes Leben an der Universität verbringen wollte, sondern nach der Promotion in die Wirtschaft gehe. Eingestiegen bin ich dann schließlich im Marktrisikocontrolling einer Bank. Oliver Klehn, Geschäftsführer der Paladin Quant GmbH Hill: Was hat Sie dazu veranlasst, nach diesem „sicheren“ Angestellten-Verhältnis den Weg der Selbständigkeit im Asset Management-Bereich zu wählen? Klehn: In den späteren Jahren meines Berufslebens habe ich mehrere Stationen im Risiko- und Asset-Management durchlaufen. Die letzte vor der Selbständigkeit war bei einer mittelständischen Asset-Management-Gesellschaft. Man hatte mich gebeten, eine Produktpalette rein regelbasiert gesteuerter Fonds zu entwickeln und ein dazugehöriges Team für deren Management aufzubauen. Der Fokus lag auf institutionelle Kunden. Das funktionierte gut: das Interesse der institutionellen Investoren war groß und wir bauten sehr schnell Volumen auf. Von da an wollten dann allerdings immer mehr Leute mitreden, und mir war klar, dass man das volle Potenzial der von uns entwickelten Methoden nur in eigener Verantwortung auf die Straße bringen kann. Ich entschied mich daher für die Selbstständigkeit, brauchte jedoch einen Partner, der mich komplementiert. Dieser Partner sollte möglichst einen Publikumsfonds mit mehrjährigem Track-Record haben sowie eine Expertise und Infrastruktur im Vertrieb. In Hannover sind die Wege kurz, und so kam ich mit der Paladin Asset Management Gruppe in Kontakt. Die Gruppe ist 2011 aus dem Family Office der Unternehmerfamilie Maschmeyer hervorgegangen. Deren Aktienfonds Paladin ONE ist ein “Handmade-Deep-Value-Fonds“. Nach einer Phase des Beschnupperns beschlossen wir, im Herbst 2018 die Paladin Quant GmbH zu gründen und damit das Angebot der Gruppe um rein regelgebundene Strategien für institutionelle Anleger, Family Offices, Stiftungen und Vermögensverwalter zu erweitern. Die Klammer der auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Ansätze ist, dass alle Strategien effizient Risiken managen und Draw-Downs reduzieren wollen. Im Herbst 2019 starteten wir den ersten Publikumsfonds der Paladin Quant GmbH und konnten zudem ein Spezialmandat einer Versicherung einwerben. Wir sitzen mit unseren Investoren in einem Boot: Alle Mitarbeiter und das Management sind mit signifikanten Beträgen in unsere Publikumsfonds investiert. Ich selbst habe beispielsweise alle meine Rücklagen, die ich nicht kurzfristig benötige, im Paladin Quant Aktien Global Nachhaltig angelegt. Hill: Worin besten die Besonderheiten Ihres Ansatzes? Klehn: Die Besonderheit unseres Ansatzes besteht darin, dass wir die Themen Nachhaltigkeit und Stabilität effizient zusammenbringen. Grundlage unserer Anlagestrategie ist die Annahme, dass es nicht möglich ist, die Märkte vorherzusagen oder Markttiming zu betreiben. Unserer Ansicht nach führt der Weg zu einer erfolgreichen Kapitalanlage allein über ein effektives Risikomanagement. Es gilt bestmögliche Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Erinnern Sie sich noch an den Poker-Boom vor einigen Jahren? Man konnte beobachten, dass bei großen Turnieren die immer gleichen Spieler erfolgreich abschnitten. Wie ist das zu erklären, wenn doch jeder Spieler im Schnitt gleich gute Karten bekommt und niemand in die Zukunft oder die Karten der Mitspieler blicken kann? Zugegeben, es gibt sie, die Meister der psychologischen Kriegsführung. Jene, die bluffen können und den Gesichtsausdruck des Gegenübers treffend interpretieren. Das allein jedoch ist keine hinreichende Erklärung. Die einzig zufriedenstellende

  • Unabhängige Asset Manager (Fondsboutiquen) stehen seit Jahren im Fokus der institutionellen Investoren im Bereich der Fondsselektion. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Daniel Knoerr, Head of Product Management & Unit Linked Business bei Ampega Investment GmbH, über wesentlichen Fragestellungen, die bei Konzeption, Prozess und Auflage von Private Label Fonds behandelt werden. Themen wie die Beurteilung von Derivatestrategien, aktuelle Fondsprojekte, die Bedeutung von Marketing- und Vertriebsunterstützung bei Kapitalverwaltungsgesellschaften sowie die Bedeutung von ESG im Asset Management werden ebenso angesprochen. Interessant erscheinen zudem die gemachten Erfahrungen im Bereich „Gelebter Agilität“ bei Projekten und Prozessen im Konzernbereich. Hill: Was genau umfasst Ihr Aufgabengebiet bei der Ampega? Knoerr: Ich bin in meiner neuen Funktion unter anderem für die Akquisition administrativer Mandate sowie Betreuung der Label-Fonds und Kunden verantwortlich. Des Weiteren zählen die Produktentwicklung und das Produktmanagement zu meinem Aufgabenbereich. Dazu gehört beispielsweise auch die Erstellung von Pflichtpublikationen wie Verkaufsprospekte oder (Halb-) Jahresberichten. Zudem verantwortet mein Team die Produktentwicklung der fondsgebundenen Lebensversicherungs-Tarife der verschiedenen Lebensversicherer der Talanx Gruppe. Hill: Was sind für Sie die wesentlichen Schritte bei der PLF-Konzeptprüfung? Haben Sie einige Faktoren für erfolgreiche Konzepte erkennen können? Knoerr: Wir orientieren uns bei der Evaluierung neuer Projekte im Private Label Fonds-Bereich methodisch sehr stark an „Business Model Canvas“ aus Lean-Startup. Zentral bedeutet dies die Value Proposition des Produkts herauszuarbeiten und anhand unterschiedlicher Kriterien zu überprüfen, ob die Realisierung für alle Seiten – Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG), Initiator beziehungsweise Advisor und Verwahrstelle – langfristig Wertbeiträge liefert. Dazu stellen wir uns beispielsweise folgende Fragen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: • Welche Anlageidee bzw. welcher Investment Case wird umgesetzt und hat der Initiator Expertise und Track Records vorzuweisen? • Welchen Nutzen haben unsere Vertriebspartner und Vertriebskanäle durch den Product Launch? • Haben wir möglicherweise einen Wettbewerbsvorteil? (Beispiel: First Mover-Advantage) • Was könnten Erfolgstreiber sein? Wer unterstützt uns? Wer profitiert von der Umsetzung? (Dies könnte beispielsweise ein großer Ankerinvestor sein, der Seed Capital stellt). • Welche Hindernisse und Aufwände könnten sich auf der Wegstrecke zur Fondsauflage ergeben? Können zum Beispiel alle Instrumente abgebildet und bewertet werden oder muss eine neue Verwahrstelle angebunden werden? • Welche internen und externen Ressourcen benötigen wir für die Realisierung? (Externe Ressourcen könnten beispielsweise ein Portfolio- / bzw. -Order Management-System sein, welches der Partner verwendet und mit den internen KVG-Systemen kommunizieren muss. Bei der Bearbeitung dieser und anderer weitergehender Fragen gehen wir sehr gründlich vor. Wichtig ist für uns hierbei das Zusammenspiel der Bereiche Vertrieb und Produktmanagement sowie die Abstimmungen mit weiteren wichtigen internen und externen Schnittstellen. Daniel Knoerr, Head of Product Management & Unit Linked Business bei Ampega Investment GmbH Hill: Sie selbst haben ja lange Erfahrung in der Fondsselektion, zu Beginn dieses Jahres fand man Sie ja noch auch auf der TOP 100-Fondsmanager-Liste von Citywire in Deutschland. Viele Fondsansätze konnten Sie ja in dieser Funktion durch die „Investoren-Brille“ betrachten, eine Erfahrung, die hilfreich bei der Due Diligence ist. Wie ist Ihre Einstellung zu dem Einsatz von Derivaten bei Fondskonzepten im Private Label Fonds-Segment? Knoerr: Bei der Beurteilung von Fondskonzepten bei Fondsboutiquen ist meine frühere Erfahrung als Fondsselektor sehr hilfreich. Der derivative Einsatz ist oftmals Bestandteil von Konzepten und muss daher abgebildet, gesteuert und monitored werden. In den meisten Fällen werden Absicherungsinstrumente eingesetzt. Werden derivative Strategien eingesetzt, um bspw. Risikoprämien zu vereinnahmen, wird es oft komplexer. Hier sollte aus meiner Sicht stets darauf geachtet werden, ob die Strategie im UCITS Mantel und vor allem unter dem geltenden Vorgaben-Set (Stichwort: Risiko-Controlling) der KVG vernünftig umgesetzt werden kann, um ihren Nutzen voll zu entfalten. Wir haben in diesem Jahr ja schon einige Negativbeispiele während der turbulenten Marktphase im März erlebt. Derartige Fallstricke versuchen wir bereits im Vorfeld der Auflage zu erkennen und würden das Mandat im Zweifel auch ablehnen.    Hill: Was hatten Sie vor Ihrem Wechsel als Aufgabengebiet? Knoerr: Vor meinem Wechsel hatte ich verschiedene Aufgaben im Konzern. Wie schon oben von Ihnen kurz beschrieben, war ich Portfolio Manager mehrerer Publikum-Dachfonds, Portfolio Manager fondsgebundener Lebensversicherungen. Zudem habe ich die Fonds-Selektion für die unterschiedlichen Trägergesellschaften im Talanx Konzern durchgeführt und war Projektleiter und Product Owner im ESG-Projekt „Kapitalanlage“ im Talanx Konzern. Hill: Welche Konzepte stehen bei Ihnen aktuell am Start? Knoerr: Wir haben jetzt aktuell den „FAROS Listed Real Assets AMI“ in Zusammenarbeit mit dem Consultant FAROS realisiert und vor einem Monat aufgelegt. Die in Deutschland weitgehend unbekannten REITs weisen viele Vorteile für Investoren auf, die in Immobilien investieren wollen. Sie entwickeln sich oft stabiler als Aktien, zahlen hohe Dividenden und sind zudem sehr liquide. Im Fonds bieten wir den Anlegern auch einen breiten Zugang zu anderen immobilienthematischen Anlagethemen aus dem Rentenbereich, wie zum Beispiel Corporates oder immobilienbesicherte Anleihen. Aktuell sind noch weitere spannende Projekte kurz vor der Auflage, sowohl Publikums- als auch Spezialfondsmandate. Auf ein Fondsprojekt bin ich sehr gespannt: ein Biotechnologie Fonds, den wir mit dem Anbieter LUNIS realisieren werden. Hill: Beschäftigen Sie sich auch mit der Prüfung von Fondskonzepten im nicht-liquiden Bereich? Knoerr: Wir sind ein Full-range Provider und bieten neben den liquiden Asset Klassen auch Asset Management-Dienstleistungen für Immobilien, Private Equity und Infrastrukturanlagen. Die Ampega Real Estate bündelt als Spezialist die gesamte Wertschöpfungskette von der Akquisition über Projektentwicklung, Bestandsoptimierung bis hin zum Desinvestment in einer eigenen Gesellschaft. Einer der größten Wachstumstreiber ist der Bereich Infrastrukturanlagen. Hier hat die Gruppe konsequent Expertise aufgebaut und beteiligt sich seit Anfang 2014 mit einer neuen, spezialisierten Einheit auch direkt über Eigen und Fremdkapitalvergabe an ausgewählten Projekten. Zum diversifizierten Infrastrukturportfolio gehören derzeit u. a. Investitionen in Windparks (onshore und offshore), Solarparks (PV), Stromnetze, Transport-Infrastruktur sowie Public-Private-Partnership-Projekten (PPP) in Deutschland und dem europäischen Ausland. Hill: Welche Bedeutung hat für Ihr Haus das Thema Marketing- und Vertriebsunterstützung? Knoerr: Die Unterstützung unserer Partner spielt für uns eine zentrale Rolle und ist bei uns im Service Paket für unsere Partner (ohne zusätzliche Gebühr) inbegriffen. Jeder Partner wird von einem Kollegen aus dem Sales Department und aus dem Produktmanagement bei seinen Aktivitäten bestmöglich unterstützt. Zurzeit führen wir unsere in den vergangenen Jahren sehr erfolgreichen Fondsmanagerrunden im Webinar-Format fort. Dabei stellen wir fest, dass die Teilnehmerzahl bei diesen Angeboten größer ist als bei reinen Präsenzterminen. Das

  • Fondsboutiquen stoßen nicht nur in Deutschland seit Jahren auf verstärktes Interesse. Im Value Investing-Segment gibt es eine Reihe von Dienstleistern die Schulungen, Veranstaltungen und Webinare anbieten. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Christian Freischütz von der Value School in Madrid, Spanien. Neben Themen wie Value Investing, Family Office- und Investmentkultur in Spanien wurden auch Themen wie die Gründung einer Beratungsfirma im Pensionskassenbereich, die Auswahl von Fondsboutiquen und der Skin-in-the-Game-Faktor angesprochen. Hill: Wie sieht der spanische Markt für Fondsboutiquen aus? Welche Rolle spielen hier Family Offices?Freischütz: Hierzu muss ich zwei bis drei Jahrzehnte zurückgehen. Der spanische Markt war lange Zeit als ein „bankendominierter“ (ich schließe hier auch Versicherungsgesellschaften mit ein, da die meisten Bankassurance-Allianzen hier entstanden, um die Vertriebskraft zu erhöhen) Vermögensverwaltungssektor charakterisiert, mit Bankfilialen an „jeder Ecke“ Spaniens. Damals war es sehr profitabel für Banken, niedrig bezahlte Vermögensverwalter im „Sortiment“ zu haben, die im Grunde genommen indexgebunden Portfoliomanagement betrieben haben. Mit der großen Finanzkrise änderte sich kurzfristig wenig, aber als die Bankfilialen zu verschwinden begannen und die Banken in eine ganze Reihe von Skandalen verwickelt waren, wurde das Leben für unabhängige Vermögensverwalter einfacher. Die Bereiche Family Offices, Value Investing und Fondsboutiquen passen ideal zueinander. Einige wenige Family Offices begannen Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre damit, ihr Geld unabhängig von den Banken zu verwalten, unter ihnen das Family Office Entrecanales (eine Familie mit damalig besonderem Interesse am Bausektor, heute Eigentümer von der in Spanien gelisteten Firma Acciona), Name hier: Bestinver. Sie stellten Francisco García Paramés 1989 ein, und zwei Jahre später leitete er den spanischen Aktienfonds mit einem Value Investing-Ansatz und erzielte eine sehr gute Erfolgsbilanz (Performance: 15,7% p.a., von Januar 1993 bis 2014). Er erlangte größere Aufmerksamkeit in den spanischen Medien, als er sich während der Internetblasen-Kernschmelze im Jahr 2000 weigerte, die trendigen Aktien zu kaufen. Er erzielte hierdurch eine starke Performance gegenüber einem fallenden Markt. Andere familienbezogene Manager traten neu auf in diesem Segment, wie z.B. Lierde Sicav und La Muza Sicav, die mit Herrn Alierta, CEO von Tabacalera und Telefonica, sowie mit der Familie Urquijo, verwandt waren, ebenso eine Adresse wie Metagestión. Zwischen der Internet-Blase und der GFK wurden weitere unabhängige Projekte geboren: Cartesio Inversiones, Belgravia Capital, Solventis Gestión, Abaco Capital. Der größere Boom in Bezug auf die Zahl der unabhängigen Fondsmanager kam nach der GFK, da die Leistung der Vermögensverwalter der Banken sehr unbefriedigend war. Seitdem haben wir eine ganze Reihe neuer Namen im Markt, wie Trea AM, Valentum AM, Invexcel, Equam Capital, Buy&Hold, Lift Investment Advisors, Horos AM und auch in Portugal Casa de Investimentos. Ein Faktor, der den Sektor viel dynamischer gemacht hat, war der Austritt von Herrn Paramés und einigen anderen Partnern beziehungsweise Portfoliomanagern aus Bestinver im September 2014. Seitdem sind eine Reihe von „Projekten“ von dort aus gestartet und haben dem Ökosystem viel mehr Tiefe verliehen. Ende 2015 wurden AZ Valor (E-Partner von Paramés) und Magallanes Value Investors (ein Kunde von Paramés) gegründet, 2016 entstand auch Cobas AM (Herr Paramés). Christian Freischütz,Director Business Development bei Value School Hill: Family Office-Segment und Fondsboutiquen scheinen in Spanien in engem Zusammenhang zu stehen. Worin besteht hier die Beziehung zu Ihrem Institut (Value School)? Was genau machen Sie dort, was ist Ihre „Mission“?Freischütz: Jetzt gehe ich nur einige Jahre zurück. Während seiner Zeit des Wettbewerbsverbots las Herr Paramés die klassischen Investorenbücher erneut, darunter von Peter Lynch, der über 13 Jahre in Folge eine Performance von 29% p.a. erzielte. In seinem Buch stellte Lynch fest, dass keiner der Investoren in seinem Fonds diese Performance persönlich erzielte, da diese den Fonds viel zu viel „handelten“, zu viel Timing betrieben hatten. Dies war eine Offenbarung, denn als Herr Paramés in der Lage war, in den folgenden Jahrzehnten eine Performance von 15% p.a. zu erzielen, sollten seine Anleger in der Lage sein, die gleichen Renditen zu erzielen. Die Spanier sollten also etwas über finanzielle Bildung lernen – das war die Grundidee der Value School. Im Jahr 2017 wurde die Value School gegründet, die vor allem Online-Informationen und -Ausbildung anbot. Ebenso wurden Investmentbücher ins Spanische übersetzt, um den Menschen mehr Bildung in diesem Feld zu bieten. Im Jahr 2019 haben wir einige potenzielle Partner gefunden, um das Modell der Value School in Italien (Value School Italia) zu replizieren, in Zukunft vielleicht in Deutschland mit den Gründern von Value Campus. Andere Projekte, die ich interessant finde, sind valueDACH (Tilman Versch) und Vadevalor, die ebenfalls eine Veranstaltung zusammen mit RankiaPro durchführen werden. Abgesehen davon, dass wir eine ganze Reihe von Online-Kursen gestartet haben, um Menschen mit wenig oder gar keinem Finanzwissen auszubilden, konnten wir – Value School zusammen mit mir – im September 2018 auch Professor George Athanassakos für sein Value Investing-Programm in Madrid gewinnen und haben uns nun mit der Gabelli School of Business zusammengetan, um einen Online-Kurs über Verhaltensinvestitionen nach Spanien zu bringen. Hill: Was würden Sie sich für das Segment der Fondsboutiquen in Spanien wünschen? Haben Sie Erfahrungen mit dem Konferenzbereich in anderen europäischen Ländern?Freischütz: Einer meiner Träume ist es, zur Entwicklung eines viel größeren unabhängigen Vermögensverwaltungssektors in Spanien beizutragen. Gegenwärtig werden etwa sieben Prozent aller AuM von unabhängigen Managern verwaltet, weitere vier Prozent sind ausländische Firmen, von denen einige unabhängig sind und andere nicht. Langfristiges Ziel ist es, dass das Fondsangebot in Spanien letztendlich genauso sein sollte wie zum Beispiel in Großbritannien (70% der Gelder werden von unabhängigen Managern bzw. Fondsboutiquen verwaltet). Aus diesem Grund habe ich schließlich mit der Value School die Zusammenarbeit gesucht, da hier unsere Ziele komplementär erscheinen. Seit 2015 leiten meine Frau und ich die spanische Value Investing-Konferenz Value Spain, die dem Geist des italienischen Value Investing-Seminars folgt. Andere Konferenzen unterstützen wir als Freunde: Die Nordic-Value-Konferenz in Kopenhagen, Smart Vienna in Wien, die Internationale Value Investing-Konferenz in Luxemburg und die tschechische Value-Konferenz in Prag. Wir haben an allen europäischen und einigen US-Konferenzen teilgenommen – die Londoner Value-Investoren-Konferenz, Value X in Klosters und die zypriotische Value-Investoren-Konferenz. In Deutschland waren wir auch auf der VIA-Konferenz von Herrn Stefan Rehder und in Nordamerika haben wir zweimal an der Berkshire Hathaway Annual Shareholder Meeting (der Wiege des Kapitalismus, wie Herr Buffett es

  • Finanzanlagen repräsentieren einen Kredit oder eine Beteiligung am Eigenkapital einer Gesellschaft. Somit sind sie fungibel, aufbewahrbar und handelbar. Dies elektronisch oder althergebracht in Papierform. Rohstoffe dagegen sind physische Güter, deren Produktion, Handel, Transport, Aufbewahrung, etc. mit spezifischen Problemen verbunden ist. Sie sind flüssig, flüchtig, leicht, schwer, voluminös, verderblich. Sie können strahlen, eine hohe/niedrige Wertdichte aufweisen um nur einige Eigenschaften aufzuzählen. Es gibt ja hunderte verschiedener Rohstoffe, wovon aus diesen Gründen nur ein kleiner Teil an einer Terminkontraktbörse gehandelt wird. Die ersten Güter welche als Terminkontrakte in Chicago gehandelt wurden, waren Kartoffeln vor hundert Jahren. Der Rohölkontrakt WTI wurde erst zu Beginn der 80er Jahre eingeführt. Die wichtigsten Produkte des weltweiten Bergbaus sind Eisenerz und Kohle. Eine Tonne Eisenerz kostet 80 USD. Dies ist viel zu voluminös, als es in einer Rohstoffbörse lagern kann. Aus diesen Gründen kann man diese Güter nicht an einer Börse physisch handeln. Urs Marti, Director, SIA Funds AG Einen Rohstoffpreis “abbilden” kann man jedoch nur wenn man den Rohstoff auch physisch besitzt. Dies ist der Grund weshalb die Menschheit seit tausenden von Jahren Gold als Wertaufbewahrungsmittel schätzt. Aufgrund der hohen Wertdichte, der physikalischen Form und wegen ein paar weiterer Eigenschaften ist es dazu ideal geeignet. Selbst bei Gold ist es jedoch nicht ganz einfach. Es besteht das Risiko von Diebstahl, Entwendung und Enteignung. So delegiert man die Lagerung oftmals an andere Leute, Institutionen und mehr oder weniger vertrauenswürdige “Treuhänder” aus. Bei anderen Rohstoffen wird es problematischer. Man braucht ein Tanklager, ein Silo, eine Lagerhalle. Die Güter müssen dorthin befördert werden. Transport und Lagerung können verboten sein (Uran etc.). Diese Lagerkapazitäten sind oftmals sehr klein im Verhältnis zum Verbrauch und zur Produktion. Bei einer Überproduktion ist schnell zu wenig Lagerkapazität vorhanden und es passiert das, was wir aktuell gesehen haben: Rohöl wurde zu einem spezifisch exakten Zeitpunkt, an einem spezifischen Ort im Preis wertlos beziehungsweise negativ bewertet. Natürlich wird das nicht ewig so bleiben, denn die Produktion wird sich anpassen. Niemand produziert langfristig etwas, das keinen Erlös bringt. Dies ist übrigens ein Phänomen, das in anderen Bereichen sehr regelmäßig auftritt. Die Strompreise notieren alle paar Tage negativ. Die Spitzenzeit der Nachfrage findet in etwa von 7.00 Uhr bis 10.00 Uhr statt, ebenso von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr, gerade im Winter. Bei hoher Produktion durch Windenergie findet sich niemand, der übermäßig Strom verbrauchen will und kann. Einzig die Pumpspeicherwerke in den Bergen können von Produktion auf Verbrauch wechseln und das Wasser in die Stauseen hochpumpen. Diese Kapazität ist jedoch klein. Die negativen Strompreise widerspiegeln die Kosten der “Abschaltung” der Überproduktion . Auf n-tv (Nachrichten-Portal) kam aktuell eine Meldung, dass Brauereien nun Fassbier vernichten müssen. Beim Öl kann man nur profitieren, wenn man auch die Lagerkapazitäten hat um gratis den Tank zu befüllen und dann das Öl auf der Terminkurve in einem Jahr höher zu verkaufen. Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Lagerkapazitäten grundsätzlich “gebucht” sind von den physischen Rohwarenhändlern, im Falle von Rohöl-Firmen wie Glencore, Gunvor, Vitol, Trafigura (Beispiele). Solange die Preisstruktur so aussieht wie gegenwärtig, wird ein Finanzprodukt wie ein Öl-ETF niemals Lagerkapazitäten bekommen. Diejenigen, welche die Lagerkapazitäten haben, machen das Geschäfts selbst. Salopp formuliert kann man sagen, daß die Handelsabteilungen der Glencores der Welt das Geld verdienen, welches die Investoren in Öl-ETFs verlieren. Die größte Tankerfirma der Welt gehört Herrn Frederiksen, er hat sein Geld auf diese Weise verdient. Mittlerweile gehört knapp 10% der Firma Trafigura. Solange die Terminkurve des Ölmarktes so aussieht wie zum aktuellen Zeitpunkt, sprich die Lagerung von Öl ein gewinnbringendes Geschäft ist, werden die Trafiguras der Welt das selbst machen. Wenn nun ein Öl-ETF bei jedem Verfall 10-20 USD Rollverlust hat, kann eine solche Investition zu einem Totalverlust führen, obwohl der Ölpreis in einem Jahr schon jetzt nicht tiefer als 35 USD notiert. (Der Autor dieser Zeilen hat diesbezüglich einschlägige Erfahrungen gemacht mit dem größten Nat-Gas-ETF der USA, als Beispiel). Falls man keine Öltanks, Weizensilos und ähnliches hat, besteht die einzige Möglichkeit diese Rohstoffe zu besitzen in Form von Plantagen, Minen, Weizenfeldern, Ölfeldern und Ähnlichem. Das billigste Öl, welches man kaufen kann, stellen die Reserven von Ölfirmen. Natürlich birgt auch dies unzählige Risiken und Probleme. Trotzdem ist es erstaunlich, dass die überwältigende Mehrheit der Investoren solche Rohstofffinanzprodukte einem diversifizierten Rohstoffaktienfonds vorziehen. Philosophisch darf durchaus diskutiert werden ob Maschinen und Algorithmen dem menschlichen Tun stets überlegen sind. Das unendliche extrapolieren von Trends hat sicher seine Berechtigung, aber mit regelmäßigen Abständen funktioniert die Welt nicht linear. Die Überlegungen von Nassim Thaleb stellen hier eine durchaus erheiternde Lektüre dar! SIA Funds AG: https://s-i-a.ch Interview mit Urs Marti: Fondsboutiquen & Private Label Fonds – Rohstoffaktien, Asset Management und Mannheim (Vortrag, 29.1.2020) Foto: www.pixabay.com

  • „We are very patient“ (Jean Marie Eveillard) ist eine Denkhaltung, die viele Fondsboutiquen im Bereich Value Investing verfolgen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Stefan Rehder, Geschäftsführer und CIO des Vermögensverwalters Value Intelligence Advisors, über die Bedeutung von Faktoren wie Geduld, Langsamkeit, Risikomanagement, Lernfreude und die Einordnung von Investmentstilen – interessante Köpfe in diesem Bereich: Jean-Marie Eveillard, Warren Buffett, Bruce Greenwald, Benjamin Graham. Herr Rehder sprach zudem über die Bedeutung von „Antennen“ (Makroökonomie, Politik etc.) im Bereich Portfoliomanagement sowie über die Rolle von Family Offices als Value-Investoren. Hill: Wie würden Sie Ihren Investmentansatz beschreiben? Rehder: Ich bin der Überzeugung, dass in der Vermeidung von Verlusten der Schlüssel zu langfristig attraktiven Renditen am Aktienmarkt liegt.  Geprägt wurde ich diesbezüglich unter anderem von Jean-Marie Eveillard, einem der erfolgreichsten globalen Value Investoren. Die Umsetzung seiner wertorientierten „Slow & Steady“-Investmentphilosophie ist vergleichsweise anspruchsvoll, da sie sowohl dem Fondsmanager als auch dem Fondsanleger sehr viel Geduld abverlangt. Sich vorsichtig und im Schildkrötentempo vorwärts zu bewegen ist nicht jedermanns Sache, insbesondere in Bullenmärkten. Im aktuellen Umfeld wird die Sinnhaftigkeit dagegen schneller transparent. Hill: Wo sehen Sie den Unterschied zu anderen Value-Ansätzen? Rehder: Stilistisch bewegen wir uns am Buffett-Ende des Value-Spektrums. Wir investieren gern in Qualitätsunternehmen mit Preissetzungsmacht und haben wenig Berührungsängste mit Wachstum, sofern es durch Markteintrittsbarrieren geschützt ist. Unsere Unternehmensanalyse basiert auf den Lehren unseres Mentors Prof. Bruce Greenwald, der Buffetts Stil der Unternehmensbewertung über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg an der Columbia Universität gelehrt hat. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu anderen Value-Ansätzen liegt im Umfang des Risikomanagements. Aus der Organisationslehre weiß man, dass Unternehmen dann besonders widerstandsfähig sind, wenn sie über zahlreiche Antennen in die Umwelt verfügen. Die Konstruktion eines widerstandsfähigen Portfolios interpretiere ich ähnlich. So sind für mich auch Makro-, Nachhaltigkeits- oder politische Analysen potentiell wichtige Antennen im Rahmen des Risikomanagements. Stefan Rehder (Value Intelligence Advisors), Markus Hill – Auf.Den.Punkt., AMPEGA, Köln, 2019 (Foto MH Services) Hill: Hat sich das Value Investing Ihrer Ansicht nach verändert? Rehder: Ja und nein. Seit Benjamin Graham versuchen Value Investoren Wert und Preis eines Unternehmens strikt voneinander zu trennen. Bei der Wertermittlung orientieren sie sich an durchschnittlichen zukünftigen Bedingungen. Die Herausforderung der Gegenwart besteht darin, dass die Welt sich in einem Paradigmenwechsel befindet und Mean-Reversion in vielen Fällen keine Gewissheit mehr ist. So ändern sich in zahlreichen Branchen die Spielregeln grundlegend. Gleichzeitig vertrete ich die These, dass die Politik des billigen Geldes Angebot und Nachfrage in diversen Industrien massiv positiv beeinflusst hat. Die Antwort auf die Frage, ob zum Beispiel die Gewinnmargen der letzten 10 Jahre repräsentativ sind, ist komplexer geworden. Hill: Value Investing und Family Offices – welche Rolle spielt diese Fondsselektoren-Gruppe für Sie und Ihre Fonds? Rehder: Family Offices bilden mit einem ca. 40% Anteil am verwalteten Vermögen unsere größte Anlegergruppe. Dies ist insofern wenig überraschend, da der Fokus auf den Kapitalerhalt hier besonders stark ausgeprägt ist. Die Kunden der Family Offices sind häufig Unternehmer, die hart für ihr Geld gearbeitet haben. Sie streben weniger nach maximaler Rendite als vielmehr danach, von den langfristigen Renditevorzügen der Aktie mit vergleichsweise niedrigem Risiko zu profitieren. Wir haben das große Glück gehabt Family Offices zu finden, die unserem Ansatz vertrauen und langfristig denken.                                                                                                                                         Hill: Wenn Sie auf die Gründung Ihrer Firma zurückblicken – welche Dinge haben Sie gelernt? Rehder: Das Schöne an meinem Beruf ist es, dass man jeden Tag etwas dazulernen kann. VIA wurde 2009 gegründet, der erste Fonds wurde im Mai 2010 aufgelegt. Nachdem ich zuvor für unterschiedliche Banken tätig war, habe ich es als Geschenk empfunden, Value Investing völlig unabhängig von den Vorgaben anderer umsetzen zu können. Über die Jahre hinweg musste ich lernen, dass ein Ansatz der langfristig sehr viel Sinn macht, trotzdem nicht zwangsläufig zu jedem Kunden passt. Inzwischen habe ich verstanden, dass es Zeit braucht unsere Allwetter-Fonds zu etablieren. Letztendlich müssen neben dem Prozess auch die Ergebnisse überzeugen.   Hill: Was lesen Sie zurzeit? Womit beschäftigen Sie sich derzeit intensiver? Rehder: Das aktuelle Investmentumfeld ist nach meiner Einschätzung sehr komplex und anspruchsvoll. Insofern gibt es im Moment jede Menge Arbeit und vergleichsweise wenig Zeit die Gedanken schweifen zu lassen. Im April haben wir unser Team um einen weiteren Mitarbeiter ausgebaut, womit ich persönlich noch mehr Zeit habe mich um das zu kümmern, was ich am liebsten tue: Weltweit nach attraktiven Unternehmen zu suchen und mich in interessante Geschäftsmodelle einzuarbeiten. Zudem beschäftige ich noch intensiver als sonst mit der Top-Down-Perspektive. Ich denke wir leben in außergewöhnlichen Zeiten in denen Volkswirtschaften gravierende Anpassungsprozesse durchlaufen, die auch die Unternehmensebene nachhaltig beeinflussen werden. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. —— https://www.edudip.com/de/webinar/stuttgarter-fondsmanagerrunde/149790 FONDSBOUTIQUEN & MÜNCHEN:https://www.via-value.de/de/ Foto: www.pixabay.com

  • „Courage ist gut. Ausdauer ist besser. Ausdauer, das ist die Hauptsache“ (Theodor Fontane). Ob bei liquiden oder nicht-liquiden Fondsprodukten – bei der Seed Money-Suche kann es unter Umständen einen sehr langen Atem erfordern, um zum Ziel zu gelangen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Norbert Wolk von dem Startup-Unternehmen Barbarossa asset Management über die praktischen Erfahrungen bei der Investoren-Ansprache, Herausforderungen und über die besondere Bedeutung des Faktors Resilienz in turbulenten Börsenzeiten. Hill: Mit welchem Fondsprojekt beschäftigen Sie sich derzeit intensiver? Wolk: Wir als Barbarossa asset management planen die Auflegung eines Stiftungsfonds als Initiator und Berater. Dieser Fonds soll ein Mischfonds sein, die Renditen kommen hauptsächlich über Aktien und Risikoprämienstrategien, wobei der komplette Investmentprozess über ein systematisches Handelsmodell erfolgt. Im Gegensatz zu vielen „neuen“ Fondsinitiatoren steht hinter diesem Modell ein Manager, der schon einen längeren Track Record und einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Branche besitzt – es ist kein Konzept, was nur auf Backtesting beruht. Während der aktuellen Krise hat sich die Systematik erneut bewährt. Wie der Name „Stiftungsfonds“ sagt (Nomen est Omen) soll er an die Bedürfnisse einer Stiftung ausgelegt sein. Für eine Stiftung ist zum einen eine regelmäßige Ausschüttung sehr wichtig (am besten quartalsweise), um den Stiftungszweck auch erfüllen zu können. Zum anderen muss der Fokus auch auf das Thema Risikomanagement gelegt sein, um extreme Drawdowns zu vermeiden. Der Kapitalstock soll ja möglichst nicht angegriffen werden. Dies gilt natürlich nicht nur für Stiftungen, sondern alle, denen diese Themen am Herzen liegen. Norbert Wolk, Geschäftsführer der Barbarossa asset management GmbH Hill: Wie würden Sie Ihre Erfahrungen bei der aktuellen Suche nach Kapital beschreiben? Wolk: Wir sind ja gerade erst seit 8 Wochen gegründet, die Ansätze, wie und in was der Fonds investiert, stehen aber schon viel länger. Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden, das dauert halt etwas länger. Vor allem das Thema Seedmoney-Suche erweist sich als wirklich schwer und zeitaufwendig. Es ist ja nicht so, dass wir kein Netzwerk haben, aber trotzdem muss ich immer wieder feststellen, dass die Investoren sehr zurückhaltend sind. Ich glaube kaum, dass es an der aktuellen Corona-Krise liegt, sondern es ist wohl ein allgemeines Phänomen. Nach dem Motto: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“. Dann kommen immer so Fragen wie: „Gibt es denn ein Backtesting?“ Und dann sage ich: „Naja, wenn Sie die Kosten des Backtestings übernehmen wollen, dann mache ich das gerne“, zu Mal das Grundkonzept unseres Fonds auf dem praktischen Track Record unseres Managers beruht. Wir arbeiten mit Risikoprämien und fragen Sie mal an der Börse, was historische Daten kosten. Da schlackern Sie nur so mit den Ohren. Das ist nicht machbar. Wünschen würde ich mir auch etwas mehr Empathie; damit meine ich, dass man als „Suchender“ auch ernst genommen wird und nicht als lästige Schmeißfliege. Dazu gehört für mich auch so etwas wie eine Beantwortung von einer Mail. Diese Antwort kann ja gerne auch sehr kurz sein, aber das gehört einfach zum guten Ton. Beispielsweise habe ich aktuell 97 Vermögensverwalter angeschrieben, lediglich sechs von diesen haben mir eine Antwort geschickt. Da ist also noch viel Luft nach oben. Das Gute an der aktuellen Seedmoney-Suche ist aber das Kennenlernen von neuen Menschen. Da ich ein Rheinländer bin, liegt es auch in meiner Natur, dass mir das Spaß macht. Aber mal einen Erfolg zu haben würde auch nicht schaden. Wenn dann der Fonds einmal steht, hat man dann natürlich schon eine Menge an Vorarbeit erbracht und man hat dann „warme“ Kontakte. Hill: Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Herausforderungen bei Ihrem Projekt? Wolk: Die Herausforderungen in dem ganzen Seedmoneysuch-Prozess liegt sicherlich darin, nicht aufzuhören. Wir haben so ein tolles Produkt, da bin ich mir zu 100% sicher, dass das auch letzten Endes zum Erfolg führen wird. Man braucht halt, wie sagte Oliver Kahn so schön, „dicke Eier“. Man darf sich auch nicht frustrieren lassen, wenn man den x-ten Grund hört, warum es nicht klappt. Auch haben wir uns überlegt, was denn einen potentiellen Seedmoney-Geber noch interessieren könnte und so haben wir uns entschieden, eine Firmenbeteiligung abzugeben, um das Paket attraktiver zu gestalten. Man sollte halt immer aus dem Blickwinkel des anderen schauen, um letzten Endes auch Erfolg zu haben. Hill: Was sind Ihre weiteren Schritte und Erwartungen im weiteren Prozess? Wolk: Ich freue mich, jeden Morgen aufzustehen und mit viel Elan den Tag anzugehen. Denn jeder Tag ist ein Geschenk Gottes, und genauso sollten wir das auch sehen. Immer positiv denken. Mittlerweile haben wir einem möglichen Seedmoney-Geber auch eine Beteiligung an Barbarossa asset management in Aussicht gestellt. Ich suche einen zuverlässigen Partner, der genau wie wir motiviert ist und erkennt, welche Chancen wir haben. Ganz nach Antoine de Saint-Exupery: Nicht nur einander ansehen, sondern in die gleiche Richtung schauen. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. —————- Barbarossa asset managment: https://www.barbarossa-am.de Input, Ideen, Anregungen zum Themenkreis „Seed Money“ und Fondsboutiquen im liquiden und nicht-liquiden Fondsbereich sind immer willkommen: redaktion@fondsboutiquen.de Weitere interessante Artikel: Family Offices und Fondsboutiquen – Off Market-Deals und Face-to-Face versus Startup und Digitalisierung?„Wie viele andere Family Offices finden auch wir, dass es in Deutschland eine ganze Menge wirklich guter Fondsboutiquen mit interessanten Strategien und sehr talentierten Fondsmanagern gibt“Stiftungen, Vermögensverwalter und die Königskinder Foto: www.pixabay.com

  • Viele Fondsboutiquen besitzen eine ausgeprägte Expertise und Leidenschaft im Bereich Value Investing: „Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten“ (Aristoteles). Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Dominikus Wagner, Gründer der Bonner Vermögensverwaltung Wagner & Florack, über Ownership Approach, Skin-in-the-Game und auch über die Auswahlkriterien eines Vermögensverwalters beim Einsatz von Boutiquen in Kundenportfolien. Thematisiert wurden ebenso Themen wie Bilanzanalyse, „buffettscher Burggraben“ und die Bedeutung von Charlie Munger für Value-Investments. Hill: Es gibt viele interessante Ansätze von Fondsboutiquen im Value-Investing-Segment. Wie würden Sie Ihren Investmentansatz beschreiben? Wagner: Konzentration auf das unternehmerisch Wesentliche. Deshalb gilt es für uns, die Geschäftsmodelle und die Bilanzen von Unternehmen zu analysieren und wirklich zu verstehen – und zwar beides aus einem unternehmerischen Blickwinkel. Wir investieren mit einer unternehmerischen und langfristigen Sichtweise in Aktien cash-flow starker, beständig wachsender Unternehmen. Diese Unternehmen verdienen langfristig immer sehr gut, auch in einer Rezession. Uns ist es wichtig, dass die Unternehmen wenig Kapital einsetzen müssen, hohe zuverlässige Skaleneffekte haben und eine herausragende Kapitalverzinsungen schaffen. Und die Unternehmen müssen robuste und stabile Wettbewerbsvorteile haben, also den buffettschen Burggraben. Dominikus Wagner (Wagner & Florack), Markus Hill – Auf.Den.Punkt., AMPEGA, Köln, 2019 (Foto MH Services) Hill: Wo sehen Sie den Unterschied zu anderen Value-Ansätzen? Wagner: Wir nennen unseren Stil „Value-Investing nach Munger“. Wenn ein Target, an dem wir beteiligt sein möchten, zu einem Preis -inklusive eines Sicherheitsabschlags- unter dem Wert der Firma zu haben ist, kaufen wir. Niedriger Fair Value abzgl. Sicherheitsabschlag bedeutet übrigens fast nie, dass wir zu vermeintlichen oder tatsächlichen Billigstbewertungen kaufen, wie früher Buffetts Lehrmeister Graham, der von der Great Depression der 30er Jahre beeinflusst war, als viele Firmen deutlich unter ihren bilanziellen Buchwerten valutierten. Buffett hat in seiner Zeit ohne Munger auch oft versucht, derart (vermeintlich) günstige Aktien zu finden. Das war selten erfolgreich, wie Buffett eingeräumt hat. Munger hingegen hat von Fisher gelernt, dass vermeintliche Billigst-Firmen oft zu Recht billigst zu haben sind. Weltklasse-Firmen mit stets niedrigem Kapitalbedarf und hohen Skaleneffekten und deshalb robust hohen Margen und hoher Kapitalverzinsung, mit robusten Burggräben, starken Marken und Preissetzungsmacht werden immer etwas höher oder ausgeprägt höher bewertet sein. Dennoch muss der Preis unter dem Wert liegen. Und gelegentlich liegt der Wert von Top-Firmen deutlich über ihrem Preis, z.B. in der Baisse wie aktuell, oder wenn Analysten „enttäuscht“ sind von guten Geschäftszahlen, weil sie noch mehr erwartet hatten, und automatische Handelssysteme, Trader und Ängstliche verkaufen. Munger hat Buffett klargemacht, dass solche Firmen langfristig bessere Investments sind als reine „Graham-Firmen“. Value-Investing nach Munger ist also kein Graham-Investing, sondern ein fokussiertes, langfristiges Investieren in Weltklasse-Qualitätsfirmen, die zu einem Preis unter ihrem Wert zu kaufen sind, und dieser Preis wird in der Regel höher sein als bei Aktien, die zu Recht billig sind. Hill: Wen sehen Sie als Ihre Konkurrenten bzw. als Ihre direkten Mitbewerber an? Wagner: Konkurrenzdenken kenne ich nur vom Sport her, ansonsten ist es mir fremd. Wir konzentrieren uns auf uns. Wir müssen weiterhin unsere Hausaufgaben konsequent erledigen, dann kommt der Rest von selbst. Hill: Was sind die „Hausaufgaben“ und was meinen Sie mit „Rest“? Was sind Ihre Ziele? Wagner: Geschäftsberichte, Investorenpräsentationen, Äußerungen guter Manager lesen, dann übers Geschäft und die Bilanzen der Firmen und deren Wettbewerber intensiv nachdenken.  Und zwar beides unbedingt und ausschließlich mit kritischem, unternehmerischem Verstand. Geschäftsmodelle verstehen, über Risiken des Geschäfts und die Burggräben nachdenken und deren Veränderung verstehen. Dabei ist es uns extrem wichtig, dass man genau untersucht, wie ein Geschäft in der Rezession läuft und welche anderen schwerwiegenden Probleme auftauchen können. Auch Burggräben verändern sich, darüber nachzudenken, was die Folgen sein könnten, ist zentral. Bei der quantitativen Analyse ermitteln und schauen wir uns nur die Kennzahlen an, die aus unternehmerischer Sicht Relevanz haben. Letztlich muss man eine Gesamtschau von Geschäftsmodell und gesamter Bilanz machen, um ein Unternehmen vernünftig einschätzen und bewerten zu können. Macht meine seine Hausaufgaben stetig und gründlich, dann ergibt sich der „Rest“ – man vermeidet unnötige Fehler, schafft durch die Beteiligung an Firmen, die immer gutes Geld verdienen, hohe Investitionssicherheit und wird langfristig mit einer hohen Performance belohnt, weil die Firmen nicht nur verlässlich, sondern auch stark wachsen. Hill: Und was sind die Ziele für den Fonds hinsichtlich des Volumens? Wagner: Wir sind und bleiben da ganz bodenständig. Ich möchte aber schon, dass sich die Traktion, die wir in puncto Investmentprozess und Performance auf die Straße bringen, auch ansatzweise im Volumen widerspiegelt. Wir liegen aktuell bei gut 75 Mio. nach ca. 30 Mio. vor gut einem Jahr, wir haben bisher aber sehr wenig vertrieblich bzw. für die Außenwahrnehmung unternommen, sind aber gerade dabei, das behutsam zu ändern. Wir haben diesbezüglich Geduld, auch wenn es manchmal schwerfällt. Hill: Der Fonds soll langfristig und insbesondere in schwachen Marktphasen die Anleger überzeugen, die aktuelle Phase war herausfordernd für viele Value-Manager. Liegt es bei Ihnen am Risikomanagement, an gutem Timing oder was sind die Hauptgründe für Erfolge in diesem Bereich? Wagner: Am Timing liegt es nicht, wir waren und sind im Unternehmerfonds voll investiert. Und ja, Risikomanagement? Unser Risikomanagement ist die stetige und gründliche Erledigung der oben erwähnten Hausaufgaben. Und:  Robuster Cash Flow und eine gesunde Bilanz ist die beste Downside Protection beziehungsweise das unseres Erachtens beste Risikomanagement. Unsere Portfoliounternehmen sind auch nicht von der Insolvenz bedroht, während ein beachtlicher Teil der börsennotierten Firmen in einem rauem bis sehr rauem Umfeld latent „pleitegefährdet“ ist. Von daher werden wir unserem eigenen, obersten Ziel gerecht, nämlich langfristig kein Geld zu verlieren. Hill: Apropos kein Geld verlieren – sind Sie mit eigenem Geld im Fonds investiert? Wagner: Ja, klar. 100% meines mittel- bis langfristig zur Verfügung stehenden Kapitals. Auf die 100% bezogen, bedenken Sie bitte: Der Arzt oder Apotheker medikamentiert sich auch ein wenig anders als den Patienten! Hill: Können Sie nur Krisen, oder funktioniert der Ansatz auch in Zeiten freundlicher Märkte? Wagner: Wir haben gezeigt, dass wir auch in freundlichen Marktphasen Outperformance genieren. Und das wird auch in Zukunft so sein müssen, weil es ökonomisch zwingend ist. Unternehmen mit niedrigem Kapitalbedarf und hohen Skaleneffekten haben dauerhaft hohe und fast immer wachsende Margen, eine hohe Bilanzqualität und eine hohe Kapitalverzinsung,

  • Themen wie ESG, SRI, Impact Investing und Fondsboutiquen haben Langfristcharakter. Vor dem Hintergrund von COVID-19 scheinen sich Prioritäten in der aktuellen Diskussion zu verschieben. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Anton Bonnländer, Advisor für die Bank für Sozialwirtschaft AG, über die aktuelle Situation und Impressionen bei Produktentwicklung, Due Diligence und Fundraising im Bereich nachhaltiger Investments. Themen wie Seed Money, Skin-in-the Game, Kitesurfen, Rockbands und Social Distancing runden hier das gegenwärtige Stimmungsbild ab. Hill: Die aktuelle Diskussion kreist sehr stark um COVID-19, die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sowie auf die Börsen dieser Welt. Niemand kann heute die Auswirkungen dieser Pandemie greifen. Dies impliziert eine sehr monothematische Sicht auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft und führt ebenfalls zu einer wahrnehmbar abnehmenden Risikobereitschaft im Anlagebereich. Inwieweit ist damit das Thema ESG und Impact Investment überhaupt noch aktuell? Vor allem, bricht die gerade angesprungene Attraktivität, die auch zu vielen Neuausrichtungen bei den Produktanbietern geführt hat, wieder in sich zusammen? Bonnländer: Interessant ist schon, wie die Corona-Pandemie derzeit alle anderen Problemthemen in der öffentlichen Diskussion scheinbar mühelos verdrängt. Ich sage ganz bewusst „scheinbar“, denn tatsächlich schärft die aktuelle Notsituation den Blick vieler auch auf andere Krisenherde: Unterfinanzierungen/Strukturschwächen im Gesundheitswesen, Unzulänglichkeiten der digitalen Infrastruktur, Resilienz-Defizite bei Versorgungs- und Lieferketten, notwendiges Umdenken bei Transportsystemen und Mobilitätsgewohnheiten, Unstimmigkeiten im Sozialsystem – um nur einige Themen zu nennen. Interessanterweise führt der „Shutdown“ in den großen Volkswirtschaften zu einer Verbesserung der „Umweltqualität“, zu einem anderen Blick auf die „Welt nach der Pandemie“. Dieser Sachverhalt geht einher mit der Frage „Lassen sich die finanziellen Mittel, die jetzt zur Krisenbewältigung eingesetzt werden, nicht auch mit einer nachhaltigen Investition verknüpfen?“ Ich meine, der Blick auf die eine Katastrophe eröffnet auch Erfindungsgeist und soziale Motivation, wie man andere Problemfelder quasi in einem Zug mit bewältigen könnte. Weltweit wird hier sehr viel Kapital verfügbar gemacht, das vorher von der Politik, wenn überhaupt, eher nicht für sinnvolle Investitionen verplant wurde. Von daher ist das Thema ESG und Impact Investing hochaktuell. Wir werden mit der Pandemie klarkommen, sie wird abschwellen. Die gravierenden ökologischen, sozialen und ökonomischen Fragen, die in den 17 SDGs der UN erfasst sind, bleiben aktiv und wollen gelöst werden. Die globale Betroffenheit durch die Pandemie baut vielleicht auch die erforderlichen Brücken, hier auf internationaler Ebene stärker zusammen zu kommen. Also, erstens – es wird Kapital fließen und zwar in neue Investitionsfelder mit Renditeperspektiven. Strukturkrisen waren auch immer Chancen. Und zweitens: Hinsichtlich der Kapitalmärkte bietet die Krise für mich als „Anlagemensch“ die Chance, die Resilienz von nachhaltigen Anlagelösungen bei exogenen Schocks im Vergleich zu konventionellen, rein renditegetriebenen – und oft umweltschädigenden – Investitionsmöglichkeiten zu analysieren. Erste Ergebnisse zeigen mir, dass ESG-Investments zumindest nicht stärker fallen als der Markt, viele ESG-Portfolios verloren sogar deutlich weniger. Sobald ich das hinreichend verifiziert habe, werde ich meine Ergebnisse zugänglich machen. Anton Bonnländer betreut als Advisor für institutionelle Anlagelösungen die Bank für Sozialwirtschaft AG (BFS). Er ist 55 Jahre alt und Vater von zwei Töchtern und ehrenamtlich als Beirat der Hilde-Ulrichs-Stiftung in Frankfurt am Main tätig. Hill: Sie haben als Bank, „ESG-Boutique“, vorwiegend nachhaltige Publikumsfonds im Angebot. Gleichzeitig entwickeln Sie Impact-Investments für den kleineren Kreis, für professionelle und semi-professionelle Investoren. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt? Welche Hinweise und Tipps können Sie bei der Produktkonzeption geben? Welche Fehler sollte man vermeiden? Bonnländer: Spannende Frage! Auch hier zeigt Corona wie im Brennglas die schon vorher bestehende Notwendigkeit zum Beschreiten neuer Wege auf. Wir betrachten uns auch als eine Art ESG-Boutique, viele Fondsboutiquen in dem Segment stellen sich in Köln im Bereich Fondsselektion vor. Klinkenputzen, Besuchstermine bei großen potenziellen Investoren in der Startphase einer neuen Produktidee, um Seed Money einzusammeln, sind derzeit schlicht nicht möglich, ja sogar verboten. In der Bank für Sozialwirtschaft war ich einige Jahre auch auf der Seite des „Produktentscheiders“. Da werden Sie mit Terminwünschen überhäuft, lästige Präsentationen werden geschickt und die Rollen sind meist von vorneherein klar verteilt. Diese Gespräche sind meist von „Verkaufs-Druck“ statt von „Interesse-Sog“ geprägt. Selten gelang es den Gesprächspartnern, dies umzukehren. Derzeit ist also die digitale Kommunikation das Gebot der Stunde! Damit kann ich „Sog“ erzeugen. Aufmerksamkeit auf das eigene Haus lenken, ohne gleich in lästige Werbetrommelei zu verfallen. Informationen mit Mehrwert für den Informationsempfänger zur Verfügung stellen – das baut Kompetenz, USPs und Neugier auf den Gesprächspartner auf. Je komplexer die Produkte werden, umso wichtiger sind auch notwendige Vorarbeiten. Pre-Market-Sounding sollte sich auch auf die Situation eines potenziellen Investors fokussieren. Was sucht mein potenzieller Partner? Welche Regulatorik muss er einhalten? Welches Anlagevehikel ist für ihn am leichtesten investierbar? Wieviel administrative Energie kostet den Investor meine Produktidee? Wie kann ich seinen Neue-Produkte-Prozess erleichtern? Welche Argumente kann ich für die hausinterne Produktdiskussion zur Verfügung stellen? Braucht er wirklich den 17. Rentenfonds, der im Euroraum investiert? Auch das ehrliche Aufzeigen von Produktnachteilen in bestimmten Marktphasen zeigt Transparenz und schafft Vertrauen. Weitere vertrauensbildende Maßnahmen sind eigenes „Skin-in-the-Game“ oder nationale beziehungsweise supranationale Garantiegeber, die das Investitionsrisiko mindern. Interessant sind auch produktferne Informationen, die Gemeinsamkeiten in der Firmenphilosophie aufzeigen, die besondere Kompetenzen untermauern, Track-Records bei anderen Produkten, das Aufzeigen von positiven Veränderungen in eigenen Prozessen. Auch Information-on-Demand und nicht produktbezogene Calls-to-Action bilden Nähe und damit die Basis für erfolgreiche persönliche Gespräche. Derzeit finden diese eher in Webinar-Format oder über Videokonferenzen statt. Persönlich bin ich gespannt, wann wir endlich wieder Roundtables, Face-to-Face-Gespräche, Konferenzen und Kundenveranstaltungen durchführen können. Das fehlt mir persönlich in der heutigen Zeit am meisten! Ich mache das gerne, ich habe gerne Menschen um mich – je mehr je besser. Mir fehlt der persönliche Austausch schon sehr. Gerade bei Veranstaltungen mit kritischen Zuhörern und den anschließenden Diskussionen über Details habe ich oft viele Anregungen mitgenommen. Das hilft uns ja auch, bei bestimmten Details nachzuschärfen, wenn wir neue Produktideen entwickeln. Hill: Was machen Sie persönlich „an Tagen wie diesen“, um eine Liedzeile der Toten Hosen zu zitieren? Die soziale Distanzierung führt ja bei vielen Menschen zu großen Veränderungen im persönlichen Umfeld. Was beschäftigt Sie derzeit intensiver? Bonnländer: Ich kite sehr gerne und spiele in einer Rockband. Von daher bauen Sie mir mit den Toten Hosen eine schöne Brücke

  • Fondsboutiquen haben im Laufe der Jahre im stärker an Popularität gewonnen. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit David Gamper, Geschäftsführer des LAVF Liechtensteiner Anlagefondsverband, über die Auflage von Private Label Fonds. Im Rahmen des Interviews wurden auch die Bedeutung der deutschen Fondsinitiatoren für den Finanzplatz sowie über Themen wie AIFM, Steuertransparenz und Strategie. Hill: Welche Vorteile bietet der Standort Liechtenstein für die Auflage von Private Label Fonds? Gamper: Der größte Vorteil liegt in den schnellen Prozessen. Bei den Anbietern ist das aufgrund der hohen Dienstleistungsorientierung fast selbstverständlich, aber es ist eben auch bei der Finanzmarktaufsicht gegeben. Fondsverwaltungsgesellschaften und AIFM aber auch Fondsinitiatoren bekommen bei Bedarf innerhalb weniger Tage einen Gesprächstermin, so können viel Fragen bereits im Vorfeld von Gesuchen geklärt werden. Dies erleichtert das Arbeiten sowohl bei der Auflage von Fonds als auch in der laufenden Administration. Im Gegensatz zu anderen Standorten schätzt die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein diese Abklärungen, denn auch sie hat dann bei den schriftlichen Gesuchen weniger Aufwand. Seit der Gesetzesreform am 1. Februar 2020 müssen Alternative Investment Funds (AIF) nicht mehr zugelassen werden, es reicht aus, wenn sie der Finanzmarktaufsicht angezeigt werden. Trotzdem sind AIF beaufsichtigt und geprüft, von diesem Qualitätsstandard will man in Liechtenstein nicht abweichen. Wird ein AIF vertrieben, so ist eine Vertriebsanzeige notwendig, die die Finanzmarktaufsicht in der Regel innerhalb von 4 bis 5 Tagen bestätigt. Somit ist eine sehr kurze Time-to-Market gewährleistet. Zu erwähnen ist sicherlich auch, dass Fonds in Liechtenstein von allen Steuern befreit sind. Der Anleger muss also nur die Steuern in seinem Heimatland berücksichtigen. Hill: Wie attraktiv ist der deutsche Markt für Liechtenstein? Gamper: Deutschland ist nach der Schweiz, die Liechtenstein als Zugang zum Binnenmarkt nutzt, der wichtigste und attraktivste Markt für die Liechtensteinische Fondsbranche. Der Anteil deutscher Initiatoren für Private Label Fonds hat gerade in den letzten 3 bis 4 Jahren überproportional zugenommen. Geschätzt werden am hiesigen Standort vor allem die kurze Time-to-Market, die gute Zusammenarbeit und die sehr konkurrenzfähigen Kosten.Interessant zu beobachten ist, dass in der derzeitigen COVID-19 bedingten Krise zwar das eine oder andere Fondsprojekt verschoben wurde, aber auch sehr viele neue Anfragen kommen, bei manchen Anbietern sogar mehr als vor der Krise. Oft beziehen sich dieser Projekte auf Sachwerte wie z.B. Real Estate. Foto: DAVID GAMPER, David Gamper, Geschäftsführer des LAVF Liechtensteiner Anlagefondsverband Hill: Liechtenstein als Finanzstandort – wie hat sich das Bild im Laufe der Jahre verändert? Gamper: Beim Thema Steuern hat sich Liechtenstein komplett gewandelt. Seit über 10 Jahren verfolgt das Land eine konsequente Steuerkonformitätsstrategie und das zahlt sich aus. Das Global Forum on Transparency and Exchange of Information for Tax Purposes (OECD) hat Liechtenstein im Rahmen der Länderprüfungen bereits 2015 gute Noten ausgestellt und als «Largely Compliant» beurteilt. Liechtenstein verfügt damit bezüglich Steuertransparenz über dieselbe Einstufung wie z.B. Deutschland und Großbritannien. Auch in Sachen Automatischer Informationsaustausch war Liechtenstein von Anfang mit dabei und hat sich der Early-Adopter-Initiative der G5-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien) zur früheren Einführung des AIA angeschlossen. Die liechtensteinischen Finanzunternehmen haben in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufschwung erlebt und punkten heute vor allem mit hervorragenden Dienstleistungen. Hill: Welches Buch lesen Sie zur Zeit? Gamper: Ich habe gerade zwei Bücher nach längerer Zeit wieder einmal gelesen. „Fish! Ein ungewöhnliches Motivationsbuch“ von Stephen C. Lundin, Harry Paul und John Christensen und „Die Max-Strategie“ von Date Dauten. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. *) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info@markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com David Gamper ist Geschäftsführer des LAFV Liechtensteinischer Anlagefondsverband, der offiziellen Interessenvertretung der Liechtensteinischen Fondsbranche. Der LAFV macht es sich zur Aufgabe, die Entwicklung des Fondsplatzes Liechtenstein zu fördern und dadurch dessen Attraktivität für Fondsanbieter und Anleger weiter zu verbessern. VERBAND: https://www.lafv.li/DE/Home/Dash Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Selbst heute finden es die meisten von uns unmöglich, mehr als 150 Individuen wirklich zu kennen, ganz gleich, mit wie vielen Facebook-Freunden wir uns brüsten“ (Yuval Noah Harari, 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert). Xing, LinkedIn, Facebook und mehr – die Ökonomie der Aufmerksamkeit gilt auch für die Asset Management-Industrie. Liegt in der Digitalisierung die Zukunft der Kommunikation in diesem Bereich? Fondsboutiquen und Berufung Konzernunabhängige Unternehmer im Asset Management-Segment werden oft als Fondsboutiquen bezeichnet. Besondere Merkmale dieser Asset Manager sind in der Regel Unabhängigkeit von Konzerninteressen (U), ein hoher Spezialisierungsgrad und „Skin in the Game“ sowie die Eigenschaft der Authentizität (A): Diese Unternehmer sind Überzeugungstäter, „brennen für ihre Sache“. Sie lieben, was sie tun – eine gewagte Behauptung an dieser Stelle: Viele sind keineswegs primär pekuniär motiviert, monetäre Kompensation stellt eher eine Form von Hygienefaktor dar – im Sinne von: „Ein exzellenter Job wird zu Recht exzellent honoriert!“ Digitalisierung und Information Overflow Soziale Netzwerke stellen eine gute Möglichkeit dar, mit persönlich bekannten wie unbekannten Marktteilnehmern (Fondsmanager, Vertrieb, Investoren) in Kontakt zu kommen und in Kontakt zu bleiben. Sie ersetzen jedoch nicht den persönlichen Kontakt, Stimme, Körper, Mimik. Dieser Sachverhalt wird vielleicht manchmal etwas zu wenig betont. Man kann Kontaktdaten austauschen, durch Postings und andere Aktivitäten über lange Zeit mehr oder weniger in „passiver“ Verbindung mit einer großen Anzahl von Menschen bleiben. Man kann den Eindruck gewinnen, dass bei komplexeren Dienstleistungen der Begriff Social Selling kommunikativ in eine „Schieflage“ führen kann. Warum? Content mit Fachinformation wird oft als ein Angebot, natürlich auch mit der Option „Nichtbeachtung“, betrachtet. Wird jedoch diese Art des Verkaufens über die Schiene „Abladen von Produktpromotion“ betrieben, werden oft zwangsläufig Erwartungen enttäuscht werden. Mit dem Wachsen der Plattformen in diesem Bereich „schreien“ sich die Anbieter von Promotionen oft selbst nieder, da die Kanäle mit Sales-Info so überfüllt erscheinen, dass viele Investoren weder Zeit noch Energie haben, diese Informationsflut zu bewältigen. „Back to the roots“ – Chancen für die analoge Welt Im Bereich der Roboadvisor-Anbieter erscheint die anfängliche Euphorie etwas abgeklungen. Mittlerweile besteht wieder das Verlangen nach persönlichem Kontakt in der Beratung. Neben Enttäuschung im Bereich Performance erscheint der Markt zu fragmentiert. Diese Fragmentierung gibt es im Bereich der Fondsboutiquen ebenso. Eine Stärke, die Nicht-Normierung, das heterogene Angebot von Persönlichkeiten, Investmentansätzen und Asset-Klassen bietet reichlich Content der fachlichen Art, welcher auf Investorenseite oft als bereichernd empfunden wird: Bei Investorenveranstaltungen und Managergesprächen gilt immer noch: Der Mensch kommuniziert gegenwärtig immer noch lieber mit Menschen, als sich durch Menüs zu klicken. Vielleicht wandelt sich dieses Verhalten in Zukunft. Jedoch: Die Alternative zur digitalen Neutralisierung im Bereich Soziale Medien wie auch im Bereich Mailings besteht für viele Anbieter immer noch im persönlichen Kontakt mit dem Investor, mit dem Nachteil im Bereich Skalierbarkeit: Beziehung lässt sich nicht auf Knopfdruck herstellen. Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) als „Kommunikations-Hubs“ Veranstaltungsformate von KVGen (Ampega, Axxion, Hansainvest, Universal Investment etc.) zeigen, dass der persönliche Kontakt in Zeiten der digitalen Übersättigung zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Digitale Formate sind hilfreich, erscheinen jedoch limitiert durch das Bedürfnis nach Bequemlichkeit und die Kapazitätsgrenzen in der Informationsaufnahme seitens der Kunden. Häuser, die hier kreativ den Dialog zwischen Fondsinitiator und Investor fördern, erschaffen sich hier auch Verhandlungsmacht bei Fondsprojekten („Added Value“). Beide Welten ergänzen sich, ersetzen sich jedoch nicht. Im Sinne von: Es geht weiterhin nichts über einen gepflegten persönlichen Gedankenaustausch! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Auch bei Rohstoffen sind viele Fondsboutiquen als aktive Manager begehrte Ansprechpartner bei Investoren. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Urs Marti, Partner bei SIA Funds AG, einer Value Boutique aus der Schweiz. Urs Marti und Alex Rauchenstein werden gemeinsam am 29.1.2020 in Mannheim einen Fachvortrag zu diesem Themengebiet halten (Fondsselektoren – INVITATION ONLY-Format). Hill: Herr Marti, Sie haben sich vor 3 Jahren nach einer längeren Pause entschieden wieder einen Rohstoffaktien-Fonds zu verwalten. Sind Sie mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden? Marti: Eigentlich schon. Es läuft sehr ähnlich ab wie vor 20 Jahren. Analog zur Techblase interessiert sich niemand für den Sektor, obwohl die meisten Rohstoffpreise bereits seit Ende 2015 den Tiefpunkt hinter sich haben und eine positive Entwicklung verzeichnen. Die Firmen sind gesund, die Verschuldung wurde reduziert, es werden schöne Cashflows generiert, Dividenden, Aktienrückkäufe, etc.  Bekannte antizyklische Value-/Distressed-/Makro-/Langfristinvestoren steigen ebenfalls in diese Sektoren ein. Vermehrt melden sich Anleger bei uns. Unsere Anlässe werden wieder gut besucht, das Thema stößt zunehmend auf Resonanz. Unser Fonds ist gut aufgestellt und nun bereit für die nächste Phase. Hill: Was unterscheidet den Long Term Investment Fund Natural Resources von den Mitbewerber-Konzepten oder von einem passiven Produkt? Marti: Unser Fokus liegt klar auf mittelgrossen Firmen im Bereich Industriemetalle und Öl, Agrarunternehmen sowie aus anderen Sektoren. Wir sind keine Freunde von den grossen Energiefirmen, die ihre Zukunft in der Energiewende statt im Ölgeschäft sehen. Wir mögen Firmen, die von steigenden Preisen profitieren, die keine defensiven Cashflows aufweisen – ebenso keine Explorationsunternehmen. Zudem halten wir keine Goldminen. Dies aufgrund der Tatsache, dass Goldminen immer teurer sind als Basismetallminen. Außerdem gibt es bereits einige gute Goldminenfonds auf dem Markt. Persönlich würde ich sogar dezidiert zu Investitionen in diese Fonds raten. Etwas plakativ formuliert investieren wir in die Art von Unternehmen, welche von 2001 bis 2007 am Meisten profitiert haben. Fast alle unsere Unternehmen haben eine Gemeinsamkeit. Sie haben den Höhepunkt ihrer Investitionen abgeschlossen und werden in den nächsten Jahren die Früchte davon ernten. Bei vielen Rohstoffen erwarteten wir aufgrund der Unterinvestitionen seit 2011 eine abnehmende Verfügbarkeit und dadurch Defizite, welche die nächsten Jahre anhalten werden. So gesehen befinden sich unsere Gesellschaften im von uns genannten „Value Bracket“, das heißt, wir sind in der Lage, sehr günstig diese Unternehmen zu erwerben. So handeln beispielsweise unsere grösseren Unternehmen auf einem EV / EBITDA von 4-6x und die kleineren zwischen EV / EBITDA von 2-3x. Bewertet auf der Grundlag von aktuellen Spotpreisen. Hill: Das klingt alles sehr einleuchtend. Was könnte Ihrer Ansicht nach passieren, dass sich Ihre Erwartungen für den Fonds nicht erfüllen? Marti: Zum einen ist das Timing einer physischen Knappheit aufgrund von unbekannten Lagern für Rohstoffe kurzfristig schwierig. Längerfristig korreliert das Angebot jedoch mit den Investitionen, da man jährlich jeweils 3 bis 5% der Produktion aufgrund von „Entleerung“ ersetzen muss. Das wohl grösste Risiko besteht darin, dass die Zentralbanken zu restriktiv sind und die Weltwirtschaft zum Kollaps bringen. Dies ist jedoch nicht unser Szenario. Im Gegenteil, wir erwarten zunehmend fiskalische Massnahmen und eine weiterhin sehr expansive Geldpolitik. Der Rohstoffsektor nimmt vorweg, dass die Weltwirtschaft auf ewig stagniert und von heute der Verbrauch von Rohstoffen nur noch stagniert beziehungsweise sinkt. Praktisch alle anderen Assetklassen diskontieren sehr starkes Wirtschaftswachstum. Entweder gibt es das eine oder andere als Perspektive. Man kann sich ja mal ausmalen, was eine ewig stagnierende Weltwirtschaft für Folgen für den Immobilienmarkt, den Techsektor, die Staatseinnahmen, Venture Capital, Private Equity, High yield bonds, und so weiter habe würde. Zusammenfassend erachten wir unseren Rohstoffaktienfond als interessant, beträgt doch der „Expected Return“ 21% für die nächsten paar Jahre für uns . Hill: Vielen Dank für das Gespräch und viele gute Gespräche in Mannheim für Sie und Herrn Rauchenstein. Ich freue mich auf die Moderation („MH-Befangenheit“) und bin gespannt auf Ihren Vortrag! *Markus Hill begleitet schon viele Jahre Veranstaltungen der SIA Funds AG (Sponsor). Er ist unabhängiger Asset Management-Consultant in Frankfurt am Main. (Transparenz: Siehe auch das Impressum der unabhängigen Seite FONDSBOUTIQUEN.DE). FONDSBOUTIQUEN.DE wird sich in Folgebeiträgen intensiver mit Thema Fondsboutiquen und Rohstoffe beschäftigen. In diesem Bereich gibt es viele interessante Fondsboutiquen (Stabilitas, Tresides, Commodity Capital etc.: Input ist hier immer willkommen!). FONDSBOUTIQUEN.DE gibt keine Anlageempfehlungen, natürlich stehen die aktiven Manager hier im Wettbewerb mit passiven Konzepten. Information zur Anmeldung(INVITATION ONLY, Uhrzeit, Inhalte, Zielgruppe, etc.): redaktion@fondsboutiquen.de Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Am 16. Oktober findet in München die Konferenz „Private Wealth Germany Forum“ statt. Der unabhängige Branchenexperte Markus Hill wird dort ein Panel moderieren. Mit Entscheidern aus Family Offices, Private Banking und aus der Fondsindustrie spricht er über Trends und Tendenzen bei der Due Diligence von Produkten im Bereich von liquiden und nicht-liquiden Asset-Klassen. Die Auswahl von Alternative Investments wird Schwerpunkt der Diskussion sein. Eines dieser Themen steht zusätzlich in enger Verbindung mit den Themen des MH-Roundtable „Köln & Nachhaltigkeit“ am 6. November. Wie bei den Veranstaltungen LRI Investment Summit und FundForum in Kopenhagen aus dem ersten Halbjahr werden intensiv Themen wie Produktauswahl, Produktmanagement und kritische Aspekte in Themenbereichen wie ESG und Impact Investing erörtert. IPE D.A.CH-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm das Panel, weitere Konferenzinhalte und aktuelle Themen im Bereich Fondsboutiquen und bei Service-KVGen. IPE D.A.CH: Welche Themenfelder werden auf der Konferenz „Private Wealth Germany“ angesprochen? Hill: Ich hatte schon einmal in 2017 die Gelegenheit dort, ein Family Office-Panel zu moderieren, die Ausrichtung geht stark in Richtung Private Wealth Management-Industrie beziehungsweise Vermögensverwaltung, „abhängig“ und unabhängig. Sie bietet zudem Roundtables mit Produkteanbietern an, bei denen einzelne Fachthemen zusätzlich vertieft werden. Hier besteht die Nähe zu Themenbereichen, die auch für Family Offices und HNWIs interessant sind. Aktuelle Themen werden auch diesem Jahr wieder Entwicklungen im Family Office-Segment, Asset Allocation für liquide und nicht-liquide Assets, Due Diligence-Kriterien und der Ausblick in den jeweiligen Marktsegmenten sein. IPE D.A.CH: Welche Punkte werden konkret bei Ihrem Panel aufgegriffen und diskutiert? Hill: Inhaltlich im Speziellen werde ich meinen Panelisten nicht vorgreifen. Der Titel des Panels lautet „Emerging and Opportunistic Alternative Investing“. Teilnehmen werden Marcel Müller von HQ Trust, Antje Biber von FERI, Daniel Kerbach von Merck Finck, Jürgen Blumberg von Goldman Sachs und Martin Heimes von responsAbility sein. Wie betrachten Berater von HNWIs erwartete Renditen in Bereichen wie Währung, Private Equity, Immobilien, Hedgefonds und im Bereich Credit? Wie werden neue Investments im Bereich Alternative Investments eingeschätzt und wie könnte deren Bedeutung in Zukunft aussehen? Stichworte: Cryptocurrency, Agrarinvestments, Wasser und mehr mit dem Label „Nachhaltigkeit“ besetzte Themen und Produkte im Bereich ESG, SRI und Impact Investing. Wie sind in diesem Zusammenhang ETFs zu betrachten? Welche Chancen und Risiken bestehen hier im Bereich Asset Allocation und Produktauswahl? Die Zeit ist kurz, aber ich hoffe, dass sich aus dem intensiven Dialog dieser interessanten Köpfe durch aus einige Denkanregungen für Investoren im Publikum ergeben könnten. Die Konferenz stellt sozusagen ein Forum für den konstruktiven Gedankenaustausch her. Auch Family Offices, Private Banker und HNWIs diskutieren gerne über Themen wie Asset Allocation, Produktauswahl, Fondsboutiquen und Nachhaltigkeit. IPE D.A.CH: Welche anderen Themen und Produktfelder werden auf der Veranstaltung in München angesprochen? Hill: Vor zwei Jahren hatte ich dort ein Panel zum Themenkreis Family Offices und Governance, Trends in dem Bereich, moderiert. Das wird auch diesem Jahr stattfinden. Einer meiner damaligen Panelisten, J. Christian Stadermann, wird diese Runde moderieren. Ich freue mich auf die Diskussion zu diesem Themenkreis, bin da sozusagen persönlich befangen. Natürlich werden dort zusätzlich solche Themen wie Global Investment Outlook, strategische und taktische Asset Allocation, Porfoliokonstruktion, Artificial Intelligence (AI), Value Investing, Fixed Income, Rolle von Equities, ESG, ETFs und Smart Beta bei verschiedenen Panels und bei verschiedenen Roundtables intensiv und variantenreich diskutiert. Das eine sind die Themen bei solchen Konferenzen, dass andere ist die Freude an der Diskussion mit Referenten, Investmentgesellschaften und Investoren. Letztes Jahr war ich ebenfalls als Gast in München dabei, es gab spannende Gespräche dort. IPE D.A.CH: Welche Themen beschäftigen Sie aktuell intensiver? Hill: Gegenwärtig schaue ich mir intensiver Fondsmanager für zwei verschiedene Search-Mandate an. Das eine betrifft den Bereich Fondsmanager in den Themensegmenten ESG, SRI und Impact Investing. Aufgrund des gegenwärtigen „Presse-Hypes“ ist es da schon schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der andere Bereich bei dem Kundensegment Single Family Office ist die Auswahl von interessanten Fondsboutiquen im Value Investing-Segment. Zum einen schaue ich mir hier bekannte Adressen genauer an, zum anderen finde ich hier den Bereich der Boutiquen aus der zweiten Reihe ganz interessant. Es gibt eine Vielfalt von Managern, die zum Beispiel interessante, beeindruckend Track-Records haben, die aber kaum bekannt sind. Hier spreche ich gerade auch mit vielen Selektoren, da beim Gedankenaustausch auch oft interessante Hinweisen kommen. Da ich auch sehr häufig von Anbietern in dem Segment kontaktiert werde, nicht nur DACH-Region, ergeben sich hier oft spannende Diskussionen. Ich wundere mich immer darüber, dass viele gute Adressen kaum visibel sind. An dieser Stelle möchte ich auch einmal betonen, dass ich hier für jeden Hinweis von Investoren- wie auch Anbieterseite dankbar bin. Ich schaue mir viele Dinge an, obwohl da natürlich zu gefühlten 97% „Fachlich-nicht-Überzeugendes“ dabei ist. Zu bedenken ist, dass ich ja meine Shortlist dann an meinen Kunden weitergeben muss, da besteht auch reputationsmäßig Skin-in-the-Game. Ich sage das ganz offen an dieser Stelle, da ich viele der Boutiquenadressen oft auch persönlich kenne und um Verständnis werben möchte, dass hier beim Selektionsprozess für die Shortlist Sachargumente im Vordergrund stehen müssen. Ein anderes Thema, welches aber mittelbar in Verbindung mit dem ersten Search-Thema steht – ich werde am 6. November einen MH-Roundtable in Köln organisieren und moderieren. Letztes Jahr hatte mich netterweise Warburg-Invest bei einer Veranstaltung mit Reiner Konrad von FOCAM und Manfred Gridl von Gridl Asset Management unterstützt, in diesem Jahr wird mich netterweise Anton Bonnländer von der Bank für Sozialwirtschaft (BfS) unterstützen. Ich hatte ja auch ein Interview mit ihm bei IPE D.A.CH geführt und hatte ihn auch als Referenten beim dem diesjährigen LRI Investment Summit mit als Referenten gewinnen können, zum Thema Impact Investing und Sozialwirtschaft. Beim FundForum in Kopenhagen und auch auf dem LRI-Event hatte ich Family Offices zu diesem Themenkreis auf „meinen“ Panels in der Diskussion. Bei der Veranstaltung werde ich die Ergebnisse von Produktsearch in diesem Segment und diesen Diskussionen kurz erläutern, bei der Einführung. Anton Bonnländer wird über Themen wie Due Diligence von Fonds im Segment ESG & SRI sprechen, sowie über aktuelle Trends im Bereich Produktmanagement bei der Bank für Sozialwirtschaft. Reiner Herber von der Deutsche Oppenheim Family Offices AG wird dort über den Themenbereich Due Diligence von Produkten in dem Segmente Illiquide Investments sprechen. Private

  • „Es gibt keine Freiheit ohne gegenseitiges Verständnis“ (Albert Camus). In Abwandlung dieses Gedankens könnte man auch sagen, dass die Freiheit zu guten Investmententscheidungen mit dem Verständnis von Personen und Konzepten einhergehen sollte. Viele bankunabhängige Asset Manager (Fondsboutiquen) bedienen sich seit Jahren verschiedener Veranstaltungsformate, um darzustellen, was sie und Ihre Konzepte ausmacht. Diese Events variieren in Größe, Umfang, Zeit und Ausrichtung. Welche Formate gibt es? Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden? Welche Ansätze lassen sich mehr in Richtung der Steigerung von Brand Awareness (Visibilität, Markenbildung) betrachten, welche kommen dem Bereich Business Development näher? Fondsindustrie und Branchenevents Formate wie der Institutional Money Congress und die BVI Asset Management Konferenz, auch die BAI Alternative Investment Konferenz, stellen oft eine Plattform für den Dialog in der Fondsindustrie dar. Kennzeichen solcher Formate sind oft die starke mediale Präsenz (Fachpublikationen) und die unterschiedlichen Schwerpunkte und Zielsetzung. Ohne Wertung – es gibt hier Formate, die stärker auf Brand Awareness bei etablierten Asset Managern legen und es gibt eine unterschiedliche Gewichtung in den Teilnehmergruppen. Ähnliche Veranstaltungen wie die oben genannten gibt es in einer Vielzahl bundesweit. Die einen haben stärker den Charakter von „Industrie spricht mit Industrie“, andere gehen stärker in die Richtung „Industrie spricht mit Investoren“. Für Fondsboutiquen, die bereits eine „nennenswerte“ Größe (AuM) erreicht haben, können diese Events zur verstärkten Bildung von Brand Awareness bei institutionellen Investoren oder zur Erhöhung der Visibilität bei den Fachmedien genutzt werden. Ein interessanter Effekt für die Fondsindustrie durch Asset Manager mit „nennenswerter“ Größe (Fondsboutiquen und konzerngebundene Asset Manager) besteht darin, dass durch deren Sponsorings solcher Formate volkswirtschaftlich gesehen noch positive Spill-Over-Effekte entstehen: Der Dialog in der Industrie wird gefördert, es kommt sozusagen zu einer zusätzlichen Diffusion von Wissen in und außerhalb der Industrie (Investor Education etc.). Kapitalverwaltungsgesellschaften, Fondsboutiquen und Investorendialog Verschiedene Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) haben sich spezialisiert auf die Auflage von Private Label Fonds für bankunabhängige Asset Manager (Fondsboutiquen). Zu nennen (Beispiele) wären hier Unternehmen wie Universal-Investment, Ampega, Hansainvest, Axxion, IPConcept, LRI Group und Hauck & Aufhäuser. Viele dieser Gesellschaften bieten in verschiedener Ausprägung Marketing- und Vertriebsunterstützung für Ihre Fondsinitiatoren an. Dieser Support kann stark in Erhöhung der Brand Awareness erfolgen (Public Relations) oder zunehmend in Richtung Business Development („Vertriebskomponente“) gehen. Formate im Veranstaltungsbereich können hier verschieden gestaltet sein: 1. Die KVG kann eigene Veranstaltungen anbieten. Unter Nutzung des eigenen Verteilers (Investorenkontakte) und in Kombination mit verstärkten PR-Aktivitäten).2. Die KVG beziehungsweise Fondsinitiatoren selber können mit anderen KVGen gemeinsam Investoren einladen.3. Die KVG kann externe Dienstleister einsetzen bzw. vermitteln an Fondsinitiatoren (Sponsoring, Teil-Sponsoring etc.). Fondsboutiquen und der Dialog mit Investoren Im Bereich der Fondsboutiquen gibt es viele kleine Häuser, manche Fonds starten mit Fondsvolumen von fünf bis zehn Millionen Euro, deren „Fondsmanager“ (Fondsadvisor) zu Beginn oft nicht sehr bekannt sind und die sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu Beginn noch keinen eigenen Vertrieb aufbauen können. Hier sind neben der Public Relation (Medien) auch die direkten Kontakte zu Investoren hilfreich. Hat die KVG einen eigenen Vertrieb (Beispiele: Universal-Investment, Ampega etc.) so kann hier das Netzwerk für die Boutiquen sehr wertvoll sein. Natürlich können die KVGen hier nur punktuell Unterstützung leisten. Allein die Vielzahl der Fondsboutiquen in den einzelnen Häusern führt dazu, dass hier Schwerpunkte erfolgen müssen. Auch die KVG und deren Vertrieb können sich nur verstärkt auf die Fondsinitiatoren konzentrieren, die zum Beispiel eine sehr interessante „Story“ (Thema, Track Record, Persönlichkeit und Historie des Fondsinitiators, Bekanntheitsgrad etc.). Zudem haben viele der Fondsboutiquen früher oder später eigene Vertriebsleute, auch werden in Einzelfällen Placement Agents eingesetzt („Third Party Distribution“). Sollten interne Modelle, existierende oder sich in Planung befindliche, bei den KVGen mit Preismodellen für Support versehen sein, dann beginnt zusätzlich der Prozess von Kundenschutz, „Ticketzuordnung“ etc. Kernpunkt bei der Kommunikation mit Investoren ist hier: Durch die Vielfalt an Boutiquen bieten die KVGen in diesem Fall Plattformen, die aufgrund der breiten Auswahl bei den Einladungen zu Events auf erhöhtes Interesse bei Investoren stoßen – seien es eigene Formate oder Formate in Verbindung mit externen Dienstleistern (Beispiele: Auf.Den.Punkt. als Ampega-Format, UI-ChampionsTour bei Universal-Investment, Asset Management-Tage bei Häusern wie Hauck & Aufhäuser, Hansainvest etc.). Zu nennen wären an dieser Stelle auch einzelne Formate bei Fondsboutiquen selber (DJE, Flossbach von Storch etc.), bei denen sich verschiedene Initiatoren gemeinsam, Fondsauflagen oft bei verschiedenen KVGen, auftreten. Daneben gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen, die von den Fondsinitiatoren selber organisiert werden und bei denen man sich zusätzlich häufig anderer externer Veranstalter bedient. Fondsboutiquen und „Hidden Agenda“: Public Relations versus Business Development? Üblicherweise bieten die meisten KVGen einen aktiven PR-Support für Ihre Fondsinitiatoren an. Dieser steigert die Visibilität von Köpfen und Konzepten. In der Industrie gibt es zusätzlich eine Vielzahl von Plattformen und externen Dienstleistern in diesem Bereich, auf welche die KVGen zusätzlich direkt zugreifen beziehungsweise die gerne an die Fondsinitiatoren weiterempfohlen werden. Zu beobachten ist ein sehr interessanter Sachverhalt in der Branche: Viele Fondsboutiquen sprechen von PR und Visibilität, meinen jedoch oft eigentlich eher den Bereich Business Development im Sinne von Vertrieb, dem direkten Kontakt zum Investor. Hintergrund: Die Erfahrung mit dem klassischen Bereich PR ist, dass natürlich das reine Schreiben und Publizieren von Artikeln in den Medien im Vergleich zu direkten Vertriebsanstrengungen (Point-of-Sale-Kontakt) einen großen Streuverlust aufweist. Fairerweise muss man hier sagen, dass dies in der Natur der Sache Public Relations liegt und das die Kette „Publikation-gleich-sofortiges-Ticket-vom-Kunden“ so nicht gegeben ist. Jedoch gibt es viele kleine Häuser, bei denen die Bereiche Langfristdenke im Bereich Kommunikation und der direkte Vertrieb noch Konflikte aufweisen können (Optimierungspotenziale). Warum? Auch jeder Vertriebler hat es schwer, nicht oder wenig bekannte Produkte beziehungsweise Köpfe – der Vertrieb von Fondsboutiquen ähnelt häufig dem Bereich „Künstlerpromotion“ – bei Investoren zu präsentieren. Der eine Bereich greift in den anderen Bereich, nicht umsonst spricht man vom Marketing-Mix. Ausblick Die KVGen, die es glaubhaft schaffen, den Fondsinitiatoren einen Mehrwert über die reine Fondsadministration hinaus zu bieten, haben exzellente Chancen bei Private Label-Fondsinitiatoren (Fondsboutiquen). Präziser ausgedrückt: Bei einer ganz bestimmen Kategorie von Fondsboutiquen. Dieser Mehrwert kann das aktive Offerieren von internen und externen Dienstleistern für die Marketing-Unterstützung sein – von PR zu Vertrieb, zu diversen anderen Service-Partnern im Netzwerk der KVG. Er kann bestehen

  • „Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken“ (Johann Wolfgang von Goethe). Wie in vielen anderen Branchen wird auch in der Fondsindustrie angeblich auch nur mit Wasser gekocht. Verfolgt man den derzeitig intensiven Kampf um die Deutungshoheit von Begriffsdefinitionen bei Themengebieten wie ESG, SRI und Impact Investing, so kann man zu einem interessanten Urteil kommen: Wie beim Thema Kryptowährung (Libra & Facebook) erscheinen dieser als ein fruchtbarer Auftakt zum „Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“ (Friedrich August von Hayek). Solange durch die Regulierung noch nicht alle Aspekte in Stein gemeißelt sind, können sich noch sehr interessante Aspekte in der offenen Diskussion entwickeln. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Family Offices, Fondsboutiquen und Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen)? Wie ist die Rolle von Verbänden zu beurteilen? ESG – Mittelstand und Langfristdenke Ohne an dieser Stelle eine umfängliche Diskussion um Begrifflichkeiten zu starten: Nachhaltigkeitsdenke korrespondiert sehr stark mit der Denkweise von Mittelstand, Family Office und Fondsboutiquen. Eigentümergeführte Strukturen wie die genannten sind ein wichtiger Faktor für eine Volkswirtschaft – Stichworte: Offenheit gegenüber Wettbewerb, Flexibilität, Schnelligkeit. ESG, SRI, SDG und Impact Investing – auf Produktauswahl und Produktangebotsseite (unabhängige Asset Manager, Eigenprodukte bei Family Offices) möchten alle „Mittelständler“ langfristig überleben, ohne Druck von Quartalsberichterstattung und üblicher Hektik. Die Voraussetzung, als inhaltlich „Getriebene“ in diesem Themenfeld einen konstruktiven Wettbewerb der Ideen zu betreiben, erscheint als geradezu ideal. Krypowährung – Innovation und Transparenz Fintech, Blockchain, Künstliche Intelligenz und die Thematik Kryptowährung – hier diskutiert gerade viel Industrie mit Industrie oder Industrie mit Presse. Eine ganz andere Sache ist es, ob diese Diskussion am Schluss wirklich intensiv auf der Investorenseite (!) wahrgenommen wird – häufig auch Kritikpunkt von Produktanbietern bezüglich der Medienreichweite, nicht nur bei komplexen Themen. Zu bedenken ist, dass viele Player in der „Digitalindustrie“ als überdurchschnittlich aktiv im Bereich Social Media erscheinen, der Bedeutung der Themen dort müssen nicht korrelieren mit der realen Bedeutung für die Investorenseite. Information Overflow, Ökonomie der Aufmerksamkeit, oder in diesem Falle einfach der Komplexitätsgrad dieser Themen können hier eine Rolle spielen. Der positive Aspekt dieses Phänomens besteht Umständen darin, wie auch bei Nachhaltigkeitshemen, dass hier die Industrie dem Aspekt „Investor-Education“ schon fast vorbildlich gerecht wird. Fachliche Information kann als auf Investorenseite als „Holschuld“ betrachtet werden, kann aber auch konstruktiv durch hochwertige Inhalte von Anbietern, Presse und Multiplikatoren (Consultants, Verbände, KVGen etc.) durch den Aspekt der „Bringschuld“ ergänzt werden. ergänzt werden. Volkswirtschaftlich gesehen ein willkommener Treiber hinsichtlich Diffusion von Wissen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene! Kapitalverwaltungsgesellschaften und Verbände Verbände wie BVI (Deutschland), ALFI (Luxemburg), LFAV (Liechtenstein), aber auch Verbände wie der VuV (Verband unabhängiger Vermögensverwalter) in Frankfurt begleiten das Thema Nachhaltigkeit intensiv als etablierte Multiplikatoren. Kapitalverwaltungsgesellschaften wie Universal-Investment, Ampega, Hansainvest, LRI Group etc. erfüllen auch hier eine wertvolle Funktion. Man kann Sie als „Wissens-Hub“ im Bereich unabhängiger Investmentexpertise betrachten. Viele Fondsinitiatoren in diesem Segment betreuen interessante Fondskonzepte. Jeder Investor kann hier bei der Suche nach Investmentideen fündig werden. Vielleicht werden die KVGen neben der Funktion als Produktanbieter und Multiplikator in Zukunft auch einmal stärker im Bereich des Seedings von Fondskonzepten aktiver. Hier könnte sich in den nächsten Jahren etwas Neues ergeben. Family Offices und andere unabhängige Vermögensverwalter sind bei den oben genannten Themen schon sehr kreativ und aktiv, nach dem Motto: Wir brauchen keinen Wettbewerb der Lobbyisten, sondern einen Wettbewerb der Ideen. (Helmut Glaßl). Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Frankfurt ist der zentrale Standort für den Gedankenaustausch im Bereich Asset Management in Deutschland und bietet eine Vielzahl von Veranstaltungsformaten. IPE D.A.CH-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit dem unabhängigen Asset Management Consultant Markus Hill über das LRI Investment Summit am 5. Juni in Frankfurt und Asset Management-Veranstaltungen in der Mainmetropole. In diesem Zusammenhang werden ebenso Themen wie Value- und Impact Investing, ESG und SRI angesprochen. Investmentbereiche, die zunehmend auch bei Family Offices und auf Fondsboutiquen-Seite in den Fokus geraten. IPE D.A.CH: Welche Themenfelder werden beim LRI Investment Summit angesprochen?Hill: Prof. Dr. Martin Hellmich (Deloitte) wird über die aktuelle Studie des Hauses zum Thema Künstliche Intelligenz und Asset Management berichten. Zudem wird er hier die Verbindung zu Themen wie ESG und der Messung von Carbon-Risiken im Portfolio Management sprechen. Anton Bonnländer (Bank für Sozialwirtschaft) wird ebenso Themen wie Social Entrepreneurship, ESG, SRI und Impact Investing kritisch diskutieren. Ich selber begleite die Veranstaltung als Moderator und diskutiere zusätzlich bei einem Family Office-Panel zum einen auch die oben genannten Themenbereiche unter dem Stichwort Nachhaltiges Investieren und „Langfristdenke“. In diesem Bereich und im klassischen Investmentbereich können hier Punkte zur Sprache kommen wie Due Diligence von Produkten und Investmentansätzen, die Einschätzung von Anbietern im Fondsbereich mit „Ownership-Approach“ (Fondsboutiquen), Vermarktung von Private Label Fonds, Seeding und natürlich vorrangig Themenpunkte, die auch gerne von den Panelisten diskutiert werden. Welches Thema steht beim Family Office aktuell auf der Agenda? Ich freue mich hier auf die Diskussion mit Dr. Thomas Rüschen (Deutsche Family Office AG), Ralf von Ziegesar (FOCAM AG) und Jochen Stadermann (LOGOS PATRIMON). Danach wird Konstanze Ziegler (KPMG Luxembourg) ein Panel zum Thema Real Assets moderieren. Hier werden das Potenzial der Assetklasse für 2019 und Folgejahre mit Dr. Alexandra von Bernstorff (Luxcara), Tobias Giesser (Partners Group) und Dr. Ralf. D. Schnell (Siemens AG) diskutiert werden. Welche Herausforderungen auf Investoren- und Produktanbieterseite stehen aktuell im Vordergrund? Welche Märkte sind interessant? Welche Rolle spielen Technologien? Wie ist das Thema ESG zu sehen? Solche Themen könnten beispielsweise dort vertiefter diskutiert werden. Vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase hat Frau Ziegler ein Investmentfeld auf der Agenda, das aktuell viele institutionelle Investoren intensiv beschäftigt. Allein schon die Diskussion darüber, wie hier einzelne Anbieter einen wirklichen Mehrwert für Investoren schaffen könnten, würde den Zeitrahmen des Panels „sprengen“. Auch ich bin sehr gespannt auf ihre Diskussionsrunde. Wie auch in den Vorjahren – auf die Diskussion mit Fondsindustrie, Dienstleistern und Investoren freut sich die LRI Group ausdrücklich, weil sie hier oft wertvollen Input der eigenen Kundschaft und von externen Fachleuten erhalten kann. IPE D.A.CH: Warum wurde Frankfurt als Veranstaltungsort gewählt?Hill: Investoren und Fondsindustrie diskutieren gerne in Frankfurt über Themen wie Family Offices, Fondsboutiquen und Real Assets. Natürlich auch gerne über andere Themengebiete, natürlich tun sie dies auch in anderen Städten. Ich bin befangen, komme ursprünglich aus Köln und lebe schon Jahrzehnte in dieser Stadt. Trotzdem glaube nicht nur ich, dass aufgrund von Bankenplatzstatus, EZB-Sitz und auch aufgrund anderer attraktiver Standortmerkmale – Kunst, Kultur, Kommunikation und mehr – Frankfurt nach wie vor als zentraler Hub in Sachen Finanzthemen gesehen wird. Zentrale Konferenzen in diesem Bereich finden hier sehr häufig statt. BVI Asset Management Konferenz, BAI Alternative Investment Conference, Institutional Money Congress, ACATIS-Value Konferenz, Eigenkapitalforum – man könnte diese Liste lange fortführen. Ganz zu schweigen von der großen Vielzahl von kleinen, auch reinen Investorenveranstaltungen. Viele Fondsgesellschaften aus den Bereichen Liquid und Real Assets laden hier häufig zu Events ein, ähnlich wie auch IPE-D.A.CH. Ich selbst begleite zum Beispiel seit vielen Jahren bei Einladung und Moderation Prof. Dr. Carlos Jarillo und sein Team von SIA Funds aus der Schweiz. Man kann diese Formate bei vielen großen und kleinen Asset Managern finden. Ähnliche Veranstaltungen vor Ort werden oft von ACATIS, Shareholder Value, Loys, DJE und FPM durchgeführt. Auch Kapitalverwaltungsgesellschaften wie Universal-Investment, BNY Mellon, Hansainvest, Axxion und Ampega spielen hier als Multiplikatoren mit Events eine entscheidende Rolle für die Promotion von eigentümergeführten Asset Managern (Fondsboutiquen). Die Bereiche ergänzen sich – Face-to-Face im Dialog mit dem Investor oder oft auf großen Veranstaltungen die Diskussion von Fondsindustrie, Dienstleistern, Verbänden und Regulatoren – es geht hier nichts über einen interessanten Gedankenaustausch! IPE D.A.CH: Mit welchen Themen beschäftigen sich aktuell?Hill: Gegenwärtig schaue ich mir viele Asset Manager im Bereich Value Investing und im Bereich „Nachhaltigkeit“ genauer an, mit dem besonderen Fokus auf Boutiquen. Auch auf der SIA-Veranstaltung im Mai wurde dieses Schnittstellen-Thema diskutiert. Unabhängig davon gesehen, ist die Verpackung hier nicht so entscheidend. ESG, SRI, Impact Investing scheinen noch Gebiete in der Findungsphase zu sein, seit übrigens sehr vielen Jahren. Vielleicht findet das Thema jetzt langsam soliden Boden, dem Regulator oder auch einer neuen Anlegergeneration („Millenials“) sei Dank. Im Sinne von „Wer versteht eigentlich was unter dem Begriff?“. Dies ist übrigens auch ein Phänomen, dass man auf das Label Family Office oder Fondsboutique übertragen kann. Bindeglied scheint mir zumindest in diesem Bereich der Begriff „Langfristdenke“ zu sein. Auch ohne Zertifizierung wird diese Denke ja eigentlich im Bereich der eigentümergeführten Unternehmen im Mittelstand praktisch gelebt. Wie gesagt, viele Akteure kämpfen hier auch aus Marketinggründen noch um die Deutungshoheit bei den Begrifflichkeiten. Am 25. Juni werde ich auch in diesem Jahr in Kopenhagen beim FundForum International, neben anderen Themen, diese Themen mit Family Offices diskutieren. Einzelne Aspekte des Themas (Assetklassen, Due Diligence) können auch bei einem Panel beim Private Wealth Forum am 16. Oktober in München Thema sein, unter Berücksichtigung verschiedenster Assetklassen. Um übrigens an dieser Stelle nicht zu befangen zu erscheinen ist anzumerken, dass in dort ebenso am 20. Juni auch wieder eine der bekannten Branchen-Spezialevents stattfindet, neben der oben genannten Veranstaltung von ACATIS und Dr. Hendrik Leber, nämlich die von Stefan Rehder konzipierte Value Intelligence Konferenz. Ein anderes Thema, vielleicht etwas exotischer anmutend, dass ich derzeit intensiver bearbeite ist der Themenbereich Beauty Contest (Asset Manager) bei Family Offices – Stichwort: „Alibi-Contest versus Praxis-Monitoring?“. Hier bin ich auch immer für Input und Ideen dankbar, unabhängig von der Assetklasse betrachtet. IPE D.A.CH: Ich danke Ihnen für das Gespräch. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • (Interview – Rainer Herber, Deutsche Oppenheim Family Office, 15.04.19) Das Thema Private Equity und Alternative Investments stellt mit steigender Tendenz eine wichtige Assetklasse für Family Offices und vermögende Privatpersonen dar. Ein schwieriger Marktzugang und erhöhte Regulatorik erschweren erfolgreiche Investitionen genauso wie die Frage, ob bei den aktuellen Bewertungen Investitionen noch Sinn machen. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Rainer Herber, verantwortlich für den Bereich Beteiligungen der Deutsche Oppenheim Family Office AG, über die aktuellen Herausforderungen für Beteiligungsinvestitionen, Produktauswahl und professionellem Networking. Hill: Wie würden Sie das vergangene Jahr hinsichtlich Private Equity kurz und prägnant zusammenfassen?Herber: Das Private-Equity-Jahr 2018 war das Jahr der Superlative! Hill: Das ist eine Aussage! Was meinen Sie damit?Herber: Wir haben in 2018 durch u.a. fehlende Zinsen und der Kapitalflut durch Notenbanken rekordverdächtige Zahlen bei Private-Equity-Transaktionen gesehen. Hierfür steht beispielhaft der Verkauf des Heizkostenablesers Techem, der von Macquarie im Mai für 4,6 Mrd. Euro an ein Konsortium aus der Partners Group, zwei Pensionsfonds und dem Techem-Management veräußert wurde. Gleichzeitig gab es Rekordzuflüsse – der Finanzinvestor EQT sammelte für neue Buy-outs 10,75 Mrd. Euro ein. Und was den Boom insbesondere bei Investitionen in den deutschen Mittelstand weiter unterstreicht, sind die Eröffnungen von Deutschland-Büros viele Private Equity-Häuser, hier allen voran KKR und Oakley. Hill: Dann stehen also alle Zeichen auf Gewinn?Herber: Die Assetklasse weist eine deutlich positive Performance aus, damit geht ganz klar ein hohes Risiko einher, soll heißen, dass es trotz des weiterhin positiven Trends die ein oder andere böse Überraschung gab. So verlor Emeram das bekannte Modeunternehmen Bench. Die britische Muttergesellschaft musste im Mai Insolvenz anmelden. Die Modebranche mit ihrem saisonalen Geschäft und ihren stark schwankenden Cash-flows hat im Jahr des Jahrhundertsommers auch die Portfolios anderer Private Equity-Häuser kontaminiert. EQT zum Beispiel verlor im Februar nach elf Jahren bei dem Modehaus CBR die Geduld und verkaufte es an den britischen Restrukturierer Alteri. Die Zurückhaltung von Private Equity bei Neu-Investments in dieser Sparte ist spürbar, trotz der stark gesunkenen Unternehmensbewertungen von Mode-Labels. Außerdem beachtenswert: Der fränkische Yachtbauer Bavaria ist der wohl bekannteste Krisenfall und war zum Sinnbild der Private Equity-Blase in der Finanzkrise geworden. Nach großen Verlusten veräußerte Bain das hochverschuldete Unternehmen an die beiden Hedgefonds Anchorage und Oaktree. Dies ist nicht gelungen. Im April folgte nach zehn Krisenjahren bei Bavaria Yachtbau die Insolvenz. Hill: Was bedeutet das für das Beteiligungsmanagement und Ihre Mandanten?Herber: Nun, die Wirtschaftsprognosen trüben sich ein, die Beteiligungen wurden auf einem hohen Niveau eingekauft. Eine Konstellation bei der man bei Investitionen in Private Equity bzw. alternativen Investments insgesamt auf erfahrene Partner setzt, die bereits ihre Leitungsfähigkeit in vergangenen schlechtlaufenden Zyklen unter Beweis gestellt haben. Darüber hinaus ist ein Schwerpunkt auf die Diversifizierung generell und insbesondere der Laufzeiten der einzelnen Fonds zu legen. Somit glättet man Bewertungsspitzen in einem PE-Portfolio. Hill: Wie gehen Sie hier vor? Was bieten Sie Mandanten der Deutsche Oppenheim Family Office?Herber: Hierzu möchte ich vorweg sagen, dass der Bereich Beteiligungen durch die angezogene Regulatorik besonders heraufordernd ist. Zum einen wird der Bereich der alternativen Investments durch institutionelle Anleger dominiert, was den Zugang für private Anleger neben der Regulatorik zusätzlich erschwert. Die Deutsche Oppenheim bietet die Anlageberatung auch im Bereich der alternativen Investments an, allerdings für ein deutlich eingeschränktes Anlageuniversum mit den Schwerpunkten Private-Equity-Buy-out, Wohnimmobilien und Infrastruktur. Als eines der führenden Multi Family Offices haben wir unsere Dienstleistungen im Bereich Beteiligungen an den Ausgangssituationen unserer Mandanten ausgerichtet. Hier sehen wir häufig die Schwierigkeiten bei Zugang zu einem äußerst intransparenten Markt oder historisch gewachsene Portfolios ohne definierte Strategie. Die Folgen hieraus können sein, dass Marktchancen erst gar nicht genutzt werden oder ein erhöhtes Verlustrisiko droht. Neben der sehr selektiven Anlageberatung haben wir unseren Schwerpunkt im Bereich Beteiligungen auf ein „Best-in-Class“-Netzwerk gelegt. Ganz im Sinne eines Plattform-Gedankens. Damit können wir zum einen unsere Mandanten mit geprüften, erstklassigen Partnern zur strategischen Ausrichtung eines neuen oder bestehenden Portfolios und zum anderen auch mit Partnern mit konkreten Produktangebot zusammenbringen und einen exklusiven Zugang zu dieser interessanten Assetklasse gewähren. Das ganze ergänzt die Deutsche Oppenheim durch ein individuell zugeschnittenes Beteiligungsreporting und -controlling. Der Nutzen unserer Mandanten aus einer Zusammenarbeit mit der Deutsche Oppenheim im Bereich Beteiligungen ergibt sich aus der Sicherheit mit geprüften Partner zusammen zu arbeiten, einen exklusiven Produkt- und Marktzugang zu erhalten und mit unserem Beteiligungsreporting ein effizientes Steuerungstool für ein Beteiligungsportfolio an die Hand zu bekommen. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. —*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info@markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com Rainer Herber ist Wirtschaftsjurist und seit November 2017 bei der Deutsche Oppenheim verantwortlich im Bereich Beteiligungen für die Fonds- und Partnerselektion sowie die Anlageberatung für alternative Investments. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • (Markus Hill*, 25.03.19) „Die großen Begebenheiten der Welt werden nicht gemacht, sondern sie finden sich“ (Georg Christoph Lichtenberg). Natürlich weicht die reale Erfahrung im Bereich von Angebot und Nachfrage im Bereich Investments in der Fondsindustrie von diesem Ideal ab. Auch im Bereich der komplexen Dienstleistungen findet man selten dieses ideale Setting. Ein interessantes Phänomen im Investmentbereich ist, dass es verschiedenen Märket für Offerten zu geben scheint, die sich im Spannungsfeld von Push- und Pull-Marketing befinden. Man kann zu dem Schluss kommen, dass ein großer Teil der Fondsindustrie sich im eher im Push-Marketing-Modus findet. Viele Produkte, die den Investor nicht auf Anhieb überzeugen. Gibt es Marksegmente oder Felder, wo dies vielleicht weniger der Fall ist? Gibt es Zusatzfaktoren, die Anbieter und Nachfrager eher zum Dialog einladen? Ist Digitalisierung oder sind Transparenz, Plattformen etc. eine Lösung für dieses Problem? Illiquide Investments – Off-Market-Deals und VertrauenEin Beispiel von vielen für Märkte, die sich dem gängigen Schema Push-Marketing zu entziehen scheinen, findet man im Immobilien-Bereich. Bei der Direktanlage in Immobilien werden oft, zumeist unter dem offiziellen Radar der Industrie laufend, sogenannte Off-Market-Deals abgeschlossen. Auf den Gesamtmarkt bezogen, scheint dieser Anteil nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes abzubilden. Kernpunkt ist hier, dass kostbare, seltene Dinge von Investoren (Family Offices, Stiftungen, Versicherungen etc.) „begehrt“ werden und man auf einer tiefen Vertrauensbasis zueinander findet. Mehr noch: Die Motivation kann oft sogar sein, dass man mit bestimmten Parteien zusammenarbeiten möchte und vielleicht von vornherein andere Marktpartner ausschließt. Es besteht eine Vertrauensbasis („Vertrauenskapital“) mit Investoren, die sozusagen als erste in der Kette die interessanten Objekte angeboten bekommt, in Folge können sich Plattformen oder Makler zusätzlich einschalten. Ein Vorteil ist, dass man einen schwer kontrollierbaren Beauty Contest mit dem entsprechenden Preissteigerungspotenzial verhindert. Interessanterweise ist das Preisargument aber nicht immer ausschlaggebend. Eine Offerte aus dem eigenen, vertrauten Netzwerk kann in bestimmten Fällen durchaus mit einem Preisaufschlag versehen sein. Was könnte eine Erklärung hierfür sein? Filter sind vorgeschaltet, die Partner kennen und vertrauen sich, man spart Zeit, die Due Diligence der Objekte ist vielleicht schon durch jemanden erfolgt, der selbst mit investiert (Club Deals und Co-Investments). Kostbare, gesuchte Güter finden schnell Ihre Käufer, da durch das gegenseitig erarbeitete Vertrauen Transaktionskosten stark reduziert werden und Preisaufschläge durch erhöhte Qualität der Offerte in vielen Fällen als berechtigt angesehen werden. Davon zu unterscheiden sind die Fälle, wo sozusagen kostbare Güter, hier Immobilien, nicht aggressiv vermarktet werden sollen. Gerade bei Family Offices und deren Mandantschaft kann dies ein wichtiger Faktor sein, da diese Art der Produktofferte negative Auswirkung auf die Reputation des Unternehmens haben kann. Auch bei klassischen institutionellen Immobilienanbietern und Investoren kann dieser Faktor eine Rolle spielen – dezente Kommunikation ist gefragt zwischen Parteien, die sich oft schon lange Zeit kennen und schätzen gelernt haben. Liquide Investments – Fondsboutiquen, Fondsindustrie und Push-MarketingIm Gegensatz zu den beispielhaft genannten Bedingungen im Bereich Immobilien und Off-Market-Deals ist der klassische Bereich der Fondsindustrie stark geprägt vom Push-Marketing. Der Markteintritt für einen Fondsmanager, bei kleinen Seed Money-Beträgen, im liquiden Bereich erscheint oft recht leicht. Um Präzise zu sein: Der Markteintritt, nicht das Verweilen oder das Wachstum der Fonds. Im Gegensatz zum Off-Market-Beispiel ist der Markt hier stark besetzt, es gibt weit mehr Jäger (Anbieter) als Wild (Investoren). Im Gegensatz zu illiquiden Investments haben die Fondsmanager hier noch stark mit der „Peitsche der Transparenz“ zu kämpfen. Im Bereich der Publikumsfonds werden die Performanceergebnisse fortwährend veröffentlicht. Es herrscht der Wettbewerb um Aufmerksamkeit, jeder der Anbieter in diesem Segment befindet sich permanent unter Rechtfertigungsdruck. Während im Bereich Venture Capital und Private Equity eine natürliche „Schamfrist“ vorherrscht (Zeit des Exits), hat der Fondsmanager im liquiden Bereich einen verstärkten Zwang zu Kommunikation mit dem Investor beziehungsweise mit der Öffentlichkeit. Für die Manager, die jedes Jahr den Index schlagen, stellt dieser Zwang zur Kommunikation nichts Herausforderndes dar. Diese Manager findet man so gut wie nicht und die Manager, die an diese herankommen, werden fast wieder zwischen den Investoren vertraulich weiterempfohlen, da diese Fonds oft die Volumengrenze (Soft Close) erreichen. Gerade im Fondsboutiquen-Bereich findet man hier mitunter exzellente Manager, die eigentlich keinen Vertriebsdruck haben. Digitalisierung, Startups und PlattformenDie oben beschriebenen Sachverhalte lassen sich zusammenfassen: 1. Es gibt Produkte und Dienstleistungen, die keiner aggressiven Vermarktung bedürfen.2. Es gibt überbesetzte Märkte, wo der Druck zu intensiver Kommunikation besteht.3. Auch überbesetzte Märkte im Fondsbereich bieten „Kostbarkeiten“ an. Man kann darüber diskutieren, ob sich durch die fortschreitende Digitalisierung nicht folgendes Dilemma auflösen lässt: Von Produkten, die Investoren „wirklich“ benötigen, erfahren diese im Extremfall nichts, da die interessanten Offerten bereits vermarktet, im Sinne von „vertrauensvoll kommuniziert“, sind. Von Produkten, die oft austauschbar sind, beziehungsweise deren Nutzen sich erst durch sehr lange Diskussion mit dem Produktanbieter erschließt, erfährt der Investor „zu viel“. Fairerweise ist hier anzumerken, dass man nicht den ausführenden Organen dieses Prozesses (Sales, Marketing etc.) als Ursprung und Verursacher dieses Sachverhalts sehen kann, der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren (Friedrich August von Hayek) ist Ausdruck unseres Wirtschaftssystems. Ob die Fortschritte im Bereich Digitalisierung die perfekte Transparenz im Bereich „Investments“ bieten werden, ist abzuwarten. Natürlich gibt es im Bereich der Startups viele Ansätze in der Nische (Stichworte: Fintechs, Blockchain, KI etc.), die intensiv an Modellen zur Lösung dieser Fragestellung arbeiten. Die gängige Plattform-Lösung scheint aber nicht oder nur sehr unzureichend den Markt abzudecken. Solange auf der Investorenseite nicht lediglich „Cyborgs“ anzutreffen sind, ist es in weiten Teilen noch so, dass Menschen noch immer gerne mit anderen Menschen kommunizieren. Zudem besteht in bestimmten Anlegersegmenten noch das Vorurteil, dass Objekte, die auf Plattformen „landen“, oft nicht die optimale Wahl darstellen könnten. Gegenwärtig scheint immer noch ein Problem darin zu bestehen, dass man den Faktor Vertrauen noch nicht elektronisch erzeugen kann, gerade in Märkten, die noch überschaubar erscheinen für die Investorenseite. Es besteht die Hoffnung, dass auf Forschungsseite (auch schon bei bereits existierenden Firmen) die perfekte technische Lösung bereits gefunden wurde. Schwachpunkt kann gegenwärtig einfach der Faktor Mensch sein. Sein Informationsverhalten, seine Informationsgewohnheiten und auch die begrenzte Kapazität, alle die verfügbaren Informationen verarbeiten zu können. Man kann gespannt sein, welche Lösungen die Technik in Zukunft in diesem Bereich bieten wird. Ansonsten werden im Verhältnis von Produktanbieter

  • Der Themenkreis SRI, ESG und Impact Investing wird von Family Offices und Stiftungen intensiv verfolgt. Institutionelle Investoren wie zum Beispiel Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke beschäftigen sich seit Jahren mit Investmentkonzepten und der Regulatorik in dem Bereich. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Anton Bonnländer, Leiter Bereich Anlagemanagement der Bank für Sozialwirtschaft AG (BFS), über die aktuellen Herausforderungen für Impact-Investoren, Nachhaltigkeit in Produktkonzeption und Produktauswahl bei Eigenanlagen. Hill: Was genau macht die Bank für Sozialwirtschaft?Bonnländer: Wir konzentrieren uns ganz auf das Geschäft mit Unternehmen, Verbänden, Stiftungen und anderen Organisationen, die in den Branchen Soziales (Senioren-, Behinderten-, Kinder- und Jugendhilfe), Gesundheit und Bildung tätig sind. Unser Schwerpunkt liegt auf Einrichtungen in freigemeinnütziger Trägerschaft und Stiftungen. Hier steht nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund, sondern die Sicherstellung von Versorgungsleistungen. Die Bank für Sozialwirtschaft (BFS) offeriert die Bankdienstleistungen, die eine spezialisierte Universalbank ausmachen, also Finanzierungen, Geldanlagen und spezielle Zahlungsverkehrsangebote – beispielsweise Fund-Raising für unsere Kunden im Sozialbereich. Wir sehen uns als eine Art Family Office für die Sozial- und Gesundheitswirtschaft. Branchenkenntnis und Vernetzung machen die BFS aus – wir bieten betriebswirtschaftliche Beratung sowie Sozialmarktanalysen, Standort- und Potenzialanalysen, in denen wir Chancen und Risiken von Investitionen transparent machen. Die BFS hat ein Büro in Brüssel, um die kommenden Impulse aus Europa früh aufzugreifen oder um spezielle EU-Förderpakete nutzbar zu machen. Im Finanzierungs- und Investmentbereich wird dieses Schauen über den Tellerrand von unseren Kunden sehr geschätzt. Die Kernaufgabe der BFS besteht darin, Geld aus der Sozialwirtschaft für die Sozialwirtschaft verfügbar zu machen. Zudem hat die Bank selbst Anlagebedarf im Investmentbereich und bietet auch spezielle Lösungen für institutionelle Investoren. Als „Trusted Advisor“ sind wir uns unserer Verantwortung bei der Entwicklung oder der Auswahl von Produkten sowie der Einwertung der damit verbundenen Risiken sehr bewusst. Hill: Was sind die Besonderheiten Ihres Geschäftsmodells?Bonnländer: Jeder spricht heute von Nachhaltigkeit. SRI, ESG und Themen wie Impact Investing begleiten die Bank schon seit ihrer Gründung durch die Wohlfahrtsverbände im Jahr 1923, obwohl diese Begriffe damals noch nicht existierten. Wenn Sie so wollen, sind wir in Deutschland einer der klassischen Pioniere in diesem Bereich. Die BFS ist innerhalb der Branche schon aufgrund der Gründerstruktur sehr speziell positioniert. Dies sieht man auch an unseren Kundengruppen. Hierzu zählen ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Spezialkliniken, Medizinische Versorgungszentren, Krankenkassen, Sozialversicherungsträger, Werkstätten und Wohnheime für Menschen mit Behinderung, Wohn- und Tageseinrichtungen für Kinder und Jugendliche, Schulen in freier Trägerschaft und andere Bildungsträger. Die Bank ist stark im „Ökosystem“ ihrer Kunden verwurzelt. Wir leben Nachhaltigkeit, insbesondere mit dem Schwerpunkt S (Social) und G (Governance), wobei die ökologische Seite der ESG im täglichen Geschäft immer mitschwingt. So wird beispielsweise bei Finanzierungsprojekten die ökologisch effiziente Planung und Ausstattung der Gebäude und Betriebe mitgeprüft (Energieeinsatz und -verbrauch, schonender Ressourceneinsatz in der Architektur und den Betriebsabläufen, Müllvermeidung, Digitalisierung etc.). Hill: Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich im Anlagebereich?Bonnländer: Unsere Anlagekunden sind risikoavers und ausschüttungsorientiert. Das ist ein sehr relevanter Punkt. Die BFS verbindet bei ihren Produktideen und der Due Diligence Wertqualität mit stabiler Ausschüttung. Ich kenne beide Seiten sehr gut in meiner Funktion als Verantwortlicher für die Auswahl von Eigenanlagen und für Produktkonzeptionen. Stiftungen benötigen Cash-flows, um ihrem Stiftungszweck nachzukommen. Gemeinnützige Organisationen können umso mehr bewirken, je besser kontinuierliche Erträge fließen. Ein absolutes No-Go sind Investmentmöglichkeiten, die ethischen und ökologischen Prinzipien schlicht widersprechen. Weiterhin beschäftigt sich das Anlagemanagement intensiv mit der Synthese von wirtschaftlicher und sozial-ethischer Nachhaltigkeit bei Anlagelösungen. Mittlerweile hat der Begriff Nachhaltigkeit auch den Mainstream erreicht, insbesondere die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit wird intensiv diskutiert. Wir sehen es als unseren Auftrag, sinnvolle Anlagelösungen verfügbar zu machen und Lücken zu schließen. So hat die BFS als erstes Kreditinstitut für die Sozialbranche einen Mezzanine-Fonds aufgelegt. Dabei war die Produktkonstruktion eher nebensächlich, die Wirkung, der Impact war uns wichtig: Die Versorgung von gemeinnützigen Unternehmen mit Kapital über dieses Vehikel. Jeder Euro, den man konsumiert oder investiert, zeigt Wirkung. Wir wollen positiven Impact erzeugen. Daran orientiert sich unserer Anlagemanagement. Der Nachhaltigkeitsgedanke steht im Vordergrund. Man kennt diese Denke auch aus dem persönlichen Bereich. Ich selbst treibe gerne Wassersport, bin viel in der Natur unterwegs und mache mir so meine eigenen Gedanken, auch zu nachhaltigem Tourismus. Ich spüre beim Kiten am eigenen Leib die Umweltveränderungen, insbesondere die Verschiebungen der Windlandkarten. Die Natur gibt uns bereits Anzeichen: Seit 2018 hat plötzlich jeder erfahren, was passiert, wenn die Binnenschifffahrt aufgrund rekordniedriger Wasserstände plötzlich komplett ausfällt, wenn die Nahrungsmittel auf den Feldern verdorren. Wie wird die Welt aussehen, wenn diese Phänomene zum Dauerzustand werden? Impact Investing ist kein Gutmenschentum, sondern ein Gebot der Stunde. Wir sind hier nicht alleine, aber neben uns gibt es nur wenige andere, glaubwürdige Finanzinstitute, die dies tatsächlich konsequent in ihrer Beratung umsetzen. Und zwar mit Engagement und Authentizität! Hill: Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich aktuell intensiver?Bonnländer: Die Bank hat bisher nachhaltige Publikumsfonds für ihre institutionellen Kunden aufgelegt. Die BFS möchte zukünftig diese Publikumsfonds ins Blickfeld von Privatanlegern rücken. Privatanleger können zwar nicht unsere Kunden werden, sie können aber die Anlagephilosophie der Bank über unsere Publikumsfonds erwerben. Unser Ziel ist es, Kapital aus der Gesamtgesellschaft für die Sozialwirtschaft stärker verfügbar zu machen. Im Bereich der Produktkonzeption für Institutionelle beschäftigen wir uns aktuell mit dem Thema Private Debt. Ein Kreditfonds ist ein Werkzeug für Interessenausgleich zwischen Investor und Kapitalnachfrager. Die BFS verknüpft in ihrem Kreditfonds Know-how, Netzwerk und Reputation auf überzeugende Weise. Negativzinsen und niedrige Bondrenditen treiben derzeit Investoren um. Verknüpft man stabile, alternative – im Idealfall sogar konjunkturunabhängige – Renditequellen mit einem Wachstumsmarkt, trifft man einen wichtigen „Anlagenerv“ von institutionellen Anlegern. Generell wird zu stark in kurzfristigen ökonomischen Renditen gedacht und nicht in Richtung langfristiger sozialethischer Renditen. Damit meine ich: Wodurch entstehen Finanzkrisen, gesellschaftlichen Krisen, und ökologische Schieflagen? Es wird immer zu Lasten der schwächsten Glieder eines Systems gearbeitet, bis uns das System am Schluss die rote Karte zeigt. Würde man die tatsächlichen Kosten von umweltschädlichem Verhalten sofort spüren und diese bezahlen müssen, würde man die Folgekosten bei der Gesamtbetrachtung mit ganz anderen Augen betrachten. Soziale Unruhen, „Systemzusammenbrüche“ und Fluchtbewegungen aufgrund verfehlter Bildungs-, Entwicklungs-, Integrations-, Gesundheits- und Sozialpolitik bezahlen wir heute schon alle mit, mehr unbewusst als bewusst. Wären uns alle

  • Investments in Immobilien stoßen bei institutionellen Investoren nach wie vor auf großes Interesse. Gerade im Bereich der Auslandsimmobilien ist Überblick über spezielles Know-how gefragt. Family Offices und Kanzleien positionieren sich schon seit längerer Zeit als Impulsgeber für den fachlichen Dialog auf hohem Niveau. IPE-D.A.CH-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit dem unabhängigen Asset Management-Consultant Markus Hill über das „10th Annual US Real Estate Forum 2019“ der Kanzlei Mayer Brown LLP und Urban Land Institute (ULI Germany) in Frankfurt am Main und über die Veranstaltung „Zweites deutsches Immobilienforum“ der Deutsche Oppenheim Family Office in Köln. IPE-D.A.CH: Welche Themenfelder wurden in Frankfurt auf dem „10th Annual US Real Estate Forum 2019“ angesprochen?Hill: Die Veranstaltung fand Ende Januar statt und hat eine lange Tradition. Die Kanzlei Mayer Brown und das Urban Land Institute (ULI Germany) hatten organisiert und eingeladen. Kennengelernt habe ich sie im letzten durch Charles Kingston von REFIRE, der dieses Mal erneut die Moderation übernahm. Der Name ist Programm, der Fokus lag auf Investments im Bereich US-Immobilien. Dr. Joerg M. Lang von Mayer Brown LLP und Stefanie Baden von ULI Germany führten kurz ins Thema ein. Paul E. Meyer von Mayer Brown LLP gab bei einem Vortrag und bei dem folgenden Panel einen sehr marktnahen Einblick in die Struktur und über aktuellen Entwicklungen des US-Marktes. In Begleitung dazu ergänzte Ulrich Steinmetz von DWS Grundbesitz aus der Sicht eines „Großen“ der Branche viele der Ausführungen von Herrn Meyer. Abgerundet wurden diese Ausführungen durch die Sicht einer „kleinen“ Investmentboutique von Thomas Gütle von US Treuhand. IPE-D.A.CH: Was ist Ihnen bei der Veranstaltung besonders aufgefallen?Hill: Die Ausführungen von Fachthemen in den Vorträgen bei solchen Veranstaltungen können in der Regel eine gute Landkarte über das Gebiet geben. An der Veranstaltungsreihe in Frankfurt habe ich das zweite Mal teilgenommen. Der interessante Teil für mich ist häufig eher der Fragenteil nach dem Vortrag oder im Anschluss zum Panel. Interessant war die Sicht der Multiplikatoren Mayer Brown und von ULI, allein schon aufgrund der Eigenschaft als Unabhängige. Damit ich hier nicht falsch verstanden werde – unabhängig im Sinne von „Adlerblick auf die Branche“, nicht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen. Solange dies alles transparent ist, wird ein Informations-Mehrwert für den Teilnehmer solcher Formate geschaffen. Eine Kanzlei lebt von zufriedenen Mandanten, ein Verband lebt von zufriedenen Mitgliedern. Die Sicht von „Helikoptern“, die sozusagen über der Branche schweben, ist oft bereichernd. Ein Plus solcher Formate besteht auch darin, dass die Zusammensetzung des Publikums, dass sehr kompetente Fachleute dort Fachfragen stellen. Darüberhinausgehend bilden sich manchmal auch interessante Schwerpunkte in der Diskussion. Allgemeine Marktinformationen, Impressionen, Trends etc. sind ein Feld, das Aufklärung bietet, der erste Teil der Veranstaltung hat hier gute Vorarbeit geleistet. Nach dem Panel gab es aufgrund einer Frage aus dem Publikum noch einen kleinen intensiven Gedankenaustausch zum Thema US-Immobilien, Family Offices-Denke und die Bedeutung beziehungsweise die nur relative Gewichtung der Entscheidungsrelevanz von Themen wie Währungsrisiko und Währungsabsicherung. Hier sprach sozusagen ein „Produktvertreter“ aus dem Verbund eines bekannten Family Offices aus direkter Erfahrung aus der Schnittschnelle Mandantenbetreuung und „Skin in the Game“-Position über Aspekte Produktentwicklung, Risikobereitschaft und Unternehmertum. Wie so häufig konnte man diese interessanten Themen nach der Veranstaltung in angenehmer Atmosphäre vertiefen.IPE-D.A.CH: Wie waren Ihre Eindrücke auf der Family Office-Veranstaltung in Köln?Hill: Das Immobilienforum der Deutsche Oppenheim Family Offices fand im November vergangenen Jahres zum zweiten Mal statt. Die Einleitung erfolgte durch Dr. Thomas Rüschen von Deutsche Oppenheim Family Office und durch dessen Beirat, Jürgen Fitchen. In der ersten Veranstaltung in Vorjahr wurde das Thema US-Immobilien durch die Investmentboutique German American Realty (GAR), vertreten durch Dr. Patrick Adenauer, thematisiert. Auch in diesem Jahr wurde das Thema vom Berater Brad Olsen von Atlantic Partners Ltd. aufgegriffen, er erläuterte seine Sichtweise als Unabhängiger auf die Strukturen und Besonderheiten des US-Marktes im Bereich Wohnimmobilien und Vermietung. Die Deutsche Oppenheim Family Office kombinierte diese Sichtweise auf den Bereich US-Immobilien mit einem Marktüberblick für deutsche Immobilien-Investoren unter dem Motto: „Boom ohne Ende oder Ende des Booms?“. Jochen Möbert von Deutsche Bank Research sprach über das makroökonomische Marktumfeld in Deutschland und zu einer aktuellen hauseigenen Studie zum Thema Wohnimmobilien. Eine besondere zusätzliche Facette in Richtung Immobilien, Family Offices und US-Immobilien bekam die Veranstaltung dadurch, dass der Wechsel von Dr. Christoph Pitschke von Deutsche Oppenheim Family Office AG zu der Investmentboutique GAR von Dr. Patrick Adenauer zum Jahreswechsel 2019 mit Bedauern, aber auch mit herzlichen Glückwünschen, bekannt gegeben wurde. Abgerundet wurde der Themenköcher aus Köln mit Vorträgen zum deutschen Immobilienmarkt durch Dr. Christoph Pitschke, Thomas Krahl (Deutsche Oppenheim Family Office AG) und durch Thomas Meyer von der Investmentboutique Wertgrund Immobilien AG. Ein Eindruck denn ich im Anschluss zu den Veranstaltungen in Köln und auch in Frankfurt mitgenommen habe wahr: Family Offices denken unabhängig und schätzen die Expertise von Multiplikatoren und Fondsboutiquen!IPE-D.A.CH: Gibt es ein gemeinsames Merkmal bei diesen Veranstaltungsformaten?Hill: Die beiden Veranstaltungen stehen ja stellvertretend dar für eine bestimmte Kategorien von Formaten oder auch Produktofferten. Fairerweise muss man sagen, dass natürlich auch andere Institutionen in Sachen „Adlerblick“ und „Mehrwert-Information“ unterwegs sind. DVFA, BVI, BAI, Frankfurt School, IMC – Vereine, Verbände, Universitäten, Think Thanks, Event-Veranstalter etc. Sie alle haben eine eigene Note hinsichtlich Themen, Netzwerken, Formaten. Auch im Family Office-Bereich sind viele Gesellschaften im Bereich von In- und Auslandsimmobilien aktiv – HQ Trust, Feri, Tresono FO, Kontora FO und viele andere mehr. ULI Germany ist vielleicht ein besonderer Fall, weil es eine sehr interessante Verbindung zu Immobilienthemen gibt, die nicht rein kommerziell zu sehen sind und hier zusätzlich eine sehr interessant internationale Komponente hinzukommt. Wenn ich befangener Weise die oben zwei angesprochenen Formate auf ein, zwei Punkte herunterbrechen sollte, würde ich sagen: Auswahl der Teilnehmer und Größe der Veranstaltung. Da beide Organisationen keine klassischen Event-Veranstalter sind, besteht einerseits ein echtes Interesse an der inhaltlichen Diskussion der Themen, das Einwerben von Sponsorengeldern steht nicht im Zentrum des Interesses. Andererseits findet man bei diesen Formaten so gut wie kaum Vertreter aus dem Sales-Bereich. Man kommt gerne auf solche Veranstaltungen, da es keine „Produktschauen“ sind. Beide Veranstalter müssen intensiv Reputationsmanagement betreiben. Zum Vorteil der geladenen Gäste!IPE-D.A.CH: Gibt es bei Ihnen eine inhaltliche Brücke zu dem Thema Immobilien im In- und Ausland? Warum

  • Vom 30. bis 31. Januar findet der Fondskongress in Mannheim statt. Neben populären Referenten mit Vorträgen mit Produktfokus bietet diese Veranstaltung ein interessantes Angebot an Fachvorträgen und Roundtables. Auch in diesem Jahr sind wieder bekannte KVGen und weitere Dienstleister, wie Depotbanken und Haftungsdächern sowie eine Vielzahl von Fondsboutiquen auf dieser Veranstaltung zu finden. Wie auch eine Baader Bank-Konferenz in 2018 mit Panel-Themen wie „Wie kann eine KVG den Portfoliomanager beim Fonds-Vertrieb unterstützen?“ hat auch dieser Kongress den Fondsboutiquen thematisch breiten Raum zur Diskussion eingeräumt. IPE D.A.CH-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit dem unabhängigen Asset Management Consultant Markus Hill über den Kongress, die Rolle von KVGen, aktuelle fachliche Interessenschwerpunkte und über die Moderation eines Roundtables zum Themenbereich Rohstoffe in Mannheim. IPE D.A.CH: Welche Themenfelder werden auf dem Fondskongress in Mannheim angesprochen?Hill: Im Gegensatz zum kommenden Institutional Money Kongress in Frankfurt im Februar ist der Fondskongress in Mannheim stark auf semi-institutionelle Fondsselektoren ausgerichtet. Als spezielles Merkmal würde ich sagen, dass er als Format für den Gedankenaustausch von Produktanbietern und Investoren eine zentrale Kommunikationsplattform in diesem Segment darstellt. Zwar wird ab und an immer noch kritisch angemerkt, dass die Wurzeln klassischerweise im Bereich der unabhängigen Finanzdienstleister liegen. Meiner Ansicht vollzieht sich hier aber langsam ein Wandel in dem Sinne, dass nach und nach auch immer mehr andere Investoren aus dem Bereich „Semi-Institutionelle“ Interesse an einem angenehmen fachlichen Gedankenaustausch mit den Produktanbietern haben. Man findet auf dem Kongress alle möglichen Themen abgebildet. Marcel Fratzscher, Thilo Sarrazin, Friedrich Merz, Fondsboutiquen, Value, Growth, Smart Beta, AIFs, SRI und mehr – der Fondskongress bietet eine angenehme Vielfalt von Themen. Studiert man das Programm des Veranstalters, findet man immer Fachgebiete, die als Vortrag oder Roundtable von Interesse sind. Natürlich gibt es Format mit starker Produktausrichtung. Aber auch hier sollte man fair bleiben: viele Vermittler von Finanzprodukten verlangen auch solche Aufbereitung, direkte Produktinformation. Daneben gibt es viele nicht-produktbezogene Veranstaltungen und generell den Kongress als Plattform für den gepflegten fachlichen Gedankenaustausch. Auch wenn es keine klassische Veranstaltung für institutionelle Investoren ist, für den einen oder anderen bietet die Vielfalt der Themen und Anbietern immer wieder einen fachlichen „Unterhaltungswert“. Die Transparenz von Publikumsfondsanbietern kann ab und an dazu führen, dass man Manager findet, die vielleicht nicht klassischen Ansprüchen auf den ersten Blick genügen, viele Fondsboutiquen sind da oft einen zweiten Blick wert. Selbst dann, wenn diese noch eine Zeit lang nicht für einen Spezialfonds in Frage kommen sollten – Publikumsfonds für Institutionelle ist ein Feld, dass sich im Laufe der Jahre exzellent entwickelt hat. IPE D.A.CH: Was erscheint Ihnen hier als interessant in Mannheim?Hill: Das Thema Fondsboutiquen und Private Label Fonds verfolge ich intensiver seit 2003, es war damals keinesfalls Mainstream. Viele klassische Asset Management-Consultants hatten zu der Zeit zunächst ein „mitleidiges Lächeln“ für diesen Themenkomplex, es bestand noch kein großer Druck auf der Investorenseite, so tickt die Industrie halt. Im letzten Jahr diskutierten drei Vertreter von bekannten Kapitalverwaltungsgesellschaften auf einer Veranstaltung der Baader Bank das Thema „Wie kann eine KVG den Portfoliomanager beim Fonds-Vertrieb unterstützen?“. Marcus Kuntz (Universal Investment), Andreas Hausladen (Hansainvest) und Winfried Stürzbecher (Ampega) diskutierten dort engagiert dieses „Nischenthema“. Auch auf dem Fondskongress sind diese Adressen vertreten (neben vielen anderen Dienstleistern). Einige dieser Adressen bieten den unabhängigen Asset Managern eine Plattform für direkte Gespräche am Stand, Vorträge und Speed Datings mit Fondsselektoren. Ein Luxus-Problem beim Fondskongress ist, dass ein Angebot an Information vorhanden ist, das man kaum bewältigen kann. Das Programm kann man gründlich studieren, sich bei diesen Dienstleistern die „passende“ Fondsboutique, den Fondsadvisor, aussuchen und man kann das direkte Gespräch suchen. Diese kleinen, oft weniger bekannten Adressen bieten sehr oft interessante Ansätze und Knowhow, der Gedankenaustausch lohnt sich. Allein schon deswegen, weil neben dem Investmentansatz auch noch die Unternehmerpersönlichkeit, Portfoliomanager mit „Skin-in-the-Game-Faktor“, einen Mehrwert im Gespräch bietet. Fairerweise ist anzumerken, dass dies nicht heißt, dass es nicht auch konzerngebundene Manager gibt, die einen ähnlichen „Unterhaltungswert“ bieten. Es gibt eine Vielzahl solcher Adressen auf dem Fondskongress. Licht und Schatten gibt es in beiden Segmenten, Risikostreuung ist angesagt! IPE D.A.CH: Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich ansonsten aktuell?Hill: Den Bereich AIFs und Real Assets, Off Market-Segmente, beobachte ich derzeit intensiv, auch das Thema „Sinnhaftigkeit und Nicht-Sinnhaftigkeit von Sponsoringformaten im Asset Management-Bereich“ (Themenkreis: „Abstandsmarketing-Konzepte“ versus Direkter-Investoren-Kontakt, Fondsboutiquen, Seed Money etc.). Input, Ideen und Anregungen zu dem Themenkreis sind immer willkommen. Value Investing, Family Offices und Private Equitity-Denke, sind nach wie vor interessant, voraussichtlich im April wird hierzu wieder eine Veranstaltung in Frankfurt stattfinden mit MH-Kurzintro. Um auf Mannheim zurück zu kommen: Der Fondskongress hat mittlerweile sein eigenes Ökosystem entwickelt. Im Laufe der Jahre haben sich viele Veranstaltungen um den Kongress selber positioniert, viele der Aussteller kommunizieren auf verschiedenen Kanälen mit Ihren „Fankreisen“. Teilweise laufen zeitgleich oder kurz vor dem Kongress schon andere Formate auf (Beispiel: 29.1., Fondsfrauen Gipfel). Netterweise werde ich einen kleinen Roundtable von SIA Funds AG am 30.1. zum Thema Rohstoffe (Urs Marti, Alex Rauchenstein) moderieren. Nebenbei gesagt: Auch zu diesem Bereich bietet der Fondskongress fachlichen Input von vielen Gesellschaften an. Ich glaube, dass dieses Ökosystem des Kongresses vielen Teilnehmern und Sponsoren einen speziellen Mehrwert bietet. Auch die Vielfalt an Diensteistern vor Ort im Bereich Boutiquen, KVGen, Depotbanken, Placement Agents und Haftungsdächern findet man nicht häufig. Nimmt man etwas Bedeutungsschwangerheit aus der Formulierung des Soziologen Markus Mirwald, so könnte man vielleicht ein Motto zum Fondskongress Mannheim, Fondsboutiquen und Dialog finden: „Gedanken zu teilen bedeutet, ihnen die Freiheit zu schenken, sich in anderen Menschen neue Formen geben zu lassen.“ *) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info(at)markus-hill.com; Website: www.markus-hill.com Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Institutionelle Investoren suchen verstärkt nach attraktiven Möglichkeiten im Bereich Immobilieninvestments außerhalb Deutschlands. Investmentboutiquen stoßen auch hier im Bereich der Real Assets seit Jahren auf großes Interesse bei Family Offices und bei klassischen institutionellen Investoren. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Dr. Patrick Adenauer, geschäftsführender Gesellschafter der BAUWENS Unternehmensgruppe und der German American Realty GmbH („GAR“), über die Erfolgsfaktoren bei Investments in US-Immobilien. Angesprochen wurden Themen wie Marktattraktivität, Marktausblick und Marktsegmente. Faktoren wie Zins, Währung sowie Eigenkapital und Mezzanine werden ebenso diskutiert. Hill: Viele institutionelle und semi-institutionelle Investoren suchen nach Anlagemöglichkeiten im Immobilienbereich im In- und Ausland. Auch viele Ihrer Kunden kommen aus dem Family Office-Bereich. Weshalb nehmen Sie derzeit ein verstärktes Interesse an US-Immobilieninvestitionen wahr?Adenauer: Das steigende Interesse deutscher Immobilieninvestoren an Investments in den USA hat mehrere Gründe. Zum einen sind durch Immobilieninvestitionen im Ausland positive geographische Diversifikationseffekte erzielbar. Der Auslandsanteil der Immobilienportfolien von Family Offices liegt im Durchschnitt bei 10%, bei institutionellen Investoren sogar häufig noch darunter. Daher ist die geographische Diversifikation ein wesentliches Motiv und für deutsche Anleger besteht noch erhebliches Potenzial für Immobilieninvestitionen im Ausland. Zum anderen suchen Immobilieninvestoren attraktive Renditen. Bei einem Einstieg in den deutschen Immobilienmarkt sind bei dem aktuell erreichten Preisniveau von Bestandswohnungen nur niedrige Renditen zu erzielen. Zudem ist die langfristige Perspektive in Deutschland geprägt von einer alternden Gesellschaft und von einer wenig dynamischen Bevölkerungsentwicklung, ganz im Gegensatz zu den USA.Hill: Was spricht Ihrer Meinung nach langfristig für die US-amerikanische Volkswirtschaft?Adenauer: Wir haben Vertrauen in die amerikanische Wirtschaftskultur, die durch sportlichen Wettbewerb, Professionalität und Transparenz gekennzeichnet ist. Zudem schätzen wir den amerikanischen Unternehmergeist und damit bauen wir nicht auf kurzfristige, sondern auf grundsätzliche Charakteristika und langfristige Trends. Mit einem Beitrag von 25% zum globalen BIP sind die USA die größte Wirtschaftsnation der Welt. Die wirtschaftliche Dynamik wird nachhaltig und langfristig getragen durch ein im Vergleich zu Europa dynamisches Bevölkerungswachstum. Die Gesamtbevölkerung der USA von derzeit 328 Millionen Einwohnern wird bis 2035 auf etwa 360 Millionen steigen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von rund 3 Millionen Einwohnern. Der Investitionserfolg mit Wohnimmobilien ist maßgeblich abhängig von der Anzahl der Haushalte und Nachfrager. Deshalb fokussieren wir uns im Ankauf auf Metropolregionen mit starken wirtschaftlichen Fundamentaldaten und entsprechend positiver Bevölkerungsprognose. In den USA gibt es rund 50 Metropolstädte mit über 1 Million Einwohnern. Bei vielen dieser Städte liegt die Bevölkerungsprognose bis 2035 zwischen 30 und 75%. So steigt beispielsweise die Einwohnerzahl der Metropolregion Dallas von derzeit 7,1 Millionen bis 2035 auf über 10 Millionen an. Für Deutschland prognostiziert das IW Köln bis 2035 für München das stärkste Bevölkerungswachstum aller deutschen A-Städte in Höhe von 20%. Zum Vergleich: Allein die Wirtschaftskraft der Metropolregion Dallas entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Belgien. Wir investieren damit quasi in einzelne Wirtschaftsräume innerhalb der USA. Die USA verfügt über den weltweit größten investierbaren Immobilienmarkt mit hoher Transparenz, Liquidität und Rechtssicherheit. Hill: Welche Immobilienart, welches Marktsegment, erscheint Ihnen als attraktiv?Adenauer: Wir sind ganz klar auf den Erwerb von Mehrfamilienhäusern (Multi Family) und ganzen Apartmentanlagen fokussiert. Etwa ein Viertel des US-Immobilienmarktes entfallen auf dieses Anlagesegment. Die Nachfrage nach Wohnungen insbesondere in Metropolen steigt und auch der Trend zum Mieten statt Kaufen ist weiter intakt. So ist die Wohnungseigentumsquote in den letzten 10 Jahren von 69 auf 63% gesunken. Entsprechend ist die Nachfrage nach Mietwohnungen gestiegen – und dieser Trend zum städtischen Wohnen ist intakt. Für Anleger die den ersten Schritt in einen ausländischen Immobilienmarkt wagen bieten Investitionen in Mietwohnungen das geringste Risikoniveau. Wohnen ist ein relativ konjunkturunabhängiges Grundbedürfnis und unser Schwerpunkt liegt auf gut angebundenen Bestandswohnanlagen für mittlere Einkommen. Diese weisen im Idealfall Revitalisierungs- und Repositionierungsbedarf auf. Wertsteigerungspotenziale heben wir durch aktives Vermietungsmanagement und durch ein kontinuierliches Upgrading der Apartmentanlagen gemeinsam mit unseren Joint Venture Partnern. Auch in einem konjunkturellen Abschwung sehen wir diese Nutzungsart als sicherer an als zum Beispiel Luxuswohnraum oder Gewerbeobjekte. Zudem ist die Nachfrage nach Wohnraum weitgehend resistent in Bezug auf den Megatrend der Digitalisierung und gegenüber sonstigen disruptiven Veränderungen.Hill: Führt der Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA vielleicht zu einer Abkühlung des Immobilienmarktes?Adenauer: Ein Anstieg der langfristigen Zinsen und die damit verbundene Verteuerung der Fremdfinanzierungskosten müsste einen Anstieg der Anfangsrenditen bzw. Cap-Rates nach sich ziehen. Die negative Auswirkung eines möglicherweise weiteren Zinsanstiegs wird aber nach unserer Überzeugung von den langfristig positiven Fundamentaldaten zum US-Wohnimmobilienmarkt überkompensiert. Ein weiter steigendes Zinsniveau wird wahrscheinlich dazu führen, dass die US-Volkswirtschaft globale Kapitalflüsse auf sich zieht und damit der US-Dollar steigt.Hill: Sind die Währungsrisiken nicht „unkalkulierbar“ hoch?Adenauer: Die mit uns investierenden Anleger haben ganz gezielt den Wunsch in US-Dollar investiert zu sein, auch um Vermögen über unterschiedliche Währungsräume zu diversifizieren. Der US-Dollar ist schließlich die bedeutendste und fungibelste globale Währung. Eine Fremdwährung bringt natürlich Kursrisiken aber auch in gleichem Maße Chancen mit sich. Investoren sollten für US-Immobilieninvestitionen allerdings nur solches Kapital investieren, das nicht kurzfristig wieder in Euro benötigt wird.Hill: Ihre Aktivitäten liegen in erster Linie im Bereich der Direktinvestments. Gibt es neben dieser Variante des Investierens noch Alternativen, durch die institutionelle Investoren am Wachstum des US-Immobilienmarktes partizipieren können?Adenauer: Ja, wir sehen hierfür ausgesprochen interessante Chancen auf der Passivseite über Mezzanine-Darlehen. Unsere Investitionen in Bestandswohnanlagen sind für eine Hinzunahme von Real Estate Debt sehr gut geeignet. Die Mietzahlungsströme sind granular und vor dem Hintergrund der erheblichen Nachfrage stabil. Der Zinssatz für Darlehen im Erstrangbereich liegt in den USA unterdessen bei etwa 4,5%. Daher bietet es sich an, die Finanzierungsstruktur über Mezzanine-Investitionen zu optimieren. Über Investitionen in US-Bestandswohnungen sind mit Mezzanine-Tranchen Renditen von etwa 8-10% p.a. erzielbar. Zudem interessant ist es, dass für Investoren die Solvency II unterliegen reduzierte Eigenkapitalanforderungen resultieren. Darlehensforderungen, die mit Immobilien besichert sind mit deutlich weniger Eigenkapital zu unterlegen als Direktinvestments.Hill: Abschließend betrachtet, sehen Sie Präsident Trump eher als Hindernis oder als Pluspunkt für die Attraktivität des amerikanischen Immobilienmarktes?Adenauer: Bisher können wir durch diese Präsidentschaft keine negativen Auswirkungen für den US-Immobilienmarkt feststellen. Von der Steuerreform profitieren die Einwohner, die Unternehmen und auch deutsche Immobilieninvestoren.Hill: Vielen Dank für das Gespräch!—*) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info(at)markus-hill.com; Website: www.markus-hill.comSeit 1989 ist Dr. Patrick Adenauer geschäftsführender Gesellschafter der 1873 gegründeten BAUWENS Unternehmensgruppe. Darüber hinaus ist er einer der geschäftsführenden Gesellschafter der German American Reality GmbH („GAR“).

  • Anfang Dezember findet in Frankfurt am Main die Konferenz „Germany Institutional Forum“ statt. Der unabhängige Branchenexperte Markus Hill wird dort ein Panel moderieren. Im Rahmen des Themas Opportunistic Alternative Investments werden Themen wie Investments in Hedgefonds, Private Equity und Rohstoffe und „Diverses“ besprochen. IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm über das Panel, weitere Konferenzinhalte, über Frankfurt am Main und über die Moderation des MH-Fokus-Roundtable „Fondsboutiquen, Family Offices und Absolute Return“, die kurz vorher in Frankfurt am 27. November stattfindet. Auf dieser Veranstaltung wird das Thema „Family Offices und Managerselektion“ eng in Verbindung mit der Thematik Liquid Alternatives diskutiert werden. IPE Institutional Investment: Welche Themenfelder werden auf der Konferenz „Germany Institutional Forum“ angesprochen?Hill: Die Konferenz findet jährlich statt und richtet sich an institutionelle Investoren. Dort werden eine Vielzahl von Themen in Vorträgen und Panels behandelt: Wandelanleihen-Markt, Makro-Ausblick, Asset Allocation, Factor Investing, Real Assets (Real Estate, Energie, Infrastruktur) und Global Fixed Income. Ferner werden Themen wie „Opportunistic Alternative Investments“, Investments in Emerging Markets und die Integration von ESG-Kriterien bei dem Investmentprozess für Institutionelle dort diskutiert. Meine Erfahrung auf meinem Panel im letzten Jahr zum Thema „Passives contra Aktives Management, die Auflage einer alten Debatte““ ist, dass dort sehr kontrovers diskutiert werden kann. IPE Institutional Investment: Welche Punkte werden konkret bei Ihrem Panel aufgegriffen und diskutiert?Hill: Wie auch im Vorjahr möchte ich inhaltlich meiner Diskussion und den Interessen meiner Panelteilnehmer nicht vorgreifen. Das Thema „Opportustic Alternative Investments“ wird im Zentrum der Diskussion stehen. Teilnehmen werden Trutz Rendtorff, Chief Financial Officer der Karg Stiftung, Marcus Storr, Head of Hedge Funds von der FERI Trust GmbH und Tara Moor, Managing Director bei Guggenheim Partners. Meine Erfahrung aus anderen Zusammenhängen ist, dass das Thema viele Ansatzpunkte zur Diskussion bietet. Dr. Thomas Rüschen von Deutsche Oppenheim Family Office AG habe ich im Oktober in München auf dem Private Wealth Forum der Markets Group als Moderator erlebt, er hatte das Thema stärker mit dem Fokus auf semi-institutionelle Anleger und HNWIs diskutiert. Bei unserem Panel in Frankfurt steht die Frage im Vordergrund, mit welchen Alternative Investments noch, risikoadjustiert betrachtet, attraktive Renditen für institutionelle Investoren erwirtschaften lassen: Welche Rolle spielt Private Equity in einem diversifizierten Portfolio? Welche Alternativen gibt es im Bereich Hedgefonds und Rohstoffe? Gibt es Anlagealternativen, die vielleicht oft nur mit erhöhtem Due Diligence-Aufwand und einem speziellem Know-how-Netzwerk zugänglich sind? Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ist das Spannungsfeld zwischen liquiden und nicht-liquiden Alternative Investments vielleicht auch eine zusätzliche Betrachtung wert. Auch die Rolle von Produktverpackungen könnte ein Thema sein. Real Assets – Direktinvestment, AIFs, Listed Equity, auch diese Themen könnten zusätzlich interessant sein. Man findet hier bei der Due Diligence oft verschiedene Sichtweisen bei Family Offices, Stiftungen und klassischen institutionellen Investoren. IPE Institutional Investment: Haben Sie eine bestimmte Meinung zum Themenfeld des Panels?Hill: Nein, die Panelteilnehmer haben Ihren Wissensbereich. Ich kann da nur Anregungen geben. Was ich immer wieder wahr nehme ist, dass heutzutage der Bereich der liquiden und nicht-liquiden Produkten, auch der Bereich Direktinvestments, wesentlich „ganzheitlicher“ auf der Produktauswahlseite bei Institutionellen und Semi-Institutionellen betrachtet wird. Man sieht dies zum Beispiel daran, dass ohnehin der Bereich Beteiligungen – insbesondere Venture Capital und Private Equity – zum Beispiel auch in Kombination mit der Auswahl von Direktinvestments im Bereich Real Assets (Immobilien etc.) zu finden ist, beziehungsweise, dass die Fachbereiche bei den Investoren auch innerhalb der Organisation im intensiven fachlichen Gedankenaustausch stehen. Ein Indikator hierfür könnte auch sein, dass diese Themen und die Fachexperten hier oft auch auf Fachkonferenzen nicht mehr strikt voneinander getrennt werden, man sozusagen etwas stärker „interdisziplinär“ zu diskutieren bereit ist. Family Offices und Stiftungen, aber auch Versorgungswerke und Consultants, stellen hier einen besonderen Bereich dar, in „weicher“ Abgrenzung zu Versicherungen oder Pensionskassen. Vielleicht ergibt sich dieser Eindruck von dieser Seite auch dadurch, dass ich seit 2015 jeweils zwei Mal pro Jahr kleine Veranstaltungen mit Prof. Dr. Carlos Jarillo moderierend begleite. Als Autor des Buches „Strategische Logik – Die Quellen der langfristigen Unternehmensrentabilität“ und Manager eines Value-Fonds ist eines der Themen vor semi-institutionellen Investoren häufig gewesen: Value Investing – Unterschiede, Vor- und Nachteile von liquiden Fondsmanagementansätzen (klassischer, liquidere Publikumsfonds) versus nicht-liquiden Produktlösungen (Private Equity). Beim letzten Termin in München wurden interessanterweise, in Verbindung mit meinem Panelthema auf dem German Institutional Forum, zusätzlich der Zusammenhang von Value Investing, Nachhaltigkeit und die Auswahlkriterien von Rohstoffinvestments diskutiert. IPE Institutional Investment: Sie haben im Vorfeld des German Institutional Forum für den 27. November noch eine eigene Veranstaltung zum Thema „Fondsboutiquen, Family Offices und Absolute Return“ in Frankfurt organisiert. Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Veranstaltung?Hill: Dieser MH-Fokus-Roundtable ist eine Investoren-Veranstaltung in sehr kleinem Rahmen, die in den Räumlichkeiten von MM. Warburg & Co. in Frankfurt stattfinden wird. Reiner Konrad von dem Multi Family Office wird einen Vortrag zum Thema „Family Offices, Fondsboutiquen & Managerselektion“ halten. Dr. Björn Borchers von Warburg Invest wird zu dem Thema „Liquid Alternatives – Volatilität als alternative Renditequelle“ referieren, Manfred Gridl von Gridl Asset Management wird zum Thema „Unsere Antwort auf die EZB-Zinspolitik“ vortragen. (Siehe auch beigefügtes Foto). Ich werde ein Kurzintro geben und die Veranstaltung moderieren. Es soll ein Frühstücks-Gedankenaustausch in kleiner Runde werden. IPE Institutional Investment: Warum haben Sie diesen Themenschwerpunkt gewählt?Hill: Seit 2013 habe ich immer Paneldiskussion mit Fondsselektoren zum Thema Due Diligence von Fonds (liquide und nicht-liquide) begleiten dürfen. Den Bereich Fondsselektion kennen ich auch aus meiner eigenen Tätigkeit, wie auch die Unterstützung von Fondsboutiquen in speziellen Themen. Seit drei Jahren, auch in 2018 – neben FundForum International auch auf der funds excellence in Frankfurt – habe ich diese Themen noch stärker ausschließlich mit Family Offices diskutieren können. Die Idee ist sozusagen aus vielen fachlichen Gesprächen mit Produktauswahl-Verantwortlichen auf Family-Office-Seite entstanden – in Einzelgesprächen bei Projekten (Managerselektion und Fondskonzept-Checks bei Fondsboutiquen) und im Zusammenhang mit Moderations-, Vortrags- und Artikelthemen, die ich bearbeitet habe. Interessant ist, dass der Themenkreis Fondsboutiquen nochmals ein spezielles Feld darstellt. Hier sind auch Bereiche wie Existenzgründung, Lebenszyklus, Seed Money neben Track Record, Fondsgröße und Investmentprozess interessante Diskussionsfelder. Noch entscheidender erscheinen hier Faktoren wie Managerpersönlichkeit, Spezialisierung, Skin-in-the-Game, Unabhängigkeit und nicht zuletzt die Langfristdenke auf Unternehmerseite. Nicht zu vergessen: Diese Unabhängigen tuen, was sie lieben! IPE Institutional Investment: Welches Themenfeld schauen Sie

  • Bei der Auswahl von Asset Managern zeigen gerade Family Offices seit Jahren ein verstärktes Interesse an Fondsboutiquen. Ownership Approach, „Skin in the Game“ und Spezialisierung in diesem Managersegment stoßen gerade bei dieser Investorengruppe oft auf große Resonanz. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit dem Senior Portfolio Manager Reiner Konrad vom Multi Family Office FOCAM AG in Frankfurt über Managerselektion und die Auswahl von besonderen Talenten. Angesprochen wurden Themen wie quantitative und qualitative Kriterien bei der Auswahl von Portfolio-Managern im Boutiquenbereich. Viele dieser Punkte werden auch im Vortrag „Family Offices, Fondsboutiquen & Managerselektion“ von Rainer Konrad am 27.November 2018 in Frankfurt bei einem Gedankenaustausch vertieft dargestellt und diskutiert werden. Hill: Wie sieht der Prozess für die Auswahl von Asset Managern in Ihrem Hause aus?Konrad: Zuerst kurz zu unserer Philosophie. Unserer Ansicht nach ist es so, dass es für viele Segmente Fondsmanager gibt, die einen Mehrwert bieten und auch deshalb mögen wir gerne Manager von spezialisierten Fondsboutiquen. Wir investieren nur in Strategien die wir nachvollziehen können und die ihrem Stil treu bleiben. Bei der Auswahl von Managern haben wir keine spezifischen Mindestvorgaben für das Fondsvolumen. In bestimmten Ausnahmefällen investieren wir auch in Strategien, die zum Beispiel einen kürzeren Track Record als drei Jahre haben. Grundsätzlich starten wir auf Basis einer quantitativen Vorauswahl. Basis ist hierfür die richtige Vergleichsgruppe und die passende Benchmark. Darauf basierend folgt dann der qualitative Prozess, dem wir eine sehr große Bedeutung einräumen. Hill: Welche quantitativen Faktoren sind für Sie von Bedeutung bei der Auswahl?Konrad: Wir schauen uns verschiedene Kriterien an. Historische Renditen über verschieden Zeiträume, bevorzugt hier Zeiträume über ein, drei und fünf Jahre. Bei dieser Systematik gewichten wir kürzere Zeiträume stärker. Wichtig erscheint uns hier auch die Performance im Vergleich zur Peergroup und der Benchmark. Die Konsistenz der Performance ist ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Auswahl der Manager. Interessant und wichtig beim Fonds ist auch das Verhalten in unterschiedlichen Marktphasen, sowie das Upside- und Downside-Capture. Als Risikokennzahlen verwenden wir zum Beispiel Active Share, Tracking Error, Sharpe- und Information Ratio. Hill: Welche qualitativen Faktoren sind für Sie wichtig bei der Beurteilung von Asset Managern?Konrad: Die Investmentphilosophie und der tatsächliche Ablauf des Investmentprozesses. Wer entscheidet letztendlich? Wie ist die Reputation der Gesellschaft? Wer sind die führenden Köpfe in der Gesellschaft, Eigentümer und auch Manager? Wie sind die Abwicklungsprozesse und die Gebührenstruktur? Wie sieht das Verhältnis bei Volumen und Vergütungsstruktur aus? Besteht ein hoher Grad an Stiltreue beim Management des Fonds über den Zeitablauf? Von elementarer Bedeutung sind für uns die handelnden Personen, sprich das Fondsmanagement. Diese Personen sind letztendlich für die Performance der Strategie verantwortlich. Bei unserer Analyse geht es uns auch darum, ein „ Wohlgefühl“ aufzubauen. Dieses positive Gefühl ist ganz wichtig, da wir ja einen Teil unserer Verantwortung delegieren. Punkte, die wir diesbezüglich deshalb genauer betrachten sind die Ausbildung, Werdegang und Berufserfahrung von Fondsmanager und Team. Wie lange wird schon zusammen gearbeitet? Wie setzt sich das Team zusammen? Wie ist die Rollenverteilung? Wer bringt seine Stärken wie ein? Hill: Machen Sie einen Unterschied zwischen großen etablierten Häusern und Fondsboutiquen?Konrad: Grundsätzlich machen wir erst einmal bei der quantitativen Vorauswahl keinen endgültigen, harten Ausschluss. Wir mögen allerdings Boutiquen, da diese meistens auf gewisse Segmente spezialisiert sind und der Zugang und Service sehr gut ist. Wir möchten ja gerne die Köpfe hinter den Strategien verstehen. Der persönliche Kontakt zum Manager ist uns hier sehr wichtig. Oft stehen hinter den Boutiquen Fondsmanager, die schon eine erfolgreiche Karriere bei einem größeren Haus hinter sich haben und daher über eine langjährige Erfahrung verfügen. Allerdings finden wir auch bei größeren Häusern immer wieder interessante Manager und Managerteams. Ich glaube die Mischung macht es aus. Wie viele andere Family Offices finden auch wir, dass es in Deutschland eine ganze Menge wirklich guter Fondsboutiquen mit interessanten Strategien und sehr talentierten Fondsmanagern gibt. Hill: Wie setzen Sie ETFs in Ihrem Hause ein? Bedeuten diese eine Konkurrenz für aktive Asset Manager?Konrad: Als taktische Steuerung von Aktienquoten nutzen wir gerne ETFs in Bereichen, wo keine geeigneten Manager auf dem Radar erscheinen. Alternativ setzen wir diese in der Übergangsphase ein, bis wir einen aktiven Manager für das Segment gefunden haben, der einen Mehrwert durch aktives Management bietet. Teilweise kann man es schon als Konkurrenz ansehen. Vor allem in den großen und effizienten Märkten. Dazu kommen noch die aktuell immer noch fallenden Kosten und der Preiskampf bei den ETFs. In ineffizienteren Segmenten sollten ETFs weniger Konkurrenz sein. Auch das Segment der „Smart Beta ETFs“ beobachten wir aufmerksam. Hier gibt es teilweise interessante Ansätze. Hill: Mit welchen Themenfeldern beschäftigen Sie sich aktuell intensiver?Konrad: Wir suchen nach guten Rentenmanagern im Umfeld von steigenden Zinsen. Auch interessante Strategien im Bereich Liquid Alternatives finden unser Interesse. Ein spezielles Segment, wo wir Talente suchen, sind Manager im Bereich Wandelanleihen. Da mich der Bereich Fondsboutiquen sehr interessiert, werde ich hier noch Ihre Veranstaltung am 27. November in Frankfurt am Main mit einem kleinen Vortrag zu diesem Thema begleiten. Vorab noch vielen Dank für Ihre Einladung und den intensiven Gedankenaustausch zu diesem Themengebiet im Vorfeld. *Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main. Kontakt: info(at)markus-hill.com ; Website: www.markus-hill.com Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Spezialisierung im Asset Management, „Skin in the Game“ und Unabhängigkeit bei Anlageentscheidungen sind Faktoren, die Fondsboutiquen für viele institutionelle Investoren interessant erscheinen lassen. Family Offices, Versicherungen und Versorgungswerke schauen sich oft verschiedene Talente in verschiedenen Asset-Klassen an. Markus Hill sprach für IPE Institutional Investment mit dem Autor des Buches „Strategische Logik – Die Quellen der langfristigen Unternehmensrentabilität“ Prof. Dr. J. Carlos Jarillo über Value Investing, liquide Fondskonzepte versus Private Equity, Investments in Rohstoffe sowie über Investorendialog und den Faktor SRI bei Investments. Einige dieser Punkte werden von Prof. Dr. Jarillo am 16. Oktober 2018 in München bei seinem Vortrag „Strategic Investing“ intensiver diskutiert. Hill: Sie sind der Autor des Buches „Strategische Logik – Die Quellen der langfristigen Unternehmensrentabilität“. Mit welchen Themen haben Sie sich dort eingehender beschäftigt?Jarillo: Ich betrachte die Welt der Unternehmen und des Fondsmanagements durch die Augen eines Lehrenden und Praktikers mit Eigentümerblick (Ownership Approach). Strategie und Langfristdenke sind Faktoren, denen ich bei der Bewertung von Unternehmenskonzepten immer eine besondere Bedeutung beigemessen habe. In dem Buch stecken meine gesammelten Erfahrungen als ehemaliger Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensstrategie an der Universität Genf. Zusätzlich habe ich am IMD in Lausanne, an der IESE Business School, der Universität von Navarra und Instituto de Epressa in Spanien unterrichtet. Die prägenden Jahre für meine Denke finden sich in meiner Zeit als Senior Research Associate an der Harvard Business School bei Michael Porter. Viele meiner Gedanken zur Beurteilung von Businesskonzepten, Konkurrenzanalyse und auch zum Thema „Economic Moat“ und Value Investing findet man in komprimierter Form in meinem Buch. Mir war es wichtig, viele Praxisbeispiele zu benutzen, zumal ich über lange Jahre auch in der Unternehmensberatung tätig war. Hill: Was waren Ihre nächsten Schritte nach Ihrer Tätigkeit als Professor und Buchautor?Jarillo: Der Schritt aus der Theorie in die Praxis entstand, als ich Gründer und Managing Partner meines Unternehmens „Strategic Investment Advisors“ wurde. Meine Überzeugung war immer, dass sich eine gute Unternehmensstrategie langfristig auf die Profitabilität einer Firma auswirkt. Im Jahr 2002 habe ich den „Long Term Investment Fund Classic“ aufgelegt. Im Schnitt haben wir seitdem mit dem Fonds eine Performance von 9,2% p. a. erwirtschaftet. Ein Grund für die Auflage war zugegebenermaßen auch, dass ich etwas frustriert war über das Verhalten vieler meiner Studenten, die nach meinen Vorlesungen ein gutes Grundgerüst für den Aufbau einer erfolgreichen Unternehmensstrategie erhalten haben, aber oft nach Eintritt in die Praxis viele der theoretischen Dinge wieder „vergessen“ haben. Mit meinem Fonds wollte ich beweisen, dass meine Überlegungen auch für die Praxis relevant und umsetzbar sind. Zwei Jahre später ist auch der Co-Manager Alex Rauchenstein, ein ehemaliger Teilnehmer meiner MBA-Executive-Studiengänge, mit zu meinem Team gestoßen. Gerade bei solchen Projekten ist es wichtig, die richtigen Leute an das Unternehmen zu binden. Für mich war es über die Jahre sehr interessant zu sehen, wie sich meine Gedanken und Schlussfolgerungen aus dem Buch ins Portfolio Management übertragen lassen. Hill: Wie würden Sie Ihren Investmentansatz beschreiben?Jarillo: Wir würden unseren Ansatz als Strategic Value Investing bezeichnen. Wir sind klare „Bottom-up-Stockpickers“. Die aktuellen Börsenstände sind für uns nicht von großer Bedeutung. Wir denken langfristig, wir bewerten Unternehmenskonzepte, Strategien und suchen nach speziellen Aktien mit zu erwartenden hohen Renditen bei moderatem beziehungsweise tiefem Risiko. Hierfür haben wir eine eigene Systematik mit Risikostufen. Über lange Zeit beabsichtigen wir, eine Performance zwischen neun bis zehn Prozent im Jahr zu erwirtschaften. Wenn man es langfristig schafft, die richtigen Unternehmen herauszufiltern und man, wie bei Private Equity-Investoren, den täglichen, oft irritierenden „Noise“ der Börsen zu ignorieren, dann sind diese Ergebnisse im Durchschnitt realistisch zu erreichen. Wir leben sozusagen den Ownership Approach im Fonds. Im Unterschied zu klassischen Private Equity-Fonds profitieren wir einerseits von der täglichen Liquidität in unserem Publikumsfonds, obwohl wir die Investments in Unternehmen auf ähnliche Weise wie ein Private Equity-Investor betrachten. Im Gegensatz zu klassischen Private Equity-Fondsmanagern spüren wir andererseits hier aber zeitnah die „Peitsche der Transparenz“. Hill: Ihr Team managt auch einen Rohstofffonds. Value Investing und Rohstoffe – wie kommt es zu dieser ungewöhnlichen Expertise?Jarillo: Wir betrachten auf Dauer angelegte Geschäftsmodelle. In unserem Value-Fonds haben wir nach Berücksichtigung durch unser Risikomanagement-System zum Beispiel seit einiger Zeit auch Ölförder-Werte. Vor einiger Zeit ist Urs Marti vom Vermögensverwalter Felix Zulauf mit seiner Rohstoffexpertise zu uns gestoßen. Unsere spezielle Expertise in Rohstoffwerten, die auch im Value-Fonds in kleinen Quoten Berücksichtigung finden, können wir mit unserem Team noch stärker zur Geltung bringen. Unterstützt werde ich hier zusätzlich von Alex Rauchenstein und Marcos Hernandez. Mit gutem Erfolg, der Fonds (Long Term Investment Fund Natural Ressources) befindet sich aktuell übrigens für den Zeitraum von 5 Jahren bei Citywire auf Platz 4 von 139 Rohstofffonds, er besitzt 5 Sterne bei Morningstar. Wir suchen bei SIA Funds immer nach Möglichkeiten, unser Know-how und unsere Netzwerke zu poolen. Mit Urs Marti waren wir schon lange Jahre in gutem Kontakt und in einem fruchtbaren Gedankenaustausch, manchmal fügen sich dann bestimmte Dinge. Langfristdenke steht im Vordergrund. Wir sind ja mit eigenem Geld in unseren Fonds investiert. Hill: Gibt es Investoren, die diesen eher geduldigen Anlagestil besonders schätzen?Jarillo: Wir haben Investoren in den verschiedensten Gruppen. Pensionskassen, Banken, Stiftungen, Versicherungen wären die mit einer eher institutionellen Sichtweise. Auch hier gibt es Value Investing-Fans. Zu unseren treuesten Kunden zählen häufig Family Offices, dies ist uns über die Jahre immer stärker aufgefallen. Vielleicht hängt dies mit der Langfristdenke und der Affinität zum Unternehmerischen zusammen. Hier schließt sich auch der Kreis zu unserem Unternehmen. Wir sind ebenso geprägt vom Ownership Approach: Persönliche Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen, oft verbunden mit kurzen Entscheidungswegen und eigenem Geld im Fonds. Hier entsteht oft eine Gleichrichtung der Interessen von Fondsmanagement und Investoren. Wie so viele andere unabhängige Fondsboutiquen im Value-Bereich, schaut man uns auch deshalb oft etwas genauer an. Da wir viel Research betreiben, viele fachliche Diskussionen mit Unternehmen aber auch Fachkollegen aus dem Fondsmanagement führen, schätzen uns auch viele unserer Investoren als Sparringpartner bei Investmententscheidungen. Gerade in unserem Segment wird uns immer wieder mitgeteilt, wie sehr man Fondsmanager schätzt, die bei konzentrierten Portfolios ihre Unternehmen gut kennen. Natürlich gilt dies auch bei vielen unabhängigen Vermögensverwaltern und bei HNWIs ebenso. Viele Investoren kombinieren gerne unsere

  • “Little by little, the bird builds its nest.” The expression probably reflects an experience all too familiar to many asset managers and other fund initiators when it comes to collecting seed money. Knocking on people’s doors in connection with a possibly high rejection quota seems part of the business. Similar to the areas of project financing or venture capital, this “uphill grind” appears mandatory, regardless of whether it deals with open or closed funds. Clients (family offices, banks, etc.) often find it difficult to recognize the direct use that is largely a result of the efforts involved. Markets are satiated and talented fund managers exist only in finite numbers. Newcomers have a difficult time and well-established firms frequently require great measures to buy investors’ interests in particular product concepts. Happy are those fund initiators who have done their homework—others must travel rough roads. Failure and high costs are not excluded. Product development—does one often put the cart before the horse?Investment companies such as Universal-Investment, IPConcept, or Axxion are typically a first point of contact for fund initiators in the area of open public investment funds. These usually offer great sites of know-how in terms of product conception. But the German Association of Independent Asset Managers (VuV) is also a good, first point of contact. Investment companies execute product checks prior. Here as well, salt is put in the wound: Is there one or more initial investor for the fund proposal? The product idea seems often primarily driven by the excitement of fund initiators over new income possibilities. Consciously or subconsciously, investors’ interest appears to take second place. This reality often catches up to asset managers and fund initiators of closed fund areas during road show events for seed money search. Not only is the fund industry dominated by this mechanism of product development, but products and thus also fund products are typically sold rather than bought. Institutional investors and retail investors aren’t easily fooled in the short or long run: current discussion on the quality of certain absolute-return approaches or the strong growing number of “fund duds” (keyword: flat rate withholding tax conjunction) emphasis this situation. Asset managers: Focusing on core competenciesExperience in seed-money search shows that slowing project or projects that last a long time have some points that certainly warrant a closer look: Were investors involved in conception? Does one even have added value for investors in this context? An asset manager can offer excellent services for private clients and still be considered a mediocre fund manager. The total package counts. Private banking units of some well-established firms showcase it—whatever the client perceives as useful counts. Should the same asset manager show interest in income possibilities in the field of institutional investment and express the desire to enter the fund initiation adventure world, unpleasant experiences in terms of increasing frustration tolerance level and the ongoing facing of project management stumbling blocks are seemingly preprogrammed. The sheer number of fund projects with funds that hardly any investor finds appealing or whose concepts are deemed interchangeable document this odyssey. The grass isn’t always greener on the other side of the fence! Impatience, opportunism, “tinkering around”: Belief in magical contactsFund ideas typically mature slowly; all too often, they are brought into the world too quickly. One current trend (flat rate withholding tax, UCITS-Umbrella, sustainability, etc.) is identified—“We can do this too.”—and immediate action taken. Seed investors must be found. What does this look like in practice? Just like what happens in regular sale circumstances, one addresses personal contacts first. Acquaintances, family members, or friends are next, and they in turn address additional friends and associates. Next, a time of disillusion sets in and a phase of opportunistic lookout for potential investors begins. Consultants are contacted; if these are respectable, they characteristically point out that fund initiators are “beating a dead horse.” Nobody likes to hear this, and it obviously hurts one’s pride. Isn’t there a magical man somewhere in this industry who has all desired contacts and can immediately fill the fund’s volume on the basis of an excellent network? Doing your homework is half the rent—patience, budget, and fortuneExperiences based on successful seed processes show that many factors work hand in hand. Possible hygiene factors are management expertise, infrastructure, and network. Much more important is the timely development of new networks in terms of subscription period; ideally, this should have happened to the start of the fund project. Nothing vanishes faster than a seed money confirmation before the end of the subscription period; having a plan B ready is certainly an advantage. As it happens in life, “hot” projects often get “caught on the fence” and lose steam. Projects that are deemed successful are typically characterized by a realistic timetable in combination with a well-thought out, creative multiplier or networking strategy. How do I identify investors in a given time period who appreciate the conceptualized project and are willing to invest? Successful seeding candidates practice one virtue uncompromisingly: systemization in combination with the art of drilling thick boards! Source: www.institutional-investment.dePhoto: www.pixabay.de

  • Entscheidungsstrukturen bei Beratung, Investment und Asset Allocation im Bereich Family Offices werden von Produktanbietern und Investoren mit großem Interesse betrachtet. Auch in dem Marktsegment Multi Family Offices wird hier das Know-how fortwährend ausgebaut, bei liquiden und illiquiden Produkten. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Dr. Christoph Pitschke, Leiter Immobilien und Beteiligungen, Deutsche Oppenheim Family Office AG, über den hauseigenen Beratungsprozess, Strategische Asset Allocation (SAA), Vermögensreporting und Themen wie Immobilieninvestments. Zusätzlich angesprochen wurden auch Themenfelder wie die Auswahl von Produkten wie zum Beispiel liquide Fonds, Private Equity und Venture Capital, Club Deals und die aktuellen Entwicklung und die steigende Bedeutung der Bereiche ESG, SRI und Impact Investing. Hill: Wie berücksichtigt die Deutsche Oppenheim die illiquiden Anlageklassen in der Beratung von Familien?Pitschke: Als Multi-Family Office beraten wir unsere Kunden mit dem generationsübergreifenden Blick auf das gesamte Vermögen. Das zentrale Instrument der Vermögenssteuerung ist für uns die so genannte Strategische Asset Allocation (SAA). Diese teilt das Investmentuniversum in unterschiedliche Anlageklassen mit ihren jeweils gewünschten Investmentvolumen sowie Risiko-Renditeprofilen auf. Durch die Simulation von Erwartungswerten für einzelne Anlageklassen in Bezug auf Risiko und Rendite werden Vermögensallokationen für das gesamte Portfolio gemeinsam mit den Mandantenfamilien festgelegt. Auf Grundlage der SAA kann für jede Assetklasse eine dezidierte Strategie definiert werden, die wir gemeinsam mit unserer Mandanten umsetzen. Die Basis für eine generationsübergreifende Vermögenssteuerung ist ein effizientes Vermögensreporting. Das ist unsere Kernleistung mit der wir in erster Linie Komplexität reduzieren, die sich bei großen Vermögen in mehr oder weniger ausgeprägter Form einstellt. Eine unserer Stärken liegt darin, dass wir auch die illiquiden Anlageklassen über unser Immobilien- und Beteiligungsreporting präzise im Gesamtvermögen abbilden. Mit einem laufenden Reporting ist erfahrungsgemäß der richtige Rahmen für die Strategieumsetzung und für ein effizientes Immobilienmanagement gegeben. Die einzelnen Beratungssegmente sind bei uns in Gänze aber auch einzeln, also modular abrufbar. Abbildung 1: Modularer Beratungs- und DienstleistungsansatzQuelle: Deutsche Oppenheim Family Office AG In regelmäßigen Gesprächen zur Strategie und zum Vermögensreporting nehmen wir in den letzten Jahren von unseren Kunden immer wieder den Wunsch entgegen, in Sachwerte und insbesondere in Immobilien zu investieren. Mit einem Portfolioanteil von etwa 20% sind vermögende Privatpersonen wesentlich stärker in Immobilien investiert als die meisten institutionellen Investoren und sie sind weiter im Kauf- statt im Verkaufsmodus. Hill: Wie erfolgt bei Ihnen im Hause die Auswahl von Immobilienobjekten?Pitschke: Entscheidend für gelungene Immobilientransaktionen ist das Verständnis der Ausgangssituation und des Zielsystems der Kunden. Wie auch im institutionellen Geschäft üblich, versuchen wir gemeinsam mit den Familien zunächst die definierte Strategie quasi als „Investment Guidelines“ zu definieren und auch zu verschriftlichen. Hier ist es unser Ziel, genau festzulegen wo sich das Objekt befinden soll, welche Immobilienart gesucht wird und welche Investitionsgröße zum Tragen kommt. Auf dieser Basis ist eine gezielte Suche nach dem richtigen Objekt möglich. So können wir eingehende Angebote strukturiert selektieren und auch Kontakt zu möglichen Verkäufern aufnehmen. Beim Erwerb von einzelnen, direkt gehaltenen Immobilien ist allerdings zu hinterfragen, inwieweit bei einem Immobilien-Portfolioaufbau überhaupt eine effiziente Diversifikation möglich ist. In diesem Zusammenhang diskutieren wir mit unseren Kunden immer wieder ob eine Diversifikations- oder eine Fokussierungsstrategie sinnvoll ist. Unsere Erfahrung ist, dass viele Familien mit einer Fokussierungsstrategie auf einen oder wenige Standorte und auf einen Sektor besser fahren als mit einer Multi-Sektor und Multi-Standort-Strategie. Prämisse hierfür ist allerdings, dass die Standorte auf die man sich konzentriert langfristig Wertstabilität mich sich bringen, z.B. durch hinreichenden Bevölkerungszuzug und durch attraktiven Mikro- und Makrostandort. Ähnlich wie beim Aufbau eines Wertpapierportfolios mit Einzeltiteln stellt sich bei jeder einzelnen Direktinvestition die Frage nach der Risiko- und Renditeauswirkung auf das Gesamtportfolio. Gemäß der modernen Portfoliotheorie kann durch Diversifikation das so genannte unsystematische Risiko reduziert werden, wobei das Marktrisiko (systematisches Risiko) gegeben und nicht durch Diversifikation eliminierbar ist. Die Assetklasse Immobilien ist durch die vorstehend genannten Charakteristika durch ein höheres, unsystematisches Risiko gekennzeichnet. Fisher/Lorie haben für Aktienportfolios gezeigt, dass bereits mit 20 Einzeltiteln eine Reduktion des unsystematischen Risikos, gemessen als annualisierte Standardabweichung des Portfolios, um ca. 95% erreicht werden kann. Der Aufbau eines gut diversifizierten Immobilienportfolios auf der Basis von Direktinvestments erfordert hingegen eine deutlich höhere Anzahl an Einzelabschnitten. Der Aufbau eines direkt gehaltenen Immobilienbestandes ist mit einer unmittelbaren Immobilien-Managementaufgabe verbunden. Diese kann aus personellen Ressourcen der Stiftungsverwaltung selbst über den Aufbau eines eigenen Verwaltungsapparates erbracht oder extern eingekauft werden. Verbunden mit dem Aufbau eines direkt gehaltenen und verwalteten Immobilienportfolios sind in jedem Fall Aufwand und entsprechende Kosten. Es zeigt sich, dass die direkte Investition in Einzelimmobilien für die meisten Privatinvestoren und Stiftungen sowohl unter Diversifikations- als auch Kosten-/Nutzenaspekten häufig weniger geeignet ist. Insofern zitiere ich gerne den US-amerikanischen Immobilienökonomen Anthony Sanders: “Holding a poorly diversified real estate portfolio is more costly than holding a poorly diversified stock and/or bond portfolio”. Zur Vermeidung von Klumpenrisiken und zur Erreichung einer effizienten Risikoreduzierung bietet sich alternativ der indirekte Investitionsweg über das Engagement in Alternativen Immobilien-Investmentfonds an. Über indirekte Immobilienanlagen lassen sich Effizienzvorteile durch Skaleneffekte sowie eine bessere Kapitalallokation aufgrund von Informations- und Spezialisierungsvorteilen realisieren. Bei privaten und institutionellen Investoren und zu beobachten, dass auch Fondslösungen nach der umfassenden Neuregulierung wieder an Zuspruch und Vertrauen zurückgewonnen haben. So ist beobachtbar, dass KAGB-regulierte Fonds und auch Luxemburger Fondslösungen, wie zum Beispiel der neue RAIF (Reserved Alternative Investment Fund) gut angenommen werden, um ein Immobilienvermögen besser diversifizieren zu können. Hill: Wie gehen Sie bei der Auswahl von Investmentfonds vor?Pitschke: Auch bei der Fondsauswahl agieren wir auf Basis unserer modularen Vorgehensweise. Im Modul I findet die Definition einer dedizierten Strategie für die Anlageklasse Immobilien im Rahmen der gesamthaften Asset Allocation mit weiterer Definition der angestrebten geographischen und sektoralen Allokation statt (Strategiedefinition). Im Modul II findet die Erhebung und Analyse der Grundgesamtheit aller für die definierte Investmentstrategie in Frage kommenden Offenen Immobilien-AIFs statt. Wir werten alle von den Fondsgesellschaften bereitgestellten quantitativen und qualitativen Informationen über ein Scoringsysstem und anschließende Fondszeichnung aus (Selektionsprozess und Umsetzungsphase). Beim Modul erstellen wir ein laufendes Beteiligungsreporting und erfassen strukturiert die Fondsdaten mit laufender Renditeberechnung. Hill: Club Deals und Co-Investments und Mezzanine Darlehen – ist das ein Bereich, wo Ihr Haus aktiv ist für Kunden?Pitschke: Ehrlich gesagt nein! Nicht weil wir hier nicht beraten möchten, sondern weil dieses Segment in den

  • “One should not search for anything behind the phenomena. They themselves are the message.” (Wilhelm Meister’s Journeyman’s Years, Goethe). On many occasions, many initiators of funds can hardly believe their eyes when some time after initiating their fund the situation is as follows: set up fund, employ marketing man and scarcely any growth in volume. A typical reaction in a development of this kind is to immediately replace the marketing employee or a make a hectic change in marketing strategy, for example, “from tomorrow on we will concentrate more on the institutional customer segment”. Another reaction could quite well be to examine our own approach critically, even going as far as to rethinking our own business model. For example, there are relatively large numbers of fund managers, family offices and other initiators of funds who may have found a successful strategy limited to the private customer sector – or who have quite simply followed a simple and possibly boring path to success. Investment Companies and the Bottleneck FactorMany initiators of funds regard investment companies such as Universal-Investment, Hansainvest, Axxion and others as being the first place to contact in the conception and introduction of a private label fund. Here, however, a critical bottleneck factor is often the subject of seed money and that of marketing. These are often areas which are incorrectly regarded as being too strongly related with one another. If we take the first step of regarding the subject of seed money as being solved, then the marketing question arises for the initiator of the fund – and this is the area in which we start flailing about. On the one hand, the dialogue with the “service units” of various investment companies can be started (for example: Universal-Investment/UVS, Axxion in “special cases”, etc.). On the other hand, work is often undertaken in developing our own marketing apparatus. In many instances it is worthwhile discussing the sense and purpose of this development. Marketing in the case of funds boutiques – three possible questionsAreas such as marketing and the role in the marketing mix can be broadly discussed. At this point we can ask three simple questions on the subject of marketing:1. Does the initiator of the fund have the right man for marketing?2. Does it make sense to expand marketing?3. Is there an alternative way of promoting marketing? Something to note: in the funds boutique segment it is often forgotten that three major factors for success are depicted by the parameters of performance (risk adjusted), marketing and PR. It is also interesting to note that many initiators of funds like to talk about hard factors for marketing success (number of telephone calls, number of appointments, etc.) or the PR success (articles – where and how often published, etc.). The performance factor which is relatively easy to measures is freely and tolerantly discussed especially in the case of “marketing blockades”. As stated in the quotation from Goethe above, it is often the case: the market has often reached its verdict on the manager, but he does not want to hear it. Perhaps it easier to save face by placing the blame on marketing. On a long-term basis, however, this approach is perhaps far less than optimal. Myth of Marketing“A good marketing man can sell anything” – a statement of this nature should be examined more critically especially in institutional/semi-institutional marketing. If investors orient themselves on hard facts (performance/volatility/track record) then even the best marketing man has no easy life. “Appointments, appointments, appointments” means that for a fund with insufficient performance the marketing man is a good relations manager and gets any number of discussions over a cup of coffee. It is by no means certain that the resources will automatically flow for the fund initiator as a result. On the contrary, – when “sales” is too penetrating this can result in the marketing employee landing in the investor’s drawer for “sales with footsore products” and is no longer put through the next time there is a telephone call. Sometimes we really have to admire the courage and the stamina of some marketing men. A possible subject: in the case of numerous supposedly unsuccessful marketing staff what we end up with is – that it is in fact really the case of a “bad” product. For this reason, it is often more the case of figures and benchmarks than the appearance and quality of the new lounge suite! A lot helps a lot – or it simply fizzles outFunds with insufficient quality (i.e., average to poor manager performance) will nevertheless prove successful under certain circumstances in the retail sector when entering large marketing networks, depending naturally on their definition. When a “small” fund initiator expands his marketing team then this ends generally only in a development in cost structures. It often happens that we continue consequently along this wrong path. The complete opposite – successful, established funds boutiques in the institutional market: product quality is good to very good, funds initiators among the institutional are presentable, and, in optimum cases, there is a high degree of attractiveness for the media as a result of the expertise available and an above-average interest in communication. A possible assumption: a lot helps a lot – but only in the case of those who have a lot to offer! Alternative PathsMany initiators of funds who wish to enter institutional marketing to a greater extent with “good” products should begin by asking themselves the question of whether they are long-distance runners or whether they are sprinters. Simple things are often quite good: before deciding on whether or not to expand marketing activities, we can begin (internally or externally) by speaking to an appropriate number of investors. As a rule, a typical widespread questionnaire action by specialized companies does not replace the personal discussion with and the feedback from potential investors. Research can make sense, but nevertheless it has its own particular place in the process chain. It is always surprising with what alacrity some fund

  • „Es ist gut, unseren Geist gegen den von anderen zu reiben und zu polieren“ (Michel Eyquem de Montaigne). Frankfurt am Main bietet als Stadt immer wieder genügend Anlass zu Reibung und Politur. Einerseits wird vor dem Hintergrund von Themen wie Brexit, EZB-Politik und Finanzindustrie die Bedeutung des Wirtschaftsstandortes in den Vordergrund gestellt, andererseits wird der Stadt oft zu Unrecht eine mangelnde Attraktivität in den Bereichen wie Kultur und Lebensqualität unterstellt. Kontroverse Ansichten laden zum Dialog ein, so weit so gut. Unbestritten sind die Qualitäten Frankfurts als zentraler Standort und Multiplikator, wenn es um Themen wie Finanzkommunikation und Finanzindustrie-Events geht. Neben bekannten Formaten wie BVI Asset Management Konferenz, Institutional Money Congress oder Formaten wie Deutsches Eigenkapitalforum gibt es eine Vielzahl weniger bekannter, kleinerer Veranstaltungen. Worin unterscheiden sich bestimmte Formate? Wann und wo werden im Frühling Value Investing-Fans Freude und Genuss am Gedankenaustausch in der Mainmetropole haben? Formate von Veranstaltungen1. Education & NetworkingEs gibt Veranstaltungen, die dem Gedankenaustausch von Industrie zu Industrie dienen. Hier steht eher im Vordergrund, Know-how zu erweitern, Networking mit Finanzindustrie-Teilnehmern auszubauen. Gerade für Sponsoren von solchen Veranstaltungen ist es zu Beginn wichtig, den genauen Charakter dieser Formate einzusortieren. Ansonsten entsteht hier der normale Eindruck: „Mehr Jäger als Wild“. Ein Investor sitzt dann sozusagen zwischen drei Sales-Mitarbeitern von Produktanbietern. Ein zwangsfreier, ergebnisoffener Dialog kann hier oft nicht entstehen. Man spürt die Absicht und ist verstimmt. Einer der Gründe, warum viele „richtige“ Investoren solchen Formaten zunehmend fernbleiben. Ein Problem, mit dem viele klassische Eventveranstalter, nicht nur in Frankfurt, zu kämpfen haben. Eigentlich ein bedauerlicher Trend, da viele dieser Formate sehr hochwertige Vorträge und Paneldiskussionen anbieten. Sponsoren, die gerne den Gedankenaustausch in der Industrie oder die nach mehr Visibilität suchen, bieten diese Formate auf jeden Fall eine gute Plattform. Das Fachpublikum kann dankbar sein, wenn hier sozusagen eine „gemeinwohlfördernde“ Aufgabe (Diffusion von Wissen) von Finanzmarktakteuren übernommen wird.Eine benachteiligte Sponsorengruppe können oft ausländische Firmen sein, die hier den Markt nicht gründlich Screenen und am Schluss unbeabsichtigt einen wesentlichen Teil ihres Marketingbudgets für Educational-Veranstaltungen im Großformat ausgegeben haben, obwohl man eigentlich in Business Development investieren wollte. Visibilität und Marktforschung erscheinen für viele dieser Adressen weniger gefragt. Interessanter erscheint diesen Anbietern eher die gezielte, direkte Kontaktanbahnung zu Investoren, die in absehbarer Zeit, nach Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, „Tickets“ zeichnen sollen. Ein Zweck, für den viele der großen Veranstaltungen eigentlich nicht gedacht sind und womit man die Veranstalter grundsätzlich auch überfordern kann. Die Unterstützung von „Formaten mit hohem Streuverlust“ stellt kein Problem für große Player aus dem Ausland dar, Unternehmen mit Boutiquen-Charakter fehlt hier nach einer Zeit die nachhaltige Finanzkraft, um so eine Markteintrittsstrategie dauerhaft verfolgen zu können. Fairerweise muss man sagen, dass die meisten Veranstalter dieser Veranstaltungskategorie zumindest in Marketingmaterialien den Ecucational-Charakter und die reine Networking-Ausrichtung der Veranstaltung unterstreichen. Vielleicht kann eine Erklärung für die suboptimale Auswahl von Formaten bei Anbietern einfach daran liegen, dass sich die Bereiche Sales und Marketing noch nicht genügend abgestimmt haben. Die Ziele von Marketing / PR und von Vertriebsverantwortlichen müssen sich strukturbedingt nicht unbedingt gleichen (Beispiel: Kriterien für Messbarkeit von Erfolg – interne Diskussion: Presse Clipping, Page Impression versus „Tickets“, Umsatz, Business Development).2. Education & Business DevelopmentEin beliebtes Format für den Ausbau des direkten Investorenkontakts sind kleine, spezialisierte Veranstaltungen. Diese werden von den Produktanbietern entweder intern oder mit externer Begleitung veranstaltet. Oft erfolgen diese Formate auf Invitation-only-Basis, die Teilnehmer werden vorgefiltert. Im Gegensatz zu den oben angeführten „Educational-Veranstaltungen“ mit größerem Streuverlust bei reinem Business Development-Ziel, verfolgen diese zumeist den Zweck, Bestandskunden zu pflegen beziehungsweise Neukunden zu gewinnen. Natürlich gibt es auch hier immer einen Kern Educational-Element und auch das Ziel, Multiplikatoren für das eigene Anliegen (Business Development) zu gewinnen. Der Charme solcher Formate liegt für viele Investoren darin, dass Sie auf diesen Veranstaltungen viele Berufskollegen finden, mit denen man sich dann in kleinem Rahmen über Fachthemen austauschen kann. Allen Teilnehmern ist auch hier bewusst, dass die Referenten Produkte oder Dienstleistungen präsentieren möchten. Da man hier aber oft aus Erfahrung weiß, dass hier Investor mit Investor auch den direkten Gedankenaustausch in angenehmer Atmosphäre betreiben, nimmt man dies gerne in Kauf – solange die Vertriebsmitarbeiter des Produktanbieters genügend Fingerspitzengefühl in der Kommunikation beweisen.Frühling 2018 – Value Investing, Genuss und der gepflegte GedankenaustauschBeispiele für verschiedene Formate, die den Bereich Value Investing im Frühling behandeln: Prof. Dr. J. Carlos Jarillo von SIA Funds AG deckt am 19.4. das Thema „Strategic Investing, Value Investing & Fondsboutiquen“ ab (Transparenz – MH-Kurzintro, „Befangenheit“). Auch Themen wie die Unterschiede von Private Equity-Fonds zu klassischen liquiden Investmentfonds und Family Office-Langfristdenke werden hier diskutiert. Dr. Hendrik Leber und sein Team von Acatis Investment werden am 25.5. die ACATIS Value Konferenz organisieren, ein Klassiker für Value-Investoren. Frank Fischer von Shareholder Value AG wird bei der Equity Forum Frühjahrskonferenz (14.-15.5.) die Keynote-Speech halten, Zitat zum Format: „Börsennotierte Unternehmen präsentieren ihre aktuellen Geschäftszahlen und Ausblicke für das folgende Geschäftsjahr vor ausgesuchten Investoren, Analysten, Finanzjournalisten und weiteren Akteuren am Kapitalmarkt“. Interessant erscheint, das sich im Value Investing-Bereich oft viele Produktverpackungen / Ansätze ergänzen, dass variiert wird, verschiedene Welten finden zueinander: Die Bereiche der liquiden und nicht-liquiden Anlagewelt haben viele gemeinsame Schnittmengen, zumindest an den „Rändern“ (Entscheidungsprozesse bei Investoren, Produktauswahl, Asset Allocation etc.).Das Value Investing Treffen von value DACH findet in Frankfurt am 23.5. statt, zum Abschluss sozusagen ein ganz anderes Format für den fachlichen Gedankenaustausch von Value Investment-Interessierten, in eigenen Worten des Veranstalters: „Bei den Treffen tauschen wir uns in entspannter Atmosphäre untereinander aus. Wir sind in verschiedenen Restaurants in den unterschiedlichen Vierteln der Stadt Frankfurt unterwegs. Dabei erweitern wir auch kulinarisch unseren Horizont“. Zufällig beginnt zum gleichen Tag die Saison für das Fressgassfest in Frankfurt, traditionell eines der ersten und bekanntesten Straßenfeste der Saison – für Freunde von Sonne, Wein und Geselligkeit ein Höhepunkt des Jahres, nicht nur für die Finanzindustrie. Um an den Beginn der Ausführungen über eine oft scheinbar kritisch betrachtete Metropole anzuknüpfen – Frankfurt am Main, Genuss, Über-den-Tellerrand-schauen und ein gepflegter Gedankenaustausch schließen sich keineswegs aus! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Das Echte, Gute ist nie Mode gewesen, aber es lebt (Hermann Hesse). Fondsboutiquen haben mittlerweile ihren Platz in der Fondsindustrie nachhaltig besetzt. Unabhängig von aktuellen Positionen in Performance-Hitlisten: Die besondere Qualitäten dieses Unternehmertypus werden von vielen semi-institutionellen und institutionellen Investoren geschätzt. Nicht nur Family Offices und Vermögensverwalter schätzen die besondere Expertise. Was sind typische Kennzeichen von Fondsboutiquen? Warum sollte man als klassischer institutioneller Investor vielleicht verstärkt den fachlichen Dialog suchen? USA-Ansatz – Qualität und LangfristdenkeUnabhängigkeit (U)Eine konzernunabhängige Position ist ein klassisches Merkmal von Fondsboutiquen. Aufgrund der persönlichen Motivationslage haben gerade viele Gründer im Boutiquenbereich „Großunternehmen“ den Rücken gekehrt. Autonomie bei Entscheidungen und die Abkoppelung von reiner Ertragsdenke werden hier oft als Treiber genannt. Mittlerweile haben sich viele Zwischenformen gebildet, der Markt entwickelt sich. Natürlich, es gibt auch die „Boutiquen im Konzern“. Wobei man hier oft beobachten kann, dass es auch wieder hier Bewegungen gibt, am Schluss wieder unabhängig in Reinkultur anzustreben. Viele Modelle, viel Wettbewerb ist hier begrüßenswert. Spezialisierung (S)Viele der unabhängigen Asset Manager zeichnen sich durch einen hohen Spezialisierungsgrad aus. Anlagestile, Assetklassen und Investmentansätze und deren „persönliche“ Kombination durch den Manager bestimmen die Besonderheit. Mit allen Vor- und Nachteilen – Treue zum eigenen Stil kann auch das Durchschreiten tiefer Täler bedeuten. Der Value-Manager, der konsequent seiner Sache verbunden bleibt, erinnert hier an den klassischen deutschen Mittelständler („Hidden Champions“), der in langen Zyklen denkt. Authentizität (A)Eigentümergeführte Fondsboutiquen tun das, was sie tun, gerne und im Optimalfall auch exzellent. Die Entscheidung zur Unabhängigkeit ist oft vergleichbar mit der Motivation vieler klassischer Start-ups: Das tun, wovon man überzeugt ist. Diese Überzeugung geht Hand in Hand mit dem Glauben, dass man auch langfristig am Markt bestehen kann, da die eigene Spezialisierung sozusagen einen „Economic Moat“ (Value Investing) bzw. einen USP (Wettbewerbsvorteil) bilden. Im Investmentbereich besteht hier die Sondersituation, dass im liquiden Fondsbereich die „Peitsche der Transparenz“ wirkt. Fondsbesitzer haben das tägliche Rückgaberecht bei Fondsanteilen bei Nichtgefallen. Über den Sinn und Unsinn dieser Kurzfristdenke kann man an anderer Stelle ergiebig und tief diskutieren. Konsequenzen – Family Offices und „Boutiquen-Mäzenatentum“Visibilität und Kommunikation stehen in engem Zusammenhang mit dem Themen Gedankenaustausch und intellektueller Freude am gemeinsamen „fachlichen Wachsen“. Man kann den Playern auf beiden Seiten der Industrie – Produktanbietern und Investoren – immer wieder nur empfehlen, den Kontakt zu suchen. Kontakt bedeutet hier nicht seitens des Produktanbieters: „Schieße mir Fact Sheets in die Mailbox und bombardiere mich danach mit Anrufen“. Die wenigsten Menschen, hier Investoren, mögen es, wenn man lediglich als Mittel zum Zweck betrachtet wird. Fondsboutiquen ohne großen Ertragsdruck können sich aufgrund der Spezialisierung als ideale Diskussionspartner für institutionelle Investoren durch Kompetenz empfehlen. Fairerweise kann man den Eindruck gewinnen, dass viele Fondsboutiquen ihre Investoren-Kommunikation ausbauen könnten. FazitIm Family Office finden die Unabhängigen seit Jahren ein sehr offenes Ohr. Nicht umsonst sind viele dieser Investoren selbst beteiligt an der Auflage eigener Fonds oder beim Seeding von neuen Fondskonzepten. Die „Kleinen“ finden hier Gehör auf eine sehr konstruktive Weise: Langjährige Expertise wird anerkannt, der Gedankenaustausch wird geschätzt und auch finanziell anerkannt: Angebot und Nachfrage finden auf angenehme Weise zueinander! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • „Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.“ (Winston Churchill) Die Entwicklungspsychologie kennt den Begriff des existentiellen Lernens. Man kann dem Kind sagen, es solle nicht auf die heiße Herdplatte fassen. Wenn das Ceranfeld so schön rot leuchtet, wird es vielleicht doch die Hand drauf legen – und dann mit jeder Körperfaser etwas lernen, was die rein kognitive Unterweisung durch die Eltern nicht zu leisten vermochte. Der Anleger mag oft gehört haben, dass alles Wissen über die Märkte immer unvollkommen bleibt und begrenzte und gestreute Positionen daher elementar sind. Wenn die Investmentgeschichte so plausibel klingt und der Hebel so schön günstig zu haben ist, wird man eben doch die viel zu große Wette eingehen – und dann mit der taktilen, bis hin zu körperlichen Symptomen wie Schlafstörungen oder Angstschweiß gehenden Erfahrung eines großen Verlusts lernen, dass Risikomanagement keine rein akademische Disziplin ist. Ray Dalio hat diese Art von Schmerzerfahrungen am Anfang seiner Karriere häufig und sehr ausgeprägt gemacht – und daraus gelernt. Die von ihm gegründete Firma Bridgewater Associates ist im Laufe der Jahre der wohl größte und erfolgreichste Hedgefonds aller Zeiten geworden. Sie verwaltet mit ca. 1500 Mitarbeitern ein Vermögen von deutlich mehr als 150 Mrd. US-Dollar, hauptsächlich für institutionelle Kunden. Seine Lernprozesse hat Dalio zu „Principles“ verdichtet und zunächst neuen Mitarbeitern als Pflichtlektüre mitgegeben. Als Buch hat er den allgemeinen Teil dieser Prinzipien, zusammen mit einer Beschreibung seines Werdegangs, nun auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein zweiter Band mit den Anlageprinzipien soll folgen. Einen wichtigen Einblick darin bietet schon heute ein Interview, das der „Branchenchronist“ Jack Schwager mit ihm 2011 geführt und in seinem Buch „Hedge Fund Market Wizards“ (Wiley, 2012) veröffentlicht hat. Dr. Carsten-Patrick Meier ist Geschäftsführer und Inhaber von Kiel Economics Dalio hat im Verlauf der Disinflationsphase in den USA unter Notenbankpräsident Paul Volcker Anfang der 1980er Jahre erfahren, dass man eine gesamtwirtschaftliche Lage durchaus in vielen Aspekten richtig einschätzen kann und doch die Marktreaktion nicht korrekt voraussieht – etwa weil man wichtige Aspekte bei der Einschätzung unberücksichtigt gelassen hat oder weil einem die fundamentale Einschätzung kaum Informationen über das Timing des Marktes gibt. Seine intensiven Schmerzerfahrungen haben ihn das Thema Risikomanagement fortan ins Zentrum seiner Anlagestrategie setzen lassen. Dies bedeutet für ihn zum einen, Vorkehrungen dafür zu treffen, dass Bridgewater in der Einschätzung der zukünftigen Marktentwicklung möglichst selten falsch liegt. Zum anderen meint es, sicherzustellen dass die Firma, wenn sich die Einschätzung doch als falsch herausstellen sollte, nicht mehr als einen überschaubaren Betrag verliert. Im Kern ist damit der Mehrwert beschrieben, den jede Art von Asset Managements liefern können sollte: Jeder, der aktiv Vermögen verwaltet – sei es für sich, sei es für andere – sollte sich Überlegungen zu diesen beiden Aspekten gemacht haben, bevor er den ersten Euro anlegt. Die Antwort von Dalio auf den ersten Aspekt lautet Lernen, und dies macht ein systematisches Vorgehen erforderlich, das es erlaubt, die Anlageentscheidung immer wieder mit dem Anlageresultat zu vergleichen. Nur die Rückkopplung von Aktion und (Markt-) Reaktion gestattet eine Verbesserung des Aktionsprozesses. In einem etwas allgemeineren Umfeld hat das zuletzt auch die Studie über „Superforecasting – The Art and Science of Prediction“ von Philip E. Tetlock (Crown, 2015) gezeigt: Laien können lernen, bessere Prognosen abzuliefern als Experten mit Exklusivzugang zu bestimmten Informationen – wenn sie intellektuell offen sind und das Umfeld ihnen dauernd Rückmeldung gibt, so dass sie ihre Prozesse daraufhin anpassen können. Zu einer Zeit, als Computer noch lange nicht in jedem Büro standen und Tabellenkalkulations- und Chart-Programme gerade erst erfunden waren, experimentierte Bridgewater deshalb schon mit rechnergestützten Regelsystemen für die Kapitalanlage. Mit ihnen wurde systematisiert, wie sich Veränderungen bei den Fundamentaldaten in Anlageentscheidungen niederschlagen. Mittels Backtests anhand von historischen Daten – zum Teil Daten, die weit in die Vergangenheit zurück reichten und unruhige Zeiten beispielsweise die Weltwirtschaftskrise umfassten – konnten diese Regeln untersucht und hinsichtlich des Rendite-Risikoprofils optimiert wurden, bevor sie live ausprobiert wurden. Was heute Standardwerkzeug eines jeden quantitativ-systematischen Anlageprozesses ist, war damals Neuland, technologisch wie konzeptionell. Und da Dalios Anlagestil fundamental motiviert ist, basierten diese Regeln nicht wie bei Trendfortschreibern auf vergangenen Assetpreisen sondern auf Fundamentaldaten wie etwa volkswirtschaftlichen Konzepten oder Bilanzinformationen. Das Ergebnis war ein streng regel-orientierter fundamentaler Anlageprozess – damals sicherlich ein Novum und auch heute gar nicht so häufig anzutreffen. Die Lösung für die zweite Herausforderung in Dalios Risikomanagementüberlegungen – nicht zu viel verlieren, wenn man falsch liegt – heißt (natürlich) Diversifikation. Die „Principles“ enthalten eine analytische Abbildung, bei der auf der vertikalen Achse die Standardabweichung des Portfolioertrags und auf der horizontalen die Anzahl der Assets im Portfolio abgetragen sind. Die verbindende Funktion hat einen Hyperbel-artigen Verlauf, d. h. das Portfoliorisiko fällt beim Übergang von einem auf zwei Assets sehr stark, beim Übergang von zwei auf drei Assets immer noch stark, aber etwas weniger und konvergiert etwa ab dem sechsten bis zehnten Asset gegen einen niedrigen Wert, wobei das Portfoliorisiko mit jedem hinzukommenden Asset weiter gesenkt wird, aber eben immer weniger. Der Wert, gegen den das Portfoliorisiko konvergiert, ist dabei umso niedriger je geringer die Korrelation der Erträge der einzelnen Assets untereinander ist. Dalio bezeichnet diesen Zusammenhang – zu Recht – als den „Heiligen Gral“ des Asset Managements. Er ist für ihn handlungsleitend: Bridgewater soll stets ein stark diversifiziertes Portfolio halten, wobei die größten Positionen sich auf mindestens 15 bis 20 verschiedene Assets beziehen sollen. Außerdem sollen die einzelnen Positionen so wenig wie möglich miteinander korreliert sein. Ein typisches Aktienportfolio etwa fände nicht seine Gunst, da die Korrelation zwischen den Einzeltiteln mit 60% hoch, der Diversifikationseffekt somit zwar klar vorhanden, aber relativ gering ist. Ein Long-Only-Investment in den DAX und langlaufende Bundesanleihen wäre da in den vergangenen zwanzig Jahren mit einem Koffizienten von -50% unter Diversifikationsaspekten deutlich risikoärmer gewesen – doch will man heute noch Bunds long sein? Dalio selbst investiert in Anleihen offenbar gerne in Form von Spread-Strategien, die nationale Märkte gegeneinander spielen, ohne ein nennenswertes Gesamtexposure zum Zinsniveau auf dem Weltmarkt. Währungsstrategien gehen in dieselbe Richtung. Und natürlich bieten aktive Strategien mit der Möglichkeit der Short-Positionierung

  • Fondsboutiquen, Value Investing und Sinnökonomie – viele Investoren auf Family Office- und Unternehmerseite bewegen sich in ihren Entscheidungen oft in diesem speziellen wirtschaftlichen Dreieck. Über diesen Zusammenhang sowie über die Rolle von Absolute Return-Ansätzen, Seeding von Fondskonzepten, Langfristdenke und Risikomanagement sprach IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger mit dem unabhängigen Asset Management Consultant Markus Hill. Einige dieser Themenpunkte werden von ihm auch in einem Kurzintro zu dem Vortrag „Strategic Investing – Investieren wie ein Unternehmer“ von Prof. Dr. J. Carlos Jarillo am 29.11.2017 in Hamburg angesprochen. IPE Institutional Investment: Value Investing und Langfristdenke bei institutionellen Anlegern sind Themen, die Sie immer wieder inhaltlich begleiten. Wo sehen Sie hier die spezielle Verbindung?Hill: Marcos Hernandez Aguado, ein Kollege von Prof. Dr. J. Carlos Jarillo, sagte vor kurzem in „Finanz und Wirtschaft“ aus der Schweiz, dass Value Investing den Investoren gegenwärtig wieder mehr Freude bereiteten sollte. Ich bin befangen. Sein Statement fiel mir auf, da ich mehrfach mit Prof. Jarillo kleinere Investorenveranstaltungen begleiten durfte. Natürlich ist Herr Aguado nicht der erste, der diesen Sachverhalt unterstreicht. Der mögliche aktuelle Trend hier erscheint vorteilhaft. Überzeugte Value Investoren fühlen sich häufig von dieser Art von Rückenwind im eigenen Anlageverhalten wenig berührt. Analysieren, Auswerten, Entscheiden, Investieren – das ist bei diesem Investorentypus oft vorherrschend. Natürlich werden Positionen gehalten und auch über den Exit nachgedacht. Durch die Brille desjenigen betrachtet, der seine Hausaufgaben gemacht hat und eher denkt: In der Ruhe liegt die Kraft. Prozyklik findet sich hier weniger. Trotzdem können solche Trends dazu führen, dass sich bestimmte Investoren stärker mit Value Investing beschäftigen.IPE Institutional Investment: Gibt es das vielleicht bestimmte Investorengruppen, die eine besondere Affinität zu diesem Investmentstil aufweisen könnten?Hill: Gerade im Bereich von Unternehmern und Family Offices stellt man oft fest, dass die unternehmerische, unabhängige Denke sich gut mit diesem Investmentstil vereinbaren lässt. Wirtschaftliche Unabhängigkeit führt oft dazu, dass man weder im Finanzierungs- noch im Anlagebereich hektisch und unbedacht reagiert. Unternehmer, die eigenes Geld investieren, gehen gerade bei der Due Diligence von Investments sehr intensiv, mit Liebe zum Detail, an die Sache. Das Interessante im Value-Bereich ist, dass viele der Ansätze sehr kommunikations-intensiv sind. Ob ich hier sehr „unconstrained“ vorgehe oder mehr durch Regeln gebunden: Damit der Investor Vertrauen zum Ansatz gewinnt, muss er sehr genau wissen, wie der Fondsmanager denkt und handelt. Ich rede hier bewusst nicht von Smart Beta-Ansätzen bei ETFs oder extrem stark automatisierten Prozessen. Es gibt im Value-Manager-Bereich ein Segment, das sich natürlicherweise harter Fakten bei der Auswahl von Titeln bedient und auch eigener Prozesse, Automatismen und Filter bedient. Ein Match findet sich hier aber oft bei Managern auf Fondsseite mit Investoren auf der anderen Seite, je stärker eigenes Knowhow, Marktkenntnis in Nischen und Netzwerk in weniger skalierbarer Form vorliegen. Vielleicht ist Skalierbarkeit nicht der Kernfaktor, man könnte eher sagen, dass der Kopf des Managers sozusagen der Faktor ist, der den Burggraben bildet, Economic Moat. Diese Manager, oft mit starker „BWL-Brille“ unterwegs, konkurrieren eigentlich nicht mit Großunternehmen und mit deren Produktpalette, da Nischen abgedeckt werden. Es kann der Strategie-Professor sein, der Fondsmanager aus dem Beteiligungsbereich, der Analyst aus bestimmten Branchen oder auch der Portfoliomanager aus etabliertem Hause mit großem Drang zum unabhängigen Arbeiten. Gerade weil man Dürrestrecken in Sachen Performance mental über Zeit aushalten können muss, findet man hier viele sehr unabhängige Köpfe. Man wird mich kritisieren, trotzdem: Oft erinnern diese Persönlichkeiten an „Künstler“ mit solidem handwerklichen Hintergrund!IPE Institutional Investment: Gibt es in zum Beispiel viele dieser „Künstler“ im Fondsboutiquen-Bereich?Hill: Es gibt eine Menge interessanter Köpfe mit den verschiedensten Ansätzen in Deutschland. Hendrik Leber, Frank Fischer, Marc Siebel, Johannes Ries, Raik Hoffmann, Christian Funke, Stefan Rehder und viele andere mehr, die Liste wäre lang. Ohne Gewichtung, ohne die Produkte abschließend zu bewerten – die Managerpersönlichkeiten, die Biografie, Vorgehensweise und Philosophie sind das Interessante dabei. Viele dieser Köpfe findet man in den Produktangeboten von spezialisierten KVGen wie zum Beispiel Universal-Investment, Hansainvest, Ampega und bei anderen interessante Adressen. Multiplikatoren für die Promotion des Value Investment-Gedankens findet man auch bei Depotbanken wie Berenberg, Hauck & Aufhäuser und anderen Häusern. Auch Haftungsdächer wie BN & Partner, NFS Netfonds etc. unterstützen durch ihre Tätigkeit die vielen unabhängigen Asset Manager in diesem Feld.IPE Institutional Investment: Wo sehen Sie Zusammenhänge bei Risikomanagement, Absolute Return-Ansätzen und Value Investing?Hill: Absolute Return-Ansätze werden oft stärker im Bereich Cash oder Renten von Investoren verortet. Interessant erscheint mittlerweile, dass sich neue Betrachtungsweisen zu entwickeln scheinen. Manager von Value-Boutiquen investieren oft eigenes Geld. In vielen Fällen, gerade bei starker Verbindung zum Unternehmertum, sind Friends & Family beim Seeding-Prozess des Produkts involviert. Es kann sich die Konstellation ergeben, dass rein aus Risikogesichtspunkten der Investmentprozess speziell ausgerichtet ist. Obwohl Aktienprodukt, kann alleine durch verschiedene Risikostufen bei Investments Risikomanagement betrieben werden. Der eine oder andere Investor, der stark in den Kategorien von Small- und Mid-Caps denkt, ist vielleicht in Einzelfällen zu Beginn irritiert, wenn Manager mit großer „Nischen-Expertise“ plötzlich in Unilever & Co. anlegen. Viele Value-Manager sehen ihre Stärke vielleicht eher bei diesen Werten, als ein elaboriertes Cash- und Bondmanagement zu betreiben. Andere Manager trauen sich dies zu, geraten dann aber in die Schwierigkeit, dass bestimmte Investorengruppen sagen: „Dafür habe ich das Geld nicht gegeben, Asset Allocation betreiben wir selber“. Es gibt Manager die mit oder ohne Bondexpertise die ersten Schritte sozusagen mit einem Gedankenkorsett in Form von Value Investing, aber mit angezogener Handbremse betreiben. Auch dies kann eine der Folgen der Spezialisierung im Fondsboutiquen-Bereich sein, man kann nicht in jedem Feld immer wieder neue Fonds auflegen. Das Investment in konzentrierte Portfolios mit Werten, die der Manager extrem gut kennt und verfolgt ist eine andere Form des Risikomanagements. Auch vermögensverwaltende Konzepte im Value-Bereich kann man mit Interesse betrachten. Gerade vor dem Hintergrund, dass zum Beispiel Unternehmervermögen gesichert werden soll, der Unternehmer aber durchaus die Nerven hat, volatile Marktphasen zu durchstehen, solange er das Gefühl hat, dass er sozusagen „Substanz“ im Portfolio hat. Unabhängig von den Mechanismen oder gespielten Assetklassen: Am Schluss geht es darum, einem Kopf mit bestimmter Expertise einen Investmentbetrag anzuvertrauen. Hier finden sich durchaus Schnittstellen von Absolute Return-Denke und Value Investing – über den Zyklus einer bestimmten Anzahl von Jahren sollen positive Ergebnisse erzielt

  • Entscheidungsstrukturen im Bereich Fondsselektion und Asset Allocation im Bereich Family Offices werden von Produktanbietern wie auch Investoren in der Fondsindustrie mit großem Interesse betrachtet. Auch in Family Office-Bereich wird hier das Know-how fortwährend ausgebaut. Die Bedeutung von wissenschaftlichen Methoden beim Investmentprozess hat sich zunehmend durchgesetzt, auch der klassische Konflikt zwischen aktiven und passiven Produkten wird häufig bei Investoren gelassener betrachtet. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Jakob von Ganske, Leiter Investment Consulting und Risikomanagement und Mitglied der erweiterten Geschäftsführung, Deutsche Oppenheim Family Office AG, über den hauseigenen Fondsauswahlprozess, Strategische Asset Allocation (SAA) und Optimierungspotenziale im Bereich Due Dilligence (Long-Only-Manager, Emerging Markets, Absolut Return, ETFs etc.). Hill: Wie sieht der Fondsauswahl-Prozess bei Ihnen aus? von Ganske: Die Strategische Asset Allocation ist auch in unserem Fondsauswahl-Prozess der erste und wichtigste Schritt. Sie definiert die Benchmark, gegen die sich der Mehrwert unseres aktiven Managements messen wird – ohne SAA kann keine objektive Messung des aktiven Mehrwerts erfolgen. Bei der eigentlichen Fondsauswahl gehen wir dann in vier Schritten vor: der erste Schritt ist eine sehr detaillierte Analyse der jeweiligen Peer Group und eine Zusammenstellung der Short List. Der zweite Schritt beinhaltet die Analyse und Auswahl einzelner Fonds aus dieser Short List, wobei für jede Assetklasse stets mehrere aktive Fonds gleichzeitig ausgewählt werden. Die qualitative Analyse als dritter Schritt dient der Suche nach „Dealbreakern“, also Problemen im Investmentprozess der jeweiligen Kandidaten, die trotz guter quantitativer Ergebnisse dazu führen, dass wir nicht investieren. Der vierte Schritt ist dann die Portfoliokonstruktion, in der wir basierend auf einer Risikogewichtung der jeweiligen Alphaquellen ein optimal diversifiziertes Portfolio erstellen. Hill: Die qualitative Analyse gleicht in Ihrem Hause also mehr der Suche nach Problemen? von Ganske: Das ist korrekt. Wir suchen gezielt nach „Dealbreakern“, denn eine qualitative Analyse kann unserer Ansicht nach nur neutral oder negativ sein. Sie sollte niemals die Grundlage für positive Entscheidungen sein, denn dafür ist eine qualitative Analyse viel zu sehr abhängig von subjektiven Eindrücken des Analysten. Mit dieser Betrachtung unterscheiden wir uns stark von der Herangehensweise anderer Fondsselektoren im Markt. Hill: In unserem letzten Interview im Februar 2016 hatten Sie erwähnt, dass die quantitative Analyse einen sehr hohen Stellenwert in Ihrem Fondsauswahlprozess hat. Hat sich seitdem etwas verändert? von Ganske: Die quantitative Analyse ist noch bedeutender geworden. Ganz konkret haben wir sehr viel Entwicklungsarbeit in die Beurteilung der jeweiligen Peer Groups, also Schritt 1 in unserem Investmentprozess, investiert. Das Ziel war es, bereits bei der Erstellung der Short List ein Maximum an Diversifikation zu erreichen. Das Risikomanagement ist bereits in der Erstellung der Short List der Schwerpunkt. Was ist damit gemeint? Nun, die akademische Grundannahme bezüglich des aktiven Managements ist, dass alle aktiven Fonds mehr oder weniger unkorrelierte Alpha-Quellen besitzen. Alle Manager investieren voneinander unabhängig und alle Investmentprozesse sind voneinander signifikant unterscheidbar. Das würde bedeuten, dass man als Fondsselektor nur genügend viele aktive Fonds kaufen muss um ein diversifiziertes Fondsportfolio zu erhalten. Diese Annahme ist aber leider empirisch widerlegbar – viele Fondsmanager haben ähnliche Anlagephilosophien und werden demnach in bestimmten Marktphasen sehr ähnliche Wertentwicklungen gegenüber der Benchmark aufweisen, sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne. Diese Klumpenrisiken eliminieren wir durch unseren Investmentansatz größtenteils. Ein wunderbares Beispiel war das Jahr 2016 im Bereich Aktien Emerging Markets: eine Reihe aktiver Fonds, die in den vorangegangenen Jahren allesamt hervorragende Outperformance generiert hatten, produzierten auch allesamt in 2016 eine hohe Underperformance. Denn die Fonds hatten größtenteils die gleiche Alphaquelle, also den gleichen renditetreibenden Faktor – in diesem Fall einen Faktor den man als Growth interpretieren kann. Jakob von Ganske, Leiter Investment Consulting und Risikomanagement und Mitglied der erweiterten Geschäftsführung, Deutsche Oppenheim Family Office AG Hill: Woher wissen Sie denn, welcher Treiber in Zukunft der renditetreibende Faktor sein wird? von Ganske: Das wissen wir eben nicht. Es kann der US-Dollar sein – auch Momentum, Value, Size, Nachhaltigkeit, Rohstoffe, eine Kombination daraus oder ein anderer, noch nicht beobachteter Faktor. Hinzu kommt, dass viele der oben genannten Faktoren auch noch untereinander korrelieren, man also nicht klar zwischen den Faktoren abgrenzen kann. Quantitativer Fakt ist leider, dass die meisten Renditetreiber nicht beobachtbar, also nicht belastbar interpretierbar, sind. Deshalb muss ein Risikomanagement-Ansatz explizit mit berücksichtigen, dass weder der Faktor noch dessen Einfluss bekannt sind. Eine Analyse der Aktien in einem aktiven Fonds reicht also nicht aus um auszusagen, welche Treiber die Alphaquelle darstellen und wo demnach Klumpenrisiken schlummern. Rein qualitative Analysen oder einfache quantitative Analysen sind hier, wie auch in vielen anderen Fällen, eher nutzlos, zumal das Fondsuniversum in einzelnen Segmenten eine Menge Fonds beinhaltet, es also Hunderttausende möglicher Portfoliokombinationen gibt. Demnach hat ein Fondsselektor zusätzlich noch das Problem, dass er irgendeine Art von Filter anwenden muss um das Universum einzuengen – hier wird zumeist „nach Augenmaß“ zusammengestrichen oder unter Verwendung von Datenbanken die sternebasierte Vorabrankings zur Verfügung stellen. Leider sind die 5-Sterne-Fonds von heute zumeist die 3-Sterne Fonds von morgen. Hill: Wie lautet nun Ihr Vorschlag dieses Risikomanagement-Problem zu lösen? von Ganske: Es gibt im Bereich der Statistik Konzepte, die explizit annehmen dass die renditetreibenden Faktoren weder bekannt noch beobachtbar sind. Damit ist das erste Problem adressierbar. Einige dieser Konzepte kommen aus dem Bereich der Big Data-Algorithmen und sind somit darüber hinaus hervorragend dazu geeignet, mit der großen Anzahl aktiver Fonds umzugehen. Eines dieser Verfahren setzen wir ein. Hill: Wie sieht das konkret aus? von Ganske: Wir verwenden das komplette Fondsuniversum für eine Anlageklasse, sagen wir mal Aktien Europa, und sortieren nur Fonds heraus, die zu wenig Volumen, eine zu kurze Datenhistorie oder weitere, relativ wenig einschränkende, Rahmenparameter nicht erreichen. Wir erhalten dann je nach Segment 20 bis 200 aktive Fonds unterschiedlichster Couleur und Wertentwicklung. Dann setzen wir Big Data-Algorithmen ein um aus den Alphas dieser aktiven Fonds zur Benchmark (in diesem Fall dem MSCI Europa) Alpharenditentreiber zu extrahieren, die weder bekannt noch beobachtbar sein müssen – nennen wir sie der Einfachheit halber Alpha-Faktoren. Diese Alpha-Faktoren sind per Konstruktion miteinander unkorreliert. Sobald wir diese Alpha-Faktoren extrahiert haben, unterteilen wir das Fondsuniversum in diejenigen Fonds, deren Alphas mit dem Alpha-Faktor 1 am höchsten korrelieren, in diejenigen deren Alphas mit dem Alpha-Faktor 2 am höchsten korrelieren, usw. Somit erhalten wir eine gewisse Anzahl an Untergruppen, denen

  • „Nur Pessimisten schmieden das Eisen, solange es heiß ist. Optimisten vertrauen darauf, dass es nicht erkaltet“ (Peter Bamm). Geht man bei institutionellen Investoren von einem konstruktiven Pessimismus in Form von professionellem Risikomanagement aus, so kann die Betrachtung ergänzender Sichtweisen aus anderen Investorenkreisen bereichernd erscheinen. Welche Sichtweise findet man bei Family Offices und unabhängigen Vermögensverwaltern? Gibt es Ansätze, bei denen zusätzliche Aspekte beim Investieren eine Rolle spielen können? Aufgaben Klassische institutionelle Investoren sowie Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter begleiten ähnliche Aufgaben. Beispiele: Asset Allokation, Produkt- bzw. Manager-Selektion, Risikomanagement. Inwiefern und in welcher Tiefe selber aktives Management für die Kunden beziehungsweise Auftraggeber betrieben wird kann sich hier unterscheiden. Ein besonderer Bereich stellt zusätzlich der Einsatz hauseigener Produkte dar (z. B. „Unternehmerfonds“, konzerneigene Manager bei Versicherungen etc.). Die Grenzen zwischen „Nur-Allokation“, aktivem und passiven Management erscheinen hier oft fließend. Zeithorizonte Institutionelle wie auch Family Offices und konzernunabhängige Vermögensverwalter („Fondsboutiquen“) verfolgen in der Regel einen langfristigen Investmentansatz. Zumindest ergibt sich aus der Aufgabenstellung dieser Sachverhalt. Aufgrund von Entscheidungsstrukturen kann diese Langfristdenke oft unterschiedlich gelebt werden. Ein Beispiel: Entscheider in größeren Organisationen sind häufiger aufgrund von Regulierung und anderer Vorgaben interner und externer Art im Entscheidungsspielraum eingeschränkter als kleine, „windschnittige“ Einheiten. Extrembeispiel: Prinzipal bei Single Family Office versus Anlagegremium bei Versicherung. Dies sagt zunächst wenig über die letztendliche Güte und Professionalität der Entscheidung aus – einen Einfluss auf Geschwindigkeit und Flexibilität von Entscheiden bei Anlageentscheidungen lässt sich hier unterstellen. Risikoeinstellung und Skin in the Game Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter gehen bei bestimmten Anlageentscheidungen zusätzliche Risiken ein, die durch Langfristdenke oft kompensiert wird. Ein möglicher Grund: Bei Multi Family Offices und diesen Vermögensverwaltern werden Investments häufig auch dritten Parteien in Form von Eigenprodukten angeboten (Family Office-Fonds, Unternehmerfonds). Dieser Sachverhalt hat einen Einfluss auf den Due Diligence-Prozess bei Investoren. Zusätzliche Freiheit kann zu höherem Risiko führen. Mit dem eigenen Geld Co-Investoren einzuladen (Skin in the Game), kann zu riskanten Entscheidungen führen. Geht man jedoch von den Investorengruppen aus, die man oft im Family Office-Bereich findet oder bei Fondsboutiquen mit klassischer Vermögensverwaltereigenschaft, so kann man auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen: Eigentümergeführte Unternehmen als Investoren haben Vermögen erarbeitet, dass nun mit angemessener Renditevorstellung auch wachsen und erhalten bleiben soll – durch Eigenbeteiligung bei Investments wird ein Signal mit dem Einsatz der eigenen Reputation und eigener Mittel gegeben. Fazit Flexible Entscheidungsprozesse und erhöhte Risikofreudigkeit bei Investmententscheidungen sind nicht der einzige Faktor für den Anlageerfolg. Es kann sich für den klassischen institutionellen Investor lohnen, verstärkt die Expertise von unabhängigen Anbietern mit Skin in the Game-Expertise anzusehen. Ob Eigenproduke von Family Offices, Unternehmerfonds oder die klassischen Fondsboutiquen – ein persönlicher Gedankenaustausch mit diesen Investoren lohnt sich, gibt zusätzliche Anregung, ganz im Sinne von Goethe: „Was man nicht bespricht, bedenkt man auch nicht recht“. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • „Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt“ (Paul Claudel). Auch im Bereich des Fondsmanagements gilt diese Erkenntnis nach wie vor. Gerade beim Fondsmanagement sind die Marktzutrittsschranken für neue Portfolio Manager ein kritischer Faktor beim Seeding und für den späteren Vertrieb. Viele fühlen sich hier berufen, nur wenige sind auserwählt. Gibt es Konstellationen, die es bestimmten Fondsmanagern („Fondsadvisor“) ermöglichen, schneller den eigenen Fonds aufzulegen? Gibt es vielleicht verschiedene Motivationslagen bei bestimmten Arten von Fondsauflagen? Wie sieht die hier die Wachstumsperspektive für bestimmte Konzepte aus – Push versus Pull?Bei der Auflage von Fondskonzepten lassen sich mehr oder weniger präzise verschiedene Motivationslagen unterscheiden. Diese Grundgedanken besitzen eine zentrale Bedeutung für den Prozess der Seed Money-Suche zu Beginn und auch für den späteren Vertrieb. 1. Motivation – Auflage bei „konventionellen“ Fondsboutiquen, Eigenprodukt und Performance Eigentümergeführte, unabhängige Vermögensverwalter haben in den letzten Jahren sehr erfolgreich Investmentfonds für Private und Institutionelle auflegen und vertreiben können. Oft durchlaufen Vermögensverwalter verschiedene Stufen: Direktanlagebetreuung, Standardisierte Vermögensverwaltung, Fondsvermögensverwaltung und schließlich die Auflage des eigenen Fonds. Mischkonzepte sind ebenso zu finden, die Übergänge sind oft fließend. In den häufigsten Fällen wird der Vermögensverwalter davon absehen, die Kundendepots ausschließlich mit Eigenprodukten zu bestücken. Allein die Vielfalt der Anlageziele und Anlagepräferenzen der Kunden gewährleisten hier, dass diversifiziert wird. Zentrales Motiv in diesem Bereich sind oft Standardisierung und die Skalierbarkeit von Prozessen. Im Endkundenbereich findet dieses Konzept in der Regel Akzeptanz, wenn der Manager im Vergleich zu Mitbewerberprodukten in einem bestimmten Performancekorridor liegt.Zumal in vielen Fällen die Vermögensverwalter auch in kleineren Teilen mit eigenem Geld im Fonds investiert sind. Relevanter Markt sind hier die gängigen Konzepte von Markteilnehmern wie Sparkassen, Volksbanken, Fondsvermögensverwaltungen und Geschäftsbanken. Stärke kann hier sein, dass viele der Fondskäufer die Beziehung zum Berater schätzen und sich der Erkenntnis angeschlossen haben, dass es den perfekten Portfolio-Manager, der jedes Jahr den Markt schlägt, nicht gibt. Viele dieser „kleineren“ Konzepte finden oft nur schwer den Zugang zu semi-institutionellen und institutionellen Investoren, da das Auswahlverfahren hier die klassischen Beziehungsaspekte weitgehend ausblendet (Beauty Contest, RFPs). Ob die Ergebnisse dieser scheinbar objektiveren Prozesses fortwährend die „durchschnittlichen“ Ergebnisse auf Gesamtportfolio-Sicht immer übertreffen, sei dahingestellt. (Dieser Punkt trifft auch auf die in Folge besprochenen Konzepte im Bereich Family Offices/Unternehmerfonds zu). 2. Motivation – Auflage bei Family Offices Der Kampf um die Deutungshoheit bezüglich des Bereiches Family Offices hält an. Vom „Edelvermögensverwalter“ und einigen Multi-Family-Office-Konzepten (konzerngebunden und unabhängig) mit starken Interesse an der Promotion von eigenen Dienstleistungen und Produkten bis hin zum Single Family Office ohne Eigenprodukte gibt es hier eine große Spannbreite von Ansätzen. Solange alle wirtschaftlichen Interessen im Mandantengespräch und beim Außenauftritt transparent dargestellt werden, besitzt diese Vielfalt von Konzepten den Charme, ein konstruktives Wettbewerbsumfeld zu schaffen.Auch hier investieren viele der Fondsinitiatoren eigenes Geld in die eigenen Konzepte und machen sich durch die „Transparenzpeitsche“ der Publikumsfonds-Industrie in der Leistung überprüfbar. Selbst bei Produkten, die nicht direkt in der breiten Öffentlichkeit beworben werden, stellt sich spätestens bei der Herausgabe von Fact Sheets von Fondsdaten die Frage der Vergleichbarkeit mit öffentlich beworbenen Mitbewerber-Konzepten. 3. Motivation – Unternehmerfonds und Positionierung im Universum der Fondsinitiatoren Der Übergang von Unternehmerfondskonzepten in den Bereich der Family Offices, beziehungsweise in den Bereich der unabhängigen, konventionellen Vermögensverwalter-Konzepte ist fließend. Zum einen gibt es Konzepte, wo der Fondsinitiator nicht oder kaum mit eigenem Geld im Eigenprodukt investiert ist. Hier besteht die Notwendigkeit, verstärkt in die Vertriebsoffensive zu gehen, um die Wirtschaftlichkeit des Fondskonzepts zu sichern. Hier kann sich ein Konflikt ergeben, falls die Anreizstruktur bei der Managementvergütung bewusst oder unbewusst zum Eingehen größerer Risiken führt. Auch an dieser Stelle sei fairerweise angemerkt, dass bei Transparenz und entsprechender Aufklärung der Kunde die Wahlmöglichkeit hat.Unternehmerfonds, Seed Money und das „Konzept der Einladung“Es gibt Unternehmerfondskonzepte, die sich von den oben angesprochenen Kategorien beziehungsweise auch von den Unternehmerfondskonzepten ohne „Eigenbeteiligung“ des Fondsinitiators in bestimmten Aspekten unterscheiden können. Diese „Abweichung“ stellt sich dar, wenn man sich den Prozess der Seed Money-Suche und die Vertriebspolitik ansieht. Ein Beispiel: Der Unternehmer hat sein eigenes Unternehmen verkauft und jahrelang sein eigenes Geld verwaltet. Um sein Know-how konzentriert bei der eigenen Verwaltung der Familiengelder einzusetzen, legt er einen eigenen Fonds auf. Zu Beginn wird dieser Fonds überwiegend mit eigenem Seed Money ausgestattet. In weiteren Schritten treten oft sogenannte „Family, Friends & Fools“ auf. Dieser Ausdruck aus dem Business Angel-Bereich ist völlig wertneutral gemeint. Im Grunde genommen monetarisieren die Fondsinitiatoren in diesem Fall den Vertrauensvorschuss, den sie in ihrem engsten Umfeld genießen. Nach und nach kommen häufig externe Investoren dazu.Warum kann dieses Fondskonzept oft auch bei Nicht-Vorliegen von eigener Fondsmanagement-Historie für bestimmte Investoren interessant sein? Unternehmer trifft bei Gespräch auf Unternehmer. Unternehmer mit Fonds hat „Skin in the game“ und signalisiert mit Nachdruck, dass er an das eigene Können und die eigene Erfahrung glaubt. Da er sein Geld durch Eingang von unternehmerischen Risiken eingegangen ist, besteht die Motivation zur Performance-Generierung für das eigene Portfolio. Ein zentraler Aspekt wird hier aber der Bereich des Risikomanagements in Kombination mit Langfristdenke sein.Betrachtet man den oben angeführten Sachverhalt genauer, so kann man zu dem Schluss kommen, dass hier ein zentraler Unterschied zu gängigen, vertriebsorientierten Konzepten zu finden ist: In der Anfangsphase der Fondshistorie kann mit Bedachtsamkeit vorgegangen werden – in der Ruhe liegt die Kraft. Auch auf der Einkäuferseite schätzen viele Familie Offices, Vermögensverwalter, HNIWs diese Konzepte. Dieser Markt ist weniger transparent, kommunikationsintensiver und befindet sich im Wachstum.Im Vertrieb versagen hier klassische Push-Konzepte, da diese die Reputation des Fondsinitiators schädigen. Auch wenn die Konzepte oft auch „halb-dezent“ in der Öffentlichkeit beworben werden, haben diese es mittel- bis langfristig weniger nötig, sich in ein ständiges Windhund-Rennen in Performance-Hitlisten zu begeben. Fonds werden hier in der Regel weniger aggressiv vertrieben als dass sie eher interessierten Zielgruppen eine Einladung zum Co-Investment aussprechen. Nur wenn der Ansatz vom Gegenüber verstanden wird, der Anspruch an die langfristige Performance stimmt, kann der seriöse Pull-Faktor zur Wirkung gelangen.Dieses Phänomen findet sich übrigens nicht nur im Bereich der liquiden Investments, sondern bei allen Investments, bei denen das Vertrauen in Expertise und die handelnden Akteure im Fokus stehen. Auch bei Angel Investments, Venture

  • Am 16. November findet erstmalig die Konferenz „Global Impact Investments“ von ESOFON in Genf statt. Der unabhängige Branchenexperte Markus Hill wird dort an einer Paneldiskussion teilnehmen. Mit Entscheidern von Family Offices und anderen Marktteilnehmern diskutiert er gemeinsam den Themenkomplex Produktauswahl, Due Diligence und Markttrends im Bereich von Impact Investments. IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm über aktuelle Themen. IPE Institutional Investment: Welche Themenfelder werden auf der Konferenz „Global Impact Investments“ in angesprochen? Hill: Auf der der Konferenz werden bei Impact Investments über Trends, Wachstumsaussichten und Portfolio Management diskutiert. Insbesondere wird die Perspektive von Investoren aus dem Family-Office-Bereich berücksichtigt. Auch die Themen SRI und Impact Investing werden intensiv diskutiert werden. In diesem Zusammenhang werden auch die Bereich Real Assets, Agrar-Investments betrachtet sowie auch über Produktstrukturen gesprochen. Interessant erscheint mir, dass ein Thema sich stark mit dem Spannungsfeld Private Equity, dem Gegensatz von liquiden und nicht liquiden Investmentstrukturen, beschäftigt. Asset Allocation in den angesprochenen Bereichen wie auch Risikomanagement, Reporting und Messbarkeitskriterien für Impact Investments werden ebenso dort erörtert. IPE Institutional Investment: Welche Punkte werden konkret bei Ihrem Panel aufgegriffen und diskutiert? Hill: Auf dem Panel wird über Produktauswahl bei Impact Investments gesprochen. Das Thema ist insofern interessant, weil schon im Vorfeld der Diskussion immer noch engagiert über Definition und die Messbarkeit solcher Konzepte debattiert wird. SRI, ESG, Philanthropie, Social Impact Investing, Infrastrukturinvestments und mehr – viele Themen laufen hier oft ineinander. Zumindest besteht hier der Versuch, Sachverhalte aus der konventionellen Asset Management-Welt in diesem Bereich stärker berücksichtigen zu wollen. Welche Bedeutung hat der Track Record? Wie ist dieser zu messen, welche Kriterien sind hier anzulegen? Wie können Produkte strukturiert werden? Marktaussichten und Vertriebsaussichten in diesem Feld werden in einer größeren Runde diskutiert. IPE Institutional Investment: Gibt es spezielle Punkte im Rahmen der Konferenz bzw. des Panels, die zusätzlich von Interesse sein könnten? Hill: Wie oben beschrieben, der Kampf um die Deutungshoheit der Definitionen im Bereich Impact Investing hat ja begonnen. Verschiedene Gruppen, völlig wertfrei ausgedrückt, versuchen ihre Rolle, Funktion und Identität in diesem Themenfeld festzuschreiben. Diese Diskussionsrunden erinnern oft an andere Begriffe wie Family Offices und auch an den Bereich Fondsboutiquen. Bei Impact Investments gibt es zugegebenermaßen aufgrund des Engagements von großen Organisationen schön greifbarer Kriterien für Inklusion und Exklusion bestimmter Produkte. Im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit auf Einladung von Karen Wendt – Autorin von „Responsible Investment Banking“ – an einem Panel zu dem Themenkreis Impact Investing an der Goethe Universität in Frankfurt teilzunehmen. Zurzeit begleite ich auch ein Projekt mit ihr in diesem Bereich. Der Gedankenaustausch mit ihr bereitet mir große Freude. Sie hat mir auch ein paar gute gedankliche Anregungen für Genf mit auf den Weg gegeben. In den damaligen und aktuellen Gesprächen mit ihr und mit Family Offices und Stiftungen in diesem Feld ist mir aufgefallen, dass oft vergessen wird, dass es immer noch eine Form von Marktspaltung in gewissen Bereichen gibt. Es gibt liquide und nicht-liquide Investments, es gibt „kommunikativ-komplexe“ und „kommunikativ-simple“ Produktansätze beziehungsweise Herangehensweisen an Themenstellungen für Investoren. Was bedeutet das für den Bereich der Impact Investments in der aktuellen Diskussion? Bei nicht-liquiden Ansätzen komme ich bei der Due Diligence sehr schnell in den Bereich Produktprüfung bei Private Equity, Venture Capital, Startups und Direktinvestments. Reines „Number Crunching“ hilft mir an dieser Stelle nur noch bis zu einem bestimmten Grad weiter. Warum kann ich hier möglicherweise an eine Grenze als Selektor gelangen? Eine Erklärung kann sein, dass man sich hier aufgrund der mangelnden Marktransparenz eben nicht einfach auf Vergleichswerte zurückgreifen kann. Als Selektor muss man hier zwangsweise auch inhaltlich bei den Investments mehr in die Tiefe gehen: Die Bedeutung von inoffiziellen Netzwerken steigt hier – der klassische Bereich von Family Offices, HNWIs, Unternehmern mit Spezialwissen etc. Diesen Sachverhalt trifft man oft in Abwandlung selbst in scheinbar eher liquiden Bereichen, dem Bereich der Fondsboutiquen: Bei allen diesen Prozessen steht im Vordergrund die Qualität der handelnden Akteure: Es geht um Köpfe! IPE Institutional Investment: „Number Crunching“, inoffizielle Netzwerke und Köpfe – welche Bedeutung kann das für den Impact Investing-Bereich haben? Hill: Hier wird das Themenfeld Skalierbarkeit von Industrien angesprochen, ähnlich wie im Bereich FinTech. Skalierbarkeit im Sinne von Prozessoptimierung und Wachstumspotenzial stößt in bestimmten Gebieten manchmal zwangsweise an ihre Grenzen. Konkret bei Impact Investments: Wenn das Nadelöhr gute Investmentopportunitäten sind und sich die Vergleichbarkeit von diesen sich als nicht zu leicht darstellt, so hat dies Einfluss auf Art und Qualität des Selektionsprozesses auf der Investorenseite. Falls sich dieses Nadelöhr nicht beseitigen lässt, dann baut sich eine Zeit lang eine interessante Educational-, Berater- und Produktanbieter-Landschaft auf, die – auf lange Sicht gesehen – durch Subvention und Produktanbieter-Sponsoring schwer aufrecht zu erhalten ist. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich habe mein Volkswirtschafsstudium immer eher als ein fundiertes Politikstudium, als klassische Sozialwissenschaft, betrachtet. Dinge wie Gemeinwohlorientierung, Philanthropie und Sinnökonomie empfinde ich als bereichernde Aspekte bei der Diskussion auch wirtschaftlicher Sachverhalte. Ich weise nur auf diesen einen möglichen Entwicklungspfad hin – Meine Worte sind ja nicht in Stein gemeißelt. Es machen sich weit klügere Köpfe als ich viel tiefgehender, vielleicht gegenteilige Gedanken darüber. Gerne lasse ich mich da belehren. Die Gefahr, dass am Schluss der Berg kreiste und eine Maus gebar, ist nicht zu übersehen. Fonds brauchen Zielinvestments – noch so viel Beratung, Literatur und Konferenz können am Schluss nicht Ersatz hierfür erschaffen. Auch bei Projekten im Real Estate- und Renewables-Bereich, die ich begleiten durfte, war oft eine zentrale Erkenntnis: Die guten Sachen sind eigentlich schon weg, woher bekommen wir noch akzeptable Investmentalternativen aus der zweiten Reihe? Die Kernfrage bleibt bestehen: Bleibt Impact Investment eine Nische oder wird hieraus mittel- bis langfristig eine skalierbare Industrie? Boutiquen werden wie Family Offices, HNWIs etc. immer ihre Rolle in diesem Feld spielen. Das ganze Feld Club Deals und Co-Investments stehen in engen Zusammenhang mit den Begriffen Reputationsmanagement und Langfristdenke. Meine Erfahrung: In diesen Netzwerken, ich charakterisiere sie oft als „Inseln von Knowhow und aufrichtigem inhaltlichen Interesse mit Langfristdenke“, liegt zumindest der Schlüssel für wirksame Impulse für die Inpact Investing-Industrie.IPE Institutional Investment: Einmal abgesehen vom Themenfeld Impact Investing – Sie beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Fondsboutiquen und Family

  • Vom 6. bis 8. Juni findet das FundForum International in Berlin statt. Der unabhängige Branchenexperte und IPE Institutional Investment-Autor Markus Hill moderiert dort auch in diesem Jahr eine Paneldiskussion. Mit Entscheidern von Family Offices diskutiert er über den Themenkomplex Asset Management, Due Diligence und auch über den Themenbereich Fondsboutiquen. Bereits im April diesen Jahres moderierte er eine Veranstaltung mit Professor Dr. J. Carlos Jarillo („Strategische Logik – Die Quellen der langfristigen Unternehmensrentabilität“) zu dem Themenkomplex Value Investing und Private Equity, bei der ebenso einer der zentralen Diskussionspunkte der Ownership Approach bei Fondsboutiquen und auf Investorenseite diskutiert war. Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm über aktuelle Themen, die auch vor dem Hintergrund der vorangegangenen oder zukünftigen Veranstaltungen bei Family Offices und Asset Managern verstärkt diskutiert werden könnten. IPE Institutional Investment: Im Juni werden Sie Ihre Paneldiskussion zum Thema Family Offices und Due Diligence im Asset Management-Bereich in Berlin durchführen. Welchen Themenkreis sprechen Sie dieses Jahr an und wer sind die Teilnehmer? Hill: Das FundForum International findet dieses Jahr das erste Mal in Berlin statt. In den drei vorherigen Jahren hatte ich Panels mit Fondsselektoren in Monaco moderiert. Ich bin gespannt darauf, wie Berlin im Vergleich zu Monaco von den Besuchern der Veranstaltung aufgenommen wird. Natürlich freue ich mich auch darüber, dass der Standort Deutschland bezüglich der Asset Management-Industrie hierdurch international aufgewertet wird. In Frankfurt gibt es im auch dieses Jahr im Oktober wieder eine ähnlich breit angelegte Veranstaltung vom BVI (BVI Asset Management Konferenz) mit starkem Frankfurter Networking-Charakter. Das Panel in Berlin am 8. Juni wird sich auch in diesem Jahr mit den Themenkreisen Asset Management, Due Diligence bei der Fondsauswahl und mit dem Themenkreis Fondsboutiquen beschäftigen. Panelisten sind diesmal Marcel Müller (HQ Trust), Christian Hammes (ETA Family Office), Jacob von Ganske (Deutsche Oppenheim Family Office AG), Antje Biber (Feri Trust) und Magnus von Schlieffen (Breidenbach von Schlieffen & Co.) sein. IPE Institutional Investment: Gibt es spezielle Punkte im Rahmen des Panels, die zusätzlich von Interesse sein könnten? Hill: Natürlich werden üblicherweise Themen wie Selektionskriterien für Asset Manager diskutiert. Auch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Auswahl von konzerngebundenen und unabhängigen Asset Managern. Wir haben immer wieder feststellen können, dass verschiedene Anbieter auch gerne erfahren würden, wie man leichter in den direkten Kontakt mit Family Offices kommen kann. Die übliche Erfahrung scheint oft zu sein: „Don’t call us, we call you!“. Ein interessanter Aspekt hierbei kann das Verhalten von Produktanbietern und Sales in verschiedenen Marktphasen sein. Auch können Erfolgsfaktoren und Misserfolgsfaktoren beim Fondsboutiquen-Setting kritisch diskutiert werden. Aktiv versus Passiv, Regelgebunden versus Nicht-Regelgebunden, die Rolle von Nachhaltigkeit und Impact Investing-Gedanken, Roboadvisory und Family Offices – auch diese Themen sind der Diskussion wert. Viele dieser Themenkreise finden sich generell bei gebundenen und unabhängigen Asset Managern: Differenzierung, Disziplin, Transparenz und Visibilität. Auch in den Vorjahren in Monaco wurden diese Themen kontrovers diskutiert. Interessant waren auch Punkte wie die Abgrenzung von liquiden zu nicht-liquiden Fondskonzepten beziehungsweise die Rolle der Verpackung des Produkts: Welche Skills braucht man als Selektor bei welchem Produktdesign? Ich will an dieser Stelle aber nicht allen Punkte der Diskussion im Detail vorwegreifen. Jeder der Panelisten bringt ja hier noch seine eigene Note ein: Herkunft, Interessen, Knowhow und Netzwerk. IPE Institutional Investment: Sie beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Fondsboutiquen. Welche Themen stehen derzeit hier in Ihrem Fokus? Hill: Zuletzt hatte ich die zusätzlich Gelegenheit, mich noch intensiver mit dem Thema Value Investing zu beschäftigen. Zum einen im Rahmen eines Selektionsmandats, zum anderen hatte ich im letzten und in diesem Jahr die Gelegenheit, verschiedene Veranstaltungen (Frankfurt, Köln, Hamburg) mit Prof. Dr. J. Carlos Jarillo begleiten zu können. In seinen Vorlesungen und Publikationen hat er sich seit Jahren stark mit Themen wie Strategie, Positionierung und Konkurrenzanalyse beschäftigt. Natürlich hat er bei den Investorenveranstaltungen als Sponsor über seinen eigenen Fonds gesprochen, dies war aber meiner Ansicht nach nicht der Hausaspekt der Veranstaltungen. Mir hat gefallen, dass ich im Vorfeld auch über einige Konkurrenzprodukte bzw. Mitbewerberansätze sprechen durfte – als jemand, der aus einer unabhängigen, kommentierenden Position spricht, mein Motto: „Diversifikation durch den Einsatz von vielen klugen Köpfen im Portfolio“. Wenn man sozusagen mit einer etwas neutraleren Brille auf die Branche schaut, gibt es natürlich sehr viele interessante Ansätze im Value-Bereich. Es gibt gestandene Unternehmer, die Fonds managen. Leute mit stärker wissenschaftlichem Touch, Experten die von größeren Häusern kommen. Oder in diesem Fall einen Person, der Unternehmen anders als ein Manager aus der Finanzbranche eher mit der Brille eines Strategie-Professors betrachtet. Alle Ansätze, optimaler Weise, finden Ihre Berechtigung bei Fondsselektoren, schon allein aus Risikomanagementperspektive betrachtet. IPE Institutional Investment: Gibt es andere Themen, die Ihnen in der aktuellen Diskussion stärker aufgefallen sind? Hill: Im Allgemeinen erscheint der Druck im Markt zu herrschen, sich stärker auch tendenziell risikoreicheren Investments zumindest verstärkt prüfend auseinanderzusetzen. Das betrifft zum einen Fondsprodukte, aber auch Direktinvestments – unabhängig von der Assetklasse. Auch Family Offices geben hier oft im Gespräch zu, dass hier noch Kapazitäten im Bereich Knowhow ausgebaut werden könnten, gerade im Segment von tendenziell eher illiquiden Investments. Hier zum Beispiel im Bereich Real Assets, AIF-Bereich etc. Sie hatten ja auch gerade im Rahmen Ihrer Frühstücksseminare das Thema aufgegriffen. Ich hatte in diesem Jahr unter anderem in diesem Jahr stärkere Berührungspunkte zu diesem Bereich, da ich für ein Familienunternehmen aus den USA, in Kombination mit einem Immobilienentwickler – oft typische Family Office-Aufstellung in solchen Bereichen, mit vielen Investoren in Deutschland, Schweiz und Österreich über das Interesse am US-Immobilienmarkt gesprochen habe. Einige Family Offices und andere Investorengruppen hatten hier in einigen Fällen zusätzlich Interesse an einem persönlichen Kontakt zum Produktanbieter. Kernpunkt war, dass auch kleine Unternehmen mit hohem Spezialisierungsgrad und mit vermutetem Zugang zu interessanten „Off-the-market-Offerten“ durchaus auf Interesse stoßen. Auch im Bereich Private Banking und bei einzelnen Versorgungswerken. Oft weniger bezogen auf konkrete Projektofferten, sondern ebenso stark ausgeprägt das Interesse an speziellen Knowhow, bei dem der eine oder andere Investor beziehungsweise Produktverantwortliche sich darüber bewusst ist, dass man nicht in jedem speziellen Bereich Spezialisten einstellen kann. Ein weiterer interessanter Aspekt bei diesen Gesprächen war, dass viele Investoren durchaus einen großes Interesse an fachlichen Gedankenaustausch haben (Produkte, Ansätze, Marktüberblick),

  • „Unsere Zeit wird uns teils geraubt, teils abgeluchst, und was übrigbleibt, verliert sich unbemerkt“ (Seneca). Der Faktor Zeit stellt bekanntlich einen wesentlichen Faktor bei der Entdeckung von unabhängigen Talenten im Asset-Management-Bereich dar, auch bei Family Offices. Oft entsteht der Eindruck, dass dieser Faktor nicht genügend Berücksichtigung bei der Kommunikation mit dem potenziellen Investor findet. Was sind „Hygienefaktoren“ für eine erfolgreiche Ansprache? Wo bestehen Optimierungspotenziale für unabhängige Asset Manager? Faktor Zeit und Standardinformationen Der Prozess der quantitativen und qualitativen Due Diligence im Segment Fondsboutiquen bei Family Offices hat sich in den letzten Jahren professionalisiert. Standardinformationen wie Peer-Gruppenvergleiche, Performance, Volatilität etc. sind in den verschiedensten Formen erhältlich. Eine intensive Berichterstattung ergänzt diese quantitativen Faktoren. Viele Selektoren nutzen diese Informationen zum Vorfiltern. Das Nutzen von einzelnen Datenbanken oder diversen Datenbanken in Kombination ist Standardprozedur. Hier schreiben viele Adressen sozusagen ihre eigene Handschrift. Selbst in diesem scheinbar einfachen Verfahren zeigen sich aber schon erste „Soll-Bruchstellen“ in der Fondsanalyse. Üblicherweise wird von einigen unabhängigen Asset Managern moniert, dass sie sich in bestimmten Fällen von Analysehäusern nicht in die „richtige“ Kategorie eingruppiert fühlen. Dieses Gefühl korrespondiert in manchen Fällen mit der Auskunft von Selektorenseite, dass man die Eingruppierung von Asset Managern bei Analysehäusern durchaus mit kritischem Abstand betrachtet. Oft erscheint es hilfreich, im direkten Gespräch mit dem Manager ein Gefühl dafür zu entwickeln, womit der einzelne Ansatz vergleichbar erscheint. Hier ergeben sich auch Chancen für die Asset Manager, ihre eigenen Stärken und Differenzierungsmerkmale bei Family Offices hervorzuheben. Sympathie für unabhängige Asset Manager bei Family Offices Ein Problem für viele kleinere Fondshäuser besteht darin, dass oft nur begrenzte Ressourcen für die Vermarktung vorhanden sind. Nun gibt es hier verschiedene Vorgehensweisen. Zum einen können die Family Offices mit der „Streubüchse“ angegangen werden. Jeder Fondsselektor auf Family-Office-Seite (Multi Family Office wie auch Single Family Office) ist es gewohnt, von einer Vielzahl von Anbietern kontaktiert zu werden. Da sich der überwiegende Anteil der Gespräche mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit vom Inhalt her in Richtung Produkt-Promotion konzentriert, besteht häufig wenig Interesse auf Selektorenseite, allzu viel telefonische Due-Diligence-Zeit beim Erstkontakt einzusetzen: „Senden Sie uns Unterlagen, wir melden uns dann gegebenenfalls bei Ihnen“ ist ein Antwort, die nicht selten gegeben wird. Hier werden oft wertvolle Chancen im ersten Kontakt vergeben. Würde im Vorfeld genauer eruiert, ob überhaupt Interesse am Ansatz des Fondsmanagers besteht, würden sich beide Seiten hier viel kostbare Zeit sparen. Value, Growth und Expertise-Potenziale Expertise auf hohem Niveau wird von vielen Verantwortlichen in Family Offices anerkannt. Besteht als Differenzierungsmerkmal eine tiefe Spezialisierung, beispielsweise in den Bereichen Value- oder Growth-Investing, so stoßen auch „kleine“ Häuser oft auf verstärktes Interesse. Unabhängig von aktuellen Performance-Kennzahlen ergeben sich in dem einen oder anderen Fall Gesprächsansätze, die zu einer vertieften Due Diligence des Anbieters führen können. Ein Grund hierfür kann zum Beispiel darin liegen, dass sich das Family Office auch in anderen Anlagebereichen stark mit dem Value-Investing-Gedanken beschäftigt. Themengebiete, die von Anbietern besetzt werden, senden auch Signale. Value Investing und Langfristdenke werden oft gleichgesetzt – das Denken für den Prinzipal im Single Family Office unterliegt einer ähnlichen Taktung. In Ergänzung hierzu erscheint das Research-Know-how von Häusern im Growth-Bereich bei Small Caps interessant, wenn für die Selektoren im Verbund auch die Bereiche Venture Capital und Private Equity von Interesse sind. Die Übergänge erscheinen hier fließend, auch Value-Investing-Interesse und Private-Equity-Aktivitäten können Hand in Hand gehen. Viele Value-Investoren im liquiden Bereich schätzen es, wenn Investoren langfristig im Fonds bleiben, auch mehr oder weniger temporär illiquide Produktkonzepte findet man hier. Kommunikation und der Faktor Zeit Fondsselektoren sind Menschen, Menschen wollen nicht als reines Mittel zum Zweck betrachtet werden. Ein Sachverhalt, der einem auch immer im Dialog mit dem Family Office-Vertreter gespiegelt wird, wie oben angeführt, auf den Punkt gebracht: Interessiert sich mein Gegenüber auch längerfristig für meine Interessen, oder geht es hier nur um das rein opportunistisch geprägte „Produkte abladen“? In den Fällen, wo komplexere, kommunikationsintensivere Produkte, Dienstleistungen bzw. Ansätze ins Spiel kommen, gewinnt dieser Aspekt zusätzliche Bedeutung. Raum für Kommunikation – Offenheit, Zeit und Vertrauen sind typische Elemente dieses fortlaufenden Prozesses. Unabhängigen Asset Managern mit direktem Privatkundenkontakt ist dieser Faktor bekannt. Interessanterweise findet diese Erkenntnis oft nur teilweise Berücksichtigung, wenn es um den Bereich Publikumsfondsvertrieb an Family Offices geht. Moniert wird dann zudem noch von Anbieterseite, dass die Entscheider auf der Family Office-Seite angeblich zu viel Zeit für eine Entscheidung nehmen würden.Fairerweise muss man sagen, dass das der oben erwähnte Sachverhalt in Teilen auch auf Vertrieb allgemein übertragbar erscheint. Kommunikation erscheint schwieriger, wenn am Anfang der Gesprächskette sozusagen „viereckige Dinge dreieckig geredet werden sollen“. Wenn beim ersten Kennenlernen im Vordergrund steht, dass die gegenüberliegende Seite mir Geld geben soll – möglichst zeitnah natürlich, dann kann dies durchaus nicht unumschränkt förderlich sein für eine spannungsfreie, angenehme Gesprächsatmosphäre! Due Diligence, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Fondsboutiquen Expertise im direkten Kontakt zwischen Fondsboutique und Family Office kann eine Brücke zur Kommunikation darstellen. Verfügt ein Anbieter über diese Ressource, stellt sich die Frage, ob diese Expertise im nächsten Schritt auch vom Family Office wahrgenommen wird. Eine andere besteht in der Nutzung von Multiplikatoren in der Fondsindustrie. Medien, Placement Agents und Berater der verschiedensten Richtung können hier eine Rolle in der Kommunikation zum Fondsselektor sein, nicht nur im Family Office-Bereich.Vergessen wird oft, dass auch viele Kapitalverwaltungsgesellschaften in dem Feld Fondsboutiquen über eine ausgeprägte Expertise verfügen. Interessant erscheint, dass neben der rein fachlichen Aufstellung bei vielen dieser spezialisierten Häuser ein Mehrwert im Know-how über die entsprechenden Zielgruppen besteht. Zum einen legen verschiedene dieser Häuser auch Fonds für Family Offices auf, sei es im Publikumsfondsbereich (Private-Label-Fonds) wie auch im Spezialfondsbereich. Ansatzpunkte bestehen hier häufig nicht nur im liquiden (z. B. klassische Value-und Growth-Fonds) sondern auch im illiquiden Bereich (Real Estate, Private Equity etc.). Von besonderem Interesse können hier auch Kapitalverwaltungsgesellschaften sein, die im Bereich der Fondsboutiquen zusätzlich über Vertriebs-Know-how verfügen. Aufgrund einer solchen Konstellation besteht zusätzlich ein Vorteil darin, dass diese Häuser aufgrund des eigenen Produktangebots im intensiven Dialog mit Family Offices stehen. Hier besteht oft ein guter Überblick über die Anlagepräferenzen des Investors. Ausblick Viele Family Offices beschäftigen sich intensiv mit der Due Diligence von Fondsboutiquen und

  • Entscheidungsstrukturen im Bereich Fondsselektion und Asset Allocation im Bereich Family Offices werden in der Fondsindustrie mit zunehmendem Interesse betrachtet. Viele Häuser haben in den letzten Jahren hier zunehmend ihr Know-how ausgebaut. Die Bedeutung von wissenschaftlichen Methoden beim Investmentprozess wächst, auch der klassische Konflikt zwischen aktiven und passiven Produkten wird intensiv diskutiert. Markus Hill sprach für IPE Institutional Investment mit Jakob von Ganske, Direktor Investment Consulting und Risikomanagement, Deutsche Oppenheim Family Office AG über den hauseigenen Fondsauswahlprozess, Strategische Asset Allocation (SAA) und Optimierungspotenziale im Bereich Due Dilligence. Hill: Wie sieht der Asset Allocation-Prozess in Ihrem Hause aus? von Ganske: Die Strategische Asset Allocation (SAA) ist in unserem Investmentprozess der erste und wichtigste Schritt, weil hier die großen Fehler gemacht oder vermieden werden. Akademische Untersuchungen zeigen, dass im Schnitt mehr als 90% der ex-post Performance von der SAA abhängig ist. Die SAA definiert darüber hinaus eine langfristige Benchmark, gegen die sich Mehrwert durch aktives Management messen lässt. Ohne SAA kann keine objektive Messung des Mehrwerts der Vermögensverwalter beziehungsweise Fonds stattfinden. Für die Durchführung einer SAA-Beratung braucht man Erfahrung. In mehreren aufeinanderfolgenden Gesprächen wird gemeinsam mit dem Mandanten dessen individuelles Ertragsziel und seine Risikobereitschaft ermittelt. Höhere Ertragsziele sind nur mit einem höheren Risiko vereinbar, so ist der Grundsatz. Sobald ein langfristiges Rendite-Risiko-Profil gefunden wurde, welches optimal zu den Rendite/Risiko-Präferenzen des Investors passt, werden in einem zweiten Schritt die einzelnen Anlagebausteine ausgewählt, die dieses Profil am besten wiederspiegeln. Erst ab diesem Punkt beginnt die eigentliche Produktauswahl in Form von Fonds, Vermögensverwaltern und ETFs. Dieser Prozess garantiert eine in sich konsistente und für den Mandanten transparente Investmententscheidung. Zur Ermittlung des Rendite-Risiko-Profils dient uns ein modernes und akademisch fundiertes Modell, das mit Hilfe von Monte-Carlo-Simulationen kurz- und langfristige Chancen und Risiken eines Portfolios realistisch abbildet. Die Verteilungen der simulierten Renditen unserer Assetklassen weisen dabei empirisch belegte „fat tails“ auf und gehen damit – aber auch in verschiedenen anderen Aspekten – deutlich über das bekannte, aber nicht mehr zeitgemäße Markowitz-Modell hinaus. Hill: Wie sieht der Fondsauswahl-Prozess bei Ihnen aus? von Ganske: Es kommt hier auf die richtige Balance aus quantitativer und qualitativer Analyse an. Die quantitative Analyse ist komplex und mit viel statistischem Handwerk verbunden. Es geht um mehr als nur einmal einen Blick auf die Performance-Zahlen zu werfen. So muss erst einmal eruiert werden, ob die untersuchten Fonds die „richtige“ Benchmark angeben, also eine Benchmark, die auch dem Investmentuniversum entspricht. Dem ist oftmals nicht so, man spricht hier von einem „Benchmark-Mismatch“. Auch muss untersucht werden, ob ein Fonds deswegen Outperformance generiert hat, weil er strategisch defensiv (Beta kleiner 1) oder offensiv (Beta größer 1) aufgestellt ist. Auch andere Risikoprämien im Bereich der Investmentstile – wie z.B. Value- oder Small-Cap bei Aktien – müssen extrahiert werden. In einem dritten Schritt muss dann statistisch ermittelt werden, ob relativ zur oben erstellten „wahren“ Benchmark Glück oder Können vorliegt. Letztendlich geht es darum: Liegt die Fondsperformance tatsächlich am Können des Managers? Oder war es vielleicht Glück, ein „Benchmark-Mismatch“ oder auch eine systematische Abschöpfung von Risikoprämien. Die gleiche Fondsperformance hätte vom Investor in diesem Fall vielleicht mittels Exchange Traded Funds (ETFs) viel günstiger eingekauft werden können. Hill: Wie geht es dann weiter? von Ganske: Die qualitative Analyse ist prozessual der vierte und letzte Schritt und enorm wichtig um Schwächen im Investmentprozess zu identifizieren. Wir suchen gezielt nach „Dealbreakern“, denn eine qualitative Analyse kann unserer Ansicht nach nur neutral oder negativ sein. Sie sollte niemals die Grundlage für positive Entscheidungen sein, denn dafür ist eine qualitative Analyse viel zu sehr abhängig von subjektiven Eindrücken des Analysten. Mit dieser Betrachtung unterscheiden wir uns stark von der Herangehensweise anderer Fondsselektoren im Markt. Um den hier beschriebenen Prozess zu institutionalisieren, haben wir gewisse Grundregeln festgelegt, also „Axiome“, die den Rahmen unserer Analyse festlegen. Erstens, jeder aktive Fonds braucht eine Benchmark. Keine Benchmark zu benennen ist für uns äquivalent zu der Annahme, dass der Fonds keinen relativen Mehrwert produzieren kann. Die Benchmark muss das Investmentuniversum wiederspiegeln. Als Beispiel: Ein US-Fonds, der 20% Europaaktien hat und sich nur gegen den S&P 500 misst, ist für uns als nicht investierbar zu betrachten. Ein Fonds, der sich gegen den MSCI Welt misst und Gold, Wandelanleihen, EMBI-Bonds etc. im Portfolio hält, ist nicht bewertbar und demnach ebenfalls nicht investierbar. Die Ausnahme sind Absolute-Return-Fonds, die sich gegen eine absolute Benchmark (z.B. Geldmarkt + 2% p.a.) messen und wir haben strenge Kriterien wann ein Fonds „Absolute Return“ ist und wann er nur vorgibt einer zu sein – Stichwort „Marktneutralität“. Zweitens, der Fonds muss, wie eingangs erwähnt, zur SAA passen. Drittens, eine Streuung der Wetten ist elementar. Ein Fonds, der nur „Aktienmärkte hoch oder runter“-Wetten eingeht, hat keine Diversifikationseffekte und ist für uns nicht investierbar. Viertens, der aktive Mehrwert des Fondsmanagements muss über die Zeit hinweg konsistent sein. Damit vermeiden wir Fonds, die nur ein oder zweimal in Ihrer Historie eine große erfolgreiche Wette eingegangen und davor und danach um die Benchmark herum „gedümpelt“ sind. Als gutes Beispiel dient die Finanzmarktkrise im Jahr 2008, weil da Fonds und Manager an die Oberfläche aller Rankings gespült wurden, die angeblich die Finanzmarktkrise „vorhergesehen“ haben und seitdem keinen aktiven Mehrwert mehr erwirtschaftet haben. Hill: Warum ist es wichtig, die Asset Allocation und die Fondsauswahl als aufeinander aufbauenden Prozess zu sehen? von Ganske: Weil nur so Risiken und Renditepotenziale transparent werden. Die Risiken seines Portfolios zu kennen ist für einen Investor elementar, allein schon deswegen um Panikreaktionen zu verhindern – schlimmstenfalls verkauft der Investor sonst zum Tiefpunkt und verpasst den Rebound, wie man oftmals in der Finanzkrise in 2008 beobachten konnte. Aber nicht nur das liquide Vermögen ist betroffen. Eine gute SAA eruiert über das Gesamtvermögen des Mandanten hinweg eine optimale Vermögensstruktur und nicht nur über einzelne kleine liquide Subportfolien, die in der Regel aggregiert nicht den Präferenzen des Investors entsprechen werden. Und last but not least, weil nur so die Performance aktiver Manager gemessen werden kann. So können schlechte Manager überhaupt erst erkannt und desinvestiert werden, um an deren Stelle in bessere aktive Manager oder auch in ETFs zu allokieren. Hill: Wenn Sie alternative Vorgehensweisen im Bereich Asset Allocation und Fondsauswahl in der Branche

  • „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ – alternative Assetklassen sind vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase bei institutionellen Investoren gefragt. Besonders intensiv wird derzeit der Bereich Infrastrukturinvestments diskutiert. Laut diverser Studien, aber auch gemäß fortlaufenden Meldungen über diese Assetklasse bei Kapitalverwaltungsgesellschaften und anderen Firmen, diskutiert die Asset Management-Branche engagiert. Die Bereiche, in die investiert werden kann sind vielfältig: Listed Infrastructure, Debt Fonds, Real Assets und Renewables – alle Themen, die einen fruchtbaren Dialog fördern, sind der Industrie willkommen. Die Chancen für das langfristig ausgerichtete Portfoliomanagement erscheinen vielversprechend. Die Herausforderungen für Anbieter und Investoren sind groß. Know-how, Risiko Management und Kommunikation stehen im Fokus von Anbietern und Investoren. Mögliche Investmentfelder im Bereich Infrastrukturinvestments Städte müssen gebaut werden, Stromnetze ausgebaut und Wasser gestaut werden: Investoren auf privater und öffentlicher Ebene sind gesucht. Neben den genannten Feldern sind die Möglichkeiten für Infrastrukturinvestments breit gestreut. Grob kann man zum Beispiel – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die Bereiche Kommunikation (Kabel, Funk), Transport (Bahn, Schiff, Straßen), Ver- und Entsorgung (Abfall, Elektrizität, Wasser) sowie Soziales (Bildung, Kultur, Gesundheit) als Projekte bzw. Unternehmen als entsprechende Investitionsobjekte betrachten. Der scheinbar triviale Charakter dieser Aufzählung täuscht, weil das Investmentfeld („Projektfinanzierung“) in vielen Fällen mit einer Vielzahl von Risiken behaftet sein wird: Regulierung, Input/Output, Rolle von Staat und Politik sowie operative Risiken, Transferrisiken etc. erhöhen die Komplexität bei der Entscheidungsfindung bei institutionellen Investoren. Trotz der in der Regel oft anzutreffenden „Langlebigkeit“ der Investmentobjekte kann man keinesfalls immer von sicheren Investments sprechen, ein Eindruck der bei mancher Investmentdiskussionen auf Konferenzen oder in der Fachpresse entstehen kann. Unternehmerische Entscheidungen bei Investitionen, unabhängig von verpackungstechnischen Aspekten, bleiben ihrer Natur gemäß mit Risiken, die man in vielen Fällen erfolgreich managen kann, behaftet. Die Industrie arbeitet daran, diese Risiken für Investoren in verantwortlicher Weise „investitionsfähig“ zu machen (Optimierungspotentiale: Due Diligence, Risikomanagement). Anbieter und Investoren bei Infrastrukturinvestments In Deutschland entwickelt sich seit Jahren das Angebot im Bereich der Fondsauflage positiv. Verstärkt nehmen die Kapitalanlagegesellschaften auch den Trend zur Verbriefung wahr. Luxemburg gilt oft als eine erste Anlaufstelle für die Strukturierung, auch die Diskussion im Feld Public Private Partnerships (PPP) nimmt Fahrt auf. Auch die Private Equity-Industrie ist in einer intensiven Diskussionsphase, unabhängig von der Größen- und Kostendiskussion (Der komplexe Bereich der Direktinvestments ist an dieser Stelle nicht im Vordergrund). Etablierte Industrieadressen wie auch viele mittelgroße bis „kleine“ Anbieter von Produkten stellen sich ebenso auf wie Anbieter aus klassischen Infrastrukturmärkten: Australien, USA, Kanada, Großbritannien. Klassische institutionelle Investoren wie Versicherungen, Versorgungswerke und Corporates (Verbund) beschäftigen sich intern derzeit stark mit Aufbau von Know-how bzw. bedienen sich externer Consultants. Man kann in Teilen eine Spaltung des Marktes wahrnehmen: Investoren wie zum Beispiel bestimmte Family Offices, Stiftungen und Pensionskassen haben Interesse an Infrastrukturinvestments und besitzen auch in Teilen internes Know-how. Bei bestimmten Größenordnungen und bei professionellem Netzwerk kommen auch bestimmte „Club Deals“ zustande. Aufgrund der Vielfalt von Investmentmöglichkeiten nimmt man in Teilen eine Form von „Attentismus“ war. Kurz gesagt: Weil derzeit der Aufwand für Due Diligence zu teuer, zeitwendig bzw. unüberschaubar erscheint, wird erst einmal abgewartet. Insbesondere dann, wenn man von der Investitionsebene Fonds auf die Investitionsebene Direktinvestment gelangt, steigt der Grad an Komplexität im Prüfungsprozess (Stichwort: Anlagenverordnung). Bestimmte Investoren können derzeit diese Prüfkapazitäten nicht vorhalten bzw. suchen noch nach Lösungen. Obwohl dieser Prozess nicht ein Kerntrend ist, wird die Zurückhaltung mancher Investoren vielleicht auch dadurch verursacht, dass es in bestimmten Phasen immer wieder zu einer Verknappung des Angebots von attraktiven Zielinvestments für die Fonds kommen kann. Chancen für das Portfoliomanagement Langfristigkeit, stabile Erträge und Portfoliodiversifikation werden häufig als Chancenpotenzial für institutionelle Investoren im Portfolio Management betrachtet. Ähnlich wie die in der Vergangenheit geführte Diskussion im Hedgefondsbereich dient die aktuelle Diskussion bei Infrastrukturinvestments unter Umständen dazu, möglichst frühzeitig „Red Flags“ bei der Due Diligence von Investments zu erkennen, Fehlannahmen zu korrigieren und die vielversprechende Assetklasse erfolgreich in den eigenen Portfolios zu managen. Diversifikation und Risikomanagement Die Streuung von Risiken ist eine der Kernaufgaben von Portfolio Managern auf Anbieter- wie Investorenseite (Selektion) bei Fondslösungen im Infrastrukturbereich. Ähnlich wie bei der klassischen Asset Manager-Auswahl wird auf internes und externen Know-how (Consultants) bei der Auswahl bestimmter Fonds zurückgegriffen. Single- und Dachfondslösungen werden geprüft. Die Fondslösungen müssen in die Gesamtstrategie des Investors (z. B. Versicherung) passen. Das richtige Maß zwischen „Überdiversifikation“ und „Unterdiversifikation“ ist zu finden, alles eingebettet in die Konstruktion des Gesamtportfolios des Investors. Einflussfaktoren für Risiken können beispielsweise sein: Cash-flow-Profil, Regulierung (AIFM, KAGB, ELTIF, Solvency II etc.), Regionen (Europa versus USA?), Volkswirtschaftsindikatoren, operative Besonderheiten bei Investmentuniversum, Währung und Finanzierungsmodell. Prognose- wie auch Klumpenrisiken bei der Auswahl von Fonds (innerhalb und außerhalb der Fondsebene) sind ebenso zu berücksichtigen. Eine Erkenntnis, die im Widerspruch zu mancher gängigen Marktmeinung steht. Wenn man alles diese Punkte betrachtet, dann wird offensichtlich, dass unternehmerische Risiken bei Investments eines ständigen Monitorings und Reportings bedürfen und man nicht per se von langfristig stabilen Erträgen ausgehen kann bei jedem Infrastrukturinvestment. Dies widerspricht nicht der generellen Annahme, dass Infrastrukturinvestments ein positives Rendite-Risiko-Profil mit stabilen Erträgen ausweisen können. Fondsmanagement: Bedeutung von Due Diligence und Know-how-Management Anbieter und Investoren im Bereich Infrastrukturinvestments stehen derzeit im intensiven Dialog. Aufgrund der Komplexität der Angebote und der Zeitintensität des Due Diligence-Prozesses auf Investorenseite kann es zu vielen „Friktionen“ im erhofften Wachstumsprozess kommen. Standardisierung von Prozessen, Transparenz bei den Entscheidungsparametern (Regulierung, Risikomanagement etc.) sind Entwicklungspfade, die von allen Industrieakteuren positiv beeinflusst werden können. Mögliche Fragestellungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sind dabei: Wie kann sichergestellt werden, dass Investoren – größenunabhängig, u. a. Family Office wie Versicherung – bei der Auswahl von Fondsprodukten alle auf dem gleichen Know-how-Stand sind, um zeitnah Investitionsentscheidungen treffen zu können? Welche Beurteilungskriterien sind bei welcher Art von Projekt anzusetzen (Cashflow, Bewertungsvorschriften etc.)? Wie beeinflussen bestimmte Zielinvestments Investmentstrategie und Risiko-Exposure? Vergessen wird häufig, dass viele Investoren bei der Due Diligence das Interesse am Investment dem Aufwand der Investment-Prüfung gegenüberstellen müssen, zusätzlich ist auch zu beachten, dass bestehende Investments eines professionellen Monitorings bedürfen. Weder können alle Investoren solche Fachexpertise ständig intern vorhalten, noch kann es sinnvoll sein, bei jeder Investitionsentscheidung vorher externes Know-how einzukaufen. Die Selektoren besitzen in der Regel Feldkompetenz im Finanzbereich. Spezielle Fragestellungen aus Anlagenbau,

  • „Haben Sie nicht einmal eine Idee?“, „Uns fehlen nur noch 5 Millionen Euro, dann kann der Fonds starten“ – so oder ähnlich klingen häufig die Äußerungen von Fondsinitiatoren auf Seed-Money-Suche. Viele Schritte in der Suchphase nach Startkapital bei Fondsgründungen erinnern an die Suche von Start-up-Finanzierung oder an Fundraising im Bereich des konventionellen Sponsorings. Abzugrenzen von der klassischen Seed-Investoren-Suche ist die Situation, wenn mit bestehenden Produkten und Dienstleistungen auf Investoren zugegangen wird. Welche Typen von Fondsmanagern suchen Seed Money? Wie denken Investoren über Due Diligence und Kommunikations-Offensiven? Welche Stolpersteine gilt es möglicherweise auszuräumen? Typen der Seed Money-Suchenden Betrachtet man die Struktur der Seed-Money-suchenden Firmen im Asset Management-Bereich einmal genauer, dann kann man bestimmte Typen (sehr grob) unterscheiden:1) Etablierter Produktanbieter mit organisch gewachsenem Netzwerk im Investoren-Bereich.2) Etablierter Produktanbieter mit organisch gewachsenem Vertriebsnetz und punktuell gewachsenem Seed-Investoren-Netzwerk.3) Nicht-etablierter Produktanbieter ohne ausgeprägtes Vertriebsnetz mit opportunistisch ausgelegter Seed-Investoren-Kommunikation.Interessant erscheint, dass bei bestimmten Firmen der Bekanntheitsgrad und das Vertriebs-Netzwerk kaum in Beziehung zueinander stehen. Kontaktstärke im Sales-Bereich kann unter Umständen sogar hinderlich für die Seed-Money-Ansprache sein. Viele Investoren lehnen die fortwährende „aggressive“ Ansprache für scheinbar konkurrenzlose, einzigartige neue Fondskonzepte ab. Mögliche Stolpersteine bei der Seed Money-Suche Etablierte Produktanbieter mit etablierten Netzwerken haben in der Regel weniger Probleme, Seed-Investoren für die bestehende Produktpalette und für neue Konzepte zu überzeugen. Scheinbar läuft die Seeding-Pipeline wie „geschmiert“. Scheinbar deswegen, weil auch hier manchmal der Motor zu stottern beginnen kann, wenn neue Investorentypen angesprochen werden müssen. Netzwerk und Produktangebot stimmen nur mittelbar überein.Bei etablierten Produktanbietern – wozu auch „kleine“ Fondsboutiquen zählen – mit nur kontinuierlich-punktuell ausgebauten Seed-Investoren-Netzwerk kann man in vielen Fällen feststellen, dass beim Kernprodukt sozusagen zu Beginn der Unternehmenshistorie eine Form von erstem, erfolgreichen „Glückstreffer“ gelang. Auch hier trifft man dann auf das Phänomen, dass sich die entsprechende Adresse sehr schwer tut, neue Produkte seeden zu lassen.Die dritte Gruppe der Seed Money-Sucher ist verstärkt im Bereich „Fundraising“ anzutreffen. Größe und Kommunikationsstärke der Anbieter stehen hier auch nicht unbedingt in direkter Relation. Natürlich gibt es hier häufig Konzepte, die bei noch so starken Kommunikationsbemühungen (Direktansprache der Investoren) so eklatante Schwächen aufweisen, dass es betriebswirtschaftlich als notwendig zu erachten wäre, sich möglichst zeitnah ein definitives „Nein“ bei potenziellen Investoren einzuholen. Chancen für attraktive Konzepte In der derzeitigen Niedrigzinsphase sind viele Seed-Investoren spürbar interessierter an überzeugenden, neuen Konzepten für Fonds geworden. Selbst Assetklassen, bei denen in früheren Zeiten Desinteresse gezeigt wurde, erhalten zumindest im ersten Schritt die Chance, überhaupt einer „Due Diligence-Light“ unterzogen zu werden. Viele Fondsinitiatoren vergessen häufig, dass für jeden Seed-Investor die Beschäftigung mit komplexeren Ansätzen einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet. Dieser Zeitaufwand und die Opportunitätskosten bei der Entgegennahme von „Sales-Anrufen“ führen häufig zu einem recht unglücklichen Prozess der Ablehnung oder Nichtwahrnehmung von interessanten Investitionsmöglichkeiten.Viele der Seed-Investoren halten sich in Richtung eigener Visibilität verständlicherweise zurück. Bestimmte Family Offices halten Ihr Profil bedeckt. Viele andere Investorengruppen, die regelmäßig seeden, werden sogar im Markt häufig übersehen und zunächst nicht angesprochen. Im direkten Gespräch wird sogar vereinzelt bedauert, dass bestimmte Projekte nicht den Weg zu dieser Gruppe finden. Informationsökonomisch gesehen erscheint diese Position zumindest überdenkenswert. Fairerweise muss man aber auch hier zugestehen, dass das optimale Investment in der Regel nicht verfügbar ist. Vielmehr kommen viele der Anbieter beim Seeding-Prozess zum Zuge, deren Konzepte relativ zeitnah ins „Relevant Set“ der Investoren aufgenommen werden. Wenn die wesentlichen Parameter bei der Due Diligence erfüllt sind, können auch durchaus B- und C-Lösungen zum Zuge kommen. Viele A-Konzepte im Fondsauflagebereich könnten unter Umständen nie zum Tragen gekommen sein, weil man zum einen zu spät mit relevanten Investoren gesprochen hat oder man zum anderen zu lange mit der falschen Art von potenziellen Seed-Money-Gebern kommuniziert hat. Kapitalverwaltungsgesellschaften – Administrator und Kontakt-Plattform Viele der Kapitalverwaltungsgesellschaften wie Universal-Investment, Ampega, Axxion und andere spezielle Dienstleister im Private Label Fonds-Bereich gelten als erste Anlaufstelle bei geplanten Fondsauflagen. Natürlich verdienen diese Firmen an der administrativen Begleitung der Fondsauflagen, bestimmte Häuser bieten auch Vertriebsunterstützung bei bestehenden Fondsprodukten an. Vergessen wird häufig die Konzeptprüfungs-Kompetenz in diesen Häusern. In Einzelfällen kann sich auch einmal ein Seed-Investoren-Kontakt ergeben, dies ist jedoch nicht die Kernleistung dieser Know-how-Träger. Entscheidend ist, dass viele Konzepte tragfähig wären, wenn Zeit- und Kostenschiene bei den Fondsinitiatoren durch eine stringente Strategie begleitet würden.Erfolgreiche Konzepte werden in der Regel selbst durch die Umsetzung bei Anbietern und Investoren bekannt. Worüber wird weniger gesprochen? Bei den vielen „leidenden“ beziehungsweise „sterbenden“ Konzepten wurden schon zu Beginn bestimmte handwerkliche Grundlagen vielleicht zu wenig beachtet. Es findet hier häufig kein Match zwischen reinem Wunsch und professionellem Ziel statt. Am Schluss gilt statt strategischer Vorgehensweise eher das Prinzip von hektischem Aktivismus. Potenzielle Seed-Investoren haben häufig ein Gefühl dafür entwickelt, mit welcher Verzweiflung, Fustration und mit welchem Zeitdruck der Fondsinitiator zu kämpfen hat. Ähnlich wie bei der Neugründung eines Unternehmens oder wie bei einem Unternehmensverkauf: Zeitdruck und finanziell enger Spielraum sind oft schlechte Voraussetzung für eine erfolgreiche Seed-Investoren-Suche. Entspannter Dialog ist gefragt Viele Investoren suchen interessante Anlagekonzepte. Auch Konzepte mit solidem handwerklichen Hintergrund – Track Record, Team, Persönlichkeit des Managers etc. – werden immer noch mit Interesse aufgenommen. Spricht man die richtigen Adressen an, läuft man häufig offene Türen ein. Voraussetzung ist, dass ein entspannter Dialog entsteht. Positive Resonanz auf Investorenseite erzeugt auch, wenn ein „Nein“ oder ein „Vielleicht“ zur Konzeptidee schnell auf Initiatorenseite aufgenommen und akzeptiert wird. Auch ist es von Vorteil, wenn man sich vielleicht auch für Themen des Investors interessiert, die nicht unmittelbar mit dem eigenen Seeding-Interesse des Initiators verknüpft sein müssen. Professionalität hin oder her – die meisten Menschen werden ungern als reines Mittel zum Zweck betrachtet.Ein aufrichtiges Interesse an Problemen der jeweiligen Zielgruppe setzt ein fundiertes inhaltliches Interesse an deren Themen voraus. Ein von Druck getragenes, isoliertes Vertriebsinteresse weckt nicht unbedingt nachhaltig Begeisterung bei bestimmten Investorengruppen für den weiteren Dialog. Am Schluss gilt wie so oft bei Gespräch und Kontaktanbahnung mit Investoren: Ein für beide Seiten fachlicher Gedankenaustausch mit einer gewissen Ergebnisoffenheit empfinden die meisten Menschen als angenehm! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Frankfurt ist der zentrale Ort für den fachlichen Gedankenaustausch der Fondsindustrie in Deutschland. Formate wie die BVI Asset Management Konferenz am 1. Oktober bieten auch in diesem Jahr wieder die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen in der Branche zu informieren. Markus Hill sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI, über Konferenzinhalte, aktuelle Themen sowie über den speziellen „Charme“ der Stadt Frankfurt als Veranstaltungsort. Hill: Herr Richter, am 1. Oktober findet wieder die BVI Asset Management Konferenz in Frankfurt statt. Was unterscheidet diese Konferenz von anderen Veranstaltungen?Richter: Die BVI Asset Management Konferenz hat sich zum Branchentreff des Jahres entwickelt. Sie gibt einen Überblick über aktuelle Entwicklungen am Kapitalmarkt und über die regulatorischen und strategischen Herausforderungen für die Branche. Sie ist keine Messe und überzeugt als nichtkommerzielle Plattform regelmäßig durch ihr Programm und ihre Referenten. In diesem Jahr sind etwa EZB-Chefökonom Peter Praet, BaFin-Präsident Felix Hufeld, der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und der EU-Abgeordnete Burkhard Balz mit von der Partie. Wir rechnen wieder mit 500 Teilnehmern. Hill: Frankfurt ist ein attraktiver Standort für den fachlichen Gedankenaustausch in der Fondsindustrie. Was macht in Ihren Augen die Mainmetropole so attraktiv für viele Branchenkollegen?Richter: Frankfurt kann auf viele Stärken bauen. Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren zur Heimat nationaler und internationaler Finanzorganisationen und Aufsichtsbehörden entwickelt. Ob EZB, BaFin, Bundesbank oder die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA – Frankfurt spielt mit Blick auf Geldpolitik und Finanzmarktregulierung eine entscheidende Rolle in Europa. Nirgendwo sonst in Deutschland sitzen mehr Unternehmen aus der Finanzbranche als in Frankfurt. 2014 hatten hier rund 200 Banken ihren Sitz, dazu kamen noch 34 Repräsentanzen ausländischer Institute – nicht zu vergessen, die Deutsche Börse als ein weltweit führender Börsen- und Abwicklungsbetreiber. Auch die Fondsgesellschaften sind hier stark. Mehr als die Hälfte der BVI-Mitglieder sitzt in Frankfurt. Über 70 Prozent der 2,6 Billionen Euro, die die Fondsbranche für Kunden in Deutschland betreut, werden von hier aus gesteuert. Anders als etwa der Auflagestandort Luxemburg ist Frankfurt Standort für Produktentwicklung, Fondsmanagement und Vertrieb. Hill: Welche Themen beschäftigen Sie momentan intensiv?Richter: Hochaktuell sind die Investmentsteuerreform, Solvency II und MiFID II. Letztere regelt unter anderem die Provisionsberatung. Auch die Debatte um die Systemrelevanz ist ein Dauerbrenner. Zwar haben FSB und IOSCO inzwischen eingesehen, dass die Geschäfte von Asset Managern relevanter sind als deren Größe oder die ihrer Fonds. Das Thema wird aber auf der regulatorischen und politischen Agenda bleiben. Hill: Vielen Dank für das Gespräch. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Im Juli dieses Jahres fand in Monaco beim FundForum International im Rahmen einer Paneldiskussion zu den Themen Family Offices, Due Diligence und Fondsboutiquen ein intensiver Gedankenaustausch zwischen Investoren und Produktanbietern statt. Marcel Müller von HQ Trust in Bad Homburg hatte als einer der Family Office-Vertreter als Panelist unter anderem Punkte wie Track Record, Entscheidungsprozesse, Active Share sowie das Thema Karriererisiko im Bereich der Managerselektion angesprochen. Moderator Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit dem Fondsselektor im Nachgang zu der intensiven Fachdiskussion. Hill: Wir hatten ja die Gelegenheit auf dem Fund Forum Panel in Monaco uns über das Thema Managerselektion bei Family Offices auszutauschen. Jedes Haus hat eigene Kriterien bei der Due Diligence. Wie sieht die Vorgehensweise bei der Auswahl von Fondsmanagern bei Ihnen aus? Müller: Wir haben bei HQ Trust einen sehr stringenten und systematischen Selektionsprozess. Im ersten Schritt führen wir ein quantitatives Screening durch, welches uns zunächst einen guten Überblick über das Risikoverhalten und das Leistungsverhalten der Peer-Gruppe gibt. Hier spielen Kennzahlen wie Volatilität, Upside Capture, Downside Capture Ratios und Active Share eine größere Rolle. Allerdings ist das für uns zunächst nur ein Tool zur Ideengenerierung. Der Schwerpunkt des Selektionsprozesses bei HQ Trust ist stark qualitativ getrieben. Warum qualitativ? Wir glauben das Asset Management ein „People’s Business“ ist, und die Qualität des Portfoliomanagements einen erheblichen Einfluss auf die Performance der Fonds hat. Und dies macht eine detaillierte, qualitative Due Diligence der Fondsmanager und deren Teams notwendig. Daher ist es enorm wichtig, die handelnden Personen zu interviewen und vor Ort zu besuchen. Wir versenden zudem sehr detaillierte Fragebögen, die ausgefüllt teilweise bis zu 100 Seiten lang sein können. Die Auswertung der Fragebögen ist insbesondere für die Vorbereitung auf einen Due Diligence Termin vor Ort von großer Bedeutung. Es geht darum zu verstehen, warum ein Fondsmanager in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielt hat und ob dies in der Zukunft systematisch wiederholt werden kann. Dies geht nun einmal nicht rein quantitativ über eine Fondsdatenbank. Wir analysieren daher sehr genau die Investmentprozesse der Fondsmanager und achten vor allem auf kompetitive Vorteile in der Analyse und der Verarbeitung von Informationen. Welche Quellen der Ideengenerierung und wie viele potentielle Alpha-Quellen besitzt ein Fondsmanager? Finden diese Ideen ihren Weg in die Portfoliokonstruktion und letztendlich in das Portfolio? Wie qualitativ hochwertig ist das Risikomanagementsystem bzw. findet es überhaupt Anwendung? Kann der Fondsmanager seine Performance zu jedem Zeitpunkt genau erklären und passt der Investmentprozess zur Investmentphilosophie? Fazit: Es ist uns wichtiger einen Track Record zu verstehen als einen guten Track Record zu kaufen. Marcel Müller von HQ Trust in Bad Homburg Hill: Interessanter Punkt. Was genau meinen Sie damit, wenn Sie davon sprechen, einen guten Track Record zu kaufen? Im Markt gibt es auch Manager, die Schwächephasen im Performanceverlauf aufweisen. Wie gehen Sie mit diesem Sachverhalt um? Sind in diesem Fall Entscheidungsprozesse im Team oft schwieriger? Müller: Ich denke, einer der größten Irrtümer in unserer Industrie ist der Glaube an die Möglichkeit, dass „Past Performance“ kaufbar sei. Obwohl es eigentlich jeder weiß, dass dies nicht möglich ist, scheinen sehr viele Marktteilnehmer diesem Irrtum zu erliegen. In den meisten Fällen führt eine vergangenheitsfokussierte Fondsauswahl zu enttäuschenden Investmentergebnissen. Dass diese vergangenheitsbezogene Vorgehensweise jedoch überwiegend praktiziert wird, sehen Sie alleine daran, dass Fonds mit einer guten Renditehistorie in Folge relativ stark im Fondsvolumen wachsen. Diese Fonds werden dann häufig auch zu groß und werden in ihrem Investmentuniversum eingeschränkt. Das Resultat sind dann meist schlechtere Ergebnisse als in der Vergangenheit. Ich denke diesem Fehler sitzen einige Investoren auf. Es ist natürlich viel einfacher und angenehmer, einen Fonds mit einem guten Track Record zu kaufen beziehungsweise für Analysten einen solchen Fonds zu empfehlen. Sie brauchen wesentlich bessere Argumente, einen Fonds zu empfehlen, wenn dieser in der Vergangenheit weniger gut gelaufen ist. Zudem birgt sich damit auch ein gewisses Karriererisiko für Analysten. Wenn Sie einen Fonds empfehlen, der über Jahre gut performt hat und der Manager sehr bekannt ist, dann ist es weniger schlimm, wenn dieser einmal schlecht performt. Bei einem unbekannten Manager und eventuell nicht so guter Performancehistorie müssen Sie sich stärker rechtfertigen. Die Frage ist jedoch, was am Ende zu besseren Investmentergebnissen für unsere Kunden führt. Wir sind der festen Überzeugung, dass vergangenheitsbezogene Fondsauswahl qualitativer Fondsauswahl unterlegen ist. Hill: Würden Sie bei der Managerauswahl einen Unterschied sehen beim Due Diligence-Prozess von Fondsboutiquen in Abgrenzung zum Auswahlprozess bei etablierten, konzerngebundenen Managern? Müller: Grundsätzlich verfolgen wir einen strukturierten und disziplinierten Selektionsprozess bei allen investierten Fonds für unsere Kunden. Allerdings gibt es bei Fondsboutiquen gewisse Unterschiede im Detailgrad der Due-Diligence im Vergleich zu einem der großen globalen Asset Managern. Lassen Sie mich hierfür ein Beispiel nennen. Wir haben vor ein paar Jahren eine Fondsboutique mit 4 Mitarbeitern selektiert. Für die Due-Diligence vor Ort bei dem Manager waren mehrere Tage notwendig. Zum einen wollten wir uns die gesamte IT-Infrastruktur (z.B. Handelssysteme, Risikomanagementsysteme) erklären lassen und genau verstehen, mit welchen Portfoliotools gearbeitet wird. Darüber hinaus war es für uns wichtig, die handelnden Personen genau kennenzulernen und uns zudem vor Ort von bestehenden Kunden, Geschäftspartnern sowie ehemaligen Arbeitskollegen eine Meinung einzuholen. Es gilt zudem, die Eigentümerstruktur sowie die Stabilität und Intensivierung des Investmentteams genau zu analysieren, da das Personenrisiko bei Boutiquen meist um einiges höher ist. Insgesamt kann man sagen, dass wir bei einer Boutique eher jeden Stein zweimal umdrehen als nur einmal. Wir denken, diese Gründlichkeit zahlt sich für unsere Kunden langfristig aus. Hill: Viele Selektoren beobachten intensiv verschiedene Anlagestile, manche Häuser haben hier Präferenzen herausgebildet. Erscheinen Ihnen quantitative Strategien erfolgversprechender bzw. attraktiver als diskretionäre Strategien? Müller: Ich denke, hier gibt es keine klare Ja/Nein Antwort. Es gibt sowohl bei quantitativen als auch bei diskretionären Strategien hervorragende Ansätze. Bei quantitativen bzw. regelgebunden Ansätzen besteht häufig das Problem eines „Stil-Bias“, wodurch diese Ansätze häufig bei Trendwenden in den Kapitalmärkten nicht mehr funktionieren bzw. Underperformance generieren. Daher ist es sehr wichtig, auf eine gewisse Stil-Neutralität und insbesondere auch auf die Bewertung der im Portfolio befindlichen Unternehmen zu achten. Wir haben bei HQ Trust sowohl mit quantitativen als auch mit diskretionären Ansätzen sehr gute Ergebnisse erzielt. Uns geht es mehr darum, einen qualitativ hochwertigen Ansatz mit kompetitiven Vorteilen

  • Vom 29. Juni bis 2. Juli fand das FundForum International in Monaco statt. Der unabhängige Branchenexperte und IPE-Autor Markus Hill moderierte dort auch in diesem Jahr eine Paneldiskussion. Mit Entscheidern von Family Offices diskutierte er über den Themenkomplex Fondsboutiquen und Due Diligence. Vor der Veranstaltung moderierte er zusätzlich zu dem Themenkomplex „Fondsmanagement – Mensch versus Maschine“ und „Fondsauswahl bei Stiftungen“. Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm über aktuelle Themen, die auch vor dem Hintergrund der vorangegangenen oder zukünftigen Veranstaltungen bei Family Offices und Asset Managern verstärkt diskutiert wurden. IPE Institutional Investment: Im Juli hatten Sie Ihre Paneldiskussion zum Thema Family Offices und Due Diligence in Monaco. Was fiel Ihnen in diesem Jahr besonders auf bei der Diskussion? Hill: Neben den Standardthemen wie quantitativer und qualitativer Selektionsprozess empfand ich es in diesem Jahr als spannend zu sehen, wie auch die Bereiche Gruppenentscheidung und Vor-Ort-Besuch bei unabhängigen Asset Managern angesprochen wurden. Einer der Panelisten merkte an, dass man sich natürlich aus dem Fenster lehnen könnte um auch unbekannten, exzellenten Managern möglicherweise eine Chance für ein „Ticket“ zu ermöglichen. Als Mitglied eines Teams, das Selektionsentscheidungen trifft, sollte man sich jedoch bewusst sein, dass man im Ernstfall ein Karriererisiko eingehen könnte: Man muss schon in der Mehrzahl der Fälle bei solchen Aktionen richtig liegen, um sich diesen Luxus für Entscheidungen unter erhöhtem Risiko leisten zu können. Entscheidend erschien auch die Bedeutung der „Hauskultur“: Werden unabhängige Entscheider als Selektoren für unabhängige Manager wirklich geschätzt? Weiss man um den Mehrwert von solchen Mitarbeitern? Ein finaler Besuch des Managers durch das Family Office wurde thematisiert. Nach dem Durchlaufen aller Vorstufen im Selektionsprozess soll es Fälle geben, wo auch eine mehrtägige Beobachtung von Akteuren und Prozessen vor Ort am Ende den Ausschlag geben kann für eine Investitionsentscheidung. IPE Institutional Investment: Kurz vor Ihrem Monaco-Termin hatten Sie in Frankfurt ein Panel zu dem Themenbereich „Kopf, Bauch oder Maschine?“ mit Produktanbietern moderiert. Wo lag hier der Schwerpunkt der Diskussion? Hill: Konsens bestand in der Runde aus Produktspezialisten und Dachfondsmanagern, dass man auf absehbare Zeit nicht an den Sieg der Maschinen über den Menschen glaubt. Themen wie „Fintech-Hype“ beziehungsweise Robo Advisory werden von den Fondsmanagern aufmerksam verfolgt. Am Schluss scheint es so zu sein, dass der Mensch finale Entscheidungen im Portfoliomanagement trifft oder die Inhalte für Programmierung und Optimierung vorgibt und die Monitoringfunktion übernimmt. Auch Themen wie Aktives Management versus Passives Management wurden von den Teilnehmern intensiv diskutiert. Wie so häufig bei vielen dieser Diskussion kommt man zu dem Schluss: Man kann nicht passiv Passives Management betreiben. Auch die Entscheidung zur Passivität ist eine aktiv getroffene Entscheidung. Auf die Produktebene bezogen, auch im Dachfondsmanagement, bedeutet dies: Ein Manager trifft irgendwann zu einem oder zu verschiedenen Zeitpunkten die Entscheidung über eine bestimmte Allokation, selbst bei der Auswahl von regelbasierten Systemen bestimmt der Mensch, in welche Richtung solche Systeme eingreifen beziehungsweise wie solche Systeme weiterentwickelt werden. IPE Institutional Investment: Danke für die kurze Momentaufnahme bezüglich dieser beiden Fondsselektoren-Panels. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich aktuell? Welche Entwicklungen verfolgen Sie intensiver? Hill: Im Rahmen eines Projektes befasse ich mich schon längere Zeit intensiver mit dem Thema „Value Investing und Fondsboutiquen“. Auch die gegenwärtige Runde beim 2. Frankfurter Fondsboutiquen-Panel unterstützt in Teilen die Meinungsbildung in diesem Bereich. Im Rahmen einer Vortragsreihe mit Prof. Dr. J. Carlos Jarillo wird in diesem September erneut der Gedankenaustausch zu diesen Themen und zum Thema Unternehmensstrategie und Wettbewerbsvorteil geführt. Es wird sich, wie bereits in diesem Mai in Frankfurt, erneut die Gelegenheit bieten, eine kritische Diskussion mit Fondsselektoren zu führen. Der Themenkreis ist keineswegs nur ein Thema für den Investmentprozess bei liquiden Produkten. Bei verschiedenen fachlichen Diskussionen über die angesprochenen Themen erschien interessant, dass viele Investoren – unabhängig von der Produktverpackung – sich oft mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen: Stimmt das „Unternehmenskonzept“ vom Investment in Unternehmen, Aktien oder Fonds? Wie angreifbar sind Konzepte durch Mitbewerber? Was sind wirkliche Barrieren, um langfristig Wettbewerber vom Markteintritt abzuhalten? Bemerkenswerterweise finden sich bestimmte dieser Aspekte oft auch bei der Fondsmanager-Selektion: Wie schnell lässt sich ein Fondskonzept kopieren? Was macht den elementaren, einzigartigen Wettbewerbsvorteil eines unabhängigen Asset Managers aus? Wo liegen die Risiken bei Konzepten und Akteuren? Offene Fonds, Private Equity und Direktinvestments – alles Bereiche, wo sich ähnliche Ansätze zu einer vertieften Diskussion dieser Felder anbieten. IPE Institutional Investment: Neben dem Thema Fondsboutiquen und Managerauswahl beschäftigen Sie sich mit Themen wie Real Assets, Direktinvestments und Nachhaltigkeit. Family Offices, Stiftungen und viele andere, klassische Investoren beobachten diese Marktsegmente intensiv. Wie sehen Sie die Entwicklung in diesem Bereich?Hill: Diese Bereiche umspannen ein sehr weites Feld. Ich beschäftige mich vor dem Hintergrund eines Panels an der Goethe Universität in Frankfurt im Oktober dieses Jahres zusätzlich verstärkt mit dem Thema Impact Investing und Nachhaltigkeitskonzepten bei Investments. Die Veranstaltung wird organisiert von Professor Dr. Rainer Klump und Dr. Manuel Wörsdörfer, in Kooperation mit Karen Wendt (Responsible Investmentbanking). Interessant erscheint mir, dass im Rahmen der Investorengespräche zunehmend Offenheit für Konzepte herrscht, zumindest erscheint das Thema Nachhaltigkeit sich in großen Schritten aus der reinen „Mode-Ecke“ – viele reden darüber, noch weniger investieren konkret – zu bewegen. Trends im Markt, auch Regulierung und Anlagenotstand, scheinen einen produktiven Druck in die Diskussion zu bringen. Man kann nur hoffen, dass dieser begrüßenswerte Trend anhält. Losgelöst von den angesprochenen Themenfeldern erscheint für die Asset Management-Industrie eine Sache in 2015 erfreulich – die starken Mittelzuflüsse sind erfreulich und auch die derzeitige Börsenkrise erscheint zumindest gegenwärtig nicht als bedrohlich. Der Trend in der Industrie zum verstärkten inhaltlichen Gedankenaustausch – wie oben schon angeführt, hält an. Vor diesem Hintergrund kann man sich nur freuen auf neue Diskussionsmöglichkeiten mit Branchenkollegen. Frankfurt liegt mir am Herzen. Deshalb freue ich mich auch wieder auf die anstehende BVI Asset Managementkonferenz am 1. Oktober in Frankfurt, einen Tag vor der angeführten Veranstaltung an der Goethe Universität. Allesamt Gelegenheiten zum fachlichen Gedankenaustausch, wo weniger Produkte sondern Entwicklungen in Branchen übergreifend diskutiert werden. IPE Institutional Investment: Herr Hill, vielen Dank für das Gespräch. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Hänge einem Schwein ein goldenes Halsband um, trotzdem bleibt es ein Schwein“, so oder so ähnlich lassen sich viele Maßnahmen bei der Vermarktung von Fonds treffend charakterisieren. Obwohl gerade im semi-institutionellen bzw. institutionellen Investorenkreis weit stärker ein Interesse an Fakten bei der Due Diligence von Investments besteht, glauben immer noch viele Anbieter von „mittelmäßigen“ Asset Management-Produkten scheinbar: „Der Vertrieb wird es schon richten!“. Wo liegen die Schwachpunkte bei einer solchen Annahme? Viel hilft viel? Muss man ausgetretene Pfade weiter durchwandern? Geschäftsmodelle von unabhängigen Vermögensverwaltern Unabhängige Vermögensverwalter haben große Popularität bei privaten und institutionellen Investoren gewonnen: Fondsboutiquen und unabhängiges Asset Management sind in aller Munde. „Kleine“ Anbieter stehen mittlerweile im verstärkten Interesse der Medien. Viele Adressen haben sich bei privaten Anlegern langfristig gut positionieren können. Reputation, Vertrauen und Kundennähe sind oft Argumente, die im Kampf um die Kunden der etablierten Banken den Ausschlag geben können. In der Regel sind viele der erfolgreichen Anbieter nicht den Weg des reinen „Performance-Marketings“ gegangen. Kunden die kurzfristig „nur“ wegen überragender Performance einsteigen, steigen auch bei kurzfristig unbefriedigender Performance auch häufig wieder schnell aus der Kundenbeziehung aus.Ein bestimmter Kreis der im Privatkunden-Geschäft erfolgreichen Fondsboutiquen versucht oft über lange Zeit mit eigenen Produkten auch in den Bereich der institutionellen bzw. semi-institutionellen Investoren zu punkten. Es gibt erfolgreiche Player im Markt – zum Beispiel Acatis, Flossbach von Storch (FvS) und DJE. Vergessen wird häufig, dass der Erfolg dieser Adressen neben den jeweilig langfristigen Performance-Historien auch auf professionelle Strukturen in der Investoren-Kommunikation beruht. Langfristdenke, „saubere“ Prozesse, Mitarbeiter-Qualifikation – alle diese Faktoren spielen hier zusammen. Wettbewerbsvorteile bei Fondsboutiquen mit „mittelprächtiger“ Visibilität „Kennen Sie nicht jemanden, der sich für unseren Ansatz interessieren könnte?“, „Wir haben keinen Mitbewerber und sind einzigartig auf dem Markt“, „Haben Sie nicht einmal eine Idee?“ – dies sind einige der typischen Anfragemuster, die man von unabhängigen Asset Managern hört, die noch nach ihrer Position im Markt suchen. Die Inhalte dieser Äußerungen sagen nicht unbedingt etwas über die Qualität der Asset Manager aus.Natürlich gibt es viele Adressen, die auf offener Flur bei voller Performance-Visibilität langfristig bei der Ansprache von Institutionellen immer Schwierigkeiten haben werden. In Abgrenzung hierzu gibt es einen großen Pool von derzeit noch nicht so bekannten „Emerging Managers“, die zum Beispiel aufgrund von fehlender Marketing-Infrastruktur oder auch einfach aufgrund der aktuellen Phase im Unternehmenszyklus nicht schnelle große Fondsvolumina aufbauen können: Bei einer vielversprechenden Adresse kann es einfach sein, dass die drei Jahre Track-Record noch nicht erreicht sind. Aufgrund dieses simplen Sachverhalts ergeben sich oft längere Stagnationsphasen beim Wachstum der Fondsboutique. Der Sprung von den ersten fünf Millionen zu zehn Millionen und mehr Fondsvolumen erscheint oft sehr schwer und „zäh“. Gründe können hier im Asset Manager und seinem Können selbst liegen, aber auch einfach daran, dass der Zugang zu Fondsboutiquen-affinen Investoren fehlt. Ein anderer Aspekt kann sein: Der „Emerging Manager“ überzeugt die institutionellen durch seine Leistung im Spezialfondsmandat, auch hier ist großer Aufwand im Bereich Investoren-Kommunikation angesagt. Selbst ein „kleiner“, zum öffentlichen Vertrieb zugelassener, Publikumsfonds kann oft als Schaufenster für Investoren dienen. Wettbewerbsstrategien im Asset Management Michael Porters, „Wettbewerbsstrategie-Papst“ aus den USA, Input für Wettbewerbsvorteile lässt sich kurz und knapp auch auf Fondsboutiquen übertragen, mit allen Schwächen, die aus produktorientierten Marketingansätzen für den Dienstleistungsbereich zu berücksichtigen sind. Kostenführerschaft erscheint im Fondsboutiquen-Segment nicht im Vordergrund der Ausrichtung zu stehen. Differenzierungsmerkmale sind auch in der Kommunikation verstärkt darstellbar. Unterstellt man ein zufriedenstellendes Performance-Niveau, dann sind natürlich die Manager-Expertise, der Investmentprozess und das Netzwerk potenzielle Differenzierungsmerkmale. Die Nischenstrategie wird intensiv diskutiert. Chancen und Gefahren liegen beieinander. Je nach Spezialisierungsgrad in einem Asset Management-Segment (z. B. Produkt oder Ansatz) führen hier viele „kleine“ Anbieter ein komfortables Leben. Unter einem Vorbehalt: Läuft das Segment, der Stil etc. nicht, oder ist die Produktklasse gerade nicht in Mode, dann muss auch die Bereitschaft bestehen (Zeit, Ressourcen etc.), größere Durstphasen überbrücken zu können.Kritisch wird es dann, wenn keinerlei dauerhaften Wettbewerbsvorteile bestehen. Auch Carlos Jarillo („Strategische Netzwerke“) und Hermann Simon („Hidden Champions“) betonen wie Porter in ihren Werken mit Nachdruck die Bedeutung der Existenz von dauerhaften Marktzutrittsschranken für den langfristigen Wettbewerbserfolg. Die Gedanken der Harvard Business School finden sich in diesem Denken genauso wieder wie das „bodenständige“ Denken von Warren Buffett und das anderer, klassischer Value Investoren („Economic Moat“).Eine Vielzahl von unabhängigen Asset Managern wartet auf den großen Durchbruch, der vielleicht nicht kommt und übersieht dabei viele andere Chancen im Markt, die mit etwas Kreativität genutzt werden könnten. Am Schluss würde dies bedeuten, auch einmal das eigene Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen. Kapitalverwaltungsgesellschaften und Fokus in Marktbearbeitung Viele der auf die Private Label-Fondsauflage spezialisierten Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) promoten seit Jahren das wachsende Segment der Fondsboutiquen. Universal-Investment, Ampega, LBB Invest und viele andere Adressen unterstützen oft auch bei der Vermarktung der Fonds. Vorsicht: Auch hier gilt, dass aktiver Vertrieb mit erfolgversprechenden Kandidaten erfolgt. Auch der eigene Arm des Vertriebssupports kann keine Wunder bei einem fünf bis zehn Millionen „schweren“ Fonds bewirken. In der Regel werden auch von diesen Häusern Fonds bevorzugt, die einen ausgewiesenen Track Record, Performance und Namen haben. Dies ist nachvollziehbar, einen Teil der Graswurzelarbeit liegt in den ersten Stufen des Vertriebs bei der jeweiligen Fondsboutique selber. Die KVG hat in diesem Falle selber ein natürliches Interesse daran, dass auch der Fondsinitiator effizient den Vertrieb der eigenen Produkte unterstützt. Ausblick Patentrezepte für „aufstrebende“ Fondsboutiquen gibt es nicht. Einige Häuser mit guter Vernetzung im Bereich der institutionellen Investoren tun sich, bei entsprechendem Leistungsvermögen, zu Beginn bei der Seed Money-Suche und bei Folge-Vertriebsschritten leichter. Erfolgreiche Adressen im Value Investing-Bereich oder im Segment Healthcare beweisen dies. Nicht jeder ist beglückt mit solchen guten Startbedingungen. Der Großteil der Fondsanbieter mit kleinen Fondsvolumina tut sich hier noch immer recht schwer. Die Frage ist vor dem immer stärkeren Trend zur Regulierung, ob es nicht über kurz oder lang verstärkt zu Marktaustritten kommen wird. Für die anderen Häuser mit den Attributen „Klein & Unbekannt“ gilt nach wie vor die „Kunst-des-dicke-Bretter-Bohrens“! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Und so wie das Wasser keine beständige Form hat, so gibt es auch im Krieg keine beständigen Bedingungen“ (Sun Zi). Die Worte eines bekannten Strategen scheinen lebensnah und nachvollziehbar – volkswirtschaftliche Rahmendaten wechseln, Märkte, Korrelationen und andere Parameter ändern sich fortlaufend. Ob Kopf, Bauch oder Maschine: Kaum ein Fondsselektor kann auf die Existenz eines „scheinbar“ systematischen, nachvollziehbaren Investmentprozess bei der Auswahl von Talenten im Fondsmanagement verzichten. Family Offices als ein Beispiel haben ihre eigene „Brille“ bei der Auswahl von Fondsboutiquen für Mandate (Due Diligence), oft ähnelt sich die Herangehensweise verschiedener Häuser. Welche Faktoren erscheinen häufig interessant beim Auswahlprozess? Welche Faktoren werden vielleicht über- bzw. unterschätzt beim Entdecken von Talenten? Fondsselektion – weder Rocket Science noch trivial1 – „Harte“ FaktenWie auch bei anderen Fondsselektoren-Gruppen bedienen sich Family Offices, die im Laufe der Jahre ein ausgeprägtes Interesse an unabhängigen Asset Managern (Fondsboutiquen) entwickelt haben, vieler der gängigen Filter bei der Auswahl von Fondsmanagern, zum Beispiel: Track Record über eine Anzahl von Jahren – Performance, eingegangenes Risiko, Verhalten in Marktphasen, Tracking Error, Kosten und Fondsgröße sind Themenfelder, die angesprochen werden. Quantitative Faktoren lassen sich zumindest zu Beginn als guter Vorfilter für weitere qualitative Betrachtungen nutzen. Benchmark oder Absolute Return? Maximaler Drawdown? Diese scheinbar „harten“ Fakten nimmt man natürlicherweise, da normierbar, messbar, vergleichbar, gut in Prozessstrukturen einzubinden bei der Due Diligence. Ein Dilemma: Performance, Korrelationen, Volatilitäten – alle Fakten durch den Rückspiegel betrachtet – die Auswahl des Managers soll jedoch eigentlich in Zukunft Erfolge produzieren.2 – „Weiche“ WegeManagementansätze werden ebenso intensiv diskutiert wie Transparenz und systematische, nachvollziehbare Investmentprozesse. Mensch und Bauch versus Maschine? Diskretionär versus regelgebunden? „Künstlertum“, „Würfeln“ versus phantasielose Zahlenhörigkeit? Unklarheiten in den Definitionen treffen hier oft zusammen mit Vorurteilen und eigenen Vorlieben von Fondsselektoren – positiv ausgedrückt: Sollte Fondsmanagement neben Wissenschaft auch Kunst bedeuten, dann sind es vielleicht viele Wege, die nach Rom führen können. Natürlich gibt es nicht den über alle Marktzyklen erfolgreichen Managementstil. Vergessen wird zudem oft, dass Family Offices eine bestimmte Klientel vertreten und zudem aufgrund der Herkunft vieler Vermögen durchaus eine gewisse Stressresistenz bei „lebendigen“ Börsen besitzen – der Faktor Zeit ist entscheidend. Die intensiven Diskussionen über aktive, pseudo-aktive und passive Ansätze zeigen, dass viele Dinge auch in der scheinbar faktenbasierten Finanzwelt nicht immer eindeutig auf festem Boden stehen.3 – „Schwammige“ ProzesseBöse Zungen behaupten, dass zu viel Kommunikation über Prozesse häuft über einen Mangel an Talent hinwegtäuschen soll. Die Geschichten an brillanten Prozessen bei Fonds mit mehr als mittelmäßigen Ergebnissen findet man häufig. Fairerweise muss man dem aber entgegenhalten, dass es auch eine Vielzahl von scheinbar talentierten, weniger regelgebundenen Fondsmanager gibt, die auch nicht mit ihren Ergebnissen zu überzeugen vermögen. Den einen Investmentprozess, der Erfolge garantiert, scheint wohl nicht zu existieren. Unterstellt, dass es trotzdem mehr als sinnvoll sein kann, den Investmentprozess eines Managers nachvollziehen zu können, stellen sich vielleicht folgende Fragen:*Macht der Manager wirklich das, was er in seinen Darstellungen vom Prozess behauptet?*Wissen nicht viele Fondsmanager, was Fondsselektoren unbedingt hören wollen?*Stimmt der vom Fondsmanager dargestellte Investmentprozess eigentlich mit dem Prozess überein, der in den Marketingunterlagen der Fondsgesellschaft erläutert wird?Beim Aufwerfen solcher Fragen, die möglicherweise interessante Anknüpfungsdialoge zwischen Family Offices zum Fachdialog bieten könnten, kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass die Suche nach Talenten bei spezialisierten Managern doch vielleicht eher der „Trüffelsuche“ ähnelt, als einem systematischen, rein quantitativ gesteuertem Suchprozess mit jederzeit wiederholbaren Ergebnis. Solide Hausarbeit und konventionelle Trial-and-Error-Heuristik in Kombination mit Bauchgefühl, Intuition, Erfahrung etc. sind gefragt. Datenbanken zur Vorselektion sind wichtig, Research ist Kernfaktor bei Grundlagenarbeit.WissensmanagementNetzwerke haben sich auch im Family Office-Bereich gebildet. Fans von Boutiquen finden zusammen. Die Praxis zeigt, dass es eine Vielzahl von begeisterten Selektoren gibt, deren Herz für unabhängiges, spezialisiertes Asset Management schlägt. Spricht man mit Family Office-Vertretern in verschiedenen Ländern, zeigen sich ähnliche Strukturen: Bei starker Ähnlichkeit der Selektionsprozesse zeigt sich interessanterweise immer wieder, dass sich nicht alle Adressen über einen Kamm scheren lassen: Obwohl zum Beispiel Seed Money-Geber angeblich kaum aufzufinden sind, gibt es durchaus eine Vielzahl von Adressen, die sich als „Sponsor“ für Talente betrachten. Noch überraschender: Fondsgrößen sind relativ zu sehen. Auch gibt es Häuser, für die ein Minimum-Track- Record von zum Beispiel drei Jahren nicht Minimumkriterium ist, selbst Backtesting-Konzepte finden zumindest bei einer kleineren Anzahl von Häusern offene Ohren.AusblickBefindet man sich im Austausch mit anderen Selektorengruppen, so fällt zumindest eine Gemeinsamkeit zu vielen Family Offices auf: Networking innerhalb der eigenen Gruppe findet man häufig, seltener scheinen die verschiedenen Gruppen im intensiven Dialog miteinander aufzutreten: Family Offices, Stiftungen, Dachfondsmanagement, Private Banking etc. Vielleicht ist dieses Phänomen etwas auf den Mangel an Visibilität im Family Office-Bereich zurückzuführen. Gesammelt findet man häufiger den heterogenen Mix von Fondsselektoren und Analysten bei auf Fondsboutiquen spezialisierten Häusern wie Universal-Investment, Axxion, Ampega und vielen anderen Anbietern. Fankreise finden zum Beispiel bei Investorenveranstaltungen zusammen, aber auch bei Events, die über den üblichen Industrie-trifft-Industrie-Rahmen hinausgehen. Kurzum: Fachlicher Gedankenaustausch in Sachen Fondsboutiquen wird geschätzt – Content vor Sales: Die Fondsgesellschaften, die hier einen Mehrwert bieten, rennen bei Boutiquen-Fans offene Türen ein! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Institutionelle Investoren beobachten seit Jahren das verstärkte Auftreten von unabhängigen Asset Managern („Fondsboutiquen“). Die Value-Investoren unter diesen eigentümergeführten Unternehmen haben oft einen ganz eigenen Blick auf die Auswahl von Investments. Markus Hill sprach für IPE Institutional Investment mit dem ehemaligen Strategie-Professor Dr. J. Carlos Jarillo von der SIA Funds AG über Themen wie Konkurrenzanalyse, Strategie und den Faktor Geduld. Hill: Sie haben einen profunden internationalen akademischen Hintergrund mit Lehrpraxis und managen seit Jahren erfolgreich Aktienfonds. Mit welchem Bereich haben Sie sich ursprünglich in der Theorie intensiv beschäftigt? Jarillo: Ich hatte schon immer ein ausgeprägtes Interesse an allen Fragestellungen, die den Themenbereich Unternehmensstrategie berührt haben. Dies war auch einer der Gründe, warum ich meinen PhD an der Harvard Business School gemacht habe. Harvard stach in diesem Feld hervor, die Vorlesungen von Michael Porter im Bereich Wettbewerbsanalyse hatten mich damals zusätzlich in meinem Interesse bestärkt. Eine Fragestellung hatte mich in dieser Zeit stark beschäftigt: Wie kann es sein, dass ein Unternehmen A profitabler als Unternehmen B sein kann, obwohl beide in derselben Branche tätig sind? Interessant war es, im Laufe der Zeit genau herausarbeiten zu können, worin das „Erfolgsrezept“ von Unternehmen A liegen kann. Im Laufe meiner späteren Karriere konnte ich feststellen, dass diese Informationen beim Managen von Portfolios sehr wertvoll sein können. Hill: Welche Schlüsse haben Sie aus Ihrer akademischen Zeit für die Praxis geschlossen? Jarillo: Während meiner Zeit als Professor für Unternehmensstrategie habe ich immer den aktiven Dialog mit Unternehmen aus den verschiedensten Industrien gepflegt. Eine Erkenntnis aus dem intensiven Austausch mit den „Praktikern“ war, dass oft das eine gesagt wird und das andere getan wird. Gerade wenn man sich verstärkt mit Themen wie Fusionen, finanziellen Anreizsystemen für Management und Rentabilität beschäftigt, kann man zu interessanten Schlüssen kommen. Dinge die offiziell verlautbart werden zur Begründung von unternehmerischen Entscheidungen mit großer Tragweite für die Zukunft von Unternehmen, können unter Umständen abweichen von inoffiziellen Ansichten von Entscheidern. Wenn man solche Dinge häufig beobachtet hat, betrachtet man auch als Value Manager die Welt mit anderen Augen. Die Themen Wettbewerb und Rentabilität gewinnen an Bedeutung, beispielsweise oft weit hinausgehend über die klassischen Gedanken zum Thema „economic moat“. Verlässt man vielleicht ausgetretene Pfade, kommt man unter Umständen zu alternativen Investmententscheidungen. Auch diese Gedanken hatten mich damals zum Wechsel in die Praxis motiviert. Hill: In einem Buch von Ihnen, das in einer Rezension als praxisorientierte Ergänzung zu Michael Porter’s Standardwerk bezeichnet wurde, betonen Sie den Begriff „Strategische Logik“. Was genau bedeutet der Schluss von der „Strategischen Logik“ zur Maxime „Strategisches Investieren“? In welchem Zusammenhang stehen Unternehmertum und Investment? Jarillo: Mein Gedanke war, dass es für den strategischen Investor wichtig ist, vorab strategisch gut positionierte Unternehmen von strategisch schlecht positionierten Unternehmen zu unterscheiden. Ist man nun als Value Investor in der Lage, ein solches gut positioniertes Unternehmen noch zu einem sehr attraktiven Preis zu kaufen, nenne ich dies „Strategisches Investieren“. Dabei ist wichtig, sich mental als Besitzer dieses Unternehmens zu verstehen und nicht als Spekulant. Diese Denkweise ist für mich der „Ownership Approach“, man findet diesen in ausgeprägter Form bei unternehmerisch tätigen Investoren beziehungsweise bei vielen Family Offices. Eigentlich kann man diesen Ansatz auch losgelöst von der Investmenthülle betrachten. Direktinvestments, Beteiligungen oder auch Fondsvarianten, die von klassischen, liquiden Investmentfonds abweichen, können ähnlich beurteilt werden. Die langfristige Unternehmensrentabilität steht im Vordergrund für die Investmententscheidung, nicht der täglich veröffentlichte Aktienkurs: Vom „Casino-Anleger“ zum klassischen Value Investor! Hill: Portfolio-Investments in langfristig attraktive Unternehmen sind ein Grundstein für überzeugende Performance, Risikomanagement stellt einen anderen Erfolgsfaktor dar. Welche Bedeutung hat Diversifikation im Portfolio bei Investoren im Bereich des Value Investing? Jarillo: Hier besteht meiner Ansicht nach häufig ein Missverständnis bei manchen Investoren. Man müsste hier vielleicht zwei Motivebenen betrachten. Auf der einen Seite streue ich als Investor im Portfolio meine Risiken zum Beispiel auf aktive Fonds, passive Fonds und Liquidität. Hiermit bediene ich bereits eine Risikomanagement-Ebene. Der Normalfall ist, dass die Voraussage im jeden Fall schwer fällt, welche der beiden Managementansätze im jeweiligen Jahr „gewinnt“. Auf der anderen Seite sollte sich der Investor klar bewusst sein, dass er im Bereich der Value-Fonds häufig auf sehr konzentrierte Portfolios stößt. Risikomanagement wird hier oft innerhalb des Fonds auch dadurch betrieben, dass man die eigenen, wenigen Werte sehr intensiv, „konzentrierter“ verfolgt und bei Handlungsbedarf zeitnah reagiert. Auf der Gesamtportfolio-Ebene ist der Investor gut beraten, auch seine Investments möglicherqweise auf verschiedene Value-Fonds mit anderen Management-Anstätzen zu streuen. Wie beim „Rennen“ von Aktiv vs. Passiv weiß man auch hier nicht, wer am Jahresende die Nase vorn hat. Hill: Casino-Mentalität und Gier gegen Geduld, Gelassenheit und Langfristdenke – sind Value Investoren langfristig die erfolgreichen Investoren? Jarillo: Meine Meinung ist, dass Value Investing ohne langfristigen unternehmerischen Denkansatz nicht funktioniert. Allein die kurzfristige Volatilität in verschiedenen Value Fonds zeigt, dass große Überzeugung und Geduld gefragt sind. Gelingt es dem Fondsmanager, die Investoren verstärkt für die Investments in einen „Köcher“ von exzellent positionierten Unternehmen zu gewinnen, ist ein Grundstein für den Erfolg gelegt. Wenn klar kommuniziert wird, dass die aktuelle, volatile Börsenbewertung nicht täglich Handlungsbedarf signalisiert, dann ist oft Ruhe und Gelassenheit die Folge beim Investor. Diese Gelassenheit zeichnet viele langfristig erfolgreiche Investoren aus. Man staunt, dass dieses Anlegerverhalten im Segment der Immobilien-Investments durchaus üblich ist. Ich sage nicht, dass Fondsmanager sich immunisieren sollen gegen neue Informationslagen. Was ich sage ist, dass man die neuen Informationen danach bewertet, ob die ursprüngliche Bewertung des Investments noch der ursprünglichen fundamentalen Bewertung entspricht und ob es auch neue, temporär unterbewertete „Schnäppchen“ am Markt gibt. Vor diesem Hintergrund muss ich – als Value Manager zugegebenermaßen befangen – sagen: Value Investoren haben langfristig die Nase vorn! Hill: Ihr Standpunkt ist klar. Natürlich führen viele „Investmentwege“ nach Rom. Das Universum von Möglichkeiten (Aktiv, Passiv, Value, Growth etc.) ist groß. In Frankfurt finden auch in diesem Frühling und Sommer diverse Value Investing-Events statt. Zum einen tragen Sie in Frankfurt vor, zum anderen gibt es auch dieses Jahr wieder die ACATIS Value Konferenz in Frankfurt (29.5.2015) und die Value Intelligence Conference in München (11.6.2015). Viele Value-Boutiquen führen ebenfalls Roadshows in Frankfurt und München durch. Wettbewerb belebt das Geschäft.

  • „Totgesagte leben länger“, der aktuellen Presse zufolge wird häufig der Tod des aktiven Fondsmanagement postuliert. Robo Advisor ante portas, die Popularität von passiven Fonds, sowie die oft kontrovers diskutierten Ergebnisse bei aktiv gemanagten Fonds, ergeben Diskussionsbedarf. Zusätzliche Irritation verursachen „pseudo-passive“ Ansätze wie das sogenannte Enhanced Indexing. Wenn alle auf die Kosten schauen und die Meinung besteht, dass Maschinen, Regeln und Top-Performance in der Vermögensverwaltung in Zukunft den Ton angeben: Wo bleibt die Nische für den Vermögensverwalter, der dieses Rennen nicht mitmachen möchte oder kann? Family Offices und Vermögensverwaltung Privatkunden wollen sich bei ihrem Vermögensverwalter gut aufgehoben fühlen. Dieser Allgemeinplatz lässt sich mit Bedeutung füllen: Einfach ausgedrückt, es soll eine saubere Bestandsaufnahme erfolgen, es sollen Lösungsansätze diskutiert und skizziert werden bei Anlagepolitik und Produkten und es sollen Entscheidungen gefällt und umgesetzt werden – ein Mandat wird vom Kunden vergeben. Es soll Risikomanagement betrieben werden, es sollen Ergebnisse dokumentiert werden. Zusätzlich sollte Flexibilität vom Vermögensverwalter eingefordert werden können, wenn sich Lebensumstände bzw. persönliche Finanzhistorie des Kunden ändern. Diese Dienstleistungen werden in der Regel mit den Fähigkeiten eines guten Steuer- und Rechtsberaters kombiniert. Die Übergänge in den Bereichen Family Office-Dienstleistungen und Vermögensverwaltung sind oft fließend. Man wundert sich bei der öffentlichen Diskussion häufig, aber die Mehrzahl der Kunden – ob HNWIs oder durchschnittlich Vermögender mit Anlageberatungsbedarf – erwartet wohl keinen Investmentguru bzw. keinen Performance-Sieger für drei, fünf und zehn Jahre. Nicht zuletzt die Existenz des klassischen Private Banking zeigt, dass langfristige Kundenbindung sozusagen „multi-faktoriell“ begründet ist. Die Leistung der Beratung bei Family Offices und Vermögensverwaltern lässt sich vielleicht manchmal an der Scheidelinie von reiner Beratung bis zum Eigen-Produktangebot ziehen, diese Fachdiskussion wird derzeit noch kontrovers und engagiert geführt – insbesondere auf der Family Office-Seite. Vergessen wird häufig, dass neben den Vermögensverwaltern auch viele Multi Family Offices darauf angewiesen sind, ebenso Akquise zu betreiben, wenn die Dynamik im Bereich „Kundenempfehlung“ abnimmt. Aktives Management und Transparenz „Pseudo-passive“ Ansätze lassen für viele Anleger oft nicht klar erkennen, dass passive Investments doch wieder den aktiven Steuermann brauchen. Es stellt bereits eine aktive Entscheidung dar, vom reinen Pfad des ausschließlich passiven Investments abzuweichen, man geht wie beim Overlay-Management im Grunde eine zusätzliche Wette ein. Auch beim Kauf von Exchange Traded Funds (ETFs) wird oft vergessen, dass diese auch aktiv als Produktbausteine allokiert werden müssen. Ebenso ein aktives Element in der Welt des scheinbar passiven Investments, oft in der Diskussion wenig berücksichtigt: Ein Computer bzw. Regeln werden zur Steuerung der Quoten eingesetzt oder Makroökonomen ändern Meinungen aufgrund von Daten. Bei der Programmierung oder Einschätzung wird sozusagen „derivativ“ wieder auf Köpfe, Talente, Meinungen gesetzt. Je mehr diese Erkenntnis den Investoren klar wird, desto mehr spielt sich wieder das Serviceelement Beratung und Aufklärung bei der Verwaltung von Vermögen in den Vordergrund. Dieser Punkt geht manchmal in der Diskussion unter: Kein aktiver Manager kann eine Performance-Garantie abgeben, aber auch keine Regel bzw. kein Computer-Programm. Und rein passives Investieren in eine Kombination von Märkten scheint nicht für jeden Anleger eine akzeptierte Lösung zu sein. Wie so oft, die Wahrheit kann in der Mitte liegen, vielleicht macht es der gesunde Mix von Ansätzen – Diversifikation ist Trumpf. Publikumsfonds und unabhängige Vermögensverwalter Wie oben angeführt, hier soll weder einseitig für aktive oder passive Anlagekonzepte Stellung bezogen werden. Dieses ist Aufgabe der wissenschaftlichen Diskussion. Möchte man aber die Existenzberechtigung von Vermögensverwaltung ausgewogener diskutieren, kann man zu dem Schluss kommen, dass sich viel Vermögensverwalter und Family Offices in einigen Fällen vielleicht nachteilig positioniert haben oder sich heute vielleicht optimaler positionieren könnten. In diesem Falle sind insbesondere die Adressen gemeint, die eigene Publikumsfonds bei spezialisierten Kapitalverwaltungsgesellschaften wie Universal-Investment, Ampega, Hauck & Aufhäuser und bei anderen Anbietern in diese Segment verwalten lassen. Das jährliche „Windhund-Rennen“ um die vorderen Rängen in den Performance-Hitlisten kontinuierlich zu gewinnen ist oft kaum möglich. Nur sehr wenige Asset Manager überzeugen über viele Jahre. Diese sind in der Regel dann auch bei Institutionellen erfolgreich und müssen sich um die Positionierung häufig kaum Sorgen machen. Vergessen wird oft der Großteil der Fonds, die verhältnismäßig klein oder unbekannt sind, durchschnittliche Performance aufweisen und trotzdem für den Anleger eine interessante Ergänzung zum Portfolio darstellen können – bei Family Offices wie bei Vermögensverwaltern. Ein durchaus kontrovers diskutierbarer Aspekt der Beratung kann darin bestehen, dass der Kunde erkennt, dass eigene Produkte des Berater bedeuten können, dass der Verwalter sich transparent und angreifbar macht und sich dem Dialog mit dem Kunden stellt. Keinesfalls muss es bedeuten, dass diese Produkte massiv in den Kundenportfolios eingesetzt werden. Neben Fremdprodukteinsatz kann ein Diversifikationsprinzip bedeuten, dass der Kunde mit dem Einkauf einer kleinen, angemessenen Quote des Eigenprodukts den Vermögensverwalter bzw. das Family Office zu erhöhter „Achtsamkeit“ verpflichtet. Vermögensverwaltung, Kommunikation und Konfuzius Viele der oben angesprochenen Teilen findet man in der Beratung von Privatkunden und vermögenden Privatkunden wieder und sind nicht ohne weiteres auf institutionelle Kunden zu übertragen. Sollten unabhängige Vermögensverwalter und Family Offices sich verstärkt über ihre Kernfähigkeiten Beratung, Knowhow und Netzwerk definieren, ist der Bedarf auf Kundenseite gegeben. Auch viele große Familienvermögen und Stiftungen leben über lange Jahre mit einer moderaten, angemessenen Performance. Die Chance für den Vermögensverwalterbereich liegt in der Schaffung verstärkter Visibilität der eigenen, ursprünglichen Leistung als Berater, Coach und Risikomanager für den Kunden. Dieser muss sich verstanden fühlen, Performance ist nur einer von vielen Faktoren für die langfristig erfolgreiche Kundenbeziehung. Es gilt: „Wenn man in den Grundsätzen nicht übereinstimmt, kann man einander keine Ratschläge geben“ (Konfuzius). 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  • „Wenn Asset Manager langfristig zum Durchschnitt tendieren, dann kann ich direkt den Index kaufen“: Diese Meinung findet man immer wieder, wenn man mit bestimmten Investoren, auch Stiftungen, spricht. Unter vorgehaltener Hand wird dieser Kritikpunkt oft auch von Vertretern von Fondsgesellschaften von aktiv gemanagten Fonds mit einem Achselzucken in Kombination mit Ratlosigkeit („Resignation“) zur Kenntnis genommen. Natürlich ist diese Diskussion nicht abgeschlossen, aktive und passive Produktwelt ringen noch um Deutungshoheit. Der Tod der temporären Marktineffizienz (aktive Investmentchancen) ist keineswegs beschlossene Sache, fachliche Expertise in Niedrigzinsphasen ist gefragt: Aktives Fondsmanagement bleibt eine Konstante im Investmentbereich, kurz kommentiert: Was können Vermögensverwalter und Family Offices leisten? Wo könnten Missverständnisse entstehen? Warum wachsen die Bäume nicht zum Himmel? Erfolgsfaktoren für Zusammenarbeit Stiftungen sehen sich einem umfangreichen Universum an Produktvarianten gegenüber: Direktanlage, Stiftungsfonds, Mischfonds, Vermögensverwaltende Fonds etc. Stellt man einmal die Diskussion um Marketing-Konzepte der Asset Manager beiseite und geht von einer ausreichenden Datenbank-Versorgung aus (Ratings, Rankings, „Hitlisten“): Sollte ein Großteil der Asset Manager in langer Frist zum Durchschnitt (Performance) tendieren, können vielleicht andere Faktoren bei der Auswahl von Dienstleistern eine Rolle spielen und zusätzlich an Gewicht gewinnen:*Vertrauen*Interessen*Know-howInteressant erscheint, dass diese Aspekte oft bei der reinen Berücksichtigung von gängigen Managerauswahlverfahren („Beauty Contest“) aufgrund der mangelnden Quantifizierbarkeit stark in den Hintergrund rücken. Natürlich ist der Consultant auf der sicheren Seite, wenn er sich stark auf das Zahlenwerk stützen muss: Performance, Volatilität, Drawdowns und viele andere Punkte. Natürlich werden Prozesse, Team, Risikomanagement etc. ebenso betrachtet. Vergessen wird häufig, dass gerade „kleine“ Stiftungen sich diese aufwändigen Verfahren nicht leisten können – die übliche Verfahrens-„Heuristik“ besteht dann häufig im Verfolgen der Hausbank-Philosophie. (Kernfrage kann sein: Ist die Hausbank-Lösung die einzige zielführende Lösung für „kleine“ Stiftungen oder gibt es noch weitere Ansätze, die man einsetzen oder in Ergänzung einsetzen kann?). Vertrauen Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer leben vom Vertrauen ihrer Mandanten („Trusted Advisor-Gedanke“). Aufgrund der Vielfalt der Anbieter in diesen Segmenten ist, wie im Vermögensverwaltungs-Bereich, der Wettbewerb sehr hart. Die Dienstleistungen werden von Mandanten oft als „Commodity“ betrachtet. Aufgrund der Komplexität der Dienstleistung (Woran erkenne ich einen guten Rechtsanwalt? Was macht einen guten Vermögensverwalter aus?) erscheint die endgültige Bewertung der Leistung vielen Kunden als schwierig. In diesen Bereichen besitzt das Vertrauensverhältnis, neben Sympathie, einen sehr hohen Stellenwert. Fachkenntnisse werden als „Hygienefaktor“ betrachtet.Interessant erscheint, dass beispielsweise Vermögensverwalter und Family Offices Schwierigkeiten haben können, die Qualität von Anwälten zu „messen“. Stiftungen stehen oft vor einem ähnlichen Thema: Woran erkenne ich, dass ich rechtlich gut beraten werde oder woran erkenne ich, ob meine Hausbank immer die optimale Beratung bietet? Entweder die genannten Spezialisten betreuen Ihre Mandate aufgrund von Tradition (Wechselwilligkeit oft geringer ausgeprägt bei Kunden) oder Empfehlung durch Dritte. Zusätzlich betreiben einige Anbieter aktiv Öffentlichkeitsarbeit – „dezente“ fachliche Visibilität erleichert sehr häufig den Erstkontakt und weckt Interesse. (Am Rande bemerkt: Auch Rechtsanwälte fällt es umgekehrt nicht leicht, die Qualität von Family Offices und Vermögensverwaltern zu „messen“ – durch Empfehlung kann hier ein Reputationsrisiko entstehen). Exkurs: Vertrauen – Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) und Fondsboutiquen Viele Vermögensverwalter haben Fonds bei KVGen wie Universal-Investment, Alceda, Ampega und anderen Häusern aufgelegt. Der Preiswettbewerb in diesem Bereich ist intensiv – wobei sich durch Vergleiche am Schluss oft die Erkenntnis ergibt, das Preis nicht das einzige Kriterium sein kann. Bei ungefähr gleichen „Kernleistungen“ (Preisfeststellung, Reporting etc.) sind oft am Schluss auch hier wieder die Betreuung und der jeweilige Kundenbetreuer die zentrale Mehrwertkomponente. Da für viele Vermögensverwalter und auch Family Offices der Publikumsfonds als eine Art „Schaufenster“ für die Neukundengewinnung dient, können die KVGen bei entsprechender Qualität der Mitarbeiter gezielt Hilfestellung leisten, ein Beispiel: Im Zweifelsfalle kann dies auch bedeuten – sehr vertrauensfördernd – dass man dem potenziellen Kunden einmal von einer Fondausauflage abrät! Interessen Interessen von Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices bei der Betreuung von „kleinen“ Stiftungen kann man vielleicht einmal kurz anhand der Pole „Umsatzorientierung“ und „Bestandorientierung“ (Mischverhältnisse ebenso existent) diskutieren:*Ist meine Bank, mein unabhängiger Vermögensverwalter oder mein Family Office – Beispiel: Manager von FO-Publikumsfonds – stark davon abhängig, möglichst häufig „Produkte an den Mann zu bringen“ oder gibt es Vergütungsformen, die eine Fokussierung auf diese „Betreuungsstrategie“ verhindern?*Habe ich als Stiftung das Gefühl, dass mein Gegenüber – über den reinen Verkauf von Produkten oder Dienstleistung hinaus – Freude und Interesse an Stiftungsthemen hat („Affinität“)?*Gibt mein Betreuer mir das Gefühl, dass ich auch als „kleine“ Stiftung ein interessanter Kunde bin? Know-how Bei langjährig erfolgreichen Vermögensverwaltern sollte man davon ausgehen können, dass Know-how im Fachbereich vorliegt. Beim Kauf von Publikumsfonds bei Vermögensverwaltern (Banken, Family Offices etc.) kann man entsprechende Informationen – Datenbanken, Ratings, Rankings – nutzen. In vielen Fällen kann eine „kleine“ Stiftung hiermit ein effizientes Mittel nutzen um auch ohne Beratung eine Auswahl zu treffen. Vorausgesetzt natürlich, dass der Entscheider bei der Stiftung ein gewisses Maß an Investmentkenntnissen besitzt. In der derzeitigen Niedrigzinsphase werden natürlich nach wie vor bei „kleinen“ Beträgen viele Publikumsfonds mit gemischten Ansätzen (Diversifizierung) ein Standardanlage-Instrument darstellen. Wohl wissend: „Hitlisten“ zeigen lediglich die Vergangenheit, Manager 1 aus 2014 kann Manager 25 in 2015 sein. Geht man davon aus, dass gerade bei vielen „kleinen“ Stiftungen keine hauptamtlichen Investmentspezialisten tätig sind, so ergibt sich ein interessantes Beratungsfeld für viele unabhängigen Vermögensverwalter.Die aktuelle Niedrigzinsphase kann mittel- bis langfristig das Aus für viele Stiftungen bedeuten, deren finanzielle Ausstattung bereits in der Vergangenheit von Experten eher als unzureichend empfunden wurde. Banken betreuen viele Stiftungen, bei Banken ist viel Fachexpertise vorhanden – in Kombination mit der Marktkenntnis von konzernunabhängigen Vermögensverwaltern und Family Offices könnten alle Parteien Know-how-mäßig nur gewinnen. Vielleicht ergeben sich neue Kooperationsmodelle in der Vermögensverwaltungsindustrie, volkswirtschaftlich gesehen ist eine fortwährende Diffusion von Fachwissen nur von Vorteil.Investor Education ist oft ein langwieriger Prozess, der sich zunächst oft nicht direkt mit Umsätzen, die dann zu Beständen führen, in Verbindung bringen lässt – Überzeugungstäter („Ich liebe den Stiftungsgedanken!“) profitieren langfristig hiervon: Der Gedankenaustausch und Charity-Gedanke, das Gefühl, etwas Gutes zu tun, stellt auch bei vielen Vermögensverwaltern ein Motivationsinstrument dar! Fazit Betrachtet man die Vermögensverwaltung für „kleine“ Stiftungen nicht nur unter dem Aspekt, dass Stiftungsverantwortliche ihre Vermögensverwaltung ausschließlich unter Zuhilfenahme von Datenbanken für die Publikumsfondsauswahl betreiben, dann ergibt sich in der aktuellen Marktlage der willkommen Anlass, verstärkt

  • „Vielfalt schlägt Einfalt“ – so oft die einschlägige, meist falsch verstandene Losung in der Diversity-Diskussion in den Medien. Übertragen lässt sich das Konzept in Teilen auch auf den Bereich der fachlichen Zusammensetzung von Gremien, Beiräten und anderen Institutionen. Beobachtet man die fachliche Besetzung dieser „Gebilde“ (Anlageausschuss etc.) in der Praxis, so kann der Eindruck entstehen, dass noch verborgene Potenziale gehoben werden könnten. Welche Stichpunkte wären für eine „dynamische“ Diskussion interessant? Interessenlage: Status Quo und Optimierungspotentiale Kriterien bei der Besetzung von Anlageausschüssen, Beiräten und anderen Formen von Gremien können sein – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:*Besetzung aufgrund „freundschaftlicher“ Verbundenheit*Besetzung aufgrund von fachlicher Expertise*Besetzung aufgrund von Bekanntheitsgrad („Multiplikator“, Reputation etc.)In der Regel liegen Kombinationen bei der Motivlage vor. Je nach Ausgestaltung und Nominierung ergeben sich verschiedene Diskussionsfelder. Neutralität, Interessenkonflikte und potenzielle Risiken Natürlich kann man den Standpunkt vertreten, dass Gremien mit rein beratender Funktion aufgrund von Vorschriften einzurichten sind und nicht als „Kernsteuerungsorgane“ bei der praktischen Umsetzung von Investmententscheidungen betrachtet werden. Um den Regularien gerecht zu werden, erscheint möglichst wenig Konfliktpotential bei Anlageausschusssitzungen wünschenswert. Würde jede Entscheidung des Portfoliomanagements engagiert hinterfragt, könnten übermäßig stark Ressourcen gebunden werden. Wird der Sinn und Zweck von Gremien in Kontrolle, Risikomanagement und Optimierung von Prozessen gesehen, dann kann auch eine alternative Haltung eingenommen werden: Je mehr unabhängige, fachorientierte und interessenfreie Expertise in den Gremien aufgebaut wird, desto höher das Potenzial für die Optimierung von Entscheidungsprozessen. Der ganze Bereich der Produktanbieter-bezogenen Gremienzusammensetzung könnte einer kritischen Betrachtung würdig sein. Wo liegen in Einzelfällen Interessenkonflikte vor? „Freundschaftliche“ Verbundenheit von Gremienmitgliedern kann in Verbindung mit hoher fachlicher Expertise von Vorteil sein, wenn Interessenkonflikt-Potenzial offen angesprochen werden kann und konstruktiv diskutiert wird. Bekanntheitsgrad und ein beeindruckender Lebenslauf kann, muss aber nicht, einhergehen mit vertiefter fachlicher Expertise. Eine interessante Frage zur Identifikation von Handlungsbedarf Geht man davon aus, dass rein beratende Gremien ihr volles Potenzial einbringen sollten bei der Optimierung von Entscheidungen, könnten manchmal „Testfragen“ einen erhellenden Eindruck über die Tiefe von inhaltlichem Engagement und Interesse von Anlageausschussmitgliedern geben. Interessant könnte es sein, eine Frage ohne „Voransage“ zu diskutieren, wie zum Beispiel: Wer sind die relevanten Mitbewerber des Fondsmanagers, der gerade bei der Anlageausschusssitzung Rede und Antwort steht? Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • „In der Ruhe liegt die Kraft“: Investor Education und der Appell an die Geduld von Anlegern stehen bekanntermaßen nicht immer im Fokus von Vertriebsaktivitäten bei einigen Fondsgesellschaften. Diverse Produkt bzw. Ansätze werden häufig sehr zyklisch vermarktet. Nach dem Motto: „Was läuft denn gerade gut?“, „Platz 1 im 1-Jahres-Vergleich“ etc. Dass es auch anders geht, beweisen zum Beispiel viele Vertreter von Value-Ansätzen im Fondsbereich. Ob unabhängiger oder konzerngebundener Asset Manager: Langfristdenke im Bereich Kommunikation steht im Vordergrund, da in der Natur der Sache liegend. In welchen Bereichen lässt sich diese Herangehensweise und Kommunikationsstrategie noch beobachten? Wer schätze eine solche Langfristdenke? Wo liegen Chancen und Risiken? Sympathie bei Investoren – Identifikation von Inseln des Interesses Die Kunst für viele Anbieter von Value-Ansätzen besteht darin, die passenden Investoren für erklärungsbedürftige, scheinbar „langweilige“ und langfristig-orientierte Investments zu identifizieren. In der Regel lässt sich das nicht durch reine Performance-Werbung oder Trend-Argumentation erreichen. Qualitative und quantitative Value-Ansätze, Risikoprämien-Gedanke („Margin of Safety“) und die fortwährende Kommunikation von „Noch-ist-die-Wette-noch-nicht-aufgegangen“ – es gibt eine Gemeinde von treuen Anhängern für diesen Bereich. Viele der privaten und institutionellen Anleger schätzen diese erklärungsbedürftigen Ansätze, unabhängig von der Produkthülle (neben Fonds auch Beteiligungsfirmen, Direktinvestments etc.). Investor Education in Form von Events, Kommentaren, Know-how-Transfer wird gerade von dieser Investorengruppe geschätzt. Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter Erklärungsbedürftige Investmentkonzepte (Zeithorizont bei Investment) werden zum Beispiel häufig von Investoren geschätzt, die selber einen langfristigen Investmenthorizont haben bzw. die Kunden haben, die langfristig denken. Oft geht dies einher mit einer gewissen Sympathie und einem ausgeprägtem Verständnis für unternehmerisch orientierte Investments. Bestimmte vermögende Privatkunden, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter lassen sich in diese Kategorie erfassen: Glaube an das eigene Fortbestehen in vielen weiteren Jahren, Kontinuität, Gleichmut und unabhängiges Agieren ohne hektisch anmutendes, zyklisches Agieren findet man hier vermehrt vor. Sobald es um Investments geht die man für Dritte tätigt, sind bei kurzfristig ausbleibenden Erfolgen konzentrierte Kommunikations-Maßnahmen erforderlich. Zum einen muss der Investor und dessen Kunde verstehen, was er womöglich für wie lange im Depot liegen hat, zum anderen bedarf es wohl eines fortwährenden Kommunikationsflusses seitens Anbieter an den „Einkäufer“ des Investments (Family Offices oder Vermögensverwalter für ihre jeweiligen Kunden). Wie oben angedeutet: Die Gesellschaften, die es schaffen, neben langfristig zufriedenstellender Performance, die Geduld der Investoren mit qualifizierter Information (Gegensatz: „Factsheet-Terror“) zu pflegen, werden langfristig die Nase vorne haben. Vertrieb und Marketing bei Fondsboutiquen Es gibt eine Vielzahl „kleiner“, unabhängiger Häuser, die seit vielen Jahren ihren „Fan-Kreis“ im Bereich Value Investoren erfolgreich ausgeweitet haben. Viele Häuser aus dem anglo-amerikanischen Raum haben vor Jahren die Diskussion bestimmt, zunehmend werden auch Kontinental-Europäer wach und erfolgreich aktiv (Skandinavien, Frankreich, DACH-Region etc.). Langfrist-Denke im Vertrieb kann das Erfolgsrezept sein. Entgegen der landläufigen Meinung über Sales und Opportunismus-Getriebenheit zeigen die Erfolge dieser Gesellschaften, dass es auch anders geht. Ein Sales-Mann, der eine Langfrist-Story über eine lange Zeit kommunizieren muss, hat in der Regel ein anderes Profil (Mentalität etc.) als der klassische Verkäufer alter Schule. Viele unabhängige Asset Manager schaffen es scheinbar, eine „neue“ Kultur von Vertrieb zu etablieren. Interessant wäre es zu verfolgen, wie „große“ konzerngebundene Häuser auf diesen Trend reagieren. Unabhängigkeit hin oder her: Natürlich gibt es auch hier Adressen, die attraktive Value-Produkte anbieten. Knowhow und Kommunikation für Value Investoren Informationsquellen in Form von Konferenzen, Events, Business-Frühstücken etc. im Value-Bereich gibt es verschiedene Angebote (Value Intelligence Conference, ACATIS Value Konferenz etc.). Spezialisierte Kapitalverwaltungsgesellschaften wie Universal Investment, Ampega, Hauck & Aufhäuser etc. bieten oft interessante Fonds mit Value-Ansatz an, auch beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) kann man diverse Anbieter identifizieren. Ähnlich wie bei vermögensverwaltenden Ansätzen kann man dort eine Vielfalt von Ansätzen finden. Dass unabhängige Asset Manager auf verstärktes Interesse bei Investoren treffen, hat sich auch beim 1. Frankfurter Fondsboutiquen-Panel in 2014 bestätigt: Mehr als drei Viertel aller befragten Teilnehmer (Vermögensverwalter, Dachfondsmanager, Family Offices) betonten, dass Sie in 2015 die Bedeutung von unabhängigen Asset Managern als „zunehmend“ einschätzen. Fazit Diversifikation ist auch bei Investmentansätzen angesagt. Value Investment ist ein Ansatz unter vielen im Universum des Asset Managements – natürlich gibt es auch andere Ansätze, die zu Recht Interesse bei Investoren finden können. Value Investment-Denke führt tendenziell eher zum Einrennen offener Türen bei Investoren, die ohnehin aufgrund der eigenen Herkunft (Unabhängigkeit, Unternehmertum, Mittelstand etc.) Freiräume bei der eigenen Investmentpolitik haben und nicht unter dem ständigen Druck gegenüber Dritten stehen, jedes Quartal „Performance-Siege“ gegenüber der eigenen Klientel zu kommunizieren. Viele Gesellschaften, die in diesem Umfeld tätig sind, arbeiten am Auf- und Ausbau der Fan-Gemeinde für langfristig orientiertes Investieren – ähnlich wie der BVI in Deutschland. Die zyklus-übergreifende Denk- und Kommunikationsweise verdient eine intensivere Diskussion auch in der Fondsindustrie – zwischen den Polen Vertriebsdruck und „Gier“ der Anleger liefert der Value Investment-Bereich vielleicht wieder interessante Denkimpulse für das Zurückgewinnen von Anlegervertrauen: Ertragreiche Geldanlage kann, wie so häufig, einfach das Bohren dicker Bretter bedeuten: Investmentopportunitäten fallen nicht vom Himmel, die Tugend von „Investiere-und-warte-geduldig“ ist oft ein klassischer Weg zum Erfolg! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.piaxbay.com

  • „Alter Wein in neuen Schläuchen“: Vermögensverwaltende Ansätze im Fondsbereich haben im Laufe der letzten Jahre an Bekanntheitsgrad zugenommen. Dieser Trend erscheint interessant, da bis heute noch um eindeutige Definitionen gerungen wird – was den präzisen Inhalt dieser Ansätze betrifft. Ähnlich wie die Begriffe Fondsboutique, Stiftungsfonds und Family Office dauert der Kampf um die Deutungshoheit an. Einige Grundaspekte, die vor Jahren vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) in die Diskussion geworfen wurden, können vielleicht bei einer Diskussion helfen. Wo kann man Verbindungen zur Vermögensverwaltungspraxis finden? Was können reine „Produktbausteine“ leisten und was sollte eigentlich einen guten Vermögensverwalter ausmachen? Wo liegen Chancen und Risiken? Mögliche Diskussionskriterien für Vermögensverwalter und Family Offices Die Ausgestaltung von Produkten und Dienstleistungen lässt sich anhand von vielen Kriterien diskutieren. Nimmt man die VuV-Gedanken, dann könnten kurz diese Aspekte angesprochen werden:1. Investition in mehr als eine Anlageklasse2. Eignung als Basisinvestment3. Anstreben einer risikoadjustierten Rendite4. Fondsmanagement frei von Interessenkonflikten Eine Sonderaspekt beim Thema „Vermögensverwaltende Ansätze“ kann die Diskussion über eigene Produkte und das Selbstverständnis von Aufgaben und Abgrenzung von Aufgabengebieten bei Family Offices sein. Ähnlich wie bei den vermögensverwaltenden Ansätzen wird in diesen Bereichen – Anbieter von Family Office-Dienstleistungen und auch auf Kundenseite – derzeit intensiv diskutiert. Wenn unten von Vermögensverwaltern gesprochen wird, könnten eigentlich bestimmte Ausprägungen von Family Offices mit eigenen Fondsprodukten in die Diskussion mit einbezogen werden. 1. Diversifizierung von Risiken Schweizer Bankenregel: „Geld ist wie Mist, man muss es streuen“. Die klassische Aufgabe eines Vermögensverwalters sollte im Bereich Risikomanagement bestehen. In welcher Produktverpackung er dies tut, kann zunächst einmal ein zweitrangiger Aspekt sein. Einzelmandate in der Direktanlage und Fondsmantel sind und waren üblich. Kostenaspekte, technische Handhabbarkeit oder einfache Kommunikation im Kundengespräch, auch Anlegerkenntnisse, spielen hier bei der Auswahl eine Rolle. Was hier nach dem klassischen Mischfonds sozusagen der vermögensverwaltende Ansatz 2.0 leisten kann, wird derzeit intensiv diskutiert, weil auch hier Erwartungen durch die Industrie geweckt wurden, die nur in Teilen erfüllt wurden. 2. Basisinvestment und Vertrauen Als Anleger – Privater wie Institutioneller – ist Vorsicht bei dem Begriff Basisinvestment geboten. Viel Vertrauen ist im Vertrieb durch den extensiven Gebrauch dieser Bezeichnung verloren gegangen. Im Zweifelsfall wurden in der Vergangenheit Kapitallebensversicherungen, genauso wie Geschlossene Fonds und reine Aktienfonds, unter diesem Label angeboten. Die Branche könnte durch einen differenzierteren Gebrauch dieses Begriffes profitieren. Am Schluss stellt sich die Frage: Wieviel „Eier in einem Korb“, Entwicklungspotential und wie viele Korrelations-Chancen und –Risiken bildet so ein grundlegender Bestandteil im Portfolio? 3. Risikoadjustierte Rendite Vermögensverwaltung, unabhängig von der Verpackung, sollte Risikomanagement in den Vordergrund stellen. Natürlich können kalkulierte Risiken eingegangen werden. Eine Vielzahl der gängigen Mischfonds und der Fonds, die unter dem Label „Vermögensverwaltende Ansätze“ laufen, betonen diesen Anspruch. Die Vielfalt der eingesetzten Parameter beim Fondsmanagement (Asset-Klassen, Instrumente, Strategien etc.) bieten theoretisch die Möglichkeit, den Ansprüchen von Privatkunden und Institutionellen oft gerecht werden zu können. Viel ist versprochen worden, viel Versprochenes ist oft auch nicht eingetreten. Ähnlich wie bei der Bankenkrise und beim Thema Vertrauen: Weniger Marketing, mehr Aufklärung ist gefragt. Unbestreitbar bietet die Asset Management-Industrie vielfach gute Ansätze – Wunder sind selten. Eine Konvergenz zum Mittelmaß kann man konstatieren. Ein konstruktiv kommuniziertes „Erwartungsmanagement“ könnte die Fondsmanager bzw. Vermögensverwalter vielleicht in einem positiveren Licht erscheinen lassen: Fortwährend unkorreliert positive Erträge zu erwirtschaften ist eine Kunst. Wenige Manager stechen hervor – keiner kann ehrlicherweise behaupten, den Sieger am 31.12. des Jahres zu kennen. Wüssten die Kunden dies auch, würden auch viele scheinbar „mittelmäßige“ Vermögensverwalter nicht fortwährend gezwungen, prozyklischen Aktivismus zu produzieren, um auf irgendwelchen „Rennlisten“ ganz oben zu stehen. In diesem Fall kann man fast behaupten: Die Fondsindustrie mit der reinen Asset Management-Denke hat es geschafft, den klassischen Vermögensverwalter am Ring in der Nase sozusagen über die Bühne zu ziehen! Fondsmanagement und Interessenkonflikte Unabhängigkeit ist ein kostbares Gut. Alle eigentümergeführten Vermögensverwaltungen und auch bestimmte Kategorien von Family Offices leben von Zuschreibungen wie Neutralität und „Anbieterferne“. Viele exzellente Fondsmanager („Fondsadvisor“, Fondsboutiquen) im Bereich von Mischfonds und bei vermögensverwaltenden Ansätzen findet man bei spezialisierten Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) wie Universal Investment, Ampega, Hauck & Aufhäuser und diversen anderen Häusern. Unabhängige Asset Manager gewinnen zunehmend an Popularität. Bei der 1. Frankfurter Fondsboutiquen-Panel-Befragung durch den Autor diese Kommentars ließ sich diese Tendenz anhand der Antworten von diversen Vermögensverwaltern, Dachfondsmanagern und Family Offices als „Grundtenor“ erkennen. Das ist erfreulich. Aber, wie oben angeführt – besteht am Schluss gute Vermögensverwaltung lediglich im guten Abschneiden auf Rennlisten? Wie differenziere ich mich als Unabhängiger, wenn auch verschiedene konzerngebundene Manager in bestimmten Phasen exzellente Performance bieten können? (Selbst wenn Unabhängige oft die Nase vorne haben könnten – ist dieses Wettrennen förderlich für eine langfristige Kundenbeziehung?). Perspektive: Chancen und Risiken für Vermögensverwalter und Family Offices Die Diskussion um die Definition der so genannten vermögensverwaltenden Ansätze ist noch in vollem Gange. Viele Fondsergebnisse ernüchtern vielleicht. „Ernüchterung“ muss man mit Bedacht, nicht unbedingt als Enttäuschung wertend, formulieren. In jeder Industrie gibt es Lernkurven. Bedeutender könnte in Zukunft vielleicht folgende Fragestellung sein: Was ist die Rolle des unabhängigen Vermögensverwalters oder die eines Family Offices? Der Lieferant von Produktbausteinen, die täglich ausgewechselt werden können oder der Berater und Risikomanager des Kunden? Eine Fragestellung, die vielleicht nicht nur mit „Entweder – Oder“ zu beantworten ist. In Kombination mit Portfolio Management-Knowhow: Diese Art von Beratern, Vertrauenspersonen und „Langfrist-Denkern“ werden mit hoher Wahrscheinlichkeit gerne weiterempfohlen und viele Produkt- und Performance-Zyklen überstehen! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Zuviel Analyse führt zu Paralyse“ (Unbekannt). Stiftungen haben derzeit einen interessanten oder einen schweren Stand in der Fondsindustrie – je nach Sichtweise. Das Niedrigzinsumfeld zwingt diese Investorengruppe nach Lösungen jenseits der Anleihen-Welt zu suchen. Interessant kann es für die Fachverantwortlichen dort sein, durch die Ansprache von Produktanbietern mehr Knowhow aufzubauen. Schwer kann es sein, mit dem möglicherweise auftretenden Information-Overflow-Problem fertig zu werden. Oft wird in der Branche nach Beratern gerufen, auch im Publikumsfondsbereich. Nicht immer ist externe Hilfe notwendig. Eulen nach Athen zu bringen, hat sich schon sehr häufig nicht gelohnt. Wo ist eine gute Informationsgrundlage vorhanden? Wo können blinde Flecken liegen im Auswahlprozess? Gibt es interne und externe Lösungen? Quantitative Faktoren bei Fondsauswahl Publikumsfonds leiden bekanntlich unter der „Peitsche der Transparenz“. Die grundlegenden Informationen findet man in der Regel auf dem sogenannten Factsheet. Performance, Drawdown, Fondswährung, Kosten etc. Es gibt eine große Anzahl von Datenanbietern, bei denen man Publikumsfonds nach den verschiedensten Formaten vergleichen und analysieren kann. Große Stiftungen können für die Auswahl von Produkten externe Berater engagieren oder interne Abteilungen mit Fachleuten aufbauen. Mittelgroße bis kleine Stiftungen bleibt diese Möglichkeit oft verwehrt. Trost kann vielleicht sein, dass Komplexitätssteigerung beim Informationsbeschaffungs-Prozess nicht unbedingt zu besseren Entscheidungen führen muss. Sehr viele der Häuser, die sich zunächst nicht externen Support sichern können, fahren mit den Tools aus der Publikumsfonds-Welt (Datenbanken etc.) ganz gut, um geeignete Manager bzw. Fonds zu identifizieren.Finanzwissen über Kennzahlen wie Sharpe Ratio, Tracking Error, Treynor Ratio etc. sind öffentlich zugänglich. In komprimierter Weise finden sich auch hierzu oft fachlich nachvollziehbare Darstellungen und Erklärungen auf Factsheets und bei Datenbank-Anbietern. Zugebenermaßen schadet es nicht, den Bereich Finanzen / Kapitalmarkttheorie studiert zu haben. Zumindest für die Interpretation bzw. Einordnung dieser Kennziffern. Eine andere Frage ist es, ob eine gute Auswahl von Fondsmanagern rein in quantitativer Form immer die optimale Lösung darstellt.Reporten, Controllen, Dokumentieren von Fondsmanagerleistungen – es gibt viele Dienstleister im Markt, die mit Zahlen (Vergangenheit!) gut und effizient arbeiten können. Jeder Stiftung bleibt es überlassen, hier interne oder externe Lösungen aufzubauen. Qualitative Faktoren bei Fondsauswahl Der Publikumsfonds stellt eine transparente Struktur zur öffentlichen Darstellung der Fondsmanagerleistung dar. Die Leistungen der großen, konzerngebundenen Asset Manager bzw. Vermögensverwalter sind aufgrund von großen Marketingbudgets oft schon bekannt. Viele kleine bis mittelgroße, unabhängige Vermögensverwalter suchen derzeit aktiv nach stärkerer Visibilität bei Stiftungen. Zum einen findet man sich in den oben genannten Datenbanken, zum anderen erfährt man von vielen Adressen oft durch Mundpropaganda. Es gibt sogar Häuser, die „milliardenschwere“ Vermögen verwalten, die jedoch keineswegs auf dem Radar von vielen Investoren sind.Neben den quantitativen Faktoren auf den Factsheets finden sich noch andere Informationen wie Fondskategorie, Fondsstruktur etc. Zusätzliche Informationen in einem besonders aufbereiteten Format kann ein so genannter „Transparenzbericht“ liefern. Themen wie Aktienquote und Anlagestruktur, Anlageinstrumente und bestimmte Qualitätskriterien werden hier durch externe Spezialisten aufbereitet, wenn in der Stiftung nicht selber das Know-how vorhanden ist, um sich selbst eine solche Form von Reporting-Tools zu erstellen. Auch diese Informationen können bei der Manager- bzw. Produktauswahl hilfreich sein. Ein spezielles Beispiel im Stiftungsbereich: Inwiefern werden Nachhaltigkeitskriterien vom Fondsmanagement bei Anlageentscheidungen berücksichtigt? Die Adler-Perspektive: Sozialarbeiter („Supervision“) und Trusted Advisor Im Bereich der Sozialarbeit gibt es den Bereich Supervision. Oft wird dieser Begriff Coaching, zu Recht oder Unrecht, in Verbindung gebracht. Wenn man den neudeutschen Begriff „Trusted Advisor“ noch ins Spiel bringen möchte, dann beurteilt man das Informationsbeschaffungs-Thema der Stiftungen zumindest einmal auf einer Meta-Ebene. Heißt: Oft kann die Adler-Perspektive bei dem Aufsetzen von effizienten Entscheidungsprozessen helfen.„Supervision (lateinisch für Über-Blick) ist eine Form der Beratung für Mitarbeiter, unter anderem in psychosozialen Berufen. Supervisionen werden von einem Supervisor, der zumeist eine entsprechende Qualifikation oder Zusatzausbildung hat, geleitet. Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen lernen in der Supervision, ihr berufliches oder ehrenamtliches Handeln zu prüfen und zu verbessern. Dazu vereinbaren die Teilnehmer mit dem Supervisor Ziele“ (Quelle: Wikipedia). Keineswegs will man mit diesem Instrument die Wirtschaft als „krank“ definieren, vielmehr findet man diese reflektorische Betrachtungsweise unter dem Label Coaching wieder Eingang in den Wirtschaftsbereich. Auch benötigen Stiftungen in der Regel keinen ausgebildeten Supervisor für das Thema Managerauswahl. Es lässt sich über diese fachliche Schiene aber die Brücke zur Rolle des Trusted Advisor schlagen.Trusted Advisor – keineswegs ein wissenschaftlicher Begriff: Man kann diese Bezeichnung zum Beispiel als „Neutralen Berater“ verstehen, als Coach, als klassischer Berater. Oft findet man auch institutionalisierte Formen der Unterstützung durch den Begriff des „Stiftungsoffices“, in Anlehnung an den Begriff Family Office. Diese Rolle, des Beraters, kann von verschiedenen Funktionsträgern übernommen werden. Vom Family Offices, vom Vermögensverwalter, vom klassischen Consulting-Dienstleister, auch vom klassischen institutionellen Asset Manager. Entscheidend erscheint, dass eine gewisse Neutralität beim Beratungsprozess der Stiftung gewahrt bleibt. „Gewisse Neutralität“ schließt nicht aus, dass diese Trusted Advisor eigene Produkte oder Dienstleistungen anbieten können. Der Kunde, hier die Stiftung, sollte nur ein transparentes Bild über die möglichen Interessenlagen und Interessenkonflikt-Felder erhalten und dann eine freie Entscheidung fällen können. Wenn interne Ressourcen bei Themenstellungen wie Managerauswahl nicht reichen sollten, kann man hier unter Umständen externe Unterstützung einkaufen. Der Markt für Stiftungen und „Trusted Advisor“ als potenzielle Vertragspartner wächst zunehmend. Das Bündeln, Aufbereiten, Transparenz-schaffen ist scheinbar ein Bedürfnis bei manchen Investoren. Informationen für die Entscheidungen gibt es genügend, benötigt wird wohl eine Art „Chef-Redakteur“, der fachlich beurteilen und gewichten kann, um Entscheidungen zu optimieren. Kapitalverwaltungsgesellschaften als Trusted Advisor Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen, vormals: KAGen) können in Teilen auch als Ratgeber für die Selektion von stiftungsgeeigneten Fonds genutzt werden. Viele Häuser wie Universal-Investment, Ampega, Hansainvest oder IP Concept (und viele andere Häuser) legen Private Label Fonds im Stiftungssegment auf. Viele der Fonds tragen den Begriff Stiftung schon im Fondsnamen. Ähnlich wie oben im Bereich Trusted Advisor beschrieben, die Begrifflichkeit greift manchmal in diesem Bereich zu kurz. Natürlich gibt es neben den namentlich genannten Stiftungsfonds auch viele reguläre Mischfonds (neben sogenannten vermögensverwaltenden Ansätzen), die für die Anlage von Stiftungsgeldern geeignet sind. Als erste Anlaufstelle für Informationen, zumindest schon einmal auf der Internetseite, sind diese Anbieter von Private Label Fonds oft gut geeignet. Transparent sind die Interessen der KVGen auch: Man möchte Fonds auflegen, man möchte administrieren. Fazit Viele Angebote zur Identifikation von stiftungsgeeigneten Fonds bzw. für die Auswahl

  • „Sprich, damit ich Dich sehe“ (Sokrates). So oder ähnlich könnte man das Motto beschreiben, unter dem sich Asset Management-Industrie und Investorenseite häufig in Frankfurt treffen. Dieser Herbst erscheint vielversprechend. Interessanterweise wird verstärkt die Stimme der Unabhängigen mehr Gehör finden: Family Offices, Vermögensverwalter und Stiftungen treten in einen fruchtbaren Dialog, drei Beispiele von vielen: „Managementforum Vermögensverwaltung“ (Frankfurt School of Finance & Management), „Frankfurter Dialog für Family Offices und Vermögensverwalter“ (Heuking Kühn Lüer Wojtek) und „trendforum vermögensmanagement“ (portfolio Verlagsgesellschaft). Fairerweise könnte man zusätzlich auf das von Frankfurt aus organisierte Düsseldorfer Event „Deutscher Vermögensverwaltertag“ (VuV – Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V.) verweisen, das auch im November stattfindet. Welche interessanten Themen werden beispielsweise in Frankfurt engagiert diskutiert? Was sind interessante Stichworte für die Dialogpartner? Niedrigzinsphase Anlagennotstand – ob explizit im Veranstaltungsprogramm genannt oder durch Vortrag und Diskussion zu erwarten: Unter diesen Stichworten kann man viele der Veranstaltungselemente zusammenfassen, die sich mit dem Bereich Kapitalanlage und Produkte beschäftigen. Ob institutionelle bzw. semi-institutionelle Anleger oder Privatanleger – Lösungen sind gesucht. Prozyklik versus Risikomanagement – Flucht aus Anleihen in risikoreiche Investments? Wird jetzt die nächste Grundlage für eine Finanzblase gelegt oder ergibt sich eine konstruktive, Know-how-basierte Anpassung im Investmentverhalten der Investoren? Family Offices und Vermögensverwalter Nicht nur diesen Herbst werden diese Zielgruppen stark umworben von der Produktanbieterseite. Interessant erscheint, dass auch Family Offices – vergessen wird oft der „pseudo-wissenschaftliche“ Gebrauch der Definition von Family Office – verstärkt eigene Produkte promoten möchten. Wenn der Kunde damit gut gefahren ist in der Vergangenheit und Transparenz für eigene Kunden bezüglich möglicher Interessenkonflikte besteht, erscheint das Anliegen als legitim. Solange es noch vielfältige Formen und Zwischenformen von Family Offices gibt und nicht Klarheit über Begrifflichkeiten herrschen, bleibt der fließende Übergang zwischen Vermögensverwaltung und Beratung, Controlling, Reporting ein interessantes Diskussionsfeld. Family Offices bieten Vermögensverwaltung an, Vermögensverwalter bieten Family Office-Dienstleistung an – mögen die zielgruppengerechten Lösungen im Wettbewerb als Entdeckungsverfahren (F. A. von Hayek) aufgedeckt werden. Unberührt davon werden neutrale, ebenso unabhängige, Family Offices „ohne“ Produkte Ihre Kunden weiterhin betreuen. Stiftungen Anlagenotstand und Produktlösungen bewegen Stiftungsentscheider. Eine Relativierung mag erlaubt sein: Vielleicht gibt es keinen Mangel an Produktangeboten, sondern vielleicht einen Mangel an Zeit und Know-how bei einigen Stiftungen? Due Diligence braucht Zeit. Stiftungsgröße und Volumen im Anlagebereich können einen Engpass bilden bezüglich Personalausstattung für die die Prüfung der vielfältigen Angebote im Markt. Die Finanzbranche überschätzt sich vielleicht oder aber sie hat dazugelernt: Die Welt besteht nicht nur aus Kapitalanlage für Stiftungsentscheider. Mission Investing – der fließende Übergang zwischen Erfüllung des Stiftungszwecks, Fundraising und Nachhaltigkeit im ganzheitlichen Sinne der Stiftungsaufstellung sind ebenso Punkte, die intensiv diskutiert werden auf Frankfurter Veranstaltungen. Ein positiver Trend: Stiftungen werden nach und nach entdecken, welche Produktanbieter nicht nur kurze Absatzinteressen verfolgen, sondern eine längerfristige Partnerschaft unter Zugrundelegung eines wettbewerbsfähigen Produktangebots haben. Regulierung AIFM, MIFID, KAGB und diverse andere Kürzel der weiten Welt der Regulierung werden in Frankfurt bei vielen Events Diskussionsraum besitzen. Viele der KVGen wie Universal-Investment, Hansainvest, Ampega und andere namhafte Adressen besitzen einen hohen Bekanntheitsgrad bei unabhängigen Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen. Für unabhängige Vermögensverwalter können Beratungshaftungsfragen im Vordergrund stehen. Fondsadvisory, Fondsmanagement und Club Deals (z. B. Immobilien) sind Diskussionsthemen, die auf Resonanz stoßen bei allen drei Zielgruppen. Der VuV und auch viele Kanzleien in Frankfurt besitzen hier einen Expertise-Vorteil aufgrund der „Regulierungsdynamik“ (Auslegung etc.) in diesen Feldern. Unabhängigkeit und Vertrauen Natürlich wird es immer auch die konzerngebundene Welt der Produktanbieter geben. Banken und Kapitalanlagegesellschaften der verschiedensten Größen bieten anerkannte Lösungen für die angesprochenen Zielgruppen an. Diese Anbieterklasse wird in Teilen durch die Veranstaltungen angesprochen. Die nicht konzern-gebundenen, unabhängigen Produktanbieter stehen aber eindeutig im Vordergrund des „Frankfurter Herbst“. Der Autor dieser Zeilen hat im Rahmen vom „1. Fondsboutiquen-Panel“ eine eigene Befragung dieser Investorengruppe durchgeführt (neben Dachfondsmanagement, Family Office und Private Banking) – interessanterweise kaufen Unabhängige oft gerne Unabhängige. Eine eindeutige Interpretation sei hier zurückgestellt – neben dem Element Leistung kann auch das Element Vertrauen in den Bereichen Spezialisierung und Langfristdenke eine Rolle spielen. Eine wettbewerbsfähige Performance wird hier natürlich vorausgesetzt. Fazit Frankfurt ist ein exzellenter Standort für den fachlichen Gedankenaustausch auf hohem Niveau. Nationale und internationale Anbieter und Investoren treffen hier aufeinander. Die Vernetzung verschiedener Anbieter und Zielgruppen nimmt zu – Produktverpackungen, Assetklassen und Kundensegmente verlieren ihre Trennschärfe in der Diskussion. Die Bankenkrise hat zu kontroversen Diskussionen geführt, jedoch entwickelt sich vielleicht neben der etablierten Produkt- und Event-Ebene eine zweite, „ganzheitliche“ Ebene in der Diskussionskultur – das Auflösen der starren Zielgruppen-Philosophie auf der Anbieterseite: Vielleicht vom „Wem kann ich mein Produkt verkaufen?“ hin zu „Mit wem möchte ich langfristig eine gute Geschäftsbeziehung aufbauen?“. Etablierte Industrie und die „Unabhängigen“ würden Standortmarketing auf nachhaltige Weise betreiben! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Viel hilft viel“, so die gängige Sales-Philosophie von vielen unabhängigen Asset Managern. Je mehr Anrufe, je mehr Termine, desto mehr Tickets – so lautet oft die unausgesprochen Annahme dieses Ansatzes. Eine hohe Termindichte in Kombination mit einer großen Anzahl von in größter Hoffnung schwelgender Gesprächsprotokolle ist die Folge: „Pensionskasse zeigt großes Interesse an unserem Ansatz. Wiedervorlage in drei Monaten. Neuer Termin im Oktober“ etc. Es stellt sich die Frage, ob diese Philosophie auf alle Fondsboutiquen passt. Vergessen wird häufig, dass eine durchschnittliche Leistung, egal wie „penetrant“ kommuniziert, keineswegs Interesse und Gefallen bei den meisten Investoren findet. Dem Sales-Mitarbeiter kann hier kaum einen Vorwurf gemacht werden, er ist Teil des Systems: Umsatzvorgaben, Terminvorgaben, Reporting, Bedingungen für Bonuszahlung sind verschieden Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Was könnte übersehen worden sein bei dieser Vorgehensweise? Gibt es vielleicht Alternativen zu den ausgetretenen Pfaden im Vertrieb? Asset Manager und Consulting Die Komplexität in den Bereichen Produkt- und Dienstleistungsangebot unterscheidet sich bei vielen Häusern. Gegen den oben genannte „Masse-Ansatz“ spricht dann oft nichts, wenn man Marktführer im eigenen Segment ist bzw. häufig überragende Performance bieten kann. Wie viele Anbieter sind das im Markt, dauerhaft? Jeder Investor würde sich freuen, ein nahezu konkurrenzlose Dienstleistung (Portfolio Management, Beratung) zu erhalten. Die Frage stellt sich in aller Klarheit: Habe ich als Manager „durchschnittliche“ bis gute Fähigkeiten – wie mache ich auf mich aufmerksam? Üblicherweise – teils Unterstellung, teils Erfahrung aus der Praxis – wird hier oft im Rahmen der üblichen Produktorientierung bei Fondsmanagern gedacht: Je mehr Anrufe ich tätige, je mehr seitenlange Kommentare und Fact Sheets ich an die Investoren versende, desto eher werden diese auf meine Stärken aufmerksam. (Eine Frage am Rande: Wie viele der Investoren bzw. Prospects lesen eigentlich die massenweise versendeten Fact Sheets in Ihrer Mailbox?). Bei Managern, die neben soliden Performance-Ergebnissen noch einen Mehrwert in der Beratung von Investoren bieten, kann dieser Weg zur Visibilität ein sehr langer, steiniger Weg werden. Fondsboutiquen – unentdeckte Perlen und Formate des Investorendialogs Viele unabhängige Asset Manager suchen den Dialog mit ihren Investoren. Fairerweise kann Dialog dreierlei bedeuten:1. „Lieber Investor xyz, ich höre mir mit Interesse an, wo Deine Probleme liegen. Dann schlage ich Dir am Schluss immer mein Produkt als die perfekte Lösung vor“.2. „Lieber Investor xyz, mich interessiert wirklich inhaltlich gesehen, welche Themenstellungen Dich aktuell bewegen. Lasse uns gemeinsam im Sinne eines Portfoliomanagement-Mandats zusammenarbeiten oder wir kreieren eine andere, maßgeschneiderte Lösung für Dich“.3. „Lieber Investor xyz, zur Verbesserung meines Dienstleistungsangebotes komme ich gerne in den Dialog mit Dir, wir beide profitieren von einem Gedankenaustausch“.Ansatz Nr. 1 führt in der Praxis dazu, warum viele Investoren nicht zwingenderweise gerne den „offenen Gedankenaustausch“ (Hidden Agenda) mit dem Vertriebler führen. Es fehlt oft der Mehrwert des Angebots. Zeit ist kostbar.Ansatz Nr. 2 kann durchaus attraktiv als Dialogangebot erscheinen, wenn die entsprechende Fondsboutique über exzellentes Know-how verfügt – zum Beispiel in den Bereichen Risikomanagement, Asset Allocation, natürlich neben guten Performanceergebnissen in Mandaten. Wenn diese Fähigkeiten visibel sind für den Investor und zudem ein Know-how-Engpass des Investors vorliegt, hat der Fondsadvisor eine sehr gute Chance, die eigenen Stärken darzustellen. Sei es durch die Akzeptanz zur Annahme eines Vorstellungstermins oder zumindest durch die Erlaubnis, zusätzliche Informationen zur Verfügung zu stellen, mit der Erlaubnis, noch einmal zunächst telefonisch in Kontakt zu treten.Ansatz Nr. 3 stellt sozusagen die „Königsklasse“ im Vertrieb dar: Als Anbieter bin ich mir meiner Stärken, meines Know-hows bewusst. Ich biete Mehrwert im Dialog. Mein Gegenüber eröffnet mir in einem sehr „unverkrampften“ und entspannten Dialog seine Sichtweise. Man stellt die eigene Expertise dar. Wenn alle Parameter für beide Seiten stimmen, besteht in der Regel auch beim Investor ein verstärktes Interesse, sich detaillierter mit den Stärken und „Problemlöserfähigkeiten“ der Fondsboutique auseinanderzusetzen. Ist dort ohnehin noch ein Fonds mit überzeugender Performance vorhanden, dann besteht hier längerfristig eine verstärkte Chance auf ein Mandat – Fonds oder Advisory etc. – zu erhalten.Selbstredend garantiert keine der Vorgehensweisen ein sicheres Ergebnis nach Anbietervorstellungen – bei manchen Investoren kommen „kleine“ Fondsboutiquen häufig erst ab einer bestimmten Größe auf das Radar. Diskussionswürdig ist auch der Sachverhalt, welche Akteure im Bereich Vertrieb bzw. Business Development wirklich langfristig denken. NB: Keine Frage von Schuld oder Nicht-Schuld der Akteure, ein mit Produkten überbesetzter Markt baut eine eigene Form von Druck und Kurzfristdenke auf, bei Anbietern und Investoren! Exkurs: Kernproblem der Branche Viele „geniale“ Marketingideen in der Asset Management-Branche laufen mittel- bis langfristig oft ins Leere. Der Markt ist überbesetzt. Es gibt einen kleinen Prozentsatz exzellente Portfolio Manager. Einen Mangel an Leistung kann eine Zeit lang durch Marketing-Aktionen kaschiert werden. Die Zahlen sprechen zumindest im institutionellen Geschäft langfristig ihr hartes Urteil über den Manager. Dieser Herausforderung muss sich die Branche stellen. Gute Zahlen stellen einen Hygienefaktor dar. Das ständige, zyklische Bewerben von verschiedensten Investment-Themen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche an einem Scheideweg steht. Klassisches Asset Management erscheint als margenschwaches Geschäft. Jeder Euro, der für Marketing/Vertrieb ausgegeben wird, fällt für die Gesamtprofitabilität ins Gewicht. Das folgende alte Modell ist zu hinterfragen: „Ich lege Fonds auf, da Marktzutrittsschranken für Portfolio Manager gering sind und gebe die heiße Kartoffel an den Sales-Mann weiter“. Know-how, Komplexität und Visibilität Performance ist ein Hygienefaktor im Asset Management. Alle Träume vom „Super-Sales-Mann“, der auch das durchschnittlichste Produkt an institutionelle Investoren verkaufen kann, entspringen eher Wunschdenken und dem Unterschätzen der Intelligenz der Fondsselektoren. Richtig, eine gute Sache verkauft sich leichter, aber nicht von selbst. Auch richtig, viele gute Sachen stellen sich so komplex dar, dass sie sich noch nicht einmal leichter verkaufen lassen. Ein Problem, dass gerade Fondsboutiquen haben, die neben Fondsmanagement-Skills auch Consulting-Skills haben, von denen Investoren profitieren könnten. Bestimmte Häuser können kompetent in den verschiedensten Fällen als Sparringpartner für den Institutionellen dienen. Im Unterschied zu klassischen Asset Management-Consultants besteht möglichweise – durchaus kontrovers diskutierbar – ein Vorteil: Neben der Theorie im Consulting haben diese Consulting Asset Managers sozusagen noch „skin in the game“.So schön dies alles klingen mag, viele der besagten Häuser mit diesen Fähigkeiten sind im Markt nicht bekannt. Manchmal kann es einfach nur daran liegen, dass die eigene Botschaft in die falschen Kanäle gelenkt wird

  • Derzeit beschäftigen sich viele institutionelle Investoren mit dem Thema Infrastruktur. Betrachten sollte man dabei die aktuelle Situation vielleicht weniger unter dem Aspekt von Kurzfristdenke und Prozyklik auf der Anbieterseite. Denn die Niedrigzinsphase wird die Industrie längerfristig begleiten, Know-how im Infrastruktur-Segement wird auf Seite der Investoren in intern und extern schrittweise ausgebaut. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit dem Rechtsanwalt Jochen Terpitz (Simmons & Simmons) über die Herausforderungen, der sich Anbieter und Investoren zu stellen haben. Hill: Schon seit einigen Jahren wird viel gesprochen darüber, dass Kapitalsammelstellen wie Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds oder Versorgungswerke ideale Investoren in Infrastruktur wären – warum ist es denn noch nicht Alltag, dass Versicherer die Energiewende finanzieren und Pensionseinrichtungen den Neubau von Straßen und Glasfasernetzen? Terpitz: In gewisser Weise findet diese Investitionstätigkeit ja durchaus statt, nur vielleicht nicht immer in dem Umfang und an den Stellen, die interessierte Kreise aus der Politik sich vorstellen oder die besonders öffentlichkeitswirksam sind. Investitionen in die deutschen Strom-Höchstspannungsnetze, in Offshore-Windparks wie London Array oder auch in Infrastruktur-Fonds mit Beteiligungen an ÖPP-Vorhaben zeigen, dass durchaus sehr unterschiedliche Projekte marktgängig sein können. Hill: Wo liegen die Schwierigkeiten? Terpitz: Infrastruktur-Investitionen sind für die Anleger häufig mit viel mehr Aufwand verbunden als die Geldanlage über die Kapitalmärkte. Neben der individuellen Projektprüfung gibt es auch viele kleine Fallstricke zu beachten. Regulierung gemäß der AIFM-Richtlinie, Eigenkapitalunterlegung nach Solvency II und dann noch die Regulierung des Zielprojekts selbst, sei es im Energiemarkt, im Transportwesen oder in der Telekommunikation. Und man muss ja auch sehen, dass es doch sehr unterschiedliche Anlagemöglichkeiten gibt und jeder Anleger die ins Auge gefasste Investition mit dem eigenen Risikozuschnitt und hauseigenen Anlageregeln in Übereinstimmung bringen muss. Die Lernprozesse kosten Zeit. Hill: Welche unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten gibt es denn und entwickeln sich hier Marktstandards? Terpitz: Eine allgemeingültige Klassifizierung ist schwierig. Da gibt es erst einmal die große Bandbreite der Zielprojekte von Autobahnen über Gefängnisse/Stadthallen, Telekommunikation und Stromnetze bis hin zu Eisenbahnwaggons, Hafenterminals und dann den gesamten Kraftwerksbereich mit seinen großen und kleinen, zentralen oder dezentralen Anlagen. Eine relevante Unterscheidung lässt sich sicher vornehmen zwischen der Investition in Infrastruktur-Unternehmen einerseits (z.B. Stromnetze und Wasserversorgung), die Personal vorhalten, regelmäßig reinvestieren und auch nach Jahrzehnten noch einen Wert haben, und andererseits der in einzelne Infrastruktur-Projekte, die sich über eine festgelegte Laufzeit amortisieren und am Ende Anlagezeit mit Null oder einem bestimmten Restwert zu bewerten sind.Eine andere, auch risikorelevante, Unterscheidung ergibt sich zwischen Eigenkapital-Investitionen und Fremdkapital-Anlagen, sei es in Anleihen oder direkt in Darlehen; allerdings gibt es, gerade bei mittelgroßen Investments, auch viele Anleger, die den gesamten Kapitalbedarf als Eigenkapital bereitstellen. Letztlich kann man den Markt noch unterscheiden zwischen den Projekten, in die einzelne Anleger individuell investieren, und den Fällen, in denen über zwischengeschaltete Fonds-Strukturen, die mehreren Investoren offen stehen, zusätzlich Kapital und Investitionsentscheidungen konzentriert werden. Hier werden spezialisierte Asset Manager tätig, die ihr Know-how auf diese Weise vielen Anlegern zur Verfügung stellen können. Hill: Entsteht denn hier ein zusätzliches Asset-Management-Segment? Oder wer kann das als Anleger selbst leisten? Terpitz: Nach unserer Erfahrung ist doch eine Betreuungsintensität für das Infrastruktur-Asset erforderlich, die Spezialisten-Know-how erfordert, das vermutlich nur die Größten der Branche innerhalb der eigenen Organisation aufbauen können; das ist um einiges aufwändiger als der Kauf von Anleihen. Vielfach sind auch laufendes Reporting und Informationstransparenz nicht gleich so, wie von den Anlegern erwartet; gelegentlich, wie man das jetzt bei Offshore-Wind-Projekten sehen kann, wird eine gewisse Personalstärke auch zur Investorenbetreuung innerhalb der Projektgesellschaften aufgebaut, häufig werden solche Leistungen aber von externen Asset Managern erbracht.Es kommt ja auch nicht nur auf die Nähe zum eigentlichen Infrastrukturprojekt an, sondern der Asset Manager muss in der Lage sein, die Entwicklung im Bereich Anlageverordnung oder Solvency II zu verfolgen und umzusetzen. Hinzu kommen Anforderungen aus der AIFM-Richtlinie bzw. KAGB an die Manager, die eine Eigenverwaltung des Projekts eher erschwert. Ein guter Asset Manager kann wohl auch dazu beitragen, das „gefühlte Anlagerisiko“ im Infrastruktur-Bereich dauerhaft zu reduzieren: je kompetenter die Anlageform erklärt und begleitet wird, desto geringer die Scheu davor, hier die Investitionen auszuweiten.Eine Ebene darüber muss dann bei jedem Anleger überprüft werden, in welche Quote die Investition einzuordnen ist und mit wie viel Eigenkapital zu unterlegen. Das ist ja individuell ganz unterschiedlich bei den verschiedenen Versicherern oder Pensionsfonds, und insofern gibt es auch kein für jeden „Solvency-II-optimiertes“ Anlageprodukt. Teilweise verlangt die Versicherungsaufsicht auch von jedem Anleger den Nachweis spezifischen Know-hows hinsichtlich Projektrisiken, zu dessen Aufbau der Asset Manager dann beiträgt. Hill: Stichwort Risiken – sind Infrastruktur-Investitionen denn nicht besonders sicher? Terpitz: Geldanlage in Kraftwerke, Straßen, Pipelines oder Eisenbahnen hat natürlich den Vorteil, dass diese Vermögenswerte nicht so einfach abhandenkommen und dass sie einen über lange Zeit stetigen Ertrag versprechen. Die gegenüber Staatsanleihen höhere Rendite, die aus diesen Anlageformen erwartet wird, ist aber durchaus mit einem anderen Risikoprofil als Bundesanleihen verbunden. Renditen können verspätet eintreffen, oder Nachinvestitionen könnten erforderlich werden. Häufig sind diese Infrastruktur-Investitionen sehr langfristig. Das ist einerseits vorteilhaft für Investoren, die ebenso langfristig Kapital anzulegen haben. Andererseits fallen, je länger der Anlagehorizont ist, auch Prognoseunsicherheiten mehr ins Gewicht. Solche Unsicherheiten können sich auf Bedarf an der Infrastruktur oder Nutzeraufkommen beziehen, aber auch auf Änderungen des politischen Umfelds. Hill: Welche Ansätze zur Risikobegrenzung gibt es hier? Terpitz: Es gibt verschiedene Ansätze, Projektunsicherheiten bei Infrastruktur-Investitionen zu begrenzen. Zum einen kann man versuchen, Risiken vertraglich anderen Projektbeteiligten zuzuordnen, man kann mit Stress-Szenarien rechnen und entsprechend finanzielle Puffer einbauen, oder, je nach Art der Investition, Überprüfungen und werterhaltende oder wertsteigernde Anpassungen während der Betriebszeit vorsehen. Auch die Aufteilung in Tranchen mit unterschiedlichem Risikoanteil ist ein Weg, wie Anleger sich entsprechend ihrer eigenen Risikoneigung an Infrastruktur beteiligen können.Echte Prognoseunsicherheiten sind als solche wohl schwierig auszuschließen. Die Extrapolation historischer Daten ist im Zweifel ungeeignet, wenn es um prognostiziertes Verkehrsaufkommen oder Energieverbrauch in den kommenden zwei Dekaden geht. Man denke nur an diverse europäische Regionalflughäfen oder an die unterschätzte Geschwindigkeit des Aufbaus von Erneuerbare-Energien-Kraftwerken in einigen europäischen Ländern, die dann zu unerwarteten Reaktionen der staatlichen Regulierung geführt hat. Hier hilft es nur, das Vorhandensein dieser Unsicherheiten in das Anlagemodell einzuberechnen und alternative Nutzungen oder Absatzmöglichkeiten zu finden.Staatliche Stellen sind auch nur in manchen Bereichen bereit, solche Unsicherheiten zu übernehmen, so dass es sehr auf

  • „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften“ (John Ruskin). Dienstleister wie Family Offices und Vermögensverwalter stellen Kunden ihren Service in Rechnung. In der Natur vieler Dienstleistungen liegt es, dass es im Bereich Messbarkeit noch Diskussionsbedarf besteht. Ein Phänomen, mit dem sich in der Gesellschaft auch öffentliche Dienstleister (Schulen, Sozialarbeit etc.) intensiv beschäftigen. Wenn man zum Beispiel den Ausgangspunkt Privatkundenbetreuung und Private Banking als Nukleus vieler Geschäftsmodelle im Bereichen Vermögensmanagement und Vermögenscontrolling betrachtet, scheint die „weiche“ Beziehungskomponente im Vergleich zur Performance – scheinbar harter Faktor – bei der Diskussion oft in den Hintergrund zu treten. Verkannt wird häufig, dass ein Großteil der tatsächlichen Portfolio Management-Leistung kaum oder mit großem Aufwand sichtbar gemacht wird – ein klassisches Problem des Feldes Private Banking, im Gegensatz zu regulären Publikumsfonds, die sehr häufig einen befriedigenden Grad an Transparenz aufweisen. Wenn Performance „Hygienefaktor“ ist – über welche Themen lohnt sich hier noch eine Diskussion? „Mogelpackung“ Family Office und Vermögensverwaltung? Ähnlich wie der Begriff Fondsboutiquen wird derzeit der Begriff Family Office in Medien und Fachkreisen diskutiert. Der eindeutige Sieger der Deutungshoheit ist noch nicht ausgemacht: Forschung und Lehre, Medien und Industrie selber befinden sich in einer Suchphase. Single Family Office und Multi Family Office: Abgrenzung, Definition etc. – der Prozess läuft. Vielleicht wird sich eine Deutung durchsetzen, vielleicht können auch verschieden Deutungen „koexistieren“. Die Mogelpackungs-Diskussion im Family Office-Bereich greift deshalb oft nicht, weil Begrifflichkeiten sich noch im Bildungsprozess befinden. Man kann den Vermögensverwalter als reinen Dienstleister fürs Vermögensmanagement betrachten, mit aktivem Einsatz beim Portfolio Management, unter Umständen mit eigenen Produkten („Fondsboutiquen“). Nimmt man die reine Fixierung auf die Vermögensbetreuung bei Familien und HNWIs beiseite, kann man in Teilen Ähnlichkeiten bei bestimmten Dienstleistungspaketen sehen. Vertreter der reinen „Lehre“ diskutieren hier intensiv – wo liegt die genau Abgrenzung zwischen „Edel-Vermögensverwalter“ und klassischem Family Office? An dieser Stelle soll einmal bewusst eine „unscharfe“ Sichtweise dargestellt werden, wissend um die Mängel des Diskussionsansatzes. Bewusst werden Dienstleister, die sich zumeist klar voneinander abgrenzen wollen, als in Teilen ihrer Dienstleistungspakete vergleichbar betrachtet – bei zum großen Teil unterschiedlicher Zielgruppenausrichtung. Für Kunden bzw. Prospects von Family Offices und Vermögensverwaltungen scheint Transparenz über die gebotene Dienstleistung als ein geeigneter Faktor (von vielen!) für die Auswahl des Dienstleisters:*Family Office und Vermögensverwalter – möchte ich schwerpunktmäßig Beratung und Controlling?*Family Office und Vermögensverwalter – ist mir die aktive Verwaltung meines Vermögens wichtig?*Family Office und Vermögensverwalter – wer bietet Services, die sich klar voneinander abgrenzen lassen? Beratung und Controlling Es ist eine klare Positionierung zu sagen, dass man selbst den Kunden ausschließlich berät, ihm Vorschläge macht und am Schluss des Prozesses der Kunde über Art und Umfang des Investments entscheidet. Wenn der Kunde fähig ist, diese Entscheidungsvorlagen fachlich nachzuvollziehen, hat er das als Dienstleistung erhalten, was passend für ihn ist. Klarheit in der Dienstleistungsdarstellung erscheint das oberste Gebot. Beispiele für Unklarheiten kann man zum Beispiel in Teilen des klassischen Asset Managements-Consultings finden: Wenn der Consultant „aktiv“ ein Multi Manager-Mandat betreut – worin liegt genau der „aktive“ Teil seiner Leistung? Im regelgebundenen, vorher schriftlich fixierten Rebalancing? Vor dem Hintergrund der zu Beginn angeführten Preisdiskussion erscheint dieser Punkt nachvollziehbar. Pricing für Beratung und Controlling unterscheidet sich in der Regel bewusst vom Pricing bei der aktiven Verwaltung von Vermögen. Interessant ist zum Beispiel, dass auch Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte und Unternehmensberater sehr genau die potenziellen Marktzutritts-Schranken im Family Office-Bereich beobachten und sich positionieren. Aktive Verwaltung des Vermögens Passives Management, „Smart Beta“, aktives Portfoliomanagement – alles Dienstleistungen die engagiert in der Fachwelt diskutiert werden. Wird aktives Management bei der Vermögensverwaltung bei meinem Dienstleister betrieben? Kann ich diese Aktivität quantitativ messen? Ist der Verwalter am Erfolg beteiligt? Darf er eigene Produkte einsetzen? Diese Sachverhalte werden bei Family Offices wie auch bei Vermögensverwaltern und natürlich auch auf Kundenseite intensiv diskutiert. Gibt es einen Konflikt zwischen Beratung und aktivem Portfolio-Management? Kernpunkte bei der Diskussion sind zum einen der Sachverhalt, dass der ideale Beziehungsmanager (Family Office oder Vermögensverwalter) nicht immer der optimale Portfolio Manager sein muss. Ist sich der Kunde, auch der Institutionelle (Beispiel: Stiftungen), sich dessen bewusst? Wie zu Beginn erwähnt – beide Anbieterkategorien haben ausgeprägte Stärken im Bereich Vertrauensbildung, Beziehungsmanagement, Langfristdenken: Kann es nicht sein, dass der Kunde in bestimmten Fällen aufgrund dieser „soften“ Faktoren bei bestimmten Gebieten beim „falschen“ Family Office oder Vermögensverwalter Kunde ist? In bestimmten Fällen ist dies wohl der Fall. Vergessen wird hier häufig, dass man sich im Dienstleistungsbereich befindet. Sollte „mittelgute“ Performanceleistungen dem Kunden ausreichend erscheinen (oder „mittelgute“ fachliche Skills, Know-how, Vernetzung von Dienstleister etc.), dann wird dieser Convenience-Faktor im Zweifelsfaktor als Added Value akzeptiert, die Suchkosten für die auch temporär wechselnden „idealen“ Portfolio Manager erscheinen unter Umständen zu hoch. Alles im Interesse des Kunden – wenn er sich dieses Sachverhaltes bewusst ist. Abgrenzbarkeit von Services Um auf den Begriff der „Mogelpackung“ zurück zu kommen: Wissenschaft und Fachwelt bemühen sich derzeit intensiv um Definitionskriterien für Single Family Offices und Multi Family Offices in Abgrenzung zu den Dienstleistern im Bereich unabhängige Vermögensverwalter. Der Bereich konzerngebundener „Family Offices“ bleibt hier bei der Diskussion bewusst außen vor. Natürlich ist das Family Office in seiner Funktion als zentraler Dienstleister für bestimmte Familien in der Breite der Aufgabenstellung nicht gleich zu setzen mit der reinen Funktion eines Vermögensverwalters. Die Existenz des Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) zeigt, dass Dienstleister ihre „Definitionsmacht“ bündeln können, vielleicht ergeben sich in Zukunft auch einmal ähnliche kommunikative Strukturen im Family Office-Bereich? Ausblick: Family Offices, Vermögensverwalter, Stiftungen und Kapitalanlagegesellschaften Unabhängigkeit, Kompetenz, Seriosität: Betrachtet man diese Bausteine als entscheidend für eine langfristig zufriedenstellende Geschäftsbeziehung, kann man auch den Bogen zur klassischen Asset Management-Industrie schlagen. Kapitalanlagegesellschaften wie Universal-Investment, Ampega, Hansainvest und viele andere Häuser müssen sich anhand dieser Kriterien als spezialisierte Dienstleister „messen“ lassen. Der Preiswettbewerb ist beispielsweise sehr intensiv im Bereich Fondsadministration. Wie im Bereich Family Offices und Vermögensverwalter treten bei der Entscheidung oft „softe“ Faktoren wie Know-how, Netzwerk und Beziehung in den Vordergrund. Nach dem Beauty Contest haben viele Häuser sich auf ähnliche Preisstrukturen hin

  • „Warum brauchen die so lange für Ihre Entscheidung?“, so oft das Lamento von unabhängigen Asset Managern, wenn nach Präsentation des eigenen Fonds scheinbar keine Entscheidung bei Family Offices und Stiftungen fällt. Viele der Gedanken über dieses Thema lassen sich auch auf das Entscheidungsverhalten bei anderen Investoren übertragen. Vergessen wird oft, dass es schon ein Anfangserfolg ist, sich als unabhängige Adresse präsentieren zu dürfen. Insbesondere, wenn zu Beginn das Volumen in den eigenen Produkten noch überschaubar erscheint. Eine erste Hürde ist genommen. Der Entscheidungsprozess, die Prüfphase eingeleitet. Was können Gründe dafür sein, warum Prüfprozesse sehr zeitintensiv ablaufen? Warum kann am Schluss ein Ja oder Nein stehen? Welche einfachen Erkenntnisse werden vielleicht häufig ignoriert? Zeithorizont bei Entscheidern Family Offices und Stiftungen sind die Sachwalter der Interessen Dritter. Eine große Verantwortung lastet auf den Fondsselektoren. Beide Kategorien von Selektoren wollen Kapital erhalten, Stiftung insbesondere einen regelmäßigen Zahlungstrom zur Förderung des Stiftungszwecks erwirtschaften. Hektik beim Entscheidungsprozess erscheint kontraproduktiv. Viele Produktanbieter scheinen diese gelassene Haltung auf der Selektorenseite häufig nicht zu verstehen. Zusätzlich vergessen Sie, dass auch Selektoren einem Karriererisiko unterliegen können. Wird der Entschluss gefasst, sich auch einmal für einen weniger bekannten oder volumenträchtigen Fondsanbieter zu entscheiden, dann wird sozusagen eine Risikoposition eingegangen – man hätte sich ja auch für DWS, Union Investment oder Templeton entscheiden können, als Beispiel. Suboptimale Performanceergebnisse bei bekannteren Adressen lassen sich zum Beispiel bei internen Ausschusssitzungen besser rechtfertigen – mit der Masse schief zu liegen, tut weniger weh. Jeder unabhängige, unbekanntere Asset Manager sollte sich vielleicht einmal fragen: Warum soll der Fondsselektor für mich den Kopf hinhalten? Performance und der Faktor Zeit Spricht man mit bestimmten Fondsmanagern erstaunt immer, durch welchen Filter die eigenen Leistungen betrachtet werden können. Vieles, bei dem der Fondsmanager grenzenlos überzeugt erscheint vom eigenen Können, lässt sich unter Umständen einfach nur auf einen Mangel an Marktkenntnis zurückführen. Dies ist zumindest die Meinung von verschiedenen Selektoren. Wie viele der Asset Manager betreiben eine intensive Konkurrenzbeobachtung? Vielleicht wäre dies etwas für die Forschung im Asset Management-Bereich. Anders lässt es sich manchmal kaum erklären, wie Manager, als Beispiel, mit einem Glücksjahr und zwei schwachen Jahren mit großer Überzeugung dem Investoren versuchen darzulegen, dass Sie unberechtigterweise nicht in der Spitzengruppe mit erwähnt werden. Übersehen wird zuweilen auch, dass bestimmte Selektoren die vergangene Performance mit großer Vorsicht bewerten. Lernkurven und „Jugend forscht“ Investmentprozesse sollen stringent erscheinen. Sie sollen berechenbar sein, Verhalten in gewissen Marktsituationen voraussehbar machen. Auch deshalb, weil der Entscheider bei Family Office oder Stiftung selber häufig sich mit dem Thema Porfoliokonstruktion auseinandersetzen muss, Diversifikation betreibt und Korrelationen zu beachten hat. Unberechenbare Ausreißer – im Extremfall jeden Monat Wechsel des Investmentstils (wäre auch ein Fondskonzept) – sind zu vermeiden. Umso interessanter folgendes, nicht nur bei unabhängigen Adressen oft wieder zu findendes Phänomen: Fonds wurde ausgewählt, Fonds hat anhaltend schlecht performt. Folgende stolze Erkenntnis des Portfoliomanagers: „Ab morgen wird alles anders. Wir haben dazu gelernt!“. Menschlich gesehen verständlich und achtenswert – im Portfolio Management aber durchaus ein Sachverhalt, der kontrovers diskutiert werden kann: Ist die Aufgabe von Family Offices und Stiftungen, Testfeld für unausgereifte Fondskonzepte zu sein? Wie viele „Weisheitszyklen“ dieser Art kann der Selektor gegenüber seinem Kunden verkaufen? Schliesslich wird auch der Selektor am Ende des Tages von seinem Kunden beurteilt. Dieses Phänomen soll zusätzlich verdeutlichen, warum die scheinbare Risikoaversität und der scheinbar langsame Entscheidungsprozess bei bestimmten Investoren durchaus in Teilen begründet sein können. Merke: Ein gebranntes Kind scheut Feuer! Bekanntheit und Performance Spitzenperformance (risikoadjustiert) hilft, verkauft sich aber nicht von allein. Und sie ist auch nur ein Teil des Due Diligence-Prozess. Quantitative Faktoren verschaffen oft ein, vielleicht trügerisches, Gefühl von Sicherheit. Qualitative Faktoren wie Managerpersönlichkeit etc. besitzen gerade im Fondsboutiquen-Bereich eine große Bedeutung. Wenn die kollektive Überzeugung herrscht, dass aktives Management einen Mehrwert bringt, dann müssen Evaluierungsprozesse vorhanden sein, die über das reine Verwalten von Datenbanken hinausgehen. Die Tatsache, dass es noch viele Entscheider auf Investorenseite gibt, zeigt den Bedarf an qualitativer Expertise. Und dieser Faktor kann unabhängigen Managern helfen, langsam auf das Radar von diesen Entscheidern zu kommen. Ein unabhängiges, nicht produktorientiertes White Paper über ein investorenrelevantes Thema kann oft einen größeren Aufmerksamkeit erzeugen als das fortwährende „Bombardement“ mit Fact Sheets und Follow-up-Anrufen. So zumindest die Erfahrung von einigen erfolgreichen Fondsboutiquen – solide Ergebnisse, die mit langem Atem kommuniziert werden. Und mit Ergebnissen ist keineswegs nur die monatliche Performance gemeint. Know-how – Kapitalanlagegesellschaften machen es vor Hygienefaktor für den Erfolg bei Institutionellen sind solide bis überragende Performanceergebnisse, zumindest als Türöffner. Spezialisierte Kapitalanlagegesellschaften machen es vor – Universal-Investment, Hauck & Aufhäuser, Axxion und Hansainvest – Kommunikation zählt. Gerade bei komplexen Dienstleistungen mit hartem Preiskampf muss ich mit den Themen Know-how, Dienstleistungsorientierung und Netzwerk punkten. Umfragen, Pressarbeit, in Einzelfällen auch Sponsoring oder Vertriebsunterstützung – Differenzierung und Kommunikationsanlass zählt. Einfach um in Kundenkontakt zu kommen oder zu bleiben. Viele der Fondsboutiquen könnten etwas lernen, wenn Sie sich die Strategien dieser „großen Häuser“ ansehen. Beispielsweise auch davon, wie diese Kapitalanlagegesellschaften ihre unabhängigen Vermögensverwalter vermarkten. Am Schluss läuft es darauf hinaus: Über Themen im Dialog mit dem Kunden bleiben! Ausblick Vielen unabhängigen Asset Managern ist vielleicht der Entscheidungsprozess bei treuhänderisch-orientierten Selektoren wie Family Offices und Stiftungen zu langwierig. Zu fragen ist, ob man vielleicht an den falschen Türen klopft oder mit Produkten vorstößt, die nicht direkt im Fokus dieser Selektoren liegen. Solange Produktanbieter sich in erster Linie als Produktanbieter betrachten und wenig Bedarf verspüren, im intensiven Dialog mit den Investoren Produkte zu entwickeln, läuft das Rad des Vertriebs wie so oft „schlecht geölt“ den üblichen Weg. Sollten sich neue Konstellationen am Markt ergeben, Investor spricht mit Investor über neue Produktlösungen und man kreiert die maßgeschneiderte Lösung im eigenen Netzwerk, dann würde vielleicht ein neues Kapitel im Bereich Produktentwicklung im klassischen Fondsbereich aufgeschlagen. Warum soll etwas, was in komplexen Feldern wie Infrastrukturinvestments, Real Assets etc. im Rahmen von Club Deals anzutreffen ist, nicht einen positiven Eingang in die klassische Fondsindustrie finden? Investoren mit langem Atem, die zugleich Produktinnovation, vielleicht grenzübergreifend, vorantreiben – eine Innovatorengruppe mit dem „Arbeitsmotto“: In der Ruhe liegt die Kraft! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „In der Ruhe liegt die Kraft“ versus die Strategie „Wir schieben es auf die lange Bank“ – in diesem Spannungsfeld bewegen sich oft Fondsprojekte. Viele Fondsinitiatoren unterschätzen häufig den Faktor Zeit bei den Projektstufen Konzeption, Strukturierung, Seed Money-Suche und Vertrieb. Was sind typische Phasen des Fondsprojekts? Worin liegen die oft nicht erkannten Kosten von eingefahrenen Verhaltensweisen? Fondsprojekte und der Faktor Zeit Der Faktor Zeit bei Fondsprojekten erscheint oft weniger im Fokus als die Konzentration auf technische bzw. administrative Fragen. Vergessen wird häufig, dass Extra-Ressourcen in allen Phasen des potenziellen Projektes (Auflage von Fonds und andere Produkthüllen) erforderlich sind. Viele Projekte ziehen sich häufig „wie ein Kaugummi“ über eine lange Zeit hinweg. Die Begründung findet man zum einen in mangelnder Ressourcenzuweisung – Personal, Know-how, Budget, Zeit etc. Zum anderen nimmt vielleicht das Tagesgeschäft den Fondsinitiator so in Beschlag, dass das eigene Projekt nur im Stop-and-go-Modus vorankommt. Eine Ausnahme stellen die Projekte dar, wo zu Beginn nicht klar ist, ob zum Beispiel ein Fonds oder eine Lösung im Bereich Direktinvestments (Beispiele Real Assets, Infrastruktur etc.) liegen kann. Die Suchphase nach einer optimalen Lösung gestaltet sich hier in einer anderen Form oft einfach zeitintensiver: Mehr Experten, Provider und Investoren müssen angesprochen werden, bis sich die Lösung abzeichnet: *Was gibt es bereits auf dem Markt?*Worin besteht die Stärke des eigenen Konzepts – durch Investoren- und Experten-Augen betrachtet?*Welche Lücke im Produkt- bzw. Projektuniversum kann man füllen?*Gibt es regulatorische Fallstricke beim „Verpackungsthema“?*Bei welchem Investor renne ich offene Türen mit meiner Expertise ein?*Wie sieht ein realistischer Zeitrahmen für das Fondsprojekt aus? Phasen bei Fondsprojekten und Zeiteinsatz Grob kann man bei einem Fondsprojekt vielleicht folgende Phasen unterscheiden, die oft ineinander übergehen: a) Idee / Konzeptb) Strukturierungc) Seed Money-Suched) Vertrieb / Fondsmanagement Vorab kann man sagen, dass Experten aus dem Portfolio Management bzw. sehr „stabsnah-denkende“ Mitarbeiter (Produktmanagement, Marketing etc.) bei Fondsinitiatoren in vielen Fällen sich naturgemäß stark mit den Phasen a) und b) beschäftigen. Der strategische Engpassfaktor Kapitalzusage für das Projekt „Ja“, „Nein“, „Vielleicht“ oder auch „Vielleicht später“ als Investorenfeedback kann hier unter Umständen zu wenig Beachtung finden. Zeitmanagement – Idee, Strukturierung und Seed Money Auffällig ist, dass viele Fondsprojekte intern lange Zeit konzeptionell „gekocht“ werden. Was bedeutet das im Extrem? Es wurde viel Zeit in die Entwicklung des „perfekten“ Konzepts gelegt. Viel Energie – Vorgespräche, Marktbeobachtung, Providerselektion „Administration“ – wird fokussiert in eine von mehreren Projektstufen gelegt. Eine systematische Ansprache von potentiellen Zielinvestoren erfolgt zwar in bestimmten Fällen, aber Anzahl und Qualität der Prospect-Auswahl bieten oft Optimierungspotentiale. Schnell hat man ein Jahr verloren und hat außer drei weichen, unverbindlichen Seed Money-Zusagen nichts weiter in der Hand. Die Erfahrung zeigt: „Wenn es hart auf hart kommt – nichts schmilzt so schnell dahin wie eine Seed Money-Zusage“ (Expertenzitat). Das Problem ist im Markt bekannt, trotzdem befinden sich viele Fondsinitiatoren, die sich in der Regel nicht in der Rolle von „Kommunikation“ und „Vertrieb“ sehen, häufig in der Schwebelage: Viel Trockenübung, viel Zeiteinsatz und am Schluss ein langer, mühsamer Weg auf der Suche nach Investoren. Natürlich gibt es auch andere Wege der Vorgehensweise, die sich langsam im Markt durchsetzen könnten: Straffung des Ideen- und Strukturierungsprozesses in Kombination mit einem zeitnahen einholen von Investorenfeedbacks – vergessen wird hier häufig: Diejenigen Investoren, die frühzeitig in den Produktmanagementprozess mit einbezogen werden, sind unter Umständen auch potentielle Zielinvestoren bei überzeugenden Konzepten. Opportunitätskosten selbstgewählter Passivität – Vertrieb und Fondsmanagement Seed Money-Suche ist eine Phase – wer gibt den Startschuss, damit man von der Trockenübung „Konzeption“ in die praktische Fondsmanagementebene gelangt? Bei inhaltlich tragendenden Konzepten – sprich: die Qualität des Fondsmanagers oder Fondsadvisors überzeugt – wird der Faktor Vertrieb ab und an etwas stiefmütterlich behandelt. Es ist leider nicht so, dass jede gute oder exzellente Leistung von selbst überzeugt. Hier liegt das Nadelöhr häufig in der Denke: Mund zu Mund-Propaganda reicht ja, warum Zeit, Geld, Personal für Vertrieb bezahlen. Kurz gesagt: Nicht-Visibilität im Markt führt nur zur Zuführung von potenziellen Kunden, die halt zufällig auf den Fondsmanager stoßen oder gestoßen werden. Vergessen werden die hoch anzusetzenden Opportunitätskosten dieser Passivität, beispielhaft ausgedrückt: Wenn ich innerhalb von zwei Monaten gezielt 100 Investoren mit dem überzeugendem Konzept aktiv anspreche, kann dies ertragreicher (im Sinne von Mittelzufluss oder Bekanntheitsgrad für neue Fondsprojekte) sein, als das aktionslose Warten von zufällig eintreffenden Investorenanfragen! Triviale Lösungen in diesem Bereich liegen nahe, werden aber häufig aufgrund unterschiedlicher Prioriäten im Unternehmen oft nur mit angezogener Handbremse aktiviert: Aufbau und Ausbau von internen oder möglicherweise externen Vertriebsaktivitäten. Das durch Geld Zeit gekauft werden kann, scheint vielen Initiatoren oft unklar. Manch empfehlenswertes Fondskonzept würde von Investoren allokiert werden, wenn es nur einmal ins Gespräch gebracht werden würde. Zu viele der Mitbewerber trommeln im Markt – durchaus diskussionswürdig – mit Erfolg. Seriöser Auftritt, Kommunikationsfrequenz und natürlich exzellente Performance in Kombination ist das gängige Erfolgskonzept. Exkurs: Fondsinitiator – Porfoliomanager oder Unternehmer? Eine Frage, die man stellen könnte bei einem neuen Fondsprojekt: Wäre es nicht von Vorteil, wenn der Fondsinitiator sich nicht eher als Vetriebler und Unternehmer verstehen sollte, weniger als reiner Portfoliomanager? Nicht in der praktischen Funktion – kann alles intern und extern aufgebaut bzw. eingekauft werden – sondern bei der gedanklichen Herangehensweise würden sich vielleicht gedanklich andere Pfade beim Projektmanagement ergeben, die man gehen könnte. Mehr Momentum, mehr Fokussierung bei erfolgsträchtigen Ansätzen und auch im extremen Fall den Mut, ein liebgewordenes Projekt zeitnah „einzustampfen“, wenn nach einer gewissen Zeit erkannt wird, dass sich ein Projekt nicht oder vielleicht erst sehr viel später umsetzen lässt. Kapitalanlagegesellschaften als „Mentoren“ für Zeitmanagement „In der Ruhe liegt die Kraft“ – Kapitalanlagegesellschaften wie Universal-Investment, Hansainvest, Ampega etc. konzentrieren sich auf unabhängige Fondsinitiatoren. Natürlich können potenzielle Fondsinitatoren in der ersten Projektphase sich mit dem Thema Konditionen beschäftigen – harte Fakten, leichter zu bearbeiten, zu kategorisieren. Viel wichtiger kann es jedoch sein, in der ersten Phase des Fondsprojekts Anhaltspunkte über die Erfolgsträchtigkeit des eigenen Projektes zu gewinnen. Die oben genannten Gesellschaften, wie auch viele andere Adressen im Markt, sind Know-how-Center, die ein Baustein im Feedback-Prozess sein können – dort laufen viele Projekte auf, die Konditionenthematik sollte nicht den Blick verstellen: Die preisgünstigste Fondsadministration ohne Investoren für

  • „Geld gleicht dem Dünger, der wertlos ist, wenn man ihn nicht ausbreitet.“ (Francis Bacon). Stiftungen befinden sich derzeit in der interessanten Lage, im Niedrigzinsumfeld nach alternativen Anlagemöglichkeiten zu suchen. Dies schließt mit ein, nach alternativen Möglichkeiten zur Beratung bzw. Verwaltung ihrer Gelder Ausschau zu halten: Die Suche nach externem Know-how, Expertise, Netzwerk und ggfs. auch die Suche nach der Optimierung von Performancepotential. Gibt es Alternativen bzw. Ergänzungsmöglichkeiten zur gängigen Beratung von Stiftungen durch Hausbanken bzw. Banken? Welche „weichen Faktoren“ spielen beim Entscheidungsprozess eine Rolle? Beratung und Performance Viele Stiftungen werden von sogenannten Hausbanken beraten. Aufgrund der Historie, zum Beispiel Kontoverbindung und womöglich Beratung in der Gründungsphase der Stiftung, ist dieser Sachverhalt nachvollziehbar. Verschiedene Stiftungen stellen ab und an die Frage, ob in jedem Fall eine neutrale Beratung erfolgt oder ob nicht unter Umständen die Gefahr bestehen könnte, dass womöglich eine Fokussierung auf hauseigene Produkte erfolgt. Unabhängig von der endgültigen Beantwortung dieser Frage wird die weitere Dimension dieser Frage übersehen: Jeder Privatanleger und Institutionelle hat – konzerngebunden oder nicht-konzerngebunden – das Problem, dass die Portfoliomanagementgüte sich erst am 1.1. des Folgejahres genau analysieren lässt. Vielleicht führt diese Erkenntnis dazu, dass man sich mental etwas aus der Jagd nach dem „perfekten“ Portfoliomanager herausnehmen kann und eher beim Ausbau des Risikomanagements noch Optimierungspotentiale ausschöpft. Eine simple Erkenntnis aus diesem Prozess ist: Neben der Diversifikation im Bereich von Produkten, Assetklassen, Investmenstilen etc. kann auch eine Diversifikation im Beratungsbereich sinnvoll sein. Family Offices Viele Family Offices beraten erfolgreich Stiftungen. Der Vorteil ist, dass bei diesen häufig ein exzellentes Netzwerk hinsichtlich Know-how und Portfolio Management-Expertise zu finden ist. Der Nachteil ist, dass diese Adressen die Öffentlichkeit scheuen. Vielleicht auch aus dem Gedanken heraus, dass der bestehende Kundenstamm sichert, dass man nicht jedem Geschäft hinterher rennen muss. Verschiedene Häuser verfügen über einen guten Track Record, sei es in der Auswahl und Management von Einzelanlagen oder beim Management von eigenen, stiftungsgeeigneten Investmentfonds. Der Vorteil – entsprechende Stiftungsaffinität des Family Offices vorausgesetzt – kann unter anderem darin bestehen, dass die Hausphilosophie in der Regel ohnehin in Richtung Kapitalerhalt + x geht. Kapitalerhalt alleine reicht nicht, Ausschüttungen müssen erwirtschaftet werden – unter Berücksichtigung der Inflationsrate. Die Denke ist entscheidend: Kapital ist vorhanden, aus dem man noch lange Zeit Ertrag ziehen möchte, der Stiftungszweck soll mit Ruhe weiterverfolgt werden. Vermögensverwalter – unabhängige Asset Manager („Fondsboutiquen“) Hier empfiehlt es sich genau hinzusehen. Typische Fragen von geeigneten Kandidaten zur Zusammenarbeit sind: *Berät der unabhängige Vermögensverwalter lediglich Privatkunden?*Wie vermögend sind die Privatkunden im Durchschnitt?*Vertreibt der Vermögensverwalter vorrangig eigene Produkte?*Worin besteht Qualifikation und „Affinität“ zum Bereich Stiftungen? Die ersten drei Fragen lassen sich in der Regel schnell klären. Schwieriger erscheint oft die Arbeit mit weichen Faktoren wie zum Beispiel „Stiftungungsaffinität“, Stiftungs-Know-how und Stiftungs-Netzwerk. Versteht der Vermögensverwalter über seine fachliche „Asset Management-Brille“ hinaus Gedankenwelt, Anliegen, Sorgen und Nöte des Entscheiders auf der Stiftungsseite? Fühlt er sich dort, neben „angemessener“ Portfolio Management-Leistung, gut aufgehoben? Das Abtasten und Prüfen von den genannten mehr weichen Faktoren nimmt häufig Zeit in Anspruch. Herrscht Anlagedruck, dann erscheint der Zeitfaktor entscheidend: Schnelles Identifizieren von einem neuen, unabhängigen Berater, Kennenlernen, „Miteinander Warmwerden“ (Vertrauensaufbau), Praxisprüfung der Zusammenarbeit, Kontrolle der Ergebnisse – abschließendes Urteil: Mehrwert? Alternative zur Hausbank oder Ergänzung der Beratung der Stiftung durch den Vermögensverwalter? Sei es durch Ergänzung der Besetzung von fachlichen Gremien, Beiräten, sei es durch die Mandatierung bei Direktanlagemandaten und Fonds. Die Beschreibung dieses Prozesses beinhaltet auch die Erkenntnis, dass zu Beginn eine Entscheidung unter Unsicherheit vorliegt. Fairerweise kann man an dieser Stelle sagen, dass auch Vermögensverwalter von Stiftungen nach gründlicher Prüfung ausgewechselt bzw. durch „Zusatzkandidaten“ ergänzt werden können. KAGen als Pool zur Identifikation von Fachexpertise Viele der auf unabhängige Vermögensverwalter spezialisierten KAGen wie Universal-Investment, Ampega, Hansainvest und viele andere Häuser können erste Anhaltspunkte für Know-how bei Stiftungsfonds – bzw. bei Fonds die Stiftungseignung aufweisen (Mischfonds, Vermögensverwaltende Ansätze) – liefern. Auch beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e. V. (VuV) erhält man weiterführende Hinweise zum Gebiet der Vermögensverwalter und Stiftungen. Diese Vorrecherche hilft oft als einer von vielen Vorfiltern, um in den direkten Dialog mit den potenziell passenden Kandidaten zu gelangen. Idealerweise könnte es ja sein, dass der Manager (Fondsadvisor) mit einem guten Mittelaufkommen – ob im Fonds oder bei Direktmandaten – auch noch so gut vernetzt ist, dass der bei Stiftungen vielleicht sogar noch mittelbar oder unmittelbar beim Frundraising für einen guten Zweck zur Seite stehen könnte. Exkurs: Fundraising und Niedrigzinsphase Stiftungen leiden derzeit unter dem Niedrigzinsumfeld. In der Asset Management-Industrie gibt es nicht so häufig Neuigkeiten: Vor Jahren klagte man über Neuer Markt, Finanzkrise oder zu niedrige Aktienerträge. Allesamt für sich ein Umfeld, auf das man schwer über den mittelbaren Weg Portfoliomanagement Einfluss nehmen kann – der Blick in die Glaskugel erscheint schwer. In den Bereichen Marketing, Public Relations und Vertrieb (hier auch Fundraising) besteht unter Umständen der subjektive Eindruck, dass man durch den Einsatz zusätzlicher Intelligenz bei der Ansprache, sowie durch die Erhöhung der „Schlagzahl“ (Aktivität), direkt Mittel zusätzlich einwerben kann. Aus der Fondsindustrie gibt es viel Expertise die man nutzen könnte. Ob für einen Publikumsfonds Mittel eingeworben werden oder für einen guten Zweck Sponsoren überzeugt werden sollen – viel bei der Vorgehensweise ähnelt einander. Wenn sich diese Welten mehr annähern würden, könnten vielleicht noch Lösungen (im Sinne von „Mittelzuflüssen“ bei Stiftungen) entstehen, an die man derzeit noch nicht denkt. Synergien zwischen den Bereichen Fondsindustrie, Family Offices und Vermögensverwaltern bestehen durchaus. Vielleicht hat man als Externer einfach einen anderen Blick hierauf und hat andere Erfahrungen gemacht. Ausblick: Triviale Lösungen – Teufel steckt oft im Detail „Fiduciary Management“, „Asset Management Consulting“ oder „Trusted Advisory“ – wie auch immer man diese Beratungsleistungen nennt: Am Schluss geht es um Faktoren wie Unabhängigkeit, Know-how, Netzwerk, Performance und Vertrauenswürdigkeit. Eine weitere, oft unterschätzte Komponente besteht darin, dass der Stiftungsentscheider einen zentralen Ansprechpartner in seinen Belangen sucht, oft einen einfachen „Problemlöser“ und Kommunikator. Warum bedarf dies häufig besonderer Erwähnung? Weil es eine große Anzahl von Datenbanken, Internetseiten, Publikationen, Veranstaltungen etc. gibt, die in Kombination sehr wertvoll sein können für denjenigen, dessen Schwerpunkt in der Beschäftigung mit diesen Quellen liegt, zuzüglich Fachgespräche mit Berufskollegen.

  • „Eine Kette bricht immer am schwächsten Glied“ – viele Vorhaben in der Investmentindustrie lassen sich mit dieser einfachen Aussage charakterisieren. Sobald Projekte geplant werden, spielen Faktoren wie Personal, Netzwerke und Kapital eine Rolle, bei der am Schluss die Diskussion um Engpässe beginnt. Ob bei Club Deals im Family Office-Bereich oder bei der Fondsauflage, bei der über Family Offices hinaus noch viele andere Initiatorengruppen aktiv sind – die Diskussion bleibt oft ähnlich: Bewege ich mich in traditionellen „Pfaden“ oder suche ich nach Optimierungsmöglichkeiten beim Vorantreiben der Projekte? Neue Fachleute? Neue Ideen? Neue Investoren? Fragen, die zum Teil oft intensiv diskutiert werden bei den handelnden Akteuren. Gibt es eine optimale Vorgehensweise in diesem Bereich? Club Deals, Netzwerk und KostenViele Family Offices und HNWIs nutzen die Möglichkeit, aus ihrem eng definierten Netzwerk heraus Direktinvestments zu tätigen. Betrachtet man die Organisation eines solchen Vorhabens als ein Projekt, so findet man viele erfolgreiche Investmentprojekte dieser Art im Markt. Der Vorteil ist, dass sich zum Beispiel die handelnden Akteure kennen und Vertrauen zueinander haben. Zu unterschätzen ist nicht, dass man bei dieser Vorgehensweise auch im Bereich der Kostenstruktur attraktive Konstruktionen wählen kann. Die Private Equity-Branche muss sich hier dem Wettbewerb stellen. Ein Wermutstropfen bei den angesprochenen Club Deals von qualitativ und fachlich gesehen hochwertigen Investoren kann sein, dass oft viel Optimierungspotential verschenkt wird. Bestehende Deal-Teams entstehen oft aus gewachsenen Verbindungen, die für sich allein gesehen nicht zu kritisieren sind. Zu bedauern ist es, dass man häufig viele gute Investoren trifft oder sich fachlich sehr befruchtend mit diesen austauschen kann, diese aber leider nichts von den anderen Investoren erfahren haben, obwohl hier in vielen Fällen ein gutes Master-Team entstehen könnte. Lösungen in diesem Bereich für die Branche zeichnen sich zum Teil ab, glücklicherweise. In bestimmten Fällen haben bestimmte Arten von neutralen Multiplikatoren im Markt diese Funktion übernommen. Fondsauflage und FondsinitiatorenVerschiedentlich findet man Fondsinitiatoren, die sozusagen den eigenen Fonds als Projekt planen. Ganz bewusst spricht der Autor an dieser Stelle nicht von den vielen erfolgreichen Fondsprojekten in der Branche, da diese wohl scheinbar aus eigener Kraft bzw. aufgrund optimal aktiviertem „Netzwerk“ und vielleicht Kapitalausstattung, siehe oben angeführte Investorengruppe, erfolgreich waren. Ein großer Teil dieser potenziellen „Fondsmanager“ mit nicht-optimaler Anfangsausstattung für ein optimales Fondsauflageprojekt laufen zunächst Häuser wie Universal Investment, Ampega oder Hauck & Aufhäuser etc. an, um erste Informationen über den Bereich Private Label Fonds einzuholen. Eine Großzahl des Projekts scheitert hier schon „glücklicherweise“, wenn die Kapitalanlagegesellschaften eine gute Aufklärung des Kunden betreiben. Im Vorfeld des Vorhabens wird oft schnell genug klar, dass Qualität des Management und des gegebenen Personals mit hoher Wahrscheinlichkeit im Wettbewerb der Fondswelt nicht bestehen können. Zumeist stehen diese beiden Engpässe oft noch im Zusammenhang mit einem Mangel an Budget, um das eigene Fondsprojekt über längere Zeit zu begleiten. Glücklich ist der Fondsinitiator, der früh genug die Notbremse ziehen konnte. Bedauernswerter erscheinen die Kandidaten, die sehr viel Aufwand bei der Auswahl der angeblich „optimalen“ Kapitalanlagegesellschaft einsetzen und während dessen Monat um Monat (bis hin zu Jahren) kaum oder keine Gespräch mit echten potentiellen Investoren führen. Diese Art von Projekten gibt es in großer Anzahl im Markt. Diese erinnern oft an das Bild des scheinbar genialen Malers, der sich lange Zeit um öffentliche Ausstellungen „drückt“. Gerade dieses Praxis-Feedback wäre zu Beginn des Fondsprojekts sehr wertvoll, weil grundlegende Fehler in diesem Prozess vielleicht noch korrigiert werden könnten. Der technisch perfekt konzipierte Fonds beginnt ohne Investoreninteresse im Sinne von Seed Money keine sehr vielversprechende Investmentgeschichte! Ausblick – perfekte Lösung nicht in SichtLaut der Studie eines englischen Beratungshauses würde angeblich in „reichen Familien“ unzureichend kommuniziert. Einmal von einfachen Streitfällen abgesehen, kann dieser Mangel von Kommunikationskultur auch in der Investmentbranche in Teilen zu finden sein. Ein Grund kann sein, dass man „über-den-Tellerrand-sehen§ wenig schätzt, oft nicht mit schlechter Absicht, vielleicht eher unbewusst, da Alternativen kaum bekannt sind oder Zeit und andere Ressourcen fehlen. Natürlich kann es auch sein, dass aufgrund von Mangel an Budget auch externes Know-how nicht gefragt ist – Rechtsberatung, Consulting etc. Wobei hier anzumerken ist, dass externes Know-how oft nicht zwingend notwendig ist, mit etwas Kreativität können auch eigene Netzwerk- und Know-how-Quellen erschlossen werden können. Club Deals, Fondsauflagen und andere Formen von „Projektarbeit“ können als Gegenstand die verschiedensten Verpackungen haben – geschlossene oder offene Fondsvarianten, Direktinvestments etc.: Optimierungspotentiale werden vielleicht im Bereich Kommunikation, Netzwerk und Know-how noch nicht völlig ausgeschöpft. Zukunftsweisend erscheint die Fragestellung, wie die Branche das Vertrauensproblem löst – wenn zum großen Teil Produktanbieter nicht als adäquate Ansprechpartner zum fachlichen Gedankenaustausch bei Investoren und Fondsinitiatoren akzeptiert werden – wie finden fachlich interessierte Marktteilnehmer Formate der Kommunikation, bei denen Vertriebsdenke im Hintergrund steht? Die verschiedensten Parteien im Markt scheinen gefragt zu sein: Presse, Produktanbieter, Investoren, neutrale Multiplikatoren im Markt. Wer kann Format liefern, die über „schnöden“ Produktvertrieb hinausgehen und Leute zusammenbringen, die sich eigentlich kennenlernen sollten, um die Gesamtbranche voran zu bringen? Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Caduff: Herr Hill, was bieten Sie für Dienstleistungen an? Hill: «Investmentkonzept-Check» bei geplanten Fondsauflagen, Manager-Selektion, Identifikation von potentiellen Investoren bzw. Seed Money-Gebern, Vorstellung von Produkten und Dienstleistungen bei Entscheidern – unter der Massgabe, die eigene Unabhängigkeit zu wahren und durch fachlichen Gedankenaustausch auch beim Gegenüber ein Interesse an einem langfristigen In-Kontakt-bleiben zu wecken. Kurzum: Tätigkeiten, wo neben der rein konzeptionellen Arbeit auch Unterstützung bei den ersten praktischen Schritten gefragt ist – wo Konzeption, Kommunikation und Umsetzung ineinandergreifen. Ich schreibe oft über die Themen, zu denen ich in der Vergangenheit oder gegenwärtig einen praktischen Bezug hatte oder habe. Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in den Feldern Marketing, Vertrieb und PR vermittele (nicht immer pekuniär motiviert) ich gerne Kontakte bei Dingen und Personen, wenn ich ein gutes «Matching» erkenne.Beispiel: Viele Investoren nehmen selber oft gerne an Panels oder Vorträgen teil oder schreiben selber Fachartikel – oft gebe ich da gerne eine Empfehlung bei Veranstaltern oder Journalisten. Umgekehrt gesehen sind auch viele Leute auf diese Weise mir gegenüber sehr hilfsbereit gewesen. Natürlich ergeben sich hier manchmal Konstellationen, bei denen hieraus auch Projekte entstehen können. Es gibt natürlich Grenzen bei diesem «Charity-Ansatz» – wenn jemand bereit ist, grosse Beträge für Events, PR- oder Direct-Mailing-Aktionen ohne Nachfass-Aktivitäten zu investieren, dann kann eine gemeinsame geschäftliche Schnittmenge entstehen, weil man die Effizienz der Vorgehensweise vielleicht steigern könnte. Eine interessante Erfahrung, die ich bei nicht so «alltäglichen» Projektdesigns gemacht habe: Viele Auftraggeber schätzen bei bestimmten Arten von Projekten strikte Vertraulichkeit (z.B. im Family Office-Bereich). Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant Caduff: Wie sehen typische Arbeitsschritte aus? Wie betrachten Sie die Rolle von Content und Interesse an Investorenthemen bei der Kontaktanbahnung und für fachlichen Gedankenaustausch? Hill: Seien es Themen, Dienstleistungen und Produkte – viele Markteilnehmer wollen von der Entscheiderseite (Investoren etc.) kurz und schnell wissen: Content interessant für Entscheider – Interesse gegeben: «Ja», «Nein», «Vielleicht» – um weitere Schritte bei der Marktbearbeitung einleiten zu können. Auch beim Business Developement kann man eine Zeitlang operative Unterstützung leisten. Ohne in die Sales-Schublade gesteckt zu werden beim Gegenüber. Bei eindeutigem Desinteresse («Nein») kann man mit dem Gegenüber über «10 andere Themen» sprechen und nachfragen, was wirklich interessiert oder was gesucht wird. Wenn dann etwas da ist was passt, kann man erneut in Dialog treten. Oder ich habe einen neuen Referenten oder Autor kennengelernt, den man mit Überzeugung weiterempfehlen kann. Vielleicht findet man auch einen interessierten, qualifizierten Feedback-Geber bei Projekten – keine Einbahnstrasse übrigens, die Investorenseite weiss, dass auch ich und mein Team viele Dinge sehen und gerne auch unsere Einschätzung geben. Der Support für mich ist insofern auch wichtig, weil man bei gut-budgetierten Projekten sehr gezielt bestimmte Dinge schneller erfahren kann, wenn Dinge gut in der Erstansprache bzw. beim Erstkontakt vorgefiltert werden. Viele Entscheider sind fachlich interessiert – Fachexpertise und Marktkenntnis erscheinen aufgrund zahlreichen Feedbacks auch bei Erstkontakt attraktiver als die «Überflutung» mit Produkt- und Dienstleistungsinformationen. Caduff: Im Juni werden Sie beim International FundForum in Monaco ein Panel zum Thema Family Offices und Managerselektion moderieren. Wie kamen Sie zu diesem Mandat? Hill: Aufgrund verschiedener Projekte (u.a. «Manager-Search» für Institutionelle) pflege ich häufigen und intensiven Gedankenaustausch mit Investoren, Anbietern und anderen Marktpartnern. Manchmal entstehen aus diesen Praxisgesprächen Anregungen für Fachartikel, Kolumnen und Fachvorträge im Auftrag Dritter. Man wird vermehrt von Veranstaltern angefragt, diese schätzen «Industrie-Multiplikatoren» und Unabhängigkeit. Da ich auch verschiedene praktische Schnittstellen zu den Themenbereichen Unabhängigkeit und Asset Management, Fondsboutiquen und Family Offices habe, erscheint es wohl auch für internationale Veranstalter attraktiv, solche Themen aufzugreifen. Im Jahr zuvor habe ich zu Markteintritt nach Deutschland, Fondsboutiquen und Selektionskriterien ein Panel gehabt. Im Herbst ging es dann beim Family Office Forum in Zürich um das Thema Family Offices, Asset Allocation und Due Diligence. Caduff: Zurück auf heimischen Boden. Frankfurt ist das Finanzzentrum Deutschlands. Wie läuft der fachliche Gedankenaustausch? Welche Networking-Möglichkeiten gibt es? Hill: Es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen und Formate – Experten-Lunch, Hedgework, Institutional Money als Beispiele genannt oder Investorenfrühstücke, Abendveranstaltungen und auch die Möglichkeit der kurzen Dienstwege in Frankfurt – Kaffee oder Lunch mit Branchenkollegen oder Investoren. Aufgrund des zentralen Flughafens besitzt Frankfurt eine interessante internationale Komponente. Viele Konsulate und Verbände bieten spannende Veranstaltungen an, wo Schnittstellen zur Financial Community gegeben sind. Es besteht ein interessantes Netzwerk von Dienstleistern wie Anwalts- und Steuerkanzleien und beispielsweise Medienschaffende. Wichtig ist, dass man mit der richtigen Erwartung an Fachveranstaltungen heran geht – rein fachlicher Gedankenaustausch mit Kollegen oder Roadshow-Gespräche mit Investoren? Fachvorträge, gestrafftes Programm mit grossem Konzentrationserfordernis oder lockerer, entspannter Programmabend? Oft sind die Übergänge hier fliessend. Caduff: Und wie bringen Sie sich da ein? Hill: Roadshows aufgrund von Projekten, Teilnahme an diversen Einladungen zu Investoren-Veranstaltungen («Product Scouting»), Mittagessen oder Kaffee mit Branchenkollegen und Investoren sind so typische Formate, wo man durch ein Gespräch sozusagen nicht «dümmer» wird. Zumal so auch häufig Ideen für Praxiskommentare entstehen. Auch der Auftritt bei Panels, sei es als Moderator (letztes Jahr zum Beispiel «Roundtable Infrastruktur») oder als Panelist (als unabhängiger Repräsentant der Fondsindustrie bei Stiftungs-Panel) trägt dazu bei, einen guten Marktüberblick zu behalten. Visibilität im Markt führt häufig dazu, dass man viele interessante Personen und Services etc. kennenlernt, weil sie aktiv vorgestellt werden. Gute Erfahrungen habe ich mit kleinen, nichtkommerziellen Fachformaten gemacht, Beispiel: Zwei ausländische und zwei inländische Family Offices diskutieren bei Essen oder Kaffee Investmentopportunitäten – ohne Sales-Motivation. Frank und frei an dieser Stelle gesagt: Natürlich gibt es Formate mit Sales- und PR-Orientierung, die erfolgreich sind und ihre Berechtigung haben – ab einer gewissen Grösse benötigt man Sponsoren. In der Regel, so war immer das Feedback, schätzen die Investoren den Dialog auf Augenhöhe und haben verstärktes Interesse am Gedankenaustausch und Networking-Aktivitäten danach. Caduff: Welche Rolle spielen Multiplikatoren in der Frankfurter Finanzindustrie? Hill: Ganz allgemein ausgedrückt: Sie sind als Netzwerker diejenigen, die Anbieter und Nachfrager zusammen bringen, nationale und internationale Kontakte einbringen und auch schon mal Ideen vorprüfen, bevor man damit an die Öffentlichkeit geht. Sie befördern damit Ideen und Geschäftsmöglichkeiten. Da sie in der Regel nicht selbst Anbieter von Dienstleistungen und Produkten sind, gelten sie als neutral bzw. unvoreingenommen. Diese Unabhängigkeit würde ich im Speziellen aber genauer betrachten

  • „Die wollen uns doch nur etwas verkaufen“, so oder ähnlich die Äußerung mancher Stiftungsvertreter, wenn es um die Themen Consulting, Banken und Family Offices geht. Oft nicht zu unrecht: Consultants bieten in vielen Dienstleistungen an, die vielleicht auf einzelne Stiftungen nicht passen können. Viele Banken haben sich gut positioniert in dem Bereich, zugegebenermaßen sind bestimmten Stiftungen die möglichen Opportunitätskosten dieser Lösungsvariante oft nicht ganz bewusst. Im Family Office-Bereich war dieses „Verkaufsansatz-Kritik“ oft weniger zu bemerken. Was können mögliche Gründe hierfür sein? Inwiefern ist Vorsicht hier berechtigt, inwiefern schüttet man das Kind vielleicht mit dem Bade aus? Klassisches Asset Management-Consulting und Family OfficesViele Stiftungen bedienen sich etablierter Consultants im Markt. Managerselektion, Reporting, Risikomanagement etc. sind typische Felder, wo externe Beratung sinnvoll eingesetzt werden kann. Interessant erscheinen die großen „Lücken“ im Markt. Größere Stiftungen bedienen sich gegen Bezahlung externen Know-hows und können häufig recht genau definieren, wo die eigenen Optimierungspotentiale liegen können. Viele Stiftungen unterhalb dieser Größenordnung bewegen sich weniger schnell bei der Entscheidungsfindung für externe Unterstützung. Mit gutem Grund: Consulting ist zum großen Teil Know-how- und netzwerkgetrieben – wäre es ein rein mechanisierbarer Prozess, wären nicht nur viele Consultants ohne Aufträge, sondern auch viele Fachabteilungen bei institutionellen Investoren würden Potential zum Personalabbau bieten. (Ein Thema, das viel Diskussionsstoff bieten würde). Themen wie beispielsweise „Fiduciary Management“ könnten viel intensiver diskutiert werden, wenn der Themen wie Kontrolle, Know-how-Aufbau, Koordination und Risikomanagement für Entscheider im Stiftungsbereich einen stärkere Bedeutung erhalten würden. Die Tatsache, dass dieses Thema kontrovers diskutiert wird, sich die Begriffsauslegung „Fiduciary Management“ oft scheinbar im Fluss zu befinden scheint, widerspricht nicht dem konstruktiven Gedanken, sozusagen Consulting auf einer „Meta-Ebene“ für bestimmte Investorengruppen zu betreiben. Oftmals wird der Begriff auch synonym für klassisches Investment Consulting benutzt. Den Bereich Regulierung außen vorgestellt: Family Offices betreiben auf einer anderen Ebene oft ähnliche Aktivitäten für ihre Klientel. Mit allen Vor- und Nachteilen, was die aktuelle Diskussion bei „Family Office-Prospects“ zu belegen scheint. Kernproblem auch hier: Die Stiftungen, die oft einen großen Zugewinn an Effizienz und Know-how gewinnen könnten, sind oft die, die passende Anbieter für sich im Markt aufgrund mangelndes Know-hows und aufgrund mangelnder Markttransparenz nur schwer ausfindig machen können. Exkurs: Hauseigene Produkte und Fondsboutiquen-AnsatzVerschiedene Family Offices haben derzeit bereits Fonds bei Häusern wie bei Universal Investment, Ampega, Hansainvest und bei anderen spezialisierten Kapitalanlagegesellschaften aufgelegt. Auch verschiedene Consultants haben in der Vergangenheit ähnliche Schritte teilweise getätigt oder waren in Überlegungen zu dem Thema „Eigenprodukte“. Die obige Diskussion wird interessanter, wenn man diesen Sachverhalt berücksichtigt. Inwiefern macht sich ein Family Office gegenüber Kunden angreifbar, wenn eigene Produkte angeboten werden? Ist dies von Nachteil, von Vorteil oder gibt es eine möglicherweise differenzierte Betrachtungsweise? Fakt ist, dass Transparenz auch Potential für Kritik bieten kann – ein Family Office, das Fonds mittelmäßige bis absolut unzureichender Performance anbietet, kann unter Umständen zunehmend mit Akzeptanzproblemen bei Kunden rechnen. Bei HNWIs wie auch bei Institutionellen – auch Consultants im institutionellen Bereich können sich hier unter Umständen auf Glatteis begeben: Selektion, Schnittschnellen-Management, Reporting und Risikomanagement (auch zur Absicherung von Entscheidungsgremien, der Consultant als „Versicherungsstrategie“ bei Gremienentscheidungen etc.) sind etablierte Services – unzureichende Performance kann störend wirken bei der Kundenakquise. Die andere Seite der Medaille kann heißen: „Wir beraten nicht nur in der Theorie, sondern setzen auch um in der Praxis!“. Wenn diese Behauptung durch befriedigende bis gute Performance unterstrichen wird, können Diskussionen mit Mandanten auch neue Impulse erhalten. Auch das Argument Diversifikation oder der Sachverhalt „Sparring-Portfolio“ können noch wertvolle Impulse für die Diskussion bieten. Der Fondsboutiquen-Ansatz unterstützt zumindest bei Positionierung von Anbietern – wenn die Portfoliomanagement-Leistung stimmt, kann der Ansatz hilfreich sein. Ein Weg, den natürlicherweise nicht viele Anbieter gehen können, oder auch zugegebenermaßen nicht gehen wollen. In der Fondsindustrie werden häufig Trends gespielt. Die aktuelle Real Asset- und Private Equity-Diskussion bei institutionellen Investoren aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds verspricht spannende Zeiten. Expertise in diesen Bereichen wird ausgebaut – viele Ähnlichkeiten zum klassischen Asset Management-Bereich fallen auf, so hinsichtlich dem Management von Talenten. Interessant erscheint, dass in diesen Segmenten noch viele Brücken zwischen Anbieter und Investor gebaut werden könnten. Beispiel: Was kann eine Stiftung von einem Family Office oder von einem Consultant in diesem Bereich an wertvollem Input erhalten? Warum besitzen bestimmte Family Offices eine möglicherweise mehr ausgeprägte Expertise als so mancher Consultant oder Anbieter in diesem Segment? Wie könnten diese Gruppen stärker miteinander einen fruchtbaren Gedankenaustausch betreiben? Family Offices und Stiftungen – Dialog bietet MehrwertViele Family Offices wären für Stiftungen bestimmter Größe sozusagen die idealen „Fiduciary Manager“ im übertragenen Sinne – wenn diese Stiftungen sich verstärkt diese Family Offices ansehen würden bzw. wenn hier mit Nachdruck der Kontakt gesucht würde. Leider weiß oft der eine vom anderen nichts, die etablierten Banken freuen sich vielleicht. Netzwerke, Know-how, Interessen – ähnlich wie im Bereich Private Equity-Industrie und Family Offices – sprechen für einen intensiveren Dialog dieser Gruppen miteinander. Sobald die Diskussion von der reinen Produktanbieterschiene-Ebene abweicht, kann Geschäft sozusagen nicht wegen sondern vielleicht sogar trotz Produkten und Dienstleistungen stattfinden! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Keine Beratung ohne Konzept” – so oft die fast erschreckend wirkende Antwort von Consultants auf Anfragen von Kunden für Projekte. Berechtigte Vorurteile oder sachfremde Kritik, dies sei dahingestellt: Dem Dienstleister ist in diesem Fall vielleicht nicht direkt vorzuwerfen, dass er nicht einfach ins Blaue hineinarbeiten möchte, sondern sich vorher intensiv mit Kundenfragestellung und Kundeninteresse beschäftigen möchte. Dieser Sachverhalt ist in ähnlicher Weise oft übertragbar bei der Geschäftsanbahnung bzw. bei Suchverfahren in der Asset Management- bzw. Finanzindustrie: Kein Investment oder keine Fondsauflage ohne Konzept. Die eine Seite weiß oder weiß eben nicht genau, wonach Sie eigentlich sucht bzw. wohin die Reise gehen soll. Die andere Seite tut sich unter Umständen schwer dabei, das Kundenproblem als das eigene Problem zu betrachten. Welche Beispiele kann es dafür geben? Welche Settings erscheinen für beide Seiten „ineffizient“? Gibt es eine Richtung für Lösungsansätze? Investorenkonferenzen – Managerselektion und „Productscouting“Konferenzen in der Asset Management-Industrie kann man vielleicht grob in „Gedankenaustausch-Konferenzen“ und „Geschäftsanbahnungs-Konferenzen“ unterscheiden, die Übergänge erscheinen manchmal auch fließend. Konferenzen müssen wie Publikationen Sponsorengelder einwerben, um stattfinden zu können. Nicht immer ist gewährleistet, dass die „besten“ Anbieter auch die Anbieter mit den größten Marketingbudgets sind, was den meisten Investoren bekannt ist, da man genügend eigenes Research betreibt. Die Medienpartner bzw. die Event-Veranstalter leisten in der Regel eine gute Arbeit, da oft unterschätzt wird, wie aufwendig das Zusammenbringen von Anbieter und Investor ist. Ein kleiner Anteil von C-Liga-Sponsoren leistet sozusagen „Kultursponsoring“, damit die Gesamtveranstaltung stattfindet. Ähnlich wie bei Anzeigen ist dieser Sachverhalt weithin akzeptiert, ein etabliertes Konzept. Worin kann der positive Wert einer solchen Konstellation bestehen? Datenbanken, Research und Know-how besitzen viele Investoren, die diese Konferenzen besuchen. Jedoch gehen beispielsweise bestimmte Spezialanbieter („Fondsboutiquen“) im Informationsrauschen der Industrie unter. Das betrifft beispielsweise nicht nur klassische Asset Manager, auch viele Angebote im Bereich Real Assets (Infrastruktur-Fonds etc.) sind oft nur durch Zufall auf dem Radar von bestimmten Investoren. Um an die Consulting-Thematik von oben anzuknüpfen: Warum interessiert sich vielleicht so mancher Sales-Representative oft zu wenig für Anlagekonzepte des Investors? Konstruktiver Einwurf: Würde der klassische „Kontakte-Kontakte-Kontakte-Ansatz“ modifiziert, würde man etwas vom klassischem Gesprächsprotokoll-„Tonnage-Denken“ wegkommen, würde der Dialog zwischen Sales und Investor oft für beide Seiten effizienter und befriedigender verlaufen. Die Frage, ob jeder Investor eigentlich gegenwärtig im Niedrigzinsumfeld genau weiß, wonach er im weitem Investmentuniversum suchen soll, wird an dieser Stelle nicht weiter diskutiert – selbst bei einem temporärem Anflug von Nichtwissen kann ein Austausch mit Anbietern und Fachkollegen auf Konferenzen vielleicht einen kleinen Schritt weiter helfen. Auswahl von Kapitalanlagegesellschaften – Private Label Fonds und FondskonzeptionFondsauflageprojekte wollen administriert, begleitet und technisch „gesichert“ werden. Regularien ändern sich, bestimmte Konzepte verlangen unter Umständen auch unterschiedliche Lösungen – bis hin zu der Erkenntnis, das für bestimmte Projekte auch nur bestimmt Kapitalanlagegesellschaften bzw. bestimmte Unternehmen mit bestimmten Köpfen und Netzwerken bei Fondsprojekten in die engere Auswahl kommen sollten. Universal Investment, AmpegaGerling bzw. Union Investment, DWS und viele andere Unternehmen, die auf verschiedenste Weise Fondsauflagen begleiten können – wo liegt die Spezialisierung? Wie groß muss ich als Fondsinitiator sein, um mit diesen Adressen eine fruchtbare Geschäftsbeziehung aufzubauen? Sind Kosten sinnvollerweise die entscheidende Größe für die Auswahl von Providern oder kann es nicht noch entscheidendere Faktoren bei der Auswahl geben? Typische Settings für Fondsauflagen können sein: Standardfonds, Track Record liegt vor, eigenes Vertriebsnetz ist vorhanden und Seed Money nicht das Problem. Wenn ein attraktives Fondsvolumen bewegt wird, kann der Fondsinitiator einen recht entspannten Suchprozess nach einem Provider starten. Alternative Variante bei vielen Fondsinitiatoren: Spezialsegment (Real Assets etc.), Projekt nicht exakt durchdacht (weiße Flecken bzw. „Krater“ in der Konzeptionsphase), kaum oder keinen Track Record, kein Vertriebsnetz – nicht hoffnungslos, wenn hier noch verschiedene Faktoren positiv hinzukommen (Netzwerk, Know-how, interne oder externe Unterstützung, vielleicht noch Family Office im Hintergrund für Seeding, als Beispiel). Ähnliche Diskussionspunkte wie bei Konzept-Beratungs-Thematik – Kunde weiß nicht genau was er will und erwartet vom Dienstleister eine Lösung, die dann vielleicht noch nicht die zielführende sein muss, weil weder Zeit, Budget oder andere Ressourcen in den Suchprozess vom Kunden eingebracht werden. Nach dem Motto: „Ich weiß nicht ganz genau, was ich will, aber sagen Sie mir, was es kostet“. Viele Kapitalanlagegesellschaften, Rechtsanwälte, Consultants etc. treffen ab und an auf besagte „Kunden“ und haben wenig bis keine Freude daran. Konstruktiver Lösungsansatz könnte sein: Fondsinitiator verliebt sich zwar in seine Idee weiterhin, aber budgetiert diese mit Zeit, Personal, Budget. Ist dies nicht möglich, dann lernt er zumindest im Laufe der Zeit die präzise Unterscheidung zwischen einem Wunsch („Mein Traumfonds“) und einem konkretem Ziel (Fondsauflage) kennen. Dies muss nicht negativ betrachtet werden. Hat ein Fondsinitiator einmal diesen losen, unkoordinierten Suchprozess ohne Ergebnis durchlaufen, wird oft bei einem neuen Projekt mit Überzeugung konkreter Einsatz von Ressourcen eingeplant. Fazit – Kommunikation, Konzeption, NetzwerkeEs wäre vermessen an dieser Stelle zu sagen, dass sich die oben genannten Phänomene in Luft auflösen würden durch irgendwelche Patentlösungen. Viele der oben allgemein angesprochenen Thematik Kunde – Auftragnehmer lassen sich auf die verschiedensten Gebiete übertragen – Consultants, Asset Manager, Rechtsanwälte, Dienstleister in den verschiedensten Industrien. Am Schluss geht es um Kommunikation, dem Finden von gemeinsamen Schnittstellen, Konzeption und der Pflege von Know-how-Netzwerken. Projekte (Umfang, Dauer, Kosten naturgemäß oft unklar – lässt sich in Teilen auf Anlageentscheidungen übertragen) werden immer Treiber für Wachstum und Wandel von Industrien sein. Im Finanzsektor kann man beispielsweise bestimmte „Consulting- Designs“, Kapitalanlagegesellschaften, Rechtsanwaltskanzleien, Konsulate und Family Offices als Netzwerke von Know-how und Kontakten betrachten. Auf einer Meta-Ebene kann man vielleicht behaupten, dass viele Akteure in der Industrie zwar viele Fäden in der Hand halten, aber häufig vor der Aufgabe stehen, diese sinnvoll zusammen zu knüpfen (Beispiel: integrierte Marktingkonzepte, Konzeption Multi-Manager-Mandate, Fondsprojekte, Seed Money-Suche etc.). Das Suchverfahren bei der besagen Fragestellung ist noch nicht abgeschlossen, neudeutsch gesagt, gefragt ist nach dem passenden Konzept zum Thema: Connecting the dots! 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  • Vom 5. bis 6. November findet das internationale Family Office Forum in Zürich statt. Der unabhängige Branchenexperte Markus Hill wird dort eine Paneldiskussion mit Entscheidern von Family Offices über den Themenkomplex Asset Management, Asset Allocation und Due Diligence moderieren. IPE Institutional Investment-Chefredakteur sprach mit ihm über aktuelle Themen, die auch vor dem Hintergrund der Veranstaltung bei Family Offices verstärkt diskutiert werden. IPE Institutional Investment: Herr Hill, welche Themen werden Sie in Ihrem Panel in Zürich diskutieren?Hill: Der Themenbereich Asset Management, Asset Allocation und Due Diligence wird behandelt. Ich möchte an diese Stelle der endgültigen Fragestellung, auch mit Rücksicht auf die Panelisten, nicht vorgreifen. Im Vorfeld habe ich unabhängig von der Panelfragestellung mit diversen Family Offices und anderen Marktteilnehmern bestimmte mögliche Themenkomplexe bezüglich Asset Allocation und Due Diligence diskutiert. Interessant war zum einen die Offenheit der Diskussion, zum anderen war ich erstaunt über die verschiedenen Facetten der Antworten. Da die Veranstaltung in Zürich international ausgerichtet ist, hatte auch mit ausländischen Branchenvertretern gesprochen. Mein Eindruck war, dass der Themenbereich „Grenzüberschreitendes Networking“ im Sinne von fachlichem Gedankenaustausch zwischen Family Offices stärker auf die Agenda rückt. Sozusagen das Thema: Was können wir voneinander lernen? Wo können wir kooperieren? IPE Institutional Investment: Das heißt konkret?Hill: Mehrfach wurde ich von Investoren gebeten, mehr in der Rolle eines „Neutralen“, gegebenenfalls in Interview oder Kommentar wiederholt auf einen scheinbar kritischen Trend hinzuweisen: Die Branche sollte vielleicht einmal nach kreativen Lösungen suchen, wie man den fachlichen Gedankenaustausch mit Entscheidern fördern kann, ohne dass sich einzelne Entscheider durch „aggressives Vertriebsgebaren“ bestimmter Sponsoren (Beispiel: O-Ton, Family Office in Süddeutschland) bedrängt fühlen. Dies kann auf Investorenseite dazu führen, dass auch fachlich hochwertige Veranstaltungen zum Teil nicht mehr besucht werden. Ein Phänomen, das nicht nur von Family Offices angesprochen wurde, auch Stiftungen und andere Investoren thematisieren diesen Sachverhalt häufig. Mein Eindruck ist, dass sich viele Produktanbieter bereits mit diesem Thema intensiv beschäftigen, da der Dialog vor Investor und Anbieter für beide Seiten fruchtbar sein kann. IPE Institutional Investment: Sie sprechen seit vielen Jahren mit Fondsselektoren und Produktspezialisten aus verschiedenen Bereichen. Welche Rolle spielt bei der Veranstaltung in Zürich das Thema Family Offices und Produktanbieter?Hill: Mein Eindruck ist, dass die Branche bei Events langsam verschiedene Segmente entwickelt. Veranstaltungen, wie zum Beispiel auch die IPE-Investorenfrühstücke, die stark einen Entscheiderfokus haben, treten neben Veranstaltungen die stärker einen Networking-Charakter für die Branche entwickeln. Bei der aktuellen Panel-Diskussion in Zürich dominieren stark die Entscheider auf der Bühne und im Publikum, diese wollen auf „Augenhöhe“ miteinander Fachthemen diskutieren. Ähnlich wie in Frankfurt, bietet Zürich einen guten Mix von „Entscheider“- und Branchentreff-Veranstaltungen. Beide Formate haben ihre Berechtigung, wichtig erscheint mir, dass Transparenz gewährleistet wird. IPE Institutional Investment: Welche Themenbereiche werden in Zürich noch diskutiert? Was erscheint Ihnen zusätzlich interessant?Hill: Einen genauen Themenüberblick kann man bei der Agenda im Internet entnehmen. Es gibt verschiedene Themenstränge. Die internationale Ausrichtung der Veranstaltung sticht hervor, der Veranstalter hat in Deutschland schön ähnliche Events erfolgreich durchgeführt. Ich nehme verschiedentlich an Veranstaltungen dieser Art teil, national und international, man vergleicht verschiedene „Event-Designs“. Um es kurz zu halten: Family Offices aus den verschiedensten Ländern diskutieren Themen wie Asset Allocation, Due Diligence, Real Assets, Social Impact Investing, Risikomanagement und Co. Erfreulich ist für mich ist, dass man dort wieder bestimmte Branchenkollegen wiedertrifft. Dr. Thorsten Querg vom FOCAM, der Teilnehmer meines Panels beim FundForum International in Monaco war (Themen u. a.: Fondsboutiquen, Selektion, Markteintritt Deutschland etc.) wird beispielsweise ein Panel mit dem Titel: „How do German Family Offices invest in Germany?“ moderieren. Das macht Freude. IPE Institutional Investment: Welche Themen beschäftigen Sie sonst noch zurzeit?Hill: Neben üblichen „Product Scouting“-Aktivitäten beschäftige ich mich derzeit zum Beispiel verstärkt mit den Themenkreisen Fondsboutiquen, Unabhängigkeit und Real Assets (Infrastruktur etc.). Dies führt auch dazu, dass man mit Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, Hauck & Aufhäuser aber auch mit Häusern wie DWS und Union Investment sprechen sollte, nur als Beispiel. Interessant erscheint mir, dass es wie im Bereich der Fondsboutiquen viele weniger transparente Bereiche und „positive Grauzonen“ in diesen Feldern gibt. Bei Investorengesprächen fällt mir immer wieder auf, wer wen nicht kennt und wer mit wem, obwohl eine große Lösungskompetenz vorhanden (Produkte oder Dienstleistungen wie Consulting) wäre, nicht spricht. Kein böser Wille auf beiden Seiten, die „Inseln des Nichtwissens“ finden halt schwer zueinander. Im Extrem: Asset Manager finden nicht zum Investor oder Investor tut sich in Teilen schwer, Real Asset-Projekt voranzutreiben, weil internes Know-how noch durch externes Know-how ergänzt werden müsste (Beispiel „Renewables“: Fondskonzept, Projektmanagement, Evaluierung etc.). Ein Sachverhalt, den Sie vielleicht auch aus Ihrer journalistischen Erfahrung her kennen. Durch Recherche bei Artikeln und durch die vielen Investorenfrühstücke sehen vielleicht auch Sie oft die „roten Fäden“ zwischen Gebieten und Akteuren in der Branche, die für andere nicht direkt offensichtlich erscheinen. IPE Institutional Investment: Vielen Dank für das Gespräch. 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  • „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ – Investments in Real Assets sind derzeit aufgrund des niedrigen Zinsumfelds gefragt. Die Fachpresse, Anbieter und Investoren setzen sich mit dem Thema intensiv auseinander. Finanzindustrie kommuniziert stark mit Finanzindustrie, viele Bereiche aus der Real Asset-Welt bleiben oft ausgeklammert. Verschiedene Fragen tauchen immer häufiger in der Diskussion auf. Wie im Bereich des klassischen Asset Managements – konzerngebundene und unabhängige Asset Manager („Fondsboutiquen“) gibt es verschiedene Märkte für Expertise. Worin können Besonderheiten bei der Beurteilung von Real Asset-Projekten bestehen? Gibt es einen Consulting-Markt für jeden Bereich? Bilden sich vielleicht neue Strukturen im Consulting heraus? Gefühl der „Unsicherheit“ bei diversen institutionellen InvestorenObwohl die oben angeführten Themenfeldern scheinbar hochaktuell für Investoren erscheinen, ergeben sich bei der Bewertung von Investitionsobjekten von Fall zu Fall einige Stolpersteine. Welche Pensionskasse, welche Versicherung oder welches Family Office hält „Spezialisten-Teams“ für die Bewertung von Infrastrukturinvestments vor? „Große“ haben wohl das Know-how, möglicherweise tun sich mittelgroße bis kleinere Einheiten schwerer in der Beurteilung von Direktinvestments bzw. beim Einsatz von Fondslösungen im Bereich Real Assets. Indirekt hat dies natürlich auch auf „Investitionsnetzwerke“ im Sinne von Club Deals Einfluss. Hier kann tatsächlich aufgrund fehlenden Know-hows bzw. fehlenden Netzwerks eine Form von Markteintrittsschranke für bestimmte Investoren bestehen. Woher soll eine kleine Pensionskasse oder ein kleineres Family Office Kompetenz bei der Beurteilung bestimmter Direktinvestments in Infrastruktur (Verkehr, Flugzeuge, Energie etc.) haben? Es stellt sich die Frage, ob manchmal gute Investitionsgelegenheiten nicht wahrgenommen werden können, nur weil weder Know-how noch Kapazitäten (Zeit, Personal, Budget) zeitnah greifbar sind. Beispiele – Erneuerbare Energien & Agrarinvestments („Rohstoffe“)Deutschland erlebte in den letzten Jahren einen Boom im Bereich der Erneuerbare Energien. Viele dieser Projekte, Direktinvestments oder Investments in Fondsmantel, wurden mit den Labeln Real Assets und Infrastruktur versehen. Im Bereich der Solar- und Windenergie hat sich eine ganze Anzahl von Projekten entwickelt, die auch aufgrund von staatlicher Förderung – gegenwärtig wird es „turbulent“ in dem Bereich – an institutionelle Investoren herangetragen wurden. Der Markt erscheint ausgereift. Im gleichen Atemzug hat sich auch eine Consulting-Industrie entwickelt. Schlägt man den Bogen zum Bereich der Biomasse („Renewables“, in Fachkreisen bekannt aufgrund der umstrittenen „Tank versus Teller“-Diskussion) scheinen sich ähnliche Strukturen zu bilden. Interessant erscheint an dieser Stelle der fachliche Bogen zu den Bereichen Agrarinvestments bzw. zu dem Bereich Investment in Waldfläche. Flächen sind zu bepflanzen, zu bewirtschaften und gegebenenfalls mit Investitionen in Erneuerbare Energien (Blockheizkraftwerke, Kraftwerke, Windräder, Solarflächen etc.) zu kombinieren. Rohstoffmärkte sind zu beobachten und zu verstehen, Wetter spielt wieder eine Rolle bei Investments. Regulierung (Erneuerbare Energien, Einspeisevergütung etc.) fließt sozusagen in Real Asset-Investitionsentscheidung ein, Ketten wie Agrarinvestments – Biomasse – Verstromung ergeben sich, in vielen solcher Felder mit vielen Schnittstellen ist interne oder externe Feldkompetenz gefragt. Selbst „große“ Investoren (Pensionskassen, Versicherungen) betreiben engagiert Projektmanagement, um bei solchen Investitionsprojekten die richtigen Schnittstellen zu definieren und die passenden Fachleute zusammen zu bringen. Consulting und Know-how-Netzwerke – Besonderheiten Theorie versus PraxisResearch hat bei vielen Themenfeldern seine Berechtigung als eines von vielen Mitteln, um sich Klarheit über Investitionsalternativen zu verschaffen. Ein weiterer Schritt besteht darin, sich als Investor mit bestimmten anderen Know-how-Netzwerken in Verbindung zu bringen. Investitionsobjekte oder Investitionskategorien, die nicht so stark erforscht bzw. transparent sind, lassen sich oft auf diesem Weg in kleinen Schritten näher erschließen. Der Markt für unabhängige Asset Manager („Fondsboutiquen“) lässt sich zum Beispiel durch Kontaktieren von spezialisierten Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, AmpegaGerling oder IPConcept besser einordnen. Viele dieser Häuser beschäftigen sich mit Rohstoffen (Agrar, Wald etc.) und dem Thema Erneuerbare Energien. Auch Verbände in der Asset Management-Industrie geben Orientierung. Anbieter und Verbände im Bereich Rohstoffinvestments und Erneuerbare Energien (Solar, Wind, Biomasse etc.) sind ebenso etabliert. Hinsichtlich der Transparenz und Entscheidungssicherheit bei Investitionen in Real Assets stellt sich aufgrund der Komplexität der Investmentopportunitäten ein spezielles Problem: Weder kann ein reiner Theorie-Consultant („PowerPoint-Consulting“, im Extrem reine Konzeptproduktion ohne Interesse an praktischer Umsetzung) in vielen Fällen direkt Hilfestellung leisten, noch ist ein reiner Finanzspezialist (Investment Banking, Strukturierer etc.) immer geeignet, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Investitionsalternativen in diesem Bereich abschließend zu beurteilen. Ein Manko, wie man es oft auch in anderen Bereichen (z. B. Sozialarbeit, Politik etc.) findet: Es fehlt die Feldkompetenz. (Konzeption hat unbestritten ihre Berechtigung und Wert, es geht an dieser Stelle nicht um „Consultant-Banking-Bashing“, sondern um maßgeschneiderte Lösungen bei der Bewertung von Investitionsalternativen in Feldern, die neben Finanz- auch starke Technologiekomponenten aufweisen). Ausblick – Consulting auf potentiell „ideale“ WeiseDie Beurteilung von rein finanzwirtschaftlichen Kennzahlen bei der Beurteilung von Investitionsalternativen bei Real Asset-Projekten (Direktinvestments, Fonds etc.) scheint in einer Vielzahl der Fälle als „zu kurz gesprungen“. Natürlich gibt es Entscheidungssituationen bei Investoren mit professionellem Know-how, die keiner oder wenig externer Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bedürfen. Es gibt zum Beispiel viele Pensionskassen und Family Offices, die selber zu Kompetenzzentren geworden sind. Diese verfügen oft zudem national und international über exzellente Netzwerke, die bei der Due Diligence genutzt werden können. Expertise findet man auch bei vielen PE- und VC-Investoren. Sei es bei Direktinvestments oder im Fondsbereich. Was machen kleine bis mittelgroße Investoren, die weder über große Budgets noch umfangreiche „Feedback-Netzwerke“ bei Real Asset-Investitionen verfügen? Wie sähe ein idealer Berater in diesem Bereich aus? Ideale sind schwer zu verwirklichen, aber eine Richtung können sie skizzieren. Abstriche kann man immer machen, die Anforderungen den realen Begebenheiten und Ressourcen anpassen. Real Asset-Investments umfassen Felder wie Regulierung, Konzeption, Wirtschaftlichkeitsberechnung und Projektmanagement. Es würde nahe liegen, dass ein guter Consultant einen großen Teil der Prozesskette in einem Beratungsfeld auch praktisch „beherrscht“: Im Bereich Erneuerbare Energien kann das bedeuten, dass der Berater selber bereits in dem Bereich der zu beurteilenden Investmentobjekte (Wind, Solar, Biomasse etc.) praktisch tätig war bzw. vielleicht sogar mit eigenem Geld investiert ist. Er muss sich mit der Technologie auskennen und er muss über ein umfangreiches Netzwerk verfügen. Gerade bei Investitionsalternativen, die nicht von größeren Beraterhäusern abgedeckt werden, kann ein weiterer Pluspunkt sein, dass der Consultant selbst Unternehmer ist oder Investments von Unternehmen tätigt (Beispiel: Family Offices). Die Consultants, die diese Fähigkeiten auch an Investoren kommunizieren können, sind im Vorteil. Spricht man mit diesen „kleinen“ Consulting-Spezialisten findet man viele Ähnlichkeiten mit dem Bereich Fondsboutiquen (Markttransparenz, Eigentümereigenschaft, Unternehmer-Mentalität). Auch

  • „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst“ (Franklin Delano Roosevelt). Viele Stiftungsentscheider, aber auch andere Fachleute für den Bereich Fondsselektion, könnten diesen bewusst aus dem Zusammenhang gerissenen Satz des damaligen US-Präsidenten möglicherweise auf eine andere Weise verstehen: Die Auswahl von Stiftungsfonds kann mit einem vertretbaren Research- bzw. Rechercheaufwand betrieben werden, ohne dass man unbedingt externen Support für diesen Prozess benötigt. Das „Do-it-yourself-Verfahren“ steht nicht im Widerspruch dazu, dass die Einschaltung von externen Asset Management Consultants in vielen Fällen durchaussinnvoll wäre – vielen kleinen bis mittelgroßen Stiftungen fehlt hierzu aber häufig das Budget für diese Steigerung des Professionali- sierungsgrades bei der Asset Manager-Selektion. Bestimmte Fragen, wie im Nachgang angeführt, könnten sich zum Beispiel Entscheider für die Fondsauswahl bei Stiftungen stellen. Die folgenden Fragen haben sich aus Projekterfahrung sowie dem intensiven fachlichen Gedankenaustausch mit Anbietern, Investoren und engagierten Fachjournalisten („Interviewanfragen“) ergeben. Die praktische Erfahrung bei der Selektion von Asset Managern zeigt häufig, dass die Nutzung bestimmter Informationsquellen beziehungsweise die Nutzung professioneller Netzwerke Näherungslösungen für eine gute, zufriedenstellende Problemlösung darstellen. Was ist ein Stiftungsfonds?Abweichend von der offiziellen, engen Definition im Stiftungsbereich wird im normalen Sprachgebrauch eher ein Publikumsfonds gemeint, der es beispielsweise ermöglicht, durch Ausschüttungen die Stiftung finanziell bei der Ausübung ihres Stiftungszwecks zu unterstützen. In den Anlagerichtlinien findet man stiftungsspezifische Ausführungen. Oft wird der Begriff auch in Zusammenhang mit ausschüttenden Mischfonds bzw. mit dem Begriff Vermögensverwaltende Ansätze in Verbindung gebracht. Was unterscheidet nun einen Stiftungsfonds von anderen Fonds- bzw. Fondskategorien?Bei den Anlagerichtlinien und in den Fondsinformationen wird explizit auf den Bereich Stiftungen Bezug genommen. Sicherheit, Risikostreuung, Ausschüttungen werden besonders betont, die Zielgruppe Stiftungen also fokussiert angesprochen. Natürlich gibt es andere Publikumsfonds, die ähnliche Zwecke erfüllen. Diese sind aber für einen Stiftungsentscheider zunächst schwieriger zu identifizieren. In welche Kategorie passen Stiftungsfonds am ehesten?Offiziell wird sehr stark auf die Bereiche Vermögensverwaltend bzw. Defensiv abgezielt. Manchmal kann das insofern etwas täuschen, weil auch ein Aktienfonds für Nebenwerte mit intelligentem Risikomanagement und durchdachter Streuung einen vermögensverwaltenden bzw. defensiven Charakter haben und für Stiftungen Ausschüttungen generieren kann. Die Auswahl ist aber keine einfache Aufgabe. Ein Entscheider, der sich jedoch stark auf Renten oder sehr defensive Konzepte bei der Auswahl konzentriert, lässt sich damit vielleicht interessante Portfoliobausteine mit gutem Diversifikationseffekt entgehen. Bleiben wir mal bei der Auswahl. Welche Ansätze gibt es bei Stiftungsfonds?Man findet grob gesagt Ansätze mit dem Fokus Anleihen, Aktien mit Anleihen und Aktien. Auch Konzepte mit zum Beispiel stärkerer Geldmarktorientierung in Kombination mit Nachhaltigkeitsaspekten finden bei manchen Stiftungen längerfristig gesehen Interesse. Ob die Stiftungseignung aber bei jedem dieser Fonds vorliegt, ist zu hinterfragen. Was Stiftungen auf jeden Fall machen sollten, ist über den deutschen Tellerrand hinaus zu blicken. Auch ausländische Anbieter machen teilweise einen guten Job und bieten Stiftungen Fonds für deren jeweiliges Profil. Mit wem Stiftungen vielleicht eine natürliche Deckungsgleichheit der Interessen haben dürften, sind unabhängige Vermögensverwalter. Entsprechend könnten deren sog. Private-Label-Fonds eine Idee sein, sich Fondsbausteine auch außerhalb des Stiftungsfondsuniversums zumindest in einem ersten Schritt zu nähern. Sind Stiftungsfonds stets ausschüttend ausgelegt?Das sollten sie idealerweise sein. Der weit überwiegende Teil ist ausschüttend. Alles was Entscheidungen bei Stiftungsverantwortlichen reduziert, Komplexität im Prozess abbaut, kann hilfreich sein. Regelmäßige Ausschüttungen im Bereich Stiftungsfonds kann man als eine Art „Hygienefaktor“ betrachten. Ist ein Stiftungsfonds kostenseitig günstiger als ein herkömmlicher Fonds?Da das Renditeversprechen bei ausschüttenden, eher defensiv ausgeprägten Fonds in der Regel konservativ kalkuliert wird und auch die Kapitalmärkte hier oft nicht viel Luft nach oben bieten, sollten diese Fonds in der Regel eine preisgünstige Alternative zur Eigenanlage bieten. Die Preisstrukturen sind eher als moderat zu betrachten. Wobei hier betont werden sollte: Aufgabe eines guten Asset Managers sollte eher sein, in seinem Fond zum Beispiel ein Prozent Zusatzperformance über Markt zu erwirtschaften, als in seinem Fonds im Kostenbereich 0,1% Vorteil für den Fondsselektor auszuweisen. Wo finde ich Informationen zu Stiftungsfonds?Auf den Seiten von Kapitalanlagegesellschaften, die neben vielen anderen Fonds auch spezielle Stiftungsprodukte anbieten (zum Beispiel Universal Investment, IPConcept, AmpegaGerling und viele andere Häuser). Es gibt dazu Informationsportale wie die Plattform Ihres Hauses, die-stiftung.de, Internetseiten wie jene von fondsweb.de oder Dienstleister wie MMD, die die Charakteristika von Fonds im Allgemeinen und Stiftungsfonds im Speziellen sichtbar machen. Gute Hinweise lassen sich bei intensivem Studium auch der Fachpresse und deren teils enthaltenen Datenübersichten zu Fonds entlocken. Zu beachten ist, dass man genau kategorisiert in Fachinformation und „Werbeprosa“. Größere Stiftungen haben Fachleute bzw. schalten Consultinghäuser für die Vorauswahl ein – nicht nur für Publikumsfonds, sondern auch für die Vergabe von Spezialfondsmandaten. Das ist allerdings ein Weg, den „kleine“ Stiftungen nicht gehen können. Deshalb ist eine kosteneffiziente, kreative Vorgehensweise bei der Selektion („Informationsbeschaffung“) der Fonds unabdingbar. Auch Verbände mit Fachkreisen, Mitgliederprodukten können erste Anlaufstellen sein, wie zum Beispiel der Verband der unabhängigen Vermögensverwalter Deutschland, e. V. Woran erkenne ich einen guten Stiftungsfonds?Es ist wohl ein breiter Strauß an Angaben, auf die eine Stiftung schauen sollte. Sachkriterien mit Messbarkeitscharakter können sein: Geringe Drawdowns („Ausreißer nach unten“), stetige, risikoadjustiert gesehen befriedigende Performance, Volatilität, geringe Wiederaufholungsperioden, Kosten. Eigentlich alles Kriterien, die auch bei der regulären Fondsselektion eine Rolle spielen. Für Stiftungen kann speziell die Qualität des Fondsmanagement, der Prozesse sowie der Fluktuation im Personal eines Anbieters eine wichtige Rolle spielen. Stiftungen sollten hier schon auf eine gewisse Stetigkeit Wert legen. Auffallen kann im Übrigen auch, wenn ein Stiftungsfonds von einer Adresse gemanagt wird, die selber sehr ausgeprägte Erfahrungen mit Stiftungen oder stiftungsähnlichen Anlegertypen hat. Das kann ein Konzern sein, der Pensionsgelder verwaltet, aber auch ein unabhängiger Vermögensverwalter bzw. ein Family Office, das sich stark mit dem Spannungsfeld Rendite und Kapitalerhalt auseinandergesetzt hat. Wichtig dabei: Die Performance muss über den Zeitraum stimmen. Reine Stiftungsexpertise in Kombination mit mittelmäßiger bis schlechter Wertentwicklung bringt auch den Anlageentscheider auf Stiftungsseite in große Argumentationsnot bei Gremiendiskussionen. Was sollten Entscheider von kleineren Stiftungen vielleicht noch bei der Auswahl von Stiftungsfonds beachten?Auch andere Anleger können natürlich Gefallen finden an den defensiven Konzepten bei Stiftungsfonds. Entscheider bei Stiftungen ohne großes Budget für Fachleute und Berater finden eine sehr gute Entscheidungsgrundlage über Stiftungsfonds in vielen öffentlich zugänglichen, abhängigen und unabhängigen Informationsquellen. Ihrer Pflicht zur sorgfältigen Auswahl können sie meiner Ansicht

  • „Man sollte keine Eulen nach Athen tragen“, im übertragenen Sinne auf die Fondsindustrie würde das wohl bedeuten, dass viele Neuigkeiten keinen Neuigkeitswert hätten. Mehr als neue Produkte, Investmentsätze gibt es häufiger, eine Wiederkehr von Altbekanntem in neuem Outfit. Fondsvertrieb, Kommunikation bewegen sich interessanterweise auch in In- und Ausland oft in ähnlichen Bahnen. Viele Phänomene aus der Fondsindustrie ließen sich mit etwas Abstraktionsvermögen leicht auf andere Industrien übertragen, ein mögliches Fazit: Hat man ein Produkt mit „schlechten“ bis „mittelprächtigen“ Eigenschaften, so hat man Schwierigkeiten bei Kommunikation und Absatz! („Mittelprächtig“ und „schlecht“ sind wertfrei zu betrachten, einfach als Statthalter für „im Vertrieb kontinuierlich schwer vermittelbaren „Added Value“ für den institutionellen Investor – viele Kundenansprachen, viel Rechtfertigungsargumentation, ausgeprägtes, langfristiges Desinteresse seitens Fondsselektoren). Eine einfache Wahrheit, die auch für die Asset Management-Industrie gilt, wo bekannter weise – auch in der Natur der Sache liegend – nicht nur exzellente Fondsmanager den Markt bestimmen. Fairerweise ist anzumerken, dass die zum Beispiel die Peitsche der Transparenz im Fondsgeschäft den Anbietern das Leben schwer macht. Ziehen betroffene in- und ausländische Asset Manager oft Konsequenzen aus der Positionierung im hart umkämpften Markt bei der Geschäftsstrategie oder im Bereich der Kommunikation mit Investoren? Haken und Ösen im Vertrieb – Problemstellung bei betroffenen Asset ManagernFondsboutiquen- und konzerngebundene Asset Manager kämpfen mit den Problemen Transparenz, Fixkostenblock und mit dem Verteilungsproblem der „Ressource überdurchschnittliche Portfolio-Manager-Skills“. Diese Themenfelder besitzen jeweils verschiedene Gewichtungen in verschiedenen Organisationsformen. Institutionelle Investoren können sich oft in Ruhe zurücklehnen und diverse Informationsquellen nutzen (Hitlisten, Rankings, Ratings, Consultants, Datenbanken etc.), viele Aktivitäten die heute im Sales-Bereich bei Fondsgesellschaften praktiziert werden, würden wahrscheinlich neu überdacht werden („Zero Base Budgeting“), wenn vielleicht nicht auch einige sachfremde Erwägungen bei der Aufrechterhaltung bestehender Strukturen indirekt wirken würden. Warum soll nach wie vor ein größerer Mitarbeiterstab Vertrieb betreiben, wenn die Zeiten des „Kurzfrist-Performanceverkaufs“ aufgrund von Transparenz und Selektorenprofessionalität vorbei sind? Wenn ich als Anbieter nicht bei den oberen 10 % zu finden bin bzw. nicht das Potenzial habe, auf mittlere Sicht hier aufzuschließen – über welches Thema kann ich mich dann sinnvollerweise mit einem institutionellen Investor unterhalten? Typische Fallstricke für in- und ausländische Portfoliomanager a) “Don’t call us, we call you!”Spricht man zum einen mit institutionellen Investoren im direkten Gespräch („Produkt-Feedback“) oder bei Branchenveranstaltungen im In- oder Ausland, so finden sich kaum Unterschiede in der Wahrnehmung von Managementexpertisen wieder. Häuser mit exzellenter Performance und interessantem Ansatz (Kontinuität!) – ein willkommener Aufhänger für den direkten Dialog. Häuser mit „mittelprächtiger“ bis „schlechter“ Performance und Expertise – zäher Dialog, kaum Mehrwert im Gespräch, in Teilen bei direkter Ansprache durch Vertrieb bei den Investoren als „Ärgernis, Belästigung, Zeitverschwendung“ (Originalzitate: Family Office, Versorgungswerk, Private Banking-Fondsselektion) angesehen: „Don’t call us, we call you!“ – eine Einstellung mancher Investoren, die das Leben für den Vertriebler eines fußkranken Produkts nicht leichter macht. Unverschuldet bekommt hier Sales die Prügel dafür, dass die Fondsgesellschaft vielleicht bei der Produktkonzeption die Hausaufgaben nicht gemacht hat bzw. dass der Manager nicht nur kurz- bis mittelfristig eine Schwächephase hat. Ein Völker verständigendes Element ist hier vielleicht zu finden: Der in- und ausländische Vertriebsmann durchleben denselben Schmerz! b) Kontinuität bei „mittelprächtiger“ bis „schlechter“ PerformanceEs ist verständlich, wie in vielen Industrien, dass Organisationen ihr Eigenleben entwickeln. Wenn ein Sales-Apparat eine gewisse Größe entwickelt hat, muss Auslastung her. Man vergisst oft dabei, dass es exzellente Sales-Leute gibt, die jedoch selbst bei bestem Netzwerk und Goodwill im Investorenbereich nicht Wasser zu Wein machen können. Wenn das Produkt, der Manager, die Performance keinerlei Mehrwert im Dialog mit institutionellen Investoren erbringt, dann bekommt der Sales-Mitarbeiter im Zweifelsfalle viele Höflichkeits- und Kaffeegespräche, aber keine Tickets. Fairerweise muss man sagen, dass viele Auftraggeber mit der Tonnage-Ideologie „Termine, Termine, Termine“ zum einen das Prospekt-Netzwerk Institutionelle Investoren weit über Gebühr belasten können. Bis hin zum Effekt, dass der eine oder andere Entscheider schon bei Kontaktaufnahme des entsprechenden Sales-Mitarbeiter bzw. wenn er den Namen des Asset Managers hört, sagt: „Bitte nicht durchstellen, dass ist der, der immer mit den fußkranken Produkten kommt!“ Umgekehrt kann ein Boomerang für den Asset Manager daraus entstehen: Die eigene Sales-Force produziert schöne, viele Gesprächsprotokolle, die scheinbar großes Potential für den Arbeitgeber versprechen – bei laufender Gehaltszahlung kann während dieser Phase der Mitarbeiter in Ruhe nach einem neuen Arbeitgeber mit attraktiverer Performance/Expertise suchen, wo vielleicht zusätzlich auch eine Bonuszahlung in Reichweite gerät. Eine interessante Frage an dieser Stelle, unterstellt, dass Produkte von Mitbewerbern in der gleichen Kategorie durchaus „gekauft“ werden: Kontaktiert ein Mitarbeiter aus dem Sales-Bereich in einem bestimmten Zeitraum zum Beispiel 200 Investoren und erhält durchgängig abschlägige Antworten – wer trägt hier Verantwortung? Das Portfolio-Management aufgrund von „mittelprächtiger“ Leistung? Die Führungskraft oder der Unternehmenseigner, der den Sales-Mitarbeiter eingestellt hat und nach diesen 200 Versuchen plötzlich die Einsicht zur verspüren scheint, dass der Mitarbeiter keine ausreichenden vertrieblichen Fähigkeiten besitzt? Wie soll ein angestellter Mitarbeiter seinem Arbeitgeber gegenüber die Botschaft „verkaufen“, dass sein Produkt unattraktiv für institutionelle Investoren ist? Ein Thema, dass bestimmt zu engagierten und kontrovers geführten Mitarbeitergesprächen und Sales-Team-Meetings viele Inhalte bietet. Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und auch Kritikfähigkeit von Führungskräften und Fachkräften können hier ein gutes Testfeld finden. c) „Hausarbeiten Markteintritt“ – indirekte Vorgehensweise und Mangel an EffizienzViele Fehltritte im Bereich der Marktbereitung bei in- und ausländischen Asset Managern haben häufig einfache Gründe. Ein Produkt ist auf der „grünen Wiese“ konzipiert worden, jetzt muss der Vertrieb damit leben – und womöglich auch der völlig desinteressierte Investor. Unrealistische Erwartungen bei der Fondsauflage – wenn die Manager zu Beginn zum Beispiel die ersten fünf Millionen investiert haben, dann wird auch der Rest beim Fundraising klappen. Bei ausländischen Asset Managern auch eine beliebte Vorgehensweise: Besuche einmal ein paar Fachkonferenzen, spreche mit ein paar Mitbewerbern (da viele Fachkonferenzen gerade wenig Investorenpräsenz aufweisen – „mehr Jäger als Wild“) und versuche dann per Zufallsprinzip in verschiedenen Zielmärkten Investoren per Telefon zu kontaktieren, um irgendwie Termine zu bekommen. Auch eine Vorgehensweise, die ab und an Treffer landet. Opportunismus versus strukturierte Marktbearbeitung, häufig anzutreffen, aber in der Regel nicht das Verschulden des jeweiligen Sales-Mitarbeiters: „Gehe einmal nach Deutschland, Schweiz, Österreich und mache Umsätze. Dann erhältst Du Budget, um diese Märkte systematisch und nachhaltig zu

  • Sprachen können Brücken bauen, Sprachen können trennen: Eine Erkenntnis, die man häufig auch im Bereich Vermögensverwaltung gewinnen kann. Fachzeitschriften, Fachpresse und Fachleute sprechen nicht immer die Sprache, die für die gewünschte Zielgruppe passend erscheint. Viele Stiftungen haben Anlagebedarf, viele Stiftungen besuchen Fachveranstaltungen und suchen den Austausch mit Branchenexperten. Private Vermögensverwalter könnten gute Ratgeber und Produktlieferanten für viele Stiftungen sein – warum tun sich beide Parteien manchmal etwas schwer bei der Gründung einer längerfristigen Partnerschaft? Kommunikationsebene – Interessen und LangfristcharakterStiftungen und Vermögensverwalter sollten in der Regel vorrangig langfristig denken. Die Stiftung, weil Sie den Stiftungszweck erfüllen möchte, der Vermögensverwalter möglicherweise, weil er eine unternehmerische Vision verfolgt, die an seine Person bzw. Organisation gebunden ist. Eigentümergeführte Unternehmen denken in der Regel nicht in Quartalen. Ähnlichkeit der Interessen bedeutet jedoch nicht, dass die Stiftung alle Probleme im Bereich Asset Management toleriert. Wie im Bereich der Beratung muss der Vermögensverwalter zum Klienten (Stiftung) passen. Gerade bei kleineren Stiftungen (Vermögen ab 0,5 Mio. Euro und aufwärts) kommt oft die Anlage in sogenannte Vermögensverwaltende Ansätze in Form von Publikumsfonds in Frage. Transparenz über Ansätze und Performance sind hier gegeben und sind ein Entscheidungsparameter neben den sogenannten weichen Faktoren. Die Produkttransparenz bei Publikumsfonds ist eine gute Voraussetzung dafür, dass Berater, Kunde und Produkt zueinander finden sollten. Mögliche „weiche“ Kriterien für VermögensverwalterauswahlGerade viele kleine bis mittelgroße Stiftungen haben Interesse an persönlicher, maßgeschneiderter Beratung. Kern der Unzufriedenheit mit der aktuellen Beratung kann beispielsweise im Bankbereich sein, dass die Tatsache der kostengünstigen bzw. kostenneutralen Beratung auf Aufsetzung einer Stiftung nicht einhergehen muss mit der Lieferung „begeisternder“ Performance in der Vermögensverwaltung. Es sei dahingestellt, ob ein Anlageberater jederzeit die richtige Wahl bei Anlageprodukten trifft. Wünschenswert erscheint zumindest, dass ihm die richtigen, für die Erfüllung des Stiftungzwecks geeigneten Produkte angeboten werden. Direkte Feedbackgespräche mit Stiftungen lassen vermuten, dass auch in diesem Bereich Optimierungspotential besteht. Es braucht Zeit, den richtigen Vermögensverwalter zu finden. Drei einfache Fragen an den Vermögenswalter durch die Stiftung könnten hilfreich sein beim Erstgespräch:a)    Hat er Interesse, auch „kleinere“ Summen zu verwalten?b)    Hört er zu, präsentiert nicht sofort ein Produkt?c)    Interessiert er sich für Mittelverwendung und Projekte der Stiftung? Interesse, Verständnis und Mehrwert bei VermögensverwalternDie Anlagevolumina bei Stiftungen stellen einen kritischen Faktor für die Beratungsqualität dar. Vermögensverwalter wie auch Banken müssen wirtschaftlich denken. Es ist verständlich, wenn manche Anbieter oft Standardlösungen anbieten. Dies muss keineswegs an den Bedürfnissen von kleinen und mittelgroßen Stiftungen vorbeigehen. Was jedoch nicht passieren sollte, ist zum Beispiel die fortwährende „Bombardierung“ des Anlageentscheiders bei der Stiftung mit einer großen Anzahl von Produktvorschlägen, die sich gegebenenfalls im Nachhinein als unpassend erweisen. Weniger ist hier oft mehr. Auseinandersetzung mit Stiftungszielen, mit dem Thema Ausschüttungen und vielleicht auch mit Themen wie Sponsorengewinnung können den Dialog mit der Stiftung für den Vermögensverwalter interessant machen. Einige Unabhängige bieten sogar den Service, für die Sponsorengewinnung für Stiftungszwecke mittelbar oder unmittelbar Unterstützung zu leisten – ein echter Mehrwert gegenüber reinem Produktverkauf. Informationen – Kapitalanlagegesellschaften, Verbände und „Netzwerke“Auf einer Stiftungsveranstaltung von einer Vielzahl von Produktanbietern umworben zu werden, kann Vorteile bieten – oder nur zu einem Zufallsergebnis bei der Auswahl des Beraters führen. Erste Anhaltspunkte zur Identifikation von Vermögensverwaltern für „kleine“ Stiftungsvermögen können Kapitalanlagegesellschaften wie Universal-Investment, IP Concept oder AmpegaGerling sein. Einen guten Überblick über Berater findet man auch beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. – ebenso wie bei unabhängigen Journalisten, Consultants und vielen anderen Marktteilnehmern, die intensiv den fachlichen Dialog mit Vermögensverwaltern suchen. Ein nicht-vertriebsgetriebener Gedankenaustausch führt oft zu interessanten Erkenntnissen. Fazit„Kleine“ Stiftungen haben ein Interesse an Know-how und Beratung durch unabhängige Vermögenverwalter. Vielleicht ergibt sich aus dem oben Gesagten langfristig gesehen eine Art von optimiertem Entscheidungsprozess, damit es nicht heißen muss: „Sie waren wie die Königskinder, sie fanden nicht zueinander“. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Stiftungen und andere institutionelle Anleger suchen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld nach Anlagealternativen. Markus Hill* sprach für FONDSBOUTIQUEN.DE mit dem Portfoliomanager Dr. Stefan Tilch, Deutsche Oppenheim Family Office AG, über die aktuellen Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt und über mögliche Investmentansätze. Hill: Viele institutionelle Anleger sind stark verunsichert. Anleihen werden gerne als „sichere“ Investments gesehen. Was führte zu den deutlichen Kursverlusten quer durch alle Anleihesegmente in den Monaten Mai und Juni?Tilch: Das erste Halbjahr verlief auf der Anleiheseite bis Ende Mai relativ positiv. Zwar gab es immer wieder negative politische Nachrichten wie die Zypernkrise oder die Turbulenzen um die Wahlen in Italien, aber im Großen und Ganzen bewegten sich die Anleihen doch in einem ruhigen Fahrwasser.Das änderte sich Ende Mai schlagartig. Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, kündigte etwas überraschend am 22. Mai einen Paradigmenwechsel in der Geldpolitik an, nämlich, dass die Fed den Ankauf von Wertpapieren beginnend in diesem Jahr bis zur Jahresmitte 2014 schrittweise auslaufen lassen wird. Dabei ging bei den Marktteilnehmern unter, dass diese Ankündigung an eine Reihe von ökonomischen Voraussetzungen gekoppelt war, deren Erreichen keinesfalls sicher ist.Dennoch hatte dies weitreichende Folgen für die globalen Anleihemärkte. Es kam zu einem unerwartet kräftigen Ausverkauf quer durch alle Anleiheklassen. So stieg die Rendite 10jähriger US-Treasuries binnen weniger Wochen von 1,6% auf 2,6%. Die Rendite der 10jährigen Bundesanleihen erreichte Ende Juni den Jahreshöchststand von 1,81%. Hill: Dieser Sachverhalt führte zum Beispiel bei zehnjährigen Bundesanleihen in der Spitze zu Kursverlusten von 3,5%. Gerade Stiftungen, die mit jährlichen Ausschüttungen planen, wurden hier böse überrascht.Tilch: Ich denke, die meisten Marktteilnehmer wurden von der Heftigkeit des Zinsanstiegs auf dem falschen Fuß erwischt. Bis Ende Juni hat sich dann die Situation wieder etwas entspannt, so dass die meisten Anleiheportfolios im ersten Halbjahr vermutlich mit einer „roten Null“ abgeschlossen haben. Offensichtlich war sogar die Fed von der Marktreaktion etwas überrascht und ruderte in den folgenden Wochen verbal zurück. Denn ein zu schneller Zinsanstieg kann nicht im Interesse der US-Notenbank sein, da sonst die Gefahr besteht, dass die Konjunktur speziell im Immobiliensektor frühzeitig wieder abgewürgt wird.Dennoch hatte dieses Ereignis auch sein Gutes, denn die Anleiheinvestoren waren im ersten Halbjahr etwas zu selbstzufrieden geworden. Gerade institutionelle Investoren stürzten sich auf Neuemissionen und die meisten dieser Anleihen erzielten zum Teil nicht nachvollziehbare Kursgewinne. Emittenten- oder Liquiditätsrisiken wurden weitgehend ignoriert. Hill: Wie geht es an den Anleihemärkten weiter?Tilch: Für die kommenden Wochen rechnen wir mit einer leichten Erholung der Anleihemärkte. Eine ganze Reihe von Gründen spricht aus unserer Sicht für sinkende Renditen. Zunächst kämpft die US-Wirtschaft mit einigen Herausforderungen. Die automatische Schuldenbremse für die nationalen Haushalte wirkt sich erst seit dem zweiten Quartal voll auf die Wirtschaft aus. Nach wie vor gibt es eine stille Reserve von Arbeitslosen, die sich resigniert vom Arbeitsmarkt zurückgezogen hatten und mit verbesserten Wirtschaftsaussichten wieder eine Arbeit suchen. Die Weltwirtschaft entwickelt sich in diesem Jahr schwächer, als zunächst prognostiziert. Insbesondere in China bleibt das Wachstum deutlich hinter den Erwartungen zurück. In Europa deuten die meisten Indikatoren eine Bodenbildung an, so dass es in den kommenden Monaten zu einer leichten wirtschaftlichen Belebung kommen kann.Überdurchschnittliche Wachstumsraten liegen für Europa aber noch in weiter Ferne. Das hat die Europäische Zentralbank zu der Ankündigung veranlasst, dass sie die Zinsen in der Eurozone noch für einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen Niveau belassen wird. Diese Faktoren sprechen für sinkende Anleihezinsen und eine Kurserholung der meisten Segmente. Das ändert aber nichts daran, dass die amerikanische Notenbank die Zinswende eingeleitet hat und auf Sicht von 6-12 Monaten mit steigenden Zinsen zu rechnen ist. Hill: Aber sind dann nicht Unternehmensanleihen noch risikoreicher als Staatsanleihen? Immerhin haben Corporate Bonds in den letzten Wochen noch mehr an Wert verloren…Tilch: Die Ankündigung der amerikanischen Federal Reserve führte auch an den globalen Märkten für Unternehmensanleihen zu deutlichen Kursrückgängen. Dabei traf es Unternehmensanleihen doppelt: Zum einen fielen die Kurse aufgrund des allgemeinen Zinsanstiegs, zum anderen sorgte die Ausweitung der Kreditrisikoprämien für einen zusätzlichen Wertverlust. Diese Entwicklung ist beunruhigend, denn in den Jahren 1987, 1994, 1999 und 2005 führten stark steigende Zinsen zu einer Verringerung der Kreditrisikoprämien und damit zu einer relativen Outperformance von Unternehmensanleihen. Entscheidend war in der Vergangenheit, wie schnell sich der Zinsanstieg vollzog. Ein abruptes Anziehen der Zinsen so wie in diesem Jahr trifft dagegen Unternehmensanleihen wie dargestellt doppelt. Geht man dagegen für die zweite Jahreshälfte von einem moderaten Zinsanstieg aus, werden Unternehmensanleihen wieder attraktiver. Hill: Sind Exchange Traded Funds für Unternehmensanleihen im derzeitigen Marktumfeld eine Alternative zu Einzeltiteln für institutionelle Investoren?Tilch: Grundsätzlich bieten ETFs ein breit diversifiziertes Anleiheportfolio mit einer niedrigen Kostenstruktur. Doch dem stehen auch einige Nachteile gegenüber. Nach wie vor sind die meisten ETFs sogenannte synthetische Nachbildungen des Referenzindex. Das bedeutet aus Sicht des Investors, dass er neben dem Kredit- und Marktrisiko des ETF auch noch ein Kontrahentenrisiko eingeht, da die Indexnachbildung in der Regel über Swaps mit Drittanbietern erfolgt. Deren Bonität bleibt dem ETF-Käufer verborgen, er kann die damit verbundenen Risiken auch nicht einschätzen. ETFs mit physischer Replikation/Sampling-Methode des Referenzindex sind daher aus unserer Sicht vorzuziehen.Ein weiterer Risikofaktor ist der sogenannte „Survivorship Bias“. Er besagt, dass insolvente Titel aus dem Referenzindex herausfallen und dadurch die Rendite des Index überzeichnet wird. Daneben existiert noch ein anderes Phänomen, das den ETF im Vergleich zu Einzeltiteln risikoreicher macht. Eine neue Studie des EDHEC-Risk Institute zum Thema “Corporate Bond Indices” legt dar, dass es bei der Zusammensetzung der Indizes einen Interessenkonflikt zwischen Emittenten und Investoren gibt. Emittenten werden bei niedrigen Zinsen Anleihen mit längerer Laufzeit begeben und umgekehrt. Daher wird auch der dazugehörige ETF in einem Niedrigzinsumfeld eine deutlich höhere Duration ausweisen und umgekehrt. Das erhöht das Durationsrisiko aus Sicht des Investors deutlich, eine Durationssteuerung wird so konterkariert. Weiterhin besteht laut dieser Studie ein Gegensatz zwischen der Marktliquidität eines Index und dessen Durationsstabilität. Das bedeutet, dass ein breit diversifizierter Index für Unternehmensanleihen in der Regel illiquide ist und umgekehrt. Dieser Risiken sollte sich ein Investor bewusst sein, der auf ETFs zur Ergänzung seines Anleiheportfolios setzt. Hill: Wie sollen sich Stiftungen im aktuellen Niedrigzinsumfeld verhalten?Tilch: Der klassische Zielkonflikt zwischen Erhalt des Stiftungsvermögens und Renditeoptimierung ist eine stetige Herausforderung für Stiftungsanleger. Bereits das Renditeziel „3% nach Kosten zzgl. realen

  • Vom 24. bis 27. Juni findet die branchenweit bekannte Fachkonferenz FundForum International in Monaco statt. Der unabhängige Branchenexperte Markus Hill wird dort eine Paneldiskussion deutschsprachigen Fondsselektoren zum Thema Fondsboutiquen moderieren. IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm über die aktuelle Lage der Fondsindustrie in Deutschland. IPE Institutional Investment: Herr Hill, welche Themen werden Sie in Ihrem Panel in Monaco diskutieren?Hill: Zum einen wird kurz die Situation in Deutschland skizziert, Marktwachstum und aktuelle Entwicklungen im Bereich Fondsboutiquen, Private Label Fonds. Zum anderen werden Themen wie Selektionskriterien, Stärken und Schwächen von unabhängigen Asset Managern diskutiert. Die Situation in Deutschland wird erörtert, zum Beispiel: Wie interessant sind Fondsboutiquen aus Deutschland? Wie interessant sind Fondsboutiquen aus dem Ausland? Was kann ein ausländischer Manager machen, um das Interesse von deutschen Fondsselektoren zu gewinnen? Diskussionsbedarf scheint auch beim Thema Fonds- bzw. Managerresearch zu bestehen. Aus verschiedenen Diskussionen mit deutschen Family Offices scheint ein Gedanke darin zu bestehen, sich verstärkt international zu vernetzen. Gerade diese Woche kam das Thema bei einem Telefonat mit einem Family Office wieder auf. Wie kann ein englisches oder amerikanisches Family Office einem deutschen Family Office bei der Auswahl von englischen und amerikanische Boutique-Managern helfen? Dies ist natürlich keine Einbahnstraße und lässt auch Rückschlüsse auf Kooperationsgedanken von anderen Investorengruppen zu: Was können deutsche Fondsselektoren von ausländischen Investoren lernen? IPE Institutional Investment: Sie sprechen mit Fondselektoren. Welche Rolle spielt bei Ihrem Panel der Bereich Asset Manager bzw. Produktanbieter?Hill: Auf dem FundForum International findet man die internationalen Vertreter der Branche. Neben Investoren sind das vor allem auch viele Fachkräfte aus den Bereichen Marketing, Vertrieb, Business Developement. Viele dieser Fachleute schauen mittlerweile durch eine „rosigere“ Brille nach Deutschland – Deutschland als „Hub“ inmitten Europas kann neben Luxemburg zunehmend interessanter werden für den Markteintritt. Trotz allen Europa-Bashings und dem Asien-Hype gibt es auch den Trend, dass Deutschland vom Ausland als eine „Große Schweiz“ betrachtet wird, zugegebenermaßen bin ich als Frankfurter mit dieser Meinung als befangen zu betrachten. Der Standort ist attraktiv, liegt zentral und verfügt über eine exzellente Infrastruktur auch im Bereich der Fondsindustrie. IPE Institutional Investment: …und Luxemburg?Hill: Viele der deutschen Kapitalanlagegesellschaften haben auch Tochterunternehmen in Luxemburg. Fondsauflage in Kombination mit direkter Vertriebsunterstützung im deutschsprachigen Raum kann eine Option sein. Generell profitieren Kapitalanlage- sellschaften aus Deutschland und Luxemburg von Ihrer zentralen Lage, im Gegensatz zu London. Häuser wie Universal-Investment, IPConcept, Hauck & Aufhäuser und viele andere werden ihre Geschäftsmodelle Fondsauflage und Vertriebsunterstützung optimieren. Dieser Trend zeichnet sich schon seit längerem ab. IPE Institutional Investment: Worin sehen Sie den Wert von Fachkonferenzen? Was kann eine realistische Erwartungshaltung an diese Events sein?Hill: Primär sehe ich den Wert im fachlichen Gedankenaustausch. Es hängt vom Veranstaltungsformat ab – es gibt renommierte Fachkonferenzformate wie in Monaco und Fachkongresse in Deutschland. Im Juli werde ich in Frankfurt an einem Stiftungspanel teilnehmen, bei dem vertieft auch Themen wie Investitionsoptionen im Niedrigzinsumfeld und unabhängige Vermögensverwaltung stehen werden. Bei solchen Fachdiskussionen kann man, ähnlich wie in Monaco, aktiv den Dialog mit Investoren und Produktanbietern pflegen. Bedürfnisse von Investoren und Erwartungen an die Fondsindustrie können ohne „Sales-Klima“ geführt werden. Als Branchenexperte der mit vielen Marktteilnehmern spricht, ist man oft erstaunt, wieviele Kommunikationsbarrieren es in manchen Marktsegmenten gibt. Es gibt aber auch andere Formate, die sich rein auf Investoren fokussieren. Wenn ich mir für Auftraggeber öfter Produkte und Manager ansehe, dann stelle ich schon einen Unterschied in der Atmosphäre dieser Veranstaltungen fest, völlig wertfrei. Solche Formate wie Businessfrühstücke, oder Veranstaltungen von Asset Managern für Investoren und Consultants erscheinen oft thematisch „eingeschränkter“. Dem einen oder anderen Besucher kommt das entgegen – wie Sie schon anmerken, es kommt auf die Erwartungshaltung an. Erwartet man auf Fachkonferenzen und bei Investorenveranstaltungen nicht das „schnelle Ticket“, so kann der fachliche Gedankenaustausch sehr den Horizont erweitern. Schnattinger: Vielen Dank dafür und viel Glück für Ihr Panel, auch in Frankfurt. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Mehr Jäger als Wild“ oder „Sehen und gesehen werden“ – so die oft mehr oder weniger abschätzig gemeinten Urteile von Kritikern nationaler und internationaler Fachkonferenzen. Oft wird hier zum einen angeführt, dass die „Investorendichte“ auf vielen Veranstaltungen angeblich zu klein sei, zum anderen wird behauptet, dass aktive und passive Teilnehmer hier verstärkt ihrem persönlichen Wunsch nach Bekanntheit – u. a. bei Personalberatern oder Mitbewerbern – nachkommen. Soweit die wenig konstruktive Ausprägung der Kritik. Vergessen wird unter Umständen, dass diese Formate entgegen aller Unkenrufe Jahre existieren und scheinbar einen Mehrwert für die Teilnehmer liefern. Diskussionswürdig erscheinen folgende Punkte: Welche Vorteile bieten nationale und internationale Zusammenkünfte in der Asset Management-Industrie? Was kann man von diesen Formaten erwarten und was nicht? Auswahl: Nationale und internationale EventsAls Beispiele für größere Konferenzen im deutschen Sprachraum lassen sich unter anderem der Fondskongresse in Mannheim und Wien oder die Fondsmesse in der Schweiz anführen. International interessant erscheint das FundForum International in Monaco (ICBI). Eine Eventkultur im Ausland lassen auch viele andere interessante Formate zu. Bekannte Anbieter sind hier Terrapinn, Financial News, Marcus Evans und diverse andere. Alle Anbieter, auch in Deutschland, lassen sich durchaus in Qualität, Umfang und Marktdurchdringung verschieden kategorisieren. Auch die Reputation in Fachkreisen kann völlig unterschiedlich ausgeprägt sein. Zudem lassen sich noch eine große Zahl von kleinen Anbietern bis hin zu „Hausevents“ von Asset Management-Firmen und Consultants national und international identifizieren. Als ein Beispiel mit einem länderübergreifenden Ansatz lässt sich hier auch IPE nennen, lokal zum Beispiel unter dem Namen IPE Institutional Investment firmierend. Eine kleine, keineswegs repräsentative Auswahl, die zeigt, dass scheinbar „unnötige“ Formate lange überleben. Zielsetzungen von KonferenzenÄhnlich wie im wissenschaftlichen Bereich sind viele nationale und internationale Konferenzen angetreten, durch persönlichen Gedankenaustausch sozusagen die Diffusion von Wissen in der jeweiligen Industrie zu fördern. Neben Medien, Internet und Co. ist das Veranstaltungsformat eines von vielen, das zum Transport von Know-how, Informationen und Meinungen dienen kann. Im Laufe der Jahre haben sich jedoch auch andere Zielsetzungen herauskristallisiert, die vielleicht einen anderen Schwerpunkt bilden können – auch Kombinationen sind möglich: Konferenzen zur Gewinnung von Leads für den Vertrieb der Fondsgesellschaften. Andere Zielsetzungen können einfach in der Aufrechterhaltung von Bekanntheitsgrad und Kundenbindung bestehen. Unterschiede bei Erwartungshaltungen: „Fachbesucher“ versus SalesBesucht man Veranstaltungen wie den Fondskongress bzw. das FundForum International, lässt sich vielleicht im Ansatz skizzieren, warum eine verfehlte Erwartungshaltung zu einem nur schwer begründbaren negativen Urteil führen kann. Wenn eine Veranstaltung sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine nationale oder internationale Industrie zusammen zu führen, liegt es fast in der Natur der Sache, dass sich dort primär Industrievertreter treffen. Jedes Plus an Investorenanteil kann hier als ein Added Value der Veranstaltung betrachtet werden. Beispiele: Bei der nationalen Veranstaltung trifft sich hier primär Industrie mit Industrie. Bei der internationalen Veranstaltung (FundForum International) findet man eine ähnliche Struktur, auffällig ist in den letzten Jahren jedoch, dass dort vermehrt Investoren zu finden sind. Jeder Teilnehmer und Sponsor entscheidet für sich, was den optimalen Mix im Verhältnis Anbieter / Investoren darstellt. Eine Vermutung an dieser Stelle: Dieser Sachverhalt kann unter Umständen dem einen oder anderen Kritiker dieser Events zu Beginn nicht ganz geläufig gewesen sein. Fondsboutiquen: Mehrwert von internationalen Veranstaltungen für Anbieter und InvestorenGreift man beispielhaft das Setting einer internationalen Veranstaltung auf („Monaco“), dann fällt auf, dass Interessenten für die Teilnahme aus Deutschland heraus häufig schon ein gewisses Marktgewicht haben oder haben könnten. Wenn Firmen Abteilungen bzw. Bereiche für „International Business Development“ haben, dann besteht eher ein Interesse an einer Teilnahme. (Eine persönliche Erfahrung des Autors bei der Ansprache von vielen inländischen Fondsselektoren für eine Paneldiskussion im Ausland unterstreicht diesen Sachverhalt). Firmen wie Union Investment, DWS und Deka beobachten diese Events und zeigen Engagement. Firmen wie zum Beispiel Universal-Investment in Deutschland (Private Label Fonds-Auflage und Vertrieb) und auch andere Kapitalanlagegesellschaften wie Hauck & Aufhäuser oder IP Concept fänden rein inhaltlich gesehen bei solchen Veranstaltungen ein großes Netzwerk von Asset Management-Dienstleistern und Asset Managern, die interessante Fachdiskussionen versprechen würden. Diese spezialisierten KAGen würden wiederum vielen Asset Managern aus dem Ausland einen Mehrwert liefern können im Bereich Markeintritt nach Deutschland – bei Administration oder auch bei der direkten vertrieblichen Betreuung. Als Alternative zu klassischem Placement Agents erscheint eine Diskussion über solche Marktbearbeitungsstrategien sinnvoll. Vielen Anbietern, auch in Deutschland, ist das Potential in Europa bzw. „weltweit“ nicht bekannt – für jeden erstklassigen Nischenplayer gibt es ein Potential, nicht nur auf nationaler Ebene. In Zeiten von grenzüberschreitendem Vertrieb sind gute Zeiten für Provider und Fondsinitiatoren angebrochen. Exkurs: Optimierungspotentiale und Gemeinsamkeiten: Asset Management-Firmen, Konsulate und WirtschaftskammernFachkonferenzen dienen in erster Linie dem Gedankenaustausch in der Industrie, optimalerweise kann es dort auch zur Anbahnung von Geschäftskontakten kommen. Dies hängt zum Beispiel davon ab, wie hoch der tatsächliche Anteil von Investoren bei diesen Veranstaltungen ist. Von der Struktur her ähneln die üblichen Veranstaltungen stärker dem Setting von Veranstaltungen von Konsulaten und Wirtschaftskammern: Man bringt Leute zusammen mittels eines gemeinsamen Themas. Diese Institutionen wollen auch Geschäftskontakte fördern, wissen aber um die Begrenztheit der Formate aufgrund der Ressourcenausstattung. Am Ende können die Pferde zur Tränke geführt, aber nicht zum Trinken gezwungen werden. Gezielte Kontaktanbahnung erfolgt in der Regel durch klassische Vertriebsaktivitäten oder durch die Einschaltung geeigneter Dienstleister. AusblickEs gibt national und international gesehen interessante Veranstaltungsformate, die ihre Berechtigung haben. Natürlich prüfen viele Asset Management-Gesellschaften die Effizienz des Event-Sponsorings. Neben den Fachkonferenzen betrifft dies auch spezielle Formate (Roadshows, Investorenkonferenzen). Wichtig erscheint, dass es nicht die „beste Konferenz“ gibt; der produktive Wettbewerb der Eventveranstalter verspricht Wandel im positiven Sinne. Von Bedeutung erscheint eine eindeutige Positionierung der einzelnen Formate: Industrie trifft Industrie, Industrie trifft Investor oder Misch-Formate. Eine gute Veranstaltung sollte sich positiv von den Veranstaltungen abheben, bei denen manchmal zu Recht gilt: Dort will ein Frisör dem anderen Frisör einen Haarschnitt verkaufen! Quelle: www.institutinal-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Die Meinungen von Investoren und anderen Investmentexperten zu Investorenbefragungen schwanken: Belästigung, hoher Zeitaufwand gegen Erkenntnisgewinn – was überwiegt? Wobei können Befragungen Orientierung geben? Zwischen Initiatoren, Teilnehmern und Medien eröffnet sich ein „window of communication“, dass trotz aller Kritikpunkte mal mehr, mal weniger genutzt wird. Welche Gründe könnte es dafür geben? Man kann, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, verschiedene Initiatoren von Befragungen identifizieren. Durchdringungsgrad der Zielgruppe, Umfang der Befragungen und Zielsetzung unterscheiden sich hier häufig von Fall zu Fall. a)   Kapitalanlagegesellschaften In der Asset Management-Industrie sind Umfragen ein beliebtes Mittel für den Zielgruppendialog – eigene Standortbestimmung, ein attraktives Kommunikationsmittel (Investoren, Medien etc.) sowie das Aufzeigen von Branchentendenzen sind einige Stichworte in diesem Zusammenhang. Die Fondsgesellschaft Universal Investment veröffentlichte letzten Monat eine Fondsmanager- umfrage mit unabhängigen Asset Managern (Asset Allocation, „Real Assets“ etc.). Im Vorjahr gab es hier, wie auch von Union Investment, DWS u. a. diverse Investorenbefragungen. Ob Real Asset im Zusammenhang mit Erneuerbare Energien als Zielinvestment oder ob Real Asset in Form von Aktien – generell scheint der Trend zu Sachwertinvestments im Vordergrund zu stehen. b)   Consultants Befragungen von Asset Management-Consultants (Feri, Mercer etc.) konzentrieren sich häufig auf Investoren als unmittelbare „Prospects“ für ihre Dienstleistungen und dienen ebenso dem Dialog und der Kontaktpflege mit bestehenden Kunden. Investmentklima, Asset Allocation-Präferenzen und viele andere Themen sind typische Fragestellungen. Oft sind Studien frei verfügbar, manchmal nur gegen Bezahlung zu erhalten. Über die Qualität der Befragung sagt die Kostenfrage meistens wenig aus; „Datenfriedhöfe“ mit Kuchendiagrammen findet man in den verschiedensten Ausprägungen, erstklassige Befragungen ebenso. c)   Medien & Verbände Mitgliederbefragungen, Leserbefragungen – die Bandbreite der möglichen Themen ist groß, vielleicht manchmal vom Potential her etwas breiter. „Ein Mitgliedsunternehmen befragt Mitglieder“ kann zum Beispiel heißen, dass nicht der Investor befragt wird, sondern lediglich Produktanbieter. Kritik an der allgemeinen Aussagefähigkeit könnte unter Umständen geäußert werden. Medien z.B. mit starkem Investorenbezug produzieren häufig interessante Studien bzw. Kurzbefragungen, die Branchentendenzen aufzeigen können. Diskussionspunkt ist häufig, inwiefern man sauber „öffentliche Meinung“ zu einem Thema mit „veröffentlichter Meinung“ zu einem Thema trennen kann. Verbände wie Bundesverband deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) oder der Verband der unabhängigen Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) produzieren oft Befragungen, die mit Interesse in den Medien verfolgt werden. Befragungen – Kommunikation und Weiterentwicklung von Branchen Unabhängig davon, ob die oben genannten möglichen Initiatoren in ihrer Befragungs- qualität große Spannbreiten aufweisen – der Diffusion von Wissen, Meinungen, Trends dient dieses Kommunikationsinstrument auf jeden Fall. Die allerwenigsten Befragungen erfüllen den Anspruch der Repräsentativität. Vielleicht stellt man weniger hohe Ansprüche an dieses Dialoginstrument. Man kann es als Momentaufnahme sehen, als Diskussionsauslöser. Manche Befragungsergebnisse mögen reine Trendfortschreibung sein oder im Grunde nur Trivialitäten in Kuchendiagramme pressen. Im Vergleich zu einer „reinen Meinung“ ergibt sich zusätzliches Material für Fachdiskussionen. Und Fortschritt in Branchen entsteht nun einmal in der Regel durch freien Meinungsaustausch, egal, was der Auslöser ist (Ereignis, Artikel, Befragung etc.) Panels – eine mehr oder weniger feste Gruppenzusammensetzung bei Befragungen – bieten fast eine ideale Möglichkeit, um Stimmungsentwicklungen längerfristig zu skizzieren und zu diskutieren. Kritik und weitere Potentiale bei Branchendialog Übliche Kritikpunkte bei Befragungen betreffen Punkte wie Anzahl der Befragten, Zusammensetzung der befragten Gruppe, Fragestellung (offen, geschlossen); die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Spricht man mit in- und ausländischen Investoren, erscheinen aber andere Punkte ebenso gewichtig: Welchen Vorteil hat man von der Teilnahme an Befragungen? Wie ist die Qualität der Aufbereitung der Ergebnisse? Wieviel Aufwand hat man bei der Bearbeitung des Fragebogens? Viele Befragungen, unabhängig vom Format (Kurzbefragung oder umfangreiche Studie), werden zum Beispiel deshalb kritisiert, weil außer dem Darstellen von Kuchendia- grammen und „..x Prozent haben gesagt, …y % haben gesagt“ von den Initiatoren wenig zusätzlicher Aufwand in die Aufbereitung und Diskussion der Ergebnisse gesteckt wird. Diskutiert wird zusätzlich häufig die Thematik, dass Ergebnisse oft zu wenig „erklärt“ werden, und zwar nicht im Sinne einer allumfassenden, zufriedenstellenden wissenschaftlichen Begründung sondern mehr im Sinne einer fortlaufenden „Hypothesenbildung“: Warum denken die Teilnehmer der Befragung so und nicht anders? Was mögen Gründe dafür sein? Zugegebenermaßen hochspekulative Fragestellungen, aber auch Fragestellungen deren Bearbeitung durch die jeweiligen Befragungsinitiatoren oder durch unabhängige Experten einen großen Mehrwert bieten könnten. Ausblick: Unabhängige Asset Manager – Indikator und Contra-Indikator Unabhängige Asset Manager, sogenannte Fondsboutiquen, profitieren stark von den Bemühungen mit den oben angeführten KAG-Befragungsformaten bzw. von Consultant-Befragungen. Da diese oft selber keinen schlagkräftigen PR-Apparat besitzen, ist jede Hilfe von Industrieseite oder von Verbänden (VuV etc.) hilfreich. Befragungen, die immer wieder die Motive, Leistungen und Trends in diesem Bereich thematisieren, erscheinen konstruktiv. Zum einen können die Unabhängigen sozusagen ein produktiver „Stachel im Fleisch“ der Industrie sein, wenn sie gesondert Trends in der Industrie hervorheben oder sogar bilden. Kritisch kann man auch sagen, dass eine eindeutige Meinung (Befragungsergebnisse) in einem abgegrenzten Segment zumindest als Kontraindikator bei Anlageent- scheidungen genutzt werden kann. Dieser zusätzliche positive Nebeneffekt von Befragungen wird oft übersehen: Die „Masse“ liegt keineswegs immer richtig! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Man kann alle Leute einige Zeit und einige Leute alle Zeit, aber nicht alle Leute alle Zeit zum Narren halten“ (Abraham Lincoln). Ein Präsident muss nicht so falsch liegen in seinen Gedanken, die sich in diesem Fall in Teilen auch auf den Bereich Public Relations (PR) und Asset Management übertragen lassen. Viele unabhängige Vermögensverwalter bzw. in- und ausländische Fondsboutiquen beschäftigen eigene Mitarbeiter im PR-Bereich oder bedienen sich externer Dienstleister. Konflikte sind manchmal vorprogrammiert, Sätze wie: „Von Bekanntheit allein kann ich mir nichts kaufen“ bis hin zu „Mit diesem Artikel steigern wir den Absatz des Fonds x“ unterstreichen, dass Öffentlichkeitsarbeit oft unter- oder überschätzt wird vom Auftraggeber. Welche Gründe gibt es hierfür? Was kann ein unabhängiger Asset Manager realistischerweise neben „normaler“ Markt- kommunikation erwarten? PR – Dienstleistung von Kapitalanlagegesellschaften Viele unabhängige Asset Manager haben Ihre Fonds bei Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, LRI Invest oder AmpegaGerling aufgelegt. Alle diese KAGs, natürlich auch noch viele andere Mitbewerber, unterhalten PR-Abteilungen. Presseverteiler werden gepflegt und eingesetzt. Fondsinformationen, Pressegespräche, Fachausarbeitungen – alle diese Kommunikationsinstrumente bewerben die KAG-Produktpalette, erzeugen ein konstruktives „Grundrauschen“ im Markt. Vergleichbar auch der Pressearbeit von Verbänden wie dem Verband unabhängiger Vermögensverwalter e.V. (VuV) und dem Bundesverband deutscher Investment-Gesellschaften. Neben der Nutzung im Medienbereich finden Teile dieser Ausarbei- tungen oder Kontaktanlässe (u. a. auch Investorenbefragungen) Nutzung im Vertriebsbereich der Gesellschaften. Auch viele der Private Label Fonds-Initiatoren nutzen gerne die Dienstleistungen dieser Service-Abteilungen. Spezieller Fall – Kommunikation und die Fondsinitiatoren Unabhängige Asset Manager setzen PR-Unterstützung beim eigenen Marktauftritt mit interner oder externer Unterstützung ein. Kritischer Faktor ist hier oft die Fondsgröße und natürlich die Produktqualität (Stichworte: Performance, Prozesse, relative Ver- gleichbarkeit). Ist der Fonds klein, der Manager unbekannt und ggfs. die Performance temporär unbefriedigend, dann erscheint PR-Arbeit oft teuer und ineffizient. Markt- bereinigungseffekte klären hier oft die Situation. Bei stabilem Mittelzufluss bzw. –bestand denken viele Unabhängige darüber nach, langfristig Imagepflege zu betreiben, sich zu positionieren. Medienbereich und Inves- toren sind mögliche Zielgruppen. Viele „mittelgroße“ Fondsinitiatoren (auch ausländi- sche Fondsboutiquen bei Markteintritt) sehen bei der PR neben der klassischen Funktion (Presse, Medien, Wahrnehmung etc.) eine zusätzliche Komponente, die mehr in Richtung Investor weisen kann. Vielleicht könnte man drei potentielle Mythen in der Industrie intensiver diskutieren: 1. PR-Mythos: „Wir machen Wasser zu Wein!“ Interne und externe PR-Fachkräfte, auch die Mitarbeiter von KAGen, können keine Wunder bewirken: Ein Fonds mit nachhaltig schlechter Performance kann mit viel Budgeteinsatz längere Zeit PR-mäßig promotet werden, auf lange Sicht erlischt aber Medien- und Investoreninteresse. Es ist keineswegs gesagt, dass dieser Sachverhalt allen Fondsmanagern bzw. unabhängigen Vermögensverwaltern klar ist. Ein zusätzl- icher Aspekt hiervon kann sein, dass man an die Medien Erwartungen formuliert, die diese so nicht erfüllen können. Wenn ein Artikel, eine Pressemitteilung, Anzeige (Werbung, Übergang zu PR oft fließend) keinen Anklang bei Medien oder Investoren findet, sollte auch der Fondsinitiator sich möglicherweise die Frage stellen: Habe ich überhaupt Produkte oder Inhalte zu bieten, die Zielgruppeninteresse wecken können? Viele PR-Fachleute können nur mit dem arbeiten, was langfristig „Kommunikationssubstanz“ bietet. 2. PR-Mythos: „Reine Produktwerbung interessiert den Investor!“ Die PR-Branche allgemein (Medien, Consultants, Angestellte) lebt in jeder Industrie davon, dass man nicht so ganz genau weiß, was eigentlich gelesen wird und was nicht. Ähnlich der angebliche Aussage von Henry Ford bezüglich des Themas Werbung, sinngemäß: „Ich weiß, dass 50 % der Werbeausgaben verschwendet sind, leider weiß ich nicht welche 50 % es sind“. Fakt ist, dass Werbeausgaben einen Nutzen haben, man kann diese gerade bezüglich der Medien als eine Form von Kultursponsoring betrachten. Artikel, Anzeigen, Sonderbeilagen, Events – alles Aktivitäten, die die Branche allgemein voranbringen und Kommunikation fördern. Kritisch kann es dann werden, wenn man möglicherweise das Interesse von Industrie für Industrie verwech- selt mit den Nachrichtenbedürfnissen mancher Investorengruppen. Information Overflow – oft wird hier eher in Deckung gegangen als dass man umfangreiche Produktpromotion-Artikel liest. 3. PR-Mythos: „PR und Vertrieb haben nichts miteinander zu tun!“ Auch hier gehen die Meinungen, gerade bei stärker eigentümergeführten Unternehmen, weit auseinander. Während viele eine klare, traditionelle Pressearbeit für sich genom- men schon sehr hoch schätzen, legen andere einen kleinen Finger in die Wunde: Läuft der Vertrieb nicht, muss das PR-Budget gekürzt werden. Häufig wird diese Haltung auch begleitet von der Auffassung, dass PR-Artikel das ideale „Teaser-Instrument“ für Investorenkontakte darstellen, sozusagen die effiziente und kostengünstige Möglich- keit zur Generierung von Marketingmaterial. Wenn Inhalte, Qualität, Performance etc. das Versprechen halten, dann erscheint diese Auffassung nicht völlig unsinnig. Für „kleine“ Unternehmen erscheint es geradezu ideal, wenn der interne oder externe PR-Support diese Philosophie lebt. Gegenbeispiel: Es soll PR-Leute geben, die noch nie mit einem Investor gesprochen haben und darüber hinaus vielleicht inhaltlich auch kein Interesse am direkten Dialog haben. Ausblick – Chancen für Business Developer Die Diskussion über Mythen oder vermeintliche Mythen in der Branche kann viel Potential bieten. Die Kapitalanlagegesellschaften, die es schaffen ein optimales „Konzert“ im Bereich Marketing-Mix (z. B. Komponente PR und Vertrieb) zu dirigieren, werden verstärkt Interesse von unabhängigen Fondsinitiatoren auf sich ziehen. Die PR-Fachkräfte, intern oder extern, die Fondsinitiatoren glaubhaft signalisieren können, das Sie Themen aktiv aufgreifen können –idealerweise fachlich eigenständig inves- torenrelevante Informationen aufbereiten können (Fachartikel, Umfragen etc.) – werden sehr gefragt sein. Unabhängige Asset Manager unterliegen großem Marktdruck, sind naturgemäß natürliche Business Developer. Folglich können sie einen Gedanken- gang gut nachvollziehen: Public Relations soll der langfristig positiven Positionierung in der Öffentlichkeit dienen und kann den Vertrieb aktiv unterstützen! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Finanzkrise, Prozyklik bei Produktpolitik, Kurzfristdenke – alles kritische Punkte, mit denen sich die Finanzindustrie weltweit auseinanderzusetzen hat. Bei vielen dieser Punkte wird dem Dialog mit kritischen Investoren und anderen Teilnehmern nicht ausgewichen. Die Finanzindustrie und viele PR-Fachleute haben wohl erkannt, dass Transparenz und Dialogbereitschaft gefordert ist. Vielleicht ist es auch ein Eindruck von Resignation und Kapitulation – zu viel Negatives ist in den letzten Jahren in den Medien diskutiert worden. Im letzten Quartal veröffentlichten Universal- Investment und Union Investment Studien, die das verstärkte Interesse der institutionellen Investoren an Real Assets beschrieben. Der positive Tenor der Studie kann durchaus Hoffnung geben. Investitionen in die Bereiche Solar, Wind, Agrar- und Forstwirtschaft werden häufiger mit dem Label „Langfristdenke“ und „Nachhaltigkeit“ in Verbindung gebracht. Differenziertere Betrachtungsweisen er- lauben auch eine kritische Pro- und Kontra-Diskussion, die sich im Fluss befindet. Welche Geschäftspotentiale könnte der beschriebene Trend für Kapitalanlagegesellschaften bieten? Wie kann ein ideales Projekt aussehen? KAGen und Prozyklik bei Fondsinitiatoren Viele Muster und Strukturen findet man in ähnlichen Facetten in verschiedenen Indus- trien – oder auch in ein und derselben Industrie. Aus dem Bereich Fondsboutiquen und Private Labels Fonds ist die Qualitätsspreizung bei Fondsprojekten bekannt. Verkürzt ausgedrückt, zugegebenermaßen ein „grober Keil“: a) Projekte, die aus reiner Opportunismus-Denke entstehenb) Projekte, die auf den ersten Blick keinen Selbstläufer darstellen, jedoch Potenzial besitzenc) Projekte, wo Fondsprojektparameter stimmig sind, also Wunschprojekte für Kapitalanlagegesellschaften Diese Strukturen lassen sich, vereinfacht gesehen, auch auf den Bereich der Real Assets-Fondsauflagen übertragen. Zusätzlich erschwerend wirkt hier vielleicht in vielen Fällen, dass Finanzfachmann mit Finanzfachmann Projekte bespricht, bei denen häufig das „Underlying“ eher zusätzlich technische Kompetenz verlangen könnte (Kraftwerke, Agrarwirtschaft, Erneuerbare Energien und Technologie als Stichworte). Projekttypen – Bindung von Beratungskapazität bei KAGen Projektvariante „Plain-Vanilla-Opportunismus“ Die oben beschriebenen Projektvarianten binden Ressourcen im Tagesgeschäft von Kapitalanlagegesellschaften. AIFM-Richtlinie, Umsatzeinbruch bei Geschlossene Fondsgesellschaften, Attentismus bei Investoren – alles mögliche Gründe dafür, dass Angestellte das Lager wechseln und sich zum Real Assets-Manager berufen fühlen bzw. zum „Generalunternehmer“. Häufig scheitern diese an die Kapitalanlagegesellschaften herangetragenen Projekt daran, dass Know-how nur bruchstückhaft vorhanden ist oder auch ausreichend, aber kein Seed Money vorhanden ist und auch kein Budget, um ein ökonomisch tragfähiges Projekt zu initiieren. Opportunismus als Treiber („Real Asset ist ja eine Sache, die derzeit gut läuft“, etc.) führt auch hier zu langen Gesprächen in Kombination mit einer höflichen Absage bzw. Verweis in die Wiedervorlage. Die Fondsinitiatoren vergessen häufig, dass auch Kapitalanlagegesellschaften langfristig gesehen ein Reputationsrisiko managen müssen bei dieser Art von Projektkategorie. Es wäre fatal, wenn das eigene Fondsauflage Projektportfolio später mit einer großen Anzahl von „fußkranken“ Projekten belastet wäre. Projektvariante „Kein Selbstläufer“ Es gibt viele Know-how-Träger, die exzellent in der Industrie vernetzt sind. Die technologisches Know-how und Netzwerk haben. Die vielleicht schon in der Ver- gangenheit Erfahrung in der Beratung von Fondsprojekten im Real Assets-Bereich besitzen – oder die zumindest mehr oder weniger glaubhaft machen können, dass sie ihr erstes Projekt erfolgreich durchführen könnten. Guter Wille ist da, Know-how ist da – wie so oft, auch hier fehlt es an Seed Money für das Projekt. Im Unterschied zur Gruppe der Opportunisten werden die Anstrengungen in dieser Projektkategorie oft flankierend begleitend von eigenen Ressourcen (Zeit, Personal, Budget). Dies wird positiv betrachtet bei der Kapitalanlagegesellschaft, aber auch hier gilt: Kein Seed Money, Zeitschiene bis zur Realisation noch unsicher – das heißt zunächst einmal zurück an Start. Status: Wohlwollende Beobachtung durch Kapitalanlagegesellschaft, in Kontakt bleiben, regelmäßig Projektstatus kommunizieren: Solche Projekte können realisiert werden. Oft wird die Zeitschiene stark fehleingeschätzt. Zuweisungen von internen und externen Ressourcen erfolgen oft erst nach langen internen Diskussionsprozessen beim potenziellen Initiator. Strategischer Engpass sind hier häufig Punkte wie kein zentrales Projektmanagement, unzureichende Budgets und Unterschätzung von Zeitaufwand bei der Ansprache potenzieller Investoren und von fachlichen „Sounding Boards“. Oft liegt „nur“ eine Projektideenskizze vor – wie im Kunstbereich läuft es auf die Frage hinaus: Wer finanziert meinen durchaus potenziell rentablen „Vogel“? Projektvariante „Potenzieller Selbstläufer“ Grundsätzlich ist zu sagen, dass „Selbstläufer“ in diesem Sinne selten sind. Mit etwas Zurückhalten kann man solche Fondsprojekte als „selbstlaufend“ beschreiben, bei denen optimaler Weise schon vorher vom Fondsinitiator erfolgreich ein Fondsprojekt „gemanaged“ wurde. Optimaler Weise hat der potenzielle Fondsauflage-Initiator schon einen Namen in der Branche, einen exzellenten Track Record in seinem Segment (Erneuerbare Energien, z. B. etablierter Windkraftanlagenhersteller etc.). Zusätzliche Freude kann beim Berater der Kapitalanlagegesellschaft die Information bereiten, dass man diese Art von Projekten schon seit Jahren mit institutionellen Investoren betreibt. Optimal ist in Verbindung hiermit schon die Zusage von potentiellen Seed Money-Gebern. „Wünsch-dir-was-Projekte“ dieser Art gibt es im Markt, wie bei guten Immobilien gilt: Die „Filetstücke“ sind schnell platziert. Optimaler Initiator, optimale Kapitalanlagegesellschaft und Seed Money – ein guter Mix, um ein erfolgreiches Fondsauflageprojekt zu starten. Potenzial: Inland und Ausland – Qualität kombiniert mit attraktiver Rendite ist gefragt Natürlich sind die oben sehr holzschnittartig skizzierten Projekttypen ein reduzierter Variantenköcher. Man kann diverse Abschwächungen oder alternative Ausprägungen finden. Opportunismus ist beispielsweise nicht per se die Motivationsstruktur von nur einer Fondsinitiatorengruppe, der Mix macht es am Schluss. Überzeichnungen und Idealtypen erleichtern vielleicht dem einen oder anderen Fondsinitiator im Real Assets-Bereich (Real Estate, Gold etc. wurden hier bewusst ausgeklammert) eine Standort- bestimmung. Qualität, Zeit und Ressourcen sind zumeist die wesentlichen Stellschrauben für die beschriebene Art von Fondsauflageprojekten. Ein Beispiel: Hauptmotivation für die Neuauflage können weder die Konsequenzen der AIFM-Umsetzung für den Bereich Geschlossene Fonds im beschriebenen Bereich sein, schon allein aus Risikomanagement-Gesichtspunkten. Ein vormals guter Angestellter muss keineswegs ein guter Fondsmanager sein. Selbst Rechtsanwälte, wie auch andere externe Dienstleister, arbeiten heutzutage bei solch erkennbaren Projekt- designs oft auf der Basis von Vorkasse, da sie sich nicht als karitative Einrichtung für „notleidende“ Fondsinitiatoren betrachten. Das grobe Raster gilt nicht nur Projekte von inländischen Fondsinitiatoren, sondern auch für potenzielle ausländische Fondsinitiatoren aus dem Bereich Real Assets. Es kann exzellente Adressen mit ausgewiesener Expertise (zum Beispiel Agrar- oder Forstwirtschaft) aus Asien oder Lateinamerika geben. Natürlich würde der relevante Markt für attraktive Fondsauflageprojekte für deutsche Kapitalanlagegesellschaften (ggfs. inklusive Luxemburg-Option) erheblich erweitert. Als Know-how-Center könnten hier gerade in Deutschland die Kapitalanlagegesellschaften als erster Anlaufpunkt einen Mehrwert bieten. Ausblick: Potenzieller Engpassfaktor Kommunikation und Personal AIFM, UCITS etc. – viele Tendenzen

  • Erneuerbare Energien, Agrarinvestments, Forstwirtschaft und diverse andere Real Asset-Komponenten („Sachwerte“) haben mittlerweile Mainstreamcharakter in der täglichen Berichterstattung. Kontroverse Diskussionen über die sogenannte Energiewende in Deutschland finden ebenso regelmäßig statt wie auch die Diskussion in der Fachpresse über attraktive Investmentmöglichkeiten und über adäquate Produktverpackungen. Die Branche vergibt Attraktivitätspunkte für Investorengruppen. Eine der vielleicht nicht am wenigsten attraktiven Gruppen scheinen Family Offices zu sein. Eine Frage, die sich vielleicht stellt: Rennt man dort eigentlich offene Türen ein, mit „Vehemenz“ in der Produktpräsentation von Real Asset-Produkten seitens der Produktanbieter aus In- und Ausland? EntscheidungssituationInvestmentfelder wie Erneuerbare Energien (Windkraft, Solarenergie, Biotreibstoffe etc.), Infrastruktur, Immobilien sowie Forst- und Agrar- investments erinnern in ihrer Ausgestaltung oft eher an Projektfinanzierungen bzw. Direktinvestments, sofern man an dieser Stelle einmal die bekannten SRI-Anlageinstrumente wie Aktien, Renten und Fonds weniger intensiv betrachtet (Transparenzvorteil: Datenbanken, Research – Nachteil: Kriterien Diskussion). Verkürzt dargestellt: Bei komplexen Investmentstrukturen und bei fehlendem Branchen-Know-how betrachten viele Produktentscheider aus Family Offices eine Black Box: Investiere ich in ein Projekt oder ein Bündel von Projekten, dann investiert man häufig „unternehmerisch“ mit einer Zusatzkomponente Illiquidität (zumindest temporär). Die Managementqualitäten von in- oder ausländischem Produktanbieter müssen evaluiert werden. Branchenspezifische Eigenheiten müssen berücksichtigt werden, Produktverpackungen müssen bewertet werden. Komplexitätsreduktion beim Produktauswahlprozess erscheint notwendig. Family Offices und RisikomanagementDiskutiert man mit Vertretern von Family Offices über klassische Investmentprodukte oder über scheinbar neue Real Asset-Produktvarianten wird eine Sache schnell klar: Langfristorientierung bei der Investmentpolitik, „moderat-realistische“ Ertragsvor- stellungen und ein starker Risikomanagementgedanke stehen dort im Fokus des Produktauswahlverfahrens. Bereits gemachtes Vermögen soll erhalten werden, natürlich widerspricht dies nicht dem Wachstumsziel. Auf einen Wert von Ausgleich der realen Inflationsrate & Faktor „x“ kann man sich einigen. Wachstum durch operative Hektik bei Allokationsentscheidungen oder die blinde Gefolgschaft gegenüber Pro- dukten sind hier fehl am Platz. Als verantwortlicher Verwalter von Mandantengeldern gilt hier das Motto: In der Ruhe liegt die Kraft! Regulierung und RisikoGegenwärtige Trends im Bereich Regulierung kommen dem Primat des Risiko- managementgedankens bei Family Offices entgegen. Stichworte: AIFM, Geschlossene Fonds. Viele der oben genannten Real Asset-Investionsangebote werden derzeit häufig im Produktmantel „Geschlossene Fonds“ angeboten. Durch die AIFM-Richtlinie geraten hier Felder wie Transparenz, Auslagerung, Organisation, Verwahrung und Eigenkapital in den Mittelpunkt der Diskussion. Produktanbieter in diesem Feld müssen derzeit ihr Geschäftsmodell prüfen. In Zukunft werden klassische Kapitalanlage- gesellschaften wie Universal-Investment, Hauck & Aufhäuser, Union Investment etc. in diesem Themenfeld eine größere Bedeutung gewinnen. Durch die aktuelle „Regulierungsdichte“ im Bereich der Kapitalanlagegesellschaften und durch deren Erfahrungen an verschiedenen Fondsstandorten sowie durch Regulierungs- und Reporting-Know-how im Real Asset-Bereich qualifizieren sich Kapitalanlagegesellschaften immer stärker als geeigneter Diskussionspartner für institutionelle Investoren, wie zum Beispiel Family Offices. Ausblick: Konstruktiver Attentismus und Prozess des EntdeckungsverfahrensIn- und ausländische Produktanbieter im Bereich Real Assets scheinen derzeit durch Ertragsdruck bei bestimmten Investorenkreisen und nicht zuletzt durch Ertragsdruck im Kreis der Produktanbieter zu erhöhter Aktivität ermutigt zu werden. Vergessen wird bei dem Kommunikationssetting zwischen Family Office und Produktanbieter häufig, dass auch Produktentscheider nur Menschen sind, die ökonomisch mit dem Faktor Zeit und Information umgehen müssen. Auf beiden Seiten kann hierdurch Frustration entstehen, Produktabsatzerfordernisse stehen oft im Gegensatz zum Investorenbedürfnis. Da die Vielfalt der Produktvarianten „Real Assets“ auch ein Entdeckungsverfahren hinsichtlich Know-how und Selektionsprozess (z. B. intern oder extern?) darstellen, kann man für die Mandaten mancher Family Offices eine Variante zum Zeitgewinn favorisieren: Investments in Real Assets – „konstruktiver Attentismus“ als Weg zum organischen Aufbau von Know-how! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • „Ich weiss nur, dass es anders werden muss, damit es besser wird“ (Thorsten Schröter). Wandel ist Bestandteil und Motor auch in der Asset Management-Industrie. Man sollte meinen, dass im Bereich der eigentümergeführten Vermögensverwalter mit eigenen Fonds (Fondsboutiquen) diese Philosophie mit Dynamik gelebt wird. „Hidden Champions“, „Vermögensverwaltende Ansätze“ und die Vorteile der Spezialisierung werden in diesem Zusammenhang oft angeführt. Richtig ist, dass es viele exzellente Vermögensverwalter gibt, die im Private-Label-Fonds-Bereich aktiv sind. Vermisst wird in der Diskussion häufig der Aspekt, dass es auch eine große Anzahl von mittelmäßigen bis „unterdurchschnittlich guten“ Managern gibt. In der Wahrnehmung bei Privatkunden und Institutionellen spielen diese Adressen eine untergeordnete Rolle. Geschäftszyklus und Fondsauflage Viele klassische Vermögensverwalter durchlaufen oft die Stationen von Einzelwertpapierberatung zur sogenannten standardisierten Vermögensverwaltung. Oft schließt sich gleichzeitig oder kurz darauf folgend die Fondsvermögensverwaltung, der eigene Fonds bzw. der Dachfonds an. Viele Vermögensverwalter haben diese Stufen, unabhängig von der Reihenfolge, durchlaufen. Viele Kapitalanlagegesellschaften wie Universal-Investment, IP Concept, AmpegaGerling und andere haben in der Vergangenheit mit diesem Kundensegment Fonds aufgelegt oder legen diese derzeit auf. Sonderfaktoren wie der Fondsauflage-„Hype“ durch die Einführung der Abgeltungssteuer spielten auch eine Rolle in diesem Geschäftszyklus und haben zusätzlich dazu beigetragen, dass viele Vermögensverwalter heute Fonds betreuen, die diese und ihre Kunden nicht nachhaltig erfreuen. Stärke kann zu Schwäche werden Interessant erscheint die Betrachtung einiger Aspekte, die gerade im Bereich der eigentümergeführten Vermögensverwalter bzw. bei Fondsboutiquen allgemein dazu führen könnten, dass sich Misserfolge bei der Fondsauflage ergeben. Ein Grund dafür könnte u.a. sein, dass Fonds von Verwaltern betreut werden, die zwischen zum Beispiel 2-8 Mio. Euro Fondsvolumen liegen. Eine weitere triviale Erklärung kann sein, dass der Vermögensverwalter sich aus rein opportunistischen Gründen (Markzyklus, Aktualität, Verdienstpotential) für die Fondsauflage entschieden hat. Ein anderer Grund kann einfach sein, dass sich die Fondsauflage aus rein administrativen Sachzwängen (effiziente Betreuung von hoher Kundenanzahl) ergeben hat. Weniger diskutiert wird ein Phänomen bei eigentümergeführten Unternehmen, das ungewollt den einen oder anderen Vermögensverwalter in die Sackgasse (kein überzeugen- der Fonds, schlechte PR durch Transparenz bei Fonds) geführt haben könnte: Konventioneller „Starrsinn“ und Beratungsresistenz. Mit der gleichen Hartnäckigkeit und Ausdauer, mit der man sich seine Existenz in einem hart umkämpften Marktumfeld erobert hat, verfolgt man sein Ziel bei der einmal getroffenen Entscheidung zur Fondsauflage. Kein Zurücktreten, keine Betrachtung aus einer Meta-Perspektive, keine Revision der einmal getroffenen Entscheidung – Faktoren wie Selbstüberschätzung (Portfolio-Management) oder auch die Angst vor Gesichtsverlust können eine Rolle spielen. Die Kirche bleibt im Dorf Thematik ist hier nicht ein unreflektiertes „Vermögensverwalter-Bashing“. Die oben beschriebenen Phänomene von unzureichenden Leistungen in der Vermögensverwaltung/Kundenberatung finden sich auf Direktmandatsebene ebenso wie auch auf Fondsebene, als Phänomen genauso im Bereich von Privatbanken, Family Offices, Consultants und konzerngebundenen Asset Managern. Stichwort: Das nicht ganz unumstrittene Gesetz der Normalverteilung. Oder: Es gibt immer nur eine bestimmte Anzahl von Spitzenleistungen. Vergessen wird oft, dass auch konzerngebundene Organisationen mit großem Vertriebsnetz durch wenig-prächtige Produkte nicht auf ewig große Fixkostenapparate finanzieren können. Transparenz und Regulierung werden mittel- bis langfristig einen starken, marktbereinigenden Druck weiter ausbauen. Ausblick Die Frage, die sich die Industrie (KAGen, BVI, VuV etc.) vor dem Hintergrund zunehmender Regulierungsdichte im Bereich Vermögensverwaltung und Fondsauflage stellen könnte: Was kann man tun, dass es nicht durch Regulierung und Marktdruck zu einer nachhaltigen Schwächung der Position der unabhängigen Vermögensverwalter als ein wertvoller Teil der Beratungskultur kommt? Fondspooling, Kooperationen, PR – dies sind alles Versuche, dem seit vielen Jahren angeschlagenen Patienten zu helfen; schade wäre es, wenn man nur auf die Macht des Faktischen („Fondssterben“) setzen würde. Ob es eine endgültige Lösung für das Thema gibt, sollte Teil eines Suchprozesses für die ganze Industrie sein: Welchen Mehrwert kann ein unabhängiger Vermögensverwalter bieten, der möglichweise einen „durchschnittlichen Fonds“ managed? Allein die Tatsache, dass sehr viele dieser Manager lange am Markt existieren, könnte vielleicht ein Indiz dafür sein, dass der Unabhängige auch ohne großen Vertriebsapparat dem Kunden einen Mehrwert bietet! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • „Was ist die Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern. Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen“. Vielleicht ist dies eine gewagte Aussage von Friedrich Nietzsche, vielleicht kann man es gelegentlich auch als eine Zustandsbeschreibung des Bereiches Kapitalmarkt- prognosen bzw. Portfoliomanagement betrachten. Diejenigen, die Volkswirtschaftslehre als „Scheinwissenschaft“ bezeichnen, verweisen auf die Finanzmarktkrise und die Aussagefähigkeit bzw. Nicht-Aussagefähigkeit von Kapitalmarktprognosen. Die goldene Mitte – nicht immer der falsche WegEine realistische Erwartungshaltung wirkt manchmal Wunder: Zwischen Verdammnis von Kapitalmarkt- prognosen bzw. Markteinschätzungen aus dem Bereich Portfoliomanagement und einer kritiklosen Gläubigkeit könnte es ja noch eine andere Sichtweise geben. Genauso wie der Bankangestellte nicht der Garant für die Outperformance aller Kundendepots ist, so ist der prognostizierende Analyst nicht der Hüter des Grals von Wahrheit und Weisheit. Beide Berufs- stände beherrschen ein Handwerk, Methoden und bedienen sich gewisser „Denkgebäude“ – nicht mehr und nicht weniger. Konstruktiv betrachtet: Aufklärung, Risikomanagement und das Aufwerfen der richti- gen Fragen könnte hier ein Anspruch an den Berufsstand sein. Und natürlich – es gibt auch gute Bankfachleute und gute Finanzanalysten, aller schlechten Presse zum Trotz. Frankfurter Impressionen – Roundtable und ModerationenWozu können weniger hohe Erwartungen an Finanzanalyse und Portfoliomanagement führen? Beispielsweise dazu, dass der institutionelle Investor der Illusion beraubt wird, dass ein Dritter durch Abgabe von Einschätzungen und Prognosen die eigene Aufgabe des Entscheiders über Investments übernehmen kann: Entscheidungen treffen, Asset Alllocation festlegen, eine eigene (!) Markteinschätzung entwickeln. Aus eigener Erfahrung in Moderationsrunden, Vorträgen und im direkten „Projekt-Gedankenaustausch“ mit Investoren erstaunt immer wieder, dass viele dieser Marktteilnehmer zunehmend auch „Research“, Marktprognosen und Trendbe- schreibungen von unabhängigen Asset Managern schätzen lernen. Fondsboutiquen Private Label Fonds-Initiatoren von Kapitalanlagegesellschaften wie Universal-Investment, Hauck & Aufhäuser, IP Concept und vielen anderen werden sich der Herausforderung stellen müssen – neben dem Kriterium Performance besteht auch ein Interesse nach alternativen Quellen der Kapitalmarktbetrachtung bei Investoren. Kreativität ist gefragt, Know-how trägt zur Kundenbindung bei, Meinung ist gefragt: „Wo nichts wahr ist, ist alles erlaubt“ (Friedrich Nietzsche). Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • „Erfahrung ist eine verstandene Wahrnehmung“ (Immanuel Kant) – interessant erscheint die Frage, ob Erfahrung auch immer positiv das Handeln von Marktakteuren bestimmt oder unter Umständen ignoriert werden kann. Der deutsche Fondsmarkt erscheint in den letzten Jahren zunehmend attraktiver für ausländische Asset Manager. Ein Treiber hierfür können zum einen die UCITS-Thematik, der Abbau administrativer bzw. regulatorischer Hindernisse, wie auch die Professionalisierung auf Investorenseite und ein Entstehen einer unabhängigen Dienstleisterindustrie sein (Marketing, PR, Placement Agents etc.). Man hat schon seit langer Zeit erkannt, dass gute Asset Management-Talente außerhalb Deutschlands zu finden sind. Fonds-Neuauflagen bei Kapitalanlagegesellschaften wie Universal -Investment, LBB Invest, HSBC Trinkaus und anderen „Promotern“ der bankunabhängigen Fondsadvisors zeigen, dass der Absatzmarkt Deutschland interessant ist. Auch die etablierten, konzernabhängigen Häuser wie DWS und Union Investment verfolgen den Markt für ausländische Asset Management-Expertise mit großer Aufmerksamkeit. Ob „kleiner“ oder „großer“ Manager aus dem Ausland, die gemachten Erfahrungen weisen oft eine große Ähnlichkeit auf. Am Rande bemerkt – auch inländische Anbieter können sich teilweise auf der „Mikroebene“ diesem Erfahrungsschatz kaum verschließen. Erfolgreiche Markteintritte gibt es natürlich, interessant erscheint vielmehr, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Welche Faktoren können mögliche Stolpersteine für den Markteintritt darstellen? Unterschätzung von Marktpotential – die angezogene HandbremseAusländische Manager aus USA, Kanada und Australien betrachten oft Europa als eine Einheit, die aufgrund von Sprachaffinität zunächst einmal aus London zu bearbeiten ist. „Hit-and-run“-Entry, vorzugsweise gepaart mit administrativen „Baustellen“ sind bekannte Vorgehensweisen. Für Asien erscheint vielen Managern der eigene Markt derzeit attraktiver (Singapur, Hongkong etc.): Europa erscheint unsicher, auf dem „absteigenden Ast“. Vergessen wird bei unzureichender Marktbearbeitung oder bei negativer Markteinschätzung, dass Europa und insbesondere das vorwiegend deutschsprachige Europa (Deutschland, Österreich, Schweiz) einen sehr attraktiven Absatzmarkt bilden. Nicht nur Größe erscheint attraktiv, sondern auch die Vielfalt an Absatzkanälen bzw. Zielgruppen. Wenn man zum Beispiel mit begrenzten Ressourcen an das Projekt „Markteintritt Deutschland“ geht, kann man unter Umständen schnelle Erfolge vorweisen. Vergessen wird häufig, dass nur ein sehr kleiner Teil des Marktpotentials genutzt wird. Für die Vertriebsziele des „Head of International Business Development“ mag dies förderlich sein, für den ausländischen Asset Manager insgesamt kann man sich ein langfristig ertragreicheres Szenario vorstellen. Budget und Ressourcen könnten für die Vertriebsaufgabe oft ausgeweitet werden, um auch zeitnah Marktchancen in Deutschland wahrzunehmen. Fehleinschätzung von potentiellem MarktdurchdringungsgradEng in Verbindung mit der Fehleinschätzung von Marktpotential steht bei vielen ausländischen Anbietern auch das sogenannte „Tonnagedenken“ im Sinne von: „Eine große Adresse muss großen Umsatz bringen“. Oder auch: „Der Consultant als erste Anlaufstelle wird es schon richten“. Beliebt erscheint manchmal auch: „Wenn ich auf einer Plattform zum Vertrieb registriert bin, dann werden die Investoren auf mich aufmerksam“. Strategische Partner mit einer gewissen Größe haben Verhandlungsmacht und es gibt keine Gewähr dafür, dass die alleinige Aufnahme in eine Preferred Partner-Liste bzw. die Aufnahme auf eine sogenannte „Watchlist“ einen aktiven Fondsvertrieb in Deutschland ersetzt. Consultants sind anerkannte Know-how-Center – vergessen wird von ausländischen Anbietern oft, dass auch viele Consultants davon abhängig sind, dass überhaupt aktiv von deren Kunden Mandate ausgeschrieben werden; ganz zu schweigen davon, dass hier oft der Kampf zwischen zeitintensivem „Ausfüllen von RFPs“ versus hohem Margendruck bei Beauty-Contests zu sehen ist. Auch hier erscheint ein bequemer Weg verführerisch (Asset Manager-Listen), den man vielleicht trotzdem mit zusätzlichen Vertriebsaktivitäten ergänzen sollte. Eine ähnliche Thematik findet man bei Plattformen, auf denen Vertriebspartner Fonds ordern können. Die Passivität dieses Vertriebsansatzes sticht ins Auge. Natürlich sollte gelten: Das eine tun, das andere nicht lassen! Personaleinsatz, Meilensteine und ZielgruppeViele ausländische Asset Manager haben naturgemäß einen Fokus auf den Heimatmarkt. Die Bearbeitung ausländischer Märkte wird in vielen Fällen einem Head Of International Business Development übertragen oder einem regulärem Sales-Mitarbeiter als Sonderprojekt. Natürlich gibt es Unterschiede bei Fondsboutiquen gewisser Größe zu Häusern, die zum Beispiel konzernabhängig hunderte von Milliarden Dollar verwalten. Selbst der engagierteste, international tätige Sales-Mitarbeiter gerät hier schnell an seine Grenzen. Reisen, Gespräche, Protokolle, Follow-up-Anrufe und -Besuche sind zeitaufwändig. Bei einem „Markteintritts-Nebenberufler“ (Projekt) besteht eine noch größere Gefahr , dass viel Potential für die Marktdurchdringung verschenkt wird. Allein die Anzahl von Dachfondsmanagern, Banken, Family Offices, Corporates etc. verteilt auf die verschiedenen Investorenadressen (dezentrale Struktur in Deutschland), überfordert viele Gesellschaften. Vergessen wird oft auch, dass das Datenmaterial von Ausländern oft unzureichend erscheint (Zielgruppendatenbanken – „weiße Krater“ statt „weißer Flecken“!). Bei unzureichendem Personaleinsatz lassen sich bei Markteintrittsprojekten oft schwer intern Erfolge verkaufen. Eine bestimmte Anzahl von Reisen, einige Gespräche – viele vielleicht verbunden mir reinem „Fact-finding-mission-Charakter“ – stellen langfristig keine Markteintrittsstrategie im Asset Management-Vertrieb da. Wie will man Meilensteine definieren und erreichen, wenn man sozusagen über lange Zeit nur einen Zeh ins Wasser steckt? Reaktionsmanagement, Erwartungen und PrioritätenAus den oben angeführten drei möglichen Stolpersteinen lassen sich oft interessante Reaktionsweisen von ausländischen Anbietern ableiten. Erwartet man zu viel in zu kurzer Zeit, werden Vertriebsprojekte zeitlich stark gestreckt und Investoren in Deutschland wundern sich dann, dass fachlich gesehen attraktive Asset Management-Adressen nie so richtig wahrgenommen werden. Eine Spekulation: Vielleicht hat die Geschäftsführung des ausländischen Managers bestimmte Hausaufgaben intern oder extern nicht erledigt. Oder der interne Promoter des Projekts „Markteintritt Deutschland“ hat im Unternehmen aufgrund ständig wechselnder Prioritäten („Asien ist jetzt interessanter als Europa inklusive Deutschland!“) einen schweren Stand. Vertrieb erfolgt dann nach dem Muster „Stop-and-Go“. Eine andere Reaktionsweise kann darin bestehen, an einer schlechten Strategie festzuhalten, aber die Anstrengungen zu verdoppeln. Ein Beispiel hierfür kann der Anbieter sein, der eine durchschnittlich performende Hedgefondsstrategie im UCITS-Mantel verpackt und meint, dass deutsche Investoren solche Produkte schätzen würden. Verantwortlichkeit, Revision von Entscheidungen, Richtungswechsel – alles Felder, die nicht nur in der Asset Management-Branche in Zukunft viel Optimierungspotential bieten. FazitWie zu Beginn beschrieben, gibt es viele erfolgreiche Markteintritte in Deutschland. Deshalb erscheint es umso interessanter, dass die oben willkürlich ausgewählten Punkte bei Markteintritten immer wieder Bedeutung besitzen. Obwohl die angeführten Erfahrungen zeigen, dass es kritische Faktoren beim Markteintritt gibt, werden diese oft ganz oder in Teilen nicht berücksichtigt. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass viele Erfahrungen „selbst“ gemacht werden wollen oder müssen. Vielleicht herrscht Misstrauen bei ausländischen Managern gegenüber internem oder externem Know-how und Unterstützung. Vielleicht gibt es aber auch eine ganz einfache Regel bei der Verarbeitung von Erfahrung, die in kluges Handeln umgesetzt werden

  • Seed Money, auf Deutsch Start- oder Anfangsgeld, wird in der Regel als Anschubfinanzierung für Fondsprojekte eingesetzt. Wie Initiatoren einen Sponsor für ihre Idee gewinnen können… Originalton eines potenziellen Seed-Investors in Frankfurt für verschiedene Projekte, die vielleicht gefördert werden könnten: „Im Zweifelsfalle gehe ich davon aus, dass es doppelt so lange dauert und nur halb soviel Ertrag einbringt wie prognostiziert“. Diese sehr klare Herangehensweise erscheint ambitioniert und verkleinert das Potenzial von möglichen Seed-Money-Kandidaten sehr. Projektmanagement im Bereich Seed-Money-Suche für die Private Labels Fonds-Auflage kann von dieser klaren Linie profitieren. Als Private-Label-Fonds (PLF) bezeichnet man Publikumsfonds, die von einer Kapitalanlagegesellschaft in Kooperation mit externen Partnern aufgelegt werden. Oft wird vergessen, dass noch so viele kommunikative Exzellenz einen Mangel an systematischer Vorgehensweise oder Produktqualität schwer ersetzen kann. Insbesondere dann, wenn der Portfolio-Manager beziehungsweise Berater keine etablierte Größe in seiner Anlagekategorie darstellt. Ein ähnliches Setting ergibt sich übrigens häufig bei “ großen Gesellschaften“, wenn der Portfoliomanager zum Beispiel ohne große Erfahrung neue Fondskonzepte umsetzen soll (Beispiele: 130-30-Fondshype, UCITS-Thematik, SRI). Nicht nur “ kleine“ Gesellschaften, die hier betrachtet werden, haben oft Schwierigkeiten, gute Fondskonzepte an mögliche Seed-Investoren heranzutragen. Offene und geschlossene Fondswelt liegen übrigens in dem Projektfeld Seed Money-Suche auch nicht so weit auseinander – leider wird hier oft nicht bereichs- übergreifend gedacht. Auf den Punkt gebracht: Am Ende des Tages geht es um die Präsentation einer Investmentidee – Produkthülle sollte Inhalt folgen. Kapitalanlagegesellschaften – nicht der klassische Seed-InvestorEtablierte Fondsgesellschaften wie DWS oder Union Investment mögen über potenzielle Ressourcen verfügen, um sich bei bestimmten Produkten sozusagen in der „Anschubfinanzierung“ einbringen zu können. Ein Kerngeschäftsfeld Seeding für Manager ohne Track Record wurde hier bisher noch nicht definiert. Auch die mehr auf das Private Label Fonds-Geschäft spezialisierten Häuser wie Universal Investment, Hansainvest oder Alceda betrachten sich in erster Linie als Service Provider und weniger als Kapitalgeber für Fondsprojekte. Seed Money-Suche – drei mögliche FragenEin zu klärender Punkt bei der Fondsauflage ist natürlich, ob das eigene Können dazu reicht, potenzielle Investoren zu begeistern. Die erfolgreiche Beantwortung dieser Frage vorausgesetzt ergeben sich bei späteren Schritten des Auflageprozesses vielleicht folgende Fragen für den Fondsinitiator:1. Kann ich den Fond mit eigenem Geld starten?2. Verfüge ich über das Netzwerk und Zugang zu potenziellen Seed Investoren?3. Besitze ich Budget und andere Ressourcen um den Prozess erfolgreich zu starten? Man kann bestimmte Punkte dieser Fragestellungen an dieser Stelle kurz diskutieren. Seeding aus eigener KraftDie Finanzierung einer Fondauflage aus eigenen Mitteln scheitert häufig an der Kapitalausstattung; vom „kleinen“ Vermögensverwaltern bzw. bei einer bestimmten Größe vom Fondsadvisor. Vielen Fondsinitiatoren fällt es auch schwer, in einem kalkulierbaren und verbindlichen Zeitrahmen Kundengelder dem potenziell neuen Fonds als Grundbetrag zuzuführen. Zu diskutieren wäre an dieser Stelle auch, welcher Betrag überhaupt zu Beginn wirtschaftlich vertretbar wäre im Sinne der Investoren, da die jeweiligen Kapitalanlagegesellschaften auch hier Fondsinitiatoreninteresse, eigene wirtschaftliche Interessen und Fondsinvestoreninteresse sinnvoll abwägen müssen. Häufig ist weniger bekannt, dass aber auch „größere“ Häuser aus unternehmens- politischen Gründen manchmal Schwierigkeiten haben, trotz exzellenter Netzwerke, für Fondsprojekte in einem vertretbaren Zeitrahmen Seed Money einzuwerben. Diese Gründe für diesen Sachverhalt findet man hier häufiger im Bereich des Produkt- managements (Prozesse, Ressourcen) und im Feld Projektmanagement. Ein Feld mit Optimierungspotenzial, die „Blackbox“ gibt es nicht nur im Portfolio Management-Prozess. Netzwerk – Kontakte sind keine GarantieEs gibt Fondsprojekte, die trotz exzellentem Netzwerk scheitern. Dieser Sachverhalt wurde von dem Autor in einem anderen Beitrag angesprochen – kurz gesagt: Fondsprojekte, auf welche die Welt nicht gewartet hat bzw. die gegenwärtige bzw. die zu erwartende Leistung des potenziellen Fondsmanagers überzeugt nicht. Bei Fondsinitiatoren, die scheinbar über ein exzellentes Netzwerk verfügen, stellt sich selbst bei erkennbarer Erfolgsträchtigkeit des Fondsauflagevorhabens (Performance, Track Record etc.) die Frage, ob der Fondsinitiator in einem vertretbaren Zeitrahmen die notwendige Anzahl von den richtigen Kontakten anspricht (u. a. auch Thematik Ressourcen): Aus Erfahrung kann man sagen, dass zum Beispiel nur eine sehr kleine Anzahl von Initiatoren überhaupt relevante Datenbanken besitzen bzw. aufgebaut haben. Auch bestimmte Family Offices haben in Teilen diese Probleme: Aus Gründen der Diskretion kann nicht „laut polternd“ auf dem Markt nach Investoren oder Co-Investoren gesucht werden, Eleganz in der Kommunikation ist gefragt – mit oder ohne Datenbanken. Erfahrungsaustausch kann hilfreich sein: Verbände wie der Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) oder auch Nachrichtendienste wie Citywire (Ausland) können oft Anregungen bieten oder aufzeigen, welche Unternehmen sich möglicherweise mit ähnlichen Fragestellungen (Produktauflage, Seeding, Vertrieb etc.) beschäftigen. Budget und Ressourcen – zentraler Stolperstein bei FondsprojektenDie Budgetierung von internen oder möglicherweise extern unterstützen Fondsauflageprojekten stellt häufig den strategischen Engpass bei der Konzipierung neuer Fonds dar. Wie bei Forschung und Entwicklung im Bereich Industrie gilt auch für die professionelle Fondsauflage: Wenn Projekte im Trubel des Tagesgeschäftes heranreifen – manchmal sogar eher aus wirtschaftlicher Not motiviert bzw. aus opportunistisch getriebener „Ertragsgier“ – besteht bewusst oder unbewusst oft die Gefahr, dass der Startschuss für eines der zahlreich am Markt zu findenden „Wir-wursteln-uns-konzeptionslos-durch“-Projekte entsteht. Am Schluss dieser Projekte steht dann ein verzweifelter Fondsinitiator, der bei der Endphase der Seed Money-Suche mit der „Streubüchse“ versucht, händeringend irgendeinen bzw. irgendwelche Investoren zu finden. Der Stresspegel bei Fondsprojekten steigt insbesondere, wenn sich langsam die Erstzeichnungsfrist dem Ende zuneigt. Eine Sondervariante dieser Stressvariante sind Gespräche mit Fondsinitiatoren mit dem Teno: „Wir haben das nötige Geld für den Fondsstart schon eingesammelt – uns fehlen nur noch die letzen zwei Millionen von zwanzig Millionen – habe Sie nicht eine Idee?“ FazitWenn beispielsweise eine unausgegorene Fondsidee auf nicht-priosierende, unterbudgetierte Projektdesigns trifft, kann der Fondsinitiator sich auf spannende, aufreibende Zeiten einstellen. Der Wunsch, einen eigenen Fonds aufzulegen, kann einen lehrreichen und erfolgreichen, ertragreichen Prozess anstoßen. Sollte sich im Laufe der kommenden Jahre eine Professionalisierung im Bereich Seed Money-Suche entwickeln, dann würde zunehmend der folgende Ausspruche Gültigkeit verlieren: „Wie Butter in der Sonne – am Schluss schmilzt nichts so schnell hin wie die Zusage von Seed Money“. Man wünscht es der Branche von Herzen – interessante neue Produkte bereiten Vertrieb und Investoren große Freude. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Mainhattan“, „Trenchcoat-City“ und „Banksterhölle“ – das sind oft noch die mehr oder weniger schmeichelhaften Bezeichnungen von Frankfurt am Main. Frankfurt polarisiert: Die Stadt Goethes, pulsierende Wirtschaftsmetropole und Äpplwoi sind eher die positive Assoziationen, die dieser zentrale Wirtschaftsstandort mit Firmen, internationalem Flair, Flughafen und einer Vielfalt an professionellen Netzwerken im Asset-Management-Bereich weckt. Worin besteht der Reiz dieses „Hubs“ des Finanzindustrie-Netzwerks? Kultur des professionellen Gedankenaustauschs versus „Kaffee-Fahrten-Setting“Die professionellen Netzwerke in Frankfurt arbeiten effizient, zeitnah und breit in die Fläche. Zum einen gibt es eine Vielfalt von Veranstaltungen, zum anderen ist die Fondindustrie hier zentral verankert. Der Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften (BVI) oder auch der Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV) sind hier ansässig. Institutionen wie die Frankfurt School of Finance oder auch die Goethe Universität sind Beispiele für bekannte Institutionen. Zusätzlich gibt es ein großes Angebot an konsularischen Vertretungen, Kanzleien und Auslandsvereinigungen und Firmen, die eine fruchtbare Kommunikationsinfrastruktur bilden. Hier wird oft in eher zwangloser Runde informativer Mehrwert geboten. Natürlich gibt es auch große Anzahl von Vertriebs-orientierten Veranstaltungen von Asset-Management-Firmen. Oft bewegen sich diese auf fachlich sehr interessantem Niveau – von unangenehmen reinen Vertriebspräsentationen sollte sich der Investor nicht abschrecken lassen. Die Industrie hat dazugelernt in den vergangenen Jahren. Foren des GedankenaustauschsBeispiele für interessante Formate in Frankfurt sind zum Beispiel im Bereich Alternative Investments die Hedgework-Veranstaltungsreihen. Die Branche diskutiert dort miteinander in verschiedensten Fachfunktionen. Auch der Event-Bereich ist vielfältig. Beispiele sind der Institutional Money-Kongress, die Morningstar-Konferenz und die Finance Week. Investorenveranstaltungen mit gutem „Mischcharakter“ findet man zum Beispiel bei IPE Institutional Investment, Citywire und Expert Investor Europe, natürlich gibt es noch viel andere Anbieter. Qualitätsmerkmal sollte sein, dass Investoren beziehungsweise Berater sich nicht zu stark von Vertriebsmitarbeitern bedrängt werden. Die Fondsindustrie orientiert sich heute stärker an den Bedürfnisse der Investoren. Man hat erkannt, dass ein Produkt auch nicht durch noch so viel Schönreden auf den Radar des Entscheiders rutscht – gute Performance, Reputation, Risikomanagement überzeugen eher. Frankfurt zeigt PersönlichkeitenNeben Luxemburg bietet Frankfurt vielen Vertretern der Private Label Fondsindustrie eine willkommene Plattform zum Kennenlernen von verschiedenen Ansätzen im Fondsmanagement: Universal Investment, Alceda, Ampega Gerling und viele andere Häuser bieten auch an diesem Standort vielen Fachinteressierten und Investoren eine Vielfalt von Veranstaltungen und Einzelgesprächsterminen mit bekannten Adressen wie Dr. Jens Ehrhardt („Familie“), Acatis (Hendrik Leber), Johannes Führ und anderen Fondsboutique-Vertretern an. Gerade dann, wenn man sich häufig verschiedene Ansätze ansehen und gerne mit sogenannten „Hidden Champions“ persönlich austauschen möchte, kommt man an Frankfurt kaum vorbei. Vergessen wird oft, dass neben dem Fachinformationszweck in der Regel auch geschätzt wird, dass Branchenkollegen mit Branchenkollegen den Meinungsaustausch pflegen können. Natürlich finden sich ähnliche positive Spill-over-Aspekte bei Veranstaltungen von Häusern wie DWS, Union Investment (Fachveranstaltung Risikomanagement) und anderen Kapitalanlagegesellschaften wieder. Warum ist Frankfurt für viele Investoren eine Reise wert?Das Informationsangebot für die Auswahl von passenden Produkten oder Asset-Managern erscheint oft kaum zu bewältigen. Der richtige Kontakt auf einer Veranstaltung oder einem Gesprächskreis hilft häufig, eine gute geistige Landkarte zu bestimmten Themenfeldern zu finden. Dies erleichtert die zusätzliche Literaturrecherche (Managerpräsentation, Fact-Sheet, Reporting). Vom reinen fachlichen Nutzen abgesehen, soll es ja vielen kontaktfreudigen Investoren eine sehr große Freude sein, einen intensiven Dialog in angenehmer Atmosphäre pflegen zu können. Wie ein bestimmter Berater in Frankfurt immer zu sagen pflegt: „Durch ein gutes Gespräch wird man nie dümmer“. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • Friedrich August von Hayek (Nobelpreisträger, Ökonomie) hat einmal den Begriff der Katallaxie bemüht, als er eigentlich nur zum Ausdruck bringen wollte, dass moderne Ökonomien durch die zunehmende Arbeitsteilung bzw. „Optimierung der Wertschöpfungskette“ immer größere Möglichkeiten für die Beteiligten bieten. Neben den positiven Aspekten von zusätzlichen Wahlmöglichkeiten (Verfahren, Produkten, Partnern, Prozessen) kann man im Asset Management-Bereich der Produktkommunikation und Produktvertrieb von Investorenseite aber auch häufig die neudeutsche Kapitulationsformel „Information-Overflow“ vernehmen – „die Mailbox ist voll – nichts geht mehr“. Können neue, informationsintensive und erklärungsbedürftige SRI-Produkte (Social Responsible Investments) in Zukunft trotzdem das Interesse des Investors gewinnen? Was sind mögliche Stolpersteine? Geschlossene Fondsanbieter – eine Branche in turbulenten ZeitenViele geschlossene Beteiligungsfonds befinden sich in einer Absatzkrise. Mit Ausnahmen allerdings: Im Bereich von Fondskonzepten aus dem Bereich von SRI (Solar, Wasserkraft, Infrastruktur etc.) erkennt man, dass das Thema zunehmend attraktiv für institutionelle Investoren ist. Problematisch erscheint, dass der Bereich Geschlossene Fonds oft nicht unumschränkt eine hohe Reputation bei diesen Investoren genießt: Ein scheinbar wahrgenommenes „Weiße-Socken-Vertriebs-Image“ und weniger schlanke Gebührenstrukturen erscheinen hier als mögliche Kritikpunkte. Ob diese Punkte fundierte Urteile oder einfach oft nur Vorurteile darstellen, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden: Fakt ist, dass das „Retail-Image“ den Vertrieb von SRI-Produkten in diesem Bereich nicht erleichtert.Getrennte Welten – Anbieter und Investor finden oft schwer zueinanderIn den Marktsegmenten Capital Markets und Asset Management beobachtet man den Trend, dass die Schnittstellen hier durchlässiger geworden sind. Ein Beispiel ist das UCITS-Format, das unter anderem vielen Hedgefonds-Konzepten den Weg in die klassische Publikumsfondsindustrie geebnet hat. Auch die ETF-Industrie besitzt eine interessante Mittlerrolle. Der beschriebene Trend der Konvergenz von „Industriebereichen“ ist alt – warum sollte es im Bereich der geschlossene Fonds und SRI-Investments anders sein? Retail versus Institutional – mit  Unterschieden in der Produktgestaltung, Projektsteuerung, technischen Administration, Controlling, Prospektgestaltung, Reporting, Gebührenstrukturen – alles Kommunikationsbarrieren im Kleinen, die die Entscheidungsgrundlage für Institutionelle bei der Produktauswahl tendenziell eher diffizil machen. Kommunikativ bleibt dieser Bereich eine große Herausforderung für Fachleute in den Bereichen Produktmanagement, Marketing und Vertrieb.Kapitalanlagegesellschaften – mögliche Brückenbauer zu institutionellen Investoren?„Das Gras ist immer grüner in Nachbars Garten“ – Natürlich suchen auch Produktanbieter von SRI-Produkten intensiv nach verstärktem Zugang zu institutionellen Investoren. Regulierungsfragen, Anlagegrenzen bei Institutionellen, die passende Produkthüllle und Gebührenstruktur für den Fonds – Fragen, die vielleicht manchmal im Bereich Geschlossene Fonds (Retail) eher „eindimensional“ diskutiert werden. Einige Fondsinitiatoren im Vermögensverwaltungsbereich und Family Offices mit Publikumsfondslösungen sowie die entsprechenden Anbieter von geschlossenen Vehikeln im Segment SRI diskutieren dieses Thema verstärkt: Was ist der passende Produktmantel um stärker bei Institutionellen auf „offene Türen“ zu treffen? Kapitalanlagegesellschaften im Private-Label-Fonds-Bereich machen sich Gedanken: Ob Universal-Investment, Hauck&Aufhäuser, IP Concept oder AmpegaGerling – alle diese Häuser erhalten zunehmend Anfragen aus diesen Bereichen. Auch Häuser wie DWS, Deka und Union Investment befinden sich hier im intensiven Dialog mit Anbietern und Investoren. Produkthülle – ein möglicher „Hygienefaktor“ für ProdukterfolgFairerweise muss man sagen, dass am Schluss die Projektqualität bei SRI-Investments den Ausschlag geben sollte. Spricht man mit vielen Produktanbietern oder Projektkonzeptionierern und vergleicht deren Vorstellungen mit den Bedürfnissen der institutionellen Investoren, tritt oftmals Erstaunliches zutage: Bestimmte Initiatoren geschlossener Fondsprodukte verfügen oft nur unzureichend über Kontakte und Erfahrung mit institutionellen Investoren. Auf der anderen Seite tun sich auch viele institutionelle Investoren schwer, mit der Verkaufsprospektwelt und „Intransparenz“ im Bereich der geschlossenen Fonds. Hier durchaus eine Anregung für Ratingagenturen, ein neues Feld auf seriöse Weise zu bearbeiten. Eine Chance existiert, weil auch die klassischen Asset Management-Consultants zum Teil noch Know-how-Lücken im Feld SRI und SRI-Fondskonstruktionen haben. Wer kennt sich im Detail über die Unterschiede von Sondervermögen nach Teil II (Luxemburg), SICAR, SIF, Spezialfonds und Sonstiges Sondervermögen aus? Wer weiß genau, wann der Geschlossene Fonds vielleicht doch die passende Verpackung ist, oder ob eher die Anleihe die optimale Lösung darstellt? Vielleicht landet man am Schluss sogar wieder beim „klassischen“ offenen Publikumsfonds. Vertrieb, „Investor Education“ und der AdlerblickDie Produktverpackung ist das eine, das andere können Themenfelder wie Qualifikation von Vertrieb und das Know-how der institutionellen Investoren sein. Auch Diskussionen bei Roundtabels mit in- und ausländischen Family Offices haben gezeigt, dass Kritik nicht immer nur an die Vertriebsseite gerichtet sein sollte. Natürlich gibt es „Sprechende Fact-Sheets“ ohne Dialogmehrwert und natürlich gibt es eine durchaus wahrnehmbare Anzahl von (böse gesagt) „Dünnbrettbohrern“ mit fachlich überschaubarem Produkt-Know-how. Man kann jedoch einwenden, dass auch bei dem einen oder anderen Investoren noch Unsicherheit darüber herrscht, wie er manche SRI-Projekte zu beurteilen hat. Gerade im SRI-Projektumfeld kommen verstärkt technische Aspekte, neben den bekannten finanziellen, zum Tragen: Viele Schnittstellen, viel Technik, viele Produkthüllen – wer kann von sich behaupten, da immer den Adlerblick zu besitzen? Häufig übersieht man, dass die Seed-Money-Suche kaum thematisiert wird. In der Fachliteratur und bei direkten Investorengesprächen findet man nur wenig Information darüber, wie viele ökonomisch solide konzipierte SRI-Projekte schon zu Beginn scheitern: Kein vorgeschalteter systematischer Produktcheck, falsch aufbereitete Materialien und keine zielgruppenadäquate Seed-Investoren-Ansprache gehen hier dann oft Hand in Hand. Wo kann die Reise hingehen?Ähnlich wie im Bereich der offenen Fonds beginnt die Optimierung bzw. Neugestaltung von Prozessen im Produktmanagement und Vertrieb von originär geschlossenen Fondskonstruktionen beim Fondsanbieter. Viele Geschlossene Fonds-Initiatoren stehen mit Ihrem Geschäftskonzept gegenwärtig auf dem Prüfstand, insbesondere in den Bereichen Alternative Energien bzw. Infrastruktur. „Schlecht“ konzipierte oder kalkulierte Produkte werden bei institutionellen Investoren auf keine große Resonanz stoßen. Werden diese Produkte zusätzlich von Vertrieblern betreut, die stärker die Sprache von Retail-Investoren sprechen, dann kann der Branchenreinigungsprozess noch an Dynamik gewinnen. Für erfolgreiche Anbieter mit Institutionellen-Qualitäten gilt: Konzipiere Gutes und sprich darüber! *) Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt/Main (www.markus-hill.com). Dieser Artikel ist auch im Asset Management Guide 2012 von IPE Institutional Investment erschienen. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Unser Reichtum basiert auf Kommunikation“ (Matt White Ridley, Buchautor) – ein Gedanke, der sich durchaus auch auf Erfolg und Misserfolg bei der Seed-Money-Suche, unter anderem im Bond-Managements, übertragen lässt. Guter Inhalt („Content“) beziehungsweise gute Performance in Verbindung mit guter Kommunikation und intelligenter, systematischer Nutzung des Netzwerks bilden oft den Grundstein für die erfolgreiche Suche nach Erstinvestoren in Rentenfonds-Konzepte. Dieser Sachverhalt wird oft mit Erstaunen aufgenommen, wenn der eine oder andere Fondsinitiator nach langen, erfolglosen Platzierungsversuchen wieder mit Verlust ein Projekt ad acta legen muss. Natürlich geht es auch anders. Private Label Fonds-Auflage: Kein „Hexenwerk“Die ersten typischen Schritte nach Identifikation eines scheinbar einzigartigen Fondskonzepts durch den Fondsinitiator („Fondsadvisor“, Vermögensverwalter, Family Office etc.) bestehen bei vielen Rentenfondsmanagern darin, in systematischer oder unsystematischer Weise zunächst einmal mit verschiedenen Kapitalanlagegesellschaften wie Universal-Investment, IP Concept, AmpegaGerling oder eine der vielen anderen Anbietern auf dem Markt zu sprechen. Was sind hier typische Gesprächsinhalte? Fondskonzept, Anlagerichtlinien, mögliche Fondsnamensgebung, erforderliches Vertragswerk, Vertriebskonzeption – oft ein Schwachpunkt – und viele weitere Punkte müssen erörtert werden, um das potentielle Projekt irgendwann mit Leben füllen zu können. Am Schluss sollte dann eine saubere Abwicklung, Administration mit einem tragfähigen Vermarktungskonzept stehen. Ausgeklammert hiervon ist in der Regel das Thema der Seed-Money-Suche zu sehen: Wenn zu Beginn nicht die ersten wirklichen „Fans“ für das Fondskonzept des Rentenexperten gefunden werden, bleiben alle Überlegungen reine Trockenübungen. Es gibt keinen Fonds. Alternatives Szenario: Der Fonds hat wenige Millionen und wird dann häufig nach einiger Zeit wieder in der Versenkung verschwinden. Häufig auch der Fall: Konzept gut durchdacht, Netzwerk da, Kommunikation stimmt und Investoren springen schnell auf den Zug. In Kombination mit guten Mittelzuflüssen in der richtigen Marktphase gelingt die Fondsauflage. Mögliche Stolpersteine und ErfolgsfaktorenWenn man häufiger mit einzelnen Mitgliedern des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV) nach Ihren Erfahrungen mit der Auflage von Fonds und dem Element Seed-Money-Suche spricht, erfährt man scheinbar Erstaunliches: Die gescheiterten Projekte bei der Erstinvestoren-Suche werden zumeist offen und ehrlich dadurch erklärt, dass man selbst nicht über tragfähige Investorenkontakte verfügt. Das Netzwerk für sogenannte Roadshows war nicht vorhanden. Genauso selbstkritisch wird aber im Nachhinein oft zugestanden, dass die eigene Expertise der Prüfung von diversen institutionellen Investoren, die für ein Erstinvestment („Seeding“) in Frage kämen, nicht standgehalten hat: Die Rentenexpertise wurde nicht oder nur in Teilen zugestanden oder die ausgewiesene Performance bei anderen Produkten und Mandaten des Fondsinitiators hat nicht überzeugt. Im Umkehrschluss: Die erfolgreichen Seed-Money-Sucher verfügten über ein gutes Netzwerk, eine überlegenen Kommunikationsstrategie und natürlich eine exzellente Expertise im Bondmanagement im Zusammenhang mit guter Performance-Zuschreibung durch die ersten Seed-Investoren. Der Branchenkenner würde sagen: Value schwimmt über kurz oder lang nach oben. Für viele Kapitalsuchende scheinbar eine langfristige Konstante für die erfolgreiche Fondsauflage. Asset Management und VolkwirtschaftAuf den Punkt gebracht: Mittelmäßige bis schlechte Bondmanager investieren oft unnötig viel Zeit ins Fondsauflageprojekt, da Kommunikation und Netzwerk diese Faktoren auf lange Sicht nicht kompensieren kann. Auch Großunternehmen im Bereich Asset Management werden im Nachhinein bei schlechten Fondskonzepten mit stagnierenden Mittelzuflüssen beziehungsweise gar Mittelabflüssen bestraft, da hilft auch die anfängliche Seed-Money-Kasse nichts. Die Due Dilligence bei institutionellen Seed-Money-Investoren erscheint hier gnadenlos und volkswirtschaftlich gesehen gerecht – gute Portfoliomanagerqualität kommt letztendlich in Form von nachhaltig guter Performance-Qualität der Allgemeinheit zugute. Warum sollten Erkenntnisse aus der regulären Waren- und Dienstleistungswelt in der Asset Management-Welt keine Geltung besitzen? Strategischer Engpass: Performance, Kommunikation, NetzwerkLangfristig gesehen regelt die Investorenseite bei der Seed-Money-Suche den Markzugang von neuen Fondskonzepten im Rentenbereich. Kleine bis mittelgroße, konzernunabhängige Fondsadvisor agieren in der Regel wie die sogenannten Hidden Champions im erfolgreichen Bereich des deutschen Mittelstands: Fokussierung auf Kernkompetenz (Rentenexpertise), langfristige und intensive Beschäftigung mit Kundenbedürfnissen (Investoren) und die Absage an opportunistisches „Herumhüpfen“, in Kombination natürlich mit überragender Produkt- und Dienstleistungsqualität (Performance). Oft wird vergessen: Der Investmentfonds mit hoher Transparenz ist eines der wenigen Produkte auf dem Markt mit täglichem Rückgaberecht und kurzen Kündigungsfristen bei institutionellen Mandaten. Der Königsweg bei der Seed-Money-Suche stellt sich vielleicht so dar: Top-Qualität (Performance, Track Record) in Kombination mit belastungsfähigem Netzwerk bei der Erstinvestoren-Ansprache und einer natürlichen Freude am Gedankenaustausch: Tue Gutes und sprich darüber – dann ist die Anfrage nach Seed Money beim Investor fast ein Vergnügen und bringt diesem auch einen Mehrwert. Im Sinne von: Wird er nicht angesprochen, entgeht die Chance auf ein vielversprechendes Investment, bei dem auch noch eine zusätzliche Incentive erfolgen könnte. Bietet der Fondsadvisor attraktiven Inhalt wird das auch vom potentiellen Seed-Investor mehr als Bereicherung gesehen, alternativ werden die Anfragen mit durchschnittlichen bis schlechten Konzepten als Belästigung und Zeitfresser gesehen. AusblickVielleicht führt ein vertiefter Dialog zwischen Fondsmanagern und Investoren auf längere Sicht dazu, dass nicht tragfähige Rentenfondskonzepte schon in einer Frühphase effizient geprüft und verworfen werden. Tragfähige Fondskonzepte zeichnet es häufig aus, dass die Managerqualität exzellent ist und vielleicht noch Optimierungspotential im Bereich Netzwerkaufbau und -ausbau besteht. Die Taktfrequenz bei Ansprachen, deren Systematik und Nachhaltigkeit, erscheint ausbaufähig. Dies sind Themen, die in der Branche Asset Management nicht Marketing- oder PR-getrieben sind, sondern eher als Erfolgstreiber ausgebaut werden könnten. In der Regel macht es sehr viel Freude, die Entwicklung von guten Talenten in einer Branche zu fördern – sozusagen das Gärtnerei-Element in der Asset Management-Industrie. Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Am 9. November findet in Frankfurt am Main die Konferenz „Germany Institutional Forum“ statt. Der unabhängige Branchenexperte Markus Hill wird dort ein Panel moderieren. Mit Entscheidern der Fondsindustrie und institutionellen Investoren diskutiert er gemeinsam über Trends und Tendenzen in diesem Marktsegment. IPE Institutional Investment-Chefredakteur Frank Schnattinger sprach mit ihm über das Panel, weitere Konferenzinhalte, über Frankfurt am Main und über dem Bereich Seed Money-Suche bei neuen Fondskonzepten. IPE Institutional Investment: Welche Themenfelder werden auf der Konferenz „Germany Institutional Forum“ angesprochen?Hill: Die Konferenz richtet sich stark an dem Bereich Institutionelles Asset Management aus. Anbieterseite und Investoren werden hier einige kontroverse Diskussionen erleben. Die Formate sind Panel-Diskussionen, Roundtables und Präsentationen. Vergleichen kann man es mit dem „Private Wealth Forum“ aus München, bei dem ich im September ein Panel zum Thema „Zukunft der Family Offices“ von dem gleichen Veranstalter begleiten konnte. Das Format bietet viel Raum und Zeit für Gedankenaustausch und Networking. Es werden in Frankfurt klassische Produktthemen diskutiert – Smart Beta, Alternative Investments, Aktives versus Passives Management und mehr. Auch die Bereich Makroökonomie, globale Asset Allocation Real Assets, Fixed Income, ESG und andere Themen stehen im Fokus. Produktanbieter und Investoren tauschen sich über Trends und Tendenzen in der Industrie aus.IPE Institutional Investment: Welche Punkte werden konkret bei Ihrem Panel aufgegriffen und diskutiert?Hill: Inhaltlich möchte ich meiner Diskussion und den Interessen meiner Panelisten nicht vorgreifen. Mein Panel trägt den Namen: „Passives contra Aktives Management, die Auflage einer alten Debatte“. Teilnehmen werden Nizam Hamid von WisdomTree, Dr. Peter König von delta management consulting GmbH und Michael Fuß von XTP AG. Man kann bei dem Thema davon ausgehen, dass hier die Welt nicht neu erfunden wird. Jedoch habe ich im Laufe der Zeit bei ähnlichen Panels – gerade bei vergangenen Diskussionen mit Family Offices in München, Berlin, Zürich und Monaco – festgestellt, dass bei einem Gedankenaustausch immer wieder doch einige neue Aspekte auftreten. Auf die Diskussion am Donnerstag freue ich mich.IPE Institutional Investment: Wie betrachten Sie als Moderator dieses Panel-Thema?Hill: Ich finde das Thema spannend. Oft weiß ich nicht, ob alle Parteien über die gleichen Sachverhalte sprechen. Was genau bedeutet „Passives Investieren“? Welchen aktiven Part übernimmt ein Investor, wenn er beispielsweise ETFs einsetzt? Wie messe ich die Leistung von jemandem, der rein passiv investiert? Dies sind einige Fragen, die ich ab und an mit Institutionellen diskutiert habe. Genauso interessant lassen sich Themenbereiche wie Vergütung und Auswahl von aktiven Fondsmanagern diskutieren. Mein Eindruck ist, dass hier manchmal aneinander vorbeigeredet wird. Eine These, in Ablehnung an Gedanken von Paul Watzlawick, könnte sein: Man kann nicht nicht-aktiv investieren!IPE Institutional Investment: Gibt es andere Punkte im Rahmen der Konferenz bzw. des Panels, die zusätzlich von allgemeinem Interesse sein könnten?Hill: Frankfurt ist aktuell nicht nur „Brexit-Profiteur“. Mittlerweile wird das Pro und Contra diesbezüglich lokal besonnen und sachlich diskutiert, der Hype scheint langsam abzuklingen. Viele In- und Ausländer verbinden die Stadt häufig stark mit dem klassischen Bankgeschäft. Viele der Spezialgeschäfte und Nischen, die in der Stadt besetzt werden, sind häufig nicht bekannt. Aufgrund des Flughafens ist es der zentrale Hub auch für viele Vertreter der internationalen Fondsindustrie. Spricht man mit ausländischen Freunden und Geschäftspartner, so sind diese oft verwundert, wenn man über den industriellen Mix im Rhein-Main-Gebiet spricht. Auf der Meta-Ebene gesprochen – im Ausland ist oft der föderale Charakter Deutschlands nicht so geläufig. Die gute dezentrale Versorgung des Landes mit Infrastruktur und der breite Mix von produzierender Industrie und Dienstleistungen stoßen oft auf Verwunderung und Bewunderung beim Gegenüber. Deutscher Mittelstand und Hidden Champions sind oft bekannt, die Fragmentierung erscheint hier oft Anlass zum Staunen zu geben. Auch die Finanzindustrie wird auf diese Weise abgebildet. Zwar ist Frankfurt der zentrale Hub, viele der großen institutionellen Investoren findet man jedoch breit gestreut in Deutschland. Gerade viele der ausländischen Asset Manager täuschen sich zu Beginn beim Markteintritt. Paris, London, Wien stoßen hier plötzlich auf Berlin, Köln, Stuttgart und mehr scheinbar „Provinzielles“. Aufgrund der Vernetzung der Fondsindustrie ist Frankfurt ein idealer Ort, um sich dem Thema Institutionelle Investoren in Deutschland zu nähern. Es geht nichts über einen guten Gedankenaustausch. Vor kurzem fand wieder die BVI Asset Management Konferenz in Frankfurt statt, die ganze Fondsindustrie kam hier zusammen. Ein Event, dass weniger kommerzielle geprägt ist. Anfang nächsten Jahres steht auch wieder der Institutional Money Congress statt.IPE Institutional Investment: Jenseits der Veranstaltung vom 9. November – mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit intensiver?Hill: Zum einen steht der Check von Fondskonzepten bei potenziellen Fonds-Neuauflagen im Fokus. Die Diskussion mit potenziellen Investoren bezüglich der Tragbarkeit von Konzepten ist fachlich immer wieder interessant. Zum einen erscheinen die Anforderungen der Investoren an neue Fondsmanager als sehr streng, zum anderen erscheinen häufig die Erwartungen der möglichen Fondsinitiatoren als zu „unrealistisch“ – Selbst- und Fremdbild erscheinen nicht unbedingt deckungsgleich. Oft sind Faktoren für eine potenzielle Zusage für Seed Money für den Fondsinitiator oder für eine Qualifikation für die Watchlist für ein späteres Investment nicht im vornherein abzuschätzen. Interessant ist es hier, dass man viele Konzepte von Fondsinitiatoren kennengelernt. Insofern ist der Gedankenaustausch bei Ansprache immer für beide Seiten interessant. Auf Investorenseite werden mir oft auch ungewöhnliche Konzepte präsentiert, oft „Hausprodukte“, die nur dem eigenen Kundenkreis präsentiert werden und die nur ausgewählten Investoren präsentiert werden. Häufig besteht hier noch nicht einmal ein Vertriebsinteresse – alles „off the market“. Seriöserweise muss man sagen, dass es potenzielle Initiatoren gibt, die schon – wenn Zustimmung für einen Kennlerntermin gegeben wird – beim ersten Termin überzeugen. Meistens sind es die, die vorher schon erfolgreich praktisch Porfolios nachweisbar betreut haben, die also einen Track Record haben. Zum anderen sind auch Personen und Teams interessant, die über ein sehr spezielles Know-how verfügen. Beispiele können hier speziellen Zugang zu bestimmten Datenpools, Hochschulverbindung oder auch ein tiefes Knowhow in einer bestimmten Branche sein. Die magische Formel für eine Zusage ist meiner Ansicht noch nicht gefunden worden, Garantien lassen sich hier schwer darstellen.IPE Institutional Investment: Gibt es derzeit bestimmte Produkte oder Konzepte, die Sie sich mit besonderem Interesse ansehen?Hill: Aktuell beschäftige ich mich stärker mit Absolute Return-Konzepten und Value Investing-Ansätzen. Auch der Small- und Mid Cap-Bereich ist hier sehr interessant, da mittlerweile Bereiche zusammen wachsen – in Teilen lässt sich dieser Sachverhalt

  • O-Ton vor einigen Jahren: „IFRS im Vormarsch”, „Tod des Spezialfonds”, „Publikumsfonds werden auch bei Institutionellen populärer” – gegenwärtig zeichnen sich zumindest auf der Medienseite eine breite Akzeptanz für dieses Produkthülle ab, auch bei den Institutionellen hat sich dieser Trend durchgesetzt. Begonnen hat die verstärkte Diskussion auch vor dem Hintergrund der damaligen Diskussion der Investmentrichtlinie. Schon in den Jahren 2003, 2004 und 2005 hatten sich verschiedene Beratungsgesellschaften im Rahmen der damals anstehenden Investmentrichtlinie in Studien mit einzelnen Punkten dieser Thematik beschäftigt. Verschiedene aktuelle Studien, Publikationen und auch die ETF-Popularität unterstreichen diese Tendenz. Ist der Spezialfonds ein Auslaufmodell? Um die Antwort vorweg zu nehmen: Natürlich wird der Spezialfonds als eine zielgruppenspezifische Problemlösung weiterhin Bestand haben. Ein Grund: Viele Kunden wollen Entscheidungen mit beeinflussen, verantwortliche Portfoliomanager in „greifbarer Nähe” haben. Auch die Entwicklung im Bereich der Master KAG-Lösung bestätigt diesen Sachverhalt. Ein Produkt – zwei „Vertriebskulturen“?In der Vergangenheit hat es eine strenge Trennung zwischen dem sogenannten Retail- und dem Institutional-Kunden gegeben. Dazwischen lag und liegt noch der Semi-Institutionelle Bereich, z.B. die Betreuung von “Wiederverkäufern” wie der Bereich Vermögensverwaltung bei Banken. Die Trennlinie der Bereiche konnte man am Produkt Spezialfonds festmachen: ein maßgeschneidertes Produkt und eine hochprofessionelle, intensive Kundenbetreuung, Bilanz- und Steuerthemen, wie auch die bekannte Anlageausschusssitzung waren eindeutig diesem Bereich zuzuordnen. Der Publikumsfonds hat in diesem Zusammenhang oft ein stiefmütterliches Dasein geführt – Randprodukt, Überbleibsel, die Vorstufe zum eigentlichen institutionellen Geschäft. „Nun wächst zusammen, was zusammen gehört”. Seit Jahren beobachtet man verstärkt, dass beide Produktgattungen adäquate Problemlösungen für Institutionelle Kunden darstellen. Zum einen ergeben sich durch Investmentrichtlinien interessante Ansatzpunkte für die Optimierung der Asset Allokation, zum anderen stehen die sogenannten IFRS (Rechnungslegungsvorschriften) bei bestimmten Kunden im Fokus. Ohne Detaildiskussion an dieser Stelle: Durch den möglichen Zwang zum Ausweis aller Einzelpositionen eines Spezialfonds in der Bilanz relativieren sich einige bisherige Vorteile, wie zum Beispiel die Möglichkeit zur Bildung stiller Reserven. Ein Grund, der die Attraktivität des Publikumsfonds seit vielen Jahren steigert. Im angelsächsischen Bereich ist der deutsche Spezialfonds „quasi“ unbekannt. Publikumsfonds (I-Shares) machen einen bedeutenden Anteil von institutionellen Anlagen aus. Wo liegen die Vorteile von Publikumsfonds? Ohne an dieser Stelle auch die oft angeführten Nachteile von Publikumsfonds (Kostenstruktur, „Massenprodukt versus Speziallösung“ etc.) zu diskutieren, kann man sagen, dass der Publikumsfonds nun auch im institutionellen Bereich ein Erfolgsmodell ist. Vor einigen Jahren waren etablierte Consultant diesbezüglich eher skeptisch, nun hat mein sozusagen seinen Frieden mit dieser Produkthülle gemacht. Der Investor schätzt das Produkt, auch der Trend im ETF- und UCITS-Bereich („Hedgefonds light“, Newcits) brachte Rückenwind. Mögliche Entwicklungslinien (Auswahl): Marketing- Mix bei Produktanbietern, Produktpolitik. Anbieter stehen unter dem Druck, „maßgeschneiderte“ Publikumsfonds zeitnah für die entsprechenden Zielgruppen aufzulegen. Viele der großen inländischen Asset Manager bieten zum Beispiel spezielle Publikumsfonds für Depot-A-Manager bei Volks- und Raiffeisenbanken an. Kommunikationspolitik Die Anbieter müssen klar kommunizieren, bei welcher Zielgruppe unter Umständen die Publikumsfondslösung der Spezialfondslösung vorzuziehen ist. Beispiel: Bei Versorgungswerken kann der Kauf von verschiedenen Publikumsfonds unter Asset-Allokation-Gesichtspunkten unter Umständen der Spezialfondslösung vorzuziehen sein. Oft wird hier der Publikumsfonds für kleinere Volumina oder zu Testzwecken eingesetzt. Aufgrund der Transparenz kann man von der Aushängeschild-Funktion des Publikumsfonds für den Vertrieb sprechen. Gerade Fondsadvisor und Vermögensverwalter, die eine Vielzahl von Private Label Fonds bei Alceda, LBB Invest, Universal Investment und anderen Kapitalanalagegesellschaften auflegen, profitieren von dieser Marketingfunktion. Die aktuelle Zusammenarbeit des Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) mit der Firma Fondsweb (Stichwort: Fondstransparenz bei Publikumsfonds) unterstreicht diese Entwicklung. Intelligenter Marketing-Mix ist gefragtWie zu oben bereits angedeutet: Spezialfondsvertrieb und Publikumsfondsvertrieb arbeiten seit Jahren verstärkt zusammen, früher waren hier noch Tendenzen zur Abgrenzung wahrnehmbar. Schon heute wird der Publikumsfondsvertreter oft bei Gesprächen bei Depot A (Volksbanken) bzw. Pensionskassen hinzugezogen. Aufgrund der Transparenz im Sinne von Öffentlichkeit wird Wettbewerbs- Know-how immer wichtiger: Was genau unterscheidet mein Produkt vom Mitbewerber? Im Publikumsfondsbereich ist diese Vorgehensweise bei Dachfondsmanagern altbekannt. Die weichen Faktoren treten hier stärker in den Hintergrund. Nicht der Kunde verlangt eine maßgeschneiderte Lösung, sondern der Anbieter muss sich dem harten Wettbewerb aufgrund der oben angeführten Publizität stellen. Preispolitik Die Gebührenstaffelungen müssen optimiert werden. Langfristig gesehen wird der Kunde bei gleichem Volumen für Publikumsfonds nicht mehr bezahlen wollen als für Spezialfonds. Vielleicht hat das auch die Konsequenz, dass hierdurch Druck auf die Höhe von Management Fees von Publikumsfonds für Privatkunden entsteht. Mittlerweile haben die Investoren in diesem Bereich eine starke Verhandlungsmacht erlangt. Fondsbranche – Spannungsfeld zwischen Opportunismus und soliden TrendsAlter Wein in neuen Schläuchen – ähnlich wie man den vieldiskutierten Begriff Absolute-Return unter anderem mit dem altmodischen Begriff Kapitalerhalt in Zusammenhang bringen kann, sind Publikumsfonds seit jeher eine Produktgattung für Institutionelle gewesen. Eine Tendenzaussage lässt sich machen: Der Publikumsfonds hat unbestritten an Bedeutung gewonnen, durch die langjährigen Diskussionen können sich neue Lösungen für den Kunden ergeben. Für die Anbieter bieten optimierte Publikumsfondslösungen einen Ansatz für Neugeschäft. Vergessen wird oft, dass gerade kommunikationsintensive, angeblich trendgetriebene Themen wie zum Beispiel Nachhaltigkeit / SRI über dieses Instrument leichter vermarktet werden können. Beispiel: SICAV-Strukturen im Photovoltaik-Bereich, Klimaeffizienz, Mikrokredite etc.. Anbieter wie Sarasin oder Swisscanto und SAM beschreiten diesen Weg seit Jahren. Mode kann man dies wohl kaum nennen – dicke Bretter werden kontinuierlich gebohrt. Die ersten Erfolge lassen nicht auf sich warten. Unter anderem für Zielgruppen, die wegen der Anlagevolumina von Spezialfonds nicht angesprochen werden, bietet der Publikumsfonds eine vielversprechende Alternative. Gerade „kleine“ Vermögensverwalter, Fondsboutiquen und Family Offices wird der Markteintritt im klassischen institutionellen Kundensegment erleichtert. Dies unterstreicht die generelle Linie bei der Produktkonzeption von Publikumsfonds und einen soliden Trend in der Branche: Unterschiedliche Anteilsklassen, Benchmarkkonzeption, Reporting-Qualität – „Konvergenz statt Konfrontation“- und das seit Jahren! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • Auf den Punkt gebracht: „Placement Agent – das ist doch derjenige, der die heiße Kartoffel weitergeben soll!“ (Family Office-Repräsentant aus dem Norden Deutschlands). Placement Agent – ein schillernder Begriff, dessen Facetten vielen Asset Managern nicht geläufig sind. Die Bandbreite geht über „Placement Agent-light“ zu „Placement Agent-plain vanilla“, vom Marketing-Dienstleister hin bis zur ausgelagerten Vertriebseinheit. Die Leistungsprofile der Anbieter gehen dabei weit über Standard-Vertriebsleistungen hinaus. Während der eine Dienstleister sich mehr im Support oder im gleitenden Übergang zum direkten Vertrieb sieht, stellt für bestimmte Dienstleister die Kernfunktion Vertrieb den Schwerpunkt der Positionierung dar. Mit allen Vor- und Nachteilen. Mögliche Kritikpunkte an diesem Dienstleister: Reines „Abstandsmarketing“ – tolle Broschüren, aber Null Kundenkontakt, reines PowerPoint-Theorie-Consulting oder „Sprechender-Fact-Sheet-Ansatz“? Fairerweise sollte gesagt werden, dass viele potentiellen Auftraggeber zum einen nicht wissen, was ein Placement Agent ist. Die angeführten, beispielhaften Kritikpunkte entspringen häufig auch einer gewissen „Ratlosigkeit“ auf der Kundenseite, ähnlich wie im klassischen Bereich der Unternehmensberatung. Zum anderen fragen sich viele Fondsboutiquen und Vermögensverwalter natürlich: Worin liegt der Nutzen dieses externen Dienstleisters? Was kann man realistischer weise erwarten? Professionalisierung und ProduktpolitikDie positiven Aspekte dieser relativ neuen Dienstleistung im deutschen Finanzsektor gehen bei solchen Äußerungen leider oft verloren. So ist beispielsweise eine Spezialisierung auf einen bestimmten Sektor bzw. Zielgruppe oder ein Tätigkeitsgebiet bei einer gezielten Investorenansprache sinnvoll. Oftmals werden einfach unrealistisch hohe Erwartungen an Dienstleister gestellt. Marketing, Vertrieb, PR – Dienstleister leben von guten Inhalten und hoher Qualität – Performance als Hygienefaktor – um mit Investoren in Dialog zu kommen. Kein Anbieter von Produkten hört gerne, dass er nur „Durchschnitt + x“ anbietet. Ein Misserfolg des Dienstleister ist vorprogrammiert, denn er kann mit unzureichender Qualität keinen Kunden überzeugen. Von Auftraggebern wird mitunter vergessen, dass auf der Gegenseite institutionelle bzw. semi-institutionelle Kunden sitzen, die lesen können, Consultants einschalten und kritische Beobachter der Fachpresse sind. Die positive Berichterstattung über spezialisierte Fondsadvisor/Fondsboutiquen, die bei Kapitalanlagegesellschaften wie Universal-Investment, Alceda, Hauck & Aufhäuser etc. einen Fonds auflegen und die Anlagestrategie verantworten, fördert die Professionalisierung institutioneller Investoren. Auch Fondsratings werden aufmerksam verfolgt und unterstützen das Marketing. Insbesondere die Aktivitäten des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter in Deutschland eV (VuV) als ein mögliches Qualitätsmerkmal zum Auswahlprozess fördert die Aufmerksamkeit im institutionellen Segment. Kommunikation, Langfristdenke und Mission ImpossibleBei temporär „fußkranken“ Produkten (Performanceschwäche oder Anlageklasse aktuell nicht im Fokus der Investoren), wird oft vergessen, dass der langfristige Dialog mit Investoren und potentiellen Investoren im Vordergrund stehen sollte – unter Umständen kann das für bestimmte Kunden bedeuten, dass Krisenkommunikation und Asset-under-Risk-Gespräche mit Investoren in kritischen Zeiten im Vordergrund stehen. Bei vielen Asset Managern als Auftraggeber eines Placement Agents steht die kurzfristige Steigerung des Absatzes im Fokus, die Wichtigkeit einer langfristig soliden Kundenbeziehung wird unter Umständen vernachlässigt. Dies führt dazu, dass der Placement Agent vielleicht vor eine unlösbare Aufgabe steht: Opportunistisch gesteuerte Vertriebsaktionen, die eine Langfristdenke vermissen lassen und häufig auch noch zu Reputationsrisiken führen können, schaden mehr als dass sie nützen. Welcher Investor genießt wirklich die hartnäckige Diskussion mit bestimmten Vertriebsleuten? Das Kommunikationssetting Sales/Investor ist belastet, wenn es abschließend auf die eine Frage hinausläuft: „Warum haben Sie unseren Fonds noch nicht gekauft?“ Ein nicht ganz abwegiger Gedanke in diesem Zusammenhang: Vielleicht sollte vielmehr Beziehungsmanagement vor reinem Produktverkauf stehen, denn dieser funktioniert auf lange Sicht ohnehin nicht. Unter diesem Aspekt sollten auch die Honorierungsmodalitäten für die besprochene Dienstleistung überprüft werden. Gerade in Phasen, wo sehr dynamische Bewegungen an den Märkten zu verzeichnen sind, ist eine gute Kommunikation unverzichtbar, um Mittelabflüsse zu verhindern. Gute AussichtenIn Deutschland entwickelt sich etwas. Wettbewerb ist der Motor, der sozusagen die ganze Industrie im Kundeninteresse nach vorne bringt. Es ist allen Marktteilnehmern zu wünschen, dass der richtige Asset Manager auf den richtigen Dienstleister trifft. Full-Service-Provider, Nischenanbieter, Module und Projekte – der Kunde ist König. Jeder Topf findet seinen Deckel! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de

  • „Was hilft es mir, die Axt zu schärfen – ich muss sägen!“ (Unbekannt). Viele Fondsboutiquen und Family Offices sind im Tagesgeschäft gefangen. Glücklich für die Guten unter Ihnen, da Vollauslastung im Sinne von Profitabilität und Kundenzufriedenheit ein begrüßenswerter Zustand ist. Unzufriedenheit schleicht sich jedoch häufiger ein, da oft der Ruf nach quantitativem und qualitativem Wachstum nicht verstummt. Das Hamsterrad wird von diesen Kundengruppen oft in Gesprächen als Bild benutzt. Im Sinne von: „Wir haben Top-Fondsmanager, exzellente Kundenbetreuer, hervorragende Dienstleistungen, spezielles Know-how und Produkte – aber eigentlich würden wir noch ganz andere Kundengruppen ansprechen. Leider haben wir oft nicht die Zeit, mit den richtigen Investoren in den Dialog zu treten“. Worin können Gründe für diese Unzufriedenheit liegen? Gibt es überhaupt eine Lösung für das Problem? Unabhängige Vermögensverwalter und Family Offices – Transparenz als MarktsignalViele unabhängige Vermögensverwalter und Family Office beweisen oft durch eine sehr lange Firmenhistorie, dass man es geschafft hat, dem Kunden einen Mehrwert zu bieten. Ein hoher Grad an Kundenbindung kann durch überlegene Performance wie auch durch das überlegene, maßgeschneiderte Angebot von Problemlösungen entstehen. Vergleichbar erscheint dieser Erfolg wie der Siegeszug der Hidden Champions der deutschen Mittelstandsindustrie. Viele Family Offices bauen Ihren guten Ruf auf der speziellen Fähigkeit auf, über exzellente Kenntnis der Kundenbedürfnisse und ureigene Services zu verfügen bzw. über Know-how-Netzwerke dem Kunden behilflich sein zu können. In den letzen Jahren treten einige dieser „Consultants“ für den privaten Kunden auch als Anbieter von eigenen Produkten in Erscheinung. Als Nebeneffekt der für die eigenen Kunden bei Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, Oppenheim Fonds Trust oder zum Beispiel Hauck & Aufhäuser aufgelegten Fonds profitiert zunehmend auch der Privatanleger wie auch der Institutionelle von deren Expertise. Ein sehr kompetitives Umfeld: Durch den Schritt in die Öffentlichkeit signalisiert man Transparenz. Wettbewerb kommt den Privatkunden zugute, wie auch bei den Private Label Fonds von kleinen und mittelgroßen Vermögensverwaltern. („Fondsboutiquen“).„Primitiver“ Produktvertrieb versus fachlicher Gedankenaustausch – wird zu viel gesägt und zu wenig geschärft?Unternehmen mit großen Fixkostenblöcken und starkem Druck bezüglich Kapazitätsauslastung haben oft die Tendenz, ständig neue Ertragsquellen suchen zu müssen. Muss man viele Portfoliomanager, Produktspezialisten und Marketingstäbe finanzieren unterliegt man oft dem Druck, viele neue Produkte in der Pipeline zu haben. Die Frage, die sich seit Jahren stellt ist, ob das Wachstum der Asset-Management-Industrie auch von einem Wachstum der Anzahl der überdurchschnittlich guten Fondsmanager begleitet wird. Diese Frage wird von vielen Investoren wohl mit einem entschiedenen Nein beantwortet. Kleine, unabhängige Asset Manager (ein Netzwerk in Frankfurt: Verband unabhängiger Vermögensverwalter e. V.) profitieren von dieser Entwicklung. Bei vielen Projekt-Gesprächen mit Investoren im Seed-Money-Bereich und bei der qualifizierten Suche nach Produktlösungen wird mir immer wieder signalisiert, dass die Expertise von vielen kleinen Häusern, die im Direktkontakt Ihr Know-how und Ihre Vorzüge erläutern können, oft auf mehr Interesse stoßen als die durchschnittliche Sales-Story eines reinen Vertriebsmitarbeiters in Kombination mit unbestritten hochprofessionell aufbereitetem Marketingmaterial von manchem „großen“ Haus. Zudem nehme ich oft Offenheit, Interesse und Dankbarkeit bei potentiellen Investoren wahr, wenn man im Dialog herausarbeitet, welche Produkte bzw. Problemlösungen (!) überhaupt von Interesse sind. Fairerweise, trotz negativer Investorenurteile ist zu sagen: Es gibt natürlich gute Vertriebsleute in beiden Lagern und gutes Research, das oft von großen Häusern zur Verfügung gestellt wird. Research, Aufsätze und andere Ausarbeitungen, die vielen Investoren oft nicht bekannt sind!Investoren – Bedürfniss, Wünsche und mögliche StolpersteineWorauf die beschriebene Kommunikationsthematik hinausläuft ist, dass viele Investoren nicht wissen, dass gegenwärtig sehr gute Produkte mit interessanten Ansätzen nach Seed-Money oder exzellente Fonds mit kleinem Volumen nach Aufstockungsmöglichkeiten suchen. Was könnten zum Beispiel die möglichen Gründe für so einen Missmatch bei bestimmten Investoren in Frankfurt am Main sein? Wie so oft kann es ganz einfach sein – der eine redet nicht mit dem anderen bzw. der eine möchte mit dem anderen nicht reden, weil ihm dieser zu aufdringlich erscheint. Ein Auftraggeber von mir will zum Beispiel neue Produkte auswählen, geht aber nicht mehr auf Veranstaltungen in Frankfurt, Düsseldorf und München bzw. lehnt es ab mit Vertriebsmitarbeitern von Fondsgesellschaften (große und kleine Gesellschaften!) zu sprechen, weil er in solchen Gesprächen keinen Mehrwert erkennen kann. Indirekt einmal eine Anregung für den Ausbau von Trainingsmaßsnahmen im Vertriebsbereich für alle Produktanbieter – Vetriebsmann als Know-how-Multiplikator versus „Sprechendes-Fact-Sheet-Image“. Ein anderer, simpler Grund kann sein, dass viele der kleinen Unternehmen sich nicht die Zeit nehmen wollen, verstärkt in den Investorendialog zu treten, weil es Zeit und Geld – neue Mitarbeiter, intern oder extern, Marketingbudget – kosten würde. Der elementare Grundstein für nicht zufriedenstellende Wachstumsraten und mangelnden Bekanntheitsgrad, ist hiermit „erfolgreich“ gelegt.Know-how-Kommunikation: Fondsboutiquen und Family Offices könnten Vorreiterrolle einnehmenWenn ein Geschäftsmodell langfristig ausgelegt ist und vielleicht sogar von außen aus gesehen deshalb als zu wenig profitorientiert betrachtet wird – häufige Kritik an nicht börsennotierten, eigentümergeführten Unternehmen – hat man einen Wettbewerbsvorteil. Der Druck zum ständigen Produktverkauf steht nicht zwischen Anbieter und Investor. Erfolgreiche Fondsboutiquen und Family Offices haben diesen Vorteil schon vor Jahren erkannt. Das weit verstreute Fachwissen von vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen in der Asset Management-Branche erscheint oft ungenutzt. Man stellt sein Licht unter den Scheffel. Ertragsminderungen im Sinne von hohen Opportunitätskosten sind häufig die Folge: Ähnlich wie der deutsche Mittelständler, der in Europa den Schneepflug-Markt zu 70% beherrscht, sollten kleine, spezialisierte Fondsanbieter Segmente erfolgreich besetzen können – wenn man sie denn nur einfach kennen würde. Könnten diese sich von den üblichen, oft stärker opportunistisch geprägten, Marketing-Strategien etablierter Häuser absetzen, würden sie zusätzliche Aufmerksamkeit bei Investoren finden. Dies gilt sowohl für Fondsanbieter wie auch Family Offices. Family Offices erscheinen oft wie eine „Schatzkiste“ an gebündeltem Know-how. (Dies trifft auch auf einige KAGen zu, die Private Label Fonds auflegen – oft unbekannte Consulting-Netzwerke!). Viele würden, unter Wahrung von Diskretion und Professionalität, gerne verstärkt ihre Dienstleistungen an vermögende private und institutionelle Investoren anbieten. Man kann nur beherzt fordern, dass diese Anbieter in Zukunft mehr Kommunikations- und Netzwerkaktivitäten betreiben. Unabhängig davon, ob intern oder extern organisiert, betreut, „promotet“ – gute Qualität sollte mehr Visibilität erhalten. Denn wie in vielen Branchen, die gerne wachsen wollen, gilt: Reden ist Silber, Schweigen kostet Gold! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.com

  • „Viel hilft viel!” – dieser Eindruck entsteht, wenn man derzeit die aktuelle Diskussion in Fachpresse und Vertrieb zum Thema UCITS betrachtet. Die Medienindustrie im Asset Management spielt ihre scheinbar aktuellen Themen mit ähnlichem Engagement wie andere Industrien auch. UCITS, eigentlich mehr die Story über Produktverpackung, ist in aller Munde. Noch vor fünf, sechs Jahren war dieses Thema nicht im Fokus vieler institutioneller Investoren. Die ersten sogenannten „Superfonds“ tauchten in der Diskussion auf. Dynamik der DiskussionZu Beginn der UCITS-Diskussion gab es verschiedene Stadien. Zum einen nahmen viele Teilnehmer der Industrie den Begriff war, dieser wurde jedoch zunächst mehr in der technischen Ecke diskutiert. Die klassische Publikumsfondsindustries sammelt Erfahrungen mit dem UCITS-Reglement. Positive Erfahrungen entstanden – sogenannte „Vermögensverwaltende Ansätze“ mit erfolgreichen Track-Records fanden Zuspruch und Interesse. Zunächst im Retailbereich, mittlerweile werden diese Ansätze auch mit grossem Interesse bei institutionellen Investoren verfolgt. Interessanter Weise kann man diese long-only-Produkterfahrungen in der Fachdiskussion fast isoliert von der derzeitigen Hegefonds-light-Debatte geführt sehen. Die klassische Publikumsfondsindustrie und die oft mit Skepsis betrachtete Hedgefondsindustrie steht durch UCITS wieder im Mittelpunkt des Interesses. Ob die Skepsis generell berechtigt war oder ist, wäre einer genaueren Betrachtung  würdig. Unabhängige Manager aus der klassischen Fondsindustrie stehen im Fokus der Diskussion, aber auch etablierte konzerngebundene  Häuser profitieren derzeit von einer engagierten Diskussion in der Fondsindustrie. Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, Axxion und IP Concept legen kontinuierlich mehr und verschiedene Fondskonzepte im UCITS-Mantel auf. Natürlich taucht nach einer Welle der Euphorie auch Ernüchterung auf: Wie sieht es mit der Liquidiät der einzelnen Hedgefondsstrategien aus? Risikomanagement – welche Rolle spielen Swaps? Verführt das Label UCITS zu einer Scheinsicherheit? Negativ wirken natürlich auch die „vollmundige Produkt-Propaganda“ im Rahmen der Einführung der 130/30-Fonds oder Phänomene wie Madoff. Hierzu zählen auch aktuelle eigene Erfahrungen bei der Produktauswahl – tatsächlich hatten einige Produktanbieter die  „Unverfrorenheit“ besessen, Ihren Hauptprodukt-USP an dem Begriff UCITS festzumachen.Chancen der DiskussionDiskussionszyklen in der Fondsindustrie mögen manchmal den Effekt produzieren, dass man in der Kritikphase möglicherweise dazu tendiert, dass Kind mit dem Bade auszuschütten. Was bedeutet das? Zu Beginn wird UCITS langsam bekannt gemacht, dann beginnt der Marketing-Hype bei Produktanbietern und bei der Fachpresse. Ein natürlicher Kreislauf, der nicht unbedingt verurteilenswert erscheint. Kritisch wird es dann, wenn man Werbeversprechen ohne Due Dilligence bewusst oder unbewusst zur Entscheidungsgrundlage macht. Der Effekt der sogenannten kognitiven Dissonanz („Mogelpackungseffekt“) taucht dann auf. Aufgrund der ersten kritischen Erfahrungen werden die grundsätzlichen Vorteile und erweiterten Handlungsmöglichkeiten stark durch die Brille der aktuellen, kritischen Diskussion gesehen. Spricht man mit Fachleuten aus dem Bereich Regulierung  oder verfolgt Teile der aussereuropäischen Fachpresse, wächst die Kritik. Zu hoffen ist, dass dieser kritische Teil der Diskussion über UCITS  nur ein natürlicher Bestandteil eines Optimierungsprozesses in der Industrie ist. Dann würde auch für Produkte im UCITS-Mantel („Hedgefonds light“) und der klassischen Verpackung als Hedgefonds bei Institutionellen gelten: Das eine tun, das andere nicht lassen! Quelle: www.institutional-investment.deFoto: www.pixabay.de


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